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- Dürre, Wolf und Wahlkampf: Das Land in Sorge
Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! In Berlin ist bis auf die Zuordnung der kriegerischen Leipzig-Drohnen und innenpolitisch bis auf das Interview-Geplänkel nicht viel passiert. Die Reformpläne werden wie angekündigt erst einmal durchs Kabinett ins Parlament gebracht. Dort fallen dann auch die finalen Entscheidungen. Man kann nur hoffen, dass unser Land nicht destabilisiert wird. Bis nach den Wahlsonntagen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und fürs Berliner Abgeordnetenhaus bleibt die große Politik in Wartestellung. Als Erstes blickt alles wie das Kaninchen auf die Schlange nach Magdeburg, wo am Sonntag final ausgezählt wird. Und darauf, wie weit die Prognosen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Weiter beschäftigen wir uns mit den Folgen des Hitze- und Dürresommers. Für die Landwirtschaft erkennt jetzt der zuständige Minister Alois Rainer (CSU) mit der erwarteten Ernte eine „Krise von nationaler Tragweite“. Und mit Rückblick auf die Brände, die uns im August bewegt haben, hat die Debatte darüber Fahrt aufgenommen, was man für die Zukunft daraus lernen muss. Es geht um Konsequenzen mit Vermeidungsstrategien, die Ausstattung der Einsatzkräfte und den schon lange diskutierten Waldumbau. Weiter lässt uns das Thema Wolf nicht los, solange die Häufigkeit von Schäden durch Risse von Weidetieren nicht abnimmt. Da spielen auch die Gerichte eine Rolle. Am Donnerstag hat der Bundeskanzler seinen zweiten Wahlkampfausflug nach Sachsen-Anhalt unternommen. Wenn früher bei der CDU vor Landtagswahlen auf den Plakaten „Der Kanzler kommt“ stand, kamen auch die Massen. Auch in den seit der Wende so bezeichneten „neuen Bundesländern“. Als Helmut Kohl im März 1990 uns Berichterstatter zu seiner Kundgebung nach Leipzig einlud, prognostizierte er, dass es so große CDU-Veranstaltungen wohl künftig nicht mehr gebe. Beeindruckt erinnere ich mich an seine Wahlkampfrede wenige Tage vor der ersten freien Volkskammerwahl der DDR, die den Weg zur deutschen Wiedervereinigung endgültig ebnete. Auf den damaligen Karl-Marx-Platz und heutigen Augustusplatz kamen seinerzeit offiziell geschätzt 300.000 Menschen. Sie hatten Hoffnung. Wahlkampf in einem Land mit wenig spürbarer Hoffnung Nicht nur dort in Sachsen und dem benachbarten Bindestrich-Land mit dem zweiten Wortteil Anhalt ist heute wenig Hoffnung zu spüren. Der gerade amtierende Kanzler und CDU-Vorsitzende wird im Wahlkampf eher versteckt. So wirkten seine Ausflüge erst an die Mecklenburger Küste und dann nach Quedlinburg. Am Donnerstag dieser Woche fuhr Merz noch einmal nach Leuna. Sein Wahlkampfbeitrag fand praktisch unter Ausschluss von Wählerinnen und Wählern statt. Ursprünglich geplante Großveranstaltungen wurden abgesagt. Für eine Volkspartei kann's das nicht sein. Es mag auch fadenscheinige Gründe für das Maß der Ablehnung eines Kanzlers dort geben. Jedenfalls hat er uns nicht in die Krise hineingeführt, aus der er das Land nun herausbringen will. Wahlforscher bestätigen übrigens, dass mit Dissens und Streit in den eigenen Reihen einer Partei keine Wahl zu gewinnen ist. Oder lehrt uns die Kampagne des AfD-Ministerpräsidenten-Kandidaten Ulrich Siegmund mit seinem „Heile-Welt-Wahlkampf“ jetzt etwas anderes? Was versprochen wird und was gehalten werden kann Das sogenannte Regierungsprogramm der AfD klingt für den ländlichen Raum verführerisch mit Stichworten wie Schulschließungsstopp, ÖPNV-Garantie und bevorzugtem Ausbau bzw. Sanierung von Land- und Dorfstraßen. Die geforderte Abkehr von der EU-Agrarpolitik ist ein weiteres Versprechen, das an die Grenzen der Finanzierbarkeit und Kompetenz einer Landesregierung stößt. Die zugesagte Abschaffung des Wolfskompetenzzentrums und eine „aktive Reduzierung der Wolfspopulation“ werden vielleicht mehr Stimmen auf dem Lande bringen, aber beim Versuch der Umsetzung wohl an der zwischen Bund und Ländern korrespondierenden Jagdgesetzgebung scheitern. Überhaupt: Politikwissenschaftler und Verfassungsrechtler kommentieren überwiegend, dass viele Pläne der AfD im ländlichen Raum an rechtlichen, finanziellen oder föderalen Grenzen scheitern. Der erhoffte Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Siegmund, mag zwar eine Regierungsmannschaft zusammenbringen, die dem ländlichen Raum zugetan ist, aber deren fachlicher Sachverstand und Durchsetzungskraft lösen Zweifel aus. Jedenfalls finden sich da Namen auf der kursierenden Kabinettsliste, die mehr für Filz als für Kompetenz stehen. Zum Spendenformular Erfahrene Beobachter, die seit langem Wahlkämpfe in den Ländern verfolgen, erkennen hier – vor allem befeuert von der AfD – neue Maßstäbe der Emotionalisierung. Was in früheren Kampagnen SMS-Ketten mit begrenzter Wirkung waren, ist heute der Mix von Social-Media-Kanälen in einer neuen Wucht mit wirkungsstarken Influencern und erfahrenen digitalen Netzwerkern. Dazu kommen die von wem auch immer fürs Netz imitierten Seiten der Regionalmedien mit gefälschten Umfrageprognosen, angeblichen Manipulationen bei Wahlzetteln in Pflegeheimen oder Videos über Auszählungsbetrug. Am Ende werden wir sehen, wie sich der vom MDR gemeldete Run auf die Briefwahl auswirkt, die Rechtspopulisten nach amerikanischem Muster wohl grundsätzlich ein Dorn im Auge ist. Wir werden sehen, ob es überhaupt zu einer regierungsfähigen Mehrheit kommt. Und wie schwierig es ist, in einer polarisierten Gesellschaft mit einer Zersplitterung von Meinungen und Parteien zu einer handlungsfähigen Regierung zu kommen. Die Fünf-Prozent-Hürde wird wohl ein entscheidender Teil des Wahlergebnisses werden. Die Krise in der Agrarwirtschaft verschärft sich dramatisch Auch in diesem Bundesland wird dann am Ende wieder darauf gewartet, was aus Berlin kommt. Die aktuelle Krise der Agrarwirtschaft wird vor allem dort sichtbar, wo Agrarunternehmen als Kapitalgesellschaften organisiert sind. Das ist insbesondere in Ostdeutschland der Fall. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer spricht jetzt mit Blick auf den Dürre-Sommer von erwarteten dramatischen Ausfällen und von einer weiteren Existenzgefährdung vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Und das in nationaler Tragweite. So kündigte er diese Woche Hilfen an. Dabei ist unverändert der Haushaltsgürtel in seinem Haus eng geschnallt. Dem Bauernverband reichen die angekündigten Hilfen nicht aus. Er blickt bereits weiter nach vorn. Seine Generalsekretärin Stefanie Schnabel mahnt mehr Unterstützung auch deshalb an, weil in vielen Betrieben die liquiden Mittel ausgehen, um bereits die nächste Ernte zu sichern. Es geht um Düngemittelhilfen und die Finanzierung der arbeitsaufwendigen Aussaat für morgen. Wenn es um den Wolf geht, entscheiden am Ende weiter Gerichte Zu übertragen sind die Dürre-Folgen natürlich auch auf die Weidewirtschaft, wo das Futter knapp wird. Das gesellt sich zu einem bereits seit langem diskutierten Problem. Wir sprechen von den Schäden durch Wolfsrisse, die in Einzelfällen existenzgefährdende Ausmaße angenommen haben. In diesem Zusammenhang haben wir uns bereits mehrfach unter verschiedenen Aspekten auch mit den Organisationen und Vereinen beschäftigt, die sich im Lande mit großer Wirkung um den Erhalt der Wolfspopulation sorgen. Im Kreis Olpe, so wurde vor einiger Zeit gemeldet, wird weiter ein Wolf geschützt, der erneut Schäden unter Tieren und damit auch Leid für die Tierhalter durch seine Risse angerichtet hat. Karl-Heinz Busen, ehemaliger jagd- und waldpolitischer Sprecher der (im Bundestag nicht mehr verbliebenen) FDP-Fraktion, hat dieses Thema in einem jetzt erst veröffentlichten Leserbrief in einer Regionalzeitung aufgegriffen. Er reagierte auf eine Meldung über die Entscheidungen des Verwaltungsgerichtes Arnsberg und folgend des OVG Münster. Danach wurde die Jagdgenehmigung der örtlichen Behörde unanfechtbar aufgehoben. Beschwerde eingelegt hatte eine hessische „Naturschutzinitiative“ – wie übrigens im Sommer letzten Jahres beim OVG Schleswig-Holstein. Dort blieb nach Weidetierrissen ein auf die Insel Sylt zugewanderter Goldschakal weiter unter Schutz. Busen schrieb zu dem Vorgang in Olpe: „Dass solche Naturschutzinitiativen Klagen einreichen, ist klar; damit halten Sie Ihr Geschäftsmodell aufrecht. Von der Angst und dem Leid der gerissenen Tiere und der Weidetierhalter sind sie weit entfernt. Dass Gerichte allerdings den erklärten Willen des Gesetzgebers wenig beachten – sogar torpedieren –, ist eine neue Qualität.“ Dies bestätigt für mich, dass bisher die in einzelnen Ländern ergänzende Gesetzgebung zum Bundesrecht offensichtlich nicht wasserdicht ist und gerichtlich anfechtbar bleibt. Das führt dann zum Ergebnis, dass je nach Koalition auf Landesebene der jeweils niedrigste gemeinsame Nenner im Vollzug genommen wird. Die zitierten Beispiele kommen übrigens aus Ländern mit schwarz-grünen Koalitionen. Daraus lernen wir: Das Leben auf dem Lande mit der Natur und deren Entwicklung hat sehr viel mit Gesetz und Recht zu tun. Deshalb beschäftigen wir von natur+mensch uns regelmäßig mit solchen Vorgängen. Mit dieser nachdenklichen Bemerkung in meiner Kolumne verabschiede ich mich diesmal in ein hoffentlich auch für Sie gutes Wochenende. Mit besten Grüßen Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung und Koordination
- Was kommt nach dem Brandsommer?
