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  • Frisch aus dem Wald auf den Tisch: „Clean Eating“

    Zartes Grün sprießt nun im Frühling überall in der Natur. Manches frische Blatt schmeckt nicht nur den Tieren gut. Auch für uns Menschen ist Etliches, was jetzt der wärmenden Sonne entgegenwächst, sogar höchst bekömmlich Foto: angieconscious / pixelio.de Junge Pflanzen, Kräuter und Gräser aus dem Wald sind für Vögel, Insekten und andere Wildtiere erste und bevorzugte Nahrung nach dem Winter. Vielen ist nicht bewusst, dass eine ganze Reihe Wildpflanzen auch für uns Menschen essbar sind und außergewöhnliche Geschmackserlebnisse bieten. Manchem von dem, was quasi vor der Haustür wächst, wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. So enthalten 50 Gramm Gewöhnliche Vogelmiere, die auch Hühnerdarm oder Hühnerscherbe genannt wird, neben Kalium, Kalzium und Magnesium so viel Vitamin C, dass der Tagesbedarf eines Erwachsenen gedeckt ist. Gegenwärtig ist deshalb die beste Zeit, um heimisches Grün auf kulinarische Weise kennenzulernen oder die Köstlichkeiten neu zu entdecken. Dazu muss man kein Verfechter der zunehmend in Mode kommenden Naturküche sein oder dem Trend zum sogenannten Health Food, was sich wohl am adäquatesten mit „gesunde Nahrung“ übersetzen lässt, anhängen. Es reicht etwas guter Geschmack und der Wille, die heimische Küche zu veredeln. Neben Spitzenköchen frönen deshalb auch immer mehr gesundheitsbewusste Genießer dem „Clean Eating“ mit nährstoffreichen, naturbelassenen Zutaten aus der kulinarischen Schatzkammer des Waldes. Dabei handelt es sich eher um eine Wieder- als um eine Neuentdeckung der puren Aromen. Denn bereits Hildegard von Bingen hat vor etwa acht Jahrhunderten eine gesunde Ernährung auf der Basis von Naturkräutern empfohlen. Zu den bekanntesten Frühjahrswildkräutern gehört sicher der Bärlauch mit seinem intensiven Knoblauchgeruch. Er ist inzwischen derart gefragt, dass auch Supermärkte ihn anbieten. In der Frischetheke der Natur gibt es ihn ab etwa Mitte März kostenlos. Er wächst in Laubwäldern vorrangig auf kalkhaltigen Böden in großen Teppichen. Zugreifen sollte nur derjenige, der ihn sicher vom giftigen Maiglöckchen, das eine ähnliche Blattform hat, unterscheiden kann. Kulinarische Schatzkammer der Natur Wer in dem Punkt unsicher ist, kann auch die Knoblauchrauke ernten, die gerne auf nährstoffreichen schattigen Flächen, etwa an Hecken oder Waldrändern, wächst und ähnliche Aromen bietet. Die Blätter schmecken leicht nach Knoblauch. Die enthaltenen Senföle geben ihnen eine angenehme Schärfe. Beide Pflanzen eignen sich ebenso wie Wald-Sauerklee, Löwenzahn und Giersch für Kräuterbutter und Salate. Foto: Stefan Domesle / pixelio.de Die goldgelben Blüten des nahrhaften und gesunden Löwenzahns, der auch als Pusteblume bekannt ist, ergeben zudem einen aromatischen Sirup, der auch als vegane Honigalternative genossen werden kann. Der würzige Gundermann und Sauerklee sind ebenfalls reich an Vitaminen und eignen sich für Pesto, Salat oder Tee. Die nährstoffreiche Brennnessel eignet sich zudem für Spinat und der süßlich duftende Waldmeister gibt eine herrlich frische Maibowle. Leicht zu finden und zu erkennen ist das Gänseblümchen. Dessen erste Blütenknospen lassen sich zu sogenannten falschen Kapern verarbeiten. Das auch als Tausendschön und Marienblümchen bezeichnete Gewächs mit seinen weißen bis leicht rötlichen Blüten, die ein essbarer Hingucker im Frühlingssalat sind, schmeckt ähnlich wie Feldsalat, allerdings leicht bitter. Selbst Waldmoose lassen sich in der Naturküche nutzen, etwa zum Räuchern von Tomaten. Doch nicht nur am Boden sprießt frisches Frühlingsgrün. Auch die Bäume treiben aus und bieten Genussvolles. Die hellgrünen Triebspitzen der Fichte können ab diesem Monat geerntet und zu einem belebenden Tee verarbeitet werden. Sie enthalten ätherisches Öl, Vitamin C, Zucker und Gerbstoffe. Frische Buchenblätter geben einen hervorragenden Salat. Die „Handstraußregel“ beachten Wer nun zur Ernte in die Natur zieht, sollte wissen, dass er am ehesten an lichten Stellen, Wegrändern und in Mischwäldern fündig wird. Allerdings sollte die direkte Nähe zu Straßen und landwirtschaftlichen Flächen ebenso gemieden werden wie Wildwechsel, eingezäunte Weiden und Flächen unmittelbar an beliebten Wegen für Gassi-Runden mit Hunden. Das stellt sicher, dass die Wildpflanzen möglichst wenig mit Abgasen, Pestiziden oder anderen unerwünschten Stoffen in Berührung gekommen sind. Waldkräuter werden am besten bei trockenem Wetter gepflückt. Sie sollen frisch, sauber sowie unversehrt aussehen. Oberste Regel ist: Es wird nur gepflückt, was man absolut sicher erkennt. In Naturschutzgebieten ist das Pflücken verboten. Auch geschützte Arten sind tabu. Außerdem gilt die „Handstraußregel“ des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie besagt, dass nur kleine Mengen für den Eigenbedarf entnommen werden dürfen. Beim Sammeln ist darauf zu achten, die Blätter nicht mit der Zwiebel oder Wurzel aus der Erde zu ziehen. Sie sollte im Boden bleiben, damit die Pflanze im nächsten Frühling wieder austreiben kann. Elementar zur Waldküche gehört Wildbret. Es bietet Fleisch in bester Qualität, denn im Wald gibt es noch artgerechte Wildlebensräume fern von Eingriffen des Menschen. Rot-, Reh-, Dam- und Schwarzwild ernähren sich fast das ganze Jahr über vorwiegend von frischen Kräutern und Gräsern. Das beeinflusst maßgeblich den milden Geschmack des Wildbrets, das fettarm, eiweiß- und nährstoffreich ist. Es lässt sich mit Waldkräutern hervorragend zubereiten. Wer sich einen speziellen Genuss gönnen möchte, verarbeitet Bärlauch oder Knoblauchrauke zu einem Pesto, mit dem er den Rücken eines frisch erlegten Maibocks überbackt.

