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  • Weihnachtsruhe im Winterwald

    Die meisten Treib- und Drückjagden sind absolviert. In die Reviere kehrt wieder Ruhe ein. Die Weihnachtstage bieten Zeit zur inneren Einkehr. Jagd erfüllt sich nicht im Technikwahn, sondern in der Einstellung zur Natur Foto: cocoparisienne Im Flachland spricht derzeit nichts für eine – sowieso seltener werdende – weiße Weihnacht. Klimawandel eben. In den Mittelgebirgen oder gar Alpen sieht das schnell ganz anders aus. In allen Höhenlagen aber gilt: Je näher das Fest der Geburt Christi rückt, desto mehr sollte der Abschussplan beim wiederkäuenden Schalenwild erfüllt sein. Hier und da fehlt vielleicht noch ein Küchenhase, aber die Gesellschaftsjagden sind weitgehend gelaufen. Reh und Hirsch stellen ihren Stoffwechsel auf einen Sparhaushalt um. In den Winterwald kehrt Ruhe ein, den das Wild auch dringend benötigt. Nicht nur das Kalender-, auch das Jagdjahr neigt sich dem Ende zu. Das eine oder andere Stück mag im Januar noch entnommen werden. Grundsätzlich aber sollte die Jagd nur noch dem Schwarzwild und in den Niederwildrevieren natürlich den Prädatoren gelten, besonders dem Fuchs in der Ranz. Der Gesetzgeber täte gut daran, die Jagdzeit auf wiederkäuendes Schalenwild – besonders auf Rehwild – nicht nur immer früher beginnen zu lassen, sondern sie im gleichen Zuge und in gleichem Umfang auch früher enden zu lassen. Die Hoffnung, auch das letzte Stück möglichst noch auf die Decke zu legen, folgt dem Irrglauben, auf diese Weise den Wald zu retten. Wildbiologische Erkenntnisse werden ausgeblendet beim Wandel auf dem schmalen Grat zum Schießertum. Diese Ignoranz ist weit weg von Waidgerechtigkeit. Es gibt eine Zeit des beherzten Beutemachens und es gibt eine Zeit des Innehaltens und zur Ruhe Kommens. Innere Einkehr – auch das gehört zur Jagd Früher brachten nicht wenige Jäger dem Wild zu den Festtagen Äsung bis kurz vor die Einstände, sei es mit dem Schlitten, auf der Kiepe oder doch wenigstens durch einige Leckereien im Rucksack. Das folgte bei weitem nicht nur der Notwendigkeit, den Futtermangel zu lindern. Das lieb gewordene Ritual hatte vielmehr den durchaus auch eigennützigen Zweck, in Beschaulichkeit an frischer Luft den Gedanken freien Lauf zu lassen. Noch einmal nach dem Rechten sehen und ein wenig innere Einkehr halten – auch das gehört zur Jagd. Heute bringen manche gemeinsam mit Kindern oder Enkeln im Herbst gesammelte Kastanien, Eicheln und Bucheckern aus. Die schöne Tradition dient ebenso sehr der Selbstvergewisserung, wie sie ein wenig dazu beiträgt, folgenden Generationen in kleinen Schritten den Respekt vor der Schöpfung nahezubringen. Bei dieser Form der Entschleunigung mag einem auch ein in diese Zeit passendes Zitat aus Friedrich von Gagerns Buch „Birschen und Böcke“ in den Sinn kommen: „Jagd ist Schauen, Jagd ist Sinnen, Jagd ist Ausruhen, Jagd ist Erwartung, Jagd ist Dankbarkeit, Jagd ist Advent, Jagd ist Vorabend, Jagd ist Bereitung und Hoffnung.“ Der Autor eröffnet einen ganz anderen Blick auf die Schöpfung, weit jenseits aller Funktionalität. Da geht es um die Seele der Jagd, die im Technikwahn des modernen Menschen verloren zu gehen droht. Die kommende Zeit des Innehaltens bietet Raum, über sie nachzudenken. Mindestens ebenso wie sie die herbstlichen Treib- und Drückjagden mit Freunden genossen haben, freuen Jäger sich nun auf Weihnachten im Kreis der Familie. Oft gibt es sicher einen Wildbraten als dampfenden Festschmaus. Danach wird es sich mit einem guten Tropfen bequem gemacht. Wenn es gut kommt, hüllt eine dünne Schneedecke das Revier in weihnachtliche Ruhe und im Schein der Kerzen am geschmückten Baum in der guten Stube glänzt die dankbare Erinnerung an schöne Stunden auf der Jagd. Dann ist stille Nacht, heilige Nacht.

