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  • Druck auf den Kanzler bleibt hoch

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserinnen und Leser! In unserer Wochenkolumne gehen wir zunächst auf die Personalwechsel in Berlin ein und behandeln dann folgende Themen: die hohen Temperaturen und die Folgen für die Landwirtschaft, den von der Bundesregierung geplanten Pachtdeckel für Windenergieflächen, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sowie der Blauzungenkrankheit, für die auch alle wiederkäuenden Wildarten anfällig sind. Ferner geht es wieder einmal um den richtigen Umgang mit Wölfen, dieses Mal mit Blick auf Brandenburg und Niedersachsen. Ende gut, alles gut? Oberflächlich betrachtet lief die Wahl von Thorsten Frei zum CDU/ CSU-Fraktionschef ganz nach den Wünschen des Kanzlers. Insofern darf Friedrich Merz zufrieden sein. Aber der Kanzler sollte sich nicht täuschen: Der Druck in der Partei und in der Öffentlichkeit bleibt hoch. Die – noch freundlich formuliert – verstolperten Personalwechsel haben das Ansehen des Regierungschefs weiter beschädigt. So rebellisch ihrer Führung gegenüber hat man Unionspolitiker selten erlebt. Doch Merz hat Glück: Die bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland wirken disziplinierend. Zumindest kurzfristig. Doch wenn es für die CDU dort im September schlechter als erwartet läuft, könnten für den Kanzler und die Koalition insgesamt noch schwerere Zeiten beginnen. Denn in Ländern geht es um viel: von der Bildung bis hin zu Natur- und Artenschutzfragen, inklusive der Regelung für die Jagd. Wenn die CDU bei diesen Kernthemen ihrer Klientel an Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten verliert, könnte viel Bewährtes ins Wanken geraten. Landwirte zunehmend in Schwierigkeiten Während es aktuell in der Bundespolitik überraschend heiß hergeht, gilt dies im wörtlichen – sprich wettermäßigen – Sinne auch für den Rest der Republik. Dort sorgen die hohen Temperaturen für vielfältige Herausforderungen, nicht zuletzt in der Landwirtschaft. So rechnet der Deutsche Bauernverband (DBV) in diesem Jahr mit deutlichen Ertragseinbußen bei wichtigen Ackerkulturen. Bei Winterweizen würden in Regionen, in denen die Ernte bereits weit fortgeschritten sei, Ertragsrückgänge von bis zu 15 Prozent gemeldet. Auch beim Raps drohen laut DBV erhebliche Einbußen von bis zu 18 Prozent. Die ausbleibenden Niederschläge würden sich zudem auf Grünland und Futterbauflächen immer deutlicher bemerkbar machen. Damit wachse in vielen Regionen die Sorge um die Versorgung der Tiere im kommenden Winter. Bauernpräsident Joachim Rukwied sieht deshalb klaren Handlungsbedarf: „Hohe Kosten für Diesel und Düngemittel treffen die Betriebe unmittelbar in der laufenden Produktion. Wer Versorgungssicherheit und eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft will, muss die Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig halten“, betonte Rukwied. Deshalb fordere der Deutsche Bauernverband eine Entlastung beim Diesel. Unzufriedenheit herrscht auch bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW) und den Familienbetrieben Land und Forst. Aktuell geht es hier um den Entwurf zu einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), den das Bundeskabinett in dieser Woche beschlossen hat. In ihm ist ein Pachtdeckel für Windenergieflächen vorgesehen. Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst e.V., kritisiert die geplante Regelung scharf: „Wer Eigentümern vorschreiben will, zu welchen Konditionen sie ihre Flächen zur Verfügung stellen dürfen, greift unmittelbar in die Vertragsfreiheit ein. Damit beschädigt die Bundesregierung das Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen und letztlich auch die Akzeptanz der Energiewende.“ Brandkatastrophe im Süden Europas Nebenbei gesagt: Wie wichtig eine leistungsfähige und ökonomisch solide Land- und Forstwirtschaft gerade im Zeichen des Klimawandels sein kann, zeigt sich auch angesichts der Brandkatastrophe im Süden Europas. Fachleute beklagen etwa in Spanien, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden und sich dadurch große Mengen brennbares Material ansammeln. Auch die Landflucht ist nach Auffassung von Experten in diesem Zusammenhang ein Problem. Weil viele Menschen in die Städte ziehen und Dörfer leer stehen, werden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast. Die Verbuschung nimmt dadurch zu. Zurück nach Deutschland und zu den dort aktuellen Herausforderungen für Jäger und Landwirte. Eine davon ist die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Nach dem erneuten Nachweis von ASP in der Uckermark appelliert der Landesjagdverband Brandenburg an alle Bürgerinnen und Bürger, die bestehenden Schutzmaßnahmen konsequent zu unterstützen. Schutzzäune dürften nicht beschädigt werden, Tore und Durchlässe gelte es nach jeder Nutzung wieder zu schließen. Und die Jägerinnen und Jäger werden vom LJV Brandenburg aufgefordert, die verstärkte Bejagung des Schwarzwaldes auch weiterhin konsequent fortzuführen. „Jeder Einzelne kann dazu beitragen, dass die Seuche auf den Schutzkorridor begrenzt bleibt“, betont Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg. Zum Spendenformular Derweil hat die nordrhein-westfälische Landesregierung im Landtag ihren strategischen Plan zur Bekämpfung von ASP erläutert. Darin setzt sie auf ein kombiniertes Maßnahmenbündel. Neben dem Bau von Hunderten Kilometern festem Zaun und einer systematischen Suche nach Kadavern sollen künftig nahezu wildschweinfreie Schutzkorridore – sogenannte „weiße Zonen“ – die Infektionskette unterbrechen. Die Kosten der ASP-Bekämpfung sind derweil deutlich gestiegen. So hatte das Land NRW hierfür im Jahr 2025 noch rund 2,9 Millionen Euro bereitgestellt. Für dieses Jahr beträgt das Budget bereits über 32 Millionen Euro. Sorge bereitet Jägern und Landwirten auch die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit. Nach deren Nachweis in einer Rinderhaltung im Landkreis Göttingen gilt für diverse weitere Landkreise in Niedersachsen eine Sperrzone. Bei zahlreichen Tierarten müssen nun strengere Regeln befolgt werden, um sie aus dem Gebiet zu bringen. Auch alle wiederkäuenden Wildarten sind grundsätzlich anfällig für die Blauzungenkrankheit, insbesondere Rotwild. Jäger sind verpflichtet, einen Verdacht auf Blauzungenkrankheit dem zuständigen Veterinäramt zu melden. Wölfe nicht länger gefährdet Doch genug der Krankheiten. Kommen wir wieder einmal auf den Wolf zu sprechen. Nachdem eine Änderung des Bundesjagdgesetzes den Abschuss erleichtert hat, sind nun die Länder am Zug. Beispiel Brandenburg. Dort hat die zuständige SPD-Ministerin Hanka Mittelstädt eine landesweite Abschussquote abgelehnt. Dagegen betont Kai Hamann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands, der jetzt vorgesehene Wolf-Managementplan sei allenfalls ein erster Schritt. Er hoffe, dass die Abschussquote irgendwann doch noch komme. Der Wolf sei in Brandenburg nicht mehr gefährdet. Der Landesjagdverband geht von bis zu 1.500 Wölfen in Brandenburg aus. Langfristig hält Hamann eine Zahl von 300 bis 400 Wölfen für angemessen. Auch in Niedersachsen wird nun das Wolfsmanagement reformiert. Zwar gibt es von Umweltverbänden Kritik an einem möglichen Abschuss ganzer Rudel. Doch Grünen-Ministerin Miriam Staudte versichert in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Wir brauchen uns um den Bestand keine Sorgen zu machen.“ Grundsätzlich werde man sich auf die Problemwölfe konzentrieren, weil nur eine begrenzte Anzahl von Tieren entnommen werden dürfte. In diesem Jahr sind dies in Niedersachsen laut Staudte insgesamt 27 Wölfe, wobei Jungwölfe und sogenannte Wanderwölfe nicht auf die Zahl der Entnahmen angerechnet werden. Und was geschieht, wenn nicht der sogenannte Problemwolf, sondern ein anderes Tier getroffen wird? Dazu die Ministerin wörtlich und ganz pragmatisch: „Fehlabschüsse hat es vorher auch gegeben. Man hat zwar DNA-Tests gemacht und wusste, welchen man erwischen möchte, aber durch das Zielfernrohr kann man die DNA ja nicht erkennen. Es gab einen logischen Denkfehler in dem Verfahren. Die Wölfe sehen alle gleich aus, und deswegen wurde auch selten der Richtige getroffen. Es werden weiterhin DNA-Proben genommen, um anschließend abgleichen zu können. Aber für die Schnellabschüsse sind sie nicht mehr relevant.“ Über die stille Forstsprache zur Arbeit im Wald Zum Schluss noch ein Thema, das wir in Kürze in unserem Blog behandeln werden. Es geht um farbige Markierungen an Bäumen. Sie sind Kommunikationsmittel zwischen Förstern und Waldarbeitern und dienen der Bestandspflege und -entwicklung. Damit werden stabile Waldstrukturen geschaffen, wertvolle Holzbestände erzeugt, Lebensräume erhalten und die Wälder widerstandsfähiger gegen Stürme und den Klimawandel gemacht. Dabei geht es um ökologisch wichtige Biotop-Bäume und ökonomisch relevante Z-Bäume, um Exemplare, an die bei der Durchforstung die Säge angesetzt wird, und Polterflächen, auf denen das Holz gesammelt wird. In einem Blog-Beitrag erläutert unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche die stille Forst-Sprache, bei der es weder ein einheitliches System noch eine babylonische Sprachverwirrung gibt. Zugleich weist er auf die Verwechslungsgefahr mit jagdlichen Kennzeichnungen hin. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination/Redaktionsleitung