  • Zwischen Koalitionszwang und Wirtschaftskrise: Regierung sucht Stabilität

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, ökonomischer Sachverstand deckt sich nicht immer mit dem Blick für das politisch Machbare. Das gilt allemal für die aktuelle Koalition voller ideologischer Gegensätze. Die derzeit wichtigste Klammer zwischen Union und SPD bildet der Erhalt staatlicher Handlungsfähigkeit aus der politischen Mitte heraus. So sind vielleicht die Beschlüsse in der Villa Borsig zu verstehen. Sie fielen am Ende gegen das kritische Unisono der wohl diesmal nicht nach ihrem Rat gefragten Wissenschaftler und Sachverständigen. Was jetzt gilt: Aus der Wirtschaftskrise kommen wir nur, wenn sie nicht von einer andauernden politischen Krise überlagert wird. Wirtschaftsministerin Reiche hat sicher in Teilen Recht, der Kanzler muss den Laden aber zusammenhalten und darf dabei Vizekanzler Klingbeil nun einmal nicht links liegen lassen. Das alles spielt sich in Berlin vor einer außenpolitischen Kulisse voller Unsicherheiten ab. Dabei schöpft Europa nach der Wahl in Ungarn aus mehr eigener Stärke. Brüssel arbeitet daran, dass immer mehr ohne Trump geht. Die Auswirkungen seiner „Friedenspolitik“ werden wir also weiter zu spüren bekommen. Schauen wir noch kurz in die Regionen: Die künftigen Koalitionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind wohl nach allen Irritationen wie erwartet auf dem Weg. Zur Energiesicherung gehört der Netzausbau mit den großen Nord-Süd-Trassen. Auf die Auswirkungen auf unsere Landschaft kommen wir in unserer Wochenkolumne mit dem Blick aufs Wild noch einmal zurück. Und auf das, was die Natur uns sonst noch bietet Gut gemeint kommt nicht immer gut an. Von allen Seiten kam der Ruf nach Entlastungen für möglichst viele Betroffene, die gezwungen sind, zu den drastisch gestiegenen Preisen zu tanken. Viele von uns sind einfach auf das Auto angewiesen – als Pendler, in den Unternehmen oder privat zur Versorgung der Haushalte in strukturschwachen ländlichen Regionen. Das Stöhnen dort ist vielfach berechtigt, wo nun einmal Abhängigkeiten von der Tanksäule bestehen. Im letzten Wochenbrief sind wir bereits darauf eingegangen, wo überall die explodierenden Kraftstoffpreise Existenzängste ausgelöst haben. An den Streit zwischen ordnungspolitischen Grundsätzen und Koalitionsdisziplin vor dem Wochenende in der Villa Borsig erinnern wir uns gut. Und an die Spannungen zwischen Wirtschaftsministerin und Finanzminister (= Vizekanzler und SPD-Co-Chef). Der Kanzler hat die entsprechenden gegensätzlichen Überzeugungen aus der politischen DNA beider nicht auflösen können. Zur Union gehört marktwirtschaftliche Grundsatztreue und zur SPD staatliche Zuwendungsmentalität. Merz hat mehr Koalitionsdisziplin für öffentliche Auftritte und Äußerungen aus dem Kabinett heraus eingefordert. Kritiker haben genüsslich Zitate von Friedrich Merz mit Widersprüchen zwischen seinen Oppositions- und Kanzlerpositionen für die Bundestagsdebatte ausgegraben. Das Verhältnis Union und Wirtschaft erscheint zunehmend belastet Der Kanzler muss und will geschmeidig sein, wenn er den Laden zusammenhalten will. So versucht er, trotz ständig sinkender Zustimmung in den wöchentlich neuen Umfragen auf Reformkurs zu bleiben. Entsprechende Umfragen nimmt er offensichtlich in Kauf. So hat in dieser Woche das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seine Untersuchung zur Stimmung unter rund 1000 Unternehmen veröffentlicht. Danach stellen 43 Prozent der Befragten fest, dass ihre Lage schlechter sei als vor einem Jahr. Zur Vollständigkeit: Nur für 14 Prozent waren positive Signale zu erkennen. Diese Kritik ist auch aus Verbänden des Mittelstandes und der Arbeitgeber zu hören. Die teilweise drastisch artikulierten Äußerungen über die Gesamtlage in der Wirtschaft haben dann wohl auch zur Welle der Ablehnung der von der Koalition geplanten steuerfreien 1.000-Euro-Prämie geführt. Insgesamt erscheint das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Union als zunehmend belastet. Das angekündigte Reformtempo soll gleichwohl nun gehalten werden. Jedenfalls hält sich die Kritik an dem, was zur Reform des Gesundheitswesens auf dem Tisch liegt, dagegen erst einmal in Grenzen. So wiederholen wir uns: In der politischen Prioritätenliste rutscht angesichts dieser Debatten mit entsprechenden Schlagzeilen vieles nach unten, was uns eigentlich beschäftigt. Den Sondierungen folgen jetzt Koalitionsverhandlungen in Stuttgart und Mainz Auf Länderebene ist jetzt erst einmal der Bundesrat gefragt, der nach den abschließenden Lesungen im Bundestag dem Entlastungspaket Sprit und der Steuerfreiheit der 1000-Euro-Prämie wohl schnell zustimmen wird. Anfang Mai soll dann alles wirken, was trotz aller Kritik abgesprochen und auf den Weg gebracht wurde. Vorab gab es dann Ende dieser Woche wenigstens ohne staatliche Eingriffe eine leichte Entspannung an den Tanksäulen. Auf den „Übergewinn des Staates“ haben wir bereits hingewiesen. Jetzt liegen erste Berechnungen vor, die ich gerne als Zitat aus einer Meldung des Bayerischen Rundfunks nachschiebe. Der Fiskus könnte danach durch gestiegene Spritpreise je nach Rechnung im Zeitraum eines Jahres 1,9 bis 3,3 Milliarden Euro mehr Mehrwertsteuern einnehmen. Das ergibt sich nach dieser Berechnung so: Der Nettopreis pro Liter wird mit der Energiesteuer und der CO2-Abgabe zusammengerechnet, auf diese Summe werden 19 Prozent MwSt. aufgeschlagen. Zum Spendenformular Und ebenfalls auf Länderebene nehmen die erwarteten Koalitionen in Stuttgart und Mainz erste Konturen  an. CDU und Grüne sowie CDU und SPD beginnen nach Sondierungsgesprächen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz formell mit Koalitionsverhandlungen. Mitte Mai könnten die Koalitionen unter Cem Özdemir und Gordon Schnieder stehen . Jedenfalls sollen sie dann nach den vorläufigen Terminplanungen der Landtage zu Ministerpräsidenten gewählt werden. Netzausbau mit Folgewirkungen auf Biotope und Wildtiere Ein ständiges Thema geht von den Umwälzungen mit Auswirkungen auf Strukturen und Landschaftsentwicklung in der Energiepolitik  aus. Dabei geht es auf dem Lande vorwiegend um den Netzausbau und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur. Darüber haben wir in unserem Blog schon mehrfach berichtet. Alle wollen die Energiewende. Aber wenn sie mit dem Netzausbau vor der eigenen Haustür konkrete Gestalt annimmt, hakt es oft . Betroffene melden sich immer wieder zu Wort. Die Flächeneingriffe für die Erdkabel sind teilweise so gravierend, dass bereits das Bundesverwaltungsgericht darüber entschieden hat – allerdings zu Lasten der Eigentümer und der Agrarwirtschaft. Jetzt meldete sich der Landesjagdverband Schleswig-Holstein zu Wort. Er unterstützt das Ziel, den Stromnetzausbau planbarer und konfliktärmer zu machen. Anlass zu einer Veröffentlichung zu diesem Thema ist die Stellungnahme der Jägerschaft im Norden mit der Aufforderung an die Netzunternehmen und Genehmigungsbehörden, Naturschutz- und Biodiversitätsbelange systematisch, transparent und fachlich belastbar zu berücksichtigen . „Wer Netzausbau beschleunigen will, muss sensible Räume frühzeitig erkennen und Barrieren für Wildtiere von vornherein mitdenken“ , sagte dort LJV-Geschäftsführer Marcus Börner. Von einer bereits gelegten Trasse  im Bereich des Teutoburger Waldes berichtet mir der Eigentümer (und Jäger) betroffener Grundstücke, dass durch die Bauarbeiten alte und lange beobachtete Wildwechsel abrupt unterbrochen wurden. Ausgangspunkt: Der obere Boden der Äcker wurde breitflächig abgetragen. Dadurch entstand dort ein rund vier Kilometer langer und etwa 50 Meter breiter Graben. Von außen betrachtet ist das vielleicht ein Nebeneffekt des Netzausbaus. Der LJV betont, dass gerade bodengebundene Wildtiere empfindlich auf solche Zerschneidungseffekte reagieren würden. Die diesbezügliche fachliche Expertise sollte also von vornherein in solche Planungen einbezogen werden. In Schleswig-Holstein wird auf den dort beschlossenen Wildwegeplan, das Wildtierkataster und vorhandene Daten zu Wildunfällen und Tierfunden sowie bekannte Wanderachsen und Barrierewirkungen verwiesen. Das sind wichtige Ratschläge aus dem Land, von wo aus immer mehr Windkraft bis in den Süden der Republik transportiert werden soll. Waldrucksäcke für 18 Schulen in Hamm Schon mehrfach konnten wir an dieser Stelle und in unserem Blog über die Naturpädagogik-Projekte unserer Stiftung berichten. Studien zeigen: Kinder haben eine abnehmende Beziehung zur Natur; nachhaltige Naturbewirtschaftung ist ihnen oft ein Fremdwort. Das belegen Studien. Die Chance erlebnisorientierten Lernens wird – besonders im städtischen Umfeld – in der Praxis zu selten genutzt. Das nimmt die Jägerstiftung natur+mensch seit über 20 Jahren zum Anlass, die Naturpädagogik an unseren Schulen zu fördern. Das geht nicht ohne Partner. Oft stehen dabei Serviceclubs wie Rotary oder Lions zur Seite. Aktuell hat der Rotary Club Hamm-Mark unter seinem Jahresmotto „Natürlich leben. Heimat, Gemeinschaft, Verantwortung “ den Grundschulen der Stadt die Waldrucksäcke mit Begleitmaterial zum Unterricht und für Exkursionen angeboten. Das für den aktuellen Clubpräsidenten Robert Vornholt überraschende Echo: 18 Schulen in der Stadt haben Interesse gezeigt und bekommen am 27. April in einer großen Aktion jeweils einen Waldrucksack. Dafür bereitet der Club gemeinsam mit dem Landesbetrieb Wald und Holz einen besonderen Rahmen vor: Zur begleitenden Aktion „WaldJugendSpiele"  werden etwa 200 Schülerinnen und Schüler erwartet. Sie absolvieren dann einen vorbereiteten Parcours mit verschiedenen Stationen. Sie werden von Försterinnen und Förstern sowie Mitgliedern des Clubs betreut. Mittags überreichen dann die Rotarier in Anwesenheit der NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen dem Vorsitzenden unserer Jägerstiftung natur+mensch, Georg Graf Kerssenbrock, sowie Mitgliedern des Rotary Clubs Hamm-Mark die 18 Waldrucksäcke. Neben didaktischem Material für den Schulunterricht enthält der Themenrucksack auch Hilfsmittel für einen Entdeckungsgang in Wald, Feld und Flur. Das sind zum Beispiel Becherlupen, Augenbinden zur Schärfung des Gehörs und des Tastsinns und – dank des Sponsors – ein hochwertiges Fernglas zur Naturbeobachtung. Gerade für Lehrerinnen und Lehrer bzw. Erzieherinnen und Erzieher, die über weniger Erfahrung im naturkundlichen Unterricht verfügen, bietet dieser Themenrucksack die Chance zu mehr Naturnähe in Teilen ihres Unterrichtes. Einige Jäger (auch aus dem Rotary Club Hamm-Mark) bieten örtlich an, erste Schritte zum erlebnisorientierten Naturkundeunterricht fachlich zu begleiten. Außergewöhnliche Geschmackserlebnisse durch Wildpflanzen Zartes Grün sprießt nun im Frühling überall in der Natur. Manches frische Blatt schmeckt nicht nur den Tieren gut. Auch für den Menschen ist Etliches, was jetzt der wärmenden Sonne entgegenwächst, nicht nur schön anzuschauen, sondern auch höchst bekömmlich. Eine ganze Reihe Wildpflanzen ist für uns Menschen essbar und bietet außergewöhnliche Geschmackserlebnisse. Manchem von dem, was quasi vor der Haustür wächst, wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. Gegenwärtig ist deshalb die beste Zeit, um heimisches Grün aus Wald und Feld auf kulinarische Weise kennenzulernen oder die Köstlichkeiten neu zu entdecken. In der kommenden Woche geht Christoph Boll in einem Blog-Beitrag darauf ein, wie Bärlauch, Hagebutte, Löwenzahn und Co., zu Pesto, Tee oder Salat verarbeitet, ein kulinarischer Genuss werden, der die Frühjahrsmüdigkeit vertreibt. In meinem letzten Wochenbrief  habe ich mir erlaubt, einige kritische Bemerkungen zum Schicksal des vermenschlicht Timmy genannten Buckelwals vor der Insel Poel in der Ostsee zu äußern. Daran habe ich nichts zu ändern. Warum lässt man das todkranke Tier nicht in Ruhe? Mit Tierschutz hat das alles nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. Da wartet ein krankes Meerestier offensichtlich auf Erlösung und nicht auf weitere Qualen durch selbst ernannte Retter. Sie schlagen den Rat kompetenter Meeresbiologen in den Wind und lassen Pontons, Bagger und Luftkissen auffahren, um die ohnehin schon geschundene Kreatur in die Nordsee zu transportieren. So wird das aus meiner Sicht wohl kein gutes Wochenende. In diesem Sinne verbleibe ich diesmal mit besten Grüßen unserer Redaktion natur+mensch Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Rebhuhn: Vogel des Jahres ist im Sinkflug

    Die Balz ist weitgehend gelaufen. Bald beginnen die Hennen mit der Eiablage. Es gilt zwar als Charaktervogel unserer offenen Feldflur. Doch das Vorkommen ist in Deutschland trotz aller Hegebemühungen seit langem im stetigen Sinkflug Foto: Marek Szczepanek , Perdix perdix 2 (Marek Szczepanek) , CC BY-SA 4.0 Die Henne beginnt mit dem eigentlichen Brutgeschäft erst, wenn das durchschnittlich zehn bis 20 Eier umfassende Gelege komplett ist. Bis zu zwei Dutzend Eiern, die im Abstand von bis zu zwei Tagen gelegt werden, können es pro Nest werden. Doch die auf den ersten Blick groß erscheinende Zahl kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bundesweit immer weniger Rebhühner gibt. Denn auch wenn sie in weiten Teilen Europas und Asiens Standvögel sind und das gesamte Vorkommen auf bis zu zehn Millionen Exemplare geschätzt wird, leben bei uns nach Schätzung der Deutschen Wildtier Stiftung nur noch etwa 50.000 Brutpaare. In Hessen wird der Bestand auf 5.000 bis 10.000 Brutpaare geschätzt, eine Abnahme des Bestandes um 50 Prozent in 25 Jahren. In Sachsen ging der Bestand in den zehn Jahren von 1995 bis 2005 um annähernd 90 Prozent zurück. Das Rebhuhn steht wegen dieser Entwicklung in Deutschland als „stark gefährdet“ auf der roten Liste. Das war lange Zeit ganz anders. Drei-Felder-Wirtschaft war der ideale Lebensraum Zunächst waren Steppen und Heidegebiete die ursprünglichen Lebensräume des Rebhuhns, das schneearme Lagen unterhalb von 600 Metern bevorzugt. Als der Mensch die Wälder rodete und ganze Landschaften kultivierte, entstanden klein-parzellierte Felder, gesäumt von unkrautreichen Feldrainen, Wegrändern und Altgrasstreifen. Deckung und Schutz vor Witterung und Feinden bot auch der Anbau von Kartoffeln und Rüben, in denen früher noch viele Insekten lebten, die die reinen Bodenbrüter als Eiweißquelle für ihre Jungenaufzucht benötigen. Diese von der Drei-Felder-Wirtschaft geprägte Kulturlandschaft war für das Rebhuhn wie für alle anderen Kulturfolger ein idealer Lebensraum. Noch vor 70 Jahren war ein Acker meistens nur wenige 1.000 Quadratmeter groß und der Anbau von verschiedenen Feldfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Futterklee und Mais wechselte sich in der Landschaft ab mit Brachen. Unter solchen optimalen Bedingungen betrug die Siedlungsdichte bis zu 120 Paare auf 100 Hektar. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature), das weltweit größte Netzwerk für Naturschutz, stuft den weltweiten Bestand auch heute noch als gesichert ein. In Europa aber ist er stark gefährdet. Denn seit den 1970er Jahren sinkt er kontinuierlich, allein von 1980 bis 2016 um 94 Prozent. In manchen Gegenden ist das Rebhuhn längst ausgestorben. Es droht der flächendeckende Absturz. Flurbereinigte Agrarwirtschaft löst intakte Lebensräume ab Die Gründe sind mannigfaltig. Wesentlich ist die Zerstörung intakter Lebensräume durch die Umwandlung der Agrarlandschaft in flurbereinigte und dann intensiv mit Großmaschinen bewirtschaftete Flächen. Da gibt es Regionen, in denen ein einziges Feld mehr als 100 Hektar groß sein kann, also eine Million Quadratmeter, auf denen sich gerade mal noch ein Brutpaar findet. Auf diesen riesigen Feldschlägen ist mittlerweile auch die Vielfalt der angebauten Feldfrüchte sehr gering. Oft wird neben Weizen nur noch Raps und Mais angebaut und die Äcker werden stark mit Pestiziden behandelt, sodass sich immer weniger Insekten finden. Hat das Rebhuhn unter diesen Bedingungen schon kaum eine Überlebenschance, so kommt eine hohe Sterblichkeitsrate in kalten Wintern und nasskalten Frühjahren hinzu. Besonders Jungvögel sterben bei Dauerregen und damit einhergehender Unterkühlung. Hinzu kommen dann noch die Verluste durch Fressfeinde wie Greifvögel, Fuchs und Marder. Altvögel und Gelege werden aber auch Opfer von Raben und Krähen, Igeln, Wildschweinen, Waschbären, Wanderratten und Dachsen. Dass die zeitaufwändige Fallenjagd auf Prädatoren immer weniger ausgeübt wird, tut ein Übriges dazu. Das Rebhuhn kann als Kurzstreckenflieger und Laufvogel ihnen kaum entkommen und vermeidet deshalb Feindkontakt durch Tarnung. Das überwiegend braungraue Gefieder macht ein Rebhuhn auf der Ackerkrume fast unsichtbar. Bei Gefahr drückt es sich flach auf den Boden, um nicht entdeckt zu werden. Erst im letzten Moment fliegt das Rebhuhn auf und versucht, die nächste Deckung zu erreichen. Dabei ist der Flug niedrig über dem Boden und enthält stets längere Gleitphasen. Hegebemühungen der Jägerschaft Als Jagdbeute spielt das Rebhuhn in Deutschland nahezu keine Rolle mehr. Bereits vor zehn Jahren war die Strecke auf rund 2500 Stück gesunken, die dann auch noch überwiegend Fallwild waren. Nur wenn ein Mindestbestand durch Zählung nachgewiesen ist, dürfen die Hühnervögel überhaupt bejagt werden. Forderungen, sie aus dem Jagdrecht zu entlassen, verkennen, dass damit auch die Pflicht zur Hege durch die Jägerschaft entfiele. So aber gab und gibt es immer wieder Anstrengungen von Revierinhabern, etwa im Emsland und der Grafschaft Bentheim, durch Biotopverbesserungen dem Rebhuhn unter die Schwingen zu greifen. Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte der Jägerschaft sind bekannt aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen. Wo Rebhühner noch in nennenswerter Zahl vorkommen, ist es ein besonderes Naturerlebnis, den Revierruf des Männchens im Spätwinter und im Frühjahr zu hören und beide Geschlechter im Prachtkleid der Balz zu sehen. Die Hähne rufen vor allem morgens und abends und sind auch noch nach Einbruch der Dunkelheit zu hören. Die Eiablage erfolgt ab Mitte April und nach einer Brutzeit von etwa 25 Tagen schlüpfen die Küken, die nach zwei Wochen fliegen können und einen guten Monat später selbstständig sind. Im Hochsommer kann man mit etwas Glück beobachten, wie die Nestflüchter den beiden Altvögeln über den Stoppelacker folgen. Jäger nennen eine solche Rebhuhnfamilie eine „Kette“ und sprechen von einem „Volk“, wenn sich im Winter mehrere Familien zusammenschließen. Rebhühner brüten nur einmal im Jahr, wenn das erste Gelege nicht frühzeitig zerstört wurde. Schon eine Zuwachsrate von drei Vögeln pro Brutpaar gilt als überdurchschnittlich. Rechnet man die Winterverluste von bis zu einem Drittel hinzu, wird klar, dass es auch bei jagdlicher Vollschonung einen beständigen Schwund gibt. Allenfalls in außergewöhnlich guten Aufzuchtjahren kommt es zu einer kurzfristige Bestandserholung. Zu ihr beizutragen bemühen sich dann die Jungvögel, die über den Winter im Familienverband bleiben, wenn sie sich im folgenden Frühjahr in der näheren Umgebung ansiedeln, um ihre eigene „Kette“ zu gründen.

