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  • Warten auf Wachstum und mehr Wohlstand

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem aktuellen Wochenkommentar blicken wir auf die jüngste Beratung des Koalitionsausschusses sowie die aktuelle Debatte über die Wirtschafts-, Sozial- und auch Rentenpolitik der schwarz-roten Koalition. Dabei geht es nicht zuletzt um die Auswirkungen auf den ländlichen Raum. Weitere Themen sind die geplante Reform des Bundesjagdgesetzes mit Blick auf den künftigen Umgang mit Wölfen, die Folgen des Klimawandels auch für den ländlichen Raum – Stichwort sinkendes Grundwasser – sowie sich abzeichnende massive Proteste von Landwirten gegen die künftige EU-Agrarpolitik. Diese Woche hat es für die schwarz-rote Kollektion in sich gehabt. Erst die große Haushaltsdebatte im Bundestag und dann die nächtliche Sitzung des Koalitionsausschusses , die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Können sich die Ergebnisse sehen lassen? Das lässt sich noch nicht abschließend beantworten, weil auch die gestern vom Kanzler verkündete Einigung beim geplanten Rentengesetz die wesentlichen Fragen zur Finanzierbarkeit nur vertagt, aber noch nicht löst. Die grundsätzlichen Bedenken der Jungen in der Unionsfraktion bleiben bestehen, egal ob sie am Ende dem Gesetz noch zähneknirschend zustimmen oder nicht. Für den Kanzler, aber auch die Koalitionsspitzen insgesamt, ist diese mangelnde Geschlossenheit in den eigenen Reihen eine schwere Hypothek. Entscheidend wird sein, dass Deutschland wieder auf einen kräftigen Wachstumspfad kommt. Nur dann sind die großen Staatsaufgaben wie Verteidigung, Soziales sowie Klima- und Umweltschutz dauerhaft zu stemmen. Auch so manche hitzigen Diskussionen im politischen Berlin dürften dann in etwas ruhigere Fahrwasser steuern. Aber leider sieht es danach momentan nicht aus. Der schwarz-roten Koalition ist es immer noch nicht gelungen, mehr Zuversicht oder gar eine generelle Aufbruchstimmung in deutschen Betrieben zu wecken. Im Gegenteil. Die Stimmung in den Chefetagen hat sich laut Ifo-Geschäftsklimaindex wieder eingetrüb t. „Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“ , kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Auf den Verantwortlichen in Berlin lastet damit eine große Verantwortung. Sie nehmen momentan Schulden in kaum vorstellbarer Größenordnung auf, um nicht nur die Landesverteidigung zu sichern, sondern auch die teils marode Infrastruktur zu modernisieren sowie mehr Wachstum zu ermöglichen. Doch was ist, wenn diese Wette auf zukünftige soziale Sicherheit und Wohlstand nicht aufgeht? Dann bleibt vor allem ein gewaltiger Schuldenberg, der den politischen Handlungsspielraum der jüngeren Generation auf Jahrzehnte bedrohlich einzuengen droht … Fortschritte für den ländlichen Raum Bei einigen Themen, die insbesondere den ländlichen Bereich betreffen, kommt die schwarz-rote Koalition jedoch augenscheinlich gut voran. So soll beispielsweise die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückerstattung kommen. Auch wird der Bundeszuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung erhöht, wie unser Autor Frank Polke Anfang der Woche in seinem Beitrag „Bundeshaushalt und ländlicher Raum: Bis in den frühen Morgen“  berichtet hat. Davon profitieren vor allem kleinere Landwirtschaftsbetriebe,  die als Familienunternehmen geführt werden. Auch würden die von der früheren Ampel-Regierung geplanten Kürzungen im Bereich des Ackerbaus und der ökologischen Landwirtschaft zurückgenommen. Für die Zukunft der heimischen Wälder sollen wieder Mittel in Millionenhöhe bereitgestellt werden, um Anpassungen an den Klimawandel wissenschaftlich zu begleiten und die Zukunftsfähigkeit des Waldes zu sichern. Wie wichtig in diesem Zusammenhang nationale Schritte sind, hat das eher enttäuschende Ergebnis der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belem gezeigt. Der internationalen Staatengemeinschaft fällt es offenkundig schwer, sich auf gemeinsame und konkrete Maßnahmen für einen besseren Klimaschutz zu einigen. Dabei wurde das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens bereits 2024 verfehlt. Das hat Konsequenzen für jeden Bürger in Deutschland, aber auch für Industrie, Gewerbe und nicht zuletzt die Landwirtschaft, die sich zunehmend auf neue Umwelt- und Wetterbedingungen einstellen muss – Stichwort fehlendes Grundwasser. Sorge in Bayern wegen zu niedrigem Grundwasser Nur ein aktuelles Beispiel unter vielen für den Ernst der Lage ist der neue Niedrigwasserbericht des bayerischen Landesamts für Umwelt, der kürzlich erschienen ist. Danach erlebte Bayern nur in den Jahren 2015, 1976, 1972 und 1971 noch trockenere Jahre. Nach Angaben der Münchner Staatsregierung zeigten Ende Oktober 2024 ein Drittel der Messstellen des oberflächennahen Grundwassers niedrige oder sehr niedrige Messwerte. Beim Tiefengrundwasser waren es sogar 44 Prozent. Oder wie es Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber sagt: „Unser Wasser ist wegen des Klimawandels einem dauerhaften Stresstest ausgesetzt.“ Zum Spendenformular Zurück nach Berlin. Dort kommt die Bundesregierung bei dem Ziel voran, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und so seine Bejagung zu erleichtern. Der Referentenentwurf zur entsprechenden Änderung des Bundesjagdgesetzes liegt inzwischen vor. Er muss nun noch vom Kabinett gebilligt werden. Dann kann das eigentliche Gesetzgebungsverfahren im Bundestag beginnen, das gewiss noch von vielen Protesten bestimmter Interessenverbände von Arten-, Tier- und Naturschützern begleitet werden dürfte. Doch für Weidetierhalter und viele andere Bewohner des ländlichen Raums dürften die Signale aus Berlin eine gute, lang herbei gewünschte Nachricht sein. Unser Autor Christoph Boll hat sich in der vergangenen Woche mit dieser Thematik inklusive der Reaktion des Deutschen Jagdverbandes (DJV) in unserem Blog ausführlich auseinandergesetzt . Junger Wolf forderte zum Spielen auf Das Thema drängt, nachdem sich Wölfe immer stärker in Deutschland ausgebreitet haben und noch weiter ausbreiten.  Manche der ansonsten scheuen Tiere verlieren sogar den Respekt vor Menschen . So wurde in dieser Woche von einem Fall bei Großhennersdorf in Ostsachsen berichtet , wo sich ein junger Wolf Menschen auf kurze Distanz näherte, Spaziergängern auf weiten Strecken folgte und zum Spiel aufforderte, indem er kleine Sprünge machte oder Gegenstände ins Maul nahm. Ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen sei bislang nicht beobachtet worden, teilte das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mit. Aber dabei muss es natürlich nicht bleiben, wenn Wölfe lernen, dass von Menschen grundsätzlich keine Gefahr ausgeht. Auch deshalb ist es wichtig, dass diese Tiere unter bestimmten Voraussetzungen gejagt werden dürfen, so wie es jetzt die neue Bundesregierung offenkundig plant. Neue Bauernproteste angekündigt Blicken wir zum Schluss nach Brüssel und auf die Haltung der Landwirte zur künftigen EU-Agrarpolitik. Dort ist das Abwarten mittlerweile vorbei. Die Bauernverbände laufen Sturm gegen die Pläne der Kommission, der Gemeinsamen Agrarpolitik die Eigenständigkeit im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2034 zu nehmen. Die Flächenprämien für die Landwirte sollen auch abgeschmolzen und gedeckelt werden. Außerdem peitscht die Kommission die Ratifizierung des Freihandelsabkommens Mercosur mit mehreren Staaten Südamerikas voran. Mercosur wird gerade von den streitlustigen französischen Landwirten rundheraus abgelehnt. Der europäische Bauernverband Copa-Cogeca hat für das Treffen der Staats- und Regierungschefs am 18. Dezember Demonstrationen angekündigt. Tausende von Bauern aus der ganzen EU werden erwartet. Unser Brüsseler Autor Ludwig Hintjens wird darüber kommende Woche in unserem Blog genauer berichten. Auch können Sie in der kommenden Woche einen Beitrag von Christoph Boll zur Trophäenjagd lesen. Unser Autor kommt darin zu dem Ergebnis, dass die manchmal als Knochenausstellung verunglimpften Hegeschauen ihre Berechtigung haben. Die dort gezeigten Trophäen sind kein Ausdruck von Prahlerei, sondern drücken vielmehr Stolz aus und liefern obendrein Aufschluss über die Population, die Wilddichte und die Lebensqualität der Bestände. Freuen Sie sich auf diese nicht nur jagdlich interessante Lektüre … Ich wünsche Ihnen eine gute und in jeder Hinsicht positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination/ Redaktionsleitung

