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  • Eine Woche der Debatten und Positionierungen

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, in der Natur erleben wir nach allen Prognosen der Wetterfrösche langsam den Ausklang des Winters und freuen uns über die ersten Frühlingsboten. Jedenfalls sind hier die Schneeglöckchen nach dem Tauwetter sichtbar und die Narzissen werden wohl bald blühen. Da spielt das Prinzip Hoffnung auf ein Frühlingserwachen und Wohlfühlzeiten hinein. Diese Stimmung ist politisch im Rückblick auf diese Woche allerdings noch nicht übertragbar. Politische Aschermittwoch-Veranstaltungen, CDU-Parteitag und Wahlkampftöne in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und auch den bayerischen Kommunen sind da eher anders geprägt. Die Menschen wollen Schritte nach vorn sehen, wenn es um Wege aus unserer Wirtschafts- und Sicherheitskrise geht. Diese Wochenkolumne nehme ich weiter zum Anlass, darauf hinzuweisen, welchen Beitrag unsere Stiftung natur+mensch einbringt, um den Diskurs über den ländlichen Raum mit all seinen Akteuren stärker ins Bewusstsein aller Menschen in Stadt und Land zu rücken. Aus Reizworten wie „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ soll nun eine ernsthafte Debatte über die „Notwendigkeit eines geordneten Anspruchs auf Teilzeitarbeit“ werden. Das ist in der sprachlich geglätteten Form finaler Beschlussempfehlungen nur einer von 269 Anträgen, die genau den 1001 Delegierten beim CDU-Parteitag in Stuttgart auf dem Tisch liegen. Dann folgt üblicherweise die Abstimmung über einzelne Positionen, die in ihrer verabschiedeten Form nun einmal nicht eins zu eins in Regierungshandeln umgesetzt werden. Für eine Koalition wie diese gilt das allemal. Das inzwischen verschlissene Lifestyle-Zitat, auf das in der Vorberichterstattung geradezu lustvoll und vielfach zurückgegriffen wurde, ist allerdings ein Beispiel dafür, wie man sachliche Reformdebatten im Vorfeld nicht nur inhaltlich, sondern sprachlich erschweren kann. So kann es mit Blick auf die jeweils eigenen Reihen dornig werden, um am Ende die Positionen in einer gemeinsamen Regierung zusammenzuführen. Wähler- und Parteistrukturen hinter Merz oder Klingbeil können nun einmal nicht ständig ein Herz und eine Seele sein. Jeder weiß: Die Bundesrepublik wehrt sich in dieser Zeit gegen die größte Konjunkturkrise ihrer Geschichte. Ohne grundlegende Veränderungen in der Arbeitswelt, im Steuerrecht oder in sozialen Sicherungssystemen wird es nicht gehen, wenn staatliche Vorsorge nicht neu und zukunftsfest justiert wird, um Wohlstand und Sozialstandards zu sichern. Und dazu haben zwei Parteien einen Koalitionsvertrag geschlossen, bei denen die Wege dorthin nun einmal zunächst diametral auseinanderlaufen. Jeweils andere Sozialisation heißt hier auch andere Wege, selbst wenn Ziele gemeinsam formuliert werden. Das haben uns Meldungen und Meinungen gerade in dieser Woche vor Augen geführt. Parteitag, Wahlen, Aschermittwoch und schärfere Töne Nun können wir uns beruhigend auf die Erkenntnis zurückziehen, dass nach dieser Woche des Politischen Aschermittwochs, eines Parteitages bei laufenden Wahlkämpfen mit teils scharfen Tönen nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Das Zitat von Markus Söder aus der Passauer Nibelungenhalle – „Hier ist nicht die Berliner Blase, hier spricht das Volk“ – heizt zwar die Stimmung an, hilft aber in der Koalition kaum weiter. Wenn er dann wieder an der Spree hinter verschlossenen Türen im Koalitionsausschuss sitzt, muss auch er sich bewegen. Überall geht’s jetzt erst mal darum, vor den Landtagswahlen im Südwesten und den Kommunalwahlen in Bayern die eigenen Reihen zu schließen. Die SPD bastelt an Steuerrezepten herum, die wir längst als nicht durchsetzbar kennen. Vermögende, Reiche, Gutverdienende und Erben sollen es danach richten. Das hat allerdings in der Ampel oder den rot-grünen Zeiten mit Sitz auf der Regierungsbank schon nicht funktioniert. Wie soll das jetzt mit der Union gehen, die sich gegen nahezu alle Erhöhungen von Steuern und Abgaben sträubt? Dort wird die Erkenntnis dagegengehalten, dass die Menschen in Deutschland gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung noch nie so viel an Steuern und Abgaben zu zahlen hatten wie jetzt. Und dass noch nie so viel engmaschige Bürokratie mit dafür gesorgt hat, dass das so ist. Für Merz geht es gestärkt weiter Dazwischen steht der Bundeskanzler, der ausgerechnet noch in dieser Woche seine Absicht geäußert hat, eine weitere Legislaturperiode Kanzler zu bleiben. Das hat während der aktuellen Themenprofilierungen von Union und SPD für zusätzliches Erstaunen gesorgt. Wir werden erleben, dass der Kanzler nicht alles durchsetzen kann, was da in Stuttgart (auch mit Blick auf die im Südwesten anstehenden Landtagswahlen) beschlossen wurde. Neben den Inhalten, auf die wir in unserer nächsten Wochenkolumne mit bewährtem Blick Anliegen und Zukunft unserer ländlichen Räume abgleichen, ging es um Personelles. Das wurde bereits gestern mit der Wahl des Parteivorsitzenden erledigt. Merz bleibt mit 91,17 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt. Das ist das Signal der Stärke, mit dem der Parteivorsitzende für die nächsten zwei Jahre durch sein Wahlergebnis ausgestattet wurde. Er hat sich um Harmonie bemüht. Die Parteidisziplin hat funktioniert. Jedenfalls hat es Markus Söder bei seiner letzten Wahl zum CSU-Vorsitzenden mit 83,6 Prozent nicht besser gemacht. Werben um mehr Verständnis für die Belange des ländlichen Raums Dazu füge ich aus gegebenem Anlass ein paar Sätze dazu an, was wir tun, warum wir den Blog natur+mensch mit politischen und anderen Themen füttern, wie wir am Ende auch dem dienen wollen, woher wir kommen. Die Stiftung natur+mensch ist aus der Jagd heraus gegründet worden. In ihrer Kommunikation wirkt sie aktiv an ihrer Bewahrung und Förderung in Deutschland mit. Im Einklang mit Natur- und Tierschutz versteht sie Jagd als sinnvolle, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Sie reagiert darüber hinaus darauf, dass Politik zunehmend aus urbanen Lebenswelten heraus auch für die Menschen formuliert wird. Das trifft die Menschen, die auf dem Lande wohnen und arbeiten. Zum Spendenformular Themenbereiche wie z. B. Umwelt, Landwirtschaft & Naturnutzung, Abbau von Strukturschwächen, Bildung auf dem Lande, Mobilität und medizinische Versorgung werden in Gesellschaft und Politik immer wieder neu justiert – teilweise mit gravierenden Auswirkungen auf die Betroffenheit in den ländlichen Räumen. Und damit auf die Menschen, die dort zu Hause sind und auch als Jägerinnen und Jäger ebenfalls eine besondere Heimat finden. Die Stiftung will diese Aspekte in ihrer gesellschaftlichen und politischen Akzeptanz stärken. Und sie stützt deren Interessen faktenbasiert und argumentativ in der Öffentlichkeit. Über verschiedene Projekte der Waldpädagogik oder das Forstkonzept „Wald und Wild“ hinaus gelingt es, durch eine darauf ausgerichtete Kommunikationsarbeit deutschlandweit eine große Zahl an Naturfreunden und anderen am Landleben interessierten Menschen zu erreichen. Dem sollen Blog und Newsletter dienen. Im letzten Jahr haben wir im Durchschnitt monatlich eine sechsstellige Zahl an Nutzern über Blog, Newsletter und Social Media registriert. Und wir haben dabei teilweise auch kontroverse Diskussionen ausgelöst. Das ist in unserer Gesellschaft manchmal auch die Wirkung von Fakten. Kontinuierlich und bei Bedarf tagesaktuell greifen renommierte Journalisten Themen professionell auf, die manchmal auch im Verborgenen liegen oder gerade öffentlich diskutiert werden. Die Jägerstiftung natur+mensch baut auf diese Weise Brücken im Werben um mehr Verständnis für die Belange des ländlichen Raums. Sie flankiert und ergänzt somit die Verbandsaktivitäten der Jagd und ihres gewachsenen Umfelds. Dabei tritt sie öffentlich als verstärkende und kompetente Interessenvertretung der Jägerinnen und Jäger und darüber hinaus aller Naturnutzer in Erscheinung. Die Zeit drängt: Gehölzschnitt nur bis zum nächsten Samstag Hege ist mehr,  als Mais ins Revier zu bringen und Salzlecksteine aufzustellen. Zu ihr gehört auch eine Revierpflege, die über das Anlegen von Pirschwegen und Ausbessern von Ansitzeinrichtungen hinausgeht. Ziel ist eine Aufwertung des Lebensraums, nicht nur für das Wild, sondern auch für Insekten, Amphibien und viele Singvögel. Ein Mittel dazu ist die Optimierung von Hecken und Feldgehölzen , gerade in einer weitgehend ausgeräumten Feldflur. Mit wenigen Handgriffen und einem kräftigen Rückschnitt lässt sich oft viel bewirken. Wer das in diesem Jahr noch angehen möchte, muss sich allerdings sputen. Denn nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Auf einen Beitrag unseres Autors Christoph Boll zu diesem Themenkreis in unserem Blog verweise ich gern , weil es Zeit wird, Heckenschere oder Säge in die Hand zu nehmen. Wer das in seinem Revier in diesem Jahr nicht mehr schafft, hat auf jeden Fall auch wertvolle Hinweise für die notwendigen Gespräche mit den Flächeneigentümern und die Vorbereitung der Maßnahme im nächsten Winter. So endet eine bewegte Woche, die anfangs noch einmal winterlich war. An unseren Schneeglöckchen ist schon zu sehen, dass die Natur aktiv wird. Das regt – wie von Christoph Boll geschildert – an, im Garten oder Revier aktiv zu werden, sobald die Natur aktiv wird. Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Jetzt ist höchste Zeit für die Revierpflege