Wenn Wald oder Flächen brennen und was danach kommt. Konsequenzen und was besser gemacht werden kann – damit sind jetzt Brandbekämpfer und Betroffene beschäftigt. Warum Totholz zur Falle wird und die Jagd zur Zukunft unserer Landschaften gehört Foto: geralt Der verheerende Moor- und Flächenbrand hat einen ökologischen Totalschaden im Hohen Venn hinterlassen. Er hat über fast 3.500 Hektar Moor- und Heidelandschaft im deutsch-belgischen Grenzgebiet vernichtet, darunter Lebensraum des stark gefährdeten Birkhuhns. Weil es sich um Hochmoor handelt, brennt es seit dem 14. August in einzelnen unterirdischen Glutnestern möglicherweise immer noch. Was sich da teils metertief unter der Oberfläche entzündet hat, bedeutet für die Einsatzkräfte nach den extrem schweren Löscharbeiten weiter höchste Wachsamkeit. Das Feuer hat sich erstmals tief in die bis zu sechs Meter dicke, ausgetrocknete Torfschicht gefressen. Der nach der Hitzeperiode erhoffte wochenlange Dauerregen ist zudem bisher ausgeblieben. Was hier verloren gegangen ist, ist nicht einfach nur Fläche. Das Hohe Venn beherbergt eines der letzten Rückzugsgebiete des Birkhuhns, einer Rauhfußhuhn-Art, für deren Wiederansiedlung ein Forschungsteam der Universität Lüttich seit 2017 mit ausgesetzten Tieren aus Schweden arbeitet. Auch seltene Moorpflanzen wie Sonnentau und Wollgras sowie die charakteristische Torfmoosschicht, die pro Millimeter rund ein Jahr zum Wachsen braucht, sind jedenfalls kurzfristig kaum zu ersetzen. Der Brand des jahrhundertealten Torfs hat übrigens massive Mengen CO₂ freigesetzt, wodurch das Moor von einem wichtigen Kohlenstoffspeicher zur Emissionsquelle wurde. Das ist auch ein Aspekt im Rahmen der Klimadebatte, die nach diesen heißen Wochen geführt wird – eine Randbemerkung im Großen und Ganzen. Ballung der Brandereignisse im südwestlichen Nordrhein-Westfalen Trockenheit, Sommerhitze, anfachende Winde haben – oft ausgelöst durch Unachtsamkeit von Menschen oder gar Brandstiftung – in mehreren Regionen Deutschlands zu Wald- und Flächenbränden geführt. Meistbeachtet war auch bundesweit der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens: ebenfalls im August im Hürtgenwald, wo nahezu 400 Hektar Forstfläche erfasst wurden. Er liegt im nordöstlichen Teil der Rureifel und gehört südwestlich von Aachen großräumig zum Naturpark Hohes Venn-Eifel. Moor- und Waldbrände flammten unabhängig voneinander damit in näherer Nachbarschaft auf. Im Hürtgenwald kam zur Brandbekämpfung die extreme Belastung durch Blindgänger, Minen und Phosphorbomben hinzu. Das ist eine Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkrieges, mit der der Kampfmittelräumdienst schon seit langem beschäftigt ist und die die wirtschaftliche Nutzung bereits erheblich beeinträchtigt. Das Bundesland hat schnelle Konsequenzen für die Einsatzkräfte in der Brandbekämpfung gezogen. Die traditionelle Ausrüstung, die stark auf den städtischen Innenbrand ausgelegt ist, reicht für diese lang andauernden Vegetationsbrände unter extremen Klimabedingungen nicht mehr aus. So stellen sich jetzt die kommunalen Feuerwehren in Beschaffung und Taktik grundlegend um. Beschafft werden aktuell bereits landesweit geländegängige, wattfähige Großfahrzeuge. Sie transportieren rund 3.000 Liter Löschwasser in unwegsames Gelände und verfügen über grobstollige Bereifung sowie feuerfeste Ummantelungen der Versorgungsleitungen. Vermehrt sollen Quads zum Einsatz kommen. Sie dienen zum schnellen Materialtransport, zur Erkundung oder zum Verlegen von leichten Schläuchen auf engen Waldwegen. Weitere Lehren nach Hitze und Bränden zum Waldumbau Die Konsequenz ist paradox: Waldbrände beschleunigen die Notwendigkeit des Waldumbaus, den sie gleichzeitig erschweren. Monokulturen aus Fichten und Kiefern erweisen sich als hochentzündlich und werden durch Großbrände häufig vollständig vernichtet. Das zwingt Waldbesitzer, den Übergang zu widerstandsfähigeren Strukturen unmittelbar einzuleiten. Gleichzeitig setzen brennende Wälder schlagartig enorme Mengen Kohlenstoff frei und kippen von CO₂-Speichern zu CO₂-Quellen, wie bereits am Beispiel des Venn-Brandes geschildert. Das macht den Waldumbau nach Angaben von Fachleuten zu einer zwingenden Klimaschutzmaßnahme. Auf verbrannten Flächen ist die Naturverjüngung jedoch oft erschwert, weil die Böden durch die Hitze verkrustet und geschädigt sind. Künstliche Nachpflanzungen werden notwendig, sind aber selbst wieder anfällig für die nächste Dürre. Ein Teufelskreis, aus dem sich die Forstwirtschaft nur mit gezielten Maßnahmen befreien kann. Brandenburg als Blaupause eines strukturellen Problems Was im Hohen Venn ein akutes Ereignis ist, lässt sich in Brandenburg seit Jahren als schleichendes Muster beobachten. Das Bundesland gilt als das mit dem höchsten Waldbrandrisiko Deutschlands. Die EU stuft Brandenburg diesbezüglich auf einer Stufe mit Spanien und Griechenland ein. Der Grund: Rund 70 Prozent der Wälder bestehen noch immer aus Kiefern-Monokulturen. Was echte Feuerresilienz braucht Tief wurzelnde Laubbäume wie Traubeneichen, Buchen oder Spitzahorn speichern mehr Feuchtigkeit, erzeugen ein kühleres Waldinnenklima und sind deutlich schwerer entzündlich als Nadelholz. In besonders gefährdeten Regionen kommen gezielt angelegte Waldbrandriegel hinzu, 100 bis 300 Meter breite Barrieren aus feuerhemmenden Laubgehölzen, die die unkontrollierte Ausbreitung von Feuern stoppen sollen. Auch strukturelle Vielfalt spielt eine Rolle: Ungleichaltrige mehrstufige Bestände schützen den Waldboden durch ihr dichtes Kronendach besser vor Austrocknung als gleichaltrige Plantagen. Der Fall zeigt exemplarisch, wovor Waldforscher seit Jahren warnen: Wo sich selbst überlassene Wälder Totholz anhäufen und Wildbestände den Umbau zu Mischwald verhindern, entsteht eine gefährliche Kombination. Ein Blick nach Brandenburg zeigt, wie festgefahren die Debatte ist. Totholz: Zwischen Ökologie und Brandbeschleuniger Ein Aspekt der Debatte wird oft übersehen: die Rolle von Totholz in sich selbst überlassenen Wäldern. Das Konzept, Wälder weitgehend der Natur zu überlassen, wie es etwa der Förster und Autor Peter Wohlleben popularisiert hat, gilt vielen als ökologisch wertvoll. Liegendes Totholz kann tatsächlich Feuchtigkeit speichern und bietet zahllosen Arten Lebensraum. Dieser Effekt endet in einer Hitzeperiode, wie wir sie gerade erlebt haben. In Zeiten extremer Trockenheit kippt diese ökologische Rechnung. Trockenes Totholz, insbesondere dünne Äste und Reisig, wird bei Hitze zu leicht entzündlichem Brennmaterial. Große, liegende Stämme brennen zudem sehr lange und erzeugen eine extreme Hitze, die den Boden nachhaltig schädigt. Was in normalen Jahren ein ökologischer Gewinn ist, wird in Dürresommern zur Brandlast, die ein Feuer erst richtig anfacht. Die andere Seite bei Starkregenereignissen haben wir z. B. an der Ahr und teilweise der Mosel erlebt. Wenn Totholzhaufen über die Zuflüsse in die aufnehmenden Fließgewässer gelangen, führt es am Ende vor Brücken zu Staubildungen mit folgenden Überschwemmungen. Wald mit Wild statt Wald vor Wild Auf Bundesebene ist die Verbindung zwischen Jagd und Waldumbau längst als politisches Thema angekommen. Manuela Rottmann, damalige Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, brachte es auf den Punkt: „Man kann keine Diskussion um den Waldumbau in der Klimakatastrophe führen, ohne das Thema Jagd mit einzubringen.“ Auch der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte sich öffentlich für mehr Jagd ausgesprochen, um die notwendige Anpassung der Wildbestände zu erreichen. Anpassung ist dabei ein dehnbarer Begriff. Umstritten bleibt dabei das Maß. Es gibt einen wenig offen ausgetragenen Streit zwischen Schlagwörtern wie „Wald ohne Wild“ oder „Wald mit Wild“. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Wald mit Wild“ der Stiftung natur+mensch an. Die Stiftung sieht in der Reaktivierung historischer und der Schaffung neuer Waldnutzungsformen Wege, wirtschaftlich erfolgreiche Forstwirtschaft und jagdliche Nutzung miteinander zu verbinden. Das sollte beides verbinden, statt gegeneinander auszuspielen. Der Ansatz widerspricht dabei ausdrücklich der Vorstellung, dass sich selbst überlassene Natur automatisch der Artenvielfalt dient. Die Erfahrung zeige, so die Stiftung, dass sich in unberührten Systemen oft die stärksten Arten durchsetzen, nicht die vielfältigsten. Konkret bedeutet das: rechtzeitige Entnahme und Vermarktung von Holz vor dem natürlichen Absterben, verbunden mit Naturverjüngung durch eigene Mast. Gleichzeitig soll dem Wild durch gezielte Ablenkungsmaßnahmen ausreichend Lebensraum erhalten bleiben, ohne dass der Waldumbau darunter leidet. Das Gegenmodell sieht die Stiftung im mit öffentlichen Zuschüssen betriebenen, naturbelassenen Wald, der große Mengen Totholz hinterlässt, mit allen Konsequenzen, die sich gerade in Dürresommern zeigen.