  • Die Leistungsschau unterm Funkturm vor dem 100. Geburtstag

    Die Grüne Woche feiert bald den 100. Geburtstag. Von einer lokalen Warenschau hat sie sich zur Weltmesse für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau gemausert. Da ist nicht nur ein Ständchen, sondern auch ein Blick zurück fällig Foto: © Messe Berlin GmbH Ohne Hans-Jürgen von Hake gäbe es die Grüne Woche nicht. Der Adelssprössling aus Brandenburg arbeitete in den Goldenen Zwanzigern im Berliner Fremdenverkehrsamt. Nicht nur ihm fiel auf, dass die Wintertagung der 1885 von Max Eyth in Berlin gegründeten Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) stets Hersteller von Produkten für Landwirtschaft und Jagd anlockte. Ob am Kaiserdamm oder andernorts in Charlottenburg – wenn sich die grünen Lodenmäntel im Stadtbild häuften, gingen die Aussteller in Position. Von Hake, so ist überliefert, hatte die Idee, aus dem „wilden“ Handel eine Ausstellung zu formen. Gesagt, getan: 1926 wurde die DLG-Tagung erstmals von einer Messe begleitet. Und weil‘s so gut passte, gaben ihr die Berliner Zeitungen den Namen „Grüne Woche“. Bis heute steht dieser Begriff für Leistung und Innovation, Begegnung und Austausch. 50.000 Menschen strömten schon 1926 zu ersten Messe unterm Funkturm, um die Vielfalt in der Landwirtschaft zu bestaunen und regionale Produkte zu kosten. Dass sich daraus eine Leitmesse und Dialogplattform für die nationale und internationale Agrarpolitik entwickeln würde, hat Hans-Jürgen von Hake sicher nicht geahnt. Heute trifft man im Januar an den Messetagen in Berlin auf Nahrungs- und Genussmittelangebote aus aller Welt, regionale Spezialitäten aus deutschen Landen, ein breites Kongressprogramm und die Leistungsschauen aus Landwirtschaft und Gartenbau. Wer einmal wissen will, welche Potenziale die internationale Ernährungswirtschaft hat, muss zur Grünen Woche fahren. Sie ist globale Handelsplattform und gleichzeitig ein „Testmarkt“, denn hier wird auch über die Ernährung in der Zukunft gesprochen. Die Jagd ist vom ersten Tag an dabei Auch wenn es sich bei einigen eingebürgert hat, vor den Messetoren zu demonstrieren, drinnen werden vom 16. bis zum 25. Januar 2026 Akzente in Sachen moderner Landwirtschaft, Innovation, Nachhaltigkeit und alternativer Ernährungsformen gesetzt. Die Jagd ist vom ersten Tag an auf der Grünen Woche vertreten, informiert über Natur- und Artenschutz und die Notwendigkeiten der Jagd. Die Grüne Woche etablierte sich sehr schnell. Ältere Berliner und Brandenburger können sich noch gut an die ersten Messejahre erinnern. Auf Bildern aus dieser Zeit sieht man vier Meter hohe „Erdbearbeitungsmaschinen“ oder riesige Geräte, mit denen es möglich war, 5000 Eier auf einmal für über ein Jahr frisch zu halten. Menschen drängten sich auf Tierschauen, bestaunten Flachsspinnerinnen aus dem Spreewald oder edle Jagdzimmer. Ab 1933 formten die Nationalsozialisten die Grüne Woche ideologisch um, instrumentalisierten sie für die verwerfliche Blut-und-Boden-Ideologie. Die Berliner Messe wurde bis zum Kriegsbeginn 1939 zu einer bloßen Propagandaschau der Machthaber. 1948 kehrte die Grüne Woche zurück und fand ab 1951 im jährlichen Rhythmus statt. In den 1960er Jahren wuchs die Anzahl internationaler Aussteller mehr und mehr an. Durch die deutsche Wiedervereinigung und die Öffnung des Ostblocks erlebte die Messe in den 1990er Jahren nochmals einen Zuwachs. Und weil es immer internationaler zuging, bekam die Grüne Woche ab 2005 jeweils ein „Partnerland“. Seit 2009 mit internationalem Agrarministergipfel Seit 2008 findet anlässlich der Grünen Woche fast zeitgleich in Berlin die Welternährungskonferenz „Global Forum for Food and Agriculture“ statt, seit 2009 verbunden mit einem internationalen Agrarministergipfel. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat wiederum bietet seit 2008 mit dem „Zukunftsforum Ländliche Entwicklung“ eine Plattform für den Austausch darüber an, wie ländliche Räume attraktiv und zukunftsfähig gestaltet werden können. Die Grüne Woche hat Anziehungskraft und Ausstrahlung, aber sie lebt auch mit den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit. Russland, einst einer der großen Aussteller, ist schon seit Jahren wegen des Angriffs auf die Ukraine nicht mehr in Berlin vertreten. 2021 und 2022 zwängte die Covid-Pandemie die Messe in das Korsett einer rein digitalen Veranstaltung. Und im Frühjahr dieses Jahres sorgten Fälle von Maul- und Klauenseuche dafür, dass keine Rinder, Schafe und Ziegen unterm Funkturm zu sehen waren. Dass die Grüne Woche über das 100-Jährige hinaus eine Zukunft hat, ist indes sicher. Der Hauptstadt beschert sie durch die Ausgaben der Besucher und Aussteller einen Kaufkraftzufluss von mehr als 150 Millionen Euro. Und im Messe-Logo, das von Anfang an zwei stilisierte Gerstenhalme zeigte, stehen die Linien heute für die Begriffe Entwicklung, Wachstum, Bewegung und Begegnung.

  • Jagdrecht rückt Isegrim auf den Pelz

    Weidetierhalter und Jäger haben es lange gefordert. Nun soll der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen und seine Bejagung erleichtert werden. Ein Referentenentwurf für eine entsprechende Änderung des Bundesjagdgesetzes liegt inzwischen vor Foto: Sora CDU/CSU und SPD setzen damit um, was sie im Koalitionsvertrag festgeschrieben haben. Die erforderliche Absenkung des hohen Schutzstatus von Isegrim auf EU-Ebene ist bereits erfolgt. Und die Bundesregierung hat vor einigen Wochen für zwei der drei biogeografischen Regionen Deutschlands an die EU-Kommission den günstigen Erhaltungszustand der Wolfspopulation gemeldet. Damit sind die formalen Voraussetzungen erfüllt, auf deren Basis das von Alois Rainer (CSU) geführte Bundeslandwirtschaftsministerium die Novellierung vorschlägt. Damit einher geht auch eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, in dem die Regelungen zum Umgang mit dem Wolf entfallen. „Tagesspiegel Background“ berichtete vor wenigen Tagen als erstes über den vorliegenden Referentenentwurf, der den Wolf in Paragraph 2 als dem Jagdrecht unterliegende Tierart aufführt. Das löste ein breites Medienecho aus. Von einer geplanten weitreichenden Freigabe der Jagd auf Wölfe spricht der Nachrichtensender ntv auf seiner Internetseite. Demnach ist eine reguläre Bejagung künftig in Deutschland auf der Basis zuvor aufzustellender revierübergreifender Managementpläne vom 1. September bis zum 28. Februar des Folgejahres vorgesehen. Sämtliche Vorgaben gelten übrigens auch für Wolfshybride, also Mischlinge zwischen Wolf und Hund. Der Deutsche Jagdverband (DJV) bezeichnet die Gesetzesinitiative als politisch überfällig. Er kritisiert aber auch Details. So hält er die Jagdzeit für falsch. Sie berge die Gefahr, dass die Sozialstruktur in Wolfsrudeln beeinträchtigt wird. Der Verband fordert deshalb eine Jagdzeit für Jungwölfe von Juni bis Oktober. „Nur in diesem Zeitraum ist eine sichere Unterscheidung zwischen Jung- und Altwölfen möglich. Das ist die Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Bestandsregulierung bei gleichzeitiger Wahrung des günstigen Erhaltungszustandes“, erklärt der DJV. Wissenschaftliche Studien zeigten zudem, dass zerstörte Rudelstrukturen Weidetierrisse begünstigen können. Das müsse durch eine artgerechte Bejagung vermieden werden. Kritik an vorgesehener Jagdzeit Der Verband fordert zudem unabhängig vom Erhaltungszustand eine zweite Säule der Regulierung. Sie soll ermöglichen, dass schadensstiftende Wölfe oder ganze Rudel ganzjährig und ohne vorherige behördliche Anordnung entnommen werden können, wenn sie durch Nutztierrisse auffällig geworden sind. Die rechtliche Umsetzung müsse unbürokratisch und rechtssicher gestaltet werden. Im Gesetzesentwurf vorgesehen ist, dass die zuständige Jagdbehörde bevollmächtigt wird, zur Abwendung „land-, forst-, fischerei- oder wasserwirtschaftlicher oder sonstiger wirtschaftlicher Schäden oder im Interesse der Gesundheit des Menschen oder der öffentlichen Sicherheit“ die Tötung einzelner Wölfe oder ganzer Rudel über die halbjährige Jagdzeit hinaus, also in der Schonzeit, anzuordnen. Das soll auch dann möglich sein, wenn ihnen keine konkreten Risse von Nutztieren zuzuordnen sind. Kommt der Jagdausübungsberechtigte der Anordnung nicht nach, „so kann die zuständige Behörde die Jagd selbst übernehmen oder einen Dritten mit der Durchführung beauftragen“, heißt es weiter im Entwurf. Außerdem ist die Jagd nur in einem Radius von 20 Kilometern und innerhalb von sechs Wochen nach dem Schaden zulässig, wobei die Behörde diese zeitliche und räumliche Vorgabe ausdehnen kann. So können etwa Weidegebiete festgelegt werden, in denen die Jagd auf den Wolf erlaubt wird, weil sie wegen der Geländebedingungen nicht schützbar oder aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten nicht zumutbar wolfsabweisend eingezäunt werden können. In jedem Fall aber sind die Erlegung eines Wolfes sowie das Auffinden eines Fallwildwolfes der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen, um eine Begutachtung sowie eine Probennahme des Wolfs zu ermöglichen. Klare Vorgaben für die Wolfsjagd Die sachlichen Ge- und Verbote bei der Wolfsjagd orientieren sich an den Vorgaben für die Jagd auf Hochwild. So sind bei den Büchsenpatronen ein Mindestkaliber von 6,5 Millimeter und eine Mindestauftreffenergie von 2000 Joule auf 100 Meter vorgeschrieben. Der Schrotschuss ist nur zum Töten von in Fallen gefangenen Wölfen und als Fangschuss erlaubt. Wölfe dürfen weder gefüttert noch mit Futter angelockt werden. Neben Fallen, die nicht selektiv sind, sollen auch halbautomatische Waffen, deren Magazin mehr als zwei Patronen fasst, bei der Jagd auf den Wolf verboten sein. Den Einsatz künstlicher Lichtquellen, Vorrichtungen zum Anstrahlen oder Beleuchten des Zieles, von Nachtzielgeräten, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind, darf die zuständige Behörde nur im Einzelfall erlauben. Die Vorgaben für die Wolfsjagd sollen regelmäßig überprüft werden. Dazu hat das Landwirtschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Umweltministerium bis spätestens Ende 2030 und danach jeweils im Abstand von fünf Jahren dem Bundestag einen Bericht vorzulegen. Er soll erläutern, ob die Regelungen sich bewährt haben und weiterhin erforderlich sind oder welche Anpassungen sinnvoll sind. Änderungen am Entwurf kann es aber auch noch im nun beginnenden Gesetzgebungsverfahren geben. Denn zunächst muss das Papier durchs Kabinett und dann durch den Bundestag. Im Verlauf dieses Prozesses sind zahlreiche und lautstarke Proteste der einschlägig bekannten Interessenverbände zu erwarten, von Naturschützern bis zu Tierrechtlern.

