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- „Die dicken Knollen fehlen“
Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate machen auch vor der Deutschen liebsten Knolle nicht halt – das ist die Kartoffel. Sie bereitet vielen Landwirten inzwischen Probleme Foto: Dieter Schütz / pixelio.de Die Deutschen lieben ihre Kartoffel. Ob als Beilage für ein Mittagessen, ob als Zutat für den beliebten Salat oder als Grundlage für die Pommes im Schnellrestaurant oder tiefgefroren – Kartoffeln sind eine unverzichtbare Grundlage für das Essen hierzulande. Seit Jahrhunderten gehören sie in Deutschland zum kulinarischen Establishment. Aber natürlich hat die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate bundesweit auch bei der Kartoffel für erhebliche Einbußen bei der Ernte gesorgt. Vor allem im Vergleich zum Vorjahr, als fast eine Rekordernte hierzulande verzeichnet werden konnte, müssen sich die Landwirte und die Verbraucher auf einen schmaleren Ertrag einstellen. Ob die Kartoffel auch teurer wird, ist noch nicht abzusehen. Festzustehen scheint, dass auch die Pommes durch das mengenmäßigere Angebot kleiner im Tiefkühlbeutel werden. Einige Bauern steigen auf den klimaresistenten Sojaanbau um „Natürlich haben die hohen Temperaturen auch bei uns im Osten Deutschlands den Pflanzen zugesetzt“, berichtet die Geschäftsführerin des sächsischen Kartoffelverbandes, Ariane Weiß, in einer Stellungnahme. „Bei Temperaturen über 30 Grad wächst die Kartoffelpflanze natürlich nicht weiter. Die dicken Knollen fehlen“, erklärt Weiß. Schon in den vergangenen Jahren führten Klimaveränderungen, hohe Temperaturen und aufeinanderfolgende Hitzeperioden dazu, dass viele Kartoffelbauern umgestiegen sind und zum Beispiel die klimaresistentere Soja-Pflanze anbauen. Eines steht jedenfalls fest: „Wir werden keine gute Ernte erleben.“ Nicht nur Sachsen leidet. Auch aus anderen – westlichen – Bundesländern werden ähnliche Probleme gemeldet: So rechnen auch die Kartoffelbauern in Bayern mit kleineren Knollen sowie deutlichen Ertrags- und Qualitätseinbußen. Zudem setzten regionaler Hagel und Pflanzenkrankheiten den Pflanzen zu. Regionale Nachfrage schwächelt Dazu kommen auch hier der verschärfte Preiskampf im Lebensmittelhandel und die anhaltende Krise in der Gastronomie. „Hier fehlt eindeutig die Nachfrage, vor allem im Direktverkauf und auf regionaler Ebene“, sagt ein Insider. Der Hofverkauf, auf den viele Landwirte verstärkt setzen, könne diese Rückgänge nicht auffangen. Konsequenz: Die Anbaufläche für Kartoffeln wird in vielen Ländern immer kleiner. Wieder ein Blick nach Sachsen: Wurden in dem östlichen Bundesland im Jahr 2025 noch auf etwa 5.600 Hektar Kartoffeln angebaut, sind es dieses Jahr laut Landesamt für Statistik in Dresden nur noch 4.700 Hektar – ein Minus von mehr als 16 Prozent. Auch die Zeit für die Ernte werde durch die Wetterturbulenzen aber immer knapper: Das Gros der Erdäpfel wird eigentlich ab Mitte August bis Anfang Oktober vom Feld geholt. Dieses Jahr sei das nicht möglich gewesen: Der Boden war aufgrund der Hitzewelle im Juli und August zu stark ausgetrocknet. Deswegen habe sich die Haupternte verzögert – bundesweit. Weltmärkte unter Druck Wie sich das geringere Angebot an heimischen Kartoffeln auf die Preise für Verbraucher auswirkt, ist unklar. Auf den Weltmärkten beobachten Analysten aktuell einen Preisverfall der Erzeugerpreise für die deutsche Landwirtschaft. Die Erzeugerpreise für Agrarprodukte sanken um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte. Im Mai und Juni hatte es mit minus 13,9 Prozent die stärksten Rückgänge seit mehr als elf Jahren gegeben. Besonders deutlich fielen im Juli die Preise für Kartoffeln: Sie gaben um 45,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nach. Inwieweit sich das auch auf die Preise für Kunden im Supermarkt auswirkt, ist aber unklar. Bei der Preiskalkulation spielen nämlich noch weitere Punkte wie Transport, Handel und gestiegene Kosten für Mitarbeiter und Energie eine erhebliche Rolle. Und die dürften die Preise nicht weiter sinken lassen – auch wenn die heimischen Landwirte davon allerdings nichts spüren werden.
- Wahlschock, Reformstau und die Sorgen auf dem Land
Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! Sachsen-Anhalt und die Kommunalwahl in Niedersachsen liegen hinter und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Entscheidung über die Landes- und Stadtpolitik Berlins vor uns. Die politische Schockstarre in unseren Regierungsparteien muss sich nach diesem nun erneut anstehenden Wahlwochenende lösen – wie auch immer. Die gerade weit verbreitete Kritik konzentriert sich auf den Kanzler und CDU-Vorsitzenden – manchmal so, als hätten die SPD und ihre Granden nichts damit zu tun. Hoffnungsträgerin dort ist jetzt Manuela Schwesig. Sie setzt alles daran, von Platz zwei in ihren Umfragen am Wahlsonntag auf eins nach den Auszählungen zu rücken. Das Szenario der Septemberwahlen vermittelt den Eindruck, dass es weniger um die auch für unsere Themen wichtige Landespolitik geht, sondern um die Reformpolitik in der Koalition unter dem Druck der nun einmal stark gewordenen AfD. Sie fährt ihre Erfolge auf dem Lande ein, wo wir andere Sorgen und Wünsche haben, die nun einmal nicht oben auf der politischen Agenda stehen. Schlechte Erntebilanzen und sinkende Preise verschärfen den Druck in der Agrarwirtschaft. Wir blicken in dieser Wochenkolumne weiter auf die durch Hitze und Trockenheit nun drohende Verschärfung der Schäden in unseren Wäldern. Letztlich füge ich noch eine Praxiserfahrung zum viel zitierten Wolfsmanagement an. „Alles, was wir verlangen, ist, dass die Regierung die Bedürfnisse der ländlichen Gemeinden anerkennt und mit ihnen arbeitet und nicht gegen sie.“ Das habe ich nach dem unspektakulären Regierungswechsel in Großbritannien in einem Kommentar aus dem ländlichen Raum dort gelesen. So etwas wäre für uns in der Realität des Parlaments- und Regierungsviertels entlang der Spree auch mal ein guter Hinweis. Derweil fällt alle Welt bei uns über den Kanzler her, obwohl fast alle wissen, dass wir mit unseren Finanz- und Demografiedaten im Reformstau stecken und raus müssen. Bei den Lösungsperspektiven habe ich den Eindruck, dass es verbreitet erst einmal um den Erhalt dessen geht, was man selbst hat. Das gilt für die Parteien und ihre Personen in Funktionen allemal. CDU-Ministerpräsidenten demonstrieren Solidarität Nach dem beklagten Solidaritätsmangel am Abend der Sachsen-Anhalt-Wahl gibt es seit Mittwoch eine Demonstration des Rückhalts durch die CDU-Ministerpräsidenten: „Gemeinsam mit dem Bundeskanzler“ heißt die gemeinsame Erklärung, die Merz gilt. Zusammen mit dem Präsidium seiner Partei will er „seine“ Länderchefs nun am Sonntag um sich scharen. Alle Szenarien in der Berliner Politik- und Journalistenblase drehen sich darum, wie lange der Kanzler durchhält. Personalwechsel – so ist die verbreitete Erkenntnis – führen nicht aus der Krise. Geschlossenheit und Stabilität sind in der politischen Mitte angesagt. Übrigens redet in Berlin kaum jemand offen über eine andere Alternative: Nämlich das, was Angela Merkel unter Druck 2018 vorgemacht hat: Man kann auch auf den Parteivorsitz verzichten und (erst einmal) Kanzler bleiben; und weiter das regeln, was notwendig ist. Ein kleines Zwischenhoch hat für die Parteien der Mitte in dieser angespannten Situation die Kommunalwahl in Niedersachsen gebracht. Mit Schrammen bleibt die CDU dort mit gut 27 Prozent vorn, gefolgt von der SPD mit 24,6. Die AfD hat sich mit fast 16 Prozent verdreifacht. Gerade auf dem Lande zeigt sich aber, dass sie 258 ihrer in Räten und Kreistagen gewonnenen Sitze nicht besetzen kann. So viel zum Thema Lieferqualität, wenn's dann um die praktische Politik geht. Mit schrägen oder skandalösen Lebensbiografien in Regierungsämter Nicht zu unterschätzen: Was sich seit dem Auftritt der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt in Köpfe aus dem „Political-Correctness-Lager“ einprägt, gehört zu den Gründen der Distanz, die die politische Mitte zeigt. Wenn, wie in Magdeburg geschehen, gewählte Abgeordnete mit schrägen oder skandalösen Lebensbiografien in Regierungsämter drängen, kann das, was man über sie hört oder liest, auch anders wirken. Nichtwähler, die mit dem Schlicht-Argument „Da oben muss sich was ändern“ und allein aus Protest gegen „Wer weiß nicht was“ plötzlich gewählt haben, sehen sich eher bestätigt. Da stört es viele nicht, dass der designierte Ministerpräsident erst einmal selbst seine möglichen Steigbügelhalter vom BSW provoziert. Jedenfalls gilt das für Siegmunds Ansicht, dass die Ansiedlung von Rüstungsproduktion auch notwendig sei, um von dort für eine spätere Remigrations- und Abschiebeoffensive entsprechende Hilfsmittel aus der Waffenproduktion zu erhalten. Vielleicht finden es jetzt auch manche gut, dass Brüllen, feixendes Klatschen und Johlen als neuer Stil in die Arbeit von Parlamenten einziehen. „Die bewegen da oben doch was“, ist dann als Stimmung in den unseligen Straßenumfragen in den inzwischen üblichen Einspielern von Tagesschau und Heute zu hören. Mal sehen, wie die Folgewirkung am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ausfällt. Als