  • Heimgekehrt in den Harz

    In Deutschland galt der Luchs lange Jahre als vom Aussterben bedroht. Doch gezielte Maßnahmen sorgen zumindest rund um den Harz für ein Anwachsen des Tierbestandes Foto: Michael Lorenzet / pixelio.de Vor 25 Jahren begann das ehrgeizige Projekt. In einem begrenzten Gebiet im Harz sollte der Luchs wieder in dieser Region eine neue natürliche Heimstätte finden. Das Projekt startete im Jahr 2000 – und sollte als ein Modellprojekt gewertet werden. Jetzt zogen die Beteiligten eine erste Bilanz – und die kann sich jedenfalls für den Nationalpark Harz durchaus sehen lassen. „Ich gehe davon aus, dass die innerhalb des Harzes zur Verfügung stehenden Reviere mittlerweile komplett von Luchsen besetzt sind“, sagte der Luchs-Koordinator des Nationalparks Harz, Ole Anders, in Magdeburg zufrieden. In den Jagdrevieren wurde das Projekt Wiederansiedlung zunächst mit Skepsis aufgenommen, ist aber inzwischen weitgehend akzeptiert. Rückblende: Der Luchs galt in fast allen Teilen Deutschlands über einen Zeitraum von 200 Jahren als ausgestorben. Zu viele Regionen wurden in den vergangenen 200 Jahren dicht besiedelt, Verkehrswege durchschnitten die Lebens- und Wanderrouten für die Tiere. Dazu kommt: Luchse sind mit Blick auf die Eroberung neuer Lebensräume eher zurückhaltend. Weibchen blieben meist in der Nähe ihrer Herkunftsreviere, während männliche Tiere mitunter weite Strecken von mehreren Hundert Kilometern zurücklegten. Und genau diese langen Strecken wurden vor allem in der Nähe von Ballungsräumen wie Nordrhein-Westfalen oder dem Großraum München zur tödlichen Gefahr. Deswegen fiel die Auswahl der Projektmacher auf den Harz, der als dünn besiedelt eher geeignet ist, für die Wiederansiedlung der Luchse als natürlicher Lebensraum zu fungieren. Der nächste Schritt: Bis zum Jahr 2006 wurden insgesamt 24 Eurasische Luchse im Oberharz westlich vom Brocken ausgewildert. Ein erster Schritt war gemacht. Durch den großflächigen Einsatz von Fotofallen sei mittlerweile ein Bestand von rund 90 Tieren im gesamten Harz ermittelt worden, erklärte Ole Anders. Ab etwa 2006 wurde das Gebiet erweitert, schon bald konnte auch im Ostharz Luchsnachwuchs nachgewiesen werden. 2013 dann die Botschaft: Europas größte Katzenart ist wieder im gesamten Harz heimisch. Die Untersuchungen des Nationalparks zeigten, dass im Ostharz die Luchspopulation auf gleicher Fläche höher ist als in den Höhenlagen des Westharzes. Das ist möglicherweise unter anderem auf ein unterschiedliches Nahrungsangebot zurückzuführen. Hauptsächlich ernähren sich die Harz-Luchse von Rehen und Rotwild. Damit ist der Luchs ein angesiedelter Konkurrent in der Bejagung. Doch die Wiederansiedlung des Luchses birgt auch weitere Probleme: Allein in diesem Winter attackierte ein Luchs fünf Schafherden im Südharz. Die traurige Bilanz eines einzelnen Angriffs: 27 Schafe wurden getötet. Zuvor habe es nur selten vereinzelte Luchsrisse gegeben, sagte Anders. Dass ein einzelner Luchs in so kurzer Zeit eine so hohe Zahl von Schafen tötet, habe er in seiner 25-jährigen Praxis noch nicht erlebt. Die Projektverantwortlichen gehen den nächsten Schritt in den Thüringer Wald. Auch die Waldgebiete westlich und südlich des Harzes in Niedersachsen und Thüringen sind mittlerweile wieder Luchsreviere. Die Experten vom Nationalpark schätzen dort den Bestand auf aktuell rund 70 Luchse. Demnach bestehe das gesamte Vorkommen derzeit aus mindestens 160 Individuen in einem Gebiet von den östlichen Ausläufern des Harzes von Eisleben bis zur Weser. Die Projektverantwortlichen im Harz und in Thüringen gehen jetzt den nächsten Schritt: Sie nutzen verstärkt technische Möglichkeiten, um die Bestände in anderen Gebieten zu kontrollieren und von den Erfahrungen anderer Regionen zu profitieren. Beispiel Thüringen: Verschiedene Träger wie der BUND, das Institut ThüringenForst und das Wildkatzendorf Hütschenroda arbeiten unter dem Gemeinschaftsprojekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ zusammen. Dabei geht es nach Angaben des zuständigen Landesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Energie und Forst um ein vernetztes Tiermonitoring, um die optimalen Lebensbedingungen der Tiere nicht nur für den Freistaat zu nutzen, sondern auch die Routen der Luchse besser kennen und schützen zu lernen.