  • Landwirtschaft erzwingt Denkpause im Kabinett

    Das umstrittene Natürliche-Infrastruktur-Gesetz (NatInfG) liegt nach politischem Widerstand von Land- und Forstwirtschaft vorerst auf Eis, wobei Naturschutzverbände wie der Nabu auf eine Umsetzung drängen Carsten Schneider (Foto: BMUKN/Sascha Hilgers) Das Natürliche-Infrastruktur-Gesetz von SPD-Umweltminister Carsten Schneider sollte am 22. Juli vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Auf Druck der unionsgeführten Agrarressorts wurde der Beschluss verschoben. Die Kritik der Landwirtschaft ist grundsätzlicher Natur und liegt damit vorerst auf Eis. Was Umweltminister Schneider als längst überfälliges Naturschutzgesetz präsentierte, ist für Bauernverband, Waldeigentümer und Familienbetriebe ein massiver Eingriff in die Nutzungsmöglichkeiten land- und forstwirtschaftlicher Flächen. Die unionsgeführten Agrarressorts haben die Kabinettsentscheidung vorerst blockiert. Zurecht, meinen die betroffenen Verbände. Ein langer Anlauf mit bekanntem Muster Die Geschichte des NatInfG beginnt nicht erst heute. Seit 2023 versprechen wechselnde Bundesregierungen ein Gesetz, das Naturflächen besser schützen soll. Zuerst unter der Ampel als „Flächenbedarfsgesetz“, dann im schwarz-roten Koalitionsvertrag von 2025 unter dem Begriff „Naturflächenbedarfsgesetz“, schließlich umbenannt in „Gesetz zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur“. Der Referentenentwurf liegt jetzt seit Juli im Bundesumweltministerium, mit einer Anhörungsfrist von lediglich drei Werktagen. Eine ernsthafte Einbindung der betroffenen Verbände war damit von vornherein ausgeschlossen. Das Gesetz ist eng verknüpft mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz (IZG), das Ende Juni vom Bundestag verabschiedet wurde. Das IZG erlaubt es, Naturschutzausgleich durch Geldzahlungen zu ersetzen. Das NatInfG soll, so die Idee, mit diesen Ersatzgeldern neue Naturflächen finanzieren. Umweltverbände träumen davon, sich einen Biotopverbund „zusammenkaufen“ zu können. Die Landwirtschaft sieht darin genau das Problem. Es geht um den Begriff „Überragendes öffentliches Interesse“ Das NatInfG schafft eine neue Schutzgebietskategorie „Natürliche Infrastruktur“, der ein „überragendes öffentliches Interesse“ zugemessen werden soll. Darunter fallen neben FFH- und Vogelschutzflächen auch Moorflächen. Nach ersten Abschätzungen könnte diese Gebietskulisse allein in Baden-Württemberg bis zu 50 Prozent der Landesfläche umfassen. Die Konsequenzen wären erheblich: Land- und forstwirtschaftliche Belange müssten in Planungs- und Genehmigungsverfahren regelmäßig zurückstehen. Zudem ist eine Erhöhung des naturschutzrechtlichen Kompensationsbedarfs um 20 Prozent für Eingriffe innerhalb dieser Gebietskulisse vorgesehen. Längere Genehmigungsverfahren, mehr Rechtsunsicherheit und steigender Verwaltungsaufwand wären die Folge. DBV-Präsident Joachim Rukwied bringt die Kernkritik auf den Punkt: „Krisenvorsorge und Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen sind nicht realisierbar, wenn Naturschutz absoluten Vorrang haben soll. Dieses Regelungspaket übersteigt jedes Maß. Es wird weder in der Land- und Forstwirtschaft noch bei Kommunen, Landkreisen, Unternehmen und den Menschen im ländlichen Raum Akzeptanz finden.“ Steuergeld für Flächenaufkauf statt kooperativem Naturschutz Besonders kritisch sehen die Verbände die Möglichkeit, dass Bund oder Umweltverbände mit den Ersatzgeldern aus dem IZG normale land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen aufkaufen könnten. Statt den bewährten kooperativen Naturschutz mit Eigentümern und Landwirten weiterzuentwickeln, entstünde so eine großflächige Flächenkulisse als Grundlage für weitere Flächenbeschaffung. Die Bundesregierung würde zum Aufkäufer von Agrarland mit Steuergeld. Die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber, Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, warnt: „Wer Nutzungskonflikte weiter verschärft und immer mehr Flächen bindet, nimmt den Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten und schwächt ihre Wettbewerbsfähigkeit.“ Hinzu komme, dass der Bund beim Ausbau des Biotopverbunds über europäische Vorgaben hinausgehe und damit erneut „Gold-Plating“ betreibe. Moorschutz als Knackpunkt Minister Schneider hat mehrfach betont, dass ein „überragendes öffentliches Interesse“ bei der Wiedervernässung von Mooren für ihn nicht verhandelbar sei. Genau hier hakt es in der Koalition. Denn das bedeutet in der Praxis: Landwirte, die Moorflächen bewirtschaften, könnten künftig mit deutlich strengeren Auflagen rechnen, ohne dass der kooperative Weg mit ihnen gesucht wird. Die Verschiebung der Kabinettsentscheidung ist damit kein bürokratischer Aufschub. Sie ist ein notwendiges Signal, dass ein Gesetz, das die Hälfte einer Landesfläche als Schutzgebiet ausweisen kann, nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit dreitägiger Anhörungsfrist verabschiedet werden darf. Die nächste Runde kommt Rukwied fordert nicht nur Nachbesserungen am NatInfG, sondern auch am nationalen Wiederherstellungsplan, den die Bundesregierung Ende August verabschieden will. Mit dem Plan soll die EU-Wiederherstellungsverordnung in nationales Recht umgesetzt werden. Auch hier drohen nach Einschätzung des Bauernverbandes Einschränkungen für die landwirtschaftliche Nutzung. Kanibers Botschaft ist klar: „Jetzt muss die Zeit genutzt werden, um ihn grundlegend zu verbessern. Naturschutz und Ernährungssicherung sind keine Gegensätze.“ Die Verschiebung ist eine Chance. Ob die Bundesregierung sie nutzt, wird sich zeigen.

  • Im Fischereischein steckt der Wurm

    Immer mehr Interessenten zahlen für Fälschungen viel Geld. Erst im nächsten Jahr soll in Baden-Württemberg die Umstellung auf digitale Daten dem Betrug einen Riegel vorschieben Foto: dagmar zechel / pixelio.de Wem muss der Wurm schmecken? Dem Fisch oder dem Angler? Nein, eine Frage aus der umfangreichen Angelschein-Prüfung ist das natürlich nicht. Denn die hat es durchaus in sich. 32 Stunden Unterricht müssen absolviert werden, dazu kommen Wissen über Wasserökologie und tierschutzgerechtes Angeln sowie die Kenntnis von Schonzeiten, also wann welche Arten geangelt werden dürfen und wie sie tierschutzgerecht zu töten sind. Kein Wunder, dass die Durchfallrate etwa in Baden-Württemberg bei bis zu zehn Prozent liegt. Was auch daran liegen mag, dass die Prüfung nur auf Deutsch angeboten wird. Was problematisch ist: Denn immer mehr Fischereischeine werden gefälscht. Reinhard Sosat, der Geschäftsführer des baden-württembergischen Fischereiverbandes, geht mittlerweile von „Fälschungen in großem Stil“ aus. Schließlich werde fast jede Woche ein Betrüger im Land erwischt, deshalb könne man davon ausgehen, dass es viel, viel mehr seien und die Dunkelziffer hoch sei. Erschwerend kommt hinzu, dass die Qualität der Fälschungen laut dem Stuttgarter Landwirtschaftsministerium steigt. Urkundenfälschung für 300 Euro Die Kosten für einen Angelschein in Höhe von 250 bis 300 Euro spielen dabei wohl keine große Rolle. Sosat weiß von einem 46-jährigen Fälscher, der zwischen 2018 und 2022 mindestens 46 gefälschte Dokumente an Abnehmer aus Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg geschickt hatte. Für bis zu 300 Euro pro Schein. Der Mann erhielt am Amtsgericht Schwäbisch Hall vor kurzem eine Bewährungsstrafe. Dabei hatte er noch Glück. Denn Urkundenfälschung ist mit einer möglichen Haftstrafe von bis zu fünf Jahren kein Kavaliersdelikt. Es wird also höchste Zeit, den Fälschern das Handwerk zu legen. Gut, dass analog auch beim Fischen ein Auslaufmodell ist. Im nächsten Jahr wird Baden-Württemberg auf digitale Scheckkartenfischereischeine umstellen. Die sollen fälschungssicher sein, versichert das Regierungspräsidium Karlsruhe. Ob ein Schein echt ist, kann dann über eine zentrale Datenbank durch einen QR-Code erkannt werden. Alte Fischereischeine sollen zudem ausgetauscht werden. Es wird auch Zeit. Schleswig-Holstein macht es bereits vor. Bis es so weit ist, steckt im Fischereischein weiter der Wurm.

  • Braucht es hauptamtliche Jagd-Präsidenten?