Erwartung aus dem Regierungsviertel ist zu hören, dass eine neue Erzählung helfen soll. Das ist allenfalls ein abgedroschenes Rezept im bekannten „Politsprech“, wonach man die Politik nicht ändern, sondern sie nur besser erklären muss. „Vollzugshinweis Wolf an JAB“ Apropos Verständlichkeit. Wenigstens unsere Finanzämter bemühen sich gerade um eine verständliche Behördensprache. Sie sollen nun aus 730 Textbausteinen ihre künftige Amtspost formulieren, wenn’s um Steuern geht. Das „Leibnitz-Institut für Deutsche Sprache“ soll so der Finanzverwaltung mit wissenschaftlichem Beistand auf die Sprünge helfen. Das sollten sich vielleicht manche Verantwortliche für die Kommunikation in Rathäusern oder Ministerien mal zu eigen machen. Jüngst ist mir ein Hinweis meiner Kreisjägerschaft als Weiterleitung eines achtseitigen Briefes des zuständigen Landesressorts für Landwirtschaft und Forsten aus Düsseldorf ins Postfach gerutscht. Betreffzeile: „Vollzugshinweis Wolf an JAB“. Gemeint bin ich am Ende als Jagdausübungsberechtigter in NRW. Hier gibt es im Rahmen der „konkurrierenden Gesetzgebung des Bundes“ im aktuellen Jagdrecht des Landes (noch?) keine gesetzlichen Wolfsregelungen. Wenn mir nach diesem komplizierten Schreiben dann im Revier ein Wolf als nach dem Bundesjagdgesetz „jagdbare Wildart begegnet“, muss ich schon viel an Vorschriften begreifen und wissen, bis ich dann vielleicht was tun könnte. Dazu gibt es die zitierten Vollzugshinweise auf acht Seiten im „Behörden-Juristen-Deutsch“. Sie sind kaum für alle Revierinhaber verständlich – dafür aber juristisch verbindlich. Auf solche Regelungen sollten wir später einmal im Ländervergleich in unserem Blog natur+mensch genauer eingehen. Erst einmal gilt unter den Vorgaben zur „Entnahme schadstiftender Wölfe“ ein solches Textbeispiel: „Zu § 22d Absatz 3 Satz 2 bis 5 BJagdG) Ist ein Schaden an einem nicht wildlebenden Tier eingetreten, so ist gemäß Satz 2 zur Abwendung der in Satz 1 Nummer 1 genannten Schäden die Jagd auf den Wolf auch ohne Genehmigung der zuständigen Behörde zulässig, wenn ein von der zuständigen Behörde oder dem Land bestellter Sachverständiger für Wolfsrisse festgestellt hat, dass der Schaden 1. von einem Wolf verursacht worden ist und 2. trotz zumutbar ergriffener Herdenschutzmaßnahmen, die geeignet sind, Tiere vor Angriffen durch den Wolf zu schützen, eingetreten ist.“ Viele unserer Jägerinnen und Jäger bzw. Revierinhaber werden damit ratlos zurückgelassen. Und betroffenen Weidetierhaltern ist bei solchen Praxisvorgaben erst mal kaum zu helfen … Was nach dem Hitzesommer für unsere Laubwälder zu erwarten ist Nach der historisch extremen Trockenperiode und den Hitzewellen dieses Sommers gibt es für Laubwälder schlimme Prognosen. Sie könnten die Borkenkäferfolgen noch übersteigen. Seit diesem Sommer sorgen wir uns noch mehr um viele Laubwälder in Deutschland. Sie stehen wohl vor gravierenden Schäden. Hinter uns liegen im Juni, Juli und August Rekordtemperaturen bei weit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen – natürlich mit ihren regionalen Unterschieden. Neben den bekannt beklagten Ernteausfällen in der Landwirtschaft trifft es damit auch erneut unsere Wälder. Und das bei ihren ohnehin geschwächten Beständen nach den verschiedenen Dürrejahren 2018 bis 2023. So sagen uns jetzt Forstexperten unserer Stiftung und Waldökologen eine neue Welle des Baumsterbens und der Kronenverlichtung in unseren Laubwäldern voraus. Das trifft insbesondere die Eifel, den Hunsrück und den Taunus. Auch aus Thüringen haben wir bereits entsprechende Hinweise bekommen. Zum Spendenformular Verschärft wird die Situation durch aktuelle Prognosen für Forstflächen mit teilweise bereits vorhandenen extremen Pflegerückständen. Schwer getroffen sind neben Nadelhölzern zunächst Weichlaubhölzer wie Birke, Eberesche und Weide, aber auch die Leitarten wie Ahorn und ganz besonders die Rotbuche. Insbesondere in Buchenbeständen werden die Hitze- und Trockenfolgen zu weiteren massiven Schäden führen. Wenn es bei einem Baum im vollen Safttrieb plötzlich zu einem Abriss der Wassersäule kommt, führt das zum plötzlichen Trocknen des Laubes. Dieser Fluss ist übrigens im Normalfall mit einem Stethoskop aus unserem natur+mensch-Waldrucksack zu hören, wenn es an den Stamm gehalten wird. Die mangelnde Wasserzufuhr nimmt dem Baum die Chance, überhaupt eine Knospe fürs kommende Jahr auszubilden. Das Holz wird dann damit großflächig nahezu verloren sein – nicht nur für die weitere Bewirtschaftung der Flächen, sondern auch mit Folgen für den wirtschaftlichen Nutzen. Neben mit der Zeit auflaufenden Ertragsausfällen erwarten dann Experten weitere Folgeprobleme. So unter anderem Gefahren für Forstmitarbeiter bei ihrer Arbeit durch herabfallende Äste und brechende Baumkronen. Für Besitzer und Fachleute bleibt die Frage, wie lange bei absterbenden Bäumen das Holz wirtschaftlich verwertbar sein wird. Das kennen wir aus den Erfahrungen mit den Folgen des Borkenkäferbefalls. Für unsere Projektarbeit „Wald mit Wild“ bestätigt das die Notwendigkeit, hier nicht nachzulassen. Sie ist teilweise entstanden aus Erfahrungen und Schlüssen nach verschiedenen Naturkatastrophen, die Wald-Fluss-Regionen erfasst haben. Unsere Stiftung natur+mensch beteiligt sich seit Langem an den daraus folgenden gesellschaftlichen, politischen und fachlichen Diskussionen. Es geht auch um die Lebensräume vieler Arten – letztlich auch unseres Wildes. Im Blog natur+mensch empfehlen wir die nächsten Beiträge über den Kartoffelmarkt nach der Trockenperiode und die nächste Folge unserer Serie über Wilderer. Mit diesen weiteren Lesetipps wünsche ich ein angenehmes und gutes Wochenende. Mit besten Grüßen Ihr Jost Springensguth Koordination und Redaktionsleitung
- „Erklärung von Werl“ fordert Klimaschutz durch aktive Waldbewirtschaftung
Der Waldbauernverband NRW positioniert sich klar gegen weitere Flächenstilllegungen und einen neuen Nationalpark. Unterstützung erhält er dabei von prominenter wissenschaftlicher Seite Foto: Heinrich Linse / pixelio.de Beim Waldbauerntag in Werl stellte jetzt Verbandsvorsitzender Eberhard Freiherr von Wrede die „Erklärung von Werl“ vor, ein klares Bekenntnis zur aktiven Waldbewirtschaftung als Klimaschutzinstrument. „Wir wollen mit dieser Erklärung einen Impuls für eine sachorientierte Klimaschutzpolitik setzen, die aktive Waldbewirtschaftung, regionale Holzverwendung und nachhaltiges Bauen stärker zusammendenkt“, so von Wrede. Waldpflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe Nordrhein-Westfalen ist mit über zwei Dritteln Privatwaldanteil zugleich das bevölkerungsreichste Bundesland. Die Erklärung stellt klar: Die Waldschäden der vergangenen Jahre seien keine betrieblichen Fehlplanungen, sondern Folge der Extremwetterereignisse des Klimawandels. Deshalb müsse der Umbau zu klimadynamischen Waldbeständen dauerhaft und in ausreichender Höhe von der Gesellschaft mitgetragen werden. Von Wrede: „Die Waldbesitzenden stehen dazu bereit. Doch ihnen darf diese Aufgabe nicht alleine aufgebürdet werden.“ Holzbau als unterschätzter Klimahebel Einen zweiten Schwerpunkt setzt die Erklärung beim Bauen mit Holz. NRW gilt als eines der Schlusslichter beim Holzbau, trotz großen Potenzials. Der Verband fordert daher den Abbau von Hemmnissen sowie eine schnellere Weiterentwicklung von Forschung, Normung und technischen Voraussetzungen für den Einsatz von Holz als Baustoff, gerade auch für Baumarten, die durch den Klimawandel künftig an Bedeutung gewinnen. Klare Absage an neue Flächenstilllegungen Konsequent leitet der Verband daraus seine Kernforderung ab: keine weiteren Flächenstilllegungen in NRW. Nur aktive Waldbewirtschaftung sichere einen dauerhaft hohen Holzzuwachs und damit stetige Kohlenstoffeinlagerung, ermögliche zugleich Waldumbau und Waldbrandprävention. Da nachhaltig bewirtschaftete Wälder bereits einen wichtigen Beitrag zu Biodiversität und Artenschutz leisteten, sei die Nicht-Nutzung von Wäldern aus Naturschutzgründen in der Regel nicht erforderlich. Der Waldbauernverband spricht sich vor diesem Hintergrund auch gegen die Ausweisung eines weiteren Nationalparks in NRW aus. Ergänzend fordert der Verband, die Nutzung von Holz zur dauerhaften CO₂-Speicherung, etwa über Pflanzenkohle, sowie zur Energiegewinnung als „technische Klimaschutzmaßnahmen“ weiter auszubauen. Prominente Rückendeckung von Klimaforscher Schellnhuber Gastredner Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), stützte die Positionen der Waldbauern mit deutlichen Worten: „Beim Klimaschutz ist der wichtigste Faktor die gebaute Umwelt, rund 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen stammen aus dem Bauen, dem Betreiben und Abreißen von Gebäuden, und hier gibt es die hervorragende Möglichkeit, aus einer CO₂-Quelle eine CO₂-Senke zu machen.“ Die wichtigsten Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel seien, abgesehen von der dringend nötigen Reduzierung fossiler Emissionen, eine nachhaltige Forstwirtschaft mit konsequentem Waldumbau sowie eine biobasierte Bauwirtschaft. Der Waldbauernverband NRW vertritt die Interessen von über 150.000 privaten Waldbesitzern im Land.
- Wilderei (Teil 2): Zur Geschichte gehört ein Kampf gegen Obrigkeit
Wilderer waren fast immer gleichermaßen skrupellos gegenüber Mensch und Tier. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn ihre Taten aus einem Widerstand gegen die Obrigkeiten entstanden sind KI-Foto: ChatGPT Ursprünglich durfte jedermann jagen. Dieses Recht war auch bis weit ins Mittelalter unstrittig. So konnte jeder Freie, in erster Linie die Bauern, auf die Pirsch gehen, um seinen Viehbestand oder seinen Grund vor Wildschaden zu schützen oder um sich Wildbret als Nahrung zu verschaffen. Allerdings wurde dieses Recht mit der immer weiter steigenden Abhängigkeit der Bauern von ihren Landesherren sowie der steigenden Inbesitznahme von freien Ländereien durch den Adel zunehmend ausgehöhlt. Als der Adel dann noch begann, das Waidwerk als eine sportliche Herausforderung und als vergnüglichen Zeitvertreib zu verstehen, wurde den Bürgern schließlich das Jagdrecht entzogen. Verstöße standen fortan unter Strafe. Zugleich nahmen Ernteschäden durch Wildverbiss zu. Es kam sogar zu ganzen Ernteausfällen, verursacht durch Flurschäden adliger Jagdgesellschaften, die rücksichtslos und ohne Anspruch auf Entschädigung für die Betroffenen über die Felder stürmten. Die Empörung im einfachen Volk wuchs mit den Schäden. Schwarzgeher zogen im Dunkeln los Den Schutz, die Pflege sowie die Überwachung der Jagdreviere übertrugen die Landesherren an Forstbeamte oder andere legitimierte Personen. Alle anderen Jäger waren dadurch illegal geworden und wurden fortan je nach Region Wilderer, Wildschütz oder Schwarzgeher genannt. Die letzte Bezeichnung zielt darauf ab, dass die Täter sich das Gesicht schwärzten und im Dunklen loszogen. Heute ist das längst nicht mehr üblich. Viel eher wird versucht, mit Restlichtverstärkern oder Nachtzielgeräten und Schalldämpfern aus dem Autofenster heraus illegal Beute zu machen. Auch in Österreich reicht die Geschichte der Wilderei etliche Jahrhunderte zurück. Besonders in den Alpenregionen und dem Salzkammergut entwickelte sich eine ausgeprägte, oft romantisierte Wildererkultur. Bekannte Fälle sind in jüngerer Vergangenheit der Tod von Pius Walder im Jahr 1982 und die sogenannte Wildererschlacht von Molln am 14. März 1919. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Hungers als Folge des Ersten Weltkrieges wurden am Bahnhof von Grünburg einige verhaftete Wilderer – unblutig, aber mit Gewalt – aus den Händen der Gendamerie befreit. Am Abend desselben Tages kamen in einem Mollner Gasthof bei dem Versuch der Gendarmerie, Wilderer festzunehmen, drei unbewaffnete Wilderer und ein Gendarm ums Leben. Ein weiterer Wilderer wurde in seinem Haus beim Versuch der Festnahme mit dem Bajonett erstochen. Museen dokumentieren Kitsch und Klischees Das Wilderer Museum Molln spricht von einer „regionalen Tragödie“ und einem Wildererdrama. Es hat die Ereignisse aufbereitet und in seine Präsentation der Geschichte der Wilderei vom Mittelalter bis heute integriert. Das Museum übernahm 2022 die Bestände des aufgelösten Wilderermuseums St. Pankraz, das auch die kitschige Wildererromantik, die in Heimatfilmen, Romanen und Liedern vermittelt wird, dokumentiert hat. Thematisch gleich gibt es in Deutschland die Wilderermuseen im thüringischen Gehlberg und in Schmiedefeld am Rennsteig. Vor allem in Österreich und Bayern wird zwischen Wilderer und Wildschütz unterschieden. Der vermeintlich „waidgerechte“ Kugelwilderer wird dort als Wildschütz bezeichnet und nicht als Wilderer. In diesem Zusammenhang meint Waidgerechtigkeit, dass die Schonzeiten beachtet und auch keine führenden Muttertiere erlegt werden. Den Tätern wurde oft eine unstillbare Jagdleidenschaft nachgesagt, um ihr Verhalten im öffentlichen Ansehen zu entschuldigen. Diese Verklärung findet sich bis in die Heimatfilme der 1950er-Jahre. Selbst als im März vergangenen Jahres Felix Laubhuber im Alter von 87 Jahren starb, war die mediale Berichterstattung sehr ambivalent. In der Süddeutschen Zeitung hieß es, den Verstorbenen bei seinem Spitznamen nennend: „Und das mit der Romantik ist eh endgültig vorbei – jetzt, wo der Fex tot ist, der für viele Menschen im Chiemgau der mutmaßlich letzte ‚König der Wilderer‘ gewesen ist.“ „Waidgerechte“ Wilderer sind absolute Ausnahmen Die Ausnahmen der waidgerechten Wildschützen mag es gegeben haben. Der Regelfall jedoch waren die Schlingensteller und Aasjäger, in deren Tradition auch die heutigen Wilddiebe stehen, die es meistens auf die Trophäe abgesehen haben. Denn bis in die Gegenwart hat sich nichts daran geändert, dass sie sich nicht um das manchmal tagelange Leiden der in der Schlinge gefangenen Kreatur kümmern. Wenn sie Waffen benutzen, dann häufig unzulängliche Kleinkalibergewehre, damit der Schussknall nicht so weit zu hören ist. Und aus Angst vor Entdeckung wird auch das krank geschossen flüchtende Wild nicht nachgesucht. Aber auch der angeblich waidgerechte Wilderer zeigte oft sein wahres Gesicht als schlichter Krimineller, wenn er gestellt wurde. Von der Skrupellosigkeit, die auch vor Mord nicht zurückschreckt, zeugen die Gräber zahlreicher erschossener Förster und Jagdaufseher. Bis in die jüngste Zeit hat sich daran nichts grundsätzlich geändert, wie 2022 die Ermordung zweier Polizisten im rheinland-pfälzischen Landkreis Kusel belegte. Zwei Männer gaben bei einer Verkehrskontrolle die tödlichen Schüsse auf die Beamten ab, um nicht als gewerbliche Wilderer entdeckt zu werden. Der Haupttäter wurde wegen Mordes verurteilt, der geständige Kronzeuge nur wegen Beihilfe zur Wilderei.
- Immer schlechtere Stimmung in der Landwirtschaft
Wer die Lage der Landwirtschaft allein an den Erntezahlen festmacht, springt zu kurz. Hitze- und Dürrefolgen lassen sich ausgleichen. Viel gravierender und teilweise existenzbedrohend sind weiterhin die Rahmenbedingungen Foto: NoName_13 Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe sollen alles gleichzeitig schaffen: Mitten im Klimawandel gesunde Lebensmittel produzieren, hohe Energie- und Düngemittelkosten verkraften, die Biodiversität schützen, das Auf und Ab der Märkte tragen und Strukturbrüche überstehen. Dass dies nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand. Nach wie vor geben pro Jahr bundesweit tausende Betriebe auf. Oft unverschuldet, weil sie mit den vielen Herausforderungen allein nicht mehr fertig werden können. Deutlich wird das zum Beispiel bei der Erntebilanz des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands. Auf einem Milchviehhof in Bad Berleburg sprach Hubertus Beringmeier, Präsident des WLV, abseits der saisonalen Ertragszahlen die Schwierigkeiten an, die der Ackerbau hat, um in einer Zeit der klimatischen Veränderungen zu produzieren. Ohne effektiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und gezielter Düngung geht es laut Beringmeier nicht. Deutlich kritisierte er pauschale Verbote. Es müsse darum gehen, den Einsatz weiter zu optimieren und neue Wirkstoffe zu entwickeln, um Resistenzen vorzubeugen. Die Vermeidung von Resistenzen gegenüber Pflanzenschutzmitteln ist längst eine der Hauptherausforderungen im Pflanzenschutz. Anhörung in Berlin zur Düngeverordnung und zum Düngegesetz Auch die Düngeverordnung und das Düngegesetz, zu denen der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat des Bundestags erst vor wenigen Tagen in Berlin eine öffentliche Anhörung durchgeführt hat, sprach der WLV-Präsident an. Mit Blick auf die diskutierten Regelungen zur Düngeverordnung setzt er auf das Prinzip der Verursachergerechtigkeit. „Pauschale Verbote und flächendeckende Restriktionen, die auch Betriebe treffen, die nachweislich gewässerschonend und ordnungsgemäß wirtschaften, lehne ich ab.“ Hintergrund ist, dass das Düngerecht in den letzten Jahren von der Politik mehrfach geändert wurde und weitreichende Verschärfungen für die Bewirtschaftung gelten. Dass der Gewässerschutz Vorrang hat, sehen auch die Landwirte. Sie brauchen aber eine bedarfsgerechte Düngung, um die Grundlage für viele unserer Lebensmittel zu erzeugen. In Westfalen-Lippe werden nach aktuellen Daten über 930.000 Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt. Bei drei Vierteln handelt es sich um Ackerfläche, bei einem Viertel um Grünland. Noch gibt es über 23.000 Betriebe. Landwirte erwarten noch ungünstigere Preisentwicklung Existenzbedrohend ist laut WLV wegen der prekären Marktlage und der Strukturveränderungen inzwischen in weiten Teilen die Situation in der Ferkelerzeugung und Schweinehaltung. Ursächlich dafür seien eine ruinöse Preispolitik sowie der Rückgriff auf Importware. Beringmeier: „Der gewünschte Umbau der Tierhaltung hin zu höheren Haltungsformen wird von der Branche grundsätzlich mitgetragen. Fakt ist aber: Der Auszahlungspreis ist viel zu gering, um überhaupt kostendeckend zu arbeiten. Wir brauchen jetzt konkrete und wirksame Sofortmaßnahmen, faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.“ Kein Wunder, dass die Stimmungslage in der Landwirtschaft im Rentenbank-Agrarbarometer 2026 als „überwiegend gedrückt“ beschrieben wird. Die schlechte Stimmung zieht sich nach der Erhebung aus dem Juli dieses Jahres durch alle Bereiche – Milchvieh- und Rinderhaltung, Schweine- und Geflügelhaltung sowie Ackerbau. Negative Einschätzungen für die nächsten zwei bis drei Jahre beruhen auf der Erwartung ungünstiger Preisentwicklungen und der Agrarpolitik.
- Ein schlichtes „Weiter so“ wird nicht reichen
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Politik Liebe Leserinnen und Leser! In unserer Wochenkolumne befassen wir uns mit dem Wahlausgang in Sachsen-Anhalt und den bundespolitischen Konsequenzen. Allerdings nur kurz. Schwerpunkte bilden gemäß der Zielsetzung unseres Blogs die Landwirtschaft und vor allem die Jagd. Dabei stehen im Mittelpunkt die vorläufigen Erntebilanzen, das Verhältnis zwischen Politik und Bauern speziell im Norden sowie mit Fokus auf die Jagd das Bundeslagebild Waffenkriminalität. Außerdem geben wir einen Ausblick auf mehrere Blogbeiträge zur Bedeutung und Geschichte von Wilderei. Politisch gab es in dieser Woche praktisch nur ein Thema: die Wahl in Sachsen-Anhalt. Dazu ist jede Menge gesendet, geschrieben und gesagt worden. Deshalb kann und möchte ich mich hier kurzfassen und auf den Kanzler verweisen, zumal es in diesem Blog vornehmlich um den ländlichen Raum gehen soll. Völlig zu Recht hat Friedrich Merz im Bundestag betont, was eine Verwirklichung der AfD-Politik bedeuten würde: „Wenn alle arbeitenden Menschen mit Migrationshintergrund Deutschland verlassen müssten, dann kann das Handwerk in Deutschland nicht mehr arbeiten, dann arbeitet kein einziges Pflegeheim mehr, dann arbeitet kein einziges Krankenhaus in Deutschland mehr, dann ist keine einzige Gaststätte mehr zu betreiben in Deutschland.“ Umso dringender muss die schwarz-rote Regierung den Bürgern ein überzeugendes und vor allem verständliches Gegenmodell präsentieren. Merz und andere Koalitionspolitiker haben selbst dieses Kommunikationsdefizit eingeräumt. Man darf gespannt sein, ob und wie sie es in den kommenden Wochen und Monaten beheben wollen. Ein bloßes „Weiter so“ wird jedenfalls nicht reichen. Das hat die Wahl in Sachsen-Anhalt gezeigt. Alles blickt nun auf die kurz bevorstehenden Wahlen zum Schweriner Landtag und zum Berliner Abgeordnetenhaus. Danach müssen auch im Bund die Weichen für die großen Reformvorhaben verbindlich gestellt werden. Seit dem Wahltag in Sachsen-Anhalt ist dies noch um einiges schwieriger und konfliktträchtiger geworden. Bauern ziehen Erntebilanz Konzentrieren wir uns jetzt erst einmal wieder auf den ländlichen Raum. Dort ist die Zeit der Erntebilanzen durch den Deutschen Bauernverband, die zuständigen Minister für Landwirtschaft und Ernährung sowie – mit den entsprechenden regionalen Unterschieden – die Landesbauernverbände. Es geht jeweils um bereits dokumentierte und noch prognostizierte Ernteergebnisse. Dabei wird in der Regel auch auf die Entwicklungen auf den Agrarmärkten sowie die agrarpolitische Situation eingegangen. Wir nehmen im Kreis der Autoren unseres Blogs natur+mensch Gelegenheit, über Ergebnisse von verschiedenen Veranstaltungsformaten im Norden, Westen und Südwesten zu berichten. In dieser Woche hat bereits Jürgen Muhl aus Schleswig-Holstein über den Druck von dort aus auf die Agrarpolitik berichtet. Hierbei ging es auch um das Nebeneinander der in der Kieler schwarz-grünen Koalition parteipolitisch unterschiedlich besetzten Ressorts mit Zuständigkeiten für Umwelt und Landwirtschaft sowie das jeweilige Verhältnis zum regionalen Bauernverband. Während der grüne Kieler Umweltminister immer wieder attackiert wird, erfreut sich die junge Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg zunehmender Beliebtheit. Vielleicht hat dazu auch beigetragen, dass sie ein Durchhaltevermögen hat wie einst der legendäre Präsident des Deutschen Bauern- und anschließend des Jagdverbandes, Constantin Heereman von Zuydtwyck. Jedenfalls blieb die CDU-Politikerin beim Verbandsempfang des Bauernverbandes zur Agrarmesse Norla in Rendsburg so lange anwesend, bis die letzten Gäste den Saal räumten. Unter Bauern dort oben im Norden heißt das schon was … Zum Spendenformular Das Format einer Pressekonferenz zu Erntebilanz und Agrarpolitik hat gestern der Westfälische Bauernverband genutzt. Ob es da auch Bezüge zu einer ebenfalls schwarz-grünen Landespolitik oder nur zum Bund gegeben hat, wird unser Autor Wolfgang Kleideiter am Dienstag analysieren. Und in Baden-Württemberg beobachtet für uns Wolfgang Molitor die grün-schwarze Regierungspolitik unter Cem Özdemir. Dort steht in diesem Jahr wieder das 102. Landwirtschaftliche Hauptfest an, das alle vier Jahre parallel zum Cannstatter Wasen ausgetragen wird. Auch dazu lädt der regionale Bauernverband zum Monatswechsel ein. Darüber werden wir dann ebenfalls berichten. Gefahr durch illegalen Waffenbesitz Gewiss, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse und damit die Herausforderungen werden zunehmend komplexer. Umso wichtiger, dass die Regierenden zumindest dort für Klarheit sorgen, wo dies problemlos möglich sein sollte. Denn sonst wächst die Kluft und damit das Unverständnis zwischen „denen da oben“ und den Menschen vor Ort weiter. Ein Beispiel von vielen ist in diesem Zusammenhang das Waffenrecht. Besonders nach schweren Straftaten gibt es darüber immer wieder emotionale Debatten, was angesichts des verursachten menschlichen Leids zwar nachvollziehbar ist. Das Problem ist allerdings, dass eine Verschärfung etwa zu Lasten von Jägern oder Sportschützen am Kern der Sache vorbeigeht. Im Grunde ist es eine für Politiker bequeme Scheindebatte, weil damit von der notwendigen, allerdings teuren Verstärkung des Polizeiapparats abgelenkt wird. Denn völlig zurecht stellt der Deutsche Jagdverband in diesem Zusammenhang fest, dass das Bundeslagebild keine Hinweise darauf liefert, „dass die Anzahl rechtmäßig besessener Jagdwaffen einen erkennbaren Einfluss auf die Waffenkriminalität hätte. Vielmehr liegen die sicherheitsrelevanten Schwerpunkte bei illegalem Besitz, illegalem Handel und organisierter Kriminalität.“ Bezeichnend ist zudem, dass die polizeiliche Kriminalstatistik keine Unterschiede zwischen legalen und illegalen Schusswaffen bei Straftaten macht. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Wollen die für die Sicherheit Verantwortlichen und die Befürworter einer Gesetzesverschärfung denn nicht einmal nicht wissen, auf welcher faktischen Grundlage sie eigentlich reden? Da kann man nur sagen: Hier muss die Diskussion wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Wilderer lassen Tiere leiden Zum Schluss möchte ich Sie noch gerne auf eine interessante kleine Artikelserie aufmerksam machen, in der sich unser Autor Christoph Boll mit dem Thema Wilderei beschäftigt. In dieser Woche konnten Sie in unserem Blog bereits einen Beitrag mit der Überschrift „Wilderei: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe“ lesen. In der kommenden Woche blickt unser Autor in seinem Blogbeitrag zurück in die jüngere Geschichte, als Wilderer gleichermaßen skrupellos gegenüber Mensch und Tier agierten. An diesem Verhalten habe sich für heute nichts geändert, schreibt er. Waidgerechte Wildschützen mag es zwar vereinzelt gegeben haben. Doch in der Regel haben sie sich nicht um das manchmal tagelange Leiden der in der Schlinge gefangenen Kreatur gekümmert. Oder es wurden unzulängliche Kleinkalibergewehre benutzt, damit der Schall nicht so weit zu hören war. Und aus Angst vor Entdeckung wird auch das krank geschossene flüchtende Wild nicht nachgesucht. Zudem wurden viele Förster und Jagdaufseher bei ihren Versuchen getötet, die kriminellen Wilderer zu stellen. Im abschließenden Beitrag „Kriminelle als vermeintliche Helden“ geht es um die häufige Idealisierung und Romantisierung von Wilderei. Diese mündet in der Mitte des 20. Jahrhunderts im Kitsch und den Klischees der Heimatfilme. Das bekannteste Beispiel, von dem Christoph Boll berichtet, ist der Fall Georg Jennerwein, der zum Volkshelden verklärt und manchmal sogar mit Robin Hood verglichen wurde. Diesen Blogbeitrag werden wir dann in der übernächsten Woche veröffentlichen. Ich wünsche Ihnen nun ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination und Redaktionsleitung
- Wilderei (Teil 1): Unwissenheit schützt nicht vor Strafe
Die Motive für Wilderei sind vielfältig. Viele Täter wissen nicht, dass das strafbar ist. Wir beginnen heute eine dreiteilige Serie über Geschichte und Wissenswertes zu diesem Thema. Sie erscheint in diesem Blog jeweils am Donnerstag KI-Foto: ChatGPT Erst vor kurzem wurden Fälle von Wilderei in Bayern bekannt. Ende Juni war in Petersdorf im Landkreis Aichach-Friedberg ein totes Reh gefunden worden. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Nord gab bekannt, es sei „unsachgemäß durch einen bislang unbekannten Täter erlegt“ worden. Einen knappen Monat später tauchte wenige Kilometer entfernt in einem Grünstreifen bei Rehling ein weiteres geschossenes Reh auf. Das Tier ist laut Polizei „durch einen unbekannten Schützen erlegt und am Tatort liegen gelassen“ worden. Der Abschuss durch einen Jagdausübungsberechtigten könne ausgeschlossen werden. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland insgesamt 3.261 Fälle von Wilderei. Davon entfielen 2.178 Straftaten auf den Bereich der Fischwilderei, also illegales Angeln, und 1.083 Fälle auf den Bereich der Jagdwilderei. Die meisten Vorkommnisse ereignen sich in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Niedersachsen. Dabei gilt: Je dünner eine Gegend besiedelt ist, desto mehr wird gewildert. Denn die soziale Kontrolle und damit die Gefahr der Entdeckung ist dort gering. Die Aufklärungsquote liegt nur bei rund 30 Prozent. Sie dürfte, gemessen an den tatsächlichen Fällen, sogar noch deutlich niedriger liegen. Denn Experten und Naturschutzverbände gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Delikte im Dunkel des Waldes unentdeckt bleiben. Die Motive der Wilderer sind unterschiedlich: Viele wollen das Wildbret verkaufen oder selbst verzehren. Ein Reh kann bei guter Verarbeitung zwischen 100 und 200 Euro einbringen. Andere Täter sind auf Trophäen aus oder werden von reiner Jagdlust getrieben. Auch Menschen, die nicht zur Waffe greifen, können sich der Wilderei schuldig machen. Denn vielen ist nicht bewusst, dass Wild zwar zunächst einmal herrenlos ist, ein totes Stück gleichwohl nicht einfach mitgenommen werden darf. Unfallwild gehört dem Revierinhaber Das gilt auch für Wild, das einem vor das Auto gelaufen oder geflogen ist. Wer das tot neben seinem Wagen liegende Reh oder Wildschwein im Kofferraum verschwinden lässt, um einen leckeren Sonntagsbraten zu haben, macht sich strafbar. Er begeht Jagdwilderei. Das gilt für alle dem Jagdrecht unterliegenden Arten, also von Kaninchen und Hase über Ringeltaube, Fasan, Ente und Gans bis zum Hirsch. Auch Teile jedes Wildes – etwa Geweih, Knochen und Federn – unterliegen dem Jagdrecht. Wer also im Wald die prächtige Geweihstange eines Hirsches findet und sie als Wandschmuck mit nach Hause nimmt, begeht Wilderei im Sinne des Gesetzes. Ausgenommen von diesem Vorwurf ist die Tötung von Wild aus Gründen des Tierschutzes. Liegt das schwer verletzte Reh etwa neben dem Auto, darf eine Person mit den dazu nötigen Kenntnissen und Fähigkeiten das Notstandsrecht wahrnehmen und es von seinen Leiden erlösen. Allerdings darf sie sich den Tierkörper nicht aneignen. Dieser ist Eigentum des Revierinhabers. Vergehen gibt es weltweit Die Ertappten erwartet eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren – und seit geraumer Zeit auch der Führerscheinentzug. Wer die Tat gar gewerbs- oder gewohnheitsmäßig begangen hat, in der Nacht, in der Schonzeit sowie unter Anwendung von Schlingen oder anderen nicht waidmännischen Methoden oder zusammen mit mehreren bewaffneten Komplizen gewildert hat, der wandert bis zu fünf Jahre ins Gefängnis. Denn ein solches Vorgehen gilt als besonders schweres Delikt. In früheren Zeiten nahmen die Strafen für Wilderei schnell deutlich rigorosere Ausmaße an und konnten bei Wiederholungstätern auch bis zur Zwangsarbeit auf einer Galeere oder gar zur Todesstrafe reichen. Auch im internationalen Vergleich sind die heutigen Strafen in Deutschland durchaus moderat. In einigen Ländern wird Wilderei sehr viel härter bestraft. In Kenia wurde sogar in Erwägung gezogen, die Todesstrafe gegen Wilderer zu verhängen, obwohl es dort seit 1987 einen Hinrichtungsstopp für zum Tode verurteilte Verbrecher gibt. Hintergrund ist, dass gewerbsmäßige Wilderei weltweit den Bestand vieler Tierarten gefährdet und insbesondere in Entwicklungsländern auch Nationalparks unter den Verbrechern leiden. Manche Wilderer geht es dabei darum, rituell oder kulturell bedeutsame Körperteile zu erbeuten, etwa Tigerfelle, Nashorn-Hörner oder das Elfenbein der Elefantenstoßzähne. Andere Wilderer, oft sind es Ortsansässige, jagen aus finanziellen Gründen.