- Über die verschiedenen Lebensstrategien unseres Wildes
In der Natur gibt es die Spezialisten und die flexiblen Generalisten, Arten mit hoher und andere mit niedriger Reproduktionsrate. Sie alle haben sehr unterschiedliche Lebensstrategien, sind aber gleichermaßen erfolgreich Foto: Ibefisch / pixelio.de Wir kennen das von unseren Hunden. Die Erdhunde bei der Baujagd und mehr noch die Schweißhunde auf der Rotfährte erfüllen ihre Aufgabe mit beispielloser Bravour. Das Einsatzspektrum aber ist eng begrenzt. Deutlich breiter ist das Aufgabenfeld unserer Vollgebrauchshunde, der sogenannten Vorsteher. Mal abgesehen davon, dass sie schon wegen ihrer Größe für die Arbeit unter der Erde nicht geeignet sind, decken sie einen großen Teil der jagdlichen Aufgaben ab. Sie suchen im Feld, stöbern im Wald, apportieren erlegtes Wild und arbeiten ausdauernd im Wasser. Sie sind sogar auf der Schweißfährte einsetzbar. Spätestens aber, wenn eine komplizierte Nachsuche ansteht, möglicherweise mit einer Hetze, ruft der verantwortungsbewusste Waidmann den Spezialisten. Dieser ist nicht der bessere Hund, auch wenn böse Zungen sagen, der Generalist könne alles, aber nichts richtig. Das ist biologisch betrachtet falsch. Der Spezialist ist dank jahrhundertelanger Leistungszucht nur besser für diesen besonderen Einsatzzweck geeignet. Darin liegt aber auch eine Gefahr. Entfällt aus welchem Grund auch immer die eine Aufgabe des Spezialisten, verliert er seine besondere Daseinsberechtigung. Jede Art hat ihre ökologische Nische Was an diesem Beispiel an verschiedenen Rassen innerhalb einer Art erkennbar ist, gilt auch für die Lebensstrategien verschiedener Arten. Jede hat ihre ökologische Nische. Das ist kein Ort oder Lebensraum im Revier, sondern das gesamte Geflecht aus Beziehungen und Wechselwirkungen der jeweiligen Art und ihrer Umwelt. Da sind zum einen die unbelebten Faktoren wie Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit, Licht und Temperatur und zum anderen die belebten Faktoren. Dazu zählen die Beute und die Fressfeinde ebenso wie Parasiten und Konkurrenten. Das alles zusammen ergibt einen optimalen Lebensraum, die sogenannte Fundamentalnische. Er ist aber nur theoretischer Natur. Denn der tatsächliche Bereich, den eine Art in der Natur einnimmt, die Realnische, ist fast immer kleiner. In ihr lebt, überlebt die Art und pflanzt sich fort. In diesen Nischen gibt es zwei sehr verschiedene Strategien, die Generalisten und die Spezialisten. Unterschiedliche Anpassungsfähigkeit Grundsätzlich gilt: Je enger die Nische, desto höher spezialisiert ist die Art und desto gefährdeter ist sie in ihrer Existenz, wenn die Nische sich negativ verändert. Ist ein eng begrenztes Nahrungsspektrum nicht mehr vorhanden oder tritt ein gravierender Wandel des Biotops ein, gerät die zuvor außerordentlich erfolgreiche Art in arge Bedrängnis. Man denke an Luchs und Wildkatze, Fischotter und Raufußhühner. Ganz anders die Generalisten mit ihrer hohen Anpassungsfähigkeit. Fuchs, Marder, Waschbär und Wildschwein haben ein breites Nahrungsspektrum und sind sehr flexibel in der Habitatwahl. Sie kommen auch in einem urbanen Bereich klar. Sie können unterschiedlichste Ressourcen nutzen. Dass sie auch im menschlichen Umfeld gut leben können, heißt aber nicht, dass Generalisten automatisch Kulturfolger und Spezialisten zwangsläufig Kulturflüchter sind. Das sind zwei völlig getrennte Aspekte, das eine ist die ökologische Nische, das andere der Blick auf das Verhältnis des Wildtiers zum Menschen. Jede Lebensstrategie hat ihre Daseinsberechtigung. Es geht nicht um besser oder schlechter aus anthropogener Sicht. Das Maß der Dinge ist vielmehr allein die Sicherung des Überlebens der Art, also der Reproduktionserfolg. In der einen Nische ist die sogenannte r-Strategie hilfreich, in der anderen die K-Strategie. Bei der ersten gibt es viele Nachkommen, die nur wenig Brutpflege erhalten und nur eine kurze Lebenserwartung haben. Neben Mäusen und Insekten gilt das auch für den Feldhasen. Der Reproduktionserfolg entscheidet Wenn wir nun nach der Getreideernte viele Hasen auf den Stoppeln sehen, ist das noch längst kein sicherer Beleg für hohe Besätze und eine gute Jagdstrecke zum Jahresausklang. Ein nasser Herbst, viele Fressfeinde oder Krankheiten dezimieren den zuvor zahlreich auf die Welt gebrachten Nachwuchs. Immerhin kann eine Häsin pro Jahr rund zehn Junge gebären, deren Lebensraum sich nicht zuletzt durch die landwirtschaftliche Bearbeitung nahezu täglich grundlegend ändern kann. Über die Masse, kurze Trag- und Aufzuchtzeiten sowie frühe Geschlechtsreife und schnelle Fortpflanzung versuchen also Arten mit r-Strategie ihr Überleben zu sichern. Ihr Vorkommen unterliegt starken Schwankungen, kann in einem Jahr mit guten Bedingungen auch äußerst hoch sein. Ganz anders Bären oder unser Rotwild, die typische Vertreter der K-Strategie sind. Da geht es nicht um Masse, sondern um Klasse. Sie bringen nur wenige Junge zur Welt und investieren viel Zeit in eine intensive Brut- und Sozialpflege. Entsprechend eng ist die Bindung zwischen Muttertier und Nachwuchs, dessen Überlebenschance so erhöht wird. Zugleich wachsen die Bestände vergleichsweise langsam und sind eher stabil. Andererseits können größere Verluste nur schwer ausgeglichen werden. Bei aller Rubrizierung der Lebensstrategien von Tieren gilt es zu bedenken, dass es keine starren Grenzen gibt. Kein reines Schwarz oder Weiß, sondern oft ist es ein mehr oder weniger helles Grau. Denn es überleben auch Tiere, die Merkmale beider Strategien kombinieren, etwa mittlere Wurfgröße gepaart mit ausgeprägter, aber zeitlich begrenzter Brutpflege. Will sagen: Es gibt viele Übergänge und Mischformen, die aber fast immer zumindest tendenziell dem einen oder anderen Idealtyp zugeordnet werden können.
- Kanzler und Kabinett müssen Kurs halten
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser! In unserer Wochenkolumne blicken wir zunächst auf die Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg, wo sich Kanzler und Minister bemerkenswert einig und engagiert zeigten, trotz vielfältiger Kritik am vereinbarten Reformkurs festzuhalten. Wie tragfähig dies am Ende ist, bleibt vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt allerdings offen. Ein Thema, das die Menschen gerade im ländlichen Raum momentan stark bewegt, ist die anhaltende Hitze verbunden mit der Gefahr von Waldbränden. Was solch verheerende Feuer für Mensch und Natur bedeuten können, zeigten jüngst die Ereignisse im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald und im ostbelgischen Hohen Venn. Damit beschäftigen wir uns ausführlich in unserem Blog und beleuchten dabei auch die vielfältigen Möglichkeiten von Prävention – von Waldumbau bis hin zu speziellen Verhaltensregeln für Jäger. Gespannt blickt man in Berlin und im Rest der Republik auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am nächsten Wochenende. Dort könnte die AfD erstmals die absolute Mehrheit und damit das Amt des Regierungschefs erringen. Für die gesamte Republik und nicht zuletzt für die schwarz-rote Koalition in Berlin wäre dies ein tiefer Einschnitt. Entsprechend nervös sind die Spitzen von Union und SPD. Hier drohen Zerreißproben bis hin zu möglichen Führungswechseln. Vor diesem schwierigen Hintergrund ist es umso bemerkenswerter, wie vergleichsweise harmonisch und zielorientiert die jüngste Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg verlief. Man verbreitete Zuversicht und bestätigte die großen Reformvorhaben, nicht zuletzt beim wichtigen Thema Rente. Das gilt auch für das Treffen der Fraktionsspitzen der Koalition am Donnerstag und Freitag in Münster mit demonstrativen Fotomotiven der Harmonie und Geschlossenheit von Frei (CDU), Miersch (SPD) und Hoffmann (CSU). Ohne die Zustimmung mit der Regierungsmehrheit im Parlament sind die geplanten Reformen nicht umzusetzen. Friedrich Merz stellte sich in Schloss Neuhardenberg klar gegen die Forderung von drei CDU-Ministerpräsidenten, an der Rente mit 63 festzuhalten. Für Merz birgt diese Konfrontation angesichts bevorstehender Wahlen in Ostdeutschland einige Risiken. Gleichwohl verdient er dafür Anerkennung. Nur wenn die Koalition als Ganzes den großen Wurf bei den Sozialreformen wagt, kann sie am Ende Erfolg haben. Insofern war das Treffen in Neuhardenberg für die Koalition, aber auch für den Kanzler persönlich ein Erfolg. Ob dieser Erfolg tragfähig ist, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wenn die Wahlergebnisse in Ostdeutschland vorliegen und die geplante Rentenreform in den Gesetzgebungsprozess kommt. Vom Kanzler wird Klartext erwartet Von Merz wird jetzt in der entscheidenden Phase der Koalition Klartext erwartet – im Reden und vor allem auch im Handeln. Dass der Kanzler so etwas grundsätzlich kann, hat er Anfang der Woche bei einem Besuch im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald gezeigt. Merz war zuvor vielfach kritisiert worden, weil er seinen Urlaub angesichts der Brände nicht abbrach und sich im Krisengebiet zeigte. Entsprechend unfreundlich verlief auch der Empfang im Hürtgenwald, als er von Anwohnern ausgepfiffen wurde. Merz ließ sich davon erfreulicherweise nicht beeindrucken. Er sprach von einer bewussten Entscheidung. Sein Ziel sei es gewesen, dass die Einsatzkräfte in Ruhe ihren Job machen könnten. Genau dies erwarten die Bürger von einem Regierungschef: weniger Show, mehr Substanz. Der örtliche Landrat stimmte Merz hier ausdrücklich zu. Und besonders treffend brachte es ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hürtgenwald auf den Punkt, als es sich gegenüber dem WDR empört über die Buhrufe und Pfiffe zeigte: „Diejenigen, die rufen und pfeifen, sollten die negative Energie in eine positive umwandeln und Mitglied bei der Feuerwehr oder beim THW werden“, so der Feuerwehrmann. Recht hat er. Ohne Ehrenamtliche geht nichts Ohne das große Engagement und den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer wäre die Brandbekämpfung in Deutschland ebenso wenig möglich wie viele andere Dienste für das Gemeinwohl. Der häufig zitierte Spruch „Was nichts kostet, ist nichts wert“ stellt die Dinge an dieser Stelle auf den Kopf. Ehrenamtliche leisten „für nichts“ etwas ungemein Wertvolles. Ohne sie würde das Land an wichtigen Stellen auseinanderbrechen. Dafür verdienen sie unser aller Dank und Respekt sowie jede mögliche Form an Solidarität. Der kürzliche Einsatz der Feuerwehren im Hürtgenwald war wegen der Dimension des Feuers besonders spektakulär. Entsprechend groß war die öffentliche Aufmerksamkeit bis hin zum Besuch und den Dankesbekundungen des Kanzlers. Ebenso wichtig sind aber auch die vielen kleinen Einsätze, die die Freiwilligen absolvieren, um noch Schlimmeres zu vermeiden. Gerade auf dem Land ist dieses Engagement extrem wichtig. Ein kleines Beispiel unter vielen: Kürzlich kam es in meiner Heimat zu einem Brand einer Ballenpresse. Durch Trockenheit und leichten Wind entwickelte sich das Feuer in Richtung eines angrenzenden Waldes und der nahe gelegenen Heidefläche. Schnell brannten drei Hektar Stoppelfeld mit Strohballen und Presse sowie 2000 Quadratmeter Wald. Zusammen mit Freiwilligen Feuerwehren aus fünf angrenzenden Ortschaften und einigen Landwirten konnte der Brand schnell unter Kontrolle gebracht werden. So soll es sein. Nicht lange reden, sondern zügig mit anpacken – eine Devise, die im ländlichen Raum vielerorts gerne gehört und beherzigt wird. Auch die Berliner Politik sollte sich bei ihren Reformvorhaben häufiger mal darauf