  • Krieg, Kosten, Koalition: Wie die Krise bis aufs Land durchschlägt

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, der Irankrieg und seine Folgen überschatten aktuell auch bei uns die gesamte Politik und treffen die Menschen bis in den letzten Winkel der Republik. Damit sind natürlich besonders die aus Sicht der Wirtschaftsmetropolen manchmal weit weg gefühlten Regionen des ländlichen Raumes gemeint. Wir hören zunehmend Klagen aus der Agrarwirtschaft über die Folgen explodierender Düngerpreise. Ausgehend von gestörten Lieferketten wird der Wirtschaftskreislauf täglich zunehmend gebremst. Nach den explodierten Kraftstoffpreisen wartet nun alles darauf, was beim Bäcker, Fleischer, auf den Wochenmärkten und natürlich bei den großen Lebensmittelketten an den Kassen durchschlägt. Nach den Wahlüberraschungen schauen wir weiter auf die Länder. Die Koalitionsbildung in Mainz scheint schneller zu gelingen, während in Stuttgart noch an der Chemie zwischen den Spitzen von Grünen und CDU gearbeitet wird. Auf den Tagesordnungen aller Landtage wird nach der Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz dieses Thema hoffentlich für die Landesjagdgesetze erscheinen. Damit sind weiter kontrovers geführte Debatten zu erwarten, bevor die Umsetzung für jedes einzelne Bundesland beschlossen ist. Die politische Osterruhe über die Feiertage war trügerisch. Der Druck von außen durch den Irankrieg und die nicht gesicherte Waffenruhe nimmt nicht ab, sondern zu. Trumps Drohgebärden, seine Wechsel zwischen völkerrechtswidrigen Vernichtungsszenarien, Bombenhagel und Signalen seiner Neigung zum Deal sind offensichtlich untauglich. Da ist wohl für den Präsidenten mit seiner angeblichen Sehnsucht, Friedensstifter zu sein, viel schiefgelaufen. Das alles soll an dieser Stelle nicht weiter unser Thema sein. Es wird genug in den Tagesmedien reflektiert und kommentiert. Uns geht es mehr um die Auswirkungen, mit denen wir jetzt als gesamte Gesellschaft in Europa und auch der ganzen Welt zu kämpfen haben. Als erstes trifft es diejenigen, die beruflich und als Pendler mit längeren Distanzen jeden Tag auf die Preistafeln der Tankstellen oder entsprechende Apps blicken. Erst dann wird entschieden, wie voll es heute sein darf. Es gibt zwar neben der neuen Zeitregelung „12 Uhr mittags“  eine Taskforce der Koalition und mehr Eingriffsmöglichkeiten des Kartellamts. Doch bremsen kann das alles den Höhenrausch der Preise mit anstehender Absturzgefahr der Weltwirtschaft nicht. Die Wiedererlangung der freien Fahrt durch die Straße von Hormus wäre das Schlüsselszenario, an das zurzeit kaum zu denken ist. Dort aber erpressen die angeschlagenen Machthaber im Iran nicht nur ihre Angreifer und Nachbarn, sondern die ganze Welt. Auch uns, „obwohl das nicht unser Krieg ist “, wie das unser Verteidigungsminister sagte, und der Kanzler zunehmende Distanz über den Atlantik hinweg zu spüren bekommt. Die Politik überlegt viel, kann aber kaum handeln Die zitierte Taskforce, bei uns als Arbeitsgruppe aus den Koalitionsfraktionen heraus gebildet, gibt sich zwar wortstark, bleibt aber offensichtlich drucklos, wenn es um den Tritt auf die Spritpreisbremse geht. Sie soll „Lösungen gegen steigende Spritpreise finden, ohne die Staatsfinanzen zu sprengen“ . Dass das bisher nicht gelingt, belegen die ständigen TV-Befragungen in heute, Tagesschau oder in den regionalen Nachrichtenformaten. Die so fast täglich verbreitete Stimmung tut der Koalition nicht gut, die um mehr Akzeptanz kämpft. Der CDU-Sprecher und Fraktionsvize, der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller, konnte nach dem ersten Erhöhungsschock für die Taskforce nur feststellen, dass die Mineralölkonzerne in Deutschland bis zu 30 Cent mehr pro Liter als in Frankreich oder Italien nehmen. Das sei nicht akzeptabel. Zum Spendenformular Jetzt tauchen in den Koalitionsspitzen vermehrt grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten darüber auf, wie man den Menschen und der Wirtschaft im Land helfen kann. Im Gespräch, das auf Geheiß des Kanzlers Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil führen, sind erst einmal unterschiedliche Modelle eines indirekten Preisausgleichs zwischen Pendlerpauschale, Haushaltsentlastung durch Abschläge bei der Stromsteuer oder Abschöpfung sogenannter Übergewinne. Der Finanzminister bevorzugt die Übergewinnsteuer – ohne zu bekennen, wie er bereits profitiert: Allein schon durch die mit den Preisen ansteigende Mehrwertsteuer entsteht auch so etwas wie ein staatlicher Übergewinn. Die Auswirkungen auf Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit Diesel ist jetzt der teuerste Treibstoff für Verbrenner . Er wird auf dem Weltmarkt immer knapper. In Deutschland sind wir dabei zu ca. 30 Prozent auf Importe angewiesen, während Benzin fast komplett aus heimischer Produktion kommt. Diesel ist der Hauptkraftstoff in der Land- und Forstwirtschaft. Er wird zum Teil in Raffinerien am Persischen Golf hergestellt. Das bekommen jetzt besonders diejenigen zu spüren, die darauf angewiesen sind oder das „verwandte“ Heizöl   als   Treibstoff in ihre Tanks füllen müssen. Mit der Weltmarktentwicklung und der hohen Importquote für Diesel erklären jedenfalls die Mineralölkonzerne die vom Benzin entkoppelte Preisentwicklung. Das nehmen die Bauernverbände jetzt zum Anlass, auf die sich zuspitzende wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe  hinzuweisen. „Viele Unternehmen – auch außerhalb der Landwirtschaft – haben gar keine Möglichkeiten, ihren Kraftstoffverbrauch weiter zu senken, dahingehende Empfehlungen sind schlichtweg realitätsfern.“  Das erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Er warnt in einer Pressemitteilung aktuell vor Liquiditätsengpässen mit drohender Gefährdung der Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln. Transportwege und Lieferketten müssten jetzt robust und krisenfest ausgerichtet werden. Mehrere Regionalverbände appellieren an die Politik, kurzfristige Entlastungen für Betriebe zu schaffen. Der westfälisch-lippische Bauernpräsident Hubertus Beringmeier etwa verlangt, verlässliche Perspektiven für Energie- und Düngemittelpreise  zu entwickeln. Sofortmaßnahmen seien die Aussetzung der CO2-Besteuerung für Kraftstoffe und eine vorübergehende Reduktion der Energiesteuer. Die nächsten Tage werden zeigen, ob diese Rufe erhört werden. Wie stark ist weiter der Einigungswille in der Koalition? In der kommenden Woche werden neben den geschilderten Herausforderungen nach dem Motto „Business as usual“ in der Innenpolitik die laufenden aktuellen Themen in Berlin und den Bundesländern wieder auf den Tisch kommen. Alles das, wovon wir vor Ostern schon gehört haben, muss weiter gehen. Während die AOK-Chefin Carola Reimann die 66 Sparvorschläge der Kommission für das Gesundheitssystem zum Teil positiv aufnimmt, wächst die Zahl der Kritiker. Derweil wird in den anderen 92 gesetzlichen Krankenkassen ausgerechnet, dass die Reduzierung dieser Zahl angeblich kaum nennenswerte Einsparungen im Verwaltungsaufwand bringe. Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die Zurückhaltung und der Einigungswille aus der Koalition anhalten. Die Osterüberraschung aus der FDP Dann gab es noch eine Osterüberraschung aus der FDP. Offensichtlich auf Drängen von Christian Lindner hat sich Wolfgang Kubicki entschlossen, im fortgeschrittenen Alter die Liberalen zu retten. Es bleibt dabei, dass es wohl zu einer Kampfkandidatur kommen wird: Der nahezu halb so alte Henning Höne aus NRW tritt weiter gegen den Altvorderen aus Schleswig-Holstein an. Ob eine so klein geschrumpfte Partei sich noch einen Richtungskampf leisten kann, wird sich dann am Ende beim Parteitag im Mai zeigen – spätestens, wenn danach wieder Sonntagsfragen und im Herbst Wahlen anstehen. Die Aktion Kubicki hat das Zeug, im konservativen Lager Verschiebungen auszulösen.  Sollte die Reanimation der FDP gelingen, bleibt die Frage, zu wessen Lasten das geht. Der Union oder der AfD. Wenig Überlebenschancen in der salzärmeren Ostsee Mit unterschiedlich gefühlten Welten haben wir es immer wieder zu tun, wenn es um unsere Natur geht. Das sehen wir etwa am Schicksal des Buckelwa ls , der weiter in der Ostsee leidet. Bei Timmy, so nennen ihn angetrieben von der Boulevard-Presse inzwischen viele Menschen, handelt es sich um einen Wal, der auf Erlösung wartet , für die die Menschen offensichtlich nicht sorgen können. Jedenfalls sehen sich hinzugezogene oder selbst ernannte Experten und ein zuständiger Minister nicht in der Lage zu helfen. Menschliche Ursachen könnten schon zu seinen Abwegen in die Ostsee abseits des mutmaßlich gewohnten Lebensraums Atlantik geführt haben. Das belegt der Rest eines Netzes, das den Wal offensichtlich auch bis zum Ende quält und nicht entfernt werden kann. Man kann ihn nur noch in Ruhe lassen und hoffen, dass sich nicht noch andere seiner geschätzt über 100.000 Artgenossen dorthin verirren, wo ein Wal dieser Art nun einmal wenig Überlebenschancen hat. Das ist in der Ostsee mit dem zu geringen Salzgehalt nun einmal so. Beim Wolf sind nun die Gesetzgeber in den Ländern an der Reihe Eben solche Gefühlswelten bei uns Menschen treffen immer wieder beim Wolf aufeinander. Nachdem der Bundesgesetzgeber endlich seine Aufgabe erfüllt hat, dieses Beutetier ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen , sind jetzt die Länder mit ihren Landesjagdgesetzen  an der Reihe. Sie müssen möglichst zeitnah entscheiden, wie konkret mit dem Thema, je nach Bundesland und im Ergebnis wahrscheinlich nach Koalitionsfarben, umgegangen wird. Einen Vorgeschmack haben wir bei dem Wolf erlebt, der sich in die Hamburger Innenstadt verirrt hatte. Nach übereinstimmenden Meldungen hat er wahrscheinlich in Panik eine Frau angegriffen und verletzt. Er wurde von Feuerwehr und Polizei gerettet und erfreut sich jetzt wieder – wo auch immer – der freien Natur. Offensichtlich hat das die (grüne) Umweltsenatorin der Hansestadt so entschieden, wobei das Nachbarland Niedersachsen wahrscheinlich die alte und neue Heimat des Exemplars ist. Ob die digitale Überwachung das richtige Mittel ist, bleibt meiner Meinung nach dahingestellt. In dieser Zeit der Wanderungen mehren sich übrigens Wolfssichtungen auch in den Niederwildrevieren. In den zu erwartenden Landesjagdgesetzen wird der Schutzstatus hoch und der Abschuss wahrscheinlich eine jeweils einzeln zu genehmigende Ausnahme bleiben. Für die meisten ist der Schutz der Art selbstverständlich. Aber in angemessenem Rahmen. Das Thema wird angesichts verharmlosender Positionen neben den faktenbasierten Debatten kontrovers bleiben, bis die Länder das jeweils für sich geregelt haben. Es gibt aber auch gute Nachrichten, wenn es um die Erhaltung einer gefährdeten Raubtierart  geht: Im Nationalpark Harz war die mit viel Aufwand betriebene Wiederansiedlung des Luchses sehr erfolgreich. Die örtlichen Behörden gehen davon aus, dass die innerhalb des Harzes zur Verfügung stehenden Reviere mittlerweile komplett von Luchsen besetzt sind. Die Wiederansiedlung der Luchse im Harz hatte im Jahr 2000 begonnen. Zuvor galt die Raubkatze 200 Jahre als ausgestorben. Das Luchsprojekt Harz sei das erste offizielle Wiederansiedlungsprojekt dieser großen Katzenart in Deutschland. Darüber berichtet unser Autor Frank Polke Anfang der kommenden Woche in unserem Blog. Und Christoph Boll geht in seinem Beitrag ebenfalls im Blog natur+mensch auf die Auswahl des Rebhuhns als „Vogel des Jahres“ ein. Die Balz ist weitgehend gelaufen. Bald beginnen die Hennen mit der Eiablage. Doch der Art geht es nicht gut. Das Rebhuhn gilt zwar als Charaktervogel unserer offenen Feldflur. Doch das Vorkommen ist in Deutschland seit langem im stetigen Sinkflug. Nicht zuletzt deshalb ist er für den Deutschen Jagdverband erneut Vogel des Jahres – wie schon 2016 und 1991. Das erinnert daran, wie entscheidend die Brutzeit gerade in den Niederwildrevieren ist. Forderungen, die Rebhühner aus dem Jagdrecht zu entlassen, verkennen, dass damit auch die Pflicht zur Hege durch die Jägerschaft entfiele. Praktisch wird das Rebhuhn fast ausnahmslos geschont. Das ermuntert dazu, den Wochenendgruß von natur+mensch mit dem dringenden Appell zu verbinden, beim Spaziergang auf den Wegen zu bleiben und die Hunde anzuleinen. Jetzt ist Ruhe in den Brutrevieren angesagt. In diesem Sinne wünsche ich erneut ein erholsames und möglichst sonniges Wochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Wolf ist nun im Bundesjagdgesetz

    Nach dem Bundestag hat am vergangenen Freitag auch der Bundesrat der Novelle des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes zugestimmt. Damit ist ein Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Wolf vollzogen. Bis zur Bejagung von Isegrim braucht es aber noch etwas Foto: Alexas_Fotos Mit den Beschlüssen hat die schwarz-rote Bundesregierung einen Punkt ihres Koalitionsvertrages umgesetzt. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßten die Zustimmung der Länderkammer, mit der das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen ist. „Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert“, heißt es in einer Erklärung Rainers. „Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag.“ Der Bauernverband fordert eine schnelle Umsetzung der neuen Vorgaben. DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet sprach von einem „guten Tag für die Zukunft der Weidetierhaltung“. Mehrere Umwelt- und Naturschutzorganisationen kritisierten die Entscheidung. Für Dr. Sybille Klenzendorf vom WWF etwa ist „die Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz in dieser Form fachlich falsch, ökologisch riskant und politisch kurz gedacht“. Dem Förderverein der Deutschen Schafhaltung hingegen geht die Neuerung nicht weit genug. Er ist enttäuscht, weil die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, dieser aber unzureichend und zu zögerlich bleibe. „Die Politik erkennt das Problem, scheut aber weiterhin die notwendigen konsequenten Entscheidungen", beanstandet Fördervereinsvorsitzender Wendelin Schmücker. Er forderte eine rechtssichere und unbürokratische Möglichkeit zur Bestandsregulierung von Isegrim sowie „echte Handlungsspielräume für die Bundesländer“. Ziel ist Schutz von Weide- und Haustieren Primäres Ziel der Gesetzesänderung ist ein besserer Schutz von Weide- und Haustieren. Zwar wird die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und Europa in dem Entwurf für die Gesetzesänderung als Erfolg für den Artenschutz gewertet. Doch mit der enorm steigenden Zahl der bundesweit vorkommenden Grauhunde wachse auch die Gefahr für Herden- und Weidetiere. Das könne zu „potenziell existenzbedrohenden“ Belastungen für deren Halterinnen oder Halter führen, so die Begründung. Untermauert wird dies mit Zahlen. Danach sind im Jahr 2024 bundesweit bei etwa 1.100 Übergriffen etwa 4.300 Nutztiere durch Wölfe gerissen oder verletzt worden. Im selben Jahr wurden rund 23,4 Millionen Euro für Herdenschutzmaßnahmen aufgewendet und etwa 780.000 Euro an Ausgleichszahlungen an betroffene Tierhalter gezahlt. Für Schutzmaßnahmen wie den Zaunbau oder die Anschaffung von Herdenschutzhunden soll es auch künftig finanzielle Unterstützung vom Staat geben. Für Biologe Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel ist die Bejagung der Grauhunde auch aus ökologischen Gründen sinnvoll. Er ist überzeugt, es „würde sich bei weiter ungehemmter Fortpflanzungs- und Ausbreitungsdynamik Isegrims und dadurch bedingter Aufgabe der Weidewirtschaft unsere offene Kulturlandschaft durch Verbuschung und Bewaldung erheblich verändern, was mit einer dramatischen Verarmung der Biodiversität einherginge“. Gejagt werden kann Isegrim künftig vom 1. Juli bis zum 31. Oktober. Unabhängig davon sollen auffällig gewordene Wölfe aber auch ganzjährig geschossen werden dürfen. Außerdem können Gebiete definiert werden, in denen die Jagd auf den Wolf erforderlich ist, weil Weidetiere dort schwer vor ihm zu schützen sind – etwa auf Deichen oder Almen. Grundsätzlich gilt, dass vorrangig der Nachwuchs erlegt werden soll und Alttiere aus unauffälligen Rudeln zu schonen sind, um die Sozialstruktur zu bewahren. Mehr Verantwortung für Jäger Für die Jägerschaft wächst damit nicht nur der Handlungsspielraum, sondern auch die Verantwortung. Angesichts der insgesamt äußerst emotional geführten Debatte um den Wolf sieht Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV), insbesondere die Jäger in der Pflicht, sachlich aufzuklären und zwischen den Interessen zu vermitteln. Dabei ist fraglich, ob es zu einer flächendeckenden Jagd nach dem Gießkannenprinzip kommt. Bevor es aber überhaupt so weit ist, sind die Bundesländer gefragt. Sie müssen den neuen Passus im Bundesjagdgesetz nun in Landesrecht umsetzen. Wie schnell das erfolgt, steht in den Sternen. Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat in einem Entschließungsantrag die Bundesregierung aufgefordert, sich bei den Ländern für einen möglichst einheitlichen und zügigen Vollzug der neuen Vorschriften einzusetzen. Die Bundesländer ihrerseits hatten im parlamentarischen Verfahren darauf gedrungen, dass die Regeln möglichst unbürokratisch und praxistauglich sein sollen. Besonders viele Wölfe gibt es in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Debatte um günstigen Erhaltungszustand Ihnen und den anderen Bundesländern gibt § 22d Absatz 2 des neuen Gesetzes vor, was nun zu geschehen hat: „Soweit sich die Tierart Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand (GEZ) befindet, hat die zuständige Behörde einen revierübergreifenden Managementplan aufzustellen, der darauf auszurichten ist, die Vereinbarkeit der Jagd mit der Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands zu gewährleisten.“ Mit der Berufung auf den GEZ sind aus Sicht von Prof. Pfannenstiel sowohl der Gesetzgeber als auch der Deutsche Jagdverband (DJV) unnötig in eine Falle getappt. Denn „mit der irrigen Annahme, deutsche Wölfe stellten jeweils eigene Populationen dar“, habe man „den Gegnern jedweder Wolfsbejagung die Gründe für Klagen vor Verwaltungsgerichten geradezu in den Mund“ gelegt, so der Wissenschaftler in der Deutschen Jagdzeitung (DJZ). Der Europäische Gerichtshof habe im vergangenen Jahr geurteilt, für die Feststellung des GEZ müsse die gesamte Wolfspopulation berücksichtigt werden, also auch Wölfe außerhalb der EU. Selbst wenn der Wolf lokal als gefährdet eingestuft sei, könne er sehr wohl bejagt werden, wenn dieser lokale Bestand zu einer Population im GEZ gehöre. Pfannenstiel folgert: „Für unser Land bedeutet das, Wölfe können selbst in Bundesländern bejagt werden, in denen es bislang nur wenige von ihnen gibt. Denn unser Wolfsbestand stellt keine eigenständige Population dar. Er gehört zu einer Wolfspopulation, die weit über Europa hinausreicht und sich in ihrer Gesamtheit im GEZ befindet.“

  • Der Krieg erhöht den Druck auf die Landwirtschaft

    Frühjahrsfreude will in der deutschen Landwirtschaft nicht aufkommen. Während die Natur sich von der besten Seite zeigt, wächst die Sorge vor unkalkulierbaren Folgen des Iran-Kriegs. Ackerbauern und Tierhalter sind gleichermaßen alarmiert Foto: Dieter Schütz / pixelio.de Landwirtschaft ist hierzulande kein einfaches Geschäft. Hohe Preise und Kosten, Bürokratie, Strukturwandel und ein Top-Anspruch an die Produkte gehören zum Alltag. Seit dem 26. Februar kommt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine noch der Krieg im Nahen Osten hinzu, der den Druck weiter erhöht. Schon warnt der Deutsche Raiffeisenverband in seiner ersten Ernteschätzung 2026 vor einem Rückgang bei der Getreideerzeugung und massiven Problemen beim Export. Aktuell trifft es die Bauern wie die gesamte Wirtschaft und die Privathaushalte massiv bei den Energiepreisen. Zwar ist die Agrardieselrückvergütung in diesem Jahr von der schwarz-roten Koalition wieder auf den alten Satz von 21,48 Cent pro Liter angehoben worden, aber der Treibstoff für den Tagesbetrieb muss erst einmal gekauft werden. Welcher Anstieg zu verkraften ist, lässt sich an den Preistafeln der Tankstellen ablesen. Die Entwicklung ist dramatisch. Mit Blick auf die zu erwartenden Kosten für den Maschineneinsatz bei der Getreideernte und -trocknung im Sommer wird manch einem schon heute schwindelig. Auch die Entwicklung bei den Preisen für Dünger verheißt nichts Gutes. Die Kurven zeigen steil nach oben und sind noch mehr auf Gipfelsturm eingestellt als nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Der Markt, so beschreiben es Analysten, sei „aus den Fugen geraten“. Der schwere Konflikt im Nahen Osten betrifft eine Region, die wesentlich für die Versorgung der Welt mit Gas, Öl und Stickstoffdünger ist. Steigender Kostendruck zur Frühjahrsbestellung Beim Harnstoff liegen die Preise an den Märkten und Exporthöfen inzwischen um teils 200 Euro und mehr pro Tonne höher als noch vor wenigen Wochen. Beim Stickstoffdünger sieht es ähnlich aus. Hier rächt es sich, wenn Landwirte im Februar wegen bereits hoher Preise den Einkauf vermieden haben. Jetzt müssen sie für die Frühjahrsbestellung noch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Von einer Beruhigung des Marktes ist kaum auszugehen, da inzwischen immer mehr Produktionsanlagen zerstört wurden. Sicher ist nur, dass nichts mehr sicher ist. Die langfristigen Folgen des Konflikts sind nur noch mit dem Wort „düster“ zu beschreiben. Sollte die für den Transport so wichtige Meerenge von Hormus weiter vom Iran blockiert werden, droht ein Einbruch bei den Ernteerträgen. Weniger Weizen, weniger Mais, weniger Reis – bei den Vereinten Nationen warnen Ernährungs- und Landwirtschaftsexperten inzwischen vor einer Lebensmittelkrise. Hierzulande gäbe es aufgrund des hohen Selbstversorgungsgrads durch die heimische Landwirtschaft keine Not, aber die Preise würden deutlich anziehen. Und da Mais und Soja auch als Futtermittel eingesetzt werden, würde auch die Fleischproduktion teurer. Betroffen ist zudem der Export von landwirtschaftlichen Produkten. Auch hier erweist sich die Straße von Hormus als logistische Lebensader. Das Portal „Agrar heute“ brachte es neulich auf den Punkt: „Wo kein Tanker mit Erdöl rauskommt, kommt auch kein Frachter mit Fleisch, Getreide und anderen Gütern rein.“ Konsequenz: Selbst wenn der Krieg morgen beendet würde, die aktuelle Krise wäre es noch lange nicht.