  • Bundeshaushalt und ländlicher Raum: Bis in den frühen Morgen

    Berlin will und muss dem ländlichen Raum helfen – und gibt dafür viel Geld aus. Sehr viel Geld Foto: Sora Die Bundesregierung bemüht sich, die Interessen des ländlichen Raumes auch finanziell zu berücksichtigen. Dies schlägt sich auch im jetzt ausverhandelten Bundeshaushalt 2026 nieder – auch die Weichenstellungen für den Haushalt 2027 sind in diese Richtung getroffen worden. Die Haushaltsbereinigungssitzung im Bundestag – dort bemühen sich Haushaltspolitiker von Union und SPD um letzte Einigungen für die Etats – dauerte in der vergangenen Woche von Donnerstag 17 Uhr bis in den frühen Freitag. Auseinander gingen die zuständigen Haushaltspolitiker schließlich um 5.30 Uhr. Eine Marathonsitzung. Nach Informationen des Blogs natur+mensch setzten sich vor allem Unions-Vertreter dafür ein, einzelne Bereiche, die für den ländlichen Raum besonders relevant sind, finanziell zu entlasten bzw. zu fördern. Konkret gehört dazu natürlich die im Koalitionsvertrag festgeschriebene vollständige Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung. Ausverhandelt wurde dies im Finanzhaushalt des Bundes, da diese Entscheidung an das Gesetz zur „Abschaffung der Freihandelszone Cuxhaven“ angehängt wurde. Zudem werden bereits im kommenden Haushaltsjahr die Betriebe der sogenannten „Grünen Branche“ entlastet, indem der Bundeszuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung um 20 Millionen Euro erhöht wird. Diese Zahlungen belasten vor allem kleinere Landwirtschaftsbetriebe, die als Familienunternehmen geführt werden. Die von der Ampel-Regierung geplanten Kürzungen im Bereich des Ackerbaus und der ökologischen Landwirtschaft werden ebenfalls zurückgenommen.  Auch für die Zukunft der heimischen Wälder werden erneut Mittel in Millionenhöhe bereitgestellt, um Anpassungen an den Klimawandel wissenschaftlich zu begleiten und die Zukunftsfähigkeit des Waldes zu sichern. Konkret: Im Bundeshaushalt 2026 werden die Mittel für den Wald im Rahmen der „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK)“ um zehn Millionen Euro auf 100 Millionen Euro angehoben. Hilfe für den ländlichen Raum. Entlastungssignale für unsere Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Christian Haase, zeigte sich denn auch zufrieden. „Mit dem Bundeshaushalt 2026 setzen wir trotz notwendiger Konsolidierungen deutliche Entlastungssignale für unsere Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie für die ländlichen Räume. Wir halten Wort.“ Auch die im Wahlkampf heftig debattierte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie soll – wie versprochen – zum 1. Januar kommen. Damit will man dem weiteren Wegbrechen gastronomischer Infrastrukturen gerade im ländlichen Raum weiter entgegenwirken. Eine weitere – mittelbare – Entlastung für den ländlichen Raum ist die Senkung der Flughafensteuer und die Übernahme der Flugsicherungsgebühren durch den Bund. Kostenpunkt: eine knappe halbe Milliarde Euro. Damit will der Bund vor allem den kleinen Regionalflughäfen helfen, die besonders vor der drohenden oder schon vollzogenen Streichung von Fluglinien betroffen sind. Dies trifft die Wirtschaft im ländlichen Raum, die auf Anbindung an größere Drehkreuze angewiesen sind. Und diese Ankündigung, die Kosten für die Flugverkehrswirtschaft zu senken, zeitigt erste Wirkung. So kündigte zum Beispiel die Lufthansa an, die Verbindung vom Flughafen Münster/Osnabrück nach München nicht – wie angekündigt – zu streichen. Dies hätte der Wirtschaft (und auch dem Tourismus) gerade im Münsterland, im Osnabrücker Raum und im Emsland schweren Schaden zugefügt. Auch Paderborn, Dresden und Nürnberg kämpfen um die Attraktivität ihrer Regionalflughäfen. Weniger Verwaltungskosten gefordert Ein weiterer Schwerpunkt ist die Neuausrichtung der Förderpolitik für den ländlichen Raum. Damit Steuergelder zielgerichteter als bisher im ländlichen Raum Wirkung entfalten können, werden ab nächstem Jahr die Verwaltungskosten von Projektträgern auf maximal fünf Prozent der Fördersumme begrenzt. Modellrechnungen haben ergeben, dass bei zahlreichen Förder-Projekten gerade für den ländlichen Raum Verwaltungskosten bis zu 60 Prozent verschlingen. Das soll jetzt gesetzlich verboten sein. Fraglich ist, wie dies zu kontrollieren sein wird oder ob dies neue (Kontroll-)Bürokratie schafft.

  • Koalitionsdisziplin, Energiepolitik, ein weiterer Blick zur Klimakonferenz und das Tier des Jahres 2026