  • Vor der Kulisse des Niedergangs

    Die Länder im Osten kämpften schon immer mit Abwanderung. Doch der demografische Niedergang könnte sich bald noch verschärfen Foto: Jerzy Sawluk / pixelio.de Diese Zahlen bergen weit über den Osten hinaus demografischen Sprengstoff – gerade auch für das Verhältnis zwischen Stadt und Land, zwischen Ost und West. Nach Vorausberechnungen zur Entwicklung der Bevölkerung, die das Statistische Bundesamt ausgewertet hat und die kurz vor Weihnachten in die Öffentlichkeit durchgesickert sind, stehen die östlichen Bundesländer vor einem weiteren erheblichen Bevölkerungsrückgang. Betroffen sind alle Flächenstaaten Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Laut Statistikern sinkt die Zahl der heute 14 Millionen Menschen in den Flächenstaaten des Ostens (herausgerechnet ist Berlin) in allen Berechnungsvarianten bis zum Jahr 2070 um 14 bis 30 Prozent. Dagegen sagen die Forscher für die westdeutschen Flächenländer eine relativ stabile Einwohnerzahl voraus, die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sollen sogar leicht wachsen. Grund dafür ist die hohe Zuwanderung aus dem Ausland, die in die ostdeutschen Länder überhaupt nicht zu erwarten ist. Beispiel Sachsen-Anhalt: Die dortige Bevölkerung schrumpft laut Prognose in den kommenden Jahrzehnten deutlich. Ab 2031 könnten in Sachsen-Anhalt weniger als zwei Millionen Menschen leben. Langfristig sagen die Statistiker einen Rückgang um bis zu einem Drittel voraus. Bis 2070, dem letzten Jahr der Prognose, sinkt die Einwohnerzahl in Sachsen-Anhalt auf 1,39 bis 1,72 Millionen. Auch in Thüringen – hier schrumpfen sogar die Mittelzentren Erfurt und Gera weiter – geht die Zahl der Einwohner stark zurück, in Sachsen – Ausnahme Leipzig und Dresden – ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Leerstand verschärft sich All dies stellt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vor erhebliche Herausforderungen. Gerade im ländlichen Raum fehlen Investitionen in privatwirtschaftliche Bereiche wie Land- und Forstwirtschaft, ins Gesundheitswesen oder in attraktive Freizeitangebote. „Wenn keine Nachfrage zu erwarten ist, wird sich jedes Unternehmen doppelt und dreifach überlegen, warum es dann in dieser Region investieren soll. Woher soll die Nachfrage kommen, wenn keiner mehr da ist. Der Staat kann keine Freizeitangebote und Shoppingcenter bauen oder gar unterhalten“, sagt ein Abgeordneter aus Sachsen-Anhalt, der seinen Namen nicht nennen mag. Fehlende Investitionen wirken sich auch auf die gesamte Infrastruktur aus, da Steuereinnahmen fehlen. Konsequenz: Junge und mobile Menschen ziehen gerade aus den Regionen ohne Oberzentren weg, in den Westen oder in wachsende Städte wie Berlin, Leipzig oder Dresden. Ein negativer Kreislauf. Schon heute steigen die Mieten selbst in teuer restaurierten Städten wie Görlitz, Suhl oder Schwerin nicht mehr, da das Wohnangebot die Nachfrage hier deutlich übersteigt. Steht einmal ein Gebäude leer, setzt schon schnell der Verfall ein. Showdown in Magdeburg Schon heute hat genau dieses Gefühl des Auseinanderdriftens zwischen Stadt und Land, zwischen Jung und Alt, zwischen Gut-Ausgebildet und Zurückgeblieben auch eine politische Dimension. In Sachsen-Anhalt, wo im kommenden Jahr ein neuer Landtag gewählt wird, sind noch knapp 1,4 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. 1,4 Millionen Menschen, denen im Alltag sehr selten das Gefühl des Aufbruchs begegnet, sondern die vor der Kulisse des demografischen Niedergangs das im Osten gern gepflegte Gefühl der Benachteiligung in ihrer Stimmabgabe ausdrücken. Aktuell liegt die AfD, die kein einziges Rezept gegen den Bevölkerungsschwund hat, sondern auch eine Ursache dafür ist, in aktuellen Umfragen bei knapp 38 Prozent. Vier Prozentpunkte mehr und es könnte unter Umständen für die Mehrheit im Landtag von Magdeburg genügen. Das Erstarken der Rechtspopulisten – es dürfte die Neigung von Firmen und Institutionen, sich zu engagieren oder zu investieren, nicht größer werden lassen. Denn es braucht junge und gut ausgebildete Menschen, die diese Arbeitsplätze ergreifen. Doch genau daran fehlt es schon jetzt.