    Revierpflege ist unerlässlich. Dazu zählt nicht nur das Anlegen von Pirschwegen und Ausbessern von Ansitzeinrichtungen. Oft lässt sich schon mit wenig Aufwand viel für das Wild erreichen. Wer dabei in diesem Jahr noch Gehölzschnitte vornehmen will, für den wird es höchste Zeit Foto: Sora Hecken sind in der oft weitgehend ausgeräumten Feldflur ein wertvoller Lebensraum für das Wild und viele Insekten. Auch viele Vogelarten sind auf Hecken angewiesen. Sie bieten Deckung, Nahrung und Brutplätze sowie Schutz bei der Aufzucht des Nachwuchses. Je breiter eine Hecke ist, desto besser erfüllt sie diese Funktionen, dazu möglichst noch reich strukturiert mit Unterbrechungen und Ausbuchtungen. Dabei gilt der Grundsatz „oben licht, unten dicht“. Oft ist mit wenigen Handgriffen schon viel gewonnen. Um das zu erreichen, bedarf es einer Pflege, die zu den nachhaltigsten und effizientesten Hegemaßnahmen für das Niederwild gehört. Probates Mittel ist das sogenannte Auf-den-Stock-Setzen, also der Rückschnitt mit der Motorsäge. Wer das noch machen möchte, muss sich sputen, weil ihm nur noch wenige Tage dafür bleiben. Denn nach Paragraf 39 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Eigenjagdbesitzer sind dabei klar im Vorteil. Sie müssen die Maßnahmen allenfalls mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) absprechen. Alle Revierpächter hingegen brauchen auch die Zustimmung des Grundeigentümers. Den zu finden hilft bei Privateigentum ein Gespräch mit dem Vorstand der Jagdgenossenschaft, bei Flächen in öffentlicher Hand ist die UNB der richtige Ansprechpartner. Hilfreich für die Gespräche ist ein schriftliches Pflegekonzept, ähnlich wie es Hermann Benjes Anfang der 1990er Jahre entwickelt hat. Bei dessen Formulierung hilft im Bedarfsfall der örtliche Förster oder der Landschaftspflegeverband. Früher wurde aus Hecken immer auch Brennholz oder Holz zum Werkzeugbau gewonnen. Auch wenn diese Funktion längst verloren gegangen ist, haben Hecken oft sehr viele Bäume. Lässt man sie einfach wachsen, beschatten sie die Sträucher irgendwann so stark, dass diese zuerst kümmern und dann verschwinden. Es bleiben zuletzt nur Baumreihen mit wenig Unterwuchs. Saum- und Mantelzone fehlen. Bei Feldgehölzen ist es meistens ebenso. Schutz, Nahrung und Lebensraum Für alle Vogelarten im Offenland wie Rebhuhn, Fasan, Kiebitz, aber auch für Junghasen ist das fatal. Greif- und Rabenvögel nutzen die Bäume als Ansitzwarte für überraschende Angriffe oder beobachten die Hennen so lange, bis sie das Gelege entdeckt haben und plündern. Wer dem vorbeugen will, spricht mit dem Flächeneigentümer. Ist der Jagdgenosse eine Privatperson, in der Regel also ein Landwirt, leistet manchmal neben dem Pflegekonzept auch eine Reh- oder Wildschweinkeule, alternativ eine Flasche Hochprozentiger, Überzeugungsarbeit. Allerdings soll sich kein Jagdpächter wundern, wenn der Grundeigentümer nicht sofort Feuer und Flamme ist. Landwirte haben gute Gründe, ein Vordringen der Gehölze auf ihre Ackerflächen zu verhindern. Sie leben schließlich von deren Ernteertrag. Die Eigentümer asten also oft nur die Bäume auf und entfernen Sträucher. Ansonsten überlassen sie die Hecken und Feldgehölze auch deshalb oft sich selbst, weil sie die Reaktion naturferner Menschen kennen, für die das Fällen eines Baumes in der Feldmark ein vermeintlicher Frevel ist, auf den sie mit Anzeigen und übler Nachrede reagieren. Sie wissen in aller Regel nicht, dass eine Hecke bereits im ersten Frühjahr nach einem Rückschnitt – mag er auch noch so massiv aussehen – zeigt, wie viel Leben in ihr steckt. Heckenpflege kostet Zeit, Geld und Arbeitskraft Hat der Revierinhaber die schriftliche Einwilligung des Grundeigentümers, geht er damit zur UNB. Sie begrüßt in aller Regel fachlich korrekte Pflegemaßnahmen und hilft bei der Beantwortung der Frage, ob es Fördermittel für Heckenpflege gibt. Denn eines muss man wissen: Das ganze Unterfangen kostet Zeit, Geld und Arbeitskraft. Wie viel von was genau, hängt davon ab, ob man selbst Hand anlegt oder ein Unternehmen beauftragt. Dabei gilt es, Vielfalt zu schaffen, die meisten Bäume mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimetern in Brusthöhe in verschiedenen Höhen von 50 Zentimetern bis zu 1,5 Metern abzusägen und anfallendes Astmaterial locker in die Hecke einzuarbeiten. Große und schnellwüchsige Büsche und Sträucher wie Haselnuss, Weide oder früh blühende Traubenkirsche sollten entnommen werden, niedrigwüchsige Arten wie Heckenrose und Heckenkirsche sollten überhaupt nicht auf den Stock gesetzt werden. Die örtlichen Bedingungen und der Pflegezweck bestimmen, ob eine Hecke am Stück oder in Abschnitten gepflegt wird. Wer Rebhuhn und Wiesenvögeln helfen will, geht die Sache in einem Mal an. Ansonsten ist ein Vorgehen in Abschnitten sinnvoll. Wo niedrig wachsende Sträucher bereits komplett fehlen, können sie im auf die Maßnahme folgenden Frühjahr in die Hecke gepflanzt werden. Denn endgültig fertig ist die Revierpflege nie. Spätestens nach einigen Jahren beginnt die Heckenpflege von vorne.

  • Grün versteckt sich hinter Özdemir

    Kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg am 8. März hier aktuell ein Blick auf die Stimmung im Lande. Die Frage bleibt spannend, wer Ministerpräsident wird. Der grün-erfahrene Cem Özdemir oder der CDU-Nachwuchsmann Manuel Hagel? Foto: Dominik Butzmann Die Grünen verstecken sich. Hinter Cem Özdemir. Auf Wahlplakaten, auf denen der grüne Spitzenkandidat in Baden-Württemberg um die Zweitstimme bei der Landtagswahl am 8. März buhlt, gibt es keinen auch noch so kleinen Hinweis auf dessen Parteizugehörigkeit. Grün setzt auf Cem – und hofft, mit der Fokussierung auf Özdemirs hohem Bekanntheitsgrad, der deutlich über dem seines CDU-Konkurrenten Manuel Hagel liegt, zu punkten. Das darf man nach 15 Jahren grüner Regierungsführung ein politisches Armutszeugnis nennen. Wie es alle Umfragen vermuten lassen, droht den Grünen im Land ein böser Absturz aus den gewohnten Kretschmann-Höhen. Denn der tritt altersweise wie altersmüde nicht mehr an. Und so klammert sich die Partei an Özdemir, der einen netten Wahlkampf führt, sich im ökokonservativen Habitus von Kretschmann nicht in den Schatten stellen lässt, den Linken in seiner Truppe wie im Mercosur-Sündenfall öffentlich den Marsch bläst, die kränkelnde Automobilindustrie im Land umhegt und ansonsten als 60-jähriger Polit-Profi mit seiner langen Erfahrung in Ämtern und Positionen von Brüssel bis nach Berlin kokettiert. Die Grünen setzen auf Erfahrung Erfahrung: Das ist das Wort, das im Endspurt noch für ein paar zusätzliche Prozente sorgen soll. Die Umfragen sehen die Grünen um die 22 Prozent, weit hinter der letzten Über-30-Prozentmarke Kretschmanns. Immerhin haben sie sich mittlerweile knapp an der AfD vorbei auf den zweiten Demoskopie-Platz geschoben – und schon das sorgt für bezeichnende Zufriedenheit. Dass der Rückstand auf die Hagel-CDU weiter stabil bei rund sieben Prozent liegt, wird gefasst hingenommen. Und auch dass zahlreiche 2021 überraschende gewonnene Direktmandate wieder verloren gehen dürften, bringt keine spürbare Unruhe an die Basis. Denn so viel scheint gesichert: Die Grünen werden in der Landesregierung bleiben. Diesmal eben nur als Junior-Partner, aber hat die CDU in den letzten zehn Jahren nicht artig bewiesen, dass sich auch vom zweiten Platz gut mit und von der Politik leben lässt? Wenn man, trotz großer inhaltlicher Gräben, nur geschmeidig und duldsam genug ist? Manuel Hagel jedenfalls, sichtlich 38 Jahre jung, wird mit einem wie Özdemir, der in diesem Februar den ex-grünen Tübinger OB-Enfant-Terrible Boris Palmer nicht nur als Standesbeamten gebucht hat, sondern sich diesen nach der März-Wahl auch am Kabinettstisch vorstellen kann, leidlich gut auskommen können. Hagel hat die missverständlich störenden Querschüsse des CDU-Wirtschaftsflügels zu Teilzeitarbeit und Zahnversicherung als dümmliche Schnapsideen abgewatscht und ist als Honoratioren-Lehrbub bemüht, sein Bekanntheitsdefizit durch eine hohe Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft abzufangen. Wie es aussieht, wird das am Ende für den ersten Platz reichen. Ob es dann mit den Grünen tatsächlich spürbare Veränderungen im Land geben wird, etwa bei den Schulen, im Sozialen, in der Infrastruktur, der Haushaltslage und vor allem im Bereich Wirtschaft, bleibt dahingestellt. Die CDU hätte gern ein anderes Bündnis als mit den Grünen Hagel, daraus macht er kein Hehl, hätte gern ein anderes Bündnis. Eines mit SPD und FDP. Doch dafür dürfte es nicht reichen. Die gesichtslose SPD kratzt von unten an der Zehn-Prozent-Marke, die großmäulige FDP von oben an der Fünf-Prozent-Hürde. Und mit den Linken wird eine neue Fraktion im Landtag für unnötige Unruhe sorgen. Die AfD, die diesmal sogar einen eigenen Ministerpräsidenten-Kandidaten auftischt, dürfte sich, erheblich gestärkt, mit Platz 3 hinter Schwarz-Grün genüsslich abfinden. Allzu viel dürfte sich im Landtag also nach dem 8. März nicht ändern. Es sei denn, man schaut in den Sitzungssaal. Der könnte demnächst aus allen Nähten platzen. Erstmals dürfen die Wahlberechtigten in Baden-Württemberg wie bei einer Bundestagswahl zwei Stimmen abgeben. Und weil in Stuttgart (anders als in Berlin) die Zahl der Abgeordneten nicht begrenzt ist, steht zu befürchten, dass es statt wie bisher 154 Abgeordnete (ursprünglich sieht die Landesverfassung sogar nur 120 vor) am Ende durch Überhangs- und Ausgleichsmandate zwischen 170 und 190 geben dürfte – was die Erweiterung des Plenarsaals mit sich bringen würde und laut Landesrechnungshof in toto Mehrkosten von 200 Millionen Euro pro Legislaturperiode. Mehr Masse als Klasse.