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, der Rentenstreit hat in dieser Woche viele politische Gemüter bewegt. Interessant ist dabei die Frage, ob die Koalition die Kraft hat, bei diesem Thema zusammenzufinden, um sich nicht zu gefährden. An einem Regierungszusammenbruch kann wohl niemand in der politischen Mitte Interesse haben. Jedenfalls haben sich CDU und SPD vorgenommen, ihre Koalitionsausschüsse häufiger tagen zu lassen. Ein konstruktives Signal. In der folgenden Wochenkolumne gehen wir weiter darauf ein, was bei der Klimakonferenz in Brasilien wichtig ist oder nicht: Zitate oder konkrete Leistungen. Letztlich gehen wir darauf ein, dass die Deutsche Wildtierstiftung bereits das Tier des Jahres 2026 gekürt hat. Es war die erste etwas frostige Woche dieses Winters . Vielleicht kann man das abgekühlte Klima auch im übertragenen Sinne aktuell auf die Politik beziehen. Die Berliner Koalition sowie Blicke in Länder wie Brandenburg oder Sachsen vermitteln gekühlte Stimmung. Innerhalb des Regierungslagers gab es entgegen vieler Berichte nicht nur Streit. Der Koalitionsausschuss zwischen Union und SPD hat jedenfalls zu konkreten Ergebnissen geführt und soll nun öfter tagen. Beschlossen wurde die Förderung des Industriestromes und es erfolgte eine Einigung über eine gemeinsame Kraftwerksstrategie. Sie beinhaltet die Fortsetzung des wachsenden Anteils der erneuerbaren Energien. Gleichwohl bleiben erst mal Lücken, die durch Importe und fossile Kraftwerke geschlossen werden müssen. Zunächst einmal zum Ist-Stand: Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat errechnet, dass beispielsweise am letzten Montag (17.11.) 35 Prozent unseres Stromes von Windrädern geliefert wurden; 7,7 Prozent kamen aus Biomasse, 5,2 Prozent von Solaranlagen und 2,6 Prozent machte die Wasserkraft aus. Damit stammt gut die Hälfte des im Lande benötigten Stromes aus Quellen erneuerbarer Energien. Der Mix hängt Tag für Tag vom Wetter ab. Ohne Kohle (an dem Montag 25,7 Prozent) und Erdgas (20,6) ging es damit auch bei diesem Beispiel nicht. Bis 2030 sollen insgesamt 80 Prozent des produzierten Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien kommen. Damit liegen noch weite Wege vor uns. Wie die Lücken bei Dunkelflauten geschlossen werden sollen Zur vom Koalitionsausschuss verabschiedeten Kraftwerksstrategie gehört zunächst der Lückenschluss durch fossile Stromproduktion . Damit soll abgesichert werden, dass es bei uns warm bleibt, die Räder nicht stillstehen und Lichter zu Zeiten sogenannter „ Dunkelflauten“ nicht ausgehen. So heißt es, wenn die gewünschten erneuerbaren Energien im Mix nicht ausreichen, weil die Sonne nicht scheint und es windstill ist. Union und SPD haben sich darauf geeinigt, sich dagegen durch den Bau von Gaskraftwerken mit einer Kapazität von bis zu zehn Gigawatt abzusichern. Sie müssen aber bis 2045 auf klimaneutrale Brennstoffe wie Wasserstoff umgestellt werden können. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte die doppelte Kapazität für diese umstellbaren Gaskraftwerke geplant. Wer dann den Rotstift angesetzt hat, waren weder Koalition noch Opposition, sondern die EU-Bürokratie in Brüssel. Die von der Wirtschaftsministerin angestrebte Größenordnung wurde schlichtweg nicht genehmigt. Dabei bleibt die Energie in Verfügbarkeit und Preisen unsere Achillesferse . Im süffisanten Berlin wurde erst mal festgestellt, dass Grüne und SPD (ohne Lindner) das in der Ampel auch schon vorgeschlagen hatten. Jedenfalls titelte der Tagesspiegel: „Merz macht Habecks Wünsche wahr.“ Und Talkshow-Dauergast Robin Alexander („Die Welt“) befand im ZDF-Talk bei Maybrit Illner: „Wenn die fair wären im Kanzleramt, würden die noch ’ne Kiste Wein bestellen und dem Habeck schicken.“ Der wiederum will Beschlüsse der Koalition zum Industriestrompreis oder zur Kraftwerkstrategie und Alexanders Vorschlag nicht kommentieren. An seinem Medienfasten habe sich nichts geändert, funkte Habeck nach Deutschland. Für seinen Lieblingsgegner aus gemeinsamen Regierungszeiten gilt das nicht. Christian Lindner jedenfalls erschien ein Jahr nach dem Bruch der Ampel bei Maischberger – warum auch immer, zumal er zur Politik damals und heute nichts sagen wollte. Ein Zitat des Kanzlers und deutsche Zusagen bei der Klimakonferenz Bleiben wir kurz bei der Klimapolitik , deren Bedeutung nach aktuellen Umfragen bei den Wählerinnen und Wählern trotz dramatischer Prognosen gesunken ist. Gleichwohl geht es aktuell weiter bei der gefühlt endlos andauernden Klimakonferenz im brasilianischen Belém. Dabei beschäftigt sich alle Welt gerade weniger mit diesen Inhalten als mit einer Äußerung des Bundeskanzlers nach seinem Langstrecken-Trip dorthin. Wir brauchen seine Worte darüber nicht wiederholen, weil sie vielfach zitiert und in fast jeder Talkshow eingeblendet wurden. Es ging am Ende – vielleicht auch etwas unüberlegt – um seinen Eindruck zur vergleichenden Lebensqualität in der Stadt am Amazonas mit der bei uns in Deutschland. Das hat in Brasilien künstliche Empörung mit innenpolitischem Echo in Deutschland ausgelöst. Leider überlagern die Zitat-Debatten die Inhalte vom tropischen Tagungsort. Dort hat der geduldig für Berlin dagebliebene Bundesumweltminister Schneider (SPD) zugesagt, dass wir in diesem Jahr 60 Millionen zum Klimafonds beisteuern werden. Damit ist Deutschland das größte Geberland für den Anpassungsfonds , der 2007 eingerichtet wurde. Am Donnerstag hat Schneider zusammen mit seiner Kabinettskollegin, Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (ebenfalls SPD), die Stimmung in Brasilien mit der Ankündigung aufgehellt, dass Deutschland mit dem Gastgeberland neben anderen über zehn Jahre eine Milliarde Euro in einen neuen Regenwaldfonds einzahlen werde.   „Wir bleiben auch angesichts des Sparzwangs der Bundesregierung ein verlässlicher Partner“ , sagte Schneider. Man kann jedenfalls nicht sagen, Deutschland tue da nichts. Zum Spendenformular Unsere Nachbarn von SRF, dem Schweizer Radio und Fernsehen, gehen in einer Meldung auf das Klima-Ranking der Länder  ein. Dänemark liegt vorn, Deutschland auf Platz 22, die Schweiz kurz dahinter. Dazu heißt es in der Meldung zur Einordnung dieser viel zitierten Rangordnung: „Seit mehr als zwanzig Jahren schon publizieren Nichtregierungsorganisationen ihre Bewertungen, welches Land wie viel für den Klimaschutz tut. Die Einschätzungen und Bewertungen der Nichtregierungsorganisationen sind natürlich keine exakte Wissenschaft, und sie sind geprägt vom Wunsch, den Klimaschutz voranzubringen.“ Ein anderes Klima-Kapitel wurde übrigens jetzt abgeschlossen. Allein in Berlin sind bei der Staatsanwaltschaft seit 2022 genau 5.681 Verfahren  gegen sogenannte Aktivist(inn)en der „Letzten Generation“ eingeleitet worden. Bis auf rund 100 sind alle abgeschlossen; knapp die Hälfte wurde eingestellt. Urteile wegen Nötigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung führten hauptsächlich zu Geldstrafen. Tier des Jahres 2026 mit imposanter Erscheinung und Problemen Die Deutsche Wildtierstiftung geht voran: Sie hat bereits den Rothirsch als Tier des Jahres 2026  gekürt. Die Entscheidung ist das Ergebnis einer bundesweiten Online-Abstimmung. Die Stiftung beschreibt den Rothirsch natürlich zutreffend mit seiner imposanten Erscheinung, aber auch mit seinen Problemen. Dazu gehörten auch Konflikte um diese größte Tierart in unseren Wäldern, in die sie sich häufig zurückziehen. „Die Nahrungsaufnahme von bis zu 20 Kilo Knospen, Trieben von Weichhölzern, Waldfrüchten und Baumrinde neben Gräsern und Kräutern spielten da eine besondere Rolle. Leider habe die Art heute mit großen Problemen zu kämpfen. Durch Straßen, Siedlungen, intensive Landnutzung und behördlich festgelegte Grenzen der Artverbreitung, die sogenannten Rotwildbezirke, seien viele Rotwildvorkommen voneinander isoliert. Dadurch gibt es kaum Austausch zwischen den Populationen. Die wildbiologische Forschung habe in den vergangenen Jahren viele Fälle massiver genetischer Verarmung bestätigt.“ Das Verhalten der Hirsche und ihre genetische Entwicklung waren schon mehrfach bei uns ein Thema. Hier zwei Beispiele: „ Rothirsch: Weiter Weg auf Freiersfüßen“ und „Schritte zur Bewahrung des Rotwildes“ . Auf Platz zwei landete übrigens das Hermelin vor dem Goldschakal. Bei dem Goldschakal reibe ich mir etwas die Augen, wenn ich an unsere Berichte im Zusammenhang mit dem Ausflug eines dieser Raubtiere nach Sylt erinnere. Das gehört vielleicht auch zu den Themen, die wir am Rande unserer Jagden besprechen. Ob die Zukunft des Rotwildes in den Revieren nach den Jagd- und Streckenerlebnissen bei vielen immer vollständig und allgemein zutreffend gesehen wird, lasse ich mal dahingestellt: „Außerdem werden Rothirsche intensiv gejagt, da sie in der Forst- und Landwirtschaft wirtschaftliche Schäden verursachen können.“  Das ist zutreffend, aber als Beschreibung ist diese Aussage für mich sehr eingegrenzt, wenn es um die Frage geht, warum Jägerinnen und Jäger auf die Hirschjagd gehen. Erstmals haben wir in dieser Woche ein Erklärvideo zur Entwicklung unserer Wälder   in unseren Blog aufgenommen . Autor ist der Forstwissenschaftler Dr. Andreas Schulte. Er stellt im Themenrahmen Wald – Klima – Mensch der „zunehmend alarmistischen und ideologisierten Berichterstattung möglichst gut ausgeleuchtet Daten, Fakten, Wissen kritisch gegenüber“. Mit diesem Videotipp verbleibe ich mit besten Grüßen und einem kräftigen Waidmannsheil Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • 900.000 Hektar Wald verloren oder 1,5 Mio. dazugekommen?

    „Nachgewiesen falsch“ – so ist das Urteil des Forstwissenschaftlers Andreas Schulte über die im September von verschiedenen Medien weit verbreitete Meldung „900.000 Hektar Wald verloren“ Prof. Dr. Andreas Schulte (Screenshot: YouTube) „900.000 ha Wald verloren –   Satellitendaten zeigen schrumpfenden Baumbestand in Deutschland“. So meldete es beispielsweise der Tagesspiegel. In einem bemerkenswert aufklärenden Video erläutert der Forstwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Schulte im YouTube-Kanal „CumTempore“ faktenbasierende Hintergründe zur Entwicklung unserer Wälder. So führt er in das Thema ein:  „ Haben Sie das auch gelesen, gesehen, gehört …? In Deutschland sollen – Zitat – ‚mehr als 900.000 Hektar Wald verloren gegangen sein‘ , so der ÖRR über die Tagesschau, den Bayerischen Rundfunk, den Deutschlandfunk etc. Auch der diesbezügliche Artikel der Deutschen Presseagentur sorgte zeitgleich für ein gigantisches Echo über unsere sogenannten Leitmedien wie die FAZ, die Süddeutsche, den Stern bis hin zu fast allen Regionalzeitungen, die den Artikel der dpa 1:1 abdruckten.“ Die so verbreiteten Aussagen gehen offensichtlich auf eine Veröffentlichung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zurück. Diese Mitteilung hatte die Überschrift: „Neuer Webdienst EO visualisiert Kronendachverluste – Satellitendaten für deutsche Wälder in Not“. Korrekt heißt es dort, dass es sich um interaktive Karten „zum Verlust der Kronendachbedeckung für ganz Deutschland“ handele. Prof. Schulte greift in seinem Erklärvideo die verbreitete Schlagzeile „900.000 ha Wald verloren“  auf und fragt zu dieser Aussage: „Wann ist uns das passiert, wer hat da nicht aufgepasst, wo sind die Wälder, das ganze Holz jetzt hin, hat einer beim Fundamt mal nachgefragt …? Falls Sie jetzt auch Angst um unseren verlorenen Wald haben, sind Sie Fake Facts aufgesessen – denn: Seit 1949 hat die Waldfläche in Deutschland bis heute um etwa 1,5 Mio. Hektar zugenommen. Und: Anstatt die großen Mengen an bestem, durch Borkenkäfer dem Markt zugeführtem Fichtenholz in Deutschland für eine Holzbauoffensive zu nutzen, haben wir es unter Begasung mit einem Klimakiller billigst vor allem nach China exportiert. Oder lassen es als Totholz z.B. im Nationalpark Harz einfach liegen und ungenutzt durch natürliche Zersetzung Millionen Tonnen CO₂ emittieren.“ Interesse am Thema: Dann schauen Sie das Video von Andreas Schulte mit daten- und faktenbasierten Hintergründen zum Sterben einiger Fichtenwälder der letzten Jahre, die Sie in den Medien so nicht gelesen oder gesehen haben. Quelle: Prof. Dr. Andreas Schulte Zum Autor: Der Forstwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Schulte war Inhaber des Lehrstuhls für Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft im Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er ist Verfasser und Herausgeber mehrerer Bücher zu waldökologischen, forst- und holzwirtschaftlichen Themen. Neben seinen bodenkundlichen und waldökologischen Untersuchungen, die in den 1980er und 1990er Jahren noch ganz im Zeichen der Debatte um das „Waldsterben“ standen, beschäftigte sich Andreas Schulte auch früh mit Fragen der Weltforstwirtschaft und ihrer künftigen Entwicklung angesichts des Klimawandels. Seit Mitte 2024 ist Schulte Herausgeber und Autor des YouTube-Kanals „CumTempore“ . In Videos gefasste Bemerkungen zum Themenrahmen Wald – Klima – Mensch stellt der Forstwissenschaftler der „zunehmend alarmistischen und ideologisierten Berichterstattung möglichst gut ausgeleuchtet Daten, Fakten, Wissen kritisch gegenüber“. Mit den Videos werden in ca. 15 Minuten Fragen, Probleme, Interessantes aufgegriffen, insbesondere aus den Bereichen Waldökologie und Forstwirtschaft, dem Umwelt-, Natur- und Klimaschutz wissensbasiert und verständlich in einen gesellschaftspolitischen Kontext gestellt.

  • Unser Zuwanderungsproblem in der Tierwelt (2)

    Invasive Arten richten enorme Schäden an. Ihre Ausbreitung soll verhindert werden. Es gibt zum Teil enorme Bestandszunahmen. Darüber berichten wir – in Teil 2 geht es u.a. um Nutria und Nilgänse Teil 1 lesen Foto: Jaramo81 , 2020-11-14 Nutria (1) , CC BY-SA 4.0 Einen ebenfalls rasanten Zuwachs haben die Nutria hingelegt. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Jagdstrecke auf fast 120.000 Stück annähernd verzehnfacht. Basis des Bestandes sind auch hier aus Pelztierfarmen entflohene Tiere wie auch bewusste Auswilderungen. Eine Zuwachsrate von mehr als 28 Prozent in einem Jahr ist ein deutliches Zeichen für das enorme Vermehrungspotenzial der aus Südamerika stammenden Sumpfbiber, die oft mit Bibern oder der kleineren, ebenfalls hier nicht heimischen Bisamratte verwechselt werden. Längst hat die auf Wasser angewiesene Nutria, die an den auffälligen weißen Schnurrhaaren am kantigen Kopf zu erkennen ist, den Großteil Deutschlands besiedelt und ist auch in urbanen Lebensräumen sehr zahlreich vertreten. Schäden für Mensch und Tier Die Nutria richtet durch Unterhöhlen erhebliche Schäden an Ufer- und Böschungsbereichen sowie Deichanlagen an. Außerdem kann sie Uferröhrichte durch Fraß stark schädigen und dadurch die Lebensräume seltener Arten schädigen. Nutrias schaffen relativ große Hohlräume. Dadurch verursachte Einstürze des Erdreichs können auch Dämme und damit den Verkehr gefährden. Besonders in jüngster Zeit wird das Fleisch der Sumpfbiber als sehr schmackhaft gelobt. Das knüpft an Aussagen Ende der 1950er Jahre an, als es hieß: „Das Fleisch der Nutria ist als Genussmittel geschätzt, insbesondere in Südamerika bei der einheimischen Bevölkerung und den Jägern. Es ist sehr zart und wohlschmeckend. Im Geschmack kommt es etwa dem Spanferkel gleich. Überdies bemühte sich die argentinische Regierung, den Konsum von Nutriafleisch zu heben, um die Rentabilität der Farmzucht zu erhöhen.“ Bereits zuvor hatte ein Fachbuch für Pelztierzüchter der DDR die Verarbeitung des Fleisches zu Mettwurst, Kochsalami und Rouladen beschrieben. In Gefängnissen der DDR gab es Nutria mit Pellkartoffeln zu essen. Weit verbreitet und bis in die Städte zugezogen Bestens für den Verzehr geeignet ist auch die aus Afrika stammende Nilgans. Die bundesweite Streckenstatistik weist sie zwar nicht gesondert aus, sondern Zahlen für alle erlegten Wildgänse zusammen, mit einem Wert von zuletzt mehr als 146.000. Der DJV geht jedoch davon aus, dass die Nilgans in Deutschland inzwischen verbreiteter ist als die Graugans. Die rasante Ausbreitung erfolgt seit den 1970er Jahren. Ausgangspunkt war wahrscheinlich eine aus den Niederlanden stammende Population, die sich aus entflogenen Ziervögeln gebildet hatte. Entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse hat die Nilgans längst im Süden die Grenze zur Schweiz und im Osten über die Donau auch Österreich erreicht. Sie ist zum Brutvogel geworden. Das schafft Probleme in städtischen Bereichen, wo die Nilgans manchmal sogar als Plage empfunden wird. Denn sie erobert Radwege und Liegewiesen an Badeseen und in Freibädern. Obendrein hat das Gesundheitsamt in Frankfurt a.M. festgestellt, dass der reichlich hinterlassene Kot der Nilgänse in öffentlichen Freibädern eine Gesundheitsgefahr besonders für Kleinkinder ist, weil darin Salmonellen nachgewiesen wurden. Aggressive Verdrängung anderer Arten Auch die heimische Vogelwelt, besonders Wasservögel, ist durch die Nilgans beeinträchtigt. Sie ist einerseits sehr anpassungsfähig, andererseits äußerst aggressiv, besonders während der Brutzeit. So kommt es lokal zur Verdrängung anderer Arten. Das Ausmaß der Aggressionsbereitschaft soll dabei von der Vogeldichte am Gewässer und nicht vom Futterangebot abhängen. Das alles veranlasste die EU 2017, die Nilgans auf die rechtsverbindliche Liste invasiver, gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung zu setzen. Das forderte von den Mitgliedsstaaten „wirksame Managementmaßnahmen“, die „tödliche oder nicht-tödliche physikalische, chemische oder biologische Maßnahmen zur Beseitigung, Populationskontrolle oder Eindämmung einer Population“ umfassen.

  • Kretschmanns Erbe oder ein Mann gegen den Trend?

    Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026: Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir will Brücken bauen – aber selbst für Joschka Fischer grenzt ein Sieg an ein Wunder Cem Özdemir (Foto: Verena Müller) Joschka Fischer redet nicht um den grünen Brei herum. „Die Verteidigung der grünen Ministerpräsidentschaft in Stuttgart wird schwer, sehr schwer“, schreibt der frühere Bundesaußenminister in seinem Vorwort zu einer Wahlhilfe-Biografie, die die Autoren Rolf Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer jetzt vorgelegt haben. Fischer mag später nachschieben, wenn es dennoch einem gelinge, „dann Cem“. Doch der bald 60-Jährige, der in der Staatskanzlei das Erbe des nicht mehr kandidierenden grünen Kult-Konservativen Winfried Kretschmann antreten will, weiß selbst am besten, dass seine Chancen gut vier Monate vor der Wahl besser stehen könnten. Sicher: Sein Bekanntheitswert im Land liegt nahe an der 100-Prozent-Marke. Sein CDU-Konkurrent Manuel Hagel ist schon froh, wenn ihn gut ein Drittel der Menschen in Baden-Württemberg kennen. Doch die Zahlen, die letztlich über Sieg oder Niederlage entscheiden, lassen vermuten, dass es für Özdemir, den dialektsicheren „anatolischen Schwaben“, am 8. März nicht zum Sieg reichen dürfte. Die wiederbelebte CDU liegt ziemlich stabil um die 30 Prozent, die kretschmannlosen Grünen zehn Prozent dahinter. Schlimmer noch: Zwischen Schwarze und Grüne hat sich die AfD auf den Umfrage-Platz 2 geschoben. Özdemirs Inszenierung: Ein Mann des Kompromisses Ein Mann gegen den Trend: So präsentiert sich Özdemir. Weit genug weg von den Grünen, um das bürgerlich-konservative Wählerlager, das Kretschmann so genial umgarnen konnte, nicht völlig abzuschrecken. Sein Programm steht im Klappentext: „Mein Spezialgebiet ist das Brückenbauen zwischen unterschiedlichen Positionen und der Versuch, Lösungen mit Maß und Mitte zu finden. Ich will es mal so sagen: Wer mit mir keinen Kompromiss finden kann, will keinen.“ Doch Manuel Hagel, nicht nur wegen seiner 37 Jahre um viele politische Erfahrungen, raffinierte Tricks und aufrüttelnde Reden ärmer als der weltläufige Özdemir, will sich davon nicht einlullen lassen. Dass es ihm nach der Wahl lieber wäre, mit SPD und FDP eine Deutschland-Koalition zu bilden, ist kein Geheimnis. Doch eine in allen Umfragen um die zwölf Prozent dümpelnde Landes-SPD und eine sich sicher, wenn auch knapp über fünf Prozent wähnende FDP dürften am Ende nicht zum neuen Bündnis reichen. Zumal die Linkspartei zum ersten Mal mit dem Einzug in den Stuttgarter Landtag rechnen kann.   Cem, der Brückenbauer. Die Buch-Autoren führen nicht zuletzt Özdemirs Rolle als Bundeslandwirtschaftsminister während der großen Bauernproteste im Frühjahr 2024 an, als er sich mehr als ein Mal mutig zum Teil sehr aufgebrachten Demonstranten zum Disput stellte und nicht ohne positive Wirkung blieb. Aber Özdemir ist eben kein Kretschmann, mag er sich noch so ökoüberparteilich und ehrlich wirtschaftsaffin zeigen. Und laut feststellen, dass es für die Grünen die größte Gefahr sei, „wenn wir nach links abdriften“. „Meine Turmfrauen finden ihn gut, trotzdem werden sie Cem nicht wählen“, zitieren die Autoren eine auf dem Land lebende Grüne. So ist das wohl. Selbst in den Großstädten wie der Landeshauptstadt Stuttgart bröckelt das einst so stabile grüne Fundament. Auch Manuel Hagel wird Anfang des kommenden Jahres auf den Büchertischen präsent sein. Dann soll ein Band zum 75-jährigen Jubiläum der Landes-CDU erscheinen, ein Jahr zu früh zwar, aber rechtzeitig vor der Wahl. Hagel wird dazu das Vorwort schreiben. Für eine eigene Biografie reicht es eben noch nicht.

  • Unser Zuwanderungsproblem in der Tierwelt (1)

    Invasive Arten richten enorme Schäden an. Ihre Ausbreitung soll verhindert werden. Doch Streckenzahlen zeigen, dass das durch freiwillige Bejagung kaum gelingt. Es gibt zum Teil enorme Bestandszunahmen. Darüber berichten wir in zwei Teilen Foto: Michael Woita / pixelio.de Die Statistiken belegen eine klare Tendenz: Die Vorkommen von Waschbär und Marderhund, Nutria, Mink und Nilgans nehmen zu. Erfasst sind dabei nur die als erlegt gemeldeten Stücke. Denn während es für die Schalenwildarten verbindliche Abschusspläne und körperliche Nachweise gibt, entfällt dies für das Niederwild, zu dem die gebietsfremden Arten zählen. Ihre Bejagung erfolgt quasi freiwillig und sicher nicht flächendeckend oder konsequent. Denn nicht wenige Jäger lassen den Finger gerade, wenn sie beim Ansitz auf Sau oder Hirsch einen Neozoen in Anblick haben. So heißen die zugewanderten Tierarten, die sich bei uns im Lande etabliert haben – nicht nur in der Natur. Nachtaktive Räuber aus Nordamerika und Asien Besonders dramatisch ist das im Fall des Waschbären . Er ist eigentlich in Nordamerika zu Hause und seit der Mitte des 20. Jahrhunderts als Neubürger auf dem europäischen Festland vertreten. Ausgangspunkt der Entwicklung sind Tiere, die aus Pelztierfarmen und Gehegen entkommen sind oder ausgesetzt wurden. Die Jagdstrecke des Kleinbären hat sich nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) innerhalb von zwei Jahrzehnten bis 2024 auf 239.162 mehr als verelffacht. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Denn der nachtaktive Räuber lebt zwar bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern, ist aber enorm anpassungsfähig. Längst hat er auch Bergwälder, Salzwiesen und urbane Räume besiedelt . Die Folgen für die Vogelwelt sind enorm. Der putzig anzuschauende Maskenträger schädigt sie, wo er nur kann. Als gewandter Kletterer erreicht er auch Nester hoch oben in Bäumen. Seine Vorderpfoten, vom Jäger Branten genannt, setzt er mit ausgeprägtem Tastsinn geschickt ein wie Hände, leert so auch Baumhöhlen und erbeutet oft genug mit dem Gelege auch das brütende Elterntier. Als Nahrungsopportunisten, also Allesfresser, ernähren sich Waschbären aber auch von Kröten, Fröschen, Lurchen und anderen Wirbellosen und pflanzlicher Kost. Gerühmt wird ihr gutes Gedächtnis. So sollen sich Tiere in Versuchen auch noch nach drei Jahren an die Lösung einer früher gestellten Aufgabe erinnert haben. Ein äußerst scheuer Neubürger Der auch Enok genannte Marderhund ist ein äußerst scheuer nachtaktiver Neubürger. Nur wenige Menschen bekommen ihn zu sehen. Doch die Zahl von fast 27.500 erbeuteten Exemplaren im Jagdjahr 2023/2024 belegt sein reichliches Vorkommen. Seit der Erlegung des ersten Marderhundes 1962 im Emsland hat er ganz Deutschland erobert. Das Kernverbreitungsgebiet des aus Asien stammenden Enok umfasst die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Als Allesfresser übt er wie der Mink einen zusätzlichen Prädationsdruck auf heimische Arten aus. Der amerikanische Mink ist ans Wasser gebunden und zahlenmäßig sicher das in heimischen Revieren am wenigsten verbreitete Neozoon. Auch wenn es keine bundesweite Streckenstatistik für diese Art gibt, kann er lokal erhebliche Reduzierungen verursachen, etwa bei Wasservögeln.

  • Klimagipfel, Geburtstag, Beschlüsse in Berlin – und was sich auf dem Lande tut

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, so richtige Zuversicht hat sich im Herbst mit Blick auf Berlin noch nicht breit gemacht, obwohl man der „Arbeitskoalition“ von Union und SPD nach dem Bruch der Ampel mehr als einen Ruck zugetraut hatte. Hinter uns liegt eine Woche, in der endlich große Themen angefasst wurden, um die Kurven der Wirtschaftsdaten und der politischen Stimmung im Lande zu drehen. Vielleicht hat auch der Weckruf der Wirtschaftsforscher mitgewirkt. Der Kanzler wird nicht müde zu versprechen, dass mit ihm auf Deutschland Verlass sei. Wir wollen uns gleichwohl in unserer Wochenkolumne natur+mensch darüber hinaus weiter unseren Themen zuwenden. Über die Hälfte der Menschen leben und arbeiten im ländlichen Raum. Darüber wird im Moment wenig gesprochen. So schauen wir erneut auch dorthin: Was sich rund um unseren Wald tut, ob die Jagd dort auch in Zukunft angemessen ihre Rolle spielen und wie sie für die Allgemeinheit wirken kann. Die Zunahme eingewanderter Tierarten wie Waschbären oder Nilgänse betrifft alle. Wir schlagen im Folgenden wieder einen weiten Bogen. Für unseren Bundeskanzler sollte der Dienstag dieser Woche als normaler Arbeitstag ablaufen. Ausgerechnet an diesem jährlichen Eröffnungstermin der Karnevalssession hat Friedrich Merz nun einmal Geburtstag. Diesmal war es der 70. Deshalb nahmen das die Kolleginnen und Kollegen im Bundestag und auch im Kabinett trotz aller gewünschter Normalität zum Anlass einer kleinen  Feier mit Torte, vielen guten Wünschen und kleinen Geschenken . Ausgelassenheit – wie üblich am 11.11. am Rhein – blieb an diesem Tage in jeder Beziehung gefühlt auf Distanz zum Berliner Regierungsviertel. Vielleicht war es ein angedeutetes Symbol der durch die sauerländische Herkunft geprägten Zuneigung des Kanzlers auch zum Ländlichen und damit auch zur Tierwelt. Jedenfalls hatte Jens Spahn neben einer Deutschland-Fahne drei Krawatten mit Motiven entsprechender Tiermotive als Präsent dabei: Elefanten, Delphine und Eichhörnchen. Ob der Landwirtschafts- und Ernährungsminister dann noch passende Produkte beisteuerte, wurde übrigens nicht bekannt. So blieb es für den Geehrten am Ende doch ein normaler Arbeitstag. Denn dafür spricht die Meldung, dass Friedrich Merz keine Zeit hatte, die vielen Glückwunsch-SMS zu lesen. Ganz oben dürften für ihn auf der Wunschliste bessere Nachrichten stehen – insbesondere, dass Haushalts- und Investitionsbeschlüsse endlich greifen. Diesen Wunsch konnte der Sachverständigenrat mit seinem Jahresgutachten zur wirtschaftlichen Entwicklung 2025/2026 auch in dieser Woche noch nicht erfüllen. Die Wissenschaftler testierten „Stagnation“, was wenigstens schon einmal keine Rezession mehr bedeutet. Das Bekenntnis des Kanzlers zum Klimaschutz Begonnen hatte die Woche für Friedrich Merz mit einem Langstreckenflug als Kurztrip zur Weltklimakonferenz  nach Belém am Amazonas. Natürlich ging es dem Kanzler darum, Bekenntnisse abzugeben, die am Ende sicher bei weniger als der Hälfte der dort angemeldeten 56.000 Delegierten Beifall finden werden. Seine Botschaft: Deutschland leistet seinen Beitrag. Europa hatte sich zuvor auf reduzierte Ziele verständigt. Und das hatte der Kanzler insgesamt dort zu vertreten. Dies in einer Form, die Merz so als Bekenntnis formulierte: „Wir treten für einen Klimaschutz ein, der wirtschaftliche Aktivitäten fördert und nicht behindert.“  Unsere Wirtschaft sei nicht das Problem, sondern sie sei der Schlüssel, „ um unser Klima noch besser zu schützen“.  Das Ziel des Kanzlers ist nach seinen Äußerungen vor der Weltklimakonferenz in Belém eine langfristige Energiesicherung bei günstigen Preisen und Wettbewerbsfähigkeit mit sozialer Ausgewogenheit. Die Zusage hieß: „Auf Deutschland ist Verlass.“  Jedenfalls sekundiert der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) aus Belém, Deutschland sei dabei und wolle als starkes Industrieland klimaneutral werden. Ob die gerade veränderte Zeitschiene und der Abgleich mit Europa am Ende passen, ist noch nicht sicher. Nun muss erst einmal die umstrittene Brüsseler Einigung selbst mit abgeschwächten Klimazielen noch durchs Europäische Parlament. Wie sich das alles nach innen bei uns auswirken wird, bleibt eine Frage, die uns weiter bewegt. Zum Spendenformular Kommen wir noch einmal zurück auf unsere Wirtschaft. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche hat in Berlin auch in dieser Woche eine Grundsatzrede  gehalten und dabei das Thema Klima erst mal ausgeklammert. Kernaussage: Die deutsche Wirtschaft muss langfristig wieder wettbewerbsfähig werden. Die Lage sei ernst, sagte sie, und es brauche ein umfassendes Fitnessprogramm – mit der Konzentration auf diese Kernaufgaben: Sicherheit, Infrastruktur und Bildung . Sie sprach auf einem Symposium zur sozialen Marktwirtschaft, wozu das Motto „Wieder mehr Erhard wagen“ passen würde. Solche Gedanken wirken auf den Koalitionspartner nicht gerade vertrauensbildend. Jedenfalls hat Reiche ihre Aussagen symbolisch unterlegt: Jetzt wurde bekannt, dass die Büste von Ludwig Erhard in ihr Ministerium zurückgekehrt ist. Reiches Vorgänger Robert Habeck hatte die ausgeliehene Skulptur an ihren Besitzer, Herbert B. Schmidt, einst Mitbegründer des CDU-Wirtschaftsrates, 2023 zurückgeben müssen. Der Grund: Der Stifter hielt nichts von der Politik des damals amtierenden Grünen. Das Handelsblatt griff das Thema auf und zeigt sich weiter skeptisch: Es bleibe zu befürchten, dass die Rückkehr der Büste mehr Kulisse als Kurskorrektur sei, denn der Geist der sozialen Marktwirtschaft, die Erhard prägte, sei in der Bundesregierung kaum mehr spürbar. Ob das zur Klima-Ansage des Kanzlers passt? Von oben sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit sind wir noch einmal in Belém: Ein anderes Zitat des brasilianischen Präsidenten von dort lässt auch für unsere Themen aufhorchen: „Wer den Wald nur von oben sieht, weiß nicht, was unter seinem Dach geschieht.“  Waldbauern und Förster stehen vor grundlegenden Herausforderungen, unter diesen Bedingungen Reviere so umzubauen, dass sie auch für kommende Generationen zukunftsfest bleiben. Und Jägerinnen wie Jäger spielen dabei auch noch eine Rolle. Der Wald ist von je her ein Generationenthema. Dessen Funktionen und aktuelle gesellschaftliche Ansprüche wachsen dramatisch mit den unterschiedlichen Bestrebungen zwischen wirtschaftlich verpflichtetem Eigentum und öffentlichem Wohl. Daraus leitet die Stiftung natur+mensch in den aktuellen Debatten den Auftrag ab, sich mit eigenen Positionen einzubringen, die der Jagd in Wäldern der Zukunft ausgewogen einen angemessenen Platz sichern. Dazu gehört insbesondere auch der Blick auf die Waldböden. natur+mensch widmet sich konkreten Beispielen der Waldentwicklung, die beides zulässt: Wirtschaftswald und Jagdbetrieb . Ziel ist es, den Nachweis einer ausgewogenen ökologischen und ökonomischen Bewirtschaftung zu führen. Die Stiftung will einen konkreten Beitrag zu den gesellschaftlichen Diskussionen über Nachhaltigkeit, CO₂-Speicherung, Klima- und damit Zukunftsstabilität von Wäldern leisten. Dazu gehören die Aspekte der Energieversorgung, Biodiversität, Gesundheits- und Erholungsfunktionen – sowie „Wald mit Wild“ statt „Wald vor Wild“ als Praxisbeispiel. Darüber habe ich u.a. mit dem Forstwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Schulte gesprochen. Er war Inhaber des Lehrstuhls für Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft im Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. Er stellt, wie er sagt, zunehmend alarmistischen und ideologisch gefärbten Darstellungen in Berichterstattung und Politik möglichst gut ausgeleuchtete Daten, Fakten und Hintergrundinformationen kritisch gegenüber. Im Blog natur+mensch werden wir auf ihn und seine Videos gern noch einmal zurückkommen. Invasive Arten sind mit Pulver und Blei allein nicht zu stoppen Invasive Arten richten enorme Schäden an – in der Landschaft, an heimischen Arten und möglicherweise auch an der menschlichen Gesundheit.  Deshalb soll ihre Ausbreitung verhindert werden. Doch Streckenzahlen zeigen, dass das kaum gelingt. Es gibt vielmehr zum Teil enorme Bestandszunahmen. Die Statistiken, die unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche in seinem Blog-Beitrag auswertet, belegen klar: Die Vorkommen von Waschbär und Marderhund, Nutria, Mink und Nilgans nehmen zu. Erfasst sind dabei nur die als erlegt gemeldeten Stücke. Denn während es für die Schalenwildarten verbindliche Abschusspläne und körperliche Nachweise gibt, entfällt dies für das Niederwild, zu dem die gebietsfremden Arten zählen. Ihre Bejagung erfolgt quasi freiwillig und sicher nicht flächendeckend oder konsequent. Denn nicht wenige Jäger lassen den Finger gerade, wenn sie beim Ansitz auf Sau oder Hirsch einen Neozoen in Anblick haben. Damit erweisen sie der Natur einen Bärendienst, wenngleich klar ist, dass die tierischen Zuwanderer allein mit Pulver und Blei nicht zu stoppen sind. Für die Eindämmung braucht es eine konsequente Fangjagd mit der Falle. Kürzlich haben wir auf die vielfältigen Hinweise zu Wildunfällen im Herbst  hingewiesen. Wie aktuell und berechtigt das ist, zeigt eine Meldung aus dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen in Bayern: Dort ereigneten sich in der letzten Woche nach Einbruch der Dunkelheit von Donnerstagabend bis Freitagmorgen gleich fünf Wildunfälle – vier Rehe und ein Wildschwein. In allen Fällen wurden Autos beschädigt. Das bestätigt, wie stark Wild in der Dämmerung und nachts aktiv ist. Bei zwei Unfällen starben die Tiere sofort, bei den übrigen musste die Polizei verletztes Wild nachsuchen lassen. So verbleibe ich mit diesem Wochenkommentar mit besten Grüßen und Waidmannsheil Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • EU-Entwaldungsverordnung: Wer zieht die Notbremse?

    Wenige Wochen bleiben noch, um die handwerklichen Fehler der EU-Entwaldungsverordnung zu beheben. Die Forderung wird laut, das Inkrafttreten noch einmal um ein Jahr zu verschieben Foto: VenomDesign Das EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) stammt aus einer anderen Zeit. Es wurde in der vergangenen Wahlperiode vorgeschlagen und beschlossen. Damals waren die Gesetzgebungsvorschläge der Kommission beseelt vom Green Deal. Inhaltlich konnte es nicht grün genug sein. Die Interessen der Unternehmen waren zweitrangig, der Aufwuchs von Bürokratie wurde in Kauf genommen. In diesem Geist hat die EU bis 2024 Politik gemacht. Das Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten ist ein Paradebeispiel dafür. Das Anliegen ist richtig: dafür sorgen, dass keine für den Arten- und Klimaschutz wertvollen Wälder geschlagen werden für Produkte, die in der EU auf den Markt kommen. Um dieses Anliegen umzusetzen, ist aber viel Papierkram notwendig. Etwa, wenn es darum geht, zu dokumentieren, dass das Holz nicht aus einem Primärwald im Amazonas- oder Kongobecken kommt. Hierzulande wachsen Holzernte und Waldfläche Von Anfang an nicht einzusehen war, dass auch Verkäufer von Holz diese Dokumentationspflichten beachten müssen, die gar nicht in Gebieten wirtschaften, wo abgeholzt wird. Rodung ist etwa in Deutschland, Österreich und anderen mitteleuropäischen Ländern kein Problem. Im Gegenteil: Hierzulande wächst sowohl die Holzernte als auch die bewaldete Fläche seit Jahren. Daher ist die Forderung der Unternehmen berechtigt: Die Kommission möge eine Null-Risiko-Kategorie im Gesetzestext verankern. Das heißt: In Ländern ohne Abholzungsrisiko sollen die Unternehmen nicht der Dokumentationspflichten der EUDR unterworfen werden. Ansonsten würde sinnlose Bürokratie aufgebaut. In ihrem zweiten Mandat hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Prioritäten verschoben . Nicht mehr Klima- und Artenschutz stehen im Vordergrund. Vielmehr will sie den Unternehmen vor allem das Wirtschaften erleichtern. Ihre Behörde durchforstet dafür systematisch die EU-Verordnungen und Richtlinien und will Bürokratie kappen. Neue Dokumentationspflichten sollen verhindert, bestehende überflüssige Bürokratie soll abgebaut werden. Nur kosmetische Änderungen oder doch Verschiebung? Von diesen Gedanken hat sich die Kommission bislang aber leider bei der EUDR nicht leiten lassen. Sie will vielmehr das EU-Gesetz lediglich mit einigen kosmetischen Änderungen Ende des Jahres in Kraft treten lassen. Nur Kleinunternehmen sollen davon zunächst ausgenommen werden. Das Gesetz sieht etwa vor, dass Waldbesitzer in einer Datenbank das Waldstück genau lokalisieren müssen, in dem geerntet wird. Da die Geolokalisierung gerade die kleinen Waldbesitzer vor technische Schwierigkeiten stellen würde, will sich die Kommission nun nur noch mit der Postadresse des Waldstücks zufriedengeben. Dies ist wohlgemeint, aber ein völlig unausgereifter Vorschlag. So gibt es für viele Waldstücke in Deutschland eben nicht eine Postanschrift. Die Zeit drängt. Die beiden Co-Gesetzgeber der EU, also der Rat der 27 Mitgliedstaaten und das Europaparlament, müssen sich schnell einigen. Sollte die Einigung nicht bis zum 30. Dezember gelingen, tritt die EUDR automatisch in Kraft. Mit allen ihren Ungereimtheiten. Dadurch würde Chaos entstehen. Lieferketten, etwa für die Automobilindustrie, könnten reißen. Die Mitgliedstaaten haben jetzt den Vorstoß gemacht, das Inkrafttreten der EUDR komplett um ein Jahr zu verschieben. Das ist der einzig sinnvolle Weg. Es ist nicht vorstellbar, die vielen handwerklichen Fehler innerhalb von wenigen Wochen im Eilverfahren zu beseitigen.

  • Wenn der Vater aufs zweite Bier verzichtet

    Es war kein gutes Jahr für die Gastronomiebranche in Deutschland. Das Kneipensterben geht deswegen ungebremst weiter. Und das besonders auf dem Lande Foto: Sora Die nackten Zahlen bestätigen einen gefährlichen Trend, der auch die Lebensqualität gerade im ländlichen Raum bedroht. Die Gastronomiebranche in Deutschland kommt nicht aus der Flaute. Ganz im Gegenteil: Es geht weiter bergab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Umsatz im Gastgewerbe im August dieses Jahres um 1,4 Prozent im Vergleich zum Juli. Ein Rückgang, den man vielleicht noch verschmerzen kann. Noch deutlicher werden die Probleme bei einem anderen Vergleichszeitrahmen: Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank der Umsatz um 3,5 Prozent. Auch kleinere Hotelanbieter melden deutliche Rückgänge, sogar auf der Promi-Insel Sylt blieben in diesem Jahr jede Menge Hotelzimmer leer. Das ist eine negative Entwicklung, die sich auch an der gastronomischen Infrastruktur in Deutschland nachverfolgen lässt. Allein seit 2019 haben 67.000 Kneipen, Restaurants und Gasthöfe in Deutschland aufgegeben. Ein Grund war natürlich die Corona-Pandemie, die wie eine Abrissbirne gerade für die Gastronomiebranche gewirkt hat. Knapp ein Jahr durfte kein Betrieb Gäste und Kunden empfangen, Umsatz damals gleich null. Viele Mitarbeiter flüchteten in dieser Zeit aus der Branche – nur ein kleiner Teil kehrte zurück. Schockwellen nach Corona Die wechselnden Bundesregierungen zahlten zwar hohe Corona-Entschädigungen an die Branche (die höchsten im Vergleich aller Wirtschaftszweige), aber dennoch bleibt der Trend negativ. „Nach der Corona-Krise, die vom deutschen Staat gerade für die Gastro- und Tourismusbranche mit viel Geld und Empathie unterstützt wurde, kamen die nächsten Rückschläge“, bestätigt ein Branchenkenner. Vereinzelt haben sich im Anschluss an Corona auch unerwartete behördliche Rückforderungen von Hilfen in den Bilanzen der Betriebe niedergeschlagen. Unsicherheiten, auch ausgehend vom Ukraine-Krieg und durch die hohe Inflation, haben bei vielen Verbrauchern die Lust am Essengehen oder am Bier in der Eckkneipe vermiest. Diese Stimmung ist weiter zu spüren. In der ohnehin mit geringen Margen kämpfenden Branche (von 100 Euro Umsatz bleiben nach Angaben des Dehoga zum Beispiel in der Außengastronomie in Bremen fünf Euro übrig) sind die Kosten in den vergangenen zwei Jahren deutlich nach oben geschossen: Energie für Hotels und touristische Anlagen kostet 13 Prozent mehr, bei Löhnen sind es 14 Prozent. Besonders hart trifft es Restaurants: Im Schnitt müssen Gastronomen und Restaurantbetreiber knapp 20 Prozent mehr für Grunderzeugnisse für Lebensmittel aufwenden, um ihre Speisen und Co. anbieten zu können. Dies führt dazu, dass seriös kalkulierende Gastronomen kaum noch ein Schnitzel unter 30 Euro anbieten können. Eher geht diese Entwicklung in Richtung 40 Euro. Politische Debatte um Mehrwertsteuer Das ist für viele Gäste und Urlauber zu viel, die dann lieber zu Hause bleiben und sogar in den Ferien in der gemieteten Wohnung brutzeln. Die deutschen Küsten melden somit ebenfalls erhebliche Umsatzeinbrüche bei Übernachtungen, Freizeitattraktionen oder Gastro-Besuch. „Viele Familien leisten sich schon nicht mehr den Gang in die Pizzeria“, sagt ein Hotel-Manager aus dem Ostseeraum. Oder wenn sie kommen, dann teilen sich vier Leute schon mal drei Essen. Oder verzichten aufs zweite Bier für den Papa oder den Weißwein für die Mama. Diese Entwicklung beschäftigt zwangsläufig auch das politische Berlin. Im Koalitionsvertrag ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen von derzeit 19 auf sieben Prozent festgeschrieben. Es war ein zentrales Wahlversprechen vor allem der Union – auch und gerade mit Blick auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und irgendwann in Bayern. Gerade die Union setzt sich nun dafür ein, dass diese auch kommt, um die gastronomische Infrastruktur vor allem in den ländlichen Regionen nicht noch weiter auszudünnen. Bisher gibt es aus dem Bundesfinanzministerium keine Einwände. Auch dort weiß man genau, dass dieses Thema durchaus Potenzial hat, den Rechtspopulisten weiteren Aufwind zu verschaffen. Schon heute liegt die AfD auf der Ostseeinsel Usedom bei 49 Prozent.

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