    Das Spitzenpersonal der Landesjagdverbände (LJV) und des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ist ausnahmslos ehrenamtlich tätig. Im Gegensatz dazu steht die Organisationsstruktur vieler anderer Umwelt- und Naturschutzverbände Foto: Chris / pixelio.de Ehrenamtlich – das wird immer wieder despektierlich genutzt, ganz ähnlich wie der Begriff Hobbyjäger von Jagdgegnern. Ausgedrückt werden soll damit eine Einschätzung nach dem Motto „Da ist jemand allenfalls ehrlich bemüht, aber mit mangelnder Qualifikation und weniger Erfolg als möglich“. Dagegen steht der Begriff der Hauptamtlichen, die ihr Metier berufs-, also erwerbsmäßig ausüben. Dass Letztere das besser, sprich kenntnisreicher machen, wird schlicht unterstellt, aber nur selten belegt. Der wesentliche Unterschied besteht zunächst nur darin, dass die Ausübung einer Tätigkeit im Hauptamt in aller Regel in einem Anstellungsverhältnis erfolgt und dadurch rechtlich in einem Arbeitsvertrag geregelt ist. Ein Ehrenamt ist im Gegensatz dazu eine freiwillige Tätigkeit, die unentgeltlich erfolgt oder allenfalls mit einer meist geringfügigen Aufwandsentschädigung vergütet wird. Es wird nebenbei ausgeübt, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Den festen Willen, diesen Beitrag zu leisten, darf man den jagdlichen Funktionsträgern auf allen Ebenen vorbehaltlos zugutehalten. Seit mindestens 50 Jahren aber nimmt der Druck auf die Jagd kontinuierlich zu. Mit der Föderalismusreform 2007 ging die jagdrechtliche Zuständigkeit fast vollständig auf die Bundesländer über. War es zuvor vorrangig der DJV-Präsident, der gegen ungewollte Gesetzesnovellen ins Feld ziehen musste, so sind seither die LJV-Spitzen in der Pflicht. An der Struktur der Verbände hat sich gleichwohl nichts geändert. Ihr maßgeblich handelnder Teil ist das ehrenamtliche Präsidium. Dort sitzen die verantwortlichen Köpfe. Wenngleich sie natürlich in der Tagesarbeit von hauptamtlichen Mitarbeitern unterstützt werden, sind vor allem der DJV-Präsident und die LJV-Präsidenten die handelnden Verantwortlichen. Selbst in der täglichen Arbeit treten die hauptamtlichen Geschäftsführer nur selten nach außen in Erscheinung. Sie und ihre Mitarbeiter stellen feste Erreichbarkeiten, fachliche Standards und eine kontinuierliche Projektbetreuung sicher, unabhängig von der verfügbaren Zeit der Ehrenamtlichen. Die Rollenverteilung ist klar und das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt klar definiert. Wie organisieren sich die anderen Umweltverbände an der Spitze? Umweltverbände wie der WWF arbeiten überwiegend mit hauptamtlichen Vorständen. Greenpeace verzichtet auf ein klassisches ehrenamtliches Verbandspräsidium und wird durch eine hauptberufliche geschäftsführende Doppelspitze mit starker Medienpräsenz geleitet. Der Nabu hat einen Präsidenten in einer hauptberuflichen Vollzeit-Position. Der Vorsitzende des BUND arbeitet auf Bundesebene hauptberuflich in einem Wahlamt. Dazu kommen Umweltvereine, die sich durch medial stark begleitete juristische Klagen profilieren, wie etwa die Deutsche Umwelthilfe. Dort liegt die politische und mediale Wirkungskraft bei hauptamtlichen Geschäftsführern, die in der Öffentlichkeit wie die eigentlichen Vorsitzenden und primären Sprecher wahrgenommen werden. Anders ist das bei der Naturschutzinitiative e.V., die vielfach als Kläger in Naturschutzfragen auftritt, wie etwa gegen den behördlich verfügten Abschuss des auf Sylt gesichteten Goldschakals. Die auf der Webseite aufgeführte Liste weiterer Klagen wie im Zusammenhang mit Straßenbau, der Erschließung von Industrie- und Gewerbegebieten oder der Errichtung von Windindustrie- und Freiflächenphotovoltaikanlagen, lässt schon auf ein operatives Vollzeit-Management schließen. Suche nach Spitzenkräften Für die organisierte Jägerschaft aber stellt sich die Frage, ob sie mit ihrer Struktur langfristig standhalten kann und den Herausforderungen gerecht wird. Lassen sich so die erforderlichen Spitzenkräfte gewinnen und können diese dann auch ihre Stärken voll zur Entfaltung bringen? Die Alternative könnte nur eine Professionalisierung durch hauptamtliche Präsidenten/Vorstände sein, ein Konzept, das bei anderen Umwelt- und Naturschutzverbänden wie geschildert längst umgesetzt ist. Das Ehrenamt bietet sicher persönliche Erfüllung, Flexibilität, neue soziale Kontakte und die Möglichkeit, eigene Stärken abseits des Berufsalltags einzubringen. Auf der Ebene der Hegeringe und Kreisjägerschaften ist das bestimmt ausreichend. Und Respekt haben alle Ehrenamtlichen allemal für ihren Einsatz verdient. Aber wenn es um gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung bis hin zu Gesetzgebungsverfahren geht, steht nicht das persönliche Glücksgefühl im Vordergrund. Da braucht es vielmehr neben thematischer Sattelfestigkeit gehöriges rhetorisches Vermögen, Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick. Und dann muss der Verband auch noch nach innen zusammengehalten werden. Ehrenamt braucht Zeit und Geld Damit einher geht erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand, den nur wenige in die Verbandsarbeit einbringen können. Jeder Arbeitnehmer in einem beruflichen Anstellungsverhältnis sicher nicht. Da bleiben dann meist nur noch Selbstständige, Freiberufliche, Unternehmer und Rentner/Pensionäre oder Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Aber sind das auch zwangsläufig die Besten für die vielfältige Interessenvertretung der Jägerschaft? Zumindest Zweifel sind angebracht. Das jagdliche Spitzenpersonal wird ausnahmslos auf den Landesjägertagen und auf dem Bundesjägertag von den Mitgliedern aus den eigenen Reihen gewählt. Aber mit den Aufgaben steigen offenbar auch die Anforderungen – allein schon zeitlicher Art durch die ständig angefragten Termine. Absagen lösen dann mitunter Ungeduld unter den Mitgliedern aus, weil die Mitgliederversammlungen auf lokaler Ebene wie den Kreisjägerschaften in einem engen Zeitfenster zu Beginn des Jagdjahres stattfinden. Gleichzeitig sind die Präsidenten in den Hauptstädten des Landes gefragt, wenn es um Gesetze und Regelungen geht. Früher waren Präsidenten über Jahrzehnte in Amt und Würden. Das scheint sich in einigen Teilen des Landes zu ändern.

  • Pachtdeckel für Windkraft: Massiver Eingriff in Eigentums- und Vertragsfreiheit

    Wirtschaftsministerin Reiche plant im EEG-Referentenentwurf eine drastische Begrenzung der Windkraftpachten. Familienbetriebe Land und Forst und Bauernverband lehnen die Pläne ab. Die Zahlen machen das Ausmaß deutlich Foto: Thorben Wengert / pixelio.de Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant im Rahmen der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) einen Pachtdeckel für Windenergieflächen. Der Referentenentwurf sieht vor, dass Pachterlöse künftig auf maximal 2,5 Prozent des Standortertrags begrenzt werden. Derzeit erzielen Grundstückseigentümer marktüblich zwischen sieben und zwölf Prozent. Konkret bedeutet das: Pachterlöse könnten um bis zu 80 Prozent einbrechen. Der Verband AGDW – Die Waldeigentümer, die Familienbetriebe Land und Forst (FABLF) sowie der Deutsche Bauernverband wenden sich daher entschieden gegen die geplante Regelung. Strompreis-Argument greift nicht Die Begründung des Ministeriums: Der Pachtdeckel soll den Strompreis dämpfen. Doch dieser bildet sich am Strommarkt und wird nicht durch Flächenpachten bestimmt, wie die Verbände klarstellen. Die geplante Maßnahme würde also weder Verbraucher entlasten noch die Energiewende beschleunigen, aber erhebliche wirtschaftliche Schäden im ländlichen Raum anrichten. AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter warnt: „Der ländliche Raum schultert den Ausbau der erneuerbaren Energien mit all seinen Auswirkungen. Dazu gehört auf der Habenseite die Diversifizierung von Wirtschafts- und Betriebsstrukturen. Es wäre wirtschafts- und gesellschaftspolitisch töricht, solche Entwicklungen auszubremsen.“ Die geplante Regelung sende ein fatales Signal: Private und kommunale Eigentümer, die Flächen für vom Bund gewollte Ziele bereitstellen, würden nicht als Partner behandelt, sondern als vermeintlicher Kostenfaktor reguliert. Ordnungspolitischer Dammbruch Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, zieht einen klaren historischen Vergleich: „Ludwig Erhard hat den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands nicht durch staatliche Preisdiktate geschaffen, sondern durch Vertrauen in freie Entscheidungen und unternehmerische Verantwortung. Ein staatlicher Pachtdeckel für private Grundstücke steht in diametralem Gegensatz zu diesem ordnungspolitischen Erbe.“ Wer private Eigentümer mit staatlichen Preiskontrollen überziehe, beschädige das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Deutsche Bauernverband schließt sich der Kritik an und warnt vor neuen Investitionshemmnissen, die durch den Pachtdeckel entstehen würden. Kein Einzelfall im EEG-Entwurf Der Pachtdeckel ist nicht die einzige umstrittene Regelung im Referentenentwurf. Auch bei Agri-Photovoltaik sind deutliche Kürzungen vorgesehen. Daneben sieht der Entwurf nach Ansicht der Bioenergiebranche zu geringe Ausschreibungsvolumina für Bestandsanlagen vor, deren EEG-Vergütung ausläuft. Für Biomethan-Blockheizkraftwerke sollen Ausschreibungen sogar ganz gestrichen werden. Der Entwurf bleibe damit weit hinter den Ankündigungen des Koalitionsvertrags zurück. Forderung: Pachtdeckel streichen AGDW, Familienbetriebe Land und Forst sowie der Deutsche Bauernverband fordern die Bundestagsabgeordneten und Bundeswirtschaftsministerin Reiche auf, den geplanten Pachtdeckel in den laufenden Beratungen zum EEG zu streichen. Die AGDW steht dabei für mehr als zwei Drittel der Waldfläche Deutschlands und rund zwei Millionen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Die Botschaft der Verbände ist klar: Wer den Ausbau erneuerbarer Energien auf privaten Flächen will, muss die wirtschaftlichen Interessen der Eigentümer respektieren. Staatliche Preisdiktate für private Verträge sind kein geeignetes Instrument dafür. Quellen: DBV, AGDW

  • Unpassendes Theater um Timmy, den Buckelwal

    Das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater inszeniert die Rettungsversuche für den Buckelwal Timmy als moderne Passionsgeschichte. Das ist geschmacklos Foto: Ernst Deutsch Theater Ein Theaterstück wie eine katholische Messe – mit Weihrauch und anderen religiösen Ritualen, mit „Wal-leluja“ statt Halleluja und sogar mit einer Kreuzigung: So widmet sich das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater dem weiblichen Buckelwal Timmy. Das anarchische Stück „Die Hope stirbt zuletzt“ wird als moderne Passionsgeschichte inszeniert, mit einem Tier als Erlöserfigur. Der „Spiegel“ nennt es einen „sakralen Ulk“. Wie ist das Stück zu bewerten? Ein Rückblick: Im Frühjahr entfachte Timmy, wie Journalisten den Buckelwal nannten, einen ungewöhnlichen Medienhype. Im März strandete das Meerestier erst auf einer Sandbank vor Niendorf beim Timmendorfer Strand an der Ostsee und danach in der Wismarbucht vor der Insel Poel. Trotz mehrerer Rettungsversuche starb der Wal. Die richtigen Fragen gestellt Regisseur Alexander Klessinger stellt die richtigen Fragen, die auf der Homepage des Ernst-Deutsch-Theaters nachzulesen sind: „Warum können einzelne Geschichten eine ganze Gesellschaft in ihren Bann ziehen? Warum werden manche Ereignisse zu Symbolen, während anderes Leid kaum vergleichbare Aufmerksamkeit erfährt? Und weshalb entstehen aus Nachrichten plötzlich Rituale, Hoffnungen und Erzählungen, die weit über das eigentliche Ereignis hinausweisen?“ Aber um darauf Antwort zu geben, muss man nicht einen katholischen Gottesdienst satirisch nachstellen. Provokation gehört zwar zur Kunst und zum Theater, um Aufmerksamkeit zu erregen. Doch diese Inszenierung geht zu weit; sie ist geschmacklos. Sich der kirchlichen Bildsprache zu bedienen, passt nicht. Es bringt auch keinen höheren Erkenntnisgewinn, wenn Regisseuren nichts mehr heilig ist. „Bei uns wird nicht irgendein Opfer verehrt, sondern der Erlöser der Menschheit“, erklärt der katholische Theologe Joachim Valentin aus Frankfurt zu Recht. Verfehlte Dimensionierung Auch der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards hält die Übertragung des Kreuzestodes auf den Wal von der Dimensionierung her für verfehlt. Für Christen, so Gerhards, ist der Tod Jesu ein einmaliges Geschehen. Werde dieses Motiv auf andere spektakuläre Leidensgeschichten übertragen, drohe seine spezifische religiöse Bedeutung beliebig zu werden. Dennoch haben die Kirchen einen guten Grund, nicht allzu laut zu protestieren und von Blasphemie zu sprechen. Denn dann droht der sogenannte Barbara-Streisand-Effekt: Die kritisierte Inszenierung erhält mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als sie verdient.

  • Politische Sommerpause? Die Herausforderungen bleiben

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! Der Bundeskanzler will sich zum Ende der Legislaturperiode am Ergebnis seiner Kanzlerschaft messen lassen. Dazu gehört, dass er sich in einen Widerspruch seiner Aussagen über die Schuldenbremse zwischen damals (Opposition) und heute begeben hat. Seine Bemerkung dazu, als er sich vor der Hauptstadtpresse in die parlamentarische Sommerpause verabschiedete: „Ich gebe zu, das ist eine erhebliche Belastung meiner persönlichen Glaubwürdigkeit.“ Und schlechte Umfrageergebnisse sehe er als Ansporn. Gleichwohl wächst nach dem Kabinettsbeschluss über den Bundeshaushalt 2027 in den Reihen der Union der Unmut über neue Schulden und die folgende Zinsbelastung. Finanzminister und Kanzler werden über die Sommerferien einiges aushalten müssen. Noch schwächere Umfrageergebnisse für die SPD nach dem jüngsten ZDF-Politbarometer und die neue Glaubwürdigkeitslücke, die der CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn zum Thema Leihmutterschaft unerwartet aufgerissen hat, sorgen für wachsende Unruhe in den jeweils eigenen Reihen. Apropos Sommerpause: Wie auch andere Medienformate lassen wir es mit diesem wöchentlichen Newsletter bis Anfang September etwas langsamer angehen. Sie erhalten ihn vorübergehend jeden zweiten Samstag – also am 1., 15. und 29. August und ab September wieder wie gewohnt. In unserem Blog erscheinen unsere journalistischen Beiträge weiter wie gewohnt zu den ebenso gewohnten Themen unter www.blog-natur-und-mensch.de: in Bezug zum ländlichen Raum, zu Natur und Jagd, auch mit ihren politischen und gesellschaftlichen Aspekten. In die Meldungen und Berichte über die Finanz- und Wirtschaftspolitik mischen sich besorgte Stimmen aus dem Lande. Während Bundeskanzler Merz in seiner Sommerpressekonferenz das unveränderte Ziel der Rückkehr Deutschlands zu einer „wettbewerbsfähigen Wirtschaft“ betont, warnen andere. Aus dem Mittelstand kommt die Meldung, dass dort die Investitionsbereitschaft der Unternehmen auf den tiefsten Stand seit über 30 Jahren gesunken ist. Als Hauptgründe nennt der Genossenschaftsverbund der DZ und der Raiffeisenbanken unter anderem eine schwache Nachfrage und steigende Kosten. Und immer wieder ist zu hören, dass die Belastungen durch bürokratische Auflagen eine Wiederbelebung bremsen. Genau dieses Thema hat die Koalition ebenfalls in dieser Woche angefasst. So hat die „Anti-Bürokratie-Ministerrunde“ eine Streichliste vorgelegt, von der sich der Kanzler und sein Digitalminister viel versprechen. Sie enthält unter anderem weniger Melde- und Dokumentationspflichten – übrigens auch für Landwirte, Tierärzte und Tierhalter. Bei Infrastrukturprojekten soll es weniger Einzelprüfungen geben, auch wenn es um die Umweltverträglichkeit geht. Ein Reizwort der Woche bleibt das Thema Minijobs. Sie sind derzeit (noch) steuerlich und in der Sozialversicherungspflicht niedrig pauschaliert. Das betrifft fast acht Millionen gering Beschäftigte und deren Arbeitgeber. Und nicht nur den Dienstleistungsbereich mit Einzelhandel und Gastgewerbe, sondern auch überall diejenigen, wo es um Erntehilfe geht. Der Deutsche Bauernverband (DBV) wendet sich deshalb gegen die Abschaffung beitragsfreier Minijobs im Zuge einer Rentenreform. DBV-Präsident Rukwied warnt gegenüber der Rheinischen Post vor Einschränkungen bei geringfügiger Beschäftigung: „Das wäre ein harter Schlag und würde bei vielen Betrieben die Existenzkrise verschärfen.“ Schicksal des berühmten Buckelwals lässt uns nicht los Kommen wir noch einmal auf ein anderes Thema zurück. Viele von uns erinnern sich an das Aufsehen um den verendeten Buckelwal mit dem Kosenamen Timmy. Das Leiden dieses einzelnen Exemplars unter den geschätzt über 100.000 Artgenossen, die in den Weltmeeren leben, wurde zum Boulevardthema Nummer eins. Die Dänen sehen das etwas anders. Uns erreichten die Geschichten teilweise im Live-Stream über das schließlich vor der dänischen Insel Anholt verendete Tier in allen nur denkbaren Details. In einer von der Bild angetriebenen Medienlandschaft landete das Szenario bei uns nahezu allen. Und nun auch auf der Bühne. So inszeniert jetzt das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater die Wal-Rettungsversuche als moderne Passionsgeschichte. „Das ist geschmacklos“, findet unser Autor Christian Urlage. In unserem Blog geht er in der nächsten Woche auf diese satirische Übertragung des Kreuzigungstodes in ein Theaterstück kritisch ein. Zum Spendenformular Hinter der ganzen Thematik über den Umgang mit diesem medienträchtigen Schicksal steht gerade in urban geprägten Gesellschaften die oft spaltend gestellte Frage: „Verletzte Wildtiere retten oder in Ruhe lassen“. Bemerkenswerte Antworten sind mir in einem Zeitungsinterview aufgefallen und kommen aus dem eher dörflichen Bereich und dem Ort Klein Offenseth – Sparringshoop. Dieser Ortsname ist mir in Schleswig-Holstein bisher noch nicht ins Bewusstsein gekommen, obwohl ich das Land zwischen den Meeren gut kenne. Ich habe dort lange gewohnt und journalistisch gearbeitet. Meine Ortskenntnis hat sich kürzlich durch einen bemerkenswerten Text erweitert, auf den ich beim Blättern in einer Zeitung der Verlagsgruppe SHZ gestoßen bin. Katharina Erdmann wird zitiert, die mit ihrem Mann dort bei Elmshorn ein Wildtier- und Artenschutzzentrum unterhält und sehr genau unterscheidet, wann man Wildtiere retten soll und wann nicht. Auf eine entsprechende Frage antwortete sie: „Wir hören immer mal wieder Skepsis heraus: Warum macht ihr das überhaupt? Das ist doch Natur. Das stimmt auch manchmal. Letztens rief ein Mann an, der uns einen kleinen Feldhasen bringen wollte, den er zuvor einem Bussard entrissen hatte. Da habe ich gesagt: Moment mal. Der Hase ist schwer verletzt und wird es wohl nicht schaffen. Und dem Bussard wurde das Butterbrot weggenommen, und er hat wahrscheinlich auch gerade Jungtiere. Es ist nun mal Natur, dass Tiere andere Tiere fressen. Was maßen wir uns an, einzugreifen, nur weil wir es nicht ertragen können.“ Sie unterscheidet offensichtlich bewusst, wann sie helfen sollte oder wann nicht. Ihre Bemerkung dazu: „Wenn Menschen selbst noch nie mit einem Wildtier in Not konfrontiert waren, fragen sie eher, warum man eine Wildtierstation überhaupt braucht. Aber wenn sie ein verletztes Tier erleben, wird großes Emotionspotenzial frei.“ Beim Lesen ihrer Motivation verstehe ich den geschilderten Unterschied zwischen natürlichen oder zivilisatorischen, also menschengemachten Gründen zur Aufnahme verletzter Wildtiere. So ordnet sie auch die Behandlung des vor Poel zunächst gestrandeten und dann verendeten Buckelwals anders ein als viele: „Und dann sollten wir Menschen schon in irgendeiner Form handeln. Im Zweifel kann das auch bedeuten, das Tier einzuschläfern. Man muss aber sagen, dass das bei so einem großen Tier alles andere als schön aussieht. Das macht auch was mit den Verantwortlichen, die sich davor scheuen, so eine harte Entscheidung zu fällen, weil es dann mit Sicherheit einen Shitstorm auf Social Media gäbe. Da muss man sich als Gesellschaft fragen: Warum sind wir nicht bereit, so unschöne Bilder auszuhalten? Oft wird hier mit zweierlei Maß gemessen.“ Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Das Thema Natur treibt viele Verbände, Vereine oder Stiftungen an Bleiben wir beim Umgang mit unserer Natur. Ihr widmen sich mit teilweise unterschiedlichen Sichtweisen Verbände, Vereine, Stiftungen mit ihren unterschiedlichen Strukturen – ehrenamtlich oder professionell. Die „Stiftung natur+mensch“ gehört dazu. Sie beteiligt sich neben ihrer ehrenamtlichen Organisation und naturpädagogischen Arbeit hinaus über den Blog und diesen Newsletter mit professionellen journalistischen Beiträgen an den Debatten über politische, gesellschaftliche und fachliche Themen. Sie liegen im Spannungsbogen zwischen ländlichen Strukturen mit der Naturentwicklung und -nutzung sowie Zusammenhängen von Jagd, Landwirtschaft und Forst, Wohnen und Wirtschaft im ländlichen Raum. Dort leben je nach verwendeter Definition 57 Prozent der Bevölkerung. Diese Gebiete umfassen etwa 91 Prozent der Gesamtfläche des Bundesgebietes. Wenn man ins politische Berlin schaut, kommen die entsprechenden Befindlichkeiten für mich dort irgendwie zu kurz. Nahezu alles, was Natur, die Umwelt und ihre Nutzung betrifft, wird gesetzlich und behördlich geregelt. Wenn es also darum geht, gehört Lobby-Arbeit wie in allen politischen Feldern überall dazu. Dazu passt ein Beitrag, den unser Autor Christoph Boll nächste Woche in unserem Blog in diese Zeit und Zusammenhänge setzt: Zur Jahresmitte sind die Landesjägertage und der Bundesjägertag gelaufen und soweit anstehend auch die nötigen Wahlen des jagdlichen Spitzenpersonals. Das ist ausnahmslos in ehrenamtlichen Präsidien tätig. Im Gegensatz dazu steht die Organisationsstruktur vieler anderer Umwelt- und Naturschutzverbände mit hauptamtlichen Präsidenten/Vorständen. Da stellt sich angesichts immer schärferer gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen um das Waidwerk die Frage nach der zukunftsfähigen Struktur der jagdlichen Interessenvertretung. Dazu macht sich unser Autor Gedanken und zieht Vergleiche zu anderen anerkannten Naturschutzverbänden. Überall wird das Wasser knapp Trockenheit ist in diesen Tagen überall ein Thema. Trockene Forsten mit Waldbrandgefahr, wasserarme Flüsse und sinkende Grundwasserspiegel zeigen bereits Wirkung. Behörden verfügen Verbote von Wasserentnahmen aus Flüssen und Bächen. Das trifft Landwirtschaft und Gartenbau besonders. Wer mal auf das Rasensprengen verzichtet, kann sicher sein, dass die Fläche wieder grün wird, wenn Feuchtigkeit zurückkehrt. Fauna und Flora leiden. Anhaltende Trockenheit und Hitze setzen gerade auch heimische Wildtiere stark unter Stress. Besonders Vögel, Igel und Insekten leiden unter dem Mangel an natürlichen Wasserstellen. Während große Säugetiere wie Rehe oder Wildschweine weite Strecken zurücklegen können, sind Kleintiere dringend auf flache Wasserschalen im Garten angewiesen. Das alles gehört im weiteren Sinne zum „Lernort Natur“. So heißt die große Verbandsinitiative der Jäger. Zu deren 35-jährigem Jubiläum hat der Landesjagdverband NRW eine Projektwoche in allen Teilen des Landes mit Rollenden Waldschulen, Besuchen von Einrichtungen aller Art (vom Kindergarten bis zum Seniorenheim), Exkursionen, lokalen Projekttagen hinter sich. Dazu gratulieren wir herzlich als „Stiftung natur+mensch“ und als lokal sowie ergänzend wirkende Partner mit unserem naturpädagogischen Waldrucksack. Mit Förderern bieten wir ihn zusätzlich Grundschulen und Kindergärten an. So wurden jüngst mit dem Rotary Club in Hamm-Mark allein 17 Grundschulen in der Stadt damit ausgestattet. Es kann gar nicht genug Angebote geben, wenn es um die Vermittlung von Fakten und Zusammenhängen in der Natur geht. Hiermit verabschiede ich mich heute mit den besten Wünschen für erholsame Sommerferien (im Süden etwas später), in denen wohl viele unserer Leserinnen und Leser die Natur anderswo als gewohnt erleben. Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Jagd ist wirtschaftlicher Faktor

    Jagd und Schießsport sind enorme wirtschaftliche Motoren in Europa. Der gesamte Bereich trägt jährlich rund 180 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaftskraft bei und sichert nach einer Studie europaweit mehr als 1,1 Millionen Arbeitsplätze Foto: wave111 Die sozioökonomische Analyse „The Firearms and Ammunition Sector for Sporting, Hunting, and Civilian Use in Europe“ (Der Feuerwaffen- und Munitionssektor für Sport, Jagd und zivile Nutzung in Europa) der italienischen Universität Urbino „Carlo Bo“ hat ermittelt, dass die Branche rund 0,99 Prozent zum gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt. Die Werte beziehen sich primär auf die Bereiche Waffen, Munition und direkt verwandte Sektoren in 30 Ländern, darunter alle EU-Staaten sowie Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Die Ergebnisse erfassen den eigentlichen Produktionsbereich einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen, Lieferketten und induzierten Effekte. Der Kernbereich der europäischen Feuerwaffen- und Munitionsindustrie für zivile und sportliche Zwecke erwirtschaftet jährlich mit rund 80.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von etwa zwölf Milliarden Euro. Dabei sind auch die Komponentenindustrie und die mit Feuerwaffen zusammenhängenden Sektoren berücksichtigt. Gezeigt hat sich auch, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen nach wie vor eine treibende Kraft im Bereich der zivilen Feuerwaffen sind. Die Universität Urbino „Carlo Bo“ beschäftigt sich seit Jahren mit dem zivilen Schusswaffensektor. Dabei geht es darum, die Herstellung von Schusswaffen und Munition für den Sport-, Jagd- und persönlichen Verteidigungsgebrauch unter dem Gesichtspunkt des Produktions- und Vertriebssystems zu untersuchen. Auf diese Weise lassen sich sein wirtschaftlicher Wert in Form von Umsatz und Mehrwert messen und die positiven Auswirkungen auf das gesamte System abschätzen. Prof. Fabio Musso, Leiter der im vergangenen Herbst vorgestellten Studie und einer der fünf Autoren, erläuterte die Zielsetzung und kommentierte die Ergebnisse der aktuellen Analyse: „Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit einer ähnlichen Studie, die zuvor in Italien durchgeführt wurde, haben wir uns entschlossen, ein größeres Projekt durchzuführen, um die sozioökonomischen Auswirkungen der Sektoren Feuerwaffen, zivile Munition und verwandte Bereiche auf europäischer Ebene zu analysieren. Das Ergebnis ist eine einzigartige Studie, die eine eingehende Bewertung des gesamten Sektors und seines Wertes in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung liefert.“ Bahnbrechende Forschungsergebnisse Die Arbeit zeigt, dass der Sektor nicht nur eine in Europa verwurzelte kulturelle und sportliche Tradition hat. Thierry Jacobs, Präsident des Verbandes der europäischen Hersteller von Sportmunition (Association des Fabricant Européen de Munitions de Sport / AFEMS), sprach von einer bahnbrechenden Forschung, deren Ergebnisse „die europäischen Institutionen anerkennen und berücksichtigen sollten“. Und Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und Vizepräsident des europäischen Jagd-Dachverbandes FACE, betonte den Nachweis des hohen sozioökonomischen Beitrags, „den sieben Millionen Jägerinnen und Jäger in ganz Europa jährlich erbringen“. Klar ist: Die Jagd ist ein boomendes Geschäft und geht weit über die ermittelte Wirtschaftskraft von 180 Milliarden Euro hinaus, denn sie bezieht sich ausschließlich auf den Verkauf von Waffen und Munition. Darüber hinaus geben die Waidgenossen in Europa gemeinsam mit den Sportschützen 96,3 Milliarden Euro für ihre Leidenschaft aus. Das sichert weitere Arbeitsplätze, nämlich gut 85.000 in der Produktion und etwa 490.000 im Bereich der Dienstleistungen. Viele Leistungen nicht bezifferbar Die etwa sieben Millionen Jäger in Europa leisten also einen nennenswerten Beitrag zur Wirtschaftskraft und dies nicht nur im ländlichen Raum, wo das Waidwerk sich im engeren Sinne naturgemäß ereignet. Geld fließt für Ausrüstung von der Bekleidung bis zur Optik, Hundehaltung, Steuern, Pachten, Trophäenpräparation und Wildbret, Wildschadenersatz, jagdlich inspiriertes Kunstgewerbe und im Jagdtourismus bis hin zum Beherbergungsgewerbe. Hinzu kommen kaum bezifferbare Beträge und die fast immer unberücksichtigten monetären Aspekte, die etwa dadurch entstehen, dass die Jagd zum klimaresilienten Umbau der Wälder beiträgt, Jäger an der Erhaltung von Arten ebenso mitwirken wie an der Wiederherstellung von Lebensräumen und an der Biotopgestaltung. Zudem leistet die Jagd durch die Regulierung von Wildbeständen unverzichtbare volkswirtschaftliche Dienste, indem sie massive Schäden in der Forst- und Landwirtschaft verhindert.

  • Zuckerindustrie erlebt saure Zeiten

    Der Finanzminister will Süßes und Alkohol höher besteuern. Hilft der Gesundheit – und vor allem seinem Etat Foto: Mondgesicht Die Steuerpläne der Bundesregierung und die im Vorfeld der Haushaltsberatungen geplanten Kürzungen treffen viele Branchen – auch natürlich den Etat des Landwirtschaftsministeriums. Besonders die Zuckerindustrie, die Lebensmittelwirtschaft und die Rübenbauern dürften Einbußen hinnehmen müssen. Auch die ohnehin arg gebeutelten Winzer erwarten neue Belastungen. Ein Überblick: Die Zuckersteuer: Die Koalition hat die Einführung einer Herstellerabgabe beschlossen. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause stimmten die Regierungsfraktionen geschlossen für den von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ausgearbeiteten Entwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die Mehreinnahmen durch die Abgabe auf zuckergesüßte Getränke (geschätzt 450 Millionen Euro jährlich) sollen einen finanziellen Beitrag zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen leisten, heißt es in Berlin. Zudem sollen sie insbesondere die Prävention im Bereich der Diabetes-Erkrankungen und ihrer Folgen stärken. Eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke ist bereits in mehr als 100 Ländern weltweit etabliert. So weit, so gut. Die Zuckerindustrie: Gegen die Abgabe oder Steuer wandten sich zuletzt mehr als 300 Unternehmen der deutschen Getränkewirtschaft. In einem offenen Brief appellierten sie an die Politik, auf zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Verbraucher zu verzichten. „Es ist von einem Verlust der Bruttowertschöpfung in der Größenordnung von rund 200 bis 250 Millionen Euro pro Jahr auszugehen. All dies, ohne die eigentlichen Ursachen von Übergewicht wirksam zu bekämpfen. Nachhaltiger wären Maßnahmen, die Ernährungskompetenz stärken und einen gesunden Lebensstil fördern, anstatt neue steuerliche Belastungen zu schaffen“, heißt es in dem Schreiben, welches unserer Redaktion vorliegt. Das vorgeschlagene Konzept koste Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft hier bei uns in ländlichen Regionen – in Zuckerfabriken, der Landwirtschaft und entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wirft Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, der Koalition vor. Für die Zuckerwirtschaft sprechen seiner Meinung nach drei wichtige Argumente gegen die Zuckersteuer: „Sie vernichtet Arbeitsplätze. Die Steuer wird für uns wirtschaftliche Konsequenzen haben. Denn sie bewirkt, dass künstliche Süßstoffe unseren heimischen Rübenzucker ersetzen. Die Nachfrage geht zurück. In der schwersten Krise der Zuckerwirtschaft seit Jahrzehnten werden tarifgebundene Arbeitsplätze und durch harte Arbeit erzielte Wertschöpfung wegfallen.“ Besonders groß sind die Befürchtungen bei den Zuckerrübenbauern in Bayern und am Niederrhein. In diesen Regionen sind diese Landwirte und die weiterverarbeitende Zuckerindustrie traditionell am stärksten vertreten. Die Verbände: Für die Bürger würde die Steuer höhere Ausgaben bedeuten, insbesondere für Haushalte mit niedrigem Einkommen. „Der Anstieg im Preisniveau dürfte voraussichtlich zu weiteren staatlichen Interventionen führen, zum Beispiel bei der Berechnung zu erhöhender sozialer Transfergelder“, heißt es weiter in dem offenen Brief. Die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sind laut tagesschau.de zudem der Meinung, dass eine Zuckersteuer das Problem der Fehlernährung und des Übergewichts nicht allein lösen könne. Befürworter argumentieren, mit einer Steuer Behandlungskosten im Gesundheitswesen für Diabetes oder Karies zu reduzieren. Schaumweinsteuer soll steigen Noch härtere Zeiten dürften auch auf die ohnehin geplagten Weinbauern und Winzer zukommen. Grund ist die geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer um 20 Prozent. „Die deutsche Weinwirtschaft befindet sich in einer der schwersten wirtschaftlichen Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Sinkende Absatzmengen, ein rückläufiger Weinkonsum, steigende Produktions-, Energie- und Lohnkosten sowie erhebliche Unsicherheiten auf den internationalen Märkten setzen Winzerbetriebe, Genossenschaften, Kellereien und den Weinfachhandel gleichermaßen unter Druck. Zahlreiche Betriebe kämpfen inzwischen um ihre wirtschaftliche Existenz. Vor diesem Hintergrund sendet die geplante Steuererhöhung das völlig falsche Signal“, schreibt der Deutsche Weinbauverband in einem Papier. Zusätzliche steuerliche Belastungen entzögen den Unternehmen genau jene finanziellen Spielräume, die sie für Innovationen, Investitionen und die Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit dringend benötigen. Die Weinwirtschaft ist Teil der Landwirtschaft und sichert Wertschöpfung und Beschäftigung weit über die eigentliche Weinproduktion hinaus. Von Rebschulen, Maschinenbau, Pflanzenschutz und Kellerwirtschaft über Verpackungsindustrie, Logistik, Gastronomie und Fachhandel bis hin zum Weintourismus profitieren zahlreiche Wirtschaftszweige von einer leistungsfähigen Weinwirtschaft. Die neuerliche steuerliche Belastung gefährde genau das – eine leistungsfähige Weinwirtschaft, die gerade vielen ländlichen Regionen in Deutschland ein ganz besonderes Erscheinungsbild gibt.

