top of page

598 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Özdemir setzt auf eine blassgrüne Koalition

    In Baden-Württemberg haben Grüne und CDU einen ambitionierten Koalitionsvertrag unterschrieben. Er enthält unter anderem Vereinbarungen zur Jagd und zum Wildtiermanagement Cem Özdemir (Foto: Dominik Butzmann) Papier ist geduldig. Nicht nur in der Politik. Aber besonders dann, wenn es um Koalitionsverträge geht. Baden-Württemberg hat jetzt ein solches Papier vorgelegt, 163 Seiten dick. Breit formuliert, mit viel gutem Willen und noch größerem Bemühen, beide Seiten gut aussehen zu lassen. Die beiden Seiten sind Grüne und CDU, seit zehn Jahren unter Winfried Kretschmann in einer zunehmend saturierten Koalition zusammengebunden. Bei der Landtagswahl am 9. März hatten sich die Grünen im Finish überraschend und aus vor wenigen Wochen zuvor noch aussichtslos erscheinendem Rückstand, wenn auch hauchdünn, an der CDU vorbeigeschoben. Das beschert dem Land Cem Özdemir, den letzten Ampel-Bundeslandwirtschaftsminister, als neuen Ministerpräsidenten. Winfried Kretschmann, mit 15 Amtsjahren längstamtierender Landesvater im Südwesten, wurde von Konservativen mehr als von seinen Grünen hochgelobt, hochgeachtet und hochbescheiden verabschiedet. Er ist nun Teil der Landesgeschichte. Özdemir, der Populäre, hat der CDU – wie im Wahlkampf auf Kosten seiner Partei-Linken angedeutet – blassgrüne Brücken gebaut, um den geschlagenen Kontrahenten Manuel Hagel als vertrauensvollen Partner zu gewinnen. Und das nach einem Wahlkampf mit gehässigen, wie wohl nicht unwahren Vorwürfen aus der Vergangenheit. Nun duzen sie sich. Weil die CDU gekränkt-verbissen verhandelte, sitzen nun neben fünf grünen Ministern sechs schwarze Ressortchefs am Kabinettstisch, mit Özdemir an der Spitze. Ex-Innenminister Thomas Strobl weicht als künftiger Landtagspräsident, um Hagel als Vize-MP auf dem Weg ins Innenministerium nicht im Weg zu stehen. Ambitionierter Koalitionsvertrag unter Finanzierungsvorbehalten Der Koalitionsvertrag ist durchaus ambitioniert. Danach steht eine radikale Verwaltungsreform auf der Agenda. Weitere Schwerpunkte: Digitalisierung bis hin zum bürokratischen Systembruch, vorrangige Förderung von Investitionen, die der Erholung der bedrohlich angeschlagenen Wirtschaft im ehemaligen Musterländle vorbehaltlos nutzen sollen. Und dann etwas in Richtung Arten- und Umweltschutz und vieles mehr, was in einen Koalitionsvertrag einfach hingehört – und doch schon, kaum formuliert, unter großen Finanzierungsvorbehalten steht. Ambitioniert, aber möglicherweise brotlos. Da hofft man, dass wenigstens die kleinen Dinge des politischen Alltags nicht im Sumpf von Absicht und Ansicht stecken bleiben. Wie beim Jagd- und Wildtiermanagement, das im Vertrag als integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Ökosystemansatzes bezeichnet wird. Aufgabe der Jagd sei die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten, artenreichen Wildbestandes, heißt es da. Und es wird tatsächlich ziemlich konkret. Es beinhaltet nämlich auch das zeitgemäße Management von Konfliktarten im Sinn des Populationsschutzes. Die Aufnahme von Biber und Saatkrähe ins Jagd- und Wildtiermanagementgesetz soll geprüft, zur Bekämpfung invasiver Arten eine Task Force Neozoenmanagement etabliert werden. Um Neozoen, die jagdlich gemanagt werden sollen, um etwa Nilgans und Waschbär dauerhaft zurückzudrängen. Dafür werden nach dem Vertrag entsprechende Mittel bereitgestellt. In der jagdlichen Aus- und Weiterbildung inklusive der staatlichen Prüfungsordnungen werden Wildbiologie, Waldökologie und damit Wald-Wild-Bewusstsein, Umgang mit moderner Technik, Treffsicherheit und Jagdethik stärker ins Zentrum gerückt. Auch beim Stadtjäger-Modell tut sich bezüglich der stärkeren Einbindung bei invasiven Arten etwas – etwa ein praxistaugliches Kormoran-Management auch in Schutzgebieten und am Bodensee. Die Biber-Verordnung wird evaluiert und soll eine praxisnahe Umsetzung ermöglichen. Und nicht zuletzt will Grün-Schwarz im engen Schulterschluss mit dem Waldbesitz für eine nachhaltige Vernetzung der Rotwildpopulationen in Baden-Württemberg sorgen. Sei noch erwähnt, dass die Landwirtschaft und das Forsten in einem CDU-geführten Ministerium verwaltet werden. Am 13. Mai wird Cem Özdemir zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Mag die stark im Landtag vertretene AfD auch mutmaßlich Manuel Hagel provokativ störend auf den Wahlzettel schreiben, um sich für die Weigerung von Grün-Schwarz, ihr einen Landtagsvizepräsidenten zuzusichern, zu revanchieren (die geschrumpfte SPD-Fraktion geht auch leer aus). Ob sich im nicht nur wirtschaftlich verunsicherten Südwesten dann wirklich neuer Aufbruch, neue Dynamik, neue Zuversicht breitmachen, darf dabei mit einem dicken Fragezeichen versehen werden.

  • Weiter Streit um Nachtjagd auf Muffel

    Die Auseinandersetzung um das Muffelwild im ostthüringischen Saale-Orla-Kreis eskaliert weiter – auch juristisch. Politik und Verwaltung auf der einen und der LJV auf der anderen Seite stehen sich unversöhnlich gegenüber Foto: Margit Völtz / pixelio.de Ende März hatte das Verwaltungsgericht Gera das im November 2025 vom Saale-Orla-Kreis aufgehobene Verbot der Nachtjagd auf Muffel aus formalrechtlichen Gründen kassiert. Damit hat sich der zuständige Landesjagdverband (LJV) in Thüringen mit seiner Klage zunächst durchgesetzt. Allerdings ist dies nur eine Entscheidung im Eilverfahren. Während also die Hauptsache noch offen ist, hat die Untere Jagdbehörde beim Kreis gegenüber der Bauernzeitung bereits angekündigt, ab 1. Juni per Allgemeinverfügung erneut die Schonzeit aufzuheben und dabei auch die nächtliche Bejagung aller Klassen von Muffelwild mit entsprechender Technik zu ermöglichen. Das Landratsamt bzw. seine Untere Jagdbehörde sieht im Gegensatz zur organisierten Jägerschaft durch die Nachtjagd des Muffelwildes keine zusätzliche Beunruhigung. Auch eine befürchtete Erhöhung der Schäden auf land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen habe nicht festgestellt werden können. Zwar räumt die Behörde ein, dass die Zahl der nächtens erlegten Wildschafe gering ist. Sie sieht darin aber ein probates Mittel zur Vergrämung des Wildes auf bedrohten Nutzflächen. „Der Unteren Jagdbehörde liegen keine Hinweise oder konkreten Beweise vor, die auf eine tierschutzwidrige oder unweidmännische Bejagung von Mufflons hindeuten“, heißt es. Auch gebe es keine Pflicht zur Jagd in der Nachtzeit. Aber die Jäger sollen weiterhin alle Möglichkeiten erhalten, möglichen Wildschäden entgegenzuwirken und eine Reduzierung der Bestände zu erreichen. Die Pflicht zum körperlichen Nachweis der zur Nachtzeit erlegten Stücke soll erneut angeordnet werden. Die Anordnung zur Zählung der Muffelwildbestände im laufenden Jagdjahr 2026/27 soll zudem eine bessere Einschätzung der Bestände und gezieltere Maßnahmen ermöglichen. Vom 1. April 2023 bis zum 31. Dezember 2025 kamen im Saale-Orla-Kreis insgesamt 1.509 Stück Muffelwild zur Strecke, davon 650 in den Einstandsgebieten und 859 in den Nicht-Einstandsgebieten. Für die 13 Jagdbezirke mit einem Abschussplan für Muffelwild wurde dieser kürzlich im Vergleich zu den vergangenen drei Jagdjahren um 34 Prozent erhöht und gilt weiterhin als Mindestabschussplan. Neuer Rechtsstreit möglich Damit ist der LJV nach Angaben seines Geschäftsführers Frank Herrmann ebenso einverstanden wie mit der Schonzeitaufhebung. Die Aufhebung des Nachtjagdverbotes jedoch wird als Bruch der Tabus von Nachtjagd auf wiederkäuendes Wild und Verstoß gegen das Verbot des Einsatzes von Nachtzielhilfen zu dessen Bejagung gewertet. „Da gehen wir keinen Schritt zurück“, sagt der Verbandssprecher und räumt ein, dass es im Zweifelsfall zu einer erneuten gerichtlichen Auseinandersetzung kommt. Das sei Landrat Christian Herrgott auch bereits angekündigt worden. Der Verband sieht sich nicht zuletzt deshalb bestätigt, weil der Kreis bereits eingeräumt habe, dass die Aufhebung des Nachtjagdverbots nichts gebracht und somit nicht zur Lösung beigetragen habe. Diese gemeinsam zu erarbeiten, sind beide meilenweit voneinander entfernt, obwohl die Dringlichkeit unstrittig ist. Denn die Wildschafe finden im ostthüringischen Schiefergebirge seit rund 100 Jahren einen optimalen Lebensraum. Also gedeihen sie prächtig und vermehren sich kräftig. Es kam zu einer unkontrollierten Ausbreitung, in deren Zuge das Muffelwild von ehemals anderthalb inzwischen in mehr als 60 Revieren im Saale-Orla-Kreis vorkommt. Von Großrudeln mit bis zu 300 Tieren ist die Rede. Die überhöhten Bestände führten in der Region zu rasant steigenden Schäden durch die Wildschafe. Vor allem dem Wald machen die vielen Tiere zu schaffen. Neben Schäl- und Verbissschäden reklamiert die Forstpartie auch Trittschäden. Das Wild trete schlicht die Vegetation kaputt. Ähnliche Klagen kommen auch aus der Landwirtschaft. Droht eine Zwangsbejagung? Um Abhilfe zu schaffen, hob der Landkreis erstmals 2023 und dann auch in den beiden Folgejahren per Allgemeinverfügung für die Monate Juni und Juli die Schonzeit für Widder, Schafe, Schmalschafe und Lämmer auf. Regulär beginnt die Jagdzeit erst im August. Doch konnte damit die gewünschte Reduzierung der Mufflon-Bestände nach Darstellung der Behörde nicht erzielt werden. Mit der kryptischen Aussage, neben der Aufhebung von Schonzeit und Nachtjagdverbot noch weitere Schritte zu prüfen, öffnet der Kreis die Tür für Spekulationen, die das Geschehen in Ostthüringen noch in weiterer Weise exemplarisch machen könnten. Am Ende nämlich könnte Landrat Christian Herrgott, dem Kritiker ein Verhalten vorwerfen, das seinem Nachnamen gerecht wird, eine Zwangsbejagung durchzusetzen versuchen. Dann hätten nicht mehr die Eigentümer oder Pächter das Sagen in den betroffenen Revieren, sondern fremde Dritte würden die Muffel dezimieren. Allerdings muss er dazu zuvor alle anderen rechtlichen Mittel ausgeschöpft haben.

  • Spritpreise, Landesjagdgesetz und Jungwildrettung – was sich jetzt in Politik und Natur tut

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! „Durchaus historisch“, sagt der Kanzler. Das Reformpaket für das Gesundheitswesen ist in der von der zuständigen CDU-Ministerin Nina Warken vorgelegten Fassung im ersten Verfahrensschritt. Das gilt auch für die im Kabinett beschlossenen Eckpunkte von Finanzminister Lars Klingbeil für den Haushalt des nächsten Jahres. Ab jetzt laufen die Gesetzgebungsverfahren durch Fraktionen, Ausschüsse und Plenum. Dort bleibt angesichts der angespannten Atmosphäre innerhalb der Koalition die Restunsicherheit, ob die Regierungsmehrheit am Ende hält. Der politische Betrieb läuft also in Berlin wie in den Ländern während der Feiertagswoche weiter. Die Koalition in Rheinland-Pfalz steht, Baden-Württemberg wird zeitnah folgen, nachdem der (jetzt) Alt-MP Kretschmann schon feierlich verabschiedet wurde. Am langen Wochenende atmen wir durch. Worauf wir für die Wirtschaft warten, erleben wir in diesen Tagen in der Natur: stürmisches Wachstum. Zur Frühjahrsmahd in den Niederwildrevieren gehören inzwischen vielfach örtliche Aktionen zur Rettung der Kitze sowie schonende Maßnahmen zum Schutz der Küken bei der Mahd. Und wir berichten über einen Walderlebnistag für Kinder aus dem städtischen Milieu und darüber, was natur+mensch damit zu tun hat. Zuckerabgabe ist ein Stichwort des Gesundheitsgesetzes, das sich auf dem Lande wahrscheinlich wie auch andere Reformpläne auswirken wird. Die Ernährungswirtschaft hat sich im Vorfeld dagegen ausgesprochen. Die andere Seite: Schutz vor Diabetes und Prävention sind ein anerkanntes Ziel. Die „Abgabe“ ist eine weitere Gesundheitssteuer in der Reihe bestehender Staatseinnahmen wie etwa für Tabak (wird erhöht), Alkohol oder Sekt (gut ein Euro pro Flasche). Es geht natürlich um Beiträge zur angestrebten Kostenbremse als Ziel der Reform. Die zuständige Ministerin Nina Warken sagt, dass alle Beteiligten im Gesundheitssystem verteilt Lasten tragen müssen, wenn am anderen Ende auch alle künftig vor weiteren Kostensteigerungen geschützt werden sollen. Jedenfalls haben sowohl Union und SPD ihre Kröten zu schlucken – wie auch Patienten, Pharmaindustrie, Apotheken und Arztpraxen. Gerade in ländlichen Regionen werden sich nach den Plänen bestehende Probleme eher verschärfen. Etwa dort, wo sich Hausärzte ohnehin schon überlastet fühlen und über Nachfolgemangel klagen. Jedenfalls scheint die Regierung bei allem Ärger untereinander Ernst mit der Reformagenda zu machen. Neben dem Haushaltsbeschluss, der wegen der geplanten Verschuldung gerade bei der Union die Glaubwürdigkeit belastet, beginnen Merz und Klingbeil nun doch mit der Umsetzung ihrer angekündigten Reformpolitik. Jedenfalls machte sich in dieser Woche das Gefühl breit: Da bewegt sich doch was. Dazu trägt am Ende auch die Nachricht bei, dass Habecks Heizungsgesetz durch das Gebäudemodernisierungsgesetz abgelöst werden soll und darüber bereits Einigung besteht. Einen Lichtblick gibt es seit gestern. Die Spritpreisbremse scheint wenigstens etwas zu greifen. Zum 1. Mai hin gab es an einer Reihe von Tankstellen schon Preistafeln mit unter zwei Euro für Benzin und Diesel. Das macht Hoffnung. Die neue Koalition in Mainz und die Erwartungen der Jägerschaft Auch in den Ländern bewegt sich etwas – jedenfalls dort, wo kürzlich gewählt wurde. Rheinland-Pfalz ist mit der Regierungsbildung etwas schneller als Baden-Württemberg. In Mainz steht der Koalitionsvertrag, den der designierte Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) zusammen mit dem bisherigen Amtsinhaber Alexander Schweitzer (SPD) präsentierte. Das ist schon ungewöhnlich und lässt auf künftige Harmonie schließen. Zentrale Punkte in den Schlagzeilen sind Kita, Schulen und Sicherheit. „Alles ist im Stillen abgelaufen, sehr vertrauensvoll, und so konnten wir das Ganze zu einem hervorragend guten Abschluss führen“, so der künftige Regierungschef. Beim näheren Hinschauen ist zu erkennen, dass sich mit Zuständigkeiten und Inhalten auch auf dem Lande was ändern soll. Die CDU wird das Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten übernehmen. Zentrale Bereiche sollen wieder in einem Haus gebündelt und das Landesjagdgesetz „soll angepasst und der Wolf aufgenommen“ werden. Es ist in diesem Land in Bezug auf die Jagd spannend, weil es dort seit kurzem und nahezu gleichzeitig zur Koalitionsbildung auch eine neue LJV-Präsidentin gibt. Dr. Gitta Greif-Werner löst den bisherigen Amtsinhaber Dieter Mahr ab. Das zentrale Thema war für sie und ihre Unterstützer Einfluss auf die Landesjagdgesetzgebung. Hier hat es heftige Debatten gegeben. Sie sollen nun anders weitergeführt werden. Jedenfalls so, dass sich im Gesetz wieder schnell etwas ändert. Die neue Koalition in Mainz gibt erst einmal ein Bekenntnis zur Rolle der Jagd ab. Im Vertrag steht: „Unser Ziel ist ein ausgewogenes Artenschutzmanagement. Die Jägerinnen und Jäger betrachten wir als zentrale Partner. Sie tragen Verantwortung für den Erhalt eines wertvollen Kulturgutes und leisten durch Hege, Pflege, Lebensraumgestaltung und Bestandsregulierung wichtige Beiträge für den Natur- und Artenschutz.“ Das sind andere Töne als vorher im zuständigen Ministerium unter grüner Regie. Mit Ministerin, Forstfachleuten und Rotary zum Walderlebnis Für 200 Jungen und Mädchen, die die Grundschulen in Hamm besuchen, war Anfang dieser Woche der Ausflug in die Waldbühne Heessen ein besonderes Ereignis. Es ging ins Grüne. Försterin Elena Drees-Pieper führte mit einem Kollegen-Team des NRW-Forst „Wald und Holz“ die Kindergruppen in den umliegenden Wald. Schülerinnen und Schüler aus den Anfangsklassen erlebten dort bei strahlendem Wetter und saftigem Grün, wie spannend dieser Lebensraum über alltägliche Spaziergänge hinaus sein kann; wie erlebnisreich Natur ist, wenn unter fachkundiger Anleitung die Sinne geschärft werden. Eingeladen hatte zu diesem besonderen Tag der Rotary Club Hamm-Mark mit vielen engagierten Mitgliedern. Sie übergaben die von ihnen finanzierten Waldrucksäcke, die die Jägerstiftung natur+mensch mit Partnern bundesweit zum erlebnisorientierten Lernen an Schulen bringt. Clubpräsident Robert Vornholt hatte allen Grundschulen der Stadt das Angebot gemacht, diese Rucksäcke mit ihrem Inhalt als zusätzliches Material für waldpädagogischen Unterricht mit Exkursionen einzusetzen. Das beeindruckende Ergebnis: 17 Schulen haben „Ja“ gesagt, um diese naturpädagogische Unterstützung anzunehmen. Kinder und Lehrkräfte begegneten an diesem Aktionstag bei der Übergabe der auch für Forst und Jagd zuständige Landesministerin Silke Gorißen. Sie zeigte sich im Gespräch mit Kindern und Pädagogen beeindruckt davon, wie man hier mit so beispielhaften Aktionen dazu beitragen kann, von klein auf Natur nicht nur zu erleben, sondern auch zu verstehen. In unserem Blog haben wir bereits über diesen Aktionstag berichtet. Es lohnt sich, noch mal reinzuschauen. Mit Kindern im Heessener Wald bei der Übergabe der natur+mensch-Waldrucksäcke (v.l.): Försterin Elena Drees-Pieper, NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, Robert Vornholt (Präsident des Rotary Clubs Hamm-Mark) und der Vorsitzende der Jägerstiftung natur+mensch, Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma. (Foto: Jost Springensguth) Jungwildrettung und Schutz für Bodenbrüter als früher Frühjahrsappell Der „Lernort Natur“ wird fast überall durch Initiativen der Kreisjägerschaften den Menschen nahegebracht. Dazu gehören Rollende Waldschulen mit Präparaten von Tieren aus der Heimat. Auch zur Ausstattung der Waldrucksäcke von natur+mensch gehört neben einem hochwertigen Fernglas, Becherlupen oder einem Stethoskop weiteres Material auch aus dem Angebot von „Lernort Natur“. Ein herausragendes Beispiel unter vielen, wie aktiv Jägerinnen und Jäger die Menschen in ihren Heimatrevieren mitnehmen und für Belange von Natur und Umwelt werben, habe ich über die Kreisjägerschaft Unna in WhatsApp durch einen Status-Post erfahren. Zum Spendenformular Der Kreisvorsitzende der Jägerschaft dort, Johannes Laurenz, hat in dieser Woche ein Video über Instagram darüber verbreitet, was gerade in der Niederwildjagd ein im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtiges Thema ist: wie Landwirte zusammen mit Jägerinnen und Jägern dafür sorgen können, dass der Nachwuchs des Rehwildes und von Bodenbrütern wie Fasan und Rebhuhn neben Junghasen in Zeiten der Frühjahrsmahd mit riesigen Mähbalken und schnellen Kreiselmähern dennoch Überlebenschancen erhält. Der Einsatz von Drohnen ist inzwischen ein großes Thema, auf das gerade aktuell der DJV zusammen mit Landwirten, Lohnunternehmern und Jagdgenossenschaften hinweist. Und dass es dazu auch Möglichkeiten zur finanziellen Förderung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium gibt: Johannes Laurenz berichtet in seinem Video auch über eine überraschende Beobachtung in seinem Revier. Dort wurden jetzt bereits vor dem Maifeiertag erste Fasanenküken gesichtet. Die Eiablage hat sich offenbar mit der Naturveränderung ins noch frühere Frühjahr verschoben. Bisher haben wir gelernt, dass Fasanenhennen etwa ab 1. Mai ihre Eier zur Brut ablegen. Laurenz appelliert als Landwirt an seine Berufskollegen, bei der Mahd Rücksicht zu nehmen und naturschonende Regeln zum Schutz von Jungwild zu beachten. Schauen Sie einfach mal rein: Man kann also mehr tun als so etwas, worauf aktuell gefühlt die ganze Nation blickt und was gerade viele Menschen im Lande bewegt. Dabei geht es allein um eine Kreatur. Die Rettungsaktion für den Buckelwal aus der Ostsee findet hoffentlich ein gutes Ende. Sie bleibt aber unter Fachleuten umstritten. Was hätte man mit diesem publizistischen und materiellen Aufwand in der Natur anderswo und für unendlich viele Tiere an anderer Stelle bewegen können! Ich weiß, welche widersprüchlichen Reaktionen ich mit dieser Feststellung auslöse. Die Geister in der Gesellschaft scheiden sich nun einmal an „Timmy“. Ein Buckelwal unter hunderttausend Artgenossen wird mit Namen und Peilsender versehen. Viele verfolgen ihn so – jedenfalls, wenn er sich über Wasser hält. Das gilt in doppelter Bedeutung dieser Redewendung. Er sendet nur, wenn er an der Oberfläche schwimmt oder auftaucht. Nachtjagdverbot auf Muffel in Thüringen im Streit und vor Gericht Streit gibt es auch anderswo, wenn es um Natur und Tiere geht: Die Auseinandersetzung um das Muffelwild im ostthüringischen Saale-Orla-Kreis dürfte die nächste Eskalationsstufe erreichen – vor Gericht. Politik und Verwaltung auf der einen und der Landesjagdverband (LJV) auf der anderen Seite stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber. Von einer gemeinsamen Problemlösung sind sie weit entfernt. Denn die Untere Jagdbehörde in der Kreisverwaltung hat angekündigt, ab dem 1. Juni per Allgemeinverfügung erneut die Schonzeit aufzuheben und dabei auch wie im Vorjahr die nächtliche Bejagung aller Klassen von Muffelwild mit entsprechender Technik zu ermöglichen. Die Aufhebung des Nachtjagdverbots gilt als Bruch der Tabus der Nachtjagd auf wiederkäuendes Wild und wird als Verstoß gegen das Verbot des Einsatzes von Nachtzielhilfen zu dessen Bejagung gewertet. Ende März hatte das Verwaltungsgericht Gera die Aufhebung des Nachtjagdverbots auf Muffel aus formalrechtlichen Gründen kassiert. Damit hat sich der LJV mit seiner Klage zunächst durchgesetzt. Allerdings ist dies nur im Eilverfahren, während noch ein Urteil in der Hauptsache aussteht. Der LJV hat inzwischen klar gemacht, dass er beim Umgang mit den unbestritten zu hohen Muffelbeständen keinen Schritt zurückweichen werde. Unser Autor Christoph Boll wird in der kommenden Woche in einem weiteren Blog-Beitrag aufzeigen, dass der Streit am Ende darauf hinauslaufen könnte, dass der Landrat des Saale-Orla-Kreises eine Zwangsbejagung anordnet. Dann wären Eigentümer und Pächter in den betroffenen Revieren im Umgang mit den Wildschafen ihrer Rechte weitgehend beraubt. Fische haben Gräten und Möwen jagen Brötchen Das Fischbrötchen gehört zur Küste und zu Sylt allemal dazu. Immer wieder gibt es Ärger, wenn Urlauber sich mit Street-Food direkt am Strand oder auf der Promenade von der Hand in den Mund ernähren. Ob es aggressive Möwen sind, die sich im Anflug direkt Pommes greifen oder eine spitze Gräte, auf die jetzt eine Urlauberin beim Verzehr eines Fischbrötchens gebissen hat. Sie beschwerte sich darüber beim Händler: Sie sei auf „Hartes im Mund“ gestoßen. Belegt war das Brötchen mit einem Stück Stremellachs. Dass da eine Gräte drin sein kann, liegt ebenfalls wie das Fischbrötchen auf der Hand. Der Händler bot Ersatz an und die Sylter Rundschau griff das Thema mit dem Vorschlag auf, man solle doch Warnhinweise auf die Tüten drucken oder an die Theke kleben. Rechtlich gilt da bisher nichts Besonderes: Gräten lassen sich nicht ausschließen, der Warnhinweis wäre ein freiwilliger Service der Händler. „Fisch kann auch Gräten enthalten“, wäre dann der Text. Eigentlich weiß man das – oder? Übrigens war gerade „Welttag der Möwe“, der der örtlichen Zeitung zeitgleich Anlass gab, Ereignisse zum Thema „Möwen-Wahnsinn“ in Schleswig-Holstein zusammenzutragen. „Die cleveren Viecher“, so heißt es da, seien nicht nur dafür bekannt, ahnungslosen Touristen auf Sylt oder in Eckernförde die Fischbrötchen zu stehlen, sondern sogar den Abriss von Gebäuden zumindest zeitweise zu stoppen. Man lernt also nie aus, wenn es um die Natur geht … In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nach dem sonnigen Maifeiertag Erholung und vielleicht eigene erlebnisreiche Waldspaziergänge wie bei den Kindern in Hamm. Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Goldschakal erobert das Land

    Die Nachricht kam passend zum „Internationalen Tag der Schakale“ am 19. April. Schleswig-Holstein hat sein erstes territoriales Goldschakalpaar. Damit hat der Beutegreifer den Norden Deutschlands erreicht und ist dort sesshaft © Giles Laurent, gileslaurent.com, License CC BY-SA, 033 Golden jackal in Keoladeo National Park Photo by Giles Laurent, CC BY-SA 4.0 So der scheue Neubürger überhaupt in Anblick kommt, stellt sich oft die Frage, ob es sich um einen großen Fuchs, einen freilaufender Hund oder einen kleinen Wolf handelt. Nichts von alledem ist der scheue Zuwanderer aus Asien mit dem gelblich-grauen Fell, teils mit rötlichem Einschlag, weshalb er oft mit dem Fuchs verwechselt wird. Wie dieser ist der Goldschakal ebenfalls ein anpassungsfähiges Raubtier. Er ernährt sich von kleinen Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien, Insekten, aber auch Aas und Siedlungsabfällen. Es stehen auch Beeren und Früchte auf dem Speiseplan. Der Goldschakal, der zu den mittelgroßen Hunden gehört und zwischen acht und 15 Kilogramm wiegt, kann aber auch größere Beutetiere wie Rehwild reißen. In der Vergangenheit haben sich nur einzelne Goldschakale für einige Zeit in Schleswig-Holstein aufgehalten. Der erste Einzelnachweis gelang 2017 im Kreis Dithmarschen. Nun aber wurden nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) ein Paar im Kreis Plön identifiziert. Innerhalb von zwei Wochen im Februar konnten insgesamt neun Tonaufnahmen ihres Heulens dokumentiert werden. Die Laute gelten als charakteristisch und unverwechselbar. Sie sind deshalb ein verlässlicher Nachweis für die Tiere, der auch nach europaweit einheitlichen Monitoringstandards anerkannt ist. Es gebe praktisch keine Verwechslungsmöglichkeit, erklärt eine LfU-Sprecherin. Damit ist das erste Goldschakal-Territorium im nördlichsten Bundesland bestätigt. Zuvor war die Art in Schleswig-Holstein zuletzt durch einen brisanten Auftritt eines Vertreters aufgefallen. Auf Sylt hatte er Dutzende Nutztiere gerissen. Das löste eine heftige Diskussion über einen möglichen Abschuss aus. Von diesem Tier fehlt bislang jedoch jede Spur. Auch von weiteren Goldschakalen in Schleswig-Holstein ist momentan nichts bekannt. Gleichwohl dürfte die Art sich mit dem Territoriums-Nachweis im Land etabliert haben. Denn sie lebt meist paarweise in einer monogamen Beziehung oder in kleinen Familienverbänden. Experten gehen deshalb davon aus, dass es auch bald Nachwuchs geben könnte. Aus Sicht des Landesjagdverbandes ist das Goldschakalpaar „ein bemerkenswerter faunistischer Nachweis“, sagte Geschäftsführer Marcus Börner. „Jetzt kommt es darauf an, seine Ausbreitung fachlich sauber zu dokumentieren und die Entwicklung aufmerksam zu begleiten.“ Konsequentes Monitoring erforderlich Für Jagd, Naturschutz und Monitoring ist dieser Nachweis von besonderer Relevanz. Neue Tier-/Wildarten müssen frühzeitig erfasst und fachlich eingeordnet werden, um Entwicklungen belastbar bewerten zu können. Für Goldschakale geschieht dies im Rahmen des Wolfsmonitorings. Hinweise können über eine Wolfshotline oder per E-Mail gemeldet werden. Der LJV sieht in dem Nachweis einen wichtigen Anlass, das Wildtiermonitoring im Land weiter konsequent zu stärken. Nur mit belastbaren Daten lassen sich neue Entwicklungen in der Tierwelt sachgerecht bewerten und einordnen. Um die Tiere zu schützen, verrät das LfU nicht, wo genau die Goldschakale nachgewiesen wurden. Sie haben vergleichsweise kleine Territorien von etwa zwei bis zehn Quadratkilometern und reagieren empfindlich auf Störungen. Im Zweifel verteidigen sie ihre Reviere auch gegen andere Artgenossen. Für den Menschen sind die Tiere jedoch nicht gefährlich. Sie meiden Begegnungen mit ihm, weshalb sie nur selten bemerkt werden. Seit Jahren breitet sich der Goldschakal, der in freier Wildbahn bis zu acht und in Gefangenschaft bis zu 14 Jahre alt wird, aus Asien und Südosteuropa kommend in Europa nach Norden und Westen aus. Als begünstigende Faktoren gelten unter anderem milde Winter, Veränderungen in der Kulturlandschaft und klimatische Verschiebungen. Als Lebensraum bevorzugt der Goldschakal offene Landschaften. Er bewohnt die Savanne ebenso wie Halbwüsten und felsige Gegenden, kommt hingegen in dichten Wäldern nicht vor. In Deutschland wurde die Art erstmals 1997 in Brandenburg nachgewiesen. Bis Januar 2021 gab es dann 80 Einzelnachweise in verschiedenen Bundesländern. Im baden-württembergischen Schwarzwald-Baar-Kreis gab es im Spätherbst 2021 die erste Feststellung einer Reproduktion des Goldschakals in Deutschland. Im Folgejahr wies man im niedersächsischen Landkreis Uelzen mindestens drei Welpen nach. Gefahr für bestandsgefährdete Arten Zwar gab es in mehreren Bundesländern Nutztierrisse durch den Goldschakal. Allerdings gilt das Risikopotenzial dafür bislang als eher vergleichbar mit dem des Fuchses als mit dem des Wolfes. Bemühungen, den Neozoen bundesweit ins Jagdrecht aufzunehmen, sind nicht zuletzt aus diesem Grund in der Vergangenheit gescheitert. Einzig in Niedersachsen unterliegt der Goldschakal seit der Novellierung des Landesjagdgesetzes dem Jagdrecht – mit einer ganzjährigen Schonzeit. Aber insbesondere mit Blick auf den Schutz bestandsgefährdeter Arten, z.B. Bodenbrüter, gilt eine großflächige Etablierung des Goldschakals als problematisch. Denn er vergrößert das ohnehin breite Spektrum der Fressfeinde dieser Arten. Europarechtlich wird er in Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geführt und ist auch nicht in der EU-Unionsliste als invasive Art gelistet. Daher müssen die Mitgliedstaaten der EU sicherstellen, dass die Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands der Art auch dann sichergestellt ist, wenn Exemplare aus der Natur, etwa durch die Jagd, entnommen werden. National ist der Goldschakal nach der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.

  • Umweltbildung ganz konkret mit Rotary und natur+mensch

    „Walderlebnistag“ des Rotary Clubs Hamm-Mark für 200 Grundschüler im Heessener Wald in Kooperation mit dem Landesbetrieb Wald und Holz. NRW- Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen überreichte Waldrucksäcke für 17 Schulen Gemeinschaftliche Übergabe der Waldrucksäcke im Heessener Wald (von links): Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma, Vorsitzender der Stiftung natur+mensch, Fabian Henkel, Klassenlehrer der 1. Klasse der Stephanus-Grundschule Hamm, NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, Försterin Elena Drees-Pieper, Robert Vornholt, Präsident des Rotary Clubs Hamm-Mark, sowie Leon, Anni, Charlotte und Esther. (Foto: Rotary Club Hamm-Mark/Stefan Vieth) Der Rotary Club Hamm-Mark hat einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung von Kindern geleistet: 17 „Waldrucksäcke“ – prall gefüllt mit nützlichen Utensilien zur Erforschung der heimischen Flora und Fauna – wurden jetzt Vertreterinnen und Vertretern von Hammer Schulen überreicht. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen übergab die Rucksäcke und betonte, dass das Lernen im Wald besonders intensiv und nachhaltig sei. Über 200 Schülerinnen und Schüler waren zuvor beim „Walderlebnistag“ dabei, den der Hammer Zivilclub gemeinsam mit Beschäftigten des Landesbetriebs Wald und Holz organisiert hatte. Die Kinder erfuhren unter anderem, welche besonderen Eigenschaften Jagdhunde haben, welche Wildtiere im Wald heimisch sind und sie konnten das Alter eines Baumes bestimmen. „Kinder und Jugendliche sollen die Natur nicht nur aus Büchern kennenlernen, sondern sie direkt erleben und verstehen. Die ‚Walderlebnistage‘ sind dafür eine tolle Gelegenheit, genauso wie die Lernort-Natur-Rucksäcke. Damit können die Kinder den Wald mit allen Sinnen erleben! Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten für ihren Beitrag zur Umweltbildung für Schülerinnen und Schüler“, erklärte Ministerin Silke Gorißen. Sie überreichte gemeinsam mit dem Präsidenten des Rotary-Clubs Hamm-Mark, Robert Vornholt, und dem Vorsitzenden der Stiftung natur+mensch, Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma, die „Waldrucksäcke“. Darin enthalten sind unter anderem Becherlupen für Bodenuntersuchungen, ein Stethoskop, um den Wasserstrom im Baum abhören zu können, und sogar ein Fernglas, um die Baumkronen genau zu erkunden. Die Kosten für die Lernort-Natur-Rucksäcke, die von der Jägerstiftung natur+mensch konzipiert und zusammengestellt wurden, hat der Rotary Club Hamm-Mark übernommen. Damit können Lehrkräfte, unterstützt durch Waldpädagoginnen und -pädagogen, ihren Schülerinnen und Schülern qualitativ hochwertige Umweltbildung anbieten und langfristig das Umweltbewusstsein der Kinder und Jugendlichen stärken, erläuterte die Ministerin. „Kinder sollten die heimische Flora und Fauna möglichst früh kennenlernen. Der Waldrucksack ist ein sehr gutes Instrument, um Umweltbildung praktisch zu ermöglichen – ob als Ideengeber für den Unterricht, Motivation zur Beschäftigung mit der Natur oder einfach für die kompetente Beantwortung von Fragen der Schülerinnen und Schüler. Der Rotary Club Hamm-Mark hat seit langem das Thema Bildung im Blickpunkt. Deshalb passen der Walderlebnistag und die Übergabe der Waldrucksäcke ideal in die Aktivitäten unseres Zivilclubs“, erklärte Clubpräsident Robert Vornholt. Der Vorsitzende der Jägerstiftung betonte im „grünen Klassenzimmer“ nahe der „Waldbühne Heessen“, dass es einerseits eine Entfremdung von der Natur, andererseits aber zugleich eine „Vermenschlichung“ gebe, wie er am Beispiel des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals verdeutlichte. Rotary-Club-Präsident Vornholt appellierte zum Abschluss an die Lehrerinnen und Lehrer, den Waldrucksack intensiv zu nutzen, zumal viele heimische Jäger bereit seien, ihre Reviere für den praktischen Einsatz der Unterrichtsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Quelle: Rotary Club Hamm-Mark

  • Was der Borkenkäfer übrig ließ

    Der Trend bestätigt sich. Auch 2025 wurde weniger Holz aus heimischen Wäldern geholt. Der Grund dafür ist traurig Foto: Thorsten Neuhaus Jetzt ist es offiziell: Auch im vergangenen Jahr wurden in deutschen Wäldern wieder weniger Bäume gefällt. Mit 57,3 Millionen Kubikmetern lag der Holzeinschlag um 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt im April mitteilte. Damit bestätigte sich der Trend der vergangenen zwei Jahre. Vor allem private Waldbesitzer konnten damit erneut weniger Ertrag aus ihren Wäldern ziehen. Die Schäden gehen in die Millionen, während die Kosten für die Wiederaufforstung für viele Unternehmen und Forstbetriebe erheblich sind und waren. Im Jahr 2025 wurden 12,7 Millionen Kubikmeter sogenanntes Schadholz eingeschlagen, ein Jahr zuvor war es nach Angaben der Statistiker mit 27,3 Millionen Kubikmetern noch mehr als doppelt so viel. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren verzeichneten die Statistiker noch einen Holzeinschlag in Höhe von 60,1 Millionen Kubikmetern – das war das höchste Schadholzaufkommen seit Beginn der Zeitreihe aus dem Jahr 1990. Der Anteil des Schadholzes am gesamten Holzeinschlag verringerte sich von knapp drei Vierteln (74,8 Prozent) im Jahr 2020 auf weniger als ein Viertel (22,1 Prozent) 2025. Vom Borkenkäfer bis heute noch nicht erholt Seit dem Höchstwert 2021 mit damals 83 Millionen Kubikmetern Holz wird die Menge des verwerteten Holzes für Jahr geringer, trotz steigender Nachfrage und guter Marktpreise. Der Hauptgrund ist der bundesweit fast flächendeckend zu verzeichnende Borkenkäfer-Befall der Wälder. Dieser hatte seit 2028 in fast allen Regionen dafür gesorgt, dass die befallenen Bäume zu wenig Widerstandskraft für Trockenheit oder Wind entwickeln konnten. Ganze Waldregionen wurden kahlgefressen. Viele Regionen wie das Sauerland, der Thüringer Wald und der Harz haben sich von dieser Katastrophe des deutschen Forstes bis heute nicht erholt. Konsequenz: Seit dieser Zeit können Jahr für Jahr weniger Bäume aus den Wäldern geholt werden. „Der deutlich geringere Holzeinschlag im Vergleich zu den durch Borkenkäferbefall geprägten Jahren 2020 und 2021 – sowohl beim insektenbedingten Schadholz als auch beim Fichtenholz – deutet darauf hin, dass ein Großteil der geschädigten Bäume bereits in den Vorjahren gefällt und dem Wald entnommen wurde“, folgern die Wiesbadener Statistiker. Jetzt sei einfach wenig bis kein Holz mehr vorhanden, das gefällt werden kann. Stammholz bleibt weiter gefragt Der Großteil des eingeschlagenen Holzes findet als sogenanntes Stammholz Verwendung in der Säge- und Furnierindustrie, etwa als Paletten- oder Parkettholz. Im Jahr 2025 wurden 32 Millionen Kubikmeter und damit 55,9 Prozent der angefallenen Holzmenge mit dem Verwertungsziel Stammholz eingeschlagen. Etwa 11,8 Millionen Kubikmeter (20,6 Prozent) wurden als Industrieholz zur Verwendung in der Holzwerkstoffindustrie beziehungsweise Papier- und Zellstoffindustrie vorgesehen. Zur Energiegewinnung wurden 10,7 Millionen Kubikmeter (18,7 %) genutzt. Hoffen auf Wiederaufforstung Die privaten Waldbesitzer, die durch den Borkenkäferbefall und das Absterben ganzer Waldflächen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe erlitten haben, hoffen jetzt darauf, dass ihre Maßnahmen zur Wiederaufforstung spätestens 2027 erste wirtschaftliche Früchte tragen. „Die Maßnahmen haben Millionen gekostet. Geld, das viele nicht hatten. Deswegen mussten viele verkaufen oder ihren Forstbetrieb aufgeben“, sagt ein Forstexperte aus Brandenburg. Diejenigen, die durchgehalten haben, hoffen auf einen höheren Ertrag ab kommendem Jahr. Auch die Touristen blieben aus Auch die regional betroffenen Tourismusregionen hoffen, dass die kahlen Waldregionen vor allem im Sauerland und im Thüringer Wald bald wieder zugewachsen sind. „Wir haben aufgrund der geschädigten Waldgebiete schon deutliche Rückgänge bei den Gästezahlen verzeichnen müssen“, sagte kürzlich ein Tourismusmanager aus dem Erzgebirge bei einer Anhörung im Tourismusausschuss des Bundestages. Jetzt hoffe man darauf, dass die langsam nachwachsenden Baumflächen bald wieder ein schönes Ambiente für Naturliebhaber und Touristen entwickeln. Marktbeobachter glauben fest an eine Chance dieser Regionen – gerade angesichts der weltweit unsicheren Lage, die viele Urlauber von einer Fernreise absehen lässt.

  • Warten auf den großen Reformschub

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar befassen wir uns mit der aktuellen Wachstumsprognose für Deutschland und den Reaktionen der schwarz-roten Koalition insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum. Dort sorgen steigende Treibstoffpreise und Engpässe beim Dünger zunehmend für wirtschaftliche Sorgen. Des Weiteren lässt uns das Thema Wolf nicht los. Vielerorts lösen Risse von Weidetieren große Betroffenheit aus, so jüngst auch in Südwestfalen. Derweil wird in den Bundesländern an Regelungen gearbeitet, wie der Wolf künftig geschossen werden darf. Hintergrund ist die kürzlich beschlossene Reform des Bundesjagdgesetzes. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung hat es in dieser Woche noch einmal bestätigt: Unsere Wirtschaft kommt nicht richtig in Gang. Zur Begründung für diese missliche Lage wird von den politisch Verantwortlichen gern auf die aktuellen Unsicherheiten durch den Ukrainekrieg sowie auf die Kämpfe am Persischen Golf inklusive Blockade der Straße von Hormus verwiesen. Natürlich sind das schwerwiegende Belastungen. Doch sie allein erklären nicht die unerfreuliche Situation. Im Gegenteil. Die entscheidenden Ursachen liegen in einer selbstverschuldeten Stagnation auf vielen Ebenen. In einem Satz: Deutschland braucht endlich wieder einen großen Reformschub. Oder wie der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, diese Woche im Deutschlandfunk die Aufgaben treffend zusammenfasste: Bürokratieabbau, Sozialreform wie etwa das Vorhaben von Bundesministerin Warken im Gesundheitsbereich sowie Maßnahmen gegen steigende Energiepreise. Und was macht die schwarz-rote Bundesregierung? Sie stimmt der Analyse prinzipiell zu, kommt aber mit der konkreten Umsetzung aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen der Koalitionäre nicht recht vom Fleck. Man debattiert, taktiert und blockiert viel zu oft und lange. Da muss sich leider niemand wundern, wenn radikale Parteien wie die AfD in den Umfragen Oberwasser gewinnen. Bauern unter hohem Kostendruck Gerade im ländlichen Raum leiden viele Bürger und Betriebe besonders heftig unter den Verwerfungen auf dem Energiemarkt. Pendler, die auf das Auto angewiesen sind, können die stark gestiegenen Preise für Benzin und Diesel nur noch schwer verkraften, der vorgesehene Tankrabatt ist hier allenfalls eine Zwischenlösung. Und insbesondere vielen Bauern treiben die gestiegenen Kosten den Schweiß auf die Stirn. Denn durch die Blockade der Straße von Hormus wird Dünger knapp, den Landwirte dringend für ihre Äcker benötigen. Und auch die Maschinen verbrauchen reichlich Treibstoff. Es gibt zwar noch keine große Streikwelle, wie in den vergangenen Jahren, doch auf den Höfen herrscht Dieselfrust. Hier geht es nicht um irgendwelche Kleinigkeiten, sondern häufig um viele zigtausende Liter, die ein Betrieb pro Jahr zur Bewirtschaftung braucht. Dieser Aspekt kommt in der politischen Diskussion in Berlin leider – wie auch andere Themen des ländlichen Raumes – zumeist nur am Rande vor. Auch beim Thema Wolf droht das öffentliche Interesse etwas nachzulassen, was der tatsächlichen Situation in den betroffenen ländlichen Regionen keineswegs gerecht wird. Wir haben des Öfteren in unserem Blog über die negativen Folgen einer übermäßigen Ausbreitung des geschützten Tieres berichtet. Ein Beispiel, auf das ich Sie gerne noch mal hinweisen möchte, ist unser Beitrag vom vergangenen Donnerstag. Dort geht es um mehrfache Schafrisse in Südwestfalen. Die Betroffenheit darüber sei enorm, heißt es. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) forderte nun im Rahmen eines Pressegesprächs vor Ort, die unverzügliche Entnahme von Problemwölfen und eine schnelle Umsetzung der mit der Änderung des Bundesgesetzes geschaffenen Möglichkeiten zur Wolfsregulierung. Zum Spendenformular Offenkundig besteht weiterhin massiver Handlungsbedarf. Denn die jüngst beschlossene Änderung des Bundesjagdgesetzes ist nur ein erster, wichtiger Schritt. Jetzt müssen die Bundesländer die Regelungen konkret für sich umsetzen. Dabei gibt es durchaus einige Stellschrauben zu Lasten von Jagd und Natur. Denn niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass selbsternannte „Wolfsfreunde“ nach ihrer parlamentarischen Niederlage auf Bundesebene in den Ländern so einfach klein beigeben werden, egal welch schwerwiegende Folgen dies für Weidetierhalter und das Zusammenleben von Menschen und Natur haben könnte. Umso wichtiger ist es, wie die entsprechenden Weichen von den politisch Verantwortlichen in den Bundesländern gestellt werden. Länder müssen die Regelungen umsetzen In Niedersachsen etwa will die dortige Landesregierung bis zum 1. Juli einen rechtssicheren Managementplan vorlegen, in dem geregelt wird, wann die geschützten Raubtiere geschossen werden dürfen. Nach Medieninformationen wird dabei ein Kurswechsel vorbereitet. Künftig sollen nicht mehr nur einzelne Wölfe, sondern auch ganze Rudel ins Visier genommen werden dürfen. Spannend wird es in diesem Zusammenhang besonders in Baden-Württemberg. Dort entscheidet sich in naher Zukunft, wen die CDU als Ressortchef in das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium schickt. Sobald feststeht, wer das Ressort führt, wird unser Autor Wolfgang Molitor ausführlich darüber berichten. Derweil breitet sich in Deutschland neben dem Wolf ein weiterer und neuer Beutegreifer aus: der Goldschakal. 1997 in der Bundesrepublik erstmals nachgewiesen, hatte der Neubürger 20 Jahre später auf seinem Expansionskurs Schleswig-Holstein erreicht. Dort ist nun im Kreis Plön erstmals ein Paar des eigentlich in Südosteuropa und Asien beheimateten Räubers bestätigt worden. Das spricht dafür, dass der Neubürger dort sesshaft geworden ist und sich auch vermehren wird. In einem Blog-Beitrag geht unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche darauf ein, warum der Nachweis für Jagd, Naturschutz und Monitoring von besonderer Bedeutung ist. Es gilt, die neue Tier-/Wildart frühzeitig zu erfassen und fachlich einzuordnen, um Entwicklungen belastbar bewerten zu können. Trotz mehrerer Nutztierrisse gilt das Risikopotenzial der geschützten Art bislang als eher vergleichbar mit dem des Fuchses als mit dem des Wolfes. Aber insbesondere mit Blick auf den Schutz bestandsgefährdeter Arten, z. B. Bodenbrüter, gilt eine großflächige Etablierung des Goldschakals als problematisch. Denn er vergrößert das ohnehin breite Spektrum der Fressfeinde dieser Arten. Kurzum, Sie dürfen sich auf diesen interessanten Blogbeitrag freuen … Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination/Redaktionsleitung

  • Hof sucht einen Bauern

    Wenn der Hof einen Bauern sucht, geht es nicht ums Liebesglück. Dann fehlt in der Familie ein Nachfolger, dann stehen das Lebenswerk und die Existenz von Alt und Jung im Mittelpunkt. Helfen können außerfamiliäre Lösungen Foto: ChatGPT Die EU-Kommission will sich mehr um junge Landwirte kümmern und ihnen beim Aufbau der Existenz helfen. Das ist enorm wichtig, denn rein statistisch überaltert Europas Landwirtschaft zurzeit schneller als andere Branchen. Nach den jüngsten Zahlen liegt das Durchschnittsalter der Landwirte in der Europäischen Union bei 57 Jahren. Sprich: Sehr viele Hofinhaber haben das 60. Lebensjahr längst überschritten. Zwölf Prozent der Bauern in Europa sind unter 40 Jahre alt und fallen in die Kategorie „Junglandwirtin und -landwirt“. In Deutschland sind es laut einer aus dem Jahr 2023 stammenden Erhebung immerhin 16 Prozent. Der Generationswechsel in der Landwirtschaft darf nicht scheitern. Denn die landwirtschaftlichen Betriebe sind wichtig für Ernährungssicherheit, eine mehr und mehr autonome Lebensmittelerzeugung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft des ländlichen Raums. Die EU-Kommission hat sich auch deshalb das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2040 den Anteil von Jung- und neuen Landwirtinnen und Landwirten zu verdoppeln. Damit soll sichergestellt werden, dass der Sektor „innovativ, wettbewerbsfähig und widerstandsfähig“ bleibt. Wenn es gut läuft, bleibt ein Bauernhof über Generationen in Familienhand. Doch es nehmen die Fälle zu, dass das Lebenswerk nicht an die Kinder weitergegeben werden kann. Die Rahmenbedingungen sind anspruchsvoll. Oft ist ein Zuverdienst notwendig. Gerade bei kleineren Betrieben droht im schlimmsten Fall die Hofaufgabe. Ein Ende, das schmerzt. Existenzgründungen in der Landwirtschaft eher die Ausnahme Da empfiehlt es sich, im Vorfeld über den Tellerrand zu blicken und auch eine außerfamiliäre Lösung in Betracht zu ziehen. Denn der von der EU angestrebte hohe Anteil an Junglandwirten kann in der Realität nur erreicht werden, wenn die Höfe selbst auf jeden Fall bestehen bleiben. Existenzgründungen wie in anderen Branchen sind in der Landwirtschaft eher eine Ausnahme. Aktuell werden nur etwa drei Prozent der Familienbetriebe von Personen bewirtschaftet, die den Hof nicht geerbt haben. Fachleute gehen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung von einer Zunahme aus. Die gemeinnützige Stiftung Agrarkultur leben gGmbH im nordhessischen Rotenburg an der Fulda ist eine Initiative, die sich seit vielen Jahren intensiv darum bemüht, Hofabgeber und Hofsucher zusammenzubringen. Einen ersten Eindruck von der Arbeit erhält man beim Blick auf die bereits informative Internetplattform hofsuchtbauer.de. Die Stiftung mit Geschäftsführer und Gründer Christian Vieth an der Spitze bietet bundesweit Beratung und Informationen zur Hofnachfolge an, begleitet Übernahmeprozesse oder sorgt für die Vernetzung mit weiteren Experten. „Jeder gerettete Hof ist uns die Mühe wert“, sagt Vieth. Anfangs sei seine Initiative belächelt worden, inzwischen finde sie aber immer mehr Zuspruch. Der Prozess einer Übergabe kann allerdings sehr lange dauern. Für Vieth ist das nachvollziehbar. „Der Hofnachfolger muss der komplexen Aufgabe, einen Hof zu führen, gewachsen sein. Es werden also keine Lehrlinge gesucht“, erklärte er jüngst in einem Interview. „Der Prozess einer außerfamiliären Übergabe dauert drei bis fünf Jahre, angefangen mit den ersten Gedanken, der Suche, einer Probezeit und schließlich der Gestaltung der Verträge. Und ich kann sagen, dass es in fast allen Fällen, die ich bisher begleiten durfte, gelungen ist.“ Nur eine von 800 Übergaben habe leider nicht funktioniert.

  • Wolfsrisse belasten Weidetierhalter massiv

    Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) macht Druck: Nach Schafrissen in Südwestfalen drängen die Bauern darauf, dass die neuen Möglichkeiten des Bundesjagdgesetzes endlich zur Anwendung kommen Sie sorgen sich um die Weidetierhaltung (v. l. n. r.): Bernd Eichert, Julian Quast und Hubertus Beringmeier. (Foto: WLV) Die Weidetierhalter in Südwestfalen sind in großer Sorge. Erst kürzlich hatte es in Scheiderwald/Wenden im Kreis Olpe mehrfach Schafrisse gegeben, sechs tote Schafe auf dem Betrieb von Julian Quast, die Betroffenheit ist enorm. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) forderte nun im Rahmen eines Pressegesprächs vor Ort die unverzügliche Entnahme von Problemwölfen und eine schnelle Umsetzung der mit der Änderung des Bundesjagdgesetzes geschaffenen Möglichkeiten zur Wolfsregulierung. Das kann danach nun regional in den einzelnen Bundesländern jeweils durch landesgesetzliche bzw. behördliche Regelungen umgesetzt werden. In NRW wurde am Mittwoch der WLV mit diesem Pressetermin bei einem Weidetierhalter aktiv. Die höchste Wolfsdichte gibt es bundesweit in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Wie viele Wölfe tatsächlich in Nordrhein-Westfalen leben, war lange unklar. Die Landesregierung in Düsseldorf sprach bisher nur von sechs Wolfsterritorien, eine Gesamtzahl der Tiere nannte sie nicht. Ein neuer Bericht des Landwirtschaftsministeriums an den Landtag schließt diese Lücke nun: Demnach sind es etwa 30 Tiere, die aktuell in NRW leben. Das Landwirtschaftsministerium NRW arbeitet nach eigenen Angaben an einem entsprechenden Umsetzungskonzept. Für die Weidetierhalter in Südwestfalen kann dies nicht schnell genug gehen. Wolfsrisse sind keine Ausnahme mehr „Was wir hier erleben, ist längst Alltag für viele Betriebe, insbesondere in den Mittelgebirgsregionen wie hier im Kreis Olpe", unterstreicht Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Die Weidetierhalter bräuchten jetzt wirksamen Schutz und vor allem schnelles Handeln der zuständigen Behörden. Beringmeiers Forderung ist klar: „Wenn Wölfe den Grundschutz überwinden oder dort Schafe reißen, wo ein solcher Schutz nicht zumutbar ist, wie in weiten Teilen der höheren Lagen Südwestfalens, dann müssen diese Wölfe unverzüglich entnommen werden können." Mit der Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz sind die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, um Problemwölfe deutlich schneller und rechtssicher zu entnehmen. Der WLV begrüßt diese Weichenstellung ausdrücklich, macht aber auch deutlich, dass das Gesetz nun ohne weitere Verzögerung in NRW zur Anwendung gebracht werden müsse. Schafhalter schildert Hilflosigkeit nach Wolfsriss Schafhalter Julian Quast aus Scheiderwald/Wenden ist erst vor wenigen Tagen Zeuge von Wolfsrissen auf seinem eigenen Betrieb geworden und schildert eindrücklich: „Sechs tote Schafe, das ist nicht nur ein finanzieller Verlust. Es sind Tiere, für die man Verantwortung trägt. Nach so einem Angriff bleibt ein Gefühl von Hilflosigkeit und permanenter Unsicherheit. Wir brauchen dringend Regelungen, um unsere Tiere wirklich schützen zu können.“ Anders als hier dargestellt gibt es laut Landwirtschaftsministerium in NRW inzwischen sogar 30 Wölfe. Quelle der Grafik: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) Der WLV weist darauf hin, dass jedes Rissereignis die betroffenen Tierhalter stark belastet. Manche denken über die Aufgabe des Betriebs nach, mit fatalen Folgen für Landschaftspflege, Biodiversität und den ländlichen Raum. Sofortiges Handeln nach Wolfsrissen gefordert Der WLV-Wolfsbeauftragte Bernd Eichert, selbst Tierhalter in Wenden, unterstreicht die Dringlichkeit eines beschleunigten Vorgehens: „Nach einem Riss muss sofort gehandelt werden. Die notwendigen Feststellungen müssen unverzüglich getroffen werden, damit schon in der auf das Rissereignis folgenden Nacht ein Abschuss im gesetzlich vorgesehenen Radius möglich ist. Nur so besteht eine realistische Chance, genau den Wolf zu entnehmen, der für den Schaden verantwortlich ist." Bürokratische und langwierige Verfahrensabläufe seien nicht akzeptabel. „Bereits das Erscheinungsbild eines Rissereignisses muss als ausreichende Grundlage dienen, um dieses einem Wolf zuzuordnen und die Voraussetzungen für eine Entnahme festzustellen“, fordert Eichert. Wölfe kehrten erfahrungsgemäß in den Tagen nach einem Riss an den Ort des Geschehens zurück, diese Zeit müsse genutzt werden. Konkrete Forderungen des WLV Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband fordert bei der Umsetzung des Bundesjagdgesetzes insbesondere: unverzügliche Feststellung von Wolfsrissen und unbürokratische Verfahrensabläufe Möglichkeit zur unverzüglichen Entnahme von Problemwölfen nach Rissereignissen zeitnahe Aufstellung der vom Bundesjagdgesetz vorgesehenen verpflichtenden Managementpläne, die Ausweisung unzäunbarer Weidegebiete und eine feste Entnahmequote von 40 Prozent des jährlichen Nachwuchses

  • Frisch aus dem Wald auf den Tisch: „Clean Eating“

    Zartes Grün sprießt nun im Frühling überall in der Natur. Manches frische Blatt schmeckt nicht nur den Tieren gut. Auch für uns Menschen ist Etliches, was jetzt der wärmenden Sonne entgegenwächst, sogar höchst bekömmlich Foto: angieconscious / pixelio.de Junge Pflanzen, Kräuter und Gräser aus dem Wald sind für Vögel, Insekten und andere Wildtiere erste und bevorzugte Nahrung nach dem Winter. Vielen ist nicht bewusst, dass eine ganze Reihe Wildpflanzen auch für uns Menschen essbar sind und außergewöhnliche Geschmackserlebnisse bieten. Manchem von dem, was quasi vor der Haustür wächst, wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. So enthalten 50 Gramm Gewöhnliche Vogelmiere, die auch Hühnerdarm oder Hühnerscherbe genannt wird, neben Kalium, Kalzium und Magnesium so viel Vitamin C, dass der Tagesbedarf eines Erwachsenen gedeckt ist. Gegenwärtig ist deshalb die beste Zeit, um heimisches Grün auf kulinarische Weise kennenzulernen oder die Köstlichkeiten neu zu entdecken. Dazu muss man kein Verfechter der zunehmend in Mode kommenden Naturküche sein oder dem Trend zum sogenannten Health Food, was sich wohl am adäquatesten mit „gesunde Nahrung“ übersetzen lässt, anhängen. Es reicht etwas guter Geschmack und der Wille, die heimische Küche zu veredeln. Neben Spitzenköchen frönen deshalb auch immer mehr gesundheitsbewusste Genießer dem „Clean Eating“ mit nährstoffreichen, naturbelassenen Zutaten aus der kulinarischen Schatzkammer des Waldes. Dabei handelt es sich eher um eine Wieder- als um eine Neuentdeckung der puren Aromen. Denn bereits Hildegard von Bingen hat vor etwa acht Jahrhunderten eine gesunde Ernährung auf der Basis von Naturkräutern empfohlen. Zu den bekanntesten Frühjahrswildkräutern gehört sicher der Bärlauch mit seinem intensiven Knoblauchgeruch. Er ist inzwischen derart gefragt, dass auch Supermärkte ihn anbieten. In der Frischetheke der Natur gibt es ihn ab etwa Mitte März kostenlos. Er wächst in Laubwäldern vorrangig auf kalkhaltigen Böden in großen Teppichen. Zugreifen sollte nur derjenige, der ihn sicher vom giftigen Maiglöckchen, das eine ähnliche Blattform hat, unterscheiden kann. Kulinarische Schatzkammer der Natur Wer in dem Punkt unsicher ist, kann auch die Knoblauchrauke ernten, die gerne auf nährstoffreichen schattigen Flächen, etwa an Hecken oder Waldrändern, wächst und ähnliche Aromen bietet. Die Blätter schmecken leicht nach Knoblauch. Die enthaltenen Senföle geben ihnen eine angenehme Schärfe. Beide Pflanzen eignen sich ebenso wie Wald-Sauerklee, Löwenzahn und Giersch für Kräuterbutter und Salate. Foto: Stefan Domesle / pixelio.de Die goldgelben Blüten des nahrhaften und gesunden Löwenzahns, der auch als Pusteblume bekannt ist, ergeben zudem einen aromatischen Sirup, der auch als vegane Honigalternative genossen werden kann. Der würzige Gundermann und Sauerklee sind ebenfalls reich an Vitaminen und eignen sich für Pesto, Salat oder Tee. Die nährstoffreiche Brennnessel eignet sich zudem für Spinat und der süßlich duftende Waldmeister gibt eine herrlich frische Maibowle. Leicht zu finden und zu erkennen ist das Gänseblümchen. Dessen erste Blütenknospen lassen sich zu sogenannten falschen Kapern verarbeiten. Das auch als Tausendschön und Marienblümchen bezeichnete Gewächs mit seinen weißen bis leicht rötlichen Blüten, die ein essbarer Hingucker im Frühlingssalat sind, schmeckt ähnlich wie Feldsalat, allerdings leicht bitter. Selbst Waldmoose lassen sich in der Naturküche nutzen, etwa zum Räuchern von Tomaten. Doch nicht nur am Boden sprießt frisches Frühlingsgrün. Auch die Bäume treiben aus und bieten Genussvolles. Die hellgrünen Triebspitzen der Fichte können ab diesem Monat geerntet und zu einem belebenden Tee verarbeitet werden. Sie enthalten ätherisches Öl, Vitamin C, Zucker und Gerbstoffe. Frische Buchenblätter geben einen hervorragenden Salat. Die „Handstraußregel“ beachten Wer nun zur Ernte in die Natur zieht, sollte wissen, dass er am ehesten an lichten Stellen, Wegrändern und in Mischwäldern fündig wird. Allerdings sollte die direkte Nähe zu Straßen und landwirtschaftlichen Flächen ebenso gemieden werden wie Wildwechsel, eingezäunte Weiden und Flächen unmittelbar an beliebten Wegen für Gassi-Runden mit Hunden. Das stellt sicher, dass die Wildpflanzen möglichst wenig mit Abgasen, Pestiziden oder anderen unerwünschten Stoffen in Berührung gekommen sind. Waldkräuter werden am besten bei trockenem Wetter gepflückt. Sie sollen frisch, sauber sowie unversehrt aussehen. Oberste Regel ist: Es wird nur gepflückt, was man absolut sicher erkennt. In Naturschutzgebieten ist das Pflücken verboten. Auch geschützte Arten sind tabu. Außerdem gilt die „Handstraußregel“ des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie besagt, dass nur kleine Mengen für den Eigenbedarf entnommen werden dürfen. Beim Sammeln ist darauf zu achten, die Blätter nicht mit der Zwiebel oder Wurzel aus der Erde zu ziehen. Sie sollte im Boden bleiben, damit die Pflanze im nächsten Frühling wieder austreiben kann. Elementar zur Waldküche gehört Wildbret. Es bietet Fleisch in bester Qualität, denn im Wald gibt es noch artgerechte Wildlebensräume fern von Eingriffen des Menschen. Rot-, Reh-, Dam- und Schwarzwild ernähren sich fast das ganze Jahr über vorwiegend von frischen Kräutern und Gräsern. Das beeinflusst maßgeblich den milden Geschmack des Wildbrets, das fettarm, eiweiß- und nährstoffreich ist. Es lässt sich mit Waldkräutern hervorragend zubereiten. Wer sich einen speziellen Genuss gönnen möchte, verarbeitet Bärlauch oder Knoblauchrauke zu einem Pesto, mit dem er den Rücken eines frisch erlegten Maibocks überbackt.

  • Zwischen Koalitionszwang und Wirtschaftskrise: Regierung sucht Stabilität

    Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, ökonomischer Sachverstand deckt sich nicht immer mit dem Blick für das politisch Machbare. Das gilt allemal für die aktuelle Koalition voller ideologischer Gegensätze. Die derzeit wichtigste Klammer zwischen Union und SPD bildet der Erhalt staatlicher Handlungsfähigkeit aus der politischen Mitte heraus. So sind vielleicht die Beschlüsse in der Villa Borsig zu verstehen. Sie fielen am Ende gegen das kritische Unisono der wohl diesmal nicht nach ihrem Rat gefragten Wissenschaftler und Sachverständigen. Was jetzt gilt: Aus der Wirtschaftskrise kommen wir nur, wenn sie nicht von einer andauernden politischen Krise überlagert wird. Wirtschaftsministerin Reiche hat sicher in Teilen Recht, der Kanzler muss den Laden aber zusammenhalten und darf dabei Vizekanzler Klingbeil nun einmal nicht links liegen lassen. Das alles spielt sich in Berlin vor einer außenpolitischen Kulisse voller Unsicherheiten ab. Dabei schöpft Europa nach der Wahl in Ungarn aus mehr eigener Stärke. Brüssel arbeitet daran, dass immer mehr ohne Trump geht. Die Auswirkungen seiner „Friedenspolitik“ werden wir also weiter zu spüren bekommen. Schauen wir noch kurz in die Regionen: Die künftigen Koalitionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind wohl nach allen Irritationen wie erwartet auf dem Weg. Zur Energiesicherung gehört der Netzausbau mit den großen Nord-Süd-Trassen. Auf die Auswirkungen auf unsere Landschaft kommen wir in unserer Wochenkolumne mit dem Blick aufs Wild noch einmal zurück. Und auf das, was die Natur uns sonst noch bietet Gut gemeint kommt nicht immer gut an. Von allen Seiten kam der Ruf nach Entlastungen für möglichst viele Betroffene, die gezwungen sind, zu den drastisch gestiegenen Preisen zu tanken. Viele von uns sind einfach auf das Auto angewiesen – als Pendler, in den Unternehmen oder privat zur Versorgung der Haushalte in strukturschwachen ländlichen Regionen. Das Stöhnen dort ist vielfach berechtigt, wo nun einmal Abhängigkeiten von der Tanksäule bestehen. Im letzten Wochenbrief sind wir bereits darauf eingegangen, wo überall die explodierenden Kraftstoffpreise Existenzängste ausgelöst haben. An den Streit zwischen ordnungspolitischen Grundsätzen und Koalitionsdisziplin vor dem Wochenende in der Villa Borsig erinnern wir uns gut. Und an die Spannungen zwischen Wirtschaftsministerin und Finanzminister (= Vizekanzler und SPD-Co-Chef). Der Kanzler hat die entsprechenden gegensätzlichen Überzeugungen aus der politischen DNA beider nicht auflösen können. Zur Union gehört marktwirtschaftliche Grundsatztreue und zur SPD staatliche Zuwendungsmentalität. Merz hat mehr Koalitionsdisziplin für öffentliche Auftritte und Äußerungen aus dem Kabinett heraus eingefordert. Kritiker haben genüsslich Zitate von Friedrich Merz mit Widersprüchen zwischen seinen Oppositions- und Kanzlerpositionen für die Bundestagsdebatte ausgegraben. Das Verhältnis Union und Wirtschaft erscheint zunehmend belastet Der Kanzler muss und will geschmeidig sein, wenn er den Laden zusammenhalten will. So versucht er, trotz ständig sinkender Zustimmung in den wöchentlich neuen Umfragen auf Reformkurs zu bleiben. Entsprechende Umfragen nimmt er offensichtlich in Kauf. So hat in dieser Woche das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seine Untersuchung zur Stimmung unter rund 1000 Unternehmen veröffentlicht. Danach stellen 43 Prozent der Befragten fest, dass ihre Lage schlechter sei als vor einem Jahr. Zur Vollständigkeit: Nur für 14 Prozent waren positive Signale zu erkennen. Diese Kritik ist auch aus Verbänden des Mittelstandes und der Arbeitgeber zu hören. Die teilweise drastisch artikulierten Äußerungen über die Gesamtlage in der Wirtschaft haben dann wohl auch zur Welle der Ablehnung der von der Koalition geplanten steuerfreien 1.000-Euro-Prämie geführt. Insgesamt erscheint das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Union als zunehmend belastet. Das angekündigte Reformtempo soll gleichwohl nun gehalten werden. Jedenfalls hält sich die Kritik an dem, was zur Reform des Gesundheitswesens auf dem Tisch liegt, dagegen erst einmal in Grenzen. So wiederholen wir uns: In der politischen Prioritätenliste rutscht angesichts dieser Debatten mit entsprechenden Schlagzeilen vieles nach unten, was uns eigentlich beschäftigt. Den Sondierungen folgen jetzt Koalitionsverhandlungen in Stuttgart und Mainz Auf Länderebene ist jetzt erst einmal der Bundesrat gefragt, der nach den abschließenden Lesungen im Bundestag dem Entlastungspaket Sprit und der Steuerfreiheit der 1000-Euro-Prämie wohl schnell zustimmen wird. Anfang Mai soll dann alles wirken, was trotz aller Kritik abgesprochen und auf den Weg gebracht wurde. Vorab gab es dann Ende dieser Woche wenigstens ohne staatliche Eingriffe eine leichte Entspannung an den Tanksäulen. Auf den „Übergewinn des Staates“ haben wir bereits hingewiesen. Jetzt liegen erste Berechnungen vor, die ich gerne als Zitat aus einer Meldung des Bayerischen Rundfunks nachschiebe. Der Fiskus könnte danach durch gestiegene Spritpreise je nach Rechnung im Zeitraum eines Jahres 1,9 bis 3,3 Milliarden Euro mehr Mehrwertsteuern einnehmen. Das ergibt sich nach dieser Berechnung so: Der Nettopreis pro Liter wird mit der Energiesteuer und der CO2-Abgabe zusammengerechnet, auf diese Summe werden 19 Prozent MwSt. aufgeschlagen. Zum Spendenformular Und ebenfalls auf Länderebene nehmen die erwarteten Koalitionen in Stuttgart und Mainz erste Konturen  an. CDU und Grüne sowie CDU und SPD beginnen nach Sondierungsgesprächen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz formell mit Koalitionsverhandlungen. Mitte Mai könnten die Koalitionen unter Cem Özdemir und Gordon Schnieder stehen . Jedenfalls sollen sie dann nach den vorläufigen Terminplanungen der Landtage zu Ministerpräsidenten gewählt werden. Netzausbau mit Folgewirkungen auf Biotope und Wildtiere Ein ständiges Thema geht von den Umwälzungen mit Auswirkungen auf Strukturen und Landschaftsentwicklung in der Energiepolitik  aus. Dabei geht es auf dem Lande vorwiegend um den Netzausbau und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur. Darüber haben wir in unserem Blog schon mehrfach berichtet. Alle wollen die Energiewende. Aber wenn sie mit dem Netzausbau vor der eigenen Haustür konkrete Gestalt annimmt, hakt es oft . Betroffene melden sich immer wieder zu Wort. Die Flächeneingriffe für die Erdkabel sind teilweise so gravierend, dass bereits das Bundesverwaltungsgericht darüber entschieden hat – allerdings zu Lasten der Eigentümer und der Agrarwirtschaft. Jetzt meldete sich der Landesjagdverband Schleswig-Holstein zu Wort. Er unterstützt das Ziel, den Stromnetzausbau planbarer und konfliktärmer zu machen. Anlass zu einer Veröffentlichung zu diesem Thema ist die Stellungnahme der Jägerschaft im Norden mit der Aufforderung an die Netzunternehmen und Genehmigungsbehörden, Naturschutz- und Biodiversitätsbelange systematisch, transparent und fachlich belastbar zu berücksichtigen . „Wer Netzausbau beschleunigen will, muss sensible Räume frühzeitig erkennen und Barrieren für Wildtiere von vornherein mitdenken“ , sagte dort LJV-Geschäftsführer Marcus Börner. Von einer bereits gelegten Trasse  im Bereich des Teutoburger Waldes berichtet mir der Eigentümer (und Jäger) betroffener Grundstücke, dass durch die Bauarbeiten alte und lange beobachtete Wildwechsel abrupt unterbrochen wurden. Ausgangspunkt: Der obere Boden der Äcker wurde breitflächig abgetragen. Dadurch entstand dort ein rund vier Kilometer langer und etwa 50 Meter breiter Graben. Von außen betrachtet ist das vielleicht ein Nebeneffekt des Netzausbaus. Der LJV betont, dass gerade bodengebundene Wildtiere empfindlich auf solche Zerschneidungseffekte reagieren würden. Die diesbezügliche fachliche Expertise sollte also von vornherein in solche Planungen einbezogen werden. In Schleswig-Holstein wird auf den dort beschlossenen Wildwegeplan, das Wildtierkataster und vorhandene Daten zu Wildunfällen und Tierfunden sowie bekannte Wanderachsen und Barrierewirkungen verwiesen. Das sind wichtige Ratschläge aus dem Land, von wo aus immer mehr Windkraft bis in den Süden der Republik transportiert werden soll. Waldrucksäcke für 18 Schulen in Hamm Schon mehrfach konnten wir an dieser Stelle und in unserem Blog über die Naturpädagogik-Projekte unserer Stiftung berichten. Studien zeigen: Kinder haben eine abnehmende Beziehung zur Natur; nachhaltige Naturbewirtschaftung ist ihnen oft ein Fremdwort. Das belegen Studien. Die Chance erlebnisorientierten Lernens wird – besonders im städtischen Umfeld – in der Praxis zu selten genutzt. Das nimmt die Jägerstiftung natur+mensch seit über 20 Jahren zum Anlass, die Naturpädagogik an unseren Schulen zu fördern. Das geht nicht ohne Partner. Oft stehen dabei Serviceclubs wie Rotary oder Lions zur Seite. Aktuell hat der Rotary Club Hamm-Mark unter seinem Jahresmotto „Natürlich leben. Heimat, Gemeinschaft, Verantwortung “ den Grundschulen der Stadt die Waldrucksäcke mit Begleitmaterial zum Unterricht und für Exkursionen angeboten. Das für den aktuellen Clubpräsidenten Robert Vornholt überraschende Echo: 18 Schulen in der Stadt haben Interesse gezeigt und bekommen am 27. April in einer großen Aktion jeweils einen Waldrucksack. Dafür bereitet der Club gemeinsam mit dem Landesbetrieb Wald und Holz einen besonderen Rahmen vor: Zur begleitenden Aktion „WaldJugendSpiele"  werden etwa 200 Schülerinnen und Schüler erwartet. Sie absolvieren dann einen vorbereiteten Parcours mit verschiedenen Stationen. Sie werden von Försterinnen und Förstern sowie Mitgliedern des Clubs betreut. Mittags überreichen dann die Rotarier in Anwesenheit der NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen dem Vorsitzenden unserer Jägerstiftung natur+mensch, Georg Graf Kerssenbrock, sowie Mitgliedern des Rotary Clubs Hamm-Mark die 18 Waldrucksäcke. Neben didaktischem Material für den Schulunterricht enthält der Themenrucksack auch Hilfsmittel für einen Entdeckungsgang in Wald, Feld und Flur. Das sind zum Beispiel Becherlupen, Augenbinden zur Schärfung des Gehörs und des Tastsinns und – dank des Sponsors – ein hochwertiges Fernglas zur Naturbeobachtung. Gerade für Lehrerinnen und Lehrer bzw. Erzieherinnen und Erzieher, die über weniger Erfahrung im naturkundlichen Unterricht verfügen, bietet dieser Themenrucksack die Chance zu mehr Naturnähe in Teilen ihres Unterrichtes. Einige Jäger (auch aus dem Rotary Club Hamm-Mark) bieten örtlich an, erste Schritte zum erlebnisorientierten Naturkundeunterricht fachlich zu begleiten. Außergewöhnliche Geschmackserlebnisse durch Wildpflanzen Zartes Grün sprießt nun im Frühling überall in der Natur. Manches frische Blatt schmeckt nicht nur den Tieren gut. Auch für den Menschen ist Etliches, was jetzt der wärmenden Sonne entgegenwächst, nicht nur schön anzuschauen, sondern auch höchst bekömmlich. Eine ganze Reihe Wildpflanzen ist für uns Menschen essbar und bietet außergewöhnliche Geschmackserlebnisse. Manchem von dem, was quasi vor der Haustür wächst, wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. Gegenwärtig ist deshalb die beste Zeit, um heimisches Grün aus Wald und Feld auf kulinarische Weise kennenzulernen oder die Köstlichkeiten neu zu entdecken. In der kommenden Woche geht Christoph Boll in einem Blog-Beitrag darauf ein, wie Bärlauch, Hagebutte, Löwenzahn und Co., zu Pesto, Tee oder Salat verarbeitet, ein kulinarischer Genuss werden, der die Frühjahrsmüdigkeit vertreibt. In meinem letzten Wochenbrief  habe ich mir erlaubt, einige kritische Bemerkungen zum Schicksal des vermenschlicht Timmy genannten Buckelwals vor der Insel Poel in der Ostsee zu äußern. Daran habe ich nichts zu ändern. Warum lässt man das todkranke Tier nicht in Ruhe? Mit Tierschutz hat das alles nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. Da wartet ein krankes Meerestier offensichtlich auf Erlösung und nicht auf weitere Qualen durch selbst ernannte Retter. Sie schlagen den Rat kompetenter Meeresbiologen in den Wind und lassen Pontons, Bagger und Luftkissen auffahren, um die ohnehin schon geschundene Kreatur in die Nordsee zu transportieren. So wird das aus meiner Sicht wohl kein gutes Wochenende. In diesem Sinne verbleibe ich diesmal mit besten Grüßen unserer Redaktion natur+mensch Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Rebhuhn: Vogel des Jahres ist im Sinkflug

    Die Balz ist weitgehend gelaufen. Bald beginnen die Hennen mit der Eiablage. Es gilt zwar als Charaktervogel unserer offenen Feldflur. Doch das Vorkommen ist in Deutschland trotz aller Hegebemühungen seit langem im stetigen Sinkflug Foto: Marek Szczepanek , Perdix perdix 2 (Marek Szczepanek) , CC BY-SA 4.0 Die Henne beginnt mit dem eigentlichen Brutgeschäft erst, wenn das durchschnittlich zehn bis 20 Eier umfassende Gelege komplett ist. Bis zu zwei Dutzend Eiern, die im Abstand von bis zu zwei Tagen gelegt werden, können es pro Nest werden. Doch die auf den ersten Blick groß erscheinende Zahl kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bundesweit immer weniger Rebhühner gibt. Denn auch wenn sie in weiten Teilen Europas und Asiens Standvögel sind und das gesamte Vorkommen auf bis zu zehn Millionen Exemplare geschätzt wird, leben bei uns nach Schätzung der Deutschen Wildtier Stiftung nur noch etwa 50.000 Brutpaare. In Hessen wird der Bestand auf 5.000 bis 10.000 Brutpaare geschätzt, eine Abnahme des Bestandes um 50 Prozent in 25 Jahren. In Sachsen ging der Bestand in den zehn Jahren von 1995 bis 2005 um annähernd 90 Prozent zurück. Das Rebhuhn steht wegen dieser Entwicklung in Deutschland als „stark gefährdet“ auf der roten Liste. Das war lange Zeit ganz anders. Drei-Felder-Wirtschaft war der ideale Lebensraum Zunächst waren Steppen und Heidegebiete die ursprünglichen Lebensräume des Rebhuhns, das schneearme Lagen unterhalb von 600 Metern bevorzugt. Als der Mensch die Wälder rodete und ganze Landschaften kultivierte, entstanden klein-parzellierte Felder, gesäumt von unkrautreichen Feldrainen, Wegrändern und Altgrasstreifen. Deckung und Schutz vor Witterung und Feinden bot auch der Anbau von Kartoffeln und Rüben, in denen früher noch viele Insekten lebten, die die reinen Bodenbrüter als Eiweißquelle für ihre Jungenaufzucht benötigen. Diese von der Drei-Felder-Wirtschaft geprägte Kulturlandschaft war für das Rebhuhn wie für alle anderen Kulturfolger ein idealer Lebensraum. Noch vor 70 Jahren war ein Acker meistens nur wenige 1.000 Quadratmeter groß und der Anbau von verschiedenen Feldfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Futterklee und Mais wechselte sich in der Landschaft ab mit Brachen. Unter solchen optimalen Bedingungen betrug die Siedlungsdichte bis zu 120 Paare auf 100 Hektar. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature), das weltweit größte Netzwerk für Naturschutz, stuft den weltweiten Bestand auch heute noch als gesichert ein. In Europa aber ist er stark gefährdet. Denn seit den 1970er Jahren sinkt er kontinuierlich, allein von 1980 bis 2016 um 94 Prozent. In manchen Gegenden ist das Rebhuhn längst ausgestorben. Es droht der flächendeckende Absturz. Flurbereinigte Agrarwirtschaft löst intakte Lebensräume ab Die Gründe sind mannigfaltig. Wesentlich ist die Zerstörung intakter Lebensräume durch die Umwandlung der Agrarlandschaft in flurbereinigte und dann intensiv mit Großmaschinen bewirtschaftete Flächen. Da gibt es Regionen, in denen ein einziges Feld mehr als 100 Hektar groß sein kann, also eine Million Quadratmeter, auf denen sich gerade mal noch ein Brutpaar findet. Auf diesen riesigen Feldschlägen ist mittlerweile auch die Vielfalt der angebauten Feldfrüchte sehr gering. Oft wird neben Weizen nur noch Raps und Mais angebaut und die Äcker werden stark mit Pestiziden behandelt, sodass sich immer weniger Insekten finden. Hat das Rebhuhn unter diesen Bedingungen schon kaum eine Überlebenschance, so kommt eine hohe Sterblichkeitsrate in kalten Wintern und nasskalten Frühjahren hinzu. Besonders Jungvögel sterben bei Dauerregen und damit einhergehender Unterkühlung. Hinzu kommen dann noch die Verluste durch Fressfeinde wie Greifvögel, Fuchs und Marder. Altvögel und Gelege werden aber auch Opfer von Raben und Krähen, Igeln, Wildschweinen, Waschbären, Wanderratten und Dachsen. Dass die zeitaufwändige Fallenjagd auf Prädatoren immer weniger ausgeübt wird, tut ein Übriges dazu. Das Rebhuhn kann als Kurzstreckenflieger und Laufvogel ihnen kaum entkommen und vermeidet deshalb Feindkontakt durch Tarnung. Das überwiegend braungraue Gefieder macht ein Rebhuhn auf der Ackerkrume fast unsichtbar. Bei Gefahr drückt es sich flach auf den Boden, um nicht entdeckt zu werden. Erst im letzten Moment fliegt das Rebhuhn auf und versucht, die nächste Deckung zu erreichen. Dabei ist der Flug niedrig über dem Boden und enthält stets längere Gleitphasen. Hegebemühungen der Jägerschaft Als Jagdbeute spielt das Rebhuhn in Deutschland nahezu keine Rolle mehr. Bereits vor zehn Jahren war die Strecke auf rund 2500 Stück gesunken, die dann auch noch überwiegend Fallwild waren. Nur wenn ein Mindestbestand durch Zählung nachgewiesen ist, dürfen die Hühnervögel überhaupt bejagt werden. Forderungen, sie aus dem Jagdrecht zu entlassen, verkennen, dass damit auch die Pflicht zur Hege durch die Jägerschaft entfiele. So aber gab und gibt es immer wieder Anstrengungen von Revierinhabern, etwa im Emsland und der Grafschaft Bentheim, durch Biotopverbesserungen dem Rebhuhn unter die Schwingen zu greifen. Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte der Jägerschaft sind bekannt aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen. Wo Rebhühner noch in nennenswerter Zahl vorkommen, ist es ein besonderes Naturerlebnis, den Revierruf des Männchens im Spätwinter und im Frühjahr zu hören und beide Geschlechter im Prachtkleid der Balz zu sehen. Die Hähne rufen vor allem morgens und abends und sind auch noch nach Einbruch der Dunkelheit zu hören. Die Eiablage erfolgt ab Mitte April und nach einer Brutzeit von etwa 25 Tagen schlüpfen die Küken, die nach zwei Wochen fliegen können und einen guten Monat später selbstständig sind. Im Hochsommer kann man mit etwas Glück beobachten, wie die Nestflüchter den beiden Altvögeln über den Stoppelacker folgen. Jäger nennen eine solche Rebhuhnfamilie eine „Kette“ und sprechen von einem „Volk“, wenn sich im Winter mehrere Familien zusammenschließen. Rebhühner brüten nur einmal im Jahr, wenn das erste Gelege nicht frühzeitig zerstört wurde. Schon eine Zuwachsrate von drei Vögeln pro Brutpaar gilt als überdurchschnittlich. Rechnet man die Winterverluste von bis zu einem Drittel hinzu, wird klar, dass es auch bei jagdlicher Vollschonung einen beständigen Schwund gibt. Allenfalls in außergewöhnlich guten Aufzuchtjahren kommt es zu einer kurzfristige Bestandserholung. Zu ihr beizutragen bemühen sich dann die Jungvögel, die über den Winter im Familienverband bleiben, wenn sie sich im folgenden Frühjahr in der näheren Umgebung ansiedeln, um ihre eigene „Kette“ zu gründen.

Suchergebnisse

bottom of page