  • Mehrheit will Jagd auf Wölfe

    Die deutliche Mehrheit der Deutschen plädiert für eine Jagd auf Wölfe – im ländlichen Raum ist die Zustimmung dafür deutlich größer als im urbanen Raum Foto: Doris Opitz / pixelio.de Es ist die erste bundesweite Umfrage – und sie hat ein eindeutiges Meinungsbild als Ergebnis: Zwei Drittel aller Deutschen unterstützen das Vorhaben, den Wolf in absehbarer Zukunft ins geltende Jagdrecht aufzunehmen, um die Bestände zu regulieren. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, das im Auftrag des Deutschen Jagdverbands (DJV) 5000 Menschen befragt hat. Laut Umfrage, deren Ergebnisse unserem Blog vorliegen, befürworten ebenso viele Menschen in Deutschland explizit die Jagd auf Wölfe. Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass die Wölfe auch Haus- und Nutztiere angreifen und töten. Signifikant ist dabei ein Stadt-Land-Gefälle. Während Menschen im ländlichen Raum das Töten von Wölfen mit einer Quote von über 70 Prozent befürworten, liegt sie bei Menschen, deren Lebensmittelpunkt die Stadt ist, bei unter 50 Prozent. Bedrohungsgefühl vor allem auf dem Land Knapp die Hälfte der Deutschen bewertet laut Civey die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland positiv, etwa ein Drittel schätzt die Entwicklung dagegen negativ ein. Mehr als jeder Vierte bundesweit empfindet Wölfe als persönliche Bedrohung, in ländlichen Regionen steigt dieser Anteil auf ein Drittel der Befragten. Beobachter gehen davon aus, dass vor allem Menschen, die im ländlichen Raum leben, schon einmal selbst oder mittelbar mit den Folgen von Wolfsangriffen konfrontiert worden sind. So wurden unlängst vor allem im Osten Schafe von Wölfen angegriffen, Hunderte Tiere wurden getötet oder so schwer verletzt, dass sie getötet werden mussten. Sichtungen von Wölfen sogar in einem Raum, in denen Menschen wohnen, sind bundesweit Alltag. Allein in dieser Woche gingen wohl zwei gerissene Hirschkühe aus einer Gatterhaltung in der Gemeinde Oppenau auf das Konto eines Wolfs. „Ein Wolf mit dem Haplotyp HW02 konnte als Verursacher nachgewiesen werden“, teilte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Baden-Württemberg mit. Allerdings ist bisher nicht klar, um welchen Wolf es sich genau handelt. Die genetische Bestimmung sei noch nicht abgeschlossen, hieß es. Ein Haplotyp ist eine Art genetischer Marker. Oppenau liegt beispielsweise in einem Fördergebiet, in dem schon mehrere sichere Wolfsnachweise dokumentiert wurden. Innerhalb eines solchen Gebietes unterstützt das Land Tierhalter dabei, für die Abwehr von Wölfen geeignete Weidezäune und Herdenschutzhunde anzuschaffen. „Jägerschaft übernimmt Verantwortung“ Der Deutsche Jagdverband reagiert auf die aktuelle Umfrage: „Das ist eine überraschend große Mehrheit, die den Wolf im Jagdrecht will. Die Bundesregierung muss jetzt ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag zügig umsetzen“, sagte DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke. Die Jägerschaft übernehme hier Verantwortung und sei im Dialog mit Politik und Gesellschaft, so Dammann-Tamke weiter. Die Expertise der Jäger mit Blick auf Monitoring, Wildtiermanagement oder Weiterbildung gelte es jetzt zu nutzen. Regierung bringt Paket auf den Weg Die Regierungskoalition hat sich derweil darauf verständigt, den Schutz vor Wölfen zu verbessern. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) und das Bundesumweltministerium (BMUKN) haben dafür ein umfassendes Paket auf den Weg gebracht. Der Wolf wird, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) aufgenommen, der präventive Herdenschutz wird mit seiner besonderen Bedeutung für den Schutz der Weidetiere herausgestellt. Damit haben nun die Bundesländer die Möglichkeit, in Regionen mit hoher Wolfsdichte und einem günstigen Erhaltungszustand ein Bestandsmanagement einzuführen. Wo Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, können sie rechtssicher gejagt werden. Wo Weidegebiete nicht zumutbar mit präventiven Herdenschutzmaßnahmen geschützt werden können, wie in der alpinen Region, kann der Wolf auch zur Vermeidung von Weidetierrissen entnommen werden.

  • Über die Visionen des Kanzlers für das Land und Wolfsspaziergänge durch die Städte

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, die Vorweihnachtszeit scheint die Dynamik in der Berliner Politik anzutreiben. Trotz aller außenpolitischen Beschäftigung mit kräftiger Reisetätigkeit machen Kanzler und Koalition Schlagzeilen. Den TV-Ankündigungen von Friedrich Merz folgen entsprechende Beschlüsse des Koalitionsausschusses zur Beschleunigung von Infrastrukturprojekten. Damit geht es auch um eine bessere Verkehrsanbindung in ländlichen Orten und Regionen. Auf die Straßen treibt es derweil wieder die Bauern mit ihren Traktoren. Das von Discountern ausgehende Butterpreisdumping führt zu ersten Protestfahrten auf Treckern. Dabei werden Erinnerungen wach. Einen weiteren Anlass zu Bemerkungen in dieser Wochenkolumne bilden Wolfsspaziergänge durch Städte – festgehalten auf Fotos und Videos. Während Trump die Welt nicht ohne Wirkung auf uns alle umzukrempeln versucht und bis auf Moskau überall Schnappatmung  auslöst, versucht Bundeskanzler Merz, die Ruhe zu bewahren. Hinter den Türen der Regierungszentralen und der Chefetage im Brüsseler Berlaymont-Gebäude geht es ständig wohl um das beherrschende außenpolitische Thema, das nun einmal auch auf unsere Innenpolitik ausstrahlt. Die vom US-Präsidenten angedrohte Nachhilfe in Sachen Demokratie (nach seinem Verständnis) konterte der deutsche Regierungschef so: „Dass die Amerikaner nun die Demokratie in Europa retten wollen, dafür sehe ich keine Notwendigkeit. Wenn sie zu retten wäre, das würden wir schon alleine hinbekommen.