- Rechtsgutachten sieht Freiwilligkeitsversprechen gebrochen
Nach einem von Bauernverband, Waldeigentümern und Familienbetrieben Land und Forst beauftragten Gutachten führt die EU-Wiederherstellungsverordnung zu massiven Beschränkungen in der Flächenbearbeitung für Land- und Forstwirtschaft Foto: Thomas Riess / pixelio.de Das im August 2024 in Kraft getretene EU-Gesetz „Nature Restauration Law“ bleibt umstritten. Dabei handelt es sich um das von Anfang an unter anderem von Landnutzern bekämpfte Renaturierungsgesetz. Es wird im politischen Sprachgebrauch auch als „Wiederherstellungsverordnung“ (WVO) bezeichnet. Die Folge des damaligen europäischen Parlamentsbeschlusses sind erwartete Einschränkungen unter anderem für die Besitzer von bisher von ihnen genutzten Moor- und Waldflächen, die jetzt erfasst werden sollen. Einbezogen ist die Nutzung von Fluss- und Meeresflächen. Die konkrete Ausweisung wird national auf Regierungsebene festgelegt. Bis 2030 soll das nach dem EU-Gesetz auf 20 Prozent der national ausgewiesenen Flächen umgesetzt werden. Dies erfolgt aktuell durch den sogenannten Wiederherstellungsplan, der konkret ausweisen soll, welche Moore, Flüsse oder Wälder hier in Deutschland betroffen sind. Die Bundesregierung strebt dabei das Prinzip der Freiwilligkeit an. Dieses Verfahren hat Bauernverband, Waldeigentümer und Familienbetriebe Land und Forst auf den Plan gerufen. Sie haben dazu die Anwaltskanzlei HSA Rechtsanwälte mit einem Gutachten beauftragt. Die auf Umwelt- und Planungsrecht spezialisierten Potsdamer Juristen sollten die vorgesehenen bundesrechtlichen Maßnahmen auf die Einhaltung des Prinzips „Freiwillig und Kooperativ“ rechtlich beurteilen. Die Auftraggeber haben jetzt die Ergebnisse in Berlin vorgelegt. Danach kommt das Rechtsgutachten zu einem gegenteiligen Befund: Die Umsetzung berge erhebliche rechtliche Unsicherheiten und dürfte zu deutlichen Einschränkungen in der Flächenbewirtschaftung führen. Freiwilligkeit nur auf dem Papier Kernaussage des Gutachtens: Die in der WVO angelegten und aktuell bundesrechtlich vorgesehenen Umsetzungsinstrumente beschränken sich nicht auf freiwillige, kooperative Maßnahmen. Die Verpflichtungen zur Verbesserung und Nichtverschlechterung von Wiederherstellungsflächen aus Artikel 4 der Verordnung weisen deutliche Parallelen zu den Verschlechterungsverboten der FFH-Richtlinie auf. Das bedeutet in der Praxis: Bindungswirkungen bei Vorhabenzulassung und Flächennutzung entstehen, auch ohne dass formale Schutzgebietskategorien bestehen. Gutachter Dr. Konrad Asemissen bringt es auf den Punkt: „Entgegen der politischen Zusage zur Wahrung der Freiwilligkeit ist durch die WVO mit Einschränkungen bei der Flächenbewirtschaftung zu rechnen.“ Verschärft wird die Rechtsunsicherheit durch die Vermengung mit dem Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur (NatInfG). Die dort vorgesehene Schaffung der Kulisse „Natürliche Infrastruktur“ lässt nach Einschätzung der Gutachter weitere ordnungsrechtliche Beschränkungen erwarten. Bereits laufende Förderprogramme in Gefahr Besonders brisant: Der Nationale Wiederherstellungsplan (NWP) führt bereits laufende Förderprogramme wie das „Klimaangepasste Waldmanagement“ explizit als Wiederherstellungsmaßnahmen auf. Das Gutachten warnt, dass Flächen, auf denen diese Programme umgesetzt werden, dadurch faktisch zu Wiederherstellungsflächen im Sinne der Verordnung werden könnten. Förderflächen würden so ohne klare Rechtsgrundlage umdeklariert. Hinzu kommt ein handfester Zielkonflikt: Der klimawandelangepasste Waldumbau erfordert regelmäßig das Anpflanzen bisher nicht vorhandener Baumarten. Die WVO hält jedoch an statischen Referenzzuständen historischer Lebensraumtypen fest und bietet keine Möglichkeit, die Ziele an klimawandelbedingte Veränderungen anzupassen. Das Gutachten sieht hier gesetzgeberischen Handlungsbedarf, damit die Ziele der Verordnung unter den Bedingungen des Klimawandels überhaupt erreichbar werden. Der Staat als Akteur auf dem Flächenmarkt Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die finanzielle Dimension. Die Ausweitung von Ersatzgeldleistungen führt dazu, dass die öffentliche Hand mehr Möglichkeiten zur eigenständigen Maßnahmenumsetzung erhält. Das Gutachten warnt konkret davor, dass dadurch freiwillige Maßnahmen von Flächeneigentümern und -bewirtschaftern verdrängt werden könnten. Der Staat wird durch den Zuwachs finanzieller Mittel aus Kompensationszahlungen zu einem zunehmend potenten Akteur auf dem Flächenmarkt. Kritik an fehlender Transparenz Auch bei Beteiligung und Transparenz attestiert die Studie erhebliche Defizite. Bislang ist nicht offengelegt, wie die konkrete Festlegung der Wiederherstellungsflächen und -maßnahmen in Deutschland erfolgen soll. Eine Rechtsgrundlage für die eigentlich erforderliche Ermittlung und Kartierung land- und forstwirtschaftlicher Flächen besteht nach Einschätzung der Gutachter derzeit nicht. Verbände fordern Umsetzungsstopp Bei der Vorstellung des Gutachtens wurde die Kritik der Verbände deutlich. DBV-Präsident Joachim Rukwied erklärte: „Das Gutachten entlarvt die politischen Zusagen einer freiwilligen Umsetzung der Naturwiederherstellungsverordnung als offenkundig unredlich und irreführend und untermauert damit die Kritik des Berufsstandes. Die WVO zusammen mit dem ‚Natürliche Infrastrukturgesetz‘ zerstört den bisher sehr erfolgreichen kooperativen Naturschutz.“ Seine Forderung ist eindeutig: Die nationale Umsetzung müsse ausgesetzt und die Verordnung auf europäischer Ebene grundsätzlich überarbeitet werden. Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, mahnt einen Perspektivwechsel an: „Die Umweltpolitik muss die Flächenbewirtschafter beziehungsweise Flächeneigentümer als Partner begreifen. Wer sein Heil in schleichenden Nutzungsbeschränkungen oder einer faktischen Stilllegung land- und forstwirtschaftlicher Flächen sucht, wird Schiffbruch erleiden.“ Der Präsident der Waldeigentümer (AGDW), Prof. Andreas Bitter, verweist auf die aktuelle Dringlichkeit: „Die Bundesregierung spricht angesichts der Folgen von Trockenheit und Dürre für die diesjährige Ernte selbst von einer ‚Krise nationaler Tragweite‘. Vor dem Hintergrund dieser bereits heute massiven Auswirkungen des Klimawandels ist es umso irritierender, wenn der Staat mit der WVO an statischen Referenzen in Form der Lebensraumtypen festhält.“ Die Verordnung müsse an die Realität des Klimawandels angepasst werden und den klimaangepassten Waldumbau fördern, statt ihn auszubremsen. Vorschlag: Gleichrang für Ernährungssicherung Das Gutachten schlägt konkret vor, den Ausnahmevorschriften im Naturschutzrecht auch die gemeinwohlbezogenen Funktionen der Land- und Forstwirtschaft gleichzustellen, also Ernährungssicherung, Rohstoffsicherung und den Erhalt der Kulturlandschaft. Ähnlich wie es bereits für die Landesverteidigung geregelt ist. Denn die Einstufung von Naturschutzbelangen als „überragendes öffentliches Interesse“ führt nach Einschätzung der Gutachter faktisch zu einer Verkürzung der einzelfallbezogenen Abwägung zulasten landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsinteressen, auch wenn die grundgesetzlich geschützten Eigentumsrechte formal nicht ausgehebelt werden.