  • Zusammenhalt braucht Haltung – in Berlin, auf dem Land und im Revier

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! Hinter uns liegt eine Woche, in der die Suche nach mehr Gemeinsamkeiten und gesellschaftlichem Zusammenhalt im Mittelpunkt stand. Dies gilt für den Bundesjägertag am letzten Wochenende im thüringischen Suhl mit bemerkenswerten Positionen zum ethischen Verhalten unserer Jägerinnen und Jäger, wenn es in die Kommunikation mit Mitmenschen und in die Reviere geht. Ebenso gilt das mit Blick auf die Politik in Berlin, wo Merz und Klingbeil – mal flapsig gesagt – ihren Laden zusammenhalten müssen, um Deutschland politisch wie wirtschaftlich zu stabilisieren und nach vorn zu bringen. Der Finanzminister hat seinen Haushalt durchs Kabinett gebracht und muss sehen, dass in den Folgediskussionen aus den Finanzlücken nicht noch weitere Glaubwürdigkeitslücken wachsen. Außerdem haben wir diese Woche gelernt, dass sich die AfD in ihrer selbst zugeordneten Rolle als Volkspartei in der Wählerschaft immer selbstbewusster verfestigt, obwohl insbesondere die Vorsitzende trotz aller rhetorischen Verrenkungen eins nicht verbergen kann: Personen und Positionen in ihrem Umfeld sind nicht nur extrem, sondern extremistisch. Das lenkt automatisch wieder einmal den Blick auf Erwartungen oder auch Befürchtungen zu den bevorstehenden Landtagswahlen. 1.650 Seiten umfasst der Entwurf des Bundeshaushaltes 2027 – von mehr als 15 cm Höhe, wenn man die Seiten aufeinanderstapelt. Diesbezüglich und mit den Zahlen aus dem Inhalt hat der Bundesfinanzminister jedenfalls erst einmal damit für Wachstum gesorgt. Klingbeil plant für 2027 mit 555,4 Milliarden an Ausgaben. Immerhin sind das fast sechs Prozent mehr, als der Bund in diesem Jahr im sogenannten Kernhaushalt ausgeben will. Hinzu kommen noch die zwei „Schattenhaushalte“ mit den Etiketten „Sondervermögen“ für die Bundeswehr (rund 30 Milliarden) und „Infrastruktur und Klimaneutralität“ (fast 55 Milliarden Euro) für Investitionen in Straßen, Brücken, Schienen und Digitalisierung. Die Opposition hat sich aufgabengemäß sofort mit ihren gewohnt unterschiedlichen kritischen Ansätzen für die kommenden Haushaltsberatungen bereits wortgewaltig in Stellung gebracht. Aus der grünen Ecke heißt es, Klingbeil plündere für seinen Haushalt den Klimafonds. Die Linke beißt sich an den kreditfinanzierten Militärausgaben fest und die AfD will mit ihrer Einstellung zum Ukraine-Krieg dieses Zitat des Finanzministers überhaupt nicht verstehen: Man könne sich gegenüber Wladimir Putin nicht mit der schwarzen Null verteidigen. Die andere Seite der Haushaltspolitik wird innerhalb der Koalition bei der Union noch ein Thema bleiben. Das ist die Verschuldung. So musste der Bundeskanzler diesbezüglich Kröten schlucken, als er am Montag beim Haushaltsbeschluss auch für die geplante Nettokreditaufnahme von rund 119 Milliarden Euro die Hand gehoben hat. Zusammen mit den schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr summieren sich die neuen Schulden für das kommende Jahr auf 203,7 Milliarden Euro. Gleichwohl bleiben die Spitzen der Koalition in Berlin dabei, seit ihren Reformbeschlüssen das innere Versprechen zur Disziplin der Geschlossenheit einzulösen. Mit Blick auf die Diskussionsfreudigkeit in Parteien und Fraktionen während der Sommerpause und auf die anstehenden Landtagswahlen wird das wohl noch anstrengend werden. Einen Vorgeschmack lieferte bereits die Ministerpräsidentin und Wahlkämpferin zum 20. September in Mecklenburg-Vorpommern, als der Sturm um das Reizthema Krankschreibung losbrach. Innerhalb der SPD und in Gewerkschaftskreisen regen sich bereits weitere massive interne Widerstände gegen die jüngsten Reform- und Haushaltspläne. Hauptkritikpunkte sind die Kürzungen im sozialen Bereich, Verschärfungen bei den Krankschreibungen, das Aufweichen der Klimafinanzierung sowie die starke Anpassung an die Unionspolitik. Dasselbe ist umgekehrt zum Thema Verschuldung aus der Wirtschaft und mit entsprechenden Vernetzungen in die Reihen von CDU und CSU hinein zu erwarten. Ein ernstes Problem sind nun einmal die jährlichen Zinsausgaben. Sie steigen von 41,9 Milliarden auf fast 81 Milliarden Euro im Jahr 2030. Der Blick in Einzeletats löst auch Enttäuschungen aus Bei diesen großen Zahlen erscheint das, was der Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung planen kann, geradezu geringfügig. Der Agraretat 2027 beläuft sich laut Kabinettsbeschluss auf 6,973 Milliarden Euro. Das ist eine Kürzung um 0,3 Prozent. Bei der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur (GAK) sowie in der Ökolandbau- und Waldförderung sind spürbare Einschnitte geplant. So erwartet der Deutsche Bauernverband vom Bundestag im Etatverfahren „deutliche Nachbesserungen“. Bauernpräsident Rukwied mahnt: „Wer die Zukunft der Landwirtschaft stärken, Innovationen fördern und die ländlichen Räume resilienter machen will, braucht verlässliche mehrjährige Finanzierungszusagen. Auf Grundlage dieses Haushaltsentwurfs ist das kaum möglich.“ Das trifft natürlich auch die Entwicklungsfähigkeit der ländlichen Räume mit ihren ungleich verteilten Stärken und im Einzug von Wirtschaftsschwerpunkten und Rand-Regionen mit dünner Besiedlung und Abwanderung. Zum Spendenformular In der nächsten Woche kommen wir in einem Blog-Beitrag auf die indirekten Auswirkungen der Steuerbeschlüsse mit Blick auf die Gesundheit und den Haushalt zurück. Unser Autor Frank Polke beleuchtet dann auch diesen Aspekt: Harte Zeiten könnten auf die Zuckerrüben-Bauern zukommen. Der Bayerische Bauernverband hat sich bereits dazu warnend gemeldet. Die jetzt im Bundestag beschlossene Zuckersteuer dürfte zu einem Absatzeinbruch gerade bei der Herstellung von Limonaden und Süßigkeiten führen – und damit die Zuckerhersteller massiv treffen. Von denen sitzen viele in Bayern. Pikant: Der amtierende Landwirtschaftsminister heißt Alois Rainer – und stammt aus Bayern. Sichtbare Positionen bei ethischen Grundsätzen Unter die Überschrift „Ethik, Einheit und politische Rückendeckung“ haben wir Anfang der Woche eine nachrichtliche Zusammenfassung über den Bundesjägertag in unseren Blog gesetzt. Hier in meiner Wochenkolumne noch ein besonderer Hinweis auf das zentrale Anliegen, mit klar sichtbaren Positionen und ethischen Grundsätzen für noch mehr gesellschaftliche Akzeptanz unserer Jagd zu sorgen. Viele Jäger und Jägerinnen treibt es um, wenn sie etwa im privaten oder beruflichen Umfeld mitunter auf Verschlossenheit und Unverständnis treffen, wenn ihre Passion zur Sprache kommt. Und wenn es darum geht, den „vernünftigen Grund“ für das Töten innerhalb des Tierschutzrechts und damit auch die Tiernutzung zu erklären. Dr. Florian Asche (Vorsitzender des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern) hat sich innerhalb der organisierten Jägerschaft dieses Themas mit seiner ausgewiesenen Expertise als Rechtsanwalt und Publizist von Fachveröffentlichungen angenommen. Mit diesem Hintergrund hat er die intensive Diskussion zu diesem Themenkreis auf dem Bundesjägertag vorbereitet und geleitet. Im Vorfeld hat er das Spannungsfeld, wie Recht, Ethik und gesellschaftliche Erwartungen kollidieren, formuliert und die Frage angefügt, welche Herausforderungen für die Jägerschaft daraus folgen. Antworten müssten Aussagen zur Legitimität der Jagd, zur Leistungsfähigkeit, zur Aus- und Weiterbildung und zum Verhältnis zur Technik beinhalten. Nach diesem dazu entwickelten Grundsatzpapier ordnen sich die Jägerinnen und Jäger als Teil einer pluralistischen Gesellschaft ein. Sie müssen ihr Handeln nachvollziehbar begründen. Tiergerechte Jagd orientiere sich am Grundsatz, Wildtiere so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein zu erlegen. Sie diene nicht zuletzt auch dem Wohl der Wildtiere, indem sie Bestände gesund hält, Krankheiten vorbeugt und Tierleid mindert. Sie ist damit gelebter Tierschutz im Rahmen verantwortungsvoller Nutzung natürlicher Ressourcen. Zum Thema Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit heißt es weiter in dem Grundsatzpapier: „Jede Form von Kommunikation – ob im persönlichen Gespräch, in sozialen Medien oder in der Öffentlichkeit – prägt die gesellschaftliche Wahrnehmung und Akzeptanz der Jagd. Jägerinnen und Jäger tragen daher Verantwortung für ihre Außenwirkung.“ Das gilt es noch mehr ins Land zu tragen. In unseren Publikumsmedien habe ich mal wieder viel zu wenig davon gelesen, gehört und gesehen. Einige Zeitungen haben das darauf reduziert, wie viel Nutria Jäger erlegt haben. Wir werden in unserem Blog natur+mensch weiter ausführlich auf diese Thematik eingehen. Jagd ist ein Milliardenmotor für Europas Wirtschaft Jagd und Schießsport sind enorme wirtschaftliche Motoren in Europa. Der gesamte Bereich trägt jährlich rund 180 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaftskraft bei und sichert europaweit mehr als 1,1 Millionen Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie der Universität Urbino. Sie hat ermittelt, dass die Branche rund 0,99 Prozent zum gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt. Die Werte beziehen sich primär auf die Bereiche Waffen, Munition und direkt verwandte Sektoren in 30 Ländern, darunter alle EU-Staaten sowie Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Nicht berücksichtigt sind in der Studie, die unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche in einem Blog-Beitrag vorstellen wird, viele angrenzende Bereiche, in denen die Waidgenossen in Europa gemeinsam mit den Sportschützen weitere 96,3 Milliarden Euro für ihre Leidenschaft ausgeben. Das sichert weitere Arbeitsplätze, nämlich gut 85.000 in der Produktion und etwa 490.000 im Bereich der Dienstleistungen. Überhaupt nicht beziffern lässt sich der monetäre Wert des jagdlichen Beitrags am klimaresilienten Umbau der Wälder, der Erhaltung von Arten und der Wiederherstellung von Lebensräumen. Immer mehr Digitales und KI in der Natur Vor einem Monat haben wir über ein Projekt berichtet, in dem es um eine neue Form der Wildtierforschung ging: „Wie Kameras für die Jagd mit KI denken lernen“. Es ging darum, wie die Jagd zum Vorreiter für innovative Wildtierforschung werden kann, und um das Projekt „Rotwild-ID“ in Schleswig-Holstein. Durch Auswertung tausender Wildkamera-Bilder werden mit einem System der Gesichtserkennung Wanderwege des Rotwildes ohne Markierung oder Besenderung dokumentiert und ausgewertet. So kann zum Beispiel erfasst werden, wie viele Rothirsche im Lande unterwegs sind, wohin sie wandern und wohin sie immer wieder zurückkehren. Vergleichbares kommt immer mehr auch in der Forstwirtschaft zum Einsatz. Ebenfalls in Schleswig-Holstein befasst sich das Landesamt für Vermessung und Geoinformation mit dem Einsatz digitaler Techniken, um eine „belastbare Vitalitätsanalyse des Waldes“ zu erstellen. Danach könne das System bei der Auswertung aus verschiedenen Datenquellen Zeitreihen erstellen, wie sich der Gesundheitszustand des Waldes verändert. Künstliche Intelligenz greift hier auf Millionen Bild- oder Messpunkte zu, die aus Satellitendaten, Drohnenaufnahmen, Sensordaten, Wettermodellen und digitalen Forstkarten stammen. Ähnliche Systeme kommen inzwischen auch zur Abschätzung von Waldbrandrisiken zum Einsatz. Übrigens ein gerade in dieser Woche akut gewordenes Thema. So verändert und erweitert sich ständig der Blick auf Natur und ökologische Zusammenhänge. Mit diesen Bemerkungen zur Woche verabschiede ich mich diesmal ins Wochenende mit besten Wünschen Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Bei Zecken gilt Vorsicht und Vorsorge