“ Mit diesem Zitat im auffällig doppelten Konjunktiv wären wir wieder im politischen Alltag des Kanzlers in Deutschland. Die hektische Diplomatie über den Atlantik wurde bei seinem viel beachteten Auftritt in der ARD-Arena direkt nach seinen Ausflügen in den Nahen Osten, nach Israel und London noch ausgeblendet. Es ging in der viel zitierten Sendung in dieser Woche um die Innenpolitik mit dem in den Medien kaum beachteten erneuten Bekenntnis des Kanzlers zum ländlichen Raum. Daher komme er und das liege ihm am Herzen. So wolle er sich intensiv um Themen wie Erreichbarkeit und Verkehrsstruktur kümmern. Der Ankündigung folgte zwei Tage später der Beschluss im Koalitionsausschuss zur Beschleunigung von Infrastrukturprojekten. Danach soll der Artenschutz bei dringend notwendigen Maßnahmen standardisiert und das Umweltverbandsklagerecht einschränkt werden. Naturschutz bleibe wichtig, könne danach aber nicht mehr durch endlose Verfahren blockieren. Ziel: Ein leistungsfähiges, demokratisches und rechtsstaatliches Land Zurück zu dem Fernsehauftritt. Insgesamt fasste Merz dort auf eine der vielen Detailfragen von Zuschauerinnen und Zuschauern seine Vision eines lebens- und liebenswerten Landes so zusammen: „Wir müssen eine leistungsfähige, demokratische, rechtsstaatliche Gesellschaft sein, wieder werden und bleiben. Das ist für mich sozusagen nach innen betrachtet. Nach außen ein Land, das seine Freiheit und seinen Frieden verteidigt.“  Mit dem, was in sieben Monaten unter seiner Kanzlerschaft erreicht worden sei, gebe er sich allerdings noch nicht zufrieden. Zum Spendenformular Damit greift Merz Kernaussagen der Demoskopen zur Unzufriedenheit vieler auf: Dem einen oder anderen im Lande, der auf ihn gesetzt hat, geht die Geduld aus. So haben wir es bei der Rentendebatte erlebt. Und beim Landesparteitag seiner CDU in Baden-Württemberg, bei dem sich der junge Spitzenkandidat Manuel Hagel für die Landtagswahl im März  warmläuft. Dort war statt des CDU-Vorsitzenden Merz das Pendant von der CSU, also Markus Söder, prominenter Gast. Themen und Inhalte für das Wahlprogramm im Südwesten wurden möglichst auf Distanz zu Berlin formuliert und beschlossen. Und wieder ein Preiskrieg, der die Bauern nervt Damit kann man auch doppeldeutig die Frage stellen: Alles in Butter?  Nicht so richtig – auch bei den Bauern. Zwischen Discountern wie Lidl und Aldi gibt es immer wieder Preissprünge oder Preiskämpfe. Das löst jeweils Freude bei Verbrauchern und Ärger unter den Produzenten aus. Wir schauen auf den Anfang und das Ende der Lieferkette. Da sind diejenigen, die ackern, mästen und melken. Und die anderen, die möglichst preiswert einkaufen wollen. Die Inflation bei Nahrungsmitteln schlägt in den monatlichen Meldungen des Statistischen Bundesamts vor allem bei Gemüse und Fleisch gerade weiter nach oben aus. Aber nicht einheitlich. Bei Backzutaten wie Zucker, Weizenmehl und Butter gibt es dagegen gerade teils drastische Reduzierungen. Am letzten Wochenende haben Discounter und dann auch Supermärkte für Butter den Bruttopreis auf 0,99 € für ein 250-Gramm-Stück herabgesetzt und ihn damit praktisch innerhalb dieses Jahres halbiert. Für ein Päckchen Butter werden fünf Kilo Milch benötigt. Der durchschnittliche Milchpreis für konventionelle Milch (netto, inklusive Zuschläge) lag nach Angaben des Westfälisch-Lippischen Bauernverbandes (WLV) demnach im November bei 45 Cent pro Liter (1,03 kg). Weitere Preisrückgänge würden erwartet. So heißt es in einer Pressemitteilung gestern. Ein Discounter ließ verlauten, dass man bewusst auf eine Marge verzichtet, um höhere Absatzmengen zu erzielen. Darauf fragte der Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Milchviehhalter, Hans Foldenauer: „Was bringt wohl für die Milchbauern eine höhere Absatzmenge, wenn bei diesen Preisen mit jedem Kilogramm Butter Absatzverluste ausgelöst werden.