  • Füttern in Notzeiten gehört zum Hegeauftrag

    Wenn der Winter Deutschland fest im Griff hat, bedeutet das für das Wild vielerorts Notzeit. Es findet kaum noch Äsung. Dann müssen Jäger es füttern. Denn das gehört zum gesetzlichen Hegeauftrag Foto: Sybille Daden / pixelio.de Besonders im Spätwinter sorgen Eis und Schnee dafür, dass Wildtiere nur noch schwer Nahrung finden. Sie leiden besonders, wenn eine teilweise zentimeterdicke Eisdecke auf dem Schnee liegt. Zudem erhöht sich das Verletzungsrisiko bei Fluchten durch den verharschten Schnee. Früher war es für Jäger selbstverständlich, dem Schalenwild in dieser Zeit zu helfen. Dazu bedurfte es keiner Gesetze und Verordnungen, sondern nur eines jagdlichen Ethos. Weil sich Notzeitfütterungen aber teilweise zu einem Instrument des Anlockens von Wild mit unangebrachten Futtermitteln entwickelt hatten, gibt es längst staatliche Vorgaben in Form von Fütterungsverordnungen, über deren Ausgestaltung nicht selten heftig gestritten wurde. Heute entscheidet nicht der einzelne Jäger darüber, ob eine Notzeit gegeben ist, sondern die Landkreise rufen die Notzeit aus. Sie folgen damit den Vorgaben des Paragrafen 23 des Bundesjagdgesetzes. Der verpflichtet Jagdausübungsberechtigte, im Rahmen des Jagdschutzes das Wild „angemessen und artgerecht zu füttern“. Daran orientiert wurde in einigen Regionen während der vergangenen Kälteperiode mit Frost, Schnee und Eisregen in etlichen Landkreisen eine Notzeit ausgerufen. Als einer der ersten Landkreise griff Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern per Allgemeinverfügung zu dieser Maßnahme. Er formulierte auch deutlich seine Erwartung an die Revierverantwortlichen. Sie hatten Äsungsflächen zum Beispiel durch das Freischleppen von Wildäckern oder Waldschneisen zu schaffen. Was als Futtermittel zugelassen ist, regeln die Bundesländer. Kraftfutter und Küchenabfälle sind quasi überall verboten. Vorrangig zu verwenden ist Raufutter, also Heu oder Grassilage. Teilweise sind auch Obstreste und Zuckerrüben zugelassen. Ist die Notzeit ausgerufen, ist es nicht mehr in das Ermessen des einzelnen Revierinhabers gestellt, ob er füttert oder nicht. Wer in der Notzeit nicht für angemessene und artgerechte Fütterung des Wildes sorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Vermeidbares Leid verhindern Auch der Landkreis Oder-Spree in Brandenburg rief die Notzeit aus und wurde dafür vom Landesjagdverband ausdrücklich gelobt. Die Entscheidungen sei fachlich richtig, tierschutzrechtlich geboten und beispielhaft für verantwortungsvolles Verwaltungshandeln. Der Landkreis habe die Wetterlage sorgfältig bewertet und entschlossen gehandelt, um vermeidbares Leid bei Wildtieren zu verhindern, hieß es. Immer wieder umstritten ist die Fütterung von Rehwild. Befürworter sehen in ihr ein Mittel zur Vermeidung von Verbissschäden. Andere gehen so weit, Wildtier-Fütterungen grundsätzlich infrage zu stellen. Sie verweisen auf Beispiele wie den schweizerischen Kanton Graubünden oder Nationalparke, wo Wildtiere grundsätzlich nicht gefüttert werden. Allerdings ist es schwierig, Lebensräume und Witterungsbedingungen im Winter miteinander zu vergleichen. In die Überlegungen einbezogen werden muss zudem auch der Anteil von Ruhezonen für das Wild in der Region. Gerade solche vom Menschen im Winter kaum oder gar nicht berührte Rückzugsgebiete von entsprechender Größe gibt es in Mitteleuropa kaum noch. Man denke nur an Wanderer und Wintersportler, die bis in die letzten Ecken der Lebensräume vordringen. Das strapaziert enorm die Energiereserven der Wildwiederkäuer, deren Stoffwechsel im Winter im Sparmodus läuft. Gleichwohl gehen Wildbiologen nicht so weit, eine generelle Notwendigkeit der Rehwildfütterung zu behaupten. Beitrag zur Verbiss-Entlastung Andererseits verlassen viele Rehe rechtzeitig die schneereichen Gebirgslagen. In landwirtschaftlich intensiv genutzten tieferen Lagen hingegen kommt es besonders in Waldinseln zu einem enormen saisonalen Anstieg der Wilddichte bei gleichzeitig knappem Äsungsangebot. Dort kann die Fütterung ein Beitrag zur Verbiss-Entlastung sein. Ein weiteres Argument für Fütterungen ist, dass mit ihrer Hilfe das Wild „gelenkt“ werden kann, also etwa weg von vielbefahrenen Straßen, um Verkehrsunfälle zu vermeiden. Unter dem Strich kann die Wildfütterung den Verlust von Winterlebensraum teilweise kompensieren und dadurch den extremen Unterschied zwischen dem Äsungsangebot im Sommer und im Winter in der intensiv genutzten Kulturlandschaft etwas ausgleichen.

  • Brückenbau oder Klassenkampf – Was im ländlichen Raum aus dem Etat landet

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, die Reform unseres Sozialstaates ist das große Thema, das die schwarz-rote Koalition in den nächsten Monaten wohl mehrfach an den Rand ihrer möglichen Sollbruchstellen bringt. Das betrifft jeden von uns in Stadt und Land. Die Empfehlung der dazu gebildeten Kommission ist mit den Stichworten bündeln, vereinheitlichen, digitaler unlängst zwar weitgehend auf Zustimmung gestoßen. Jetzt zeigen sich auf Parteiebene harte Gegensätze, wenn es in Zahlen darum geht: was wir uns leisten können und woher das Geld kommen soll. Das hat in dieser Woche in der Innenpolitik fast alles überlagert. Wie immer in dieser Kolumne kommen wir dann vom Allgemeinen aufs Land und auf die Jagd. In den Landtagen werden dazu immer wieder Detailgesetze beschlossen und verändert. Deshalb erneut ein aktualisierter Blick auf die Wahlen der Landtage in Stuttgart und Mainz im März. Alle erinnern wir uns an die Aussage von Friedrich Merz aus der Zeit, als er noch auf der Oppositionsbank saß. Im August letzten Jahres lauteten Zitate von ihm etwa im Deutschlandfunk so: „Sozialstaat von heute nicht finanzierbar“ oder in der Tagesschau mit Blick auf unsere Volkswirtschaft „Können uns das System nicht mehr leisten“ . Daran wird der Kanzler immer wieder – aus der Opposition gerne süffisant – erinnert, wenn er mit Rücksicht auf den Koalitionspartner auf dieses Thema eher mit weichgespülten Worten zu sprechen kommt. Eben weil dort die größte Sprengkraft in der Koalition liegt. So überrascht jetzt eine Forsa-Untersuchung im Auftrage von Stern und RTL, dass Merz vielleicht doch nicht so unrecht hatte. Oder es ist doch stärker ins breitere Bewusstsein gerückt, dass mehr als 30 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung oder 41 Prozent als Anteil im Bundeshaushalt vielleicht zu viel des Guten an Sozialem sind? Jedenfalls sind nach dieser Forsa-Umfrage 64 Prozent der Deutschen der Meinung, dass der Sozialstaat in seiner heutigen Form nicht mehr finanzierba r ist. Nur 34 Prozent sind anderer Meinung und nur zwei Prozent beantworteten die Frage der Meinungsforscher nicht. Brückenbau zwischen Klassenkampf und Marktwirtschaft? Gleichwohl verengt sich diesbezüglich vor Parteitagen und Wahlen eine neue Auseinandersetzung über alte Gräben , über die am Ende Merz und Klingbeil/Bas Brücken bauen sollen. Jedenfalls ist ihre Begehbarkeit die Schlüsselfrage dieser „Koalition der Mitte“ . Den vorsichtigeren Tönen etwa von Merz und Klingbeil stehen die härteren Positionsblöcke um Linnemann und Bas nach den Prinzipien Sparen im System oder Griff in die (besonders größeren) Taschen gegenüber. Bei der Gesundheitsfinanzierung hieße das in der klassenkämpferischen Linie auch starker Teile der SPD: Einbeziehung von Kapital- und Mieteinkünften oder gar Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze. Dagegen betonen mehr marktwirtschaftlich orientierte Unionspolitiker gerade mit Blick auf den CDU-Parteitag in Stuttgart, und das unmittelbar vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, Stichworte wie „ aktivierende Sozialpolitik“ , „Fördern und Fordern“, Leistungskürzungen, mehr Eigenbeiträge und Abschaltungen von Missbrauch. Der Kompressor, der Druck erzeugt, heißt „Demografie“. Dabei weiß noch niemand, ob es am Ende beim noch offenen Thema Rente überhaupt Kompromisslinien geben wird, wenn die dafür eingerichtete weitere Kommission Vorschläge auf den Tisch gelegt hat. Nur mal zum Vergleich oder zur Einordnung für unsere Themen Ländlicher Raum, Agrar- und Forstwirtschaf t: Der Bundeshaushalt für Landwirtschaft (Einzelplan 10) beträgt 2026 rund 6,99 Milliarden Euro, was einem leichten Anstieg gegenüber 2025 entspricht. Der Großteil, etwa 60 % (rund 4,2 Mrd. Euro), fließt dabei allein in die landwirtschaftliche Sozialpolitik, insbesondere in die Alterssicherung. Für die Tierwohl-Vorschläge der Borchert-Kommission ist bei diesen kleinen Haushaltsanteilen praktisch nicht mehr viel übrig. Die Strukturförderung im ländlichen Raum in Deutschland (2024/2025) ist primär auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft, die Verbesserung der Agrarstruktur sowie die Steigerung der Lebensqualität ausgerichtet. Ein zentrales Instrument ist die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ GAK. Dafür gibt es Rahmenpläne, die für den Zeitraum 2021 bis 2024 in der Größenordnung von 4,5 Milliarden Euro lagen. Für die folgende Planung sind „Anpassungen vorgenommen “ worden. Das verspricht nichts Gutes für die nächsten Jahre … Es geht um schwarz, grün oder rot in Stuttgart und Mainz In gut drei Wochen wählt Baden-Württemberg und zwei weitere danach Rheinland-Pfalz . Die Landeslisten stehen. In Stuttgart hat der Landeswahlleiter 21 Parteien dazu anerkannt und in Mainz 16. Da sind jetzt auch erste Trends in den Wahlkämpfen zu beobachten. Unser Autor Wolfgang Molitor wird in der nächsten Woche für unseren Blog aktuelle Beobachtungen und Einschätzungen aus dem Südwesten liefern. Dazu gehört etwa die Feinheit, dass die Grünen ihren Spitzenkandidaten Cem Özdemir ohne Parteihinweis plakatieren. Molitor kommt damit auch auf ein vergleichbares Beispiel aus der SPD zurück. Weiter hängt viel von der FDP ab, die sich in ihrem Stammland offensichtlich gegen den Trend über fünf Prozent stabilisiert. Ob der CDU-Spitzenkandidat Hagel mit dem Rückenwind seiner Partei oder der frühere Bundeslandwirtschaftsminister mit seiner führenden Persönlichkeitszustimmung in die Villa Reitzenstein einzieht, bleibt die spannende Frage. Kretschmann zieht jedenfalls aus dem bekannten Amtssitz des Ministerpräsidenten im Stuttgarter Osten aus. Wer zieht dann ein? Die Frage ist hier spannend. Zum Spendenformular In Mainz bleibt es beim engen Rennen zwischen CDU und SPD. Dort in Rheinland-Pfalz führt gerade Ministerpräsident Alexander Schweitzer den „Wahlkampf meines Lebens“. Er will für die SPD, die hier seit 35 Jahren die Regierung anführt, das fortsetzen, was er als „Ampel“  von Malu Dreyer übernommen hat, aber wohl nicht mehr mit der FDP fortsetzen kann. Mit den Grünen würde er gerne weiter regieren. Sie werden von Katrin Eder angeführt, die auf ihr Kernthema Umwelt setzt. Das passt irgendwie zu der von ihr durchgeboxten, aber aus der Sicht von Landnutzern wie Jägerschaft und privaten Waldbesitzern verunglückten Novelle des Landesjagdgesetzes. Das kann nur korrigiert werden, wenn die CDU es schafft, die Grünen in Mainz aus der Koalition zu drängen. Der Winter ist noch nicht zu Ende Bleiben wir nach diesen Hinweisen noch in der Natur. Wer aufmerksam hinhört, vernimmt in diesen Tagen das laute Trompeten der Kraniche, die in ihre Brutgebiete zurückkehren . Das gibt Hoffnung auf ein baldiges Winterende, ist aber keine Gewähr, dass es nicht noch zu erheblichem Frost, Schneefall und Eisregen kommt. Bei solchen Witterungsbedingungen hat besonders das wiederkäuende Schalenwild kaum eine Chance, an Äsung zu kommen. In diesen Notzeiten, die von den Landkreisen amtlich festgestellt werden, sind Jäger nach § 23 des Bundesjagdgesetzes verpflichtet, im Rahmen des Jagdschutzes das Wild „angemessen und artgerecht zu füttern“. In einem weiteren Blog-Beitrag beleuchtet unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche verschiedene Aspekte der Winterfütterung, von den rechtlichen Vorgaben des richtigen Futterangebotes über die Wildlenkung bis hin zur Verbiss-Reduzierung. Diese Wochenkolumne wird in einer Region geschrieben, wo jetzt Karneval gefeiert wird. Für manchen heißt das: raus aus dem Getümmel und in die ruhige, in den letzten Tagen aber feuchte Natur. Ich kann mich noch an Schneeberge in dieser Zeit erinnern. Das passt zum letzten Absatz dieser Kolumne, zu der wie jede Woche auch persönliche Eindrücke und Meinungen gehören. Ohne besonderen Karnevalsgruß verbleibe ich somit für dieses Wochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Das Land braucht weiter eigene Mittel

    Wohin steuert der ländliche Raum, wenn er finanziell knappgehalten wird? Für den Bund der Deutschen Landjugend ist der Weg, den die EU-Kommission in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 einschlagen will, „hochproblematisch“ Symbolbild: ChatGPT Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU basiert – vereinfacht ausgedrückt – bislang auf zwei Säulen. Hier die Direktzahlungen an die Landwirte und Marktmaßnahmen, dort die Gelder für die Entwicklung des ländlichen Raums und Investitionen in die Nachhaltigkeit, den Erhalt von Umwelt und den Schutz des Klimas. Agrar- und Regionalpolitik als gemeinsame Aufgabe – so der Grundgedanke der EU. Die EU-Kommission hat sich für die Legislaturperiode bis 2029 selbst strategische Prioritäten gesetzt, erfüllt aus Sicht von Kritikern aber mit ihren Vorschlägen zur Land- und Forstwirtschaft und den ländlichen Räumen ihre eigenen Ziele bislang nicht. Der Deutsche Bauernverband, der Anfang Dezember bei der Agrarministerkonferenz in Brüssel einen Zehn-Punkte-Katalog mit vielen Anregungen überreichte, hadert mit den aus seiner Sicht massiven Kürzungen im GAP-Budget, befürchtet eine faktische Abschaffung der Zwei-Säulen-Struktur und die Integration vieler Aufgaben in einen allgemeinen „Partnerschaftsfonds“ je Mitgliedstaat. Die Forderung der deutschen Bauern ist klar: Die GAP muss trotz aller Veränderungen eigenständig bleiben, mit einem inflationsfesten Budget, klaren Zuständigkeiten und praxistauglichen Instrumenten. „ In den EU-Vorschlägen fehlt Verlässlichkeit“ Zu Wort meldete sich jetzt auch der Bund der Deutschen Landjugend, der ebenso vom Kommissionsmodell alles andere als angetan ist. Ländliche Räume brauchten Verlässlichkeit, doch genau die fehle in den aktuellen Vorschlägen der EU-Kommission, kritisiert der mitgliederstarke Verband. Mehr noch: Die Unterstützung der Entwicklung ländlicher Räume sei in den Plänen nicht vorgesehen. Tatsächlich will die Kommission die ländliche Entwicklung künftig als sogenanntes „Rural Target“ einordnen, sprich: eine Art finanzielle Zielquote für den ländlichen Raum festlegen. Zehn Prozent eines nicht zweckgebundenen Budgets innerhalb der Nationalen Regionalen Partnerschaftspläne (NRP) sollen den Landregionen zugutekommen. Ein schwammiges und undurchsichtiges Verfahren droht, denn schon heute tun sich Länder schwer damit, Mittel für allgemeine Maßnahmen genau territorialen Kategorien zuzuordnen. Bei vielen Vorhaben verschwimmen die Grenzen zwischen Stadt und Land. Der BDL bezweifelt, dass das Geld für den ländlichen Raum ohne eine feste Zweckbindung in den Dörfern ankommt. Ländliche Entwicklung werde „zur freiwilligen Zusatzaufgabe“ und stehe im Wettbewerb mit anderen politischen Zielen. EU und Bund sollten die Gelder so einsetzen, dass das Leben auf dem Land attraktiv bleibt. „Junge Menschen sollen hier wohnen, lernen und arbeiten können“, sagt Anne-Kathrin Meister, stellvertretende Bundesvorsitzende des mit fast 100.000 Mitgliedern stärksten Jugendverbands auf dem Land. Entwicklung funktioniert, wo Regionen selbst Verantwortung tragen Bewährte EU-Programme wie LEADER, die genau auf die Bedürfnisse der ländlichen Regionen zugeschnitten sind, drohten unterzugehen. Für maßgeschneiderte Förderinstrumente müsse es auch künftig ein verbindliches Mindestbudget geben. Der Zugang sollte zudem flexibler und einfacher als bisher gestaltet werden. „Wer sich engagiert, soll unterstützt werden, nicht gebremst“, sagt die stellvertretende BDL-Bundesvorsitzende. Aus Sicht der Landjugend funktioniert Entwicklung am besten dort, wo Regionen selbst Verantwortung tragen und Vertrauen von Bund und EU erhalten. Anne-Kathrin Meister: „Förderpolitik darf Landwirtschaft und regionale Entwicklung nicht gegeneinander ausspielen. Ländliche Regionen brauchen Landwirtschaft und Landwirtschaft braucht Menschen.“ Der Deutsche Bauernverband (DBV) will auf jeden Fall verhindern, dass die Zielquote der EU-Kommission die bisherige zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik vollständig ersetzt. Die ländliche Entwicklung, so eine Kernforderung des DBV, brauche in der Mehrjährigen Finanzplanung der EU weiter ein eigenes Budget.