besinnen. Folgen für Tier- und Pflanzenwelt Bei all den spektakulären Bildern über Waldbrände geht oft unter, wie verheerend solche Ereignisse für die betroffene Tier- und Pflanzenwelt sein können. Beispiel ostbelgische Hohe Venn, wo kürzlich mehr als 3000 Hektar Hochmoor- und Heidefläche brannten. Das Hohe Venn gilt nicht nur als Heimat für größeres Wild wie Hirsche und Rehe, sondern auch für Wildkatzen, das seltene Birkhuhn und für teils sehr seltene Schmetterlings- und Libellenarten. Deren weiteres Schicksal ist jetzt ungewiss. Zum Spendenformular Umso wichtiger ist Prävention. Dazu gehört auch der Waldumbau. Die vielerorts immer noch dominierenden Kiefern brennen sehr stark. Fachleute sind sich einig, dass das Pflanzen von Laubbäumen die Wucht des Feuers in einem Nadelwald deutlich senken kann. Es kommt hier auf die richtige Mischung an. Besonders gut sind in diesem Zusammenhang Eichen, aber auch andere Arten wie Buchen. Mischwälder kühlen zudem den Boden, fördern die Grundwasseranreicherung, überstehen Stürme besser und sind widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen. Dass sich Wild dort gerne aufhält, sollte Jäger und andere Naturfreunde zusätzlich freuen. Denn beides gehört nun mal gleichberechtigt zusammen: Wald und Wild. Auch für Jäger gibt es wichtige Regeln, wie sie sich in Zeiten drohender Waldbrände im Revier verhalten sollten. Dazu gehört, niemals Autos über trockenem Gras oder Laub abzustellen, denn heiße Auspuffteile können die Vegetation leicht entzünden. Außerdem: konsequenter Verzicht auf Tabakwaren im Wald bei Trockenheit. Pirsch- und Waldwege sollte man keinesfalls mit dem Ansitzmobil blockieren, damit Feuerwehr und Rettungskräfte freie Fahrt haben. Rauchentwicklung oder Brände sind sofort an die Notrufnummer 112 zu melden. Tiere mit unterschiedlichen Lebensstrategien, Zum Schluss noch ein Ausblick auf die kommende Woche: Unser Newsletter erscheint ab kommendem Samstag nach den Sommerferien wieder wöchentlich. Unsere Blogbeiträge mit Themen rund um die Jagd und den ländlichen Raum setzen wir regelmäßig mit jeweils neuen Artikeln fort. Am Dienstag wird unser Christoph Boll das komplexe Beziehungsgeflecht beleuchten, in dem Wildtiere ihren Bestand sichern. Jede Art hat ihre ökologische Nische, aber nicht jede Art passt in jede Nische. In der Natur gibt es die Spezialisten und die flexiblen Generalisten, Arten mit hoher und andere mit niedriger Reproduktionsrate. Hier Luchs und Wildkatze, dort Fuchs und Waschbär oder eben Feldhase und Rothirsch. Sie alle haben sehr unterschiedliche Lebensstrategien, sind aber gleichermaßen erfolgreich. Dabei wird auch deutlich werden, dass es bei der Betrachtung nicht um die menschlichen Kategorien und Bewertungen von besser oder schlechter geht, sondern allein um die Überlebenssicherung der jeweiligen Art. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination und Redaktionsleitung
- Heimat erlebt ein Comeback und hat einen enormen Wert
Im zuständigen Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sind die Vorbereitungen für eine neue Heimatpolitik weit gediehen. Ressortchef Alois Rainer hat jetzt eine Heimat-Agenda präsentiert Foto: Oliver Mohr / pixelio.de Die Heimat erlebt ein Comeback. Selbst in großstädtischen Vierteln, wo der Zeitgeist das Wort Heimat lange Zeit vermieden oder ins negative Licht gerückt hat, wird heute anders darüber gedacht. Rund acht von zehn Menschen in Deutschland haben laut Umfragen sogar ein positives Heimatgefühl, wobei dabei Familie, soziale Nähe und Gemeinschaft einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. Kürzlich hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer als zuständiger Ressortchef eine Heimat-Agenda präsentiert. Laut Ministerium der „Kompass für eine moderne Heimatpolitik“. Eine Betonung liegt auf dem Wort modern. Denn mit Heimattümelei hat der politische Ansatz nur wenig zu tun. Unter dem Titel „Miteinander ist es Heimat“ beschreibt die im Netz abrufbare Agenda das Leitbild einer Heimatpolitik, die regionale Kultur, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine starke Wirtschaft miteinander verbinden und die Menschen vor Ort in den Mittelpunkt stellen will. Alois Rainer verbindet die Agenda mit einem wichtigen Versprechen: Er will, dass Politik sich noch stärker an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausrichtet. „Denn hier ist Heimat, hier sind die Menschen zu Hause und genau hier setzen wir an.“ Zwischen Gefühl und Lebenswirklichkeit Herbert Grönemeyers „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“ trifft nicht die Lebenswirklichkeit der Deutschen. Für sie ist Heimat zu einem großen Teil Lebensort, oft auch der Geburtsort. Das Herz schlägt schneller, wenn man die Heimat zum Beispiel nach einer längeren Abwesenheit wieder erreicht. Die Verortung spielt bei der Heimatpolitik eine große Rolle, denn so verlässt sie rasch das Abstrakte und wird konkret. In Projekten, Maßnahmen, im Ehrenamt und Miteinander wird Heimat sichtbar. Alois Rainer erklärte bei der Vorstellung der Agenda: „Heimatpolitik ist kein Nice-to-have. Sie entscheidet, wie gut Zusammenhalt, gleichwertige Lebensverhältnisse und wirtschaftliche Stärke in Deutschland konkret vorangebracht werden können.“ Heimat sei immer dann am stärksten, wenn Menschen ganz konkret erleben, dass sie Dinge so gestalten können, wie sie es selbst vor Ort brauchen. Heimat sei Teamplay in Reinform. „Wir wollen vor Ort mehr Freiräume schaffen, unnötige Bürokratie abbauen und Entscheidungen dort ermöglichen, wo sie wirken. Das zentrale Versprechen der Agenda sind die Heimat-Dialoge. Wir gehen dorthin, wo man uns braucht, etablieren verbindliche Formate und gehen dann direkt in die Umsetzung. Heimat gehört denjenigen, die sich um das Miteinander kümmern.“ Vielfalt und Weltoffenheit in den ländlichen Regionen Regionale Perspektiven, Lebens- und Sichtweisen sowie Traditionen dürfen dabei keine untergeordnete Rolle spielen. Gerade in den ländlichen Regionen, wo die Mehrheit der Menschen in Deutschland zu Hause ist, wird darauf bei aller Vielfalt und Weltoffenheit Wert gelegt. In dem im vergangenen Jahr erschienenen „Heimatspiegel Bayern“, herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, finden sich viele Zitate, die darauf abheben. „Die regionalen Unterschiede sowohl im Landschaftsbild und der Gastronomie sowie die außergewöhnliche Baukultur machen Bayern besonders lebenswert“, wird dort zum Beispiel eine 54-jährige Frau aus Oberfranken zitiert. Wie geht es nun auf Bundesebene weiter? Das Ministerium verfügt über eine eigene Heimatabteilung und entsprechendes Fachwissen. Ein Heimat-Report und ein Landatlas sollen Erkenntnisse darüber liefern, was Menschen in ihrer Heimat bewegt und wo konkreter Handlungsbedarf besteht. Man will sich mehr um regionale Wertschöpfungsketten kümmern. Menschen und Initiativen, die sich in besonderer Weise für ihre Heimat und das gesellschaftliche Miteinander engagieren, will das Ministerium mit einem „Bundespreis Heimat“ auszeichnen.
- Wird der deutsche Obstbau zum Auslaufmodell?
Die deutschen Obstbauern erleben harte Zeiten. Das liegt aber nicht nur an der dramatischen Dürre dieses Sommers. Ein Mahnschreiben ging an die Koalition Foto: Petra Dirscherl / pixelio.de Die deutschen Obstbauern schlagen Alarm. Hohe Arbeitskosten, klimatische Veränderungen und ein hoher Importdruck sorgen dafür, dass immer mehr Betriebe in ganz Deutschland aufgeben müssen. Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen steht die wirtschaftliche Existenz vieler – oft über Generationen geführter – landwirtschaftlicher Betriebe auf dem Spiel. Die Fahrt zu den Apfelplantagen ist nicht weit. Philip Dellbrügge fährt seine Besucher mit seinem Bulli zu den gepflegten Baumreihen, die mit Äpfeln gut vollhängen. „Unsere Bewässerungsanlage hat sich natürlich in den letzten trockenen Monaten bewährt“, sagt der Mann, der den Betrieb in Westfalen in der dritten Generation führt. Deswegen ist die Ernte von Äpfeln recht gut. Neben Äpfeln baut der Betrieb Dellbrügge Erdbeeren, Pflaumen, Beeren und andere Obstsorten an. Die hohen Investitionen der letzten Jahre haben sich für den Betrieb gelohnt. Deutsche Betriebe geben auf Doch wie alle seine Berufskollegen denkt der Landwirt darüber nach, seine Anbauflächen zu verkleinern. In Zahlen: In den Jahren zwischen 2017 bis 2022 sank zum Beispiel die Zahl der Betriebe, die in Deutschland Süßkirschen angebaut und geerntet haben, von 4090 auf 3500. Auch bei den Apfel-Betrieben ist nach Angaben des Landesverbandes Obstbau in Westfalen-Lippe ein Rückgang um zwölf Prozent zu verzeichnen. Neben den Auswirkungen auf die Betriebe warnen Experten vor einem sinkenden Selbstversorgungsgrad auch beim Obst in und für Deutschland. So liegt die durchschnittliche Produktionsmenge aller deutschen Betriebe mit 157.137 Tonnen nur die Hälfte über der Menge, die aus dem Ausland in deutsche Supermarktregale kommt. Auch der Deutschen liebstes Obst – die Erdbeere – kommt schon heute zu gleichen Teilen aus dem In- und Ausland. Himbeeren aus Marokko Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Zum einen ist der Importdruck enorm groß. Obst aus Spanien, Polen, Italien, Griechenland oder Marokko wird unter deutlich niedrigeren Lohnkosten produziert als in Deutschland. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel beschafft europaweit. Dabei richten sich die Einkäufer des Handels fast ausschließlich nach dem Preis. In Zahlen: Eine 125-Gramm-Schale Himbeeren aus Marokko gibt es schon für 1,99 Euro. Das kommt aber nicht von ungefähr: Neben dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die in Deutschland niemals eine Zulassung bekommen würden, spielen dabei die Lohnkosten eine erhebliche Rolle. Ein Saisonarbeiter auf einem Himbeerfeld in Marokko verdient zehn Euro – am Tag. „Damit kann und will kein deutscher Obstanbaubetrieb mithalten“, sagt ein Sprecher der Landwirtschaftskammer. Grund genug, dass die Verbände der Obstbaubetriebe aus ganz Deutschland einen mahnenden Brief an die Berliner Koalition geschrieben haben. Dabei stehen vor allem die hohen Lohnkosten in Deutschland im Fokus. „Viele arbeitsintensive Kulturen wie Obst, Gemüse und Wein sind in hohem Maße von Handarbeit abhängig. Eine weitergehende Mechanisierung oder Technisierung ist in vielen Bereichen derzeit nicht möglich“, schreiben die Verbände. Gleichzeitig machten Lohnkosten bis zu 60 Prozent der gesamten Produktionskosten aus. Debatte um gesetzlichen Mindestlohn Damit rückt natürlich auch der Mindestlohn in den Fokus. Schon heute werden 90 Prozent des Obstes, des Gemüses und des Weins von ausländischen Erntehelfern geerntet. Deswegen lautet die Forderung der Obstbauverbände: „Wir brauchen einen moderaten Abschlag vom gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 20 Prozent für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte. Dabei soll ein Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde nicht unterschritten werden.“ Dieser Abschlag soll für alle Saisonarbeitskräfte gelten, unabhängig davon, ob sie sozialversicherungspflichtig oder im Rahmen kurzfristiger Beschäftigung (90-Tage-Regelung) tätig sind, so die Verbände. Ob und inwieweit diese Forderung nun in die Tat umgesetzt wird, ist aber höchst fraglich. In der fragilen Regierungskoalition dürfte für diesen Vorstoß bei der kriselnden SPD wenig bis keine Gegenliebe vorhanden sein – und die Union dürfte ebenfalls wenig Interesse haben, aus Rücksicht auf den deutschen Obstanbau einen neuerlichen Koalitionskrach zu riskieren.