  • Reformdruck wächst – Politik ringt um Antworten

    Unsere Kolumne zu Politik, ländlichem Raum und Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, nach der letzten Landtagswahl in der ersten Hälfte des Jahres fällt in Berlin der erwartete politische Tatendrang in der Kabinettssitzung am Mittwoch und bis gestern in beiden Parlamentskammern auf. Jetzt geht es also an das ersehnte Eingemachte, nachdem jede der Koalitionsparteien kleinere und größere Schlappen zu verdauen hatte. Auch am Freitagabend nach der SPD-Krisenkonferenz mit ihren Führungskräften aus Bund, Ländern und Kommunen hat das Führungsduo offensichtlich den eingeschlagenen Kurs in der Koalition bestätigt. Die Union meidet bis auf die eine oder andere Ausnahme aus Bayern, über angedachte Details zu kommunizieren. Was bleibt, ist der anerkannte Reformdruck und dass sich alle Koalitionspartner bewegen müssen. Am Schluss der Woche folgte gestern der Bundesrat dem Bundestag bei der gesetzlichen Ad-Hoc-Aktion gegen die hohen Spritpreise. Ob die Preisregeln für Tankstellen und die Verschärfung im Kartellrecht zu Entlastungen dort führen, bleibt erst einmal als Hoffnung – mehr auch nicht. So tagte zu diesem Thema gestern wieder die Taskforce. Sie nimmt auch die Lebensmittelpreise in den Blick. Und dann hat die Länderkammer gestern die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht bestätigt. Das wird ein Thema in unserem Blog nächste Woche. Die aktuelle politische Gemengelage macht vielen Menschen in unserem Land Angst . Die Folgen des Iran-Kriegs sind in ihren Dimensionen einfach noch nicht abzusehen. Steigende Öl-, Sprit- und Gaspreise werden wohl das eingeplante Mini-Wachstum gefährden. Von ersten Korrekturen der Wirtschaftsforscher ist schon zu hören. Dazu kommen steigende Inflationserwartungen – erst einmal für die Lebensmittelpreise. Die Rahmenbedingungen im Äußeren entwickeln sich damit unkalkulierbar und lösen zusätzlichen Handlungsdruck auf die Politik im Inneren aus. Im Bundeshaushalt, so hört man, fehlen bereits absehbar Milliarden für den nächsten Entwurf 2027, im Folgejahr sollen es dann 60 Milliarden werden. Von diesen Prognosen muss unser Finanzminister und der SPD-Co-Chef Lars Klingbeil ausgehen, wenn er durch Fakten gezwungen ist, konkret erst einmal die Steuern zu reformieren. Bei den Existenzängsten in seiner Partei wird das zu einer „Quadratur des Kreises“, der er sich jetzt offensichtlich stellen will.  Klingbeil mit seinem Erstaufschlag zum Thema Steuern Zugegeben: Der Finanzminister und Vizekanzler hatte seine Grundsatzrede zum Thema „ Wie modernisieren wir Deutschland “ bei der Bertelsmann Stiftung zugesagt, als weder die dramatische Lage für seine Partei nach den Landtagswahlen noch die Iran-Krise mit ihren langfristig wirkenden Dimensionen absehbar war. Klingbeil bleibt offensichtlich entschlossen, unmittelbar nach dem Desaster für seine Partei und möglichst früh vor den nächsten Wahlterminen im Herbst aus den Sträuchern zu kommen. Bei seiner Rede hat er begonnen, auch den eigenen Genossen reinen Wein einzuschenken . Bleiben wir zunächst bei der Zweispurigkeit. Die Koalitionspartner laufen von ihrer jeweiligen Partei-DNA her vom Ursprung auseinander: Sie müssen jetzt nicht nur politisch, sondern auch für die arbeitende Mitte zusammenfinden . Das muss sich durch die anstehenden Reformthemen bis zum Ende der Legislatur ziehen. Der Finanzminister hat schon klargemacht, dass das Land nicht um eine umfassende Einkommensteuerreform umhinkommt. Der Facharbeiter mit etwa 5000 € im Monat soll erst einmal wieder aus dem Spitzensteuersatz herausgenommen werden. Dann folgen zwangsläufig auf der anderen Seite Rufe nach einem höherem Spitzensteuersatz oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die Abschaffung des Ehegattensplittings hat Klingbeil bereits öffentlich angedacht. Am Kabinettstisch wächst aus der CDU heraus und aus der Wirtschaft der Druck auf den Kanzler, genau das nicht zu machen. Erschwerend kommt insgesamt die aktuelle Entwicklung der Energiekosten hinzu. Bei den ersten Debatten und Kommentaren in dieser Woche wurde schon deutlich, dass nicht nur Steuern, sondern die anderen Reformvorhaben Soziales, Gesundheit und Altersversorgung in Zusammenhang zu bringen sind. Ein offenes Zeitfenster der Akzeptanz? Auf der anderen Seite tut sich offensichtlich ein Zeitfenster der Akzeptanz auf: Eine große Mehrheit der Bevölkerung sieht in Deutschland die Notwendigkeit von Reformen . 80 % der Deutschen halten dies zum Beispiel für die Renten notwendig. Allerdings: Eine Untersuchung von Allensbach zeigt, dass die Bereitschaft zu persönlichen Einschnitten („schmerzhafte Reformen“)  oft gering ist. Also: Auf der einen Seite fordern viele Bürger einen radikalen Schnitt. Andererseits besteht auch Misstrauen, ob die aktuelle Regierung das alles umsetzen kann, was notwendig ist. Daher kommt auch der Wunsch nach „starken Machern“ , was am Ende wohl auch mit den Wählerwanderungen zur AfD zu tun haben könnte. Weitere unkalkulierbare Sprünge zu erwarten Ausgehend von den geschilderten Rahmenbedingungen werden wir uns in einem Blogbeitrag nächste Woche mit den Auswirkungen auf den ländlichen Raum mit der Landwirtschaft befassen. Unser Autor Wolfgang Kleideiter stellt fest: „Auf dem Lande will Frühjahrsfreude nicht aufkommen.“  Während sich die Natur auch in diesem Jahr wieder früh von ihrer besten Zeit zeigt, wächst die Sorge vor unkalkulierbaren Folgen des Iran-Kriegs . Ackerbau und Tierhalter sind gleichermaßen alarmiert. Aktuell trifft es die Bauern, wie die gesamte Wirtschaft und die Privathaushalte auf dem Lande bei den Energiepreisen noch einmal. Nicht zu vergessen ist, dass schon in Folge Putins Angriff auf die Ukraine die Kosten- und Marktbelastungen stark gestiegen sind. Weitere unkalkulierbare Sprünge sind zu erwarten. Schon jetzt, so beschreiben es Analysten, sei der Markt aus den Fugen geraten. Beispiel: Beim Harnstoff liegen die Preise an den Märkten inzwischen um teils 200 € und mehr pro Tonne höher als noch vor wenigen Wochen. Beim Stickstoff sieht es ähnlich aus. Konsequenz: „Selbst, wenn der Krieg morgen beendet würde, die aktuelle Krise wäre es lange noch nicht.“ Auch auf der Insel wehren sich die Menschen gegen Einschränkungen der Jagd Gern blicken wir gelegentlich auf die Aktivitäten der Countryside Alliance (CA) in Großbritannien, die sich ausgehend vom Verbot der dort traditionellen Schleppjagden mit Hunden inzwischen allgemein für Themen einsetzt, die nach ihrer Auffassung mit dem britischen Landleben verknüpft sind . Dazu zählt vor allem Jagd, die Verwendung von Schusswaffen sowie das Fischen. Aktuell geht es der Labour-Regierung auch dort um weitere gesetzliche Einschränkungen. Für den Herausgeber des Newsletters der CA wirken die politischen Bestrebungen im Zusammenhang mit dem Besitz von Schrotflinten, mit neuen Lizenzierungen und weiteren Einschränkungen der Jagd „zunehmend wie ein Kulturkampf gegen den ländlichen Raum.“ Die Jagd hat dort bekanntermaßen einen anderen Stellenwert aus der Tradition heraus. Nach eigener Aussage hat diese Organisation 100.000 Mitglieder. Ein paar Gedanken, wenn Bäume gefällt werden müssen … Hinter den Botschaften dort wie bei uns von natur+mensch steht ein im Grundsatz und in Teilen manchmal unterschiedliches Verständnis zum Umgang oder der Nutzung von Natur . Dazu gehören wie selbstverständlich der Schutz, aber unterschiedliche Standpunkte zu ihrer Nutzung. Zusammenhänge der Natur sind „natürlich“  nicht nur wissenschaftlich zu beschreiben, sondern auch aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen zu bewerten. Wer sich in der Praxis damit auseinandersetzt, führt in der Regel beides zusammen. In Social-Media-Beiträgen oder auch beim Lesen mancher Berichte und Kommentare in Lokalzeitungen haben wir es nicht nur gelegentlich auch mit Einseitigkeiten in der Darstellung zu tun. Das faktenbasierte abgewogene Urteil wird schon einmal durch emotionale Bewertungen in den Hintergrund gedrängt – gerade, wenn es in der Stadt um Natur und Bäume geht. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich immer wieder von lautstarken Protesten höre und lese, wo es selbst bei fachlich unzweifelhaften Gutachten manchmal zu notwendigen Genehmigungen von Baumfällungen kommt – oder besser kommen muss. Stichworte wie Baumschutz, Baumsatzung oder Konflikte im Baurecht sind große Streitthemen in vielen Kommunen. Zum Spendenformular Das Nachwachsen oder Setzen junger Bäume – vielleicht auch an anderer Stelle – wird gern ausgeklammert. Da lese ich in einer Lokalzeitung auf einer Seite zum Sinn einer Baumsatzung „alte Bäume sind im urbanen Raum mehr als nur grün – sie spenden Schatten und verbessern das Mikroklima.“ Ja, stimmt. Wer will schon aus Lust dann noch so einen alten Baum fällen, ohne einen oder mehrere, wenn auch woanders neu zu pflanzen? Fast täglich erlebe ich hier seit Jahren eine nachwachsende Stadtallee, wo viele Bürger mit ihrer Baumspende nach einem Windbruch dafür gesorgt haben, dass Gesundes nachkommt. Und dann wird in derselben Zeitung an anderer Stelle ein Förster so zitiert: „Wer jetzt eine Eiche pflanzt, denkt schon an seine Urenkel.“  Und was macht der, wenn der Baum alt ist? Er wird ihn wohl nutzen und auch ersetzen. Wenn ich richtig rechne, sind wir dann bei der sechsten Generation. Das ändert nichts am hohen ständigen Aufregungspegel. In einer anderen Lokalausgabe geht es gleich in zwei Artikeln um das Thema Bäume. Oben: Einer Schulerweiterung stehen 24 halbwüchsige Platanen im Wege. Sie sollen nun versetzt werden. Die geschätzten Kosten in Höhe von 400.000 Euro sind für eine örtliche Koalition von SPD, Grünen und Volt offensichtlich gerechtfertigt, für die dortige Opposition aus CDU und FDP-Kommunalpolitikern ist das Steuerverschwendung. Die Alternative hieße Fällen, und dann vielleicht in höherer Zahl anderswo auf dem Gelände neu pflanzen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Aktion im nächsten Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes auftauchen sollte. Und um es komplett zu machen: Meterhoch gestapelte abgeholzte Bäume an einer Autobahnraststätte haben eine ebenfalls örtliche Bürgerinitiative auf den Plan gerufen. Von dort wurde die Frage an die zuständige Lokalredaktion gerichtet, ob im Zusammenhang mit einer geplanten Erweiterung der Rastanlage „illegale Tatsachen durch Baumfällarbeiten geschaffen “ worden seien. Es handelt sich um Verjüngung und Sicherheit, wie sie an vielen Stellen entlang der Autobahn regelmäßig vorgenommen werden. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, gehört Nachwachsen einfach dazu. Vielleicht wird das gelegentlich in solchen Fällen vergessen. Nun freuen auch wir uns auf die Osterferien und machen wie die Politik eine kleine Pause über die Feiertage. So wünsche ich Ihnen schon jetzt auch im Namen unseres kleinen Redaktionsteams frohe Ostern und Freude an und in der Natur. Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Überlegungen für eine Reform der Jagdausbildung

    Jagdunfälle bei Nacht und Entgleisungen in den sozialen Medien befeuern eine Diskussion über die Ausbildung junger Jäger. Noch schwelt die Debatte im Verborgenen. Der LJV Thüringen veröffentlicht erste Überlegungen Foto: Rainer Sturm / pixelio.de Der Wunsch, den Jagdschein zu erlangen, ist nicht nur ungebrochen. Die Jagdschulen boomen und die Zahl der Aspiranten steigt. Fast 470.000 Jagdscheininhaber gibt es derzeit bundesweit. Mehr als ein Viertel der heutigen Jagdscheinanwärter hatte vor der Ausbildung keinerlei jagdliche Vorerfahrung, viele kommen inzwischen aus Städten. So beschrieb der Deutsche Jagdverband (DJV) auf der Messe Jagd & Hund in Dortmund die gegenwärtige Situation. Der Verband und seine Landesgliederungen freuen sich natürlich über die seit Jahren kontinuierlich steigenden Zahlen unter dem Aspekt eines möglichst großen gesellschaftspolitischen Einflusses der Jagd. Sie müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass das, was da an Quantität wächst, dem Renommee des Waidwerks durch oft mangelnde Qualität schadet. Fehlabschüsse von Wild sind das eine. Aber auch Haustiere wie Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde liegen von Kugeln getroffen auf den Wiesen. Zumeist geschieht dies durch Schüsse, die während des Nachtansitzes abgegeben werden. Auch Menschen wurden auf diese Weise verletzt und sogar getötet. Solche Vorkommnisse nehmen seit der Legalisierung von Infrarot- und Wärmebild-Vorsatzgeräten vor rund sechs Jahren zu. Nicht zuletzt ein jüngst in den sozialen Medien erschienener Film hat bereits zuvor gärende Überlegungen zu einer Reform der Jungjäger-Ausbildung befeuert. Dabei ist unbestritten, dass sich die Jagdausbildung in Deutschland stark geändert hat. Erfolgte sie vor wenigen Jahrzehnten noch fast ausschließlich in etwa halbjährigen Kursen der LJV-Kreisgruppen, führen heute vermehrt kommerzielle Anbieter wenige Wochen lange Intensiv- und Kompaktkurse durch. Das Gelernte wird oft nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert, sondern nur bis zur Prüfung und danach wieder vergessen, so lautet häufig die Kritik. Reaktion auf Fehlabschüsse und Entgleisungen Im Bemühen um Besserung scheinen sich die Protagonisten nun gegenseitig überbieten zu wollen mit ihren Vorschlägen. Verbindliche Ethik-Seminare sind nur ein Aspekt, der hinter vorgehaltener Hand in den Raum gestellt wird. Der LJV Schleswig-Holstein hat in der vergangenen Woche mit ausdrücklichem Hinweis auf den steigenden Nachwuchs ein dreitägiges „Praxisseminar Junge Jagd“ angekündigt. In Kooperation mit den Landesforsten soll Jungjägerinnen und Jungjäger „ein breites Programm aus praktischer Jagdausübung und fachlichem Austausch mit Wald- und Jagdprofis“ geboten werden: Morgen- und Abendansitze unter realen Bedingungen, die Schlüsselrolle der Jagd für einen artenreichen Wald, Wildbiologie für die Praxis, Versorgen und Verarbeiten des Wildes gehören ebenso zum Praxisseminar wie Workshops zum sicheren Ansprechen des Wildes, zum Verhalten vor und nach dem Schuss mit einem bestätigten Schweißhundführer und zur Beurteilung bedenklicher Merkmale. Das Paket wird als Angebot zur freiwilligen Weiterbildung verstanden. Weit darüber hinaus geht der LJV Thüringen. Dessen Spitze sieht in mangelnder Ausbildung und Erfahrung die „eigentliche Wurzel“ für die Zunahme von Jagdunfällen bei Nacht. Letztlich sei nicht die Nachtjagdtechnik die Ursache, sondern die steigende Zahl von Jagdscheininhabern, „die zwar die Prüfung bestehen, aber kaum praktische Erfahrung mitbringen“, schreibt der stellvertretende Geschäftsführer Silvio Anders in der jüngsten Ausgabe der Verbandszeitschrift. Weil eine „Kultur der Verantwortung“ Regeln, Praxis und Haltung brauche, schlägt der LJV vor, der bestandenen Jägerprüfung solle eine „verbindliche Praxiszeit“ nach dem Lehrprinz-Modell folgen. Rückkehr zum Lehrprinz-Modell „Wir unterstützen die Debatte um ein System, in dem Intensivkurse (gemeint: zur Erlangung des Jagdscheins ) nur noch zulässig sind, wenn danach eine verpflichtende Praxisphase folgt“, schreibt Anders. Dazu gehört die Begleitung durch einen erfahrenen Mentor für zwölf bis 24 Monate, in denen Praxiseinsätze bei Ansitz, Pirsch, Revierarbeiten, Nachsuche-Begleitung und Wildversorgung ebenso dokumentiert werden müssen wie „klare Module zur Waffenhandhabung, Sicherheit, Kugelfang, Nachtjagd“. Der Begriff des Lehrprinz reicht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Er bezeichnete früher einen Lehrmeister, vor allem in der Forstwirtschaft. Daran erinnert auch das im Jahr 1900 erschienene Buch von Oberländer: „Der Lehrprinz. Ein Führer für angehende Jäger mit besonderer Berücksichtigung der Interessen des Revierinhabers und Jagdverwalters“. In späteren Auflagen wurde aus dem „Führer für angehende Jäger“ im Untertitel ein „Lehrbuch der heutigen Jagdwissenschaft“. Bis in die 1970er Jahre war der Lehrprinz nach Angaben des gleichnamigen Jagdvereins eine feste Institution. „Um ein Jagdrevier von einer Jagdgenossenschaft zu pachten, mussten Jäger nach Ablegen der Jagdscheinprüfung und Erwerb des Jagdscheins noch eine dreijährige weiterführende Ausbildung bei einem Lehrprinzen nachweisen. Heute müssen Jäger nur drei Jahre einen Jagdschein haben, der Nachweis der Weiterbildung wird nicht mehr verlangt.“ Seit den 1990er Jahren gibt es das symbiotische Verhältnis nicht mehr, in dem der eine Praxiserfahrung vermittelt und der andere dafür kostenlose Hilfe im Revier leistet. Das ist nicht zuletzt einem gesellschaftlichen Wandel geschuldet, der von den jungen Eleven berufliche Mobilität und verstärkten partnerschaftlichen Einsatz in der Familie fordert. Entwertung heutiger Prüfung Fraglich scheint deshalb, ob eine Rückkehr überhaupt möglich ist. Sicher dürfte sie die Zahl des jagdlichen Nachwuchses schrumpfen lassen. Und ebenso sicher ist das verpflichtende zweistufige Modell eine Entwertung der heutigen Jagdscheinprüfung. Es wäre der nächste Schritt auf einem Weg, der bereits eingeschlagen wurde mit verpflichtenden Seminaren zur Ausübung der Fallenjagd und dem für die Entnahme von Trichinenproben erforderlichen zusätzlichen „Nachweis der kundigen Person“. Der LJV Thüringen aber sattelt noch weiter auf. Er fordert zudem eine zertifizierte und jährlich auffrischbare Zusatzausbildung für Nachtjagd und Wärmebild als Pflicht. Darüber hinaus sollen Leitlinien formuliert werden, die die Waidgerechtigkeit gegenüber der technischen Machbarkeit priorisieren. Der Verband plädiert zudem für freiwillige „Revier-Ruhefenster“ und einen Wandel der Jagdkultur, hin zur Belohnung von Verantwortung, die in der Ausbildung beginne.