“ „ Milch ist kein Ramschprodukt“ Für die Milchviehbetriebe bedeuten solche Preise ein wirtschaftliches Desaster . Sichtbar gemacht wurde das gestern im westfälischen Wolbeck. Landwirte stiegen wieder auf die Trecker und fuhren zum Protest vor eine Lidl-Filiale. Und das fast wie vor genau zwei Jahren bei den großen Traktor-Korsos bis vors Brandenburger Tor. Damals ging es gegen die Ampel, heute gegen die Preisdiktate von Handelsriesen, allen voran den Discountern. Die Proteste gegen sinkende Einkommen, fehlende Wertschätzung für hochwertige Lebensmittel und eine Gefährdung der regionalen Landwirtschaft flammten punktuell auf. Daraus kann wohl wieder mehr an Protesten werden. „Milch ist kein Ramschprodukt“, so WLV-Präsident Hubertus Beringmeier . Die Preisschlachten des Lebensmitteleinzelhandels für einzelne Milchprodukte führten dazu, dass eine kostendeckende Erzeugung schlichtweg nicht möglich sei. Wer hochwertige Lebensmittel verramscht, gefährdet die Existenz unserer bäuerlichen Familienbetriebe. Preissenkungen bei Milchprodukten rufen Landwirte auf den Plan: Bei einer Aktion vor einer Lidl-Filiale in Münster-Wolbeck forderten sie faire Marktbedingungen. (Foto: WLV) Wenn Wölfe munter durch Städte und Dörfer spazieren... Aufsehen erregten in dieser Woche wieder einmal Bilder und Videos von Wölfen,  die munter durch Städte und Dörfer spazieren. Die Wolfsbegegnungen häufen sich nun einmal, so lange sich die Population ohne Einschränkungen unter höchstem Schutz fortsetzt. Auch wir von der Jägerstiftung natur+mensch haben in den frühen 2000er-Jahren mit Ausbreitung der ersten Wolfsrudel gewarnt. Bei einer damals von Fachleuten erwarteten Zuwachsrate gab es schon frühe Forderungen nach Regulierungsmaßnahmen. Die frühen Prognosen zur Vermehrung haben sich bestätigt. Die Zahl der Wölfe bewegt sich jetzt zwischen 1.500 und 2.000 in Deutschland. Mit dieser Dichte erklären sich die zunehmenden Ausflüge in besiedelte Gebiete. Am Nikolausmorgen ist ein Wolf in Lüdenscheid durch die Innenstadt gelaufen.  Fotos und Videos gingen viral, wie die Polizei versuchte, das Tier aus der Stadt in die freie Flur der sauerländischen Umgebung zu drängen. Welche Wirkung das Blaulicht dabei auf das Tier hatte, bleibt vielleicht auch für das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in NRW (LANUK) unklar. Es rät, bei solchen Begegnungen nicht wegzurennen, sondern es mit lautem Klatschen oder Winken mit den Armen zu vertreiben. Und 100 Kilometer nördlich gelegen spielte sich Ähnliches gut eine Woche zuvor ab. Der WDR meldete : „Wolf in Greven spaziert an Vorgarten und Kita vorbei.“ Zu dieser Meldung gehört der Hinweis, dass das LANUK nun Bilder und Videos überprüfe, um festzustellen, ob das wirklich ein Wolf war. Nur nebenbei mal die Anmerkung: Von unseren Jägerinnen und Jägern wird erwartet, dass sie jedes Wildtier in Sekundenschnelle nicht nur sicher ansprechen können, sondern auch müssen, um waidgerecht zu entscheiden. Insofern ist es gut, dass endlich der Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen wird. Danach sollen den Ländern Möglichkeiten zum regionalen Bestandsmanagement gegeben werden. Angst und Verunsicherung verstärken sich mit zunehmenden Sichtungen in Siedlungsgebieten und damit der Nähe zu Menschen. Die unzähligen Risse von Weide- und Wildtieren sorgen seit Langem für politischen und praktischen Handlungsdruck. Die Weihnachtsfesttage rücken näher. In der nächsten Woche erwartet Sie in unserem Blog unter anderem ein Beitrag von Christoph Boll, der auch aus jagdlicher Sicht auf die Weihnachtsruhe im Winterwald eingeht. Auch wenn es bei uns noch nicht so richtig winterlich ist, gilt auch für unser Wetter das Prinzip Hoffnung. Damit wünsche ich Ihnen ein weiteres schönes Adventswochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Die Kraft des ländlichen Raums

    Im Sommer hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bereits deutlich für den ländlichen Raum Position bezogen. Jetzt legt die Kammer nach und startet eine bundesweite Social-Media-Kampagne zum Potenzial der Regionen Foto: Sora Ländliche Räume verdienen mehr politische Aufmerksamkeit. Darauf wies zuletzt im Juli die DIHK hin und widmete den wirtschaftlichen Kraftzentren außerhalb der Städte und Ballungsgebiete eine komplette Themenwoche. Verbunden war dies mit der Veröffentlichung eines viel beachteten Positionspapiers. Ländliche Räume wurden darin als Möglichmacher der demografischen, technologischen, gesellschaftlichen und klimatischen Transformation geadelt. Unser Blog berichtete damals in der Wochenkolumne darüber . Schon damals hieß es vor dem Hintergrund beeindruckender Leistungszahlen, dass die Stärken und Potenziale ländlicher Räume viel sichtbarer gemacht werden müssten. Denn diese seien kein „Ort des Mangels, sondern Räume der Möglichkeiten, geprägt von Tatkraft, Unternehmertum und Mut für neue Wege“. „ Wo sonst – wenn nicht in ländlichen Räumen?“ Gesagt, getan: Wie im Handwerk, das mit dem Slogan „Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan“ bis heute große Aufmerksamkeit erzielt, heißt es nun bei der DIHK „Wo sonst – wenn nicht in ländlichen Räumen?“ Selbstbewusst wird darauf hingewiesen, dass auf dem Land starke, innovative und am Ende unverzichtbare Unternehmen mit ihren Mitarbeitern und Familien zu Hause sind. „Hier trifft Innovation auf Identität, verbinden sich Hightech und Heimat und ergänzen sich Regionalität und Resilienz“, heißt es treffend. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. 70 Prozent aller deutschen Hidden Champions und 50 Prozent aller mittelständischen Unternehmen sind im ländlichen Raum zu Hause. Die Betriebe erzielen 50 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung und 66 Prozent der industriellen Wertschöpfung. 60 Prozent der Ausbildungsplätze werden auf dem Land angeboten. landkann.de lautet die Adresse der Kampagnenseite im Internet. Vor Ort wird gemeinsam angepackt „Ländliche Räume werden dramatisch unterschätzt“, erklärt Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer und Vorsitzender der Triwo AG. „Vor Ort wird gemeinsam angepackt, im Unternehmen und im Feuerwehrhaus. Es besteht eine besondere Gemeinschaft und auch Verantwortung füreinander. Mit dieser Selbstverständlichkeit entwickeln die Menschen großes Engagement.“ Als Beleg werden zum Start der neuen Kampagne drei Erfolgsgeschichten erzählt. So erfährt man, dass in der Gemeinde Ostercapplen im Landkreis Osnabrück Europas größte Eiswaffelfabrik steht. Rund drei Milliarden Waffeln verlassen pro Jahr das in dritter Generation geführte Unternehmen der Familie Meyer zu Venne. Josephine Dransfeld wiederum führt in vierter Generation das Familienunternehmen Heunec Plüschspielwarenfabrik im oberfränkischen Neustadt bei Coburg. Produziert wird dort unter anderem das Maskottchen „Paule“ des Deutschen Fußballbundes. Dritter im Bunde der Erfolgsgeschichten ist das KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk im thüringischen Geratal. Das Unternehmen ist einer der größten Hersteller von Kunststoffschlitten und weltweit Marktführer in diesem Segment. Die Erfolgsgeschichte begann im Jahr 1948, als sich mehrere kleine Familienunternehmen im Thüringer Wald zu einer Kooperation zusammenschlossen. Deutlich wird in allen Fällen die Besonderheit der Betriebe, die im ländlichen Raum verwurzelt sind und hier eigenständig Fahrt aufgenommen haben. Umso wichtiger ist aus Sicht der Industrie- und Handelskammern, dass in der Politik die Weichen für die Entwicklung dieser nichtstädtischen Gebiete richtig gestellt werden. Dies beginnt bei einer vorausschauenden Regionalplanung sowie interkommunalen Zusammenarbeit und reicht über die ausreichende Infrastruktur bis zur Sicherung von Berufsschulstandorten.

  • Krähenplage nimmt in Städten und auf dem Lande zu

    Problem in allen Bundesländern – Städte hissen „weiße Flagge“ Foto: Ideogram Die Krähen ziehen weiter. Aus ländlichen Regionen in die Städte. Ein neuer Trend, der in fast allen Bundesländern festzustellen ist. In den Ballungsgebieten finden die schwarzen Vögel mehr Nahrung als auf dem flachen Land, so die Speisereste in und neben den Mülleimern. Die Kommunen suchen nach Maßnahmen, um der Krähenplage Herr zu werden. Ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. So hat die schleswig-holsteinische Stadt Elmshorn nach einer Reihe von gescheiterten Maßnahmen die „weiße Flagge“ gehisst. Mit den gesetzlich erlaubten Mitteln habe man keine Chance, heißt es in dem Rathaus vor den Toren Hamburgs. Noch immer stehen die Krähen auf der Roten EU-Liste der gefährdeten Tiere. Auch das Bundesnaturschutzgesetz verbietet, die Tiere zu töten, zu fangen oder die Nester in der Brutzeit zu zerstören. Nach Angaben der Bundesregierung gibt es in Deutschland rund 90.000 Saatkrähen-Brutpaare. Eine Zahl, die von landwirtschaftlichen Organisationen als weitaus höher eingeschätzt wird. Diese Krähenart genießt besonderen Schutz. Während die nordrhein-westfälische Stadt Soest als „Hauptstadt der Krähen“ tituliert wird, nehmen die Auswirkungen der Plage in der Bundeshauptstadt dramatische Züge an. Im und um den Berliner Hauptbahnhof, der von vielen Bäumen umgeben ist, hat sich das Aufkommen der Krähen derart verstärkt, dass von einer „Vogelseuche“ die Rede ist. Zahlreiche Personen seien gar angegriffen worden, heißt es in Berliner Medien. Kommunaler Ideenreichtum zur Vergrämung Im nordfriesischen Friedrichstadt an der schleswig-holsteinischen Westküste hat sich die örtliche Politik jetzt zu umfassenden Maßnahmen entschlossen. Nach einer Ortsbegehung mit dem Landesamt für Umwelt ist man sich einig geworden, sogenannte „Vergrämungsmaßnahmen“ gegen die intelligenten Vögel einzusetzen. Dazu gehören akustische Anlagen, mit denen Laute von tierischen Feinden simuliert werden. Als natürliche Fressfeinde gelten Adler, Eulen, Falken, Bussarde und auch Eichhörnchen und Waschbären. Auch optische Maßnahmen wie Attrappen von toten Krähen sind geplant. Außerdem sollen Bäume zurückgeschnitten werden, um einen frühzeitigen Nestbau zu verhindern. Gescheitert ist man mit derlei Maßnahmen im bayerischen Städtchen Meitingen. Dort wussten sich die Behörden nicht mehr anders zu helfen, als eine Musikkapelle aufspielen zu lassen, um die lärmenden Tiere zu vertreiben. Ohne Erfolg, die Krähen blieben. Erst als ein Greifvogel in ihrem Gebiet auftauchte, setzten die Krähen zum Abflug an. In der Regel kommen sie wieder.