  • Wandernde Hirsche sind ein erster Schritt zum Genaustausch

    Baden-Württemberg vollzieht eine radikale Kurskorrektur: Hirsche dürfen wieder ihrem natürlichen Wandertrieb folgen. Das außerhalb der fünf klar definierten Rotwildgebiete festgelegte Abschussgebot gilt nicht mehr Foto: Silvio Schulze / pixelio.de Seit 1958 galt die Rotwildgebiete-Verordnung des Landes. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat sie nun geändert. Was nach außen unspektakulär klingt, ist im Kern eine grundlegende Neuausrichtung. Von einem historischen Wendepunkt zu sprechen, ist allerdings übertrieben. Unsere größte Wildart darf sich auch im Ländle weiterhin nicht ihren Lebensraum frei wählen. Es bleibt bei den fünf räumlich klar begrenzten Rotwildgebieten auf vier Prozent der Landesfläche. Die Änderung ermöglicht Hirschen lediglich, zwischen diesen Bereichen zu wandern. Die Vorschrift, sie bei diesen Wanderungen zu erlegen, ist entfallen. Ein Fortschritt, aber keine wildbiologische Revolution. Ob dieser Schritt in die richtige Richtung auch Signalwirkung für andere Bundesländer hat, ist mehr als ungewiss. Dabei ist die Problematik überall gleich, mal gravierender, mal weniger ausgeprägt. In diesem Blog wurde mehrfach auf die genetische Verarmung des Rotwildes hingewiesen. Sie macht sich in Abhängigkeit von Größe und Isolation des jeweiligen Vorkommens bemerkbar. Für Baden-Württemberg kam die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) des Landes in ihrem im März vergangenen Jahres veröffentlichten Abschlussberichts zum Projekt „Weiterentwicklung des Rotwildmanagements in Baden-Württemberg auf wissenschaftlichen Grundlagen“ zu dem Ergebnis: „Die genetischen Analysen im Projekt haben gezeigt, dass der aktuelle genetische Austausch zwischen den Rotwildgebieten zu gering ist, sodass die genetische Diversität in den Rotwildvorkommen BWs in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Ohne eine Anpassung der aktuellen Rotwildbewirtschaftung wird sich dieser Trend fortsetzen und die Wahrscheinlichkeit für negative Effekte in Form von zurückgehender Anpassungsfähigkeit gegenüber sich ändernden Umweltbedingungen, höhere Inzuchtkoeffizienten und Inzuchtdepression wird zunehmen. Die genetische Diversität in den Rotwildvorkommen und der genetische Austausch zwischen diesen sind somit aktuell nicht ausreichend, um langfristig einen gesunden und anpassungsfähigen Rotwildbestand zu erhalten.“ Ohne Wanderung droht Exit Im Klartext heißt das, wenn nichts geschieht, droht das Aussterben des baden-württembergischen Wappentieres. Die FVA war zu dem Ergebnis gekommen, das über die Rotwildrichtlinie bestehende Abschussgebot außerhalb der Rotwildgebiete habe sich als „sehr effektives Instrument erwiesen, um eine Ansiedlung von Rotwild außerhalb der fest-gelegten Gebiete zu verhindern“. Gleichzeitig sei das Abschussgebot neben der großen geographischen Distanz und bestehenden Barrieren vermutlich einer der Hauptfaktoren, die einer besseren Vernetzung entgegenstehen. „Damit wandernde Individuen die benachbarten Rotwildpopulationen erreichen können, ist eine Schonung, das heißt eine Aufhebung des Abschussgebotes außerhalb der Rotwildgebiete, zumindest in den identifizierten Verbundkorridoren, erforderlich.“ Die Forschungseinrichtung wies zugleich darauf hin, dass die Wanderbereitschaft eines Rothirsches je nach Geschlecht und Alter variiert, wobei junge Hirsche zwischen zwei und fünf Jahren am wanderwilligsten sind. Daraus wird gefolgert: „Die aktuell geringen Anteile an jungen Hirschen und die niedrigen Dichten in den Randbereichen der Rotwildgebiete begrenzen das Wander- bzw. Ausbreitungspotential. Zur Unterstützung einer zielgerichteten Vernetzung kann es daher ebenfalls zielführend sein, den Anteil an jungen Hirschen in den Randbereichen der bestehenden Vorkommen zu erhöhen.“ Änderung darf nur erster Schritt sein Dieser Hinweis ist mindestens ebenso wichtig wie die seit langem von Wissenschaftlern, Naturschützern und Jagdverbänden geforderte Möglichkeit den Genaustausches durch Wandermöglichkeiten. René Greiner, Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbandes (LJV), bewertet die nun erfolgte Anpassung als „ein starkes Zeichen für das Wildtier des Jahres 2026 und eine wichtige Grundlage für ein modernes, zukunftsfähiges Rotwildmanagement“. Der Verband hatte sich intensiv dafür eingesetzt, wissenschaftliche Erkenntnisse zur genetischen Vielfalt in jagdliche und politische Praxis zu überführen. Mit den Kampagnen „Platz!Hirsch“ und „Wanderhirsch“ machte er gemeinsam mit Partnern deutlich, wie essenziell funktionierende Wanderräume für den Erhalt gesunder Rotwildpopulationen sind. Der nun erreichte Fortschritt kann aber auch für den LJV nur ein erster Schritt zu einer echten Zukunftsperspektive des Rotwildes sein. Das sieht die FVA ähnlich, die in ihrem Bericht erklärt, dass „eine zielgerichtete, nachhaltige und gesamtgesellschaftlich akzeptierte Vernetzung der Rotwildvorkommen vermutlich nicht mit alleinstehenden, eindimensionalen Maßnahmen zu erreichen sein wird. Vielversprechender ist dagegen die Erarbeitung eines zielgerichteten Populationsverbundkonzepts unter Einbeziehung der betroffenen Akteursgruppen.“

  • Wald und Jagd als feste Bestandteile der Naturnutzung

    Die Stiftungsprojekte natur+mensch zeigen, wie wichtig es ist, handfeste Aktivitäten zu unterstützen, wenn wir unseren Nachkommen ein Leben mit einer intakten Natur gewähren wollen Foto: Rainer Sturm / pixelio.de Zum Wald gehört von jeher die Jagd als fester Bestandteil in der Naturnutzung. Die Jagd hat den Kompetenzanspruch, im Einklang mit wirtschaftlichen Eigentumsinteressen ihren Beitrag zu leisten . Unterschiedliche Forstwirtschaftsformen geben dem Wild angemessen Raum oder verfolgen das Konzept Wirtschaftswald mit bis auf null zu reduzierenden Wildbeständen – insbesondere Rot- und Rehwild. Die „Stiftung natur+mensch – Zukunft gestalten“ wendet sich aktuell dem Thema zu. Sie hat sich entschieden, sich an diesen gesellschaftlichen, politischen und fachlichen Diskussion zu beteiligen. Nach ihrer Satzung verfolgt sie diese Grundprinzipien: Schutz der Naturlandschaften, Pflege der Artenvielfalt, Erhalt artenreicher Kulturlandschaften. Ihren Zweck sieht sie in der Förderung „von Umweltschutz, Naturschutz, Tierschutz und Landschaftspflege durch Förderung der Entwicklung, der Erhaltung und des Schutzes einer artenreichen und gesunden Tierwelt und der Sicherung ihrer Lebensgrundlage“. Dazu zählen Maßnahmen und Projekte im Rahmen des Umwelt-, Natur- und Tierschutzes und der Landschaftspflege (z. B. Erhaltung, Gestaltung und Vernetzung von Biotopen, Renaturierungsmaßnahmen, Artenschutzprogramme für bestimmte Tierarten). Ein Rucksack für den Lernort Natur Wie laut wächst ein Baum? – Natürlich wachsen Bäume scheinbar lautlos, aber nicht jeder weiß, was sich beim Wachstum tut. Der „8. Jugendreport Natur 2021“ offenbart, dass vielen Kindern und Jugendlichen die Erfahrungsräume, Möglichkeiten und Anregungen für freies Naturerleben fehlen. Entfremdung und Irrtümer prägen deshalb oft das Naturbild der Kinder. Immer weniger Kinder erleben den Zauber der heimischen Natur hautnah. Nur noch selten haben sie die Chance, den Wald mit seiner grandiosen Tier- und Pflanzenwelt zu erkunden. Dabei können Exkursionen in Wald, Feld und Flur spannender sein als jedes Fernsehprogramm oder Computerspiel. Das wissen auch zahlreiche ehrenamtlich engagierte Jäger, die seit 15 Jahren im Rahmen der Initiative Lernort Natur ihre Zeit dafür einsetzen, Mädchen und Jungen die heimische Natur nahezubringen. Unsere Stiftung hat einen Themen-Rucksack für Grundschulen entwickelt , mit dem sie diese Initiative unterstützt. In dem Rucksack finden sich didaktisches Material und Hilfsmittel zur Erkundung der Natur: zum Beispiel Tierfelle zum Betasten, Becherlupen, Augenbinden zur Schärfung des Gehörs und des Tastsinns und ein gut verarbeitetes Fernglas zur Naturbeobachtung. Ein Stethoskop ermöglicht zudem, zu hören, wie Bäume das Wasser als unverzichtbaren Lebenssaft aus dem Boden bis in die Spitze transportieren.

  • Warten auf den großen Wurf

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar gehen wir auf die sozialpolitische Diskussion in Berlin und die möglichen Folgen für die bevorstehenden Landtagswahlen ein. Deren Ausgang wird auch Auswirkungen auf politische Entscheidungen in den Bereichen Jagd, Naturschutz und Forstwirtschaft haben, mit denen wir uns näher befassen. Des weiteren folgen ein Blick zurück auf die Fachmesse Jagd und Hund und eine positive Nachricht aus Baden-Württemberg zum Thema wanderndes Rotwild. Kälte, viel Schnee und teils spiegelglatte Straßen – der Winter hat Deutschland fest im Griff. Wer kann, bleibt zu Hause und richtet sich am Ofen oder im Homeoffice gut gewärmt ein. Niemand weiß momentan so genau, wann es mit diesen frostigen Zeiten vorbei ist. War es dieses Wetter, das einige Wirtschaftsvertreter aus dem Unionslager zu ihren Ideen einer sozialpolitischen Kälte inspiriert habt? Der politische Schaden, den sie mit ihren radikalen Forderungen angerichtet haben, ist beträchtlich. Wer Vertrauen verspielen und Wähler ohne Not vor wichtigen Urnengängen verschrecken möchte, kann von diesen Lobbyisten einiges lernen. Die CDU-Wahlkämpfer in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind jedenfalls nicht amüsiert.  Sie befürchten, dass ihnen diese Vorschläge trotz aller Distanzierungen mehr oder minder offen zugerechnet werden. Auch die Spitze der Union, voran der Kanzler und die zuständige Ministerin, gehen auf Abstand. Sie wollen weiterhin die politische Mitte erreichen und nicht in den Ruf einer unsolidarischen Partei von Besserverdienenden geraten. Klar ist aber auch: So wie bisher kann und darf es nicht weitergehen. Das Sozialsystem ist überlastet, die Arbeitnehmer und Betriebe können die entsprechenden Beiträge immer schwerer erbringen. Hinzu kommt eine überalterte Beschäftigungsstruktur, was sich in naher Zukunft auch in den Rentenkassen bemerkbar machen wird. Bundeskanzler März hat deshalb vernünftigerweise grundlegende Reformen noch in diesem Jahr angekündigt. Man kann nur hoffen, dass es dabei auch bleibt und tatsächlich ein großer Wurf gelingt – bestehend aus Bürokratieabbau, Konzentration auf wirklich wesentliche Leistungen und Bekämpfung von Missbrauchsmöglichkeiten. Auch Jagd und Forstwirtschaft betroffen Was hat all dies mit dem ländlichen Raum zu tun, der uns in unserem Blog besonders interessiert? Sehr viel, da zum einem auch jenseits der großen Metropolen das Geld bei vielen Beschäftigten immer knapper wird. Hinzu kommen schwer kalkulierbare Auswirkungen auf die bevorstehenden Landtagswahlen und die dortigen Chancen der demokratischen Parteien. Auch die Themen Jagd, Naturschutz und Forstwirtschaft könnten kurz- oder mittelfristig davon betroffen sein. Denn wenn Parteien, die in diesen Bereichen bislang für Naturnutzer gut ansprechbar und kompromissbereit waren, an Bedeutung verlieren, geht der Trend in die falsche Richtung. Das gilt es zu verhindern. Ziel sollte eine Politik mit Augenmaß und Tatkraft sein,  und zwar in allen Bereichen. Radikale Parolen mögen sich gut anhören und anfühlen, aber die Risiken und Nebenwirkungen sind beträchtlich. Es heißt daher, kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht zu unüberlegten Aktionen hinreißen zu lassen – ein Grundsatz, der nicht nur für die Politik, sondern auch für nahezu alle anderen Lebensbereiche Richtschnur des eigenen Handels sein sollte. Denn die Herausforderungen sind überall groß, nicht zuletzt in der Jagd. Zwar hat die europaweit führende Fachmesse Jagd und Hund in Dortmund gerade weiter an ihrer Erfolgsgeschichte geschrieben, doch die gute Stimmung ist in den vergangenen Wochen leider durch mehrere Fehlschüsse und einen tödlichen Unfall getrübt worden. Darauf hat jetzt die Präsidentin des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen, Nicole Heitzig, nachdrücklich hingewiesen. So müsse man immer wieder von Verwechslungen lesen, bei denen einzelne Weidetiere oder falsch angesprochene Stücke Wild versehentlich erlegt werden. Da bleiben laut Heitzig Fragen: „ Nämlich die nach dem möglicherweise bei dem ein oder anderen Jäger bestehenden sozialen und psychischen Druck, bei der Jagd auch unbedingt etwas erlegen zu müssen und sich ja keine vermeintlich gute Chance entgehen zu lassen. Ein fataler Druck, der zu menschlichen Fehlleistungen führt.“ Die Landesjagdpräsidentin appellierte deshalb an jede Jägerin und jeden Jäger, „niemals die grundlegenden Sicherheitsregeln außer Acht zu lassen und beim geringsten Zweifel auf den Schuss zu verzichten“. Dem kann man sich nur anschließen. Rundum positiv für Jäger, aber nicht nur für sie, ist nur eine politische Entscheidung aus Baden-Württemberg. Dort dürfen sich Rothirsche endlich wieder ungehindert zwischen verschiedenen Gebieten bewegen. Das seit 1958 bestehende pauschale Abschussgebot für wandernde Hirsche außerhalb der ausgewiesenen Rotwildgebiete wurde aufgehoben . Damit wird der dringend benötigte genetische Austausch zwischen den Populationen wieder gestärkt. In Baden-Württemberg dürfen Rothirsche nur vier Prozent der Landesfläche besiedeln. Auf den übrigen 96 Prozent der Fläche dieses Bundeslandes waren Jäger gesetzlich verpflichtet, bis auf wenige Ausnahmen jeden Rothirsch zu erlegen. Wenn die Rothirsch-Vorkommen zu Inseln in der Landschaft werden, verliert die Art mehr und mehr genetische Vielfalt. Populationsgenetiker sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses. Unser Autor Christoph Boll wird sich in unserem Blog noch einmal ausführlich mit diesem Thema befassen. Sie dürfen gespannt sein. Vor politischen Richtungsentscheidungen Angesichts der gesetzlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit den Themen des ländlichen Raumes kommt es in dieser Zeit gerade vor Wahlen aus Sicht der Jagd darauf an, starke Stimmen und Argumente wirken zu lassen. Darauf werden wir ebenfalls in unserem Blog natur+mensch in mehreren Beiträgen eingehen. In diesem Jahr geben die anstehenden Wahlen von fünf Landesparlamenten  mit den folgenden Regierungsbildungen entsprechende Anlässe. Am 22. März hoffen viele Jägerinnen und Jäger in Rheinland-Pfalz, dass nach der dortigen Wahl das aus ihrer Sicht in vielen Punkten verfehlte Jagdgesetz von einer anderen Mehrheit und in einem neuen Kabinett wieder korrigiert wird. Eine Woche später steht die Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Für den dortigen Landesjagdverband werden damit auch in der Politik die Karten neu gemischt. Um den Positionen der Jägerschaft Gewicht zu verleihen , hat das Präsidium Kernbotschaften zur Landtagswahl formuliert. Sie sollen Orientierung bieten, das Bewusstsein für eine sachgerechte Praxis im Umgang mit Natur, Wald und Wild stärken sowie als Grundlage für Gespräche mit Kandidaten in den Wahlkreisen dienen. Darüber berichten wir in der nächsten Woche in einem weiteren Beitrag. Zum Spendenformular All dies geschieht vor dem Hintergrund, dass auch nach unserer Auffassung die politischen Kräfteverhältnisse in den Landesparlamenten für Praxis und Zukunft der Jagd entscheidend sind. Was 2015 mit einer Großdemonstration auf der Rheinbrücke am Düsseldorfer Landtag begann, haben bis in die jüngste Zeit die Jagdverbände in mehreren Landeshauptstädten mit beeindruckenden Demonstrationen fortgesetzt. Ein vorgelagertes Kampagneninstrument dazu sind zunächst Wahlprüfsteine oder Kernbotschaften, mit denen nicht nur die Jäger die Kandidaten vor den Wahlen zu Antworten und entsprechendem Handeln aufrufen. Damit stehen wir nicht allein. Viele Interessengruppen nutzen dieses Instrument. So auch in Stuttgart etwa Nabu und BUND. Auch sie stellen Fragen zu ihren Themen mit Stichworten wie Renaturierung, forstlichem Umbau mit weniger Nutzung und mehr Urwaldbildung bis hin zum Tempolimit. Wir gehen natürlich mehr auf die Kernpunkte aus Sicht der Jagd ein. Lebensqualität im ländlichen Raum Ungeachtet aller Probleme und Herausforderungen für Jäger und andere Naturnutzer: Der ländliche Raum bietet viel Lebensqualität. Gewiss gibt es vielerorts auch Defizite. Stichworte hier sind etwa schlechte Versorgung mit Internet oder allzu dürftige Verkehrsinfrastruktur. Doch wer darüber zu laut klagt, möge auch einmal einen Blick in einen langen Artikel der Süddeutschen Zeitung mit der Überschrift „Wenn die Stadt krank macht“ werfen. Dort heißt es etwa, dass Menschen in den Städten westlicher Industriestaaten mindestens doppelt so häufig an Schizophrenie erkranken wie Landbewohner. Noch größer, bis hin zum Faktor drei, sei der Unterschied bei Menschen, die bereits in der Stadt geboren und dort aufgewachsen sind. Das  Depressionsrisiko liege in Städten um 50 Prozent höher,  das für Angststörungen um 20 Prozent. Nach einer Studie des Robert-Koch-Institutes leiden in deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern 32 Prozent der Menschen in einem Zeitraum von zwölf Monaten unter einer psychischen Störung. In Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern sind es 27 Prozent. Diese wissenschaftlichen Zahlen zeigen wieder einmal, wie lohnenswert es ist, sich intensiv um den Schutz und die Belange des ländlichen Raums zu bemühen. Im Politbetrieb der Hauptstadt Berlin droht dies leider gelegentlich aus dem Blick zu geraten. Die Autoren unseres Politblogs sehen es als ihre Aufgabe an, dem entgegenzuwirken. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination/Redaktionsleitung