  • Im Sog der Ahrtal-Katastrophe

    Das Wahlergebnis von Rheinland-Pfalz spiegelt viele landesspezifische Probleme wider. Der Wahlsieg der CDU wird aber das Regieren in Berlin nicht leichter machen Gordon Schnieder (Foto: Torsten Silz) Zwischen Bundestrend und Ahrtal-Katastrophe, zwischen Amtsbonus und Weinkrise – die Ergebnisse der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz lassen viele Rückschlüsse auf die Stimmung in (West-)Deutschland zu. Die Probleme des ländlichen Raums spielten selbst im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz nur eine untergeordnete Rolle – die Ausnahme ist die prekäre Lage im Weinanbau . Der Bundestrend: Die CDU unter Kanzler Friedrich Merz ist in einer besseren Verfassung, als viele es wahrnehmen wollen – auch in der eigenen Partei. Sie hat zugelegt in Baden-Württemberg, auch wenn es nicht zur Übernahme des Amtes des Ministerpräsidenten gereicht hat. Dies lag an Manuel Hagel, dessen Sympathiewerte schon vor den Rehaugen-Schwärmereien einer jungen Schülerin gegenüber nicht gut waren und der gegen Cem Özdemir keine Chance hatte. Auch jetzt lag der Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen CDU, Gordon Schnieder, in persönlichen Werten deutlich hinter dem amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer. Dennoch legte die CDU in Mainz deutlich zu und wird aller Voraussicht nach den Ministerpräsidenten stellen. So schlecht können die Regierung und die Arbeit des Kanzlers also nicht sein, schlussfolgern jetzt manche im Umfeld des KAH in Berlin. Dies richtet den Fokus auf den Juniorpartner in der Berliner Regierung. Amtlich ist: Die SPD kann aktuell keine Wahlen mehr gewinnen. 5,5 Prozent in Baden-Württemberg, jetzt 26,4 Prozent in einem Land, das die SPD zwar nicht als Stammland sehen darf, aber in dem sie mit Kurt Beck und Malu Dreyer seit 35 Jahren ununterbrochen regiert hat. Hat. Denn jetzt ist auch Rheinland-Pfalz weg. Dies dürfte den Druck auf die Parteiführung um Lars Klingbeil noch größer werden lassen. Schon heute folgen Teile der Partei dem Bundesfinanzminister eher mit der Faust in der Tasche. Zu nachgiebig der Union gegenüber, zu wenig Profil, einfach nicht links genug – viele würden ihn gern scheitern sehen. Das Regieren dürfte in der aktuell recht gut funktionierenden Koalition mit diesem Ergebnis nicht einfacher werden, auch für den Kanzler. Hausgemachte Probleme in Rheinland-Pfalz Die Ahrtal-Katastrophe hat in Rheinland-Pfalz vieles, wenn nicht alles verändert. Innerhalb von 24 Stunden fielen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter, die Ahr riss ganze Dörfer mit, verwüstete die Infrastruktur. Im Ahrtal und in NRW starben mindestens 185 Menschen. Noch heute leidet die ganze Region um Ahrweiler unter den Folgen. Das Behördenchaos und das Versagen einzelner Politiker verabsäumten nicht nur eine mögliche Warnung vor den Wassermassen am Tag der Katastrophe, sondern behindern bis heute den Neuaufbau. Trotz Milliarden an Geld, das sowohl Bund als auch Land zur Verfügung gestellt haben, behindert vor allem die lokale Bürokratie einen schnellen Wiederaufbau. Besonders leidtragend ist neben den Innenstädten rund um Bad Neuenahr und Ahrweiler der regionale Tourismus. Früher eine florierende Fremdenverkehrsregion, sind viele Hotels noch immer nicht aufgebaut. Gäste kommen kaum. „Das kann keiner durchstehen, emotional wie finanziell“, sagt ein Hotelbesitzer, dessen Betrieb direkt an der Ahr stand und noch immer nicht fertig aufgebaut ist. Die Wut der Gastronomen, Ladenbesitzer und Hoteliers über diese lähmende Ignoranz der Behörden (und damit der politisch Verantwortlichen), sie dürfte sich am Wahltag im Erstarken der AfD ausgedrückt haben. Regionale Landwirtschaft in der Krise Rheinland-Pfalz ist eine traditionelle Weinregion. Hunderte Betriebe bauen an der Mosel, in der Pfalz und im Rheingau seit Jahrzehnten (manche seit Jahrhunderten) edle Gewächse an. Dies schafft bescheidenen Wohlstand, gutes Einkommen und vor allem Selbstbewusstsein. Aber der deutsche Weinanbau steckt in seiner tiefsten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ahrtal-Katastrophe, der Klimawandel, sich verändernder Zeitgeist und jetzt die irre Zollpolitik der USA lassen viele Winzer verzweifeln. Selbst herausragende Betriebe mit wohlklingenden Namen, zum Beispiel an der Mosel, stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin. „Natürlich kann die Landespolitik hier nicht die Ursachen für die Krise ändern“, sagt ein Vertreter des Dehoga Rheinland-Pfalz. „Aber viele im Weinanbau fühlen sich einfach mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Deswegen hat sich hier ein erhebliches Protestpotenzial gebildet.“ Und sich jetzt entladen, im Wahlergebnis des 22. März 2026.

  • Wachsender Reformdruck, noch eine Wahl und Appelle zum Verhalten in der Natur

    Unsere Kolumne zu Politik, ländlichem Raum und Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, nach der Landtagswahl morgen in Rheinland-Pfalz wird die Zeit der Berliner Rücksichtnahme auf Wahlkämpfe im Lande wohl erst einmal zu Ende sein. Der Bundeskanzler ist schon mit der Aussage, jetzt geschlossen und zielstrebig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft wiederherzustellen, nach Brüssel gefahren. Dort überlagerten die verbundenen Themen Iran, Ukraine und Orban das Gipfeltreffen. Daneben: Brüssel muss auch einen Reformbeitrag leisten, wenn es überhaupt noch in der Wirtschaft etwas wieder bergauf gehen soll. Jedenfalls, so ist zu hören, reden die Koalitionsspitzen Merz und Klingbeil intensiv darüber, wie sie es mit ihren jeweils eigenen Reihen schaffen, einen großen Reformwurf bei Steuern, Rente, Gesundheit und Pflege endlich hinzukriegen. Auch Berlin blickt auf die Regierungsbildung in Stuttgart und die erst einmal letzte Wahl vor der Osterpause in Rheinland-Pfalz. Im Wahlkampf kam der ländliche Raum bei den Themenschwerpunkten etwas zu kurz. Verschiedene Wirtschaftsforschungsinstitute haben in dieser Woche nicht nur Bundeskanzler und Finanzminister aufgeschreckt, sondern auch die deutsche Öffentlichkeit. Die rein für Investitionen gedachten Mittel aus dem „Sondervermögen“ (das schuldenfinanziert und damit eigentlich das Gegenteil von Vermögen ist) sind zumindest im ersten von zehn Jahren „fast vollständig zweckentfremdet worden, um Haushaltslöcher zu stopfen“. Dabei reden wir über 24 von 500 Milliarden, die 2025 abgeflossen sind. Oder auch dann 39 Milliarden bis Ende Februar. So die Zahl aus dem Bundesfinanzministerium. Bekanntlich war Friedrich Merz kurz nach der Wahl über seinen Schatten gesprungen, als mit der Grundgesetzänderung der Weg zu dem „Sondervermögen“ mit der SPD und Teilen der damals künftigen Opposition frei gemacht wurde. Die Grünen waren dabei und drohen jetzt mit einer Verfassungsklage. Eine Reihe meist junger Abgeordneter aus der Union reiht sich in die Kritik ein, weil das ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft sei. „ Das Sondervermögen muss besser auf Zukunftsinvestitionen, Zusätzlichkeit und harte Infrastruktur ausgerichtet sein“ , wird beispielsweise der 36-jährige CDU-Abgeordnete Carl-Philipp Sassenrath zitiert. Für den Vorsitzenden der Jungen Union und MdB, Johannes Winkel, der schon auf dem CDU-Parteitag als prominenter Kritiker auftrat, handelt es sich um „die künstliche Beatmung eines aus dem Ruder gelaufenen Sozialstaates“ . Zu dieser Debatte gehört latent das grundsätzliche Für und Wider der Schuldenbremse – ein alter Streit zwischen Union und SPD, wenn es ums Sparen oder Schuldenmachen geht. Das Handelsblatt blickt in dieser Woche mit einem Zitat von Franz-Josef Strauß weit zurück: „So wie ein Hund unfähig ist, sich einen Wurstvorrat anzulegen, so seien Sozialdemokraten unfähig, Geldvorräte anzulegen.“  Na gut, Wehner und Schmidt waren ja auch nicht ohne… „ Wie ein erschlaffter Mann mit zugelegtem Bäuchlein“ Ums Sparen geht’s grad nicht, sondern um die aktuelle Wirtschaftslage mit Investitionsstau bei gleichzeitig hoher Verschuldung . Da liegen Unternehmerverbände mit dem Wirtschaftsflügel in der Union und SPD mit Gewerkschaften nun einmal grundsätzlich maximal auseinander. Das ist das Dilemma für den Zusammenhalt der politischen Mitte, der ohne CDU und SPD nun einmal aktuell nicht geht. Joachim Gauck hat jetzt unser Land in einer TV-Sendung mit einem satten, etwas erschlafften Mann mit zugelegtem Bäuchlein verglichen. Dazu sei ein Schuldenproblem gekommen. Bevölkerung und Politik müssten die Abwehrfähigkeit eines Topathleten wiederentdecken. Auch da ist wohl was dran. Das Problem „Sondervermögen“ hat sich bei   Bund, Ländern und Kommunen gleichsam aufgestaut . Denn 100 Milliarden gehen davon an die Länder, die das Geld zu großen Teilen an ihre Kommunen weiterzuleiten haben. Bleibt die Frage, was die Landesregierungen davon abgeben oder für die eigenen Haushalte behalten. Und was wird, wenn Kommunen wegen ihrer finanziellen Engpässe eine Investition ausgesetzt haben, nun aber aus diesem Topf nachholen? Auch das wird sich wohl das Verfassungsgericht ansehen. Bis es sich dann geäußert hat, werden wir diesen Streit um die Schattenhaushalte auf allen politischen Ebenen wohl nicht los. Und der geht dann bei den Kommunen bis in die letzten Winkel des Landes. Produktionskosten mit nach oben offenen Befürchtungen? Dort im ländlichen Raum werden sich die Auswirkungen der aktuellen Sicherheitslage und Energiekrise, um die es am Donnerstag beim Brüsseler EU-Gipfel ging, dramatisch auswirken. Es trifft Pendler, Landwirte und die Ernährungswirtschaft besonders hart, wenn es an den Tanksäulen weiter nach oben geht, die Düngemittelpreise sich zum „wirtschaftlichen Damoklesschwert“  entwickeln und die Kosten durch Marktunsicherheiten unkalkulierbar werden. Auf dieses Problem hat auch mit dieser Formulierung der Vorstandsvorsitzende der Agravis Raiffeisen AG, Dirk Köckler, auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens hingewiesen. Immerhin ist das der zweitgrößte deutsche Agrarhändler mit 8,4 Milliarden Umsatz; vorwiegend in Niedersachsen, Westfalen, Hessen und den östlichen Bundesländern. Das führt mit Blick auf die zu erwartenden Produktionskosten zu nach oben offenen Befürchtungen. So wie die Pendler für ihr Auto haben die Landwirte bei ihrem durchschnittlichen Maschinenverbrauch von 100 Litern Diesel pro Hektar Fläche so zu rechnen, wie es jede Preistafel an den Tankstellen anzeigt. Da kommt also noch einiges auf uns zu, wenn der Staat nicht eingreift. „Lieschen Müller“ erschließt es sich nicht, warum wenigstens nicht vorübergehend der Finanzminister einen Teil der damit ständig auch steigenden Mehrwertsteuer erlässt. Ich weiß, reine Marktwirtschaftler sehen darin einen Sündenfall. Aber: Andere europäische Staaten greifen in den Kraftstoffmarkt ein. Bisher ist in Deutschland davon wenig sichtbar, allenfalls wie sich die Wirtschaftsministerin zunächst an der Mineralölwirtschaft die Zähne ausbeißt. Und wie die vom Bundestag beschlossenen Maßnahmen gegen stündliche Preissprünge an den Tankstellen oder auch ein verschärftes Kartellrecht greifen. Dazu kommt jetzt noch der alte Ruf nach einem Tempolimit neu auf den Tisch. Das nächste Kopf-an-Kopf-Rennen – diesmal zwischen CDU und SPD Holprig könnte es im Südwesten für Cem Özdemir weitergehen, wenn er bald Ministerpräsident werden will. Nach dem faktischen Gleichstand zwischen Grünen und CDU im Parlament von Baden-Württemberg ist seine Einladung zu Sondierungsgesprächen in der Stuttgarter Unionsfraktion angekommen. Wie der SWR erfuhr, soll vorher die erste Begegnung von Özdemir und Manuel Hagel zäh verlaufen sein. Erst einmal aber heißt es, abwarten und nach Mainz blicken. Dort steht morgen die nächste Landtagswahl an. Nach allen Prognosen kommt es auch dort zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen, nur diesmal zwischen CDU und SPD. Heiß umstritten war am Ende das durch die Ampelkoalition beschlossene neue Landesjagdgesetz. Es wurde zum Schluss der Legislaturperiode noch auf Druck der Grünen gegen starken Widerstand aus der Jagd und dem privaten Waldbesitz beschlossen. Die CDU hat angekündigt, das zu korrigieren. Aber: Im Wahlkampf scheinen der ländliche Raum, die Jagd und das Forstwesen nicht unter den zentralen Themen gewesen zu sein. Dieser Eindruck ist bei mir jedenfalls beim Blick auf die Berichte über den Wahlkampf im Lande entstanden. Zum Spendenformular Bleiben wir noch bei den Wahlen. In meiner letzten Kolumne bin ich auf Ergebnisse und Trends bei der Kommunalwahl in Bayern eingegangen. Dabei habe ich nicht auf die Gemeinde- und Kreistagswahl in Hessen mit gleicher Bedeutung hingewiesen. Dankenswerterweise hat mich eine Leserin aus dem Hessischen darauf aufmerksam gemacht, dass ich im letzten Newsletter mit meinem Wunsch für ein „gutes wahlfreies Wochenende “ danebenlag. Sorry. Seit gestern liegt nun das vorläufige Ergebnis vor. Danach kam die CDU auf 29,8 Prozent (+1,3 gegenüber der Kommunalwahl 2021), die SPD holte 20,8 (-3,2), AfD 14,8 (+8), Grüne 14,0 (- 4,4). Die Wahlbeteiligung lag bei 54,3 Prozent. Das aus Sicht vieler Kritiker inhaltlich verunglückte Landesjagdgesetz  in Rheinland-Pfalz bietet jetzt offensichtlich Anlass zu einer weiteren Wahlauseinandersetzung. Im Landesjagdverband zeichnet sich eine Kampfkandidatur zwischen dem Präsidenten Dieter Mahr und Dr. Gitta Greif-Werner als Basiskandidatin ab. Als erfahrene Jägerin, Revierinhaberin und Waldbesitzerin habe sie sich sehr engagiert in die Auseinandersetzungen um die Gesetzesänderung eingebracht. So formulieren es ihre Unterstützer. Die promovierte Juristin soll den Amtsinhaber am 24. April in Westerburg in einer Kampfkandidatur ablösen. Gitta Greif-Werner sei der beste Beweis dafür, „dass starke Frauen keine Quoten nötig haben, um für Führungspositionen zu kandidieren – oder diese zu bekleiden“.  Wir werden weiter ein Auge auf diese anstehende Wahl haben. Noch ein Appell mit Blick auf die Gefahren durch die ASP Wanderer und Ausflügler werden aufgefordert, bei der latent anhaltenden Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP)  weiter Vorsicht walten zu lassen. Auch der Westfälische Bauernverband fordert Spaziergänger, Radfahrer und Ausflugsgruppen zJu Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein auf, wenn sie in die Natur des ländlichen Raums gehen. Stichworte sind der sorgsame Umgang mit Speiseabfällen, das Einhalten der Wege und das Anleinen von Hunden. Das Verhalten der Menschen ist nun einmal die Hauptübertragungsquelle. Der aufkommende Frühling ist zudem die Zeit, wo die Natur besonders geschont werden muss. Gerade während der Brut- und Setzzeit in Wald und Feld brauchen Rehkitz, Frischling und Küken nun Ruhe. Daher erinnert der Deutsche Jagdverband (DJV), dass sich jetzt Wald, Feld und Flur in eine große Kinderstube verwandeln . Ethik, Aus- und Weiterbildung zur Jagd Die verschärfte Jagd befeuert, auch wegen vermehrter Jagdunfälle bei Nacht und Entgleisungen in den sozialen Medien , eine Diskussion über die Ausbildung junger Jäger. Die Jagdschulen boomen und die Zahl der Aspiranten steigt. Fast 470.000 Jagdscheininhaber gibt es derzeit bundesweit. Mehr als ein Viertel der heutigen Jagdscheinanwärter hatte vor der Ausbildung laut Deutschem Jagdverband (DJV) keinerlei jagdliche Vorerfahrung, viele kommen inzwischen aus Städten. Vor diesem Hintergrund schwelt noch weitgehend im Verborgenen eine Debatte, die von vorgeschlagenen Ethik- und Jagdpraxis-Seminaren bis zur Rückkehr zum Lehrprinzen-Modell reicht. In einem Blog-Beitrag wird unser Autor Christoph Boll das Thema in der nächsten Woche beleuchten und zugleich kritisch anmerken, dass das vom Landesjagdverband Thüringen in den Raum gestellte Pflichtprogramm, das Jungjäger nach der Prüfung absolvieren sollen, zu Neubewertungen der Ausbildungs- und Prüfungspraxis führen könnte. Freuen Sie sich an der aufgehenden Natur. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Wochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Der Borkenkäfer ist auf dem Rückzug?

    In einigen Regionen des Ostens ist der Borkenkäfer auf dem Rückzug. Warum das aber nicht überall ein Grund zur Freude ist Foto: MichaelMueller410 / pixelio.de Es ist ein vorsichtiges Aufatmen nach einer wohl beispiellosen Plage: Die Gefahr des Borkenkäferbefalls vor allem in den Wäldern des Freistaates Thüringen hat sich nach Einschätzung von Forstexperten in Erfurt deutlich entschärft. Mit Stichtag 30. Januar hat die zuständige Landesforstanstalt in Erfurt für den ersten Monat des Jahres eine Menge von 3550 Festmetern befallenem Holz registriert, das bisher nicht eingeschlagen worden sei. Dieser Wert bezieht sich auf die gesamte Wald- und Forstfläche des Landes Thüringen. 3550 Festmeter – das sind lediglich sechs Prozent der Menge des Vorjahresmonats. Dies verstärkt den positiven Trend vor allem in den fichtenreichen Hochlagen des Thüringer Waldes sowie im Ostthüringer Schiefergebirge. Rückgang hat viele Ursachen Nach Angaben zahlreicher Experten gibt es für diesen Rückgang viele Gründe: Ein wichtiger ist, dass sich die aktiven Gegenmaßnahmen gegen die schlimme Borkenkäfer-Population durch den Menschen auszuzahlen beginnen. Waldeigentümer und staatliche Stellen schlagen befallenes Holz ein und transportieren es aus den Wäldern ab, bevor sich die Borkenkäfer wieder vermehren könnten. Dies setzt eine fast durchgehende Beobachtung der Verhältnisse im Wald voraus – eine kostenintensive Arbeit. Ein weiterer Grund für das vorsichtige Aufatmen ist das feuchtere und kühlere Wetter der vergangenen Monate. Dabei spielen die sehr kalten Temperaturen im späten Winter bis zum meteorologischen Beginn des Frühjahrs allerdings keine große positive Rolle. Die Borkenkäfer überstehen Temperaturen von deutlich unter minus 25 Grad weitgehend unbeschadet. Sie ziehen sich in tiefere Bodenschichten zurück. Der Fichtenborkenkäfer bildet außerdem eine Art körpereigenen „Frostschutz“, indem er Zucker und Zuckeralkohole einlagert. Diese Stoffe verhindern die Bildung von Eiskristallen, die für die Tiere tödlich wären. Weniger Schadholz auch in Sachsen Etwas weniger Grund zum Aufatmen haben staatliche Stellen und private Waldeigentümer im benachbarten Sachsen. Nach Auswertung feiner Messproben zeigt dort das Borkenkäfermonitoring auf der Grundlage von 89 Standorten für die Schwärmperiode 2024 dagegen immer noch deutlich erhöhte Populationsdichten. Die vom Ministerium in Dresden beobachteten rückläufigen Befallsholzmengen geben aber auch dort Grund zur Hoffnung auf eine mittlerweile absehbare Entspannung der Situation. Grund ist auch hier das aktive Bekämpfungsmanagement und die vergleichsweise gute Witterung, die ein weiteres Ausbreiten der Schädlingspopulation verhindert. Aber es gibt gerade in Sachsen einen bitteren Grund für den Rückgang der Borkenkäfer. In vielen Regionen des östlichen Bundeslandes hat der Borkenkäfer gerade in den Jahren von 2010 bis 2020 so gewütet, dass es dort einen „fast vollständigen Ausfall der Fichte in den bisherigen Hauptschadgebieten“ gegeben hat. Übersetzt: Die Fichte ist dort überhaupt nicht mehr vorhanden. Positiv dagegen ist, dass in den Regionen, wo doch noch Fichten vorhanden sind, in diesem Bestand aufgrund der günstigen Witterung und der eingeleiteten Schutzmaßnahmen für das Umfeld des Waldes eine Verbesserung eingetreten ist. Wie geht es jetzt weiter? Alle Beteiligten hoffen, dass sich der positive Trend nicht nur in Sachsen und Thüringen fortsetzt, sondern auch in anderen waldreichen Regionen wie dem Sauerland und der Eifel. Auch dort gingen die Schäden in die Milliarden, sind ganze Waldflächen geschädigt, kostet die Wiederaufforstung viel Geld. Entscheidend für die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf dürften vor allem die konkreten Wetter- und Brutbedingungen sein. Auch wenn da der Mensch wenig bis keine Einflussmöglichkeiten hat – eine konkrete Aufgabe geben die Behörden allen Beteiligten mit auf den Weg: Waldbesitzer mit Nadelholzbeständen sollten spätestens ab dem ersten Schwarmflug im April oder Mai wachsam sein. Und im Ernstfall schnell reagieren und das befallene Holz aus den Wäldern bergen.

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