  • Biber nagen an der Stadtkasse

    Biber vermehren sich vor allem in den östlichen Bundesländern fleißig weiter. Das ist erfreulich. Aber auch teuer Foto: P.W. Kuhrau / pixelio.de Irgendwie sehen sie ja putzig aus, die Biber. In Umfragen liegen diese Tiere in der Gunst der Deutschen weit vorn, viele Stofftiere zieren die deutschen Kinderzimmer. Die Freude über die Rückkehr der Biber nach Deutschland ist groß. Doch die in den vergangenen Jahren stark gestiegene Population vor allem in den östlichen Bundesländern stellt Landwirte und Anwohner, die staatlichen Wasserbehörden und sogar den notwendigen Hochwasserschutz vor erhebliche Probleme. Die Geschichte der Biber ist gerade im Osten des Landes äußerst wechselvoll gelaufen, fast parallel zur deutschen Geschichte: Bis vor wenigen Jahrzehnten galten Biber in Deutschland als nahezu ausgerottet. Im Bundesland Thüringen, das es so erst seit der Wiedervereinigung gibt, galt die Art sogar seit Mitte des 19. Jahrhunderts als verschollen. Zu DDR-Zeiten kümmerte sich keiner um die Tiere, die Planwirtschaft sah den Schutz der Tiere nicht vor, die Tiere galten in den frühen 80er Jahren als nahezu ausgestorben. Auch die ökologische Verwüstung vor allem der Gewässer durch Industrie (die Abwässer aus chemischen Fabriken wurden zum größten Teil ungefiltert in die Gewässer geleitet) und schlechte öffentliche Infrastruktur machte eine Ansiedlung der Tiere im Osten unmöglich. Wiedervereinigung verbessert natürliches Umfeld Mit der Wende kam auch für die Biber die Wende. Erst seit der Wiedervereinigung bemühte man sich, eine Umgebung zu schaffen, die den Tieren eine vernünftige Lebensgrundlage ermöglichten. Nach der Wende wurde auch die Schutzbedürftigkeit der Tiere anerkannt, einzelne Projekte zur Aussiedlung einiger Tiere in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen wurden gestartet – und verliefen offenbar sehr erfolgreich. Dazu kam ein strenges Jagdverbot. Konsequenz: 2007 kehrten die ersten Tiere zum Beispiel zurück nach Thüringen – sehr zur Freude von Tierschützern. Wohl keiner rechnete aber damit, dass sich die Tiere so schnell vermehren. Laut Umweltministerium in Erfurt hat sich die Biberpopulation seit dem Jahr 2010 fast verdreifacht. In diesem Jahr lebten schon rund 1100 Biber in 315 Revieren an Thüringer Flüssen und Bächen. Zum Vergleich: 2020 waren es erst 350 Tiere in 120 Revieren. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch mit der steigenden Zahl an Bibern wurde auch eine Zunahme der Schäden gemeldet. Nach Angaben des Umweltministeriums in Erfurt haben sich diese seit den vergangenen fünf Jahren verfünffacht. Besonders betroffen sind Teichanlagen und Uferbereiche, wo die streng geschützten Tiere Dämme bauen und Bäume fällen. Typische Schäden sind etwa gefällte Bäume durch Nagen am Ufer, angefressene Obstbäume oder Gemüsebeete, überschwemmte Wiesen und Teiche durch verstopfte Abflüsse sowie aufgebuddelte Dämme oder Grabarbeiten an Straßen und Hochwasserschutzanlagen. Für einzelne Städte summieren sich die Schäden durchaus zu einer relevanten Schadensgröße auf. Biberschäden nehmen stark zu Und der Trend verheißt nichts Gutes: Auch in diesem Jahr registrierten die Experten eine weitere Zunahme an Schäden. Allein bis Stichtag 30. Oktober 2025 summierten sich die Schäden landesweit auf rund 55.000 Euro. Im gesamten vorigen Jahr waren es dem Landesministerium zufolge noch knapp 22.500 Euro. Der Trend ist aber nicht auf Thüringen beschränkt. Auch in anderen Bundesländern wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern sind die niedlichen – und äußerst fleißigen – Tiere auf dem Vormarsch und werden dort sogar zur Gefahr für den Gewässerschutz. So ist das Land Mecklenburg-Vorpommern gezwungen, die Finanzhilfen aufzustocken. Die dortigen Wasser- und Bodenverbände (WBV) in Mecklenburg-Vorpommern können weiter mit Finanzhilfe vom Land für Mehrkosten durch Biberschäden rechnen. „Die Landesregierung wird – vorbehaltlich des Haushaltsbeschlusses – auch in den kommenden zwei Jahren je 300.000 Euro zur Minderung biberbedingter Unterhaltungskosten bereitstellen“, kündigte Umweltminister Till Backhaus (SPD) anlässlich der Versammlung des WBV-Landesverbandes in Warnemünde gegenüber den Medien an. Die jüngsten offiziellen Schätzungen gehen von rund 4.500 Tieren im Nordosten aus – auch hier mit steigender Tendenz.