    Das extrem heiße Wetter der vergangenen Tage hat auch Vorteile. Einer ist, dass Zecken bei Hitze deutlich weniger aktiv sind. Grundsätzlich sind Vorsicht und Vorsorge im Umgang mit den Spinnentieren geboten. Sie übertragen etliche Krankheiten Vollgesogene Zecke im Hundefell (Foto: losch/Wikipedia) Angesichts der vielen von ihr übertragbaren Krankheiten kann man die Zecke als das gefährlichste Tier Deutschlands bezeichnen. Das zumindest legen die Beiträge beim süddeutschen Zeckenkongress 2026 nahe. Mehr als 60 Wissenschaftler kamen dazu an der Universität Hohenheim zusammen, um über neueste Forschungen über Zecken und die von ihnen übertragenen Krankheiten zu sprechen. Die bekanntesten sind sicher die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Dazu gehören aber auch Tularämie, die sogenannte Hasenpest, und Babesiose, oft Hundemalaria genannt, die für Hunde lebensgefährlich werden kann. An freilebenden Caniden (Hundeartigen) haben Wissenschaftler bis zu mehreren hundert Zecken gefunden. Seinen Vierbeiner schützen kann man mit chemischen Mitteln, die in Form von Spot-on-Tropfen, Injektionen oder Kautabletten verabreicht werden. Außerdem gibt es entsprechend präparierte Halsbänder. Wer nur auf „biologische“ Mittel wie Kokosöl oder Bierhefe setze, riskiere im schlimmsten Fall das Leben seines Vierbeiners, hieß es während des Kongresses. Außerdem gehört er vielleicht zu jenen, deren Hunde ohne wirksame Prophylaxe in den vergangenen Jahren vermehrt die Braune Hundezecke aus wärmeren Ländern nach Deutschland eingeschleppt haben. FSME-Infektionsrisiken sind drastisch gestiegen Für Menschen besonders gefährlich ist die Virusinfektion FSME. Sie wird oft innerhalb einer Stunde nach den Zeckenstich übertragen. Die Folge sind grippeähnliche Beschwerden und in schweren Fällen gefährliche Entzündungen von Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark. Erkrankten ist nur mit einer lindernden Behandlung zu helfen, zum Beispiel mit fiebersenkenden Mitteln. Antibiotika helfen bei FSME nicht, da es sich um Viren und nicht um Bakterien handelt. Das Infektionsrisiko ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen und inzwischen regional bis zum 15-fachen höher als vor 40 Jahren. Da es keine ursächliche Behandlung gegen das Virus gibt, ist der beste Schutz die Impfung, zu der auch die Experten in Hohenheim dringend rieten. Für einen Langzeitschutz sind drei Impfdosen notwendig. Mit einer Express-Impfung kann kurzfristig innerhalb weniger Wochen ein Basisschutz aufgebaut werden. In Deutschland zählen besonders Regionen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Sachsen und Teilen von Rheinland-Pfalz und Brandenburg zu den 180 FSME-Risikogebieten. Das unabhängige, ehrenamtliche Expertengremium der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung allen Personen, die in Risikogebieten leben oder dorthin reisen und Kontakt zu Zecken haben könnten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) informiert mit einer tagesaktuellen Karte über alle Risikogebiete in Deutschland und Europa. Borreliose gilt als gut behandelbar Häufig wird FSME mit der in den meisten Bundesländern meldepflichtigen Borreliose verwechselt. Dabei handelt es sich allerdings um eine bakterielle Infektion. Sie ist erkennbar an der sogenannten Wanderröte, einem roten Kreis um die Einstichstelle, und Gelenkschmerzen. Eine Impfung dagegen gibt es bislang nicht. Die Krankheit gilt jedoch als gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Die Anzahl der Zecken mit Borrelien ist standortabhängig. In einem Forschungsbericht in Hohenheim war von einer Bandbreite zwischen knapp 22 Prozent und fast 50 Prozent die Rede. Tendenziell ist der Wert in Mitteldeutschland am höchsten und im Norden am niedrigsten. Die Zahl der menschlichen Erkrankungen ist durchaus hoch. Vor Pfingsten meldete das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) für das laufende Jahr bereits 14 FSME-Fälle sowie 515 Borreliose-Erkrankungen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es bayernweit 570 Borreliose- bzw. 21 FSME-Fälle gewesen. Bundesweite Zahlen hat das RKI, das für 2025 insgesamt 693 bestätigte FSME-Fälle registrierte. Diese Zahl folgt auf das Jahr 2024, in dem mit 686 Fällen der zweithöchste Wert seit Beginn der Datenerfassung gemeldet wurde. Borreliose ist deutlich weiter verbreitet. Jährlich wird die Krankheit in Deutschland schätzungsweise rund 300.000 Mal diagnostiziert. Im Jahr 2024 erfolgten laut Statistischem Bundesamt rund 4.830 Krankenhausbehandlungen aufgrund einer Borreliose. Beide Erkrankungen können tödlich verlaufen. 2024 starben in Deutschland 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstiches, davon 15 an Borreliose und neun an FSME. Gleichwohl liegt etwa die Impfquote in Bayern bei lediglich rund 23 Prozent. Erkrankungen können tödlich enden Relevant ist dieses Thema besonders für alle aktiven Natur- und Waldbesucher. Denn wer viel in Wäldern, auf Wiesen oder im eigenen Garten unterwegs ist, sammelt schnell einige der Blutsauger ein, die im hohen Gras oder Unterholz lauern. Auch Hunde- und Katzenbesitzer sollten ein besonderes Augenmerk haben. Denn die Vierbeiner streifen durch das Gebüsch und dienen als Wirte. Sie bringen die Parasiten dann mit ins Haus, wo sie auf den Menschen übergehen können. Besonders gefährdet sind neben Jägern auch alle Berufsgruppen, die ihrer Arbeit im Freien nachgehen, also etwa Forstarbeiter, Landwirte und Gärtner. Für sie gilt unabhängig von einer Impfung, dass der eigene Körper vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich abgesucht werden sollte. Denn sobald das Thermometer auf über sieben Grad Celsius steigt, erwachen Zecken aus ihrer Winterstarre. Bei mehr als 25 Grad Celsius sinkt ihre Aktivität in der Regel wieder, sodass sie in den Morgen- und Abendstunden besonders aktiv sind. Um nicht auszutrocknen, benötigen Zecken eine hohe Umgebungsfeuchtigkeit. Zu optimalem Zeckenwetter gehört deshalb eine hohe Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent, wie es sie beispielsweise nach Regenschauern gibt.

  • Ethik, Einheit und politische Rückendeckung

    Rund 400 Delegierte diskutierten beim Bundesjägertag in Thüringen zwei Tage lang Themen der Jagd. Sie positionierten sich damit gegenüber Gesellschaft und Politik für ihre weitere Zukunft im Rahmen des Deutschen Jagdverbandes Foto: Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de Dort, wo sich Dynastien von Büchsenmachern, Schäftern und Graveuren mit ihren Fertigkeiten in der Kunst der handwerklichen Waffenherstellung einen fast legendären Platz in der Geschichte einer Stadt erarbeitet haben, richtete die Jägerschaft jetzt ihren Blick demonstrativ nach vorn. So war am Wochenende Suhl Mittelpunkt der deutschen Jagdwelt – gleichsam geschichts- und zukunftsträchtig. Auf Einladung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und des Landesjagdverbandes Thüringen kamen rund 400 Delegierte und Gäste zusammen, um unter dem Motto „Kompetenz im Revier – Ethik im Handeln“ über jagdpolitische und ethische Fragen zu diskutieren. Und über Handlungsmuster zu entscheiden. So waren das zwei intensive Tage mit einem breiten Programm. Schwerpunkte bildeten eine zukunftsfähige Formulierung jagdethischer Standards, der weitere Umgang mit dem Wolf unter neuen politischen und rechtlich immer wieder angegriffenen Rahmenbedingungen sowie die angestrebte Überarbeitung des Waffenrechts mit klaren Unterscheidungszielen zwischen Legalität und wachsender Illegalität. Ethik als Fundament Zentrales Thema des ersten Tages war der Workshop „Zukunft der Jagd: Ethik als Fundament gesellschaftlicher Akzeptanz“. DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Florian Asche stimmte die über 200 Teilnehmer per Impulsvortrag auf das Thema ein. In der anschließenden Paneldiskussion erörterte er mit Medien- und Medienrechtsexperten Fragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Tiernutzung, zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Jagdpraxis und zur Jungjägerausbildung. Am zweiten Tag verabschiedeten die Delegierten ein Positionspapier zur Jagdethik. Dessen Kernaussage ist klar: Jagd ist untrennbar mit Verantwortung, Waidgerechtigkeit und Selbstbeschränkung verbunden. Moderne Technik könne die Jagd unterstützen, dürfe aber niemals die ethischen Grundsätze verletzen sowie das eigene Urteilsvermögen und die jagdliche Erfahrung ersetzen. DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke fasste das mit Blick auf die Praxis so zusammen: Haltung beim Erlegen und die Achtung vor dem Tier sollten von Generation zu Generation weitergetragen werden. Jagen sei kein Gefühl von Macht oder ein bloßes Vergnügen. Und das müsse in der Gesellschaft verstanden werden. Starke politische Rückendeckung Die öffentliche Kundgebung am ersten Tag zog hochrangige Gäste an. Bundeskanzler Friedrich Merz wandte sich per Videobotschaft an die Teilnehmer und betonte, dass die Bundesregierung ihr Wort gehalten habe, insbesondere mit der Regulierung und Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Sein auch für die Jagd zuständiger Minister für Landwirtschaft und Ernährung, Alois Rainer, Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, würdigten in ihren Reden das Engagement der Jägerinnen und Jäger für Natur- und Artenschutz, Tierseuchenbekämpfung und die Eindämmung invasiver Arten. Ministerpräsident Voigt sprach sich klar für ein kluges Wolfsmanagement aus, das auch die Interessen der Weidetierhalter schützt, und betonte: Ohne verantwortungsvolle Jagd würde auch der dringend nötige Waldumbau nicht funktionieren. Beim Thema Waffenrecht machte er deutlich, dass der legale Waffenbesitz in Deutschland Tradition sei und Waffenbesitzer um ihre Verantwortung wüssten. Das größere Problem seien illegale Waffen. Rekorde bei Nachwuchs und Strecke Zum Bundesjägertag veröffentlichte der DJV aktuelle Zahlen, die bemerkenswert sind: 18.423 Menschen bestanden im Jahr 2025 die staatliche Jägerprüfung, mehr als doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Der Frauenanteil liegt mittlerweile bei 29 Prozent. Auch bei der Bejagung invasiver Arten wurden Rekorde vermeldet: Im Jagdjahr 2024/25 erlegten Jägerinnen und Jäger über 130.000 Nutria. Eine Umfrage der Markt- und Meinungsforschung Civey belegt zudem, dass über drei Viertel der Deutschen die Jagd in heutiger Zeit für notwendig halten. Zeichen der Wiederannäherung aus Bayern Für viele unerwartet war der Auftritt von Hubert Stärker, dem neuen Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV). Der BJV ist seit 2009 kein Mitglied des DJV mehr, nachdem er 2009 in Ingolstadt nahezu einstimmig seinen Austritt beschlossen hatte. Stärkers Besuch in Suhl wurde als Signal wiederkehrenden Zusammenhalts gewertet. Der BJV-Präsident vertritt rund 52.000 Jäger und machte deutlich: Um Gewicht zu bekommen, müssten in der gesamten Jägerschaft Geschlossenheit und Glaubwürdigkeit herrschen, da relevante Entscheidungen in der Bundespolitik und der gesamten Gesellschaft getroffen werden. DJV-Präsident Dammann-Tamke erwiderte, er wolle den Bayern die Hand für eine Zusammenarbeit reichen, in welcher Form auch immer. Die Delegiertenversammlung forderte in einem Entschließungsantrag, die Jagd gemeinsam solidarisch und konstruktiv zu gestalten. Seit dem Bundesjägertag stehen die Zeichen damit auf noch mehr Geschlossenheit innerhalb der deutschen Jägerschaft.

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