- Landwirte im Norden erhöhen den Druck auf die Agrarpolitik
Eine junge Landwirtschaftsministerin kommt bei den Landwirten an: Beifall auf dem Landesbauerntag in Schleswig-Holstein. Und sie will sich für eine erleichterte Jagd auf Problemwölfe stark machen Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (Foto: © Frank Peter) Die Landwirte in Schleswig-Holstein erhöhen ihren Druck auf die Agrarpolitik in Berlin und Brüssel. In den meisten Bereichen, so bei der Schweinehaltung, bei den Milchpreisen und im Ackerbau, machen auskömmliche Erträge und Erlöse zu schaffen. Auf dem Landesbauerntag in Rendsburg wurden jetzt Forderungen nach einer „verlässlichen Politik“ laut. Die von der CDU geführte Landesregierung solle „nicht für jeden Kompromiss“ dem grünen Koalitionspartner „Danke“ sagen, sondern den Ton angeben, forderte Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Klaus-Peter Lucht vor über 500 Landwirten. Die Spitze richtete sich auch gegen Umweltminister Tobias Goldschmidt, zu dessen Ressort die Zuständigkeit für Umwelt und Natur gehören. Es geht dabei um gegensätzliche Interessen, zum Beispiel bei der Wiedervernässung von Moorböden. Betroffene Landwirte befürchten dadurch den Verlust wertvoller Acker- und Grünlandflächen sowie die Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Existenz. Anders sehen die Bauern die Ministerin Cornelia Schmachtenberg von der CDU – zuständig für Landwirtschaft und ländliche Räume – eher an ihrer Seite. Der Landesbauerntag, der traditionell im Rahmen der Agrarmesse Norla am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals stattfindet, verzeichnete weitaus mehr Besucher als in den Vorjahren. Das hat auch mit dem ersten Auftritt der Agrarministerin im Kieler Kabinett zu tun, die seit November letzten Jahres im Amt ist. Die 35-jährige CDU-Politikerin erhielt für ihren couragierten Redebeitrag langanhaltenden Beifall. Dabei ging es auch um ein neues Perspektivpapier zum Erhalt einer starken Nutztierhaltung. Viehhaltung und zuvorderst Milchkühe seien das Rückgrat der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein. „Wir müssen dieses Papier in den nächsten Monaten mit Leben erfüllen“, betonte die junge Ministerin. Schmachtenberg zog die Bauern in ihren Bann. Ihr sei bewusst, dass es „keine großartige Zeit für die Landwirte ist“. Und doch arbeite sie mit all ihren Möglichkeiten dafür, „dass es Sie auch weiterhin in großer Zahl gibt und wir nicht von Importen abhängig werden“. Dies sagte sie auch angesichts niedriger Milchmargen und Ernteerträgen, die fortgesetzt rückläufig seien. Managementplan zur Verringerung von Fraßschäden durch Wildgänse Zudem will sich Schmachtenberg für eine erleichterte Jagd auf Problemwölfe stark machen. Dies sei aber nicht im Alleingang möglich, „da müssen meine Kolleginnen und Kollegen bundesweit schon mitmachen“. Derzeit entsteht in Schmachtenbergs Ministerium ein Managementplan. Übertragen werden soll dieses Verfahren auch auf die rastenden Wildgänse, die vor allem entlang der Westküste für eklatante Fraßschäden sorgen. Der Bauernverband im Norden ist Initiator des vor kurzem geschlossenen „Aktionsbündnisses für ländliche Räume“. Sieben einflussreiche Organisationen, darunter auch der Unternehmensverband Nord, sind mit von der Partie. Jetzt will auch noch der Gemeindetag dazustoßen. Die Landespolitik müsse mehr für den ländlichen Raum tun, „leben da doch bei uns rund 70 Prozent der Bevölkerung“, sagte Bauernchef Lucht und fügte hinzu: „Wir werden in den nächsten Wochen mehr Druck ausüben. Wollen wir doch sichtbar machen, welche Parteien etwas für uns tun und welche nicht.“
- Dürre, Wolf und Wahlkampf: Das Land in Sorge
Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser! In Berlin ist bis auf die Zuordnung der kriegerischen Leipzig-Drohnen und innenpolitisch bis auf das Interview-Geplänkel nicht viel passiert. Die Reformpläne werden wie angekündigt erst einmal durchs Kabinett ins Parlament gebracht. Dort fallen dann auch die finalen Entscheidungen. Man kann nur hoffen, dass unser Land nicht destabilisiert wird. Bis nach den Wahlsonntagen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und fürs Berliner Abgeordnetenhaus bleibt die große Politik in Wartestellung. Als Erstes blickt alles wie das Kaninchen auf die Schlange nach Magdeburg, wo am Sonntag final ausgezählt wird. Und darauf, wie weit die Prognosen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Weiter beschäftigen wir uns mit den Folgen des Hitze- und Dürresommers. Für die Landwirtschaft erkennt jetzt der zuständige Minister Alois Rainer (CSU) mit der erwarteten Ernte eine „Krise von nationaler Tragweite“. Und mit Rückblick auf die Brände, die uns im August bewegt haben, hat die Debatte darüber Fahrt aufgenommen, was man für die Zukunft daraus lernen muss. Es geht um Konsequenzen mit Vermeidungsstrategien, die Ausstattung der Einsatzkräfte und den schon lange diskutierten Waldumbau. Weiter lässt uns das Thema Wolf nicht los, solange die Häufigkeit von Schäden durch Risse von Weidetieren nicht abnimmt. Da spielen auch die Gerichte eine Rolle. Am Donnerstag hat der Bundeskanzler seinen zweiten Wahlkampfausflug nach Sachsen-Anhalt unternommen. Wenn früher bei der CDU vor Landtagswahlen auf den Plakaten „Der Kanzler kommt“ stand, kamen auch die Massen. Auch in den seit der Wende so bezeichneten „neuen Bundesländern“. Als Helmut Kohl im März 1990 uns Berichterstatter zu seiner Kundgebung nach Leipzig einlud, prognostizierte er, dass es so große CDU-Veranstaltungen wohl künftig nicht mehr gebe. Beeindruckt erinnere ich mich an seine Wahlkampfrede wenige Tage vor der ersten freien Volkskammerwahl der DDR, die den Weg zur deutschen Wiedervereinigung endgültig ebnete. Auf den damaligen Karl-Marx-Platz und heutigen Augustusplatz kamen seinerzeit offiziell geschätzt 300.000 Menschen. Sie hatten Hoffnung. Wahlkampf in einem Land mit wenig spürbarer Hoffnung Nicht nur dort in Sachsen und dem benachbarten Bindestrich-Land mit dem zweiten Wortteil Anhalt ist heute wenig Hoffnung zu spüren. Der gerade amtierende Kanzler und CDU-Vorsitzende wird im Wahlkampf eher versteckt. So wirkten seine Ausflüge erst an die Mecklenburger Küste und dann nach Quedlinburg. Am Donnerstag dieser Woche fuhr Merz noch einmal nach Leuna. Sein Wahlkampfbeitrag fand praktisch unter Ausschluss von Wählerinnen und Wählern statt. Ursprünglich geplante Großveranstaltungen wurden abgesagt. Für eine Volkspartei kann's das nicht sein. Es mag auch fadenscheinige Gründe für das Maß der Ablehnung eines Kanzlers dort geben. Jedenfalls hat er uns nicht in die Krise hineingeführt, aus der er das Land nun herausbringen will. Wahlforscher bestätigen übrigens, dass mit Dissens und Streit in den eigenen Reihen einer Partei keine Wahl zu gewinnen ist. Oder lehrt uns die Kampagne des AfD-Ministerpräsidenten-Kandidaten Ulrich Siegmund mit seinem „Heile-Welt-Wahlkampf“ jetzt etwas anderes? Was versprochen wird und was gehalten werden kann Das sogenannte Regierungsprogramm der AfD klingt für den ländlichen Raum verführerisch mit Stichworten wie Schulschließungsstopp, ÖPNV-Garantie und bevorzugtem Ausbau bzw. Sanierung von Land- und Dorfstraßen. Die geforderte Abkehr von der EU-Agrarpolitik ist ein weiteres Versprechen, das an die Grenzen der Finanzierbarkeit und Kompetenz einer Landesregierung stößt. Die zugesagte Abschaffung des Wolfskompetenzzentrums und eine „aktive Reduzierung der Wolfspopulation“ werden vielleicht mehr Stimmen auf dem Lande bringen, aber beim Versuch der Umsetzung wohl an der zwischen Bund und Ländern korrespondierenden Jagdgesetzgebung scheitern. Überhaupt: Politikwissenschaftler und Verfassungsrechtler kommentieren überwiegend, dass viele Pläne der AfD im ländlichen Raum an rechtlichen, finanziellen oder föderalen Grenzen scheitern. Der erhoffte Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Siegmund, mag zwar eine Regierungsmannschaft zusammenbringen, die dem ländlichen Raum zugetan ist, aber deren fachlicher Sachverstand und Durchsetzungskraft lösen Zweifel aus. Jedenfalls finden sich da Namen auf der kursierenden Kabinettsliste, die mehr für Filz als für Kompetenz stehen. Zum Spendenformular Erfahrene Beobachter, die seit langem Wahlkämpfe in den Ländern verfolgen, erkennen hier – vor allem befeuert von der AfD – neue Maßstäbe der Emotionalisierung. Was in früheren Kampagnen SMS-Ketten mit begrenzter Wirkung waren, ist heute der Mix von Social-Media-Kanälen in einer neuen Wucht mit wirkungsstarken Influencern und erfahrenen digitalen Netzwerkern. Dazu kommen die von wem auch immer fürs Netz imitierten Seiten der Regionalmedien mit gefälschten Umfrageprognosen, angeblichen Manipulationen bei Wahlzetteln in Pflegeheimen oder Videos über Auszählungsbetrug. Am Ende werden wir sehen, wie sich der vom MDR gemeldete Run auf die Briefwahl auswirkt, die Rechtspopulisten nach amerikanischem Muster wohl grundsätzlich ein Dorn im Auge ist. Wir werden sehen, ob es überhaupt zu einer regierungsfähigen Mehrheit kommt. Und wie schwierig es ist, in einer polarisierten Gesellschaft mit einer Zersplitterung von Meinungen und Parteien zu einer handlungsfähigen Regierung zu kommen. Die Fünf-Prozent-Hürde wird wohl ein entscheidender Teil des Wahlergebnisses werden. Die Krise in der Agrarwirtschaft verschärft sich dramatisch Auch in diesem Bundesland wird dann am Ende wieder darauf gewartet, was aus Berlin kommt. Die aktuelle Krise der Agrarwirtschaft wird vor allem dort sichtbar, wo Agrarunternehmen als Kapitalgesellschaften organisiert sind. Das ist insbesondere in Ostdeutschland der Fall. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer spricht jetzt mit Blick auf den Dürre-Sommer von erwarteten dramatischen Ausfällen und von einer weiteren Existenzgefährdung vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Und das in nationaler Tragweite. So kündigte er diese Woche Hilfen an. Dabei ist unverändert der Haushaltsgürtel in seinem Haus eng geschnallt. Dem Bauernverband reichen die angekündigten Hilfen nicht aus. Er blickt bereits weiter nach vorn. Seine Generalsekretärin Stefanie Schnabel mahnt mehr Unterstützung auch deshalb an, weil in vielen Betrieben die liquiden Mittel ausgehen, um bereits die nächste Ernte zu sichern. Es geht um Düngemittelhilfen und die Finanzierung der arbeitsaufwendigen Aussaat für morgen. Wenn es um den Wolf geht, entscheiden am Ende weiter Gerichte Zu übertragen sind die Dürre-Folgen natürlich auch auf die Weidewirtschaft, wo das Futter knapp wird. Das gesellt sich zu einem bereits seit langem diskutierten Problem. Wir sprechen von den Schäden durch Wolfsrisse, die in Einzelfällen existenzgefährdende Ausmaße angenommen haben. In diesem Zusammenhang haben wir uns bereits mehrfach unter verschiedenen Aspekten auch mit den Organisationen und Vereinen beschäftigt, die sich im Lande mit großer Wirkung um den Erhalt der Wolfspopulation sorgen. Im Kreis Olpe, so wurde vor einiger Zeit gemeldet, wird weiter ein Wolf geschützt, der erneut Schäden unter Tieren und damit auch Leid für die Tierhalter durch seine Risse angerichtet hat. Karl-Heinz Busen, ehemaliger jagd- und waldpolitischer Sprecher der (im Bundestag nicht mehr verbliebenen) FDP-Fraktion, hat dieses Thema in einem jetzt erst veröffentlichten Leserbrief in einer Regionalzeitung aufgegriffen. Er reagierte auf eine Meldung über die Entscheidungen des Verwaltungsgerichtes Arnsberg und folgend des OVG Münster. Danach wurde die Jagdgenehmigung der örtlichen Behörde unanfechtbar aufgehoben. Beschwerde eingelegt hatte eine hessische „Naturschutzinitiative“ – wie übrigens im Sommer letzten Jahres beim OVG Schleswig-Holstein. Dort blieb nach Weidetierrissen ein auf die Insel Sylt zugewanderter Goldschakal weiter unter Schutz. Busen schrieb zu dem Vorgang in Olpe: „Dass solche Naturschutzinitiativen Klagen einreichen, ist klar; damit halten Sie Ihr Geschäftsmodell aufrecht. Von der Angst und dem Leid der gerissenen Tiere und der Weidetierhalter sind sie weit entfernt. Dass Gerichte allerdings den erklärten Willen des Gesetzgebers wenig beachten – sogar torpedieren –, ist eine neue Qualität.“ Dies bestätigt für mich, dass bisher die in einzelnen Ländern ergänzende Gesetzgebung zum Bundesrecht offensichtlich nicht wasserdicht ist und gerichtlich anfechtbar bleibt. Das führt dann zum Ergebnis, dass je nach Koalition auf Landesebene der jeweils niedrigste gemeinsame Nenner im Vollzug genommen wird. Die zitierten Beispiele kommen übrigens aus Ländern mit schwarz-grünen Koalitionen. Daraus lernen wir: Das Leben auf dem Lande mit der Natur und deren Entwicklung hat sehr viel mit Gesetz und Recht zu tun. Deshalb beschäftigen wir von natur+mensch uns regelmäßig mit solchen Vorgängen. Mit dieser nachdenklichen Bemerkung in meiner Kolumne verabschiede ich mich diesmal in ein hoffentlich auch für Sie gutes Wochenende. Mit besten Grüßen Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung und Koordination
- Was kommt nach dem Brandsommer?
Wenn Wald oder Flächen brennen und was danach kommt. Konsequenzen und was besser gemacht werden kann – damit sind jetzt Brandbekämpfer und Betroffene beschäftigt. Warum Totholz zur Falle wird und die Jagd zur Zukunft unserer Landschaften gehört Foto: geralt Der verheerende Moor- und Flächenbrand hat einen ökologischen Totalschaden im Hohen Venn hinterlassen. Er hat über fast 3.500 Hektar Moor- und Heidelandschaft im deutsch-belgischen Grenzgebiet vernichtet, darunter Lebensraum des stark gefährdeten Birkhuhns. Weil es sich um Hochmoor handelt, brennt es seit dem 14. August in einzelnen unterirdischen Glutnestern möglicherweise immer noch. Was sich da teils metertief unter der Oberfläche entzündet hat, bedeutet für die Einsatzkräfte nach den extrem schweren Löscharbeiten weiter höchste Wachsamkeit. Das Feuer hat sich erstmals tief in die bis zu sechs Meter dicke, ausgetrocknete Torfschicht gefressen. Der nach der Hitzeperiode erhoffte wochenlange Dauerregen ist zudem bisher ausgeblieben. Was hier verloren gegangen ist, ist nicht einfach nur Fläche. Das Hohe Venn beherbergt eines der letzten Rückzugsgebiete des Birkhuhns, einer Rauhfußhuhn-Art, für deren Wiederansiedlung ein Forschungsteam der Universität Lüttich seit 2017 mit ausgesetzten Tieren aus Schweden arbeitet. Auch seltene Moorpflanzen wie Sonnentau und Wollgras sowie die charakteristische Torfmoosschicht, die pro Millimeter rund ein Jahr zum Wachsen braucht, sind jedenfalls kurzfristig kaum zu ersetzen. Der Brand des jahrhundertealten Torfs hat übrigens massive Mengen CO₂ freigesetzt, wodurch das Moor von einem wichtigen Kohlenstoffspeicher zur Emissionsquelle wurde. Das ist auch ein Aspekt im Rahmen der Klimadebatte, die nach diesen heißen Wochen geführt wird – eine Randbemerkung im Großen und Ganzen. Ballung der Brandereignisse im südwestlichen Nordrhein-Westfalen Trockenheit, Sommerhitze, anfachende Winde haben – oft ausgelöst durch Unachtsamkeit von Menschen oder gar Brandstiftung – in mehreren Regionen Deutschlands zu Wald- und Flächenbränden geführt. Meistbeachtet war auch bundesweit der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens: ebenfalls im August im Hürtgenwald, wo nahezu 400 Hektar Forstfläche erfasst wurden. Er liegt im nordöstlichen Teil der Rureifel und gehört südwestlich von Aachen großräumig zum Naturpark Hohes Venn-Eifel. Moor- und Waldbrände flammten unabhängig voneinander damit in näherer Nachbarschaft auf. Im Hürtgenwald kam zur Brandbekämpfung die extreme Belastung durch Blindgänger, Minen und Phosphorbomben hinzu. Das ist eine Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkrieges, mit der der Kampfmittelräumdienst schon seit langem beschäftigt ist und die die wirtschaftliche Nutzung bereits erheblich beeinträchtigt. Das Bundesland hat schnelle Konsequenzen für die Einsatzkräfte in der Brandbekämpfung gezogen. Die traditionelle Ausrüstung, die stark auf den städtischen Innenbrand ausgelegt ist, reicht für diese lang andauernden Vegetationsbrände unter extremen Klimabedingungen nicht mehr aus. So stellen sich jetzt die kommunalen Feuerwehren in Beschaffung und Taktik grundlegend um. Beschafft werden aktuell bereits landesweit geländegängige, wattfähige Großfahrzeuge. Sie transportieren rund 3.000 Liter Löschwasser in unwegsames Gelände und verfügen über grobstollige Bereifung sowie feuerfeste Ummantelungen der Versorgungsleitungen. Vermehrt sollen Quads zum Einsatz kommen. Sie dienen zum schnellen Materialtransport, zur Erkundung oder zum Verlegen von leichten Schläuchen auf engen Waldwegen. Weitere Lehren nach Hitze und Bränden zum Waldumbau Die Konsequenz ist paradox: Waldbrände beschleunigen die Notwendigkeit des Waldumbaus, den sie gleichzeitig erschweren. Monokulturen aus Fichten und Kiefern erweisen sich als hochentzündlich und werden durch Großbrände häufig vollständig vernichtet. Das zwingt Waldbesitzer, den Übergang zu widerstandsfähigeren Strukturen unmittelbar einzuleiten. Gleichzeitig setzen brennende Wälder schlagartig enorme Mengen Kohlenstoff frei und kippen von CO₂-Speichern zu CO₂-Quellen, wie bereits am Beispiel des Venn-Brandes geschildert. Das macht den Waldumbau nach Angaben von Fachleuten zu einer zwingenden Klimaschutzmaßnahme. Auf verbrannten Flächen ist die Naturverjüngung jedoch oft erschwert, weil die Böden durch die Hitze verkrustet und geschädigt sind. Künstliche Nachpflanzungen werden notwendig, sind aber selbst wieder anfällig für die nächste Dürre. Ein Teufelskreis, aus dem sich die Forstwirtschaft nur mit gezielten Maßnahmen befreien kann. Brandenburg als Blaupause eines strukturellen Problems Was im Hohen Venn ein akutes Ereignis ist, lässt sich in Brandenburg seit Jahren als schleichendes Muster beobachten. Das Bundesland gilt als das mit dem höchsten Waldbrandrisiko Deutschlands. Die EU stuft Brandenburg diesbezüglich auf einer Stufe mit Spanien und Griechenland ein. Der Grund: Rund 70 Prozent der Wälder bestehen noch immer aus Kiefern-Monokulturen. Was echte Feuerresilienz braucht Tief wurzelnde Laubbäume wie Traubeneichen, Buchen oder Spitzahorn speichern mehr Feuchtigkeit, erzeugen ein kühleres Waldinnenklima und sind deutlich schwerer entzündlich als Nadelholz. In besonders gefährdeten Regionen kommen gezielt angelegte Waldbrandriegel hinzu, 100 bis 300 Meter breite Barrieren aus feuerhemmenden Laubgehölzen, die die unkontrollierte Ausbreitung von Feuern stoppen sollen. Auch strukturelle Vielfalt spielt eine Rolle: Ungleichaltrige mehrstufige Bestände schützen den Waldboden durch ihr dichtes Kronendach besser vor Austrocknung als gleichaltrige Plantagen. Der Fall zeigt exemplarisch, wovor Waldforscher seit Jahren warnen: Wo sich selbst überlassene Wälder Totholz anhäufen und Wildbestände den Umbau zu Mischwald verhindern, entsteht eine gefährliche Kombination. Ein Blick nach Brandenburg zeigt, wie festgefahren die Debatte ist. Totholz: Zwischen Ökologie und Brandbeschleuniger Ein Aspekt der Debatte wird oft übersehen: die Rolle von Totholz in sich selbst überlassenen Wäldern. Das Konzept, Wälder weitgehend der Natur zu überlassen, wie es etwa der Förster und Autor Peter Wohlleben popularisiert hat, gilt vielen als ökologisch wertvoll. Liegendes Totholz kann tatsächlich Feuchtigkeit speichern und bietet zahllosen Arten Lebensraum. Dieser Effekt endet in einer Hitzeperiode, wie wir sie gerade erlebt haben. In Zeiten extremer Trockenheit kippt diese ökologische Rechnung. Trockenes Totholz, insbesondere dünne Äste und Reisig, wird bei Hitze zu leicht entzündlichem Brennmaterial. Große, liegende Stämme brennen zudem sehr lange und erzeugen eine extreme Hitze, die den Boden nachhaltig schädigt. Was in normalen Jahren ein ökologischer Gewinn ist, wird in Dürresommern zur Brandlast, die ein Feuer erst richtig anfacht. Die andere Seite bei Starkregenereignissen haben wir z. B. an der Ahr und teilweise der Mosel erlebt. Wenn Totholzhaufen über die Zuflüsse in die aufnehmenden Fließgewässer gelangen, führt es am Ende vor Brücken zu Staubildungen mit folgenden Überschwemmungen. Wald mit Wild statt Wald vor Wild Auf Bundesebene ist die Verbindung zwischen Jagd und Waldumbau längst als politisches Thema angekommen. Manuela Rottmann, damalige Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, brachte es auf den Punkt: „Man kann keine Diskussion um den Waldumbau in der Klimakatastrophe führen, ohne das Thema Jagd mit einzubringen.“ Auch der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte sich öffentlich für mehr Jagd ausgesprochen, um die notwendige Anpassung der Wildbestände zu erreichen. Anpassung ist dabei ein dehnbarer Begriff. Umstritten bleibt dabei das Maß. Es gibt einen wenig offen ausgetragenen Streit zwischen Schlagwörtern wie „Wald ohne Wild“ oder „Wald mit Wild“. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Wald mit Wild“ der Stiftung natur+mensch an. Die Stiftung sieht in der Reaktivierung historischer und der Schaffung neuer Waldnutzungsformen Wege, wirtschaftlich erfolgreiche Forstwirtschaft und jagdliche Nutzung miteinander zu verbinden. Das sollte beides verbinden, statt gegeneinander auszuspielen. Der Ansatz widerspricht dabei ausdrücklich der Vorstellung, dass sich selbst überlassene Natur automatisch der Artenvielfalt dient. Die Erfahrung zeige, so die Stiftung, dass sich in unberührten Systemen oft die stärksten Arten durchsetzen, nicht die vielfältigsten. Konkret bedeutet das: rechtzeitige Entnahme und Vermarktung von Holz vor dem natürlichen Absterben, verbunden mit Naturverjüngung durch eigene Mast. Gleichzeitig soll dem Wild durch gezielte Ablenkungsmaßnahmen ausreichend Lebensraum erhalten bleiben, ohne dass der Waldumbau darunter leidet. Das Gegenmodell sieht die Stiftung im mit öffentlichen Zuschüssen betriebenen, naturbelassenen Wald, der große Mengen Totholz hinterlässt, mit allen Konsequenzen, die sich gerade in Dürresommern zeigen.
- Über die verschiedenen Lebensstrategien unseres Wildes
In der Natur gibt es die Spezialisten und die flexiblen Generalisten, Arten mit hoher und andere mit niedriger Reproduktionsrate. Sie alle haben sehr unterschiedliche Lebensstrategien, sind aber gleichermaßen erfolgreich Foto: Ibefisch / pixelio.de Wir kennen das von unseren Hunden. Die Erdhunde bei der Baujagd und mehr noch die Schweißhunde auf der Rotfährte erfüllen ihre Aufgabe mit beispielloser Bravour. Das Einsatzspektrum aber ist eng begrenzt. Deutlich breiter ist das Aufgabenfeld unserer Vollgebrauchshunde, der sogenannten Vorsteher. Mal abgesehen davon, dass sie schon wegen ihrer Größe für die Arbeit unter der Erde nicht geeignet sind, decken sie einen großen Teil der jagdlichen Aufgaben ab. Sie suchen im Feld, stöbern im Wald, apportieren erlegtes Wild und arbeiten ausdauernd im Wasser. Sie sind sogar auf der Schweißfährte einsetzbar. Spätestens aber, wenn eine komplizierte Nachsuche ansteht, möglicherweise mit einer Hetze, ruft der verantwortungsbewusste Waidmann den Spezialisten. Dieser ist nicht der bessere Hund, auch wenn böse Zungen sagen, der Generalist könne alles, aber nichts richtig. Das ist biologisch betrachtet falsch. Der Spezialist ist dank jahrhundertelanger Leistungszucht nur besser für diesen besonderen Einsatzzweck geeignet. Darin liegt aber auch eine Gefahr. Entfällt aus welchem Grund auch immer die eine Aufgabe des Spezialisten, verliert er seine besondere Daseinsberechtigung. Jede Art hat ihre ökologische Nische Was an diesem Beispiel an verschiedenen Rassen innerhalb einer Art erkennbar ist, gilt auch für die Lebensstrategien verschiedener Arten. Jede hat ihre ökologische Nische. Das ist kein Ort oder Lebensraum im Revier, sondern das gesamte Geflecht aus Beziehungen und Wechselwirkungen der jeweiligen Art und ihrer Umwelt. Da sind zum einen die unbelebten Faktoren wie Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit, Licht und Temperatur und zum anderen die belebten Faktoren. Dazu zählen die Beute und die Fressfeinde ebenso wie Parasiten und Konkurrenten. Das alles zusammen ergibt einen optimalen Lebensraum, die sogenannte Fundamentalnische. Er ist aber nur theoretischer Natur. Denn der tatsächliche Bereich, den eine Art in der Natur einnimmt, die Realnische, ist fast immer kleiner. In ihr lebt, überlebt die Art und pflanzt sich fort. In diesen Nischen gibt es zwei sehr verschiedene Strategien, die Generalisten und die Spezialisten. Unterschiedliche Anpassungsfähigkeit Grundsätzlich gilt: Je enger die Nische, desto höher spezialisiert ist die Art und desto gefährdeter ist sie in ihrer Existenz, wenn die Nische sich negativ verändert. Ist ein eng begrenztes Nahrungsspektrum nicht mehr vorhanden oder tritt ein gravierender Wandel des Biotops ein, gerät die zuvor außerordentlich erfolgreiche Art in arge Bedrängnis. Man denke an Luchs und Wildkatze, Fischotter und Raufußhühner. Ganz anders die Generalisten mit ihrer hohen Anpassungsfähigkeit. Fuchs, Marder, Waschbär und Wildschwein haben ein breites Nahrungsspektrum und sind sehr flexibel in der Habitatwahl. Sie kommen auch in einem urbanen Bereich klar. Sie können unterschiedlichste Ressourcen nutzen. Dass sie auch im menschlichen Umfeld gut leben können, heißt aber nicht, dass Generalisten automatisch Kulturfolger und Spezialisten zwangsläufig Kulturflüchter sind. Das sind zwei völlig getrennte Aspekte, das eine ist die ökologische Nische, das andere der Blick auf das Verhältnis des Wildtiers zum Menschen. Jede Lebensstrategie hat ihre Daseinsberechtigung. Es geht nicht um besser oder schlechter aus anthropogener Sicht. Das Maß der Dinge ist vielmehr allein die Sicherung des Überlebens der Art, also der Reproduktionserfolg. In der einen Nische ist die sogenannte r-Strategie hilfreich, in der anderen die K-Strategie. Bei der ersten gibt es viele Nachkommen, die nur wenig Brutpflege erhalten und nur eine kurze Lebenserwartung haben. Neben Mäusen und Insekten gilt das auch für den Feldhasen. Der Reproduktionserfolg entscheidet Wenn wir nun nach der Getreideernte viele Hasen auf den Stoppeln sehen, ist das noch längst kein sicherer Beleg für hohe Besätze und eine gute Jagdstrecke zum Jahresausklang. Ein nasser Herbst, viele Fressfeinde oder Krankheiten dezimieren den zuvor zahlreich auf die Welt gebrachten Nachwuchs. Immerhin kann eine Häsin pro Jahr rund zehn Junge gebären, deren Lebensraum sich nicht zuletzt durch die landwirtschaftliche Bearbeitung nahezu täglich grundlegend ändern kann. Über die Masse, kurze Trag- und Aufzuchtzeiten sowie frühe Geschlechtsreife und schnelle Fortpflanzung versuchen also Arten mit r-Strategie ihr Überleben zu sichern. Ihr Vorkommen unterliegt starken Schwankungen, kann in einem Jahr mit guten Bedingungen auch äußerst hoch sein. Ganz anders Bären oder unser Rotwild, die typische Vertreter der K-Strategie sind. Da geht es nicht um Masse, sondern um Klasse. Sie bringen nur wenige Junge zur Welt und investieren viel Zeit in eine intensive Brut- und Sozialpflege. Entsprechend eng ist die Bindung zwischen Muttertier und Nachwuchs, dessen Überlebenschance so erhöht wird. Zugleich wachsen die Bestände vergleichsweise langsam und sind eher stabil. Andererseits können größere Verluste nur schwer ausgeglichen werden. Bei aller Rubrizierung der Lebensstrategien von Tieren gilt es zu bedenken, dass es keine starren Grenzen gibt. Kein reines Schwarz oder Weiß, sondern oft ist es ein mehr oder weniger helles Grau. Denn es überleben auch Tiere, die Merkmale beider Strategien kombinieren, etwa mittlere Wurfgröße gepaart mit ausgeprägter, aber zeitlich begrenzter Brutpflege. Will sagen: Es gibt viele Übergänge und Mischformen, die aber fast immer zumindest tendenziell dem einen oder anderen Idealtyp zugeordnet werden können.