- Ermittlung eines Hundewertes ist kompliziert
Immer wieder kommt ein Hund durch die Schuld oder das Versagen anderer Menschen zu Tode. Häufig ist der Ärger vorprogrammiert, wenn es um den Schadensersatz geht. Die Ermittlung des Hundewertes ist kompliziert Auch Warnschilder können nicht verhindern, dass es am Rande von Jagden zu Verkehrsunfällen mit Hunden kommt. (KI-Foto: ChatGPT) Es ist nie Vorsatz, passiert aber immer mal wieder: Ein Geschoss trifft einen Hund, sei es der Vierbeiner eines Mitjägers, sei es das Haustier eines Spaziergängers. Mal hat sich der Schuss unbeabsichtigt gelöst, mal gibt es einen Abpraller oder Querschläger. Aber auch fehlerhafte tierärztliche Behandlung, ein Verkehrsunfall oder der Angriff durch einen anderen Hund kann der Grund sein für schwerwiegende Schäden oder den Tod eines Hundes. Die Ursachen und Geschehnisse sind tragisch genug. Das Mitgefühl ist dem betroffenen Tierhalter sicher. Ganz schnell stellt sich dann auch die Frage nach dem Schadensersatz, den der Unglücksschütze bzw. seine Haftpflichtversicherung zu zahlen hat. Denn das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sagt zwar, dass Tiere keine Sachen und durch besondere Gesetze geschützt sind. Allerdings gelten in Fragen des Schadenersatzes die gleichen Vorgaben wie für andere Gegenstände. Der Halter bekommt zwar seinen vierbeinigen Gefährten nicht zurück. Aber der Unglücksschütze, dessen Kugel den Vierbeiner getötet hat, schuldet ihm zumindest einen Zeitwertersatz, also einen angemessenen Geldbetrag. Anspruch eines Geschädigten An diesem Punkt beginnen oft Auseinandersetzungen und Schuldzuweisungen zwischen dem Hundeführer oder -besitzer und dem Schadensverursacher. Rechtsanwälte schicken wechselweise Briefe und nicht selten endet der Streit in gerichtlichen Auseinandersetzungen. Der gesetzliche Grundsatz ist klar: Der Geschädigte hat Anspruch, dass durch die Zahlung ein Zustand herzustellen ist, der dem vorherigen gleicht. Er muss sich also einen vergleichbaren Hund kaufen können. Welchen Wert aber hatte der getötete Vierbeiner, sei er schlichter Begleithund, ausgebildeter Blindenführ- oder Lawinensuchhund, Hüte-, Schutz- oder Jagdhund im tatsächlichen Einsatz gewesen? Es gilt also, den Markt- oder Wiederbeschaffungswert zu ermitteln. Ein Anhaltspunkt kann die Frage sein, welcher Verkaufspreis für den Vierbeiner vor seinem Tod zu erzielen gewesen wäre. Natürlich sind angefallene Tierarztkosten sowie Kosten für die Anschaffung eines gleichwertigen neuen Welpen zu erstatten. Geht es um einen getöteten Hund, werden darüber hinaus meist nur die Kosten für die einfache Beseitigung oder eine einfache Übergabe ersetzt. Den Wunsch nach Finanzierung kostspieliger Sonderwünsche wie Einäscherungen im Tierkrematorium durch den Schädiger lehnen die Gerichte in aller Regel ab. Immer eine individuelle Berechnung Zumindest für Jagdhunde gibt es bei der Wertermittlung keine festen Pauschalen oder standardisierten Werte. Jeder Hund muss individuell betrachtet werden. Der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) hat als Dachverband der Zucht- und Prüfungsvereine spezialisierte Sachverständige benannt, die den materiellen Sachwert sowie den jagdlichen Gebrauchswert bei Schäden oder Tod eines Hundes als Jagdhelfer berechnen. Sie erstellen gerichtsfeste Expertisen und ziehen dazu verschiedene Kriterien heran. Dazu gehören die Rasse des Hundes, sein Alter, Gesundheitsstand und Ausbildungsstand, Anzahl und Ergebnisse von Zuchteinsätzen sowie die Kosten für die jagdliche Ausbildung. Erste Orientierungswerte in diesem Vergleichswertverfahren gibt bereits der einschlägige Anzeigenmarkt für die jeweilige Jagdhundrasse. Aus dem Welpenpreis sowie den weiteren Anschaffungs- und nachgewiesenen Aufzuchtkosten, zu denen Futter, Tierarzt und Ausbildung zählen, lässt sich ein Grundwert errechnen. Hinzu kommt der Gebrauchswert, in den die Ergebnisse abgelegter Prüfungen und die Zuchteignung einfließen. Während der Wert der meisten Gegenstände ab dem Moment der Anschaffung sinkt, ist dies bei einem Tier umgekehrt. Der Wert des Welpen steigt mit dem Fortschritt seiner Ausbildung und den Nachweisen seiner Qualifikation. Erst wenn der Zenit der Leistungsfähigkeit überschritten ist, reduziert sich der Wert wieder. Der materielle Schaden kann daher immens sein, wenn ein hochqualifizierter Hund in der Blüte seines Lebens getötet wird. In vielen Fällen wird jedoch ein Mitverschulden des Halters berücksichtigt werden müssen, sei es, weil der vierbeinige Jagdhelfer im Einsatz keine Warnweste trug, weil er in der Nähe einer vielbefahrenen Straße frei laufen gelassen oder in der Nähe anderer Hunde nicht festgehalten wurde. Schmerzensgeld ist ausgeschlossen Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. Diese enge Beziehung führt dazu, dass Herrchen oder Frauchen bei Verletzung, Krankheit oder Tod des Haustiers nahezu ebenso leiden, als sei ein Familienmitglied betroffen. Im juristischen Bereich jedoch besteht ein großer Unterschied. Wie sehr der Besitzer mit seinem Vierbeiner auch mitleidet, selbst wenn er nachhaltig traumatisiert wird, gibt es für die seelische Belastung kein Schmerzensgeld. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) 2012 endgültig entschieden, als es um den Tod eines Junghundes ging, der von einem Traktor überfahren worden war. Die Besitzerin erlitt daraufhin eine schwere depressive Erkrankung mit entsprechender ärztlicher Behandlung sowie Medikamentierung. Sie forderte deshalb neben dem materiellen Schadensersatz ein Schmerzensgeld für die seelischen Qualen. Derartige Beeinträchtigungen mögen zwar als schwerwiegend empfunden werden und noch so verständlich sein, begründen allerdings keinen Schmerzensgeldanspruch, weil sie zum allgemeinen Lebensrisiko gehören, so das höchstrichterliche Urteil. Das ist übrigens in der Schweiz ganz anders. Dort bezeichnet im Haftpflichtrecht der Affektionswert den rein emotionalen Wert, den der Halter oder seine Angehörigen einem Heimtier beimessen. Wird der Hund verletzt oder getötet, darf das Gericht diesen Gefühlswert bei der Schadensbemessung berücksichtigen, wodurch der Ersatz den reinen Marktwert übersteigen kann. Schließlich kann auch ein für wenig Geld erworbener Mischlingshund für den Halter von großer emotionaler Bedeutung sein.
- „Zukunft wächst auf dem Land“
Breites Aktionsbündnis Ländliche Räume in Schleswig-Holstein – mit Bauernverband, Unternehmensverband Nord, Landfrauen und Landjugend, Familienbetrieben Land und Forst sowie Verbänden der Waldbesitzer und Lohnunternehmer Foto: Iris Clasen / pixelio.de Mit einem außergewöhnlichen Bündnis wollen in Schleswig-Holstein sieben einflussreiche Verbände den ländlichen Raum stärken. Zugleich üben die führenden Vertreter aus Bauernverband, Unternehmensverbänden, Land und Forstwirtschaft, Landfrauen, Landjugend, Waldbesitzer und Lohnunternehmer heftige Kritik an der gegenwärtigen Kieler Koalition von CDU und Grünen. Mit dem Aktionsbündnis „bündeln sieben führende Verbände ihre Kräfte“, sagte der Bauernpräsident des Landes, Klaus-Peter Lucht, bei der Auftakt-Pressekonferenz der Initiative im Obstbaubetrieb Gut Warleberg Mitten Im Lande am Nord-Ostsee-Kanal. Er fügte hinzu, man wolle gemeinsam die Interessen der Menschen und Betriebe auf dem Land stärker in den Mittelpunkt der politischen Debatte rücken, „denn Zukunft wächst auf dem Land“. So spricht der Präsident des Bauernverbandes von einem „katastrophalen Zustand im Umweltministerium“, das von den Grünen geführt wird. Seine Kritik wird von den anderen Verbänden geteilt und unterstützt. Rund 70 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein leben nicht in den größeren Städten. In dieser Formation hat das Aktions-Bündnis bundesweit eine besondere Rolle eingenommen. Für besondere Aufmerksamkeit sorgt das Mitwirken der Vereinigung der Unternehmensverbände Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord). Hierzu gehören 107 Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie vertreten die Interessen von mehr als 66.000 Unternehmen mit rund 1,75 Millionen Beschäftigten. Insofern handelt es sich um eine großangelegte Unterstützungsaktion seitens des mächtigen Wirtschaftsverbandes im Norden. Unternehmerverband: Ländliche Räume kein Nebenschauplatz UV-Nord-Hauptgeschäftsführer Michael-Thomas Fröhlich: „Wer über die Zukunft Schleswig-Holsteins spricht, darf die ländlichen Räume nicht als Nebenschauplatz betrachten. Hier werden Lebensmittel produziert, Arbeitsplätze geschaffen, Wertschöpfung gesichert und Gemeinschaft gelebt.“ Einig sind sich die sieben Verbände in Hinblick auf die Koalition und insbesondere auf die Politik der Grünen im Lande: „Kein verlässlicher Partner, komplette Verweigerungshaltung gegenüber dem ländlichen Raum und moderner Landwirtschaft.“ Auch in dieser Analyse spielen sich die sieben Verbände die Bälle zu. Es fehle an Verlässlichkeit. Bauern-Präsident Lucht holt weiter aus: „Die Grünen laufen nur mit dem Thema Klimawandel durchs Land, drohen mit Verordnungs-Gesetzen. Wir aber wollen den freien Dialog“, stellte Lucht klar und fügte hinzu: „Wir vertrauen dieser Umweltpolitik nicht mehr.“ Auch CDU-Ministerpräsident Daniel Günther wird nicht verschont. „Günther hatte Angst vor einer Opposition aus SPD und Grünen, für das Land wäre eine Koalition mit FDP und SSW (Südschleswigscher Wählerbund) besser gewesen.“ Auch dieser Meinung schloss sich das Gremium an. Man wolle zusammen dem ländlichen Raum mit Blick auf die Landtagswahlen im nächsten Frühjahr „eine klare Stimme geben“, wie es heißt. Gemeinsam wartet man im Norden mit Spannung auf die Rede von Günther am 4. September auf dem Landesbauerntag im Rahmen der Agrarmesse „Norla“ in Rendsburg.
- Der Soja-Trend erreicht die Felder
Es wird immer heißer – und vor allem fehlt im Frühling der Niederschlag. Nicht nur in Sachsen setzen die Landwirte deswegen verstärkt auf den Soja-Anbau Foto: AnRo0002/Wikipedia Das Angebot im Supermarkt ist riesig – und auch die Nachfrage wächst. Lebensmittel wie Soja-Milch, Protein-Produkte wie Joghurt oder Käse erfreuen sich großer Beliebtheit. Während importierte Soja-Bohnen fast ausschließlich als Futtermittel dienen, wird in Deutschland angebautes Soja vor allem direkt für Lebensmittel verwendet. Insbesondere Tofu, Soja-Drinks und andere pflanzliche Produkte stammen häufig aus regionaler Erzeugung. Über den Einsatz genveränderter Pflanzen herrscht in Deutschland und Europa – anders als in den USA – kein Konsens, die Debatte darüber beschäftigt vor allem die europäische Ebene. Angesichts dieser steigenden Nachfrage und des Klimawandels erkennen heimische Landwirte in Deutschland aber die Chancen, die sich aus dem Anbau der Soja-Bohne auch in Deutschland ergeben. Ganz weit vorn sind bei dem Soja-Trend die Landwirte aus Sachsen. Nach Angaben des sächsischen Bauernverbandes ist allein die Anbaufläche im Freistaat mit 2.600 Hektar im Vergleich zum Jahr 2025 um 40 Prozent gestiegen. „Sie ist einer der Gewinner des Klimawandels. Diese Frucht hat angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen Zukunft“, meint Torsten Krawczyk, Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes. Soja trotzt der Trockenheit Die Soja-Bohne ist im Vergleich zu anderen Sorten extrem hitzebeständig, benötigt weniger Wasser und trotzt auch der zunehmenden Frühjahrstrockenheit. Ein Vorteil der Hülsenfrucht, die in Deutschland noch immer ein Nischenprodukt landwirtschaftlicher Erzeugung ist, ist die Tatsache, dass sie später als die Erbse oder der Raps blüht und reift. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Preise für Soja-Bohnen sind aufgrund der starken Nachfrage nach Protein stabil. Die größten Produzenten von Soja sind aktuell Brasilien, Argentinien und die USA. Soja benötigt eine Mindestdurchschnittstemperatur von 9,5 °C. Regionen südlich des Mains (besonders in Unterfranken und in Nieder- und Oberbayern) oder in Sachsen bieten die besten Bedingungen. Die Aussaat erfolgt in der Regel ab Mitte April, sobald der Boden warm genug ist. Die Ernte findet meist von Mitte September bis Anfang Oktober statt. Der Ertrag liegt in der Praxis bei etwa 35 bis 45 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha), wobei die Bohnen oft getrocknet werden müssen. Sollte sich der Anbau von Soja in Deutschland weiter ausbreiten, könnte dies auch ein Beitrag zum Klimaschutz sein. Suche nach neuen Ertragsquellen auf trockeneren Böden Wie wichtig die Suche nach neuen Ertragsquellen und Anbausorten ist, macht ein Blick in die aktuellen Erntezahlen deutlich. Nach offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes ernten die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich 11,3 Prozent weniger Erdbeeren als im Vorjahr. Das ist die niedrigste Erdbeerernte im Freiland seit dem Jahr 1995. Ein Grund für die sinkende Erntemenge ist die weiter zurückgehende Anbaufläche: Sie nahm im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent auf 7830 Hektar ab. Die größte Erntemenge wird mit 18.100 Tonnen in Niedersachsen erwartet. Das ist ein Minus von 18 Prozent. Darauf folgt Nordrhein-Westfalen mit einer geschätzten Erntemenge von 14.600 Tonnen (minus 13,4 Prozent) und Baden-Württemberg mit 13.500 Tonnen (plus 6,8 Prozent). Eine abnehmende Erntemenge erwartet das Bundesamt auch beim Spargel und geht von 100.300 Tonnen und damit 3,4 Prozent weniger als 2025 aus. Endgültige Ergebnisse auch zur Erdbeerernte etwa in Gewächshäusern veröffentlicht das Statistische Bundesamt aber erst im Frühjahr 2027.
- Viel Druck im Kessel – politisch, wirtschaftlich und auf dem Land
Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! Viele blicken bei uns in Deutschland mit Sorgen auf die Veränderungsprozesse in der politischen Landschaft. Das steht im Zusammenhang mit den anstehenden Landtagswahlen in drei östlichen Bundesländern. Aber auch mit den Sommerdebatten über die Reformpolitik, die sich die Koalition auf die Agenda gesetzt hat und auch in schwierigen Zeiten durchsetzen will. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob in den Parlamenten die eigenen Reihen geschlossen mitspielen oder nicht. Hitzig bleibt es in vielerlei Hinsicht. Die Dürreperiode mit den dramatischen Folgen, insbesondere auch auf dem Lande, kann als aktuelles Thema nicht fehlen. Die Schreckensmeldungen mit vielen Statistiken, unter anderem zu den Hitzetoten, und aktuell die Feuerwalze in der Nordeifel sowie die dramatischen Auswirkungen für die Landwirtschaft verlangen politisches Handeln. Die Themen des Herbstes sind damit gesetzt. Im Weiteren gehen wir noch einmal auf den gesetzlichen Umgang mit der Wolfspopulation ein, wo nun der Handlungsdruck bei den Ländern liegt. Gerade habe ich in einem Artikel die Formulierung „Vielen Franzosen, so hat es den Anschein, steht der Sinn jetzt nach einem Knall, einem Umsturz“ gelesen. Der zitierte Autor der SZ könnte auch Sachsen-Anhalt oder Berlin gemeint haben. Jedenfalls lässt der aus allen möglichen Medienquellen sprudelnde Informations- und Meinungsfluss diesen Schluss auch für uns zu. Der Kanzler und sein Vize sind im Urlaub. Gleichwohl stehen sie im Brennpunkt aller Kritik. Damit gerät die politische Mitte weiter ins Rutschen. Rechts- oder Linksaußen wird mit neuem Selbstbewusstsein und Zuversicht auf Machtszenarien verbal aufgerüstet. In Sachsen-Anhalt, wo in drei Wochen gewählt wird, drucksen viele bei der Frage nicht mehr rum, wo sie ihr Kreuz setzen werden. Immer mehr Menschen bekennen sich dort zum AfD-Spitzenkandidaten, der in Magdeburg Ministerpräsident werden will. Über Zulauf an den Ständen kann er sich jedenfalls nicht beklagen. Die Fan-Artikel laufen wie geschnitten Brot. In Mecklenburg-Vorpommern fürchtet derweil Manuela Schwesig auch die rechte Stimmung. Sie freut sich aber gleichzeitig über eigenen Aufwind. Bis zum 20. September hat sie etwas mehr Zeit, ihren Wahlkampf mit politischen Duftnoten gegen den Berliner Politikbetrieb zu setzen. Das unterscheidet sie kaum von ihrem Kollegen in Sachsen-Anhalt. Sven Schulze sucht dort seine letzte Chance mit einer Anti-Merz-Strategie. Beide wollen sich mit ihren eigenen Parteivorsitzenden am besten gar nicht erst in ihren Wahlkämpfen sehen lassen. Im Umkehrschluss verspricht das wiederum bevorstehende heiße Wochen rund um Bundestag und Kanzleramt in Berlin. Die klammen Kommunen hängen am Tropf der Länder und des Bundes Da ist viel Druck im Kessel, wenn (nur als Beispiel) der Verbandspräsident der Sparkassen in den neuen Bundesländern, Ludger Weskamp, feststellt: Die Finanzlage der Kommunen hat sich dramatisch verschärft. „Sie bekommen ihre laufenden Ausgaben nicht mehr gedeckt.“ Viele von ihnen sind eigentlich pleite. Dazu muss man wissen, dass Rat- und Kreishäuser nicht insolvenzfähig sind. Kreise, Städte und Gemeinden hängen am Tropf ihrer Länder und am Ende des Bundes. Damit sind wir auch wieder dort, wo bald gewählt wird. Sollten die bekannten Umfragen an den Wahltagen in Stimmen umgesetzt werden, wird es gerade für das, was auf dem Lande passiert, kritisch. Wenn Unzufriedenheit statt Gestaltungsfähigkeit am Ende bei Wahlentscheidungen zu Mehrheiten führt, steht, wie oben schon zitiert, wohl verbreitet der Sinn nach einem Knall. Am Ende und in der Summe kein gutes Szenario Angetrieben werden die Stimmungen in der Provinz durch das, was teilweise auch aus den eigenen Reihen über die eingetüteten Reformvorhaben, über den Kanzler, seinen Vize und damit über die Koalition gesagt, kommentiert und gesendet wird. Das liest sich zusammengefasst und zugespitzt dann so: Jetzt werden die Steuerzahler bei weitem nicht mehr so entlastet, wie das mal angekündigt war. Am geschnürten Rentenpaket der Sachverständigenkommission wird an allen möglichen Ecken Kritik geübt – auch aus den Koalitionsparteien heraus. Die angestrebte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes wird von der Arbeitsrechtslobby mit Mehltau überzogen. In der Summe ist das am Ende kein gutes Szenario für unser Land. Zum Spendenformular Und wo Bürokratie verschwindet, wird sie an anderer Stelle wieder geschaffen, wenn es um neue Projekte und Brüsseler Einschläge geht. Da mag vieles gut sein, was mit den in dieser Woche in Kraft getretenen neuen Regeln für Verpackungen ausgelöst wird. Das Hauruck dabei trifft erst mal viele kleine Händler und Versender und passt einfach nicht in die Schublade angestrebter Erleichterungen für die Unternehmen. Ein anderes passendes Stichwort könnte aktuell die „EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte“ sein, zu der gerade ein Durchführungsgesetz vom Bundeskabinett national beschlossen wurde, das entlang der Lieferketten das Gegenteil von Entbürokratisierung darstellt. So jedenfalls empfinden das gerade die Waldbesitzer in Deutschland. Das Thema hatten wir schon mehrfach und wird uns wohl noch länger beschäftigen, wenn es bei uns immer wieder um den ländlichen Raum gehen soll. Dürreperioden, geringe Bodenfeuchte und Hitzewellen und Brände Bleiben wir beim Wald und damit bei einem im wahrsten Sinne des Wortes brennenden Problem. Extremes „Feuerwetter“ durch aufeinanderfolgende Hitzewellen entzieht Böden und Vegetation die letzte Feuchtigkeit. Dieser schreckliche Begriff bezeichnet Wetterlagen mit hohen Temperaturen, geringer Luftfeuchtigkeit, starkem Wind und damit Trockenheit, die den Ausbruch und die schnelle Ausbreitung von Wald- und Flächenbränden übermäßig begünstigen. Diesen Begriff benutzt beispielsweise die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mit dieser Feststellung: „Mit dem Klimawandel steigt die Waldbrandgefahr. Ob sich ein Feuer tatsächlich entzündet, wie und in welcher Geschwindigkeit es sich ausbreitet, hängt von konkreten Wetterlagen ab.“ Bei diesen Lagen kommt nach aller Erfahrung und vielen Berichten aus südlichen Ländern menschliches Verhalten hinzu, das entschieden zu verurteilen ist. Das sind Leichtsinn oder Brandstiftungen mit Vorsatz. Aktuell erreichen uns Schreckensmeldungen aus der Nähe. Seit Donnerstag breitet sich ein Feuer in der Eifel derart aus, dass etwa 1800 Menschen aus der Ortschaft Hürtgenwald-Gey evakuiert werden mussten. Und wie sehr daneben die Tierwelt leidet, gehört zu den in diesem Zusammenhang weniger verbreiteten Berichten. Auch hier entsteht vielfach akute Lebensgefahr, wenn sich schnell ausbreitende Feuer Waldgebiete umschließen. Große Säugetiere und Vögel können vielleicht fliehen, während Kleinwild stark gefährdet zurückbleibt. In der Landwirtschaft verbreiten sich Existenzsorgen Im Bundeskabinett hat Landwirtschaftsminister Alois Rainer zur Dürre mehr gesagt, als was von ihm anlässlich einer der Hauptalmbegehungen vor einigen Tagen zu hören war: „Ich kann's nicht regnen lassen, sonst tät ich's machen.“ Anerkannt werden von ihm die ernsthaften Belastungen und Risiken für unsere Land- und Forstwirtschaft durch die anhaltende Wetterlage. Rainer hat in dieser Woche das Thema im Kabinett zum Gegenstand gemacht. Konkret zeichnet sich aber noch nicht ab, dass aus dem anerkannt politischen Handlungsbedarf auch Handeln wird. Laut einer Pressemitteilung seines Ministeriums erkennt er an: „Die Ängste in den Betrieben sind erheblich.“ Wenn sich eine außergewöhnliche, länderübergreifende Schadenslage bestätige, könnten die notwendigen Hilfsmaßnahmen gemeinsam mit den Ländern auf den Weg gebracht werden. Das hört sich in der akuten Lage nicht gerade ermutigend an. Fest steht: Wiederholen sich solche Wetter- und Klimalagen in den nächsten Jahren, geht es für die Landwirte schnell um die Existenz. Das machte gerade in mehreren Medienauftritten Bauernpräsident Joachim Rukwied deutlich. Er spricht von einer „brutal angespannten Lage“. Für die südlichen Teile Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall führen. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung belegt das mit seinen aktuellen Karten mehr als deutlich: Praktisch überall südlich des Mains zeigt aktuell die Farbe Dunkelrot das Ausmaß der extremen Dürre. Noch ein Blick in die Jagdpraxis mit den Hunden Immer wieder kommt ein Hund durch die Schuld oder das Versagen anderer Menschen zu Tode. Häufig ist der Ärger vorprogrammiert, wenn es um den Schadensersatz geht. Die Ermittlung des Hundewertes ist ein kompliziertes Verfahren, in das viele Faktoren einfließen: der Anschaffungspreis des Welpen, Kosten für die Ausbildung, Qualität eines Jagdhundes auch als Zuchttier, die durch Prüfungszeugnisse nachzuweisen ist. In einem Blog-Beitrag erläutert unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche das umfangreiche Procedere der Wertermittlung. Er geht dabei auch auf den Umstand ein, dass es ein Schmerzensgeld für den Verlust des geliebten Vierbeiners nicht gibt. In der Schweiz hingegen können Gerichte diesen Gefühlswert bei der Schadensbemessung berücksichtigen. Dadurch kann der Ersatz, den der Verursacher des Schadens bzw. seine Haftpflichtversicherung zu zahlen hat, deutlich höher sein als der reine Marktwert des Hundes. Wolf: Unterschiedlicher Handlungsdrang in den Ländern In der folgenden Passage komme ich noch einmal auf unseren letzten Newsletter und ein Thema zurück, das auch uns immer wieder beschäftigt: Der Umgang mit dem Wolf bleibt bei inzwischen hohen Bestandszahlen und einer sich nahezu ungehindert entwickelnden Population gesellschaftlich und politisch umstritten. Seine Aufnahme in das Bundesjagdgesetz als jagdbare Art hinterlässt nun Regelungsdruck bei den Ländern. Sie können das Thema bei der wachsenden Zahl der Schäden an Nutztieren und den nicht erfassten Rissen von wildlebenden Huftieren nicht liegen lassen. Sie sind nun einmal für die Umsetzung zuständig und haben damit ihre Jagdgesetze „anzupassen“. In unserer letzten Kolumne haben wir als Beispiel einmal nach Niedersachsen geschaut, wo das Thema schnell auf der landespolitischen Agenda stand. So haben wir Anfang des Monats aus einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung die grüne Umweltministerin Miriam Staudte unter anderem mit dieser Aussage zum Wolf im dort beschlossenen Gesetz zitiert: „Wir brauchen uns um den Bestand keine Sorgen zu machen.“ Grundsätzlich werde man sich auf die Problemwölfe konzentrieren. Das Wolfsmanagement in Niedersachsen ist wegen hoher Wolfszahlen und wachsender Nutztierrisse eng geregelt. So hat genau eine Woche später in derselben Zeitung DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke den Ball aufgenommen. Im Rahmen eines lesenswerten Interviews mit ihm über Themen und Rolle der Jagd im Lande hat er als Präsident der niedersächsischen Landesjägerschaft zu diesem Komplex eine andere wertende Feststellung geäußert: Trotz der Gesetzgebung in Niedersachsen gebe es hier derzeit kein echtes Bestandsmanagement. Im Kern dokumentieren die beiden Interviews unterschiedliche Herangehensweisen zwischen jagdlichen Praktikern und grünen Politikern. Da wird offensichtlich kein offener Streit und nach Lösungen gesucht, aber wir haben es schon weiter mit verschiedenen Positionen im Grundsatz zu tun. Bei der Vielfalt der Färbung von Regierungen und Parlamenten in den 16 Bundesländern sind in der gezeigten Eile und bei den diskutierten Handlungsalternativen ungleiche Herangehensweisen zu erkennen. Während Landwirte und Weidetierhalter einen konsequenten Bestandsschutz und erleichterte Abschüsse fordern, kritisieren Naturschützer (manchmal sichtbar mit weniger Fachkenntnis) dies als einseitige „Symbolpolitik mit der Flinte“ und fordern stattdessen allein besseren Herdenschutz. Zur unpassenden Wortwahl wie „Flinte“ gehört die Feststellung der Praktiker, dass der immer zitierte Herdenschutz in seinen bisherigen Formen einfach nicht funktioniert und damit nicht ausreicht. Seit der letzten Kolumne mit unseren Betrachtungen zu Themen der Politik mit Ausstrahlung auf den ländlichen Raum, Natur und die Jagd sind wegen der angekündigten Ferienpause zwei Wochen vergangen. Das wollen wir noch einmal so halten. Ab September erscheinen wir wieder wöchentlich. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir ein Wochenende mit möglichst wenig Hitzestress und ausnahmsweise mal mehr schattigen Seiten. Mit besten Grüßen Ihr Jost Springensguth Koordination/Redaktionsleitung
- Erdmandelgras: Vom Randproblem zur Flächenplage
Von unter 100 Hektar in den 1990er-Jahren auf 300.000 Hektar bundesweit im Jahr 2025: Das Erdmandelgras breitet sich dramatisch aus. Es stellt die Landwirte vor eine Herausforderung, für die es keine einfache Lösung gibt Erdmandelgras (Foto: Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW) Wer ein unbekanntes Gras auf dem Feld entdeckt, sollte es anfassen. Fühlt es sich hart, kantig und schilfartig an, könnte es sich um Erdmandelgras handeln. Das charakteristische V-förmige Blatt und der dreikantige, knotenlose Stängel machen die Pflanze bei näherer Betrachtung erkennbar. Blüten erscheinen gelblich-braun, die Samen sind kaum einen Millimeter groß. Was unscheinbar wirkt, ist in der Praxis einer der gefürchtetsten Schädlinge im Ackerbau: Im weltweiten Ranking der problematischsten Ungräser gehört das Erdmandelgras zu den Top 20. Die Zahlen zeigen, wie dramatisch die Lage geworden ist. In den frühen 1990er-Jahren waren in Deutschland weniger als 100 Hektar betroffen. 2020 lag die bundesweite Befallsfläche noch bei rund 20.000 Hektar. Für 2025 wird sie bereits auf über 300.000 Hektar geschätzt. In Niedersachsen allein hat sich die befallene Fläche zwischen 2021 und 2024 von rund 10.000 bis 12.000 Hektar auf etwa 200.000 Hektar fast verzwanzigfacht. Vor-Ort-Termin zur Demonstration über den Umgang mit Erdmandelgras Welche Maßnahmen zur Eindämmung und Prävention zur Verfügung stehen und wie betroffene Betriebe reagieren müssen, stellten in dieser Woche NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen und Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, gemeinsam mit dem Präsidenten des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, Erich Gussen, und dem Vize-Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, Michael Uckelmann, bei einem Vor-Ort-Termin auf einem Versuchsfeld der Landwirtschaftskammer im westfälischen Dülmen vor. Ministerin Silke Gorißen: „Beim invasiven Erdmandelgras gilt: Früherkennung und konsequente Maschinenhygiene sind die wirksamsten Maßnahmen. Noch stehen wir an einem Punkt, an dem wir durch frühes Erkennen und konsequentes Handeln größere Schäden in der Landwirtschaft begrenzen können. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir vor den Gefahren von Erdmandelgras für unsere hochwertige landwirtschaftliche Produktion Schutzmaßnahmen vorstellen.“ Die Biologie erklärt die Hartnäckigkeit Wer das Erdmandelgras bekämpfen will, muss seine Vermehrungsstrategie verstehen. Die aus Ostafrika stammende Pflanze reproduziert sich auf drei Wegen gleichzeitig: unterirdisch über Rhizome, die bis zu 60 Zentimeter lang werden, über Knöllchen, sogenannte Erdmandeln mit einem Durchmesser von 10 bis 15 Millimetern, und oberirdisch über Samenbildung ab August. Vögel nehmen die Samen auf und verbreiten sie über ihre Ausscheidungen weiter. Sie informierten beim Vor-Ort-Termin (v. l. n. r.): Bernhard Wiesmann (LWK NRW), Georg Silkenbömer (Kreislandwirt Kreis Coesfeld), Erich Gussen (Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes), Ministerin Silke Gorißen, Karl Werring (Präsident der Landwirtschaftskammer NRW), Wilhelm Korth MdL und Michael Uckelmann (Vize-Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes). (Foto: Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW) Die eigentliche Gefahr steckt in den Mandeln. Jedes einzelne Knöllchen ist bis zu sechs Jahre lang keimfähig und überlebt Temperaturen bis zu minus 15 Grad Celsius. Aus einer einzigen Erdmandel können innerhalb weniger Wochen zahlreiche Tochterpflanzen entstehen. Die rechnerisch ermittelte Vermehrungsrate liegt bei 1:700. Wer das nicht früh stoppt, kämpft bald gegen eine Armee. Ertragsverluste bis 25 Prozent Das Erdmandelgras konkurriert direkt mit der Kulturpflanze um Nährstoffe, Wasser und Licht. In Hackfrüchten wie Mais oder Rüben können die Ertragsverluste bis zu 25 Prozent betragen. Im Getreideanbau sieht die Lage günstiger aus: Dort ist der Konkurrenzdruck durch die dichten Bestände groß genug, um das Erdmandelgras weitgehend zu unterdrücken. Für stark betroffene Regionen mit engen Mais-Fruchtfolgen ist das aber nur bedingt eine Lösung. Chemie hilft nur begrenzt Ein Herbizid, das die Erdmandeln im Boden wirklich erreicht, existiert nach wie vor nicht. Verfügbare Wirkstoffe erfassen den oberirdischen Aufwuchs zuverlässig, lassen die Knöllchen im Boden jedoch weitgehend unberührt. Diese überdauern, vermehren sich exponentiell und treiben im nächsten Jahr erneut aus. Mehrspritzig eingesetzte Herbizide im Mais, kombiniert mit Splittingverfahren, erzielen laut Fachquellen einen Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent, sind aber keine dauerhafte Lösung. Bayer CropScience hat für die Maissaison 2026 eine Notfallzulassung für das Mittel MaisTer power nach Artikel 53 der EU-Zulassungsverordnung erwirkt, um späte Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen. Was wirklich hilft Langfristig führt nach aktuellem Kenntnisstand kein Weg an einer geänderten Fruchtfolge vorbei. Wintergetreide beschattet die Fläche und unterdrückt das Auflaufen des Erdmandelgrases wirkungsvoll. Zwischenfruchtanbau, Fruchtfolgewechsel und mechanische Maßnahmen wie flaches Fräsen oder Grubbern bis maximal zehn Zentimeter Tiefe unterstützen die Eindämmung. Eine mechanische Schwarzbrache muss über zwei bis drei Jahre fortgeführt werden, um eine spürbare Wirkung zu erzielen. Entscheidend bleibt die Feldhygiene. Das Erdmandelgras verschleppt sich über Erde an Maschinen, Schuhwerk, Drainagearbeiten und Überschwemmungen. Alle Geräte müssen nach dem Einsatz auf befallenen Flächen vor Ort gereinigt werden. Befallene Flächen sollten immer zuletzt bearbeitet und beerntet werden. Bei überbetrieblichem Maschineneinsatz und Lohnunternehmern ist besondere Vorsicht geboten. Wer noch keine befallenen Flächen hat, sollte jetzt handeln: Die Einschleppung zu verhindern, ist erheblich einfacher als die spätere Bekämpfung. Das Erdmandelgras ist gekommen, um zu bleiben.
- Jagd aus Sicht der Berufsjäger im anhaltenden Wandel
Die Jagd in Deutschland befindet sich seit Jahren in einem Transformationsprozess. Besonders interne Faktoren der Jägerschaft führen zu tiefgreifenden Veränderungen. Über Ergebnisse einer wissenschaftlichen Befragung deutscher Berufsjäger Foto: Tobheg Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt hat Dr. Werner Beutelmeyer bei deutschen Berufsjägern per strukturiertem Fragebogen deren Einschätzung der Entwicklung der Jagd, ihres Bildes vom eigenen Beruf sowie der Erwartungen an die Zukunft ermittelt. Das Ergebnis der jetzigen Wiederholung zeigt, dass sich an den Meinungen und Herausforderungen sehr wenig bis nichts geändert hat. Die Berufsjäger sehen die Gründe für den Wandel nicht vorrangig in externen Ursachen, etwa einem zunehmenden gesellschaftlichen Druck, wachsenden Naturschutz-Auflagen und veränderten politischen Rahmenbedingungen. Diese Aspekte sind nur zweitrangig. Die traditionelle, hegeorientierte und auf handwerklichen Fähigkeiten basierende Jagd wandelt sich aus Sicht des Berufsstandes vielmehr zu einer wildökologisch motivierten Bestandsregulierung. Damit einher geht eine Neubestimmung des jagdlichen Handwerks und der Rolle der Jäger, so das Ergebnis der Untersuchung. Zunehmende Technisierung Ein wesentlicher Punkt ist dabei die zunehmende Technisierung der Jagd, etwa durch Wärmebild- und Nachtsichtgeräte. Die Berufsjäger sehen die Entwicklung teilweise als notwendig an, etwa wenn es um die Eindämmung invasiver Arten geht, sind aber zugleich besorgt, dass traditionelle handwerkliche Fähigkeiten immer mehr Bedeutung einbüßen. Praktische Erfahrung und überliefertes Wissen gehen kontinuierlich verloren. Dazu passt die Aussage, es gehe bei der Ausbildung des Nachwuchses immer mehr um Masse statt Klasse. Dieser Feststellung stimmen immerhin 80 Prozent der Befragten zu. Viele Berufsjäger verbinden diese Thematik direkt mit den Jagdverbänden, denen sie eher wenig Vertrauen entgegenbringen, wenn es um das Zukunftsthema „Qualitätssicherung bei der Jagd“ geht. Nur zehn Prozent bejahen, dass die Dachverbände die Jagd in die richtige Richtung führen. Abnehmende Leistungsfähigkeit Die Regulierung von Wildbeständen wird aus Sicht des Berufsstandes zunehmend schwieriger und der Verlust des Lebensraumes für das Wild größer. Zugleich werden Ausbildung, Motivation und Kompetenz der „freiwilligen“ Jäger kritisch bewertet. Von einem deutlichen Qualitätsverlust ist die Rede. Mögliche Ursachen wie etwa die Ausbildung des Nachwuchses in kurzen Intensivkursen gewerblicher Anbieter werden aber kaum explizit thematisiert. Insgesamt bekommt die Jägerschaft ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Jeweils 89 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die technische Ausstattung der Jäger immer besser wird, aber zugleich ihre jagdliche Leistung eher schwächer, und dass durch unprofessionelle Jagdmethoden das Wild zu sehr beunruhigt wird. Verständnis der Jagd im Wandel Dass mehr professionelle Jagd und damit mehr „Berufsjäger“ im Jagdsystem als zukunftswichtig erachtet werden, verwundert angesichts dieser Resultate kaum, ist vielleicht aber auch ein wenig der Tatsache geschuldet, dass eben Berufsjäger befragt wurden. Immerhin 86 Prozent von ihnen stimmen der Aussage zu: „Professionelle Jäger werden immer wichtiger.“ Auf die offene Frage „Was ändert sich derzeit besonders an der Jagd in Deutschland?“ gab es insgesamt 373 Nennungen. Sie wurden ausgewertet und in thematische Cluster eingeordnet. 62 Nennungen beziehen sich auf den verstärkten Einsatz moderner technischer Hilfsmittel. In 39 Antworten geht es um Veränderungen innerhalb der Jägerschaft selbst, etwa Einstellungen, Motivation und Zusammensetzung der Jägerschaft. Genannt werden unter anderem Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Jägern, Veränderungen in der Ausbildung oder ein anderes Verständnis der Jagd als Freizeitaktivität. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass traditionell weitergegebenes Wissen oder praktische Erfahrung seltener geworden sind. 22 Nennungen gehen auf geänderte politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie politische Diskussionen rund um Jagd, Naturschutz und Wildmanagement ein. 18 Äußerungen registrieren Veränderungen im Bereich der Waidgerechtigkeit und jagdlichen Ethik. Dabei wird häufig die Sorge geäußert, dass traditionelle Werte und Normen der Jagd an Bedeutung verlieren könnten. Auch das Wildmanagement und der Waldumbau werden angesprochen. So beziehen sich zwölf Antworten auf steigende Anforderungen an die Regulierung bestimmter Wildbestände, etwa im Zusammenhang mit Waldschutz, Verbissproblematik oder Anpassungen der Wälder an den Klimawandel. In jeweils elf Nennungen geht es um die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd, einen möglichen Rückgang der klassischen Hegearbeit bei gleichzeitig wachsender Bedeutung kurzfristiger Abschussziele. Kleine Lichtblicke Neben all der Kritik gibt es aber auch kleine Lichtblicke. Die Zustimmung zur Aussage „Die Medien gehen mit den Jägern nicht fair um, vielfach belustigt man sich über Jäger“ hat sich um 27 Prozent abgeschwächt und liegt mit 49 Prozent im Vergleich zu 2013 wesentlich besser. Dies trifft auch zu auf die Behauptung „Die Gesellschaft geht immer kritischer mit Jägern um“. Mit minus 21 Prozent stimmen dieser Beurteilung aktuell 63 Prozent zu. Dieses Ergebnis fällt damit ebenfalls deutlich günstiger als 2013 aus. Nur noch 68 Prozent glauben, dass die Imagepflege und Öffentlichkeitsarbeit der Jäger zu wenig professionell ist. Gut ein Jahrzehnt zuvor waren es 81 Prozent. Die Werte mögen immer noch alles andere als berauschend sein und die Verbesserungen nur graduell. Sie legen aber die Vermutung nahe, dass die Jäger insgesamt und ihre Verbände sehr wohl erfolgreich in dem Bemühen sind, das Bild von Jagd und Jägern in der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen.