  • Kalte Dusche im Schweriner Schloss

    Wasser ist ein rares und damit teures Gut. Das mussten jetzt auch die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern leidvoll erfahren Foto: Sora Am Ende stand die linke Regierungsmehrheit im Schweriner Schloss. Mit den Stimmen der SPD und der Linken beschloss der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern jetzt eine deutliche Anhebung der Wasserpreise – gegen die Stimmen der oppositionellen CDU und AfD. Dies wird für die Menschen im nordöstlichen Bundesland die jährlich zu begleichende Wasserrechnung für den privaten Verbrauch deutlich erhöhen. Die Entnahmegebühr für Trinkwasser steigt demnach von 10 auf 20 Cent je Kubikmeter. Auf der Gegenseite darf sich die Landeskasse freuen: Laut Umweltministerium steigen die Einnahmen des Landes Mecklenburg-Vorpommern damit von 11 auf 21 Millionen Euro im Jahr. „Das Geld wird vollständig dem Gewässerschutz zugutekommen. Die Einnahmen werden zweckgebunden eingesetzt und nicht irgendwo im Haushalt versickern“, sagte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Landwirtschaft besonders hart getroffen Für private Haushalte bedeute die höhere Entnahmegebühr voraussichtlich ab 2027 eine moderate Steigerung des Wasserpreises. Eine Durchschnittsfamilie muss demnach zwischen 12 und 17 Euro pro Jahr mehr zahlen. Viel härter durfte es aber die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe im ohnehin strukturschwachen Land an der Ostsee treffen. Mit der Reform müssen die Agrarbetriebe für Oberflächenwasser bald zwei Cent je Kubikmeter zahlen, für Grundwasser sechs Cent. Dies kann für einen mittleren Ackerbau-Betrieb sich durchaus auf mehrere Hundert Euro im Jahr summieren. „Unsere Betriebe stehen ohnehin von allen Seiten unter Druck – sie brauchen klare Unterstützung vom Land und keine zusätzlichen Belastungen ohne Mehrwert“, übte der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Karsten Trunk, klare Kritik. Worte, die im Jahr der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern noch Gewicht erhalten könnten. Die Neuerungen des seit 1992 in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Wassergesetzes betreffen neben der Wassernutzung für Verbraucher und Wirtschaft auch den Gewässer- und Küstenschutz. Neben den finanziellen Belastungen sieht das jetzt geänderte Wassergesetz dabei weitere Auflagen für die Landwirtschaft vor. So gilt zum Schutz von Grundwasser und Oberflächengewässern für Landwirte künftig ein Nachhaltigkeitsgebot. Konkret: In fünf Meter breiten Gewässerrandstreifen sind tiefes Pflügen und Düngen sowie das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln verboten. Ausgenommen von den strengen Auflagen in dem Bundesland sind laut Gesetz nur „effektive Tröpfchenbewässerung und Frostschutzberegnung im Obstanbau“. Wasserpreise im Norden niedrig Die Wasserkosten in der deutschen Landwirtschaft variieren stark zwischen den Bundesländern, primär durch unterschiedliche Wasserentnahmeentgelte, und liegen meist zwischen 0,5 und 31 Cent pro Kubikmeter für Grundwasser. Während Norddeutschland teils niedrige Sätze hat, verlangen Länder wie Berlin hohe Entgelte, wobei oft Bagatellgrenzen gelten. In einigen Bundesländern ist die Entnahme für die Landwirtschaft (insbesondere Oberflächenwasser) teils günstig, etwa in Bremen, Hamburg oder Teilen des Saarlands. Deutschland als positiver Vorreiter Dabei ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Erde ein wasserreiches Land. Nach Verrechnung von Zu- und Abflüssen aus dem bundesdeutschen Gebiet sowie Abzug der Verdunstung verbleiben nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes erneuerbare Wasserressourcen von ca. 188 Milliarden Kubikmetern zur Nutzung, das sogenannte jährliche Wasserdargebot aus Grund-, Oberflächen- und Quellwasser. Alle Wirtschaftsbereiche und privaten Haushalte zusammen nutzten 2016 ca. 28,5 Mrd. Kubikmeter, also nur rund 15 Prozent der 188 Mrd. Kubikmeter. Während im Weltmaßstab rund zwei Drittel des Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft entfallen, setzen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei in Deutschland insgesamt nur zwei Prozent des Gesamtwassereinsatzes ein. Darin ist bereits die Wassernutzung für die Bewässerung enthalten. Damit nutzen diese Bereiche nur 0,3 Prozent des insgesamt verfügbaren Wassers. Ein Grund für den im Vergleich zu anderen Ländern sehr geringen Anteil des Verbrauchs durch Landwirtschaft ist die Tatsache, dass hierzulande in der Landwirtschaft zu 99 Prozent Regenwasser genutzt wird.

  • Klage gegen Nachtjagd auf Muffel

    Wenn Politikern und Behörden das Wild zu viel wird, heben sie Schonzeiten auf. Oder sogar das Nachtjagdverbot. Wie nun im thüringischen Saale-Orla-Kreis. Der Landesjagdverband hat inzwischen Klage eingereicht Foto: Margit Völtz / pixelio.de Das Geschehen in Ostthüringen ist gleich in mehrfacher Hinsicht exemplarisch. Es zeigt, wie hilflos Gesetzgeber und örtliche Verwaltungen oft vor Problemen stehen, die Wild verursacht. Zugleich belegt es anschaulich, dass sich die Natur und damit auch Wildvorkommen eben nicht selbst regulieren, wie es Jagdgegner oft behaupten. Greifen Jäger nicht ausreichend in Bestände ein, läuft die Sache aus dem Ruder. Die Probleme entstehen nicht schlagartig. Sie entwickeln sich. So war es auch in Ostthüringen. Im dortigen Schiefergebirge sind die Muffel schon rund 100 Jahre zu Hause. Es bietet den Wildschafen einen optimalen Lebensraum. Also gedeihen sie prächtig und vermehren sich kräftig. Es kam zu einer unkontrollierten Ausbreitung, in deren Zuge das Muffelwild von ehemals anderthalb inzwischen in mehr als 60 Revieren im Saale-Orla-Kreis vorkommt. Von Großrudeln mit bis zu 300 Tieren ist die Rede. Die überhöhten Bestände führten in der Region zu rasant steigenden Schäden durch die Wildschafe. Vor allem dem Wald machen die vielen Tiere zu schaffen. Neben Schäl- und Verbissschäden reklamiert die Forstpartie auch Trittschäden. Das Wild trete schlicht die Vegetation kaputt. Ähnliche Klagen kommen auch aus der Landwirtschaft. Um Abhilfe zu schaffen, hob der Landkreis erstmals 2023 und dann auch in den beiden Folgejahren per Allgemeinverfügung für die Monate Juni und Juli die Schonzeit für Widder, Schafe, Schmalschafe und Lämmer auf. Regulär beginnt die Jagdzeit erst im August. Doch konnte damit die gewünschte Reduzierung der Mufflon-Bestände nach Darstellung der Behörde nicht erzielt werden. Dass das gut äugende Muffelwild alles andere als leicht zu bejagen ist, tut das Seine dazu. Wolf und Luchs sind keine Problemlöser Gezeigt hat sich auch, dass Wolf und Luchs, die beide in der Region wieder heimisch sind, entgegen manchen gegenteiligen Behauptungen nur sehr begrenzt zu einer Lösung des Problems beitragen. Im Gegenteil. In Teilen verschärfen sie Lage. Denn aus Angst vor den Beutegreifern finden sich die Wildschafe zu immer größeren Rudeln zusammen oder verstecken sich an immer schwieriger zu erreichenden Orten. Ende vergangenen Jahres erfolgte dann die nächste Verschärfung des Reduktions-Kurses: Das Landesministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten und der Landkreis hoben in zwei Allgemeinverfügungen das Nachtjagdverbot auf Muffelwild auf. Seit 4. November ist der Einsatz von Nachtsichttechnik und künstlichen Lichtquellen erlaubt. Zwar gilt auch dabei der Muttertierschutz. Doch wie der gewährleistet werden soll, ist offen. Kontrollen wie der körperliche Nachweis der nächtens erlegten Stücke oder eine Evaluation dieses heftigen Eingriffs sind vorgesehen. Der Landesjagdverband (LJV) hat inzwischen gegen die beiden Allgemeinverfügungen Klage beim Verwaltungsgericht Gera eingereicht, nachdem er bereits zuvor zusammen mit der Interessengemeinschaft Muffelwild Thüringen das Vorgehen mit klaren Worten abgelehnt hatte. Sie sprechen von einer „zu korrigierenden Fehlentscheidung eines falsch beratenen Landrats“. Auch der Verein Wildes Bayern läuft „Sturm gegen diese hanebüchene Anordnung“. Die Allgemeinverfügung sei nicht geeignet, das Problem binnen einer vertretbaren Zeitspanne zu lösen, bemängeln die Kritiker. Die ausführliche Begründung zur Klage erarbeitet derzeit ein Münchner Fachanwalt für Verwaltungs- und Jagdrecht. Er vertritt den LJV auch vor dem Verwaltungsgericht. Bruch des Nachtjagd-Tabus Dabei ist unstrittig, dass die Muffelwildbestände in der Region überhöht sind. Die Nachtjagdfreigabe aber ist aus Sicht der Kritiker das völlig falsche Mittel. Sie sehen darin nicht nur einen Bruch der Tabus von Nachtjagd auf wiederkäuendes Wild und einen Verstoß gegen das Verbot des Einsatzes von Nachtzielhilfen zu dessen Bejagung. Durch die Maßnahme drohe zudem wegen der verstärkten Beunruhigung nicht nur der Muffel ein wesentlich höherer Verbissschaden, besonders im Wald. Der LJV-Chef betont: „Die in der Region entstandenen Probleme wären auf anderen Wegen und mit bestehenden gesetzeskonformen Regularien bei deren konsequenter Anwendung und mit entsprechenden Kontrollen im Zusammenwirken Hegegemeinschaften-Jagdbehörde-Jägerschaften eher zu lösen gewesen. Grundvoraussetzung aber ist, dass sich auch die auf Trophäenjagd und deren Verkauf orientierten Gemeinschaftsjagdbezirke incl. die aus hohen Jagdpachtpreisen nutznießenden Jagdgenossenschaften an der Problemlösung beteiligen.“ Mit diesen kryptischen Andeutungen ist der Blick auf ein oft verschwiegenes Problem gelenkt: Wegen des schnöden Mammons sind manchmal Revier- und Jagdrechtsinhaber an sehr hohen oder gar überhöhten Wildbeständen interessiert.

  • Innenpolitische Erwartungen – aktuelle Themen der Jagd

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Woche wurde deutlich, dass es in diesem Jahr mit notwendigen Reformen offensichtlich auch ans Eingemachte unseres Sozialstaates gehen wird. Die harsche Antwort der Gewerkschaften auf Forderungen aus der Union und die Erwartung weiterer Streiks im öffentlichen Dienst lassen eine spannungsreiche Zukunft für die Koalition erwarten. Dazu trägt auch die nervöse Stimmung vor den vier Landtags- und Kommunalwahlen im März bei. Die Trends der Prognosen mischen sich zwischen Berlin und den Landeshauptstädten. Die Landespolitik ist ein Hauptfaktor für die Entwicklung der ländlichen Räume. Da könnten sich in diesem Wahljahr Grundlinien gerade regional und insbesondere im Osten verschieben. Traditionell gehören Messen für den ländlichen Raum zum Jahresbeginn. Bei der Grünen Woche in Berlin war die Jagd dabei. Jetzt steht sie großflächig in den Westfalenhallen im Mittelpunkt – auch mit politischen Positionen. Die Zahl der Jäger ist in den letzten Jahren um 42 Prozent gestiegen. Und offensichtlich auch deren Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Regierungserklärung des Bundeskanzlers stand diese Woche im politischen Brennpunkt. So wirkte die Parlamentsdebatte nach Davos mit der Rolle Europas im internationalen Machtgefüge als innenpolitische Fortsetzung globaler Themen . Es wurde im Bundestag weniger sichtbar, was uns in Deutschland alles noch auf den Nägeln brennt. Obwohl: Internationale Allianzen oder auch Isolierungen bestimmen für die Zukunft die nationalen Handlungsspielräume. Auch wirtschaftlich. Über Fragen, wie wir das am besten regeln, bleibt unser Land gespalten. Während deutsche Unternehmen ausbleibende Reformen des Sozialstaats als größtes Hindernis für eigenen Erfolg und Investitionen im Inneren Deutschlands betrachten, bangen Gewerkschaften und linke Parteien um soziale Standards. Genau zu diesem Thema versuchen sich gerade die Spitzen von Union und SPD in Berlin zusammenzuraufen. Jedenfalls scheint eine gemeinsame Erkenntnis im Koalitionsausschuss zu reifen, dass allein der demografische Wandel eine Reform der Sozialsysteme unumgänglich macht. Nur der Weg dorthin und das anzustrebende Ergebnis teilen die Geister. Das gilt gerade nach der Konzeptvorlage der Sozialstaatskommission mit umfassenden Ideen zum Umbau der Sozialsysteme. Aus allen Richtungen kommt Druck von unten. Themenansätze wie die in der Union andiskutierte Mehrarbeit bei flexibleren Regeln bei den Arbeitszeiten oder die Regelung von Krankschreibungen lösen entsprechende Widerstandsankündigungen aus. Für Friedrich Merz steht bei dem kurz vor der Landtagswahl in Stuttgart angesetzten Bundesparteitag die Bewährungsprobe als CDU-Vorsitzender bevor. Die Programmkommission wird derzeit überhäuft von wirtschafts- und sozialpolitischen Ideen aus allen Teilen der Partei. Als Kanzler muss er das alles mit dem zusammenbringen, was Klingbeil und Bas aus ihrer Partei auf den Kabinettstisch legen. „ Migration, schlanke Verwaltung, ländlicher Raum“ Erneut werfen wir einen Blick mit Vollzugsmeldung noch einmal auf Sachsen-Anhalt . In Magdeburg wurde der CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Sven Schulze zum Nachfolger des langjährigen Regierungschefs Reiner Haseloff gewählt. Und das mit zwei Stimmen mehr als die Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP hat. Die dort beheimatete Mitteldeutsche Zeitung fasst in ihrer Schlagzeile das, was Schulze vorhat, so zusammen: „ Migration, schlanke Verwaltung, ländlicher Raum“. Sein Ministerium übernimmt Finanzminister Michael Richter (CDU) nur administrativ. Seine bisherigen Themen Wirtschaft, Landwirtschaft und Forst will er inhaltlich auch aus der Staatskanzlei heraus bearbeiten. Anlässlich der Novelle zum Landesjagdrecht mit Aufnahme des Wolfes hat Schulze die Reform als praxistaugliches und rechtlich einwandfreies Regelwerk bezeichnet. Er wird in diesem Zusammenhang weiter so zitiert: „ Wir bringen Naturschutz, Tierschutz, die berechtigten Interessen der Land- und Forstwirtschaft sowie die Anliegen der Jägerschaft in ein neues Gleichgewicht.“   Das hört sich doch vielversprechend an. Während Schulze nach den letzten Umfragen mit seiner CDU noch 13 Prozent Abstand zum Hauptgegner AfD aufzuholen hat, hofft er auf einen Trend, der sich für seine SPD-Amtskollegin in Mecklenburg-Vorpommern neuerdings abzeichnet. Manuela Schwesigs Partei hat sich dort gegen den Bundestrend seit September um sechs auf 25 Prozent verbessert. Die AfD verlor dagegen drei Prozent, bleibt aber wie in Magdeburg immer noch klar vorn (Quelle: NDR/Infratest dimap). Beide Wahlen sind im September. Informationen und Austausch rund um Jagd und Natur Wechseln wir zur Jagd & Hund, die am Dienstag eröffnet  wurde. Erneut suchen viele tausend Menschen in Dortmund bis morgen Informationen rund um Jagd und Natur. Neben der Breite an Produkten verschaffen viele Bühnenshows den Besuchern einen umfassenden Überblick zu allen Trends und Themen. Dazu gehört auch die Ernte der Jäger: Beim Wildfoodfestival in der Westfalenhalle präsentieren Köche neue Rezepte aus der Wildküche. Europas größte Jagdmesse zeigt sich in ihrer Breite selbst als „die ideale Plattform für den politischen Austausch, aber auch den innerhalb der Jagd-Community“. Nicole Heitzig, die Präsidentin des Landesjagdverbandes, bekräftigte bei der Eröffnung die gesellschaftliche Rolle der Jagd. Sie kommt auch durch neue Zahlen zum Ausdruck, die der DJV in dieser Woche bekanntgab: Mit knapp 468.000 gibt es in Deutschland so viele geprüfte Jägerinnen und Jäger wie noch nie. Damit ist die Jägerschaft binnen 30 Jahren um rund 42 Prozent gewachsen. In Verbänden organisiert sind deutschlandweit sieben von zehn Jägern. Gerichtsurteil zur Lösung des Jagdscheins Voraussetzung, die Jagd auszuüben, ist die regelmäßige Beantragung und Verlängerung des Jagdscheins bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde. Verbunden ist damit natürlich die Erlaubnis, die entsprechenden Waffen zu führen. Im Rahmen der anhaltenden Debatten über die Innere Sicherheit steht das Thema Überprüfung der persönlichen Eignung und Zuverlässigkeit immer wieder im Fokus. Die Frage, wie das in der Behörden-Praxis mit der Verlängerung des Jagdscheins als Voraussetzung für den Waffenbesitz geschieht, haben wir in unserem Blog natur+mensch diese Woche aufgegriffen . Es ging um die Anordnung des persönlichen Erscheinens bei der Unteren Jagdbehörde in einem Kreis im Rheinland. Damit hat sich das Verwaltungsgericht Köln jetzt beschäftigt und geurteilt: Danach gibt es keine Ermächtigungsgrundlage für die Jagdbehörde, zu einem Pauschalkriterium wie einem bestimmten Alter das Erscheinen anzuordnen, um den Jagdschein zu verlängern (VG Köln 8 K 1648/23 vom 15. Dezember 2025). Zum Spendenformular Entscheidend bleiben also die gesetzlichen Grundlagen . Marc Henrichmann, MdB, Innenpolitiker und Waffenrechtsexperte der CDU, hat dazu vor einiger Zeit im ARD-Magazin „Report Mainz“ betont: „Statt Sportschützen und Jäger müssen wir die Täter stärker in den Blick nehmen.“  Er plädiert dafür, die kommunalen Waffenbehörden durch digitale und schlankere Verfahren zu entlasten. natur+mensch hat ihn auch zu diesem Fall befragt. Gegenüber unserem Blog erklärte er jetzt: „Der Gesetzgeber hat aus guten Gründen die Anordnung des persönlichen Erscheinens – auch zur Vermeidung von Willkürentscheidungen – auf sogenannte begründete Ausnahmefälle begrenzt. Das müssen tatsachenunterlegte Zweifel an Zuverlässigkeit oder Eignung des Antragstellers sein. Das Alter ist zwar eine Tatsache. Auf Zuverlässigkeit oder Eignung lässt sie aber sicher keine pauschalen Rückschlüsse zu.“ Umstrittene Nachtjagdfreigabe vor einem weiteren Verwaltungsgericht Misserfolge im Waldumbau und Schäden bei Aufforstungsmaßnahmen werden manchmal zurecht, manchmal aber auch vorschnell als entscheidende und oft als alleinige Ursachen beim Waldum- und Aufbau benannt. Die verstärkte Jagd mit Außerkraftsetzung von gesetzlich vorgeschriebenen Normen wie Ruhezeiten  sowie Ausnahmen für den Einsatz von Nachtoptik und Licht ist und bleibt umstritten – bald auch vor einem Verwaltungsgericht. Einen aktuellen Fall in Thüringen greift mit seinen unterschiedlichen Facetten nächste Woche unser Autor Christoph Boll in seinem Bericht für unseren Blog natur+mensch auf. Dort im Saale-Orla-Kreis geht es um die angeblich unkontrollierte Verbreitung des Muffelwildes. Da die vor drei Jahren verfügte Vorziehung der Jagdzeit um zwei Monate (regulär ab August) nicht den gewünschten Erfolg brachte, wurden das Nachtjagdverbot aufgehoben und der Einsatz von Nachtsichttechnik mit künstlichen Lichtquellen erlaubt. Unstrittig ist, dass hier die Muffelbestände zu hoch sind und etwas getan werden muss. Nur was? Der Landesjagdverband (LJV) hat dort inzwischen gegen die beiden Allgemeinverfügungen Klage beim Verwaltungsgericht Gera eingereicht. Die Nachtjagdfreigabe ist für Praktiker und Kritiker eine „hanebüchene Anordnung“. Dazu steht die Frage im Raum, wie der Muttertierschutz gewährleistet werden soll. Der LJV drängt auf eine konsequente Anwendung gesetzeskonformer Regeln unter Einschluss entsprechender Kontrollen. Gleichzeitig läuft eine ständige gesellschaftliche Debatte voller Widersprüche. Auf der einen Seite wird den Jägern oft pauschal eine verbreitete Tötungslust unterstellt. Auf der anderen hören und lesen wir weitgehend unwidersprochene radikale Abschussforderungen zwischen Jagd und Forst. Danach ist ebenso pauschal für den Wald „jedes tote Reh ein gutes Reh“ . Das auch für mich wünschenswerte Kontrastprogramm hieße: mehr politische und gesellschaftliche Anerkennung einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Jagd und Forst. Mit diesen Bemerkungen zum Wochengeschehen und besonderem Fokus auf Themen der Jagd verbleibe ich diesmal mit guten Wünschen Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

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