  • Solide Mehrheit für Rentenpaket – Aufatmen bei Kanzler und Koalition

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserin, lieber Leser, nach der Rentendebatte ist vor der Rentendebatte. Das ist die Konstruktion der Koalition, die dem gestern mühsam zustande gebrachten Beschluss nur einen vorläufigen Charakter verleiht. Nun folgt dasselbe Thema zunächst in der Kommission zu diesem Thema. Aufatmen in der Koalition, dass die eigene Mehrheit steht. Ungewissheit darüber, wie es zwischen Union und SPD, Jung und Alt in der Sozialpolitik weitergeht. Darauf gehen wir nur kurz ein, weil im Vorfeld darüber viel geredet und geschrieben wurde. In dieser ländlichen Wochenkolumne blicken wir weiter auf die 100. Grüne Woche und was die Besucher von Stadt und Land dort zu erwarten haben. Im Hintergrund läuft gleichzeitig das Thema Kennzeichnungspflicht bei Produkten, die mit Gentechnik in der pflanzlichen Vorstufe zu Lebensmitteln werden. Letztlich lesen Sie im Folgenden, welche Themen Sie in unseren nahezu täglichen Beiträgen im Blog finden. Das sind unter anderem die Fütterung von Stadttauben und der Krach, den Krähen verursachen und damit in Rathäusern Ratlosigkeit auslösen. Großes Aufatmen beim Kanzler und in der Berliner Regierungskoalition. Nach monatelangen Diskussionen hat der Bundestag das auch in schwarz-roten Kreisen hochumstrittene Rentengesetz mit absoluter Mehrheit beschlossen. Für die neue Haltelinie beim Rentenniveau bis 2031 und die Ausweitung der Mütterrente stimmten 318 Abgeordnete – bei 224 Nein-Stimmen und 53 Enthaltungen. Damit hat Bundeskanzler Friedrich Merz sein Ziel der sogenannten Kanzlermehrheit von 316 Stimmen um zwei Stimmen übertroffen. Zunächst hatte der Bundestag 319 Ja- und 225 Nein-Stimmen bekanntgegeben, sich dann aber korrigiert. Damit steht das Rentenpaket mit einer Halbwertzeit bis 2031 und die Koalition hält. Wie lange, werden wir sehen. Vor der Abstimmung herrschte in der Koalition und in den Reihen der Union höchste Nervosität und Ärger über die SPD nach den Auftritten der Sozialministerin vor den Arbeitgebern und den Jusos. Da irritieren die alten klassenkämpferischen Töne von Bärbel Bas. Sie passen nicht mehr in die Zeit. Selbst in der SPD muss sich langsam die Erkenntnis durchsetzen, dass die Stammkundschaft Industriearbeiter wegbricht und damit ihre Wählerstruktur nicht mehr die der letzten Jahrzehnte ist. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist geübt in der stillen Führung einer Koalition mit den Gegensätzen von Schwarz und Grün. Er rät im ARD-Morgenmagazin: „Man muss auch fair sein und sich verstehen wollen.“ Beide Seiten sollten „mal ein bisschen runterkommen“ . Lachen zur Begrüßung als Gastrednerin sei auch nicht gerade fair gewesen. Wenn Unternehmer, Gewerkschaften und Politik an einem Strang zögen, wäre es besser für Deutschland. Das ist richtig und sein Rat: „Zusammensetzen und vielleicht mal ein Bier trinken.“ Bei so erregten Gemütern scheint das aber nicht so einfach zu gehen. Das aktuelle Klimaschutzprogramm erst im nächsten Jahr Was tut sich noch in Berlin und steht nicht so im Fokus? Umweltminister Carsten Schneider (SPD) will das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung erst mal ein paar Monate liegen lassen. Nicht dieses Jahr, sondern im nächsten sollen dann die vielleicht aktualisierten Klimaziele der Bundesregierung übermittelt werden. Stand der Planung jetzt: Treibhausgasneutralität bis 2045 und eine Reduzierung der Emissionen um 65 % bis 2030 im Vergleich zu 1990. Solange kein Mahnschreiben der EU-Kommission im Posteingang ankommt, besteht wohl kein aktueller Handlungsdruck. Im Klimaschutzprogramm beschreibt die Bundesregierung, wie sie die nationalen Ziele erreichen will. Festgezurrt ist da auch in Brüssel erst mal noch nichts. Berlin wird im Januar ländlich-grün. Auf den 100. Geburtstag der Grünen Woche  ist mein Kollege Wolfgang Kleideiter bereits mit einem Blick in ihre Geschichte in unserem Blog natur+mensch eingegangen . Vom 16. bis zum 25. Januar werden in den Hallen und auf dem Gelände der Berliner Messe unter dem Funkturm Stadt und Land zusammengeführt. Jetzt werden immer mehr Aktivitäten auch der Partner der Landwirtschafts- und Ernährungsmesse wie Jagd, Gartenbau oder Waldbau bekannt. Der inzwischen traditionelle „ErlebnisBauernhof“ soll die gesamte Themenpalette der modernen Landwirtschaft zeigen und eben erlebbar machen. Unter dem Leitmotiv „Ernährung sichern. Natur schützen“  wird zusammen mit 70 Partnern aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Technik, Verarbeitung und Lebensmittel-Einzelhandel gezeigt, wie Innovation, Verantwortung und Vielfalt zusammenwirken. Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forums moderne Landwirtschaft : „Die Landwirtschaft steht für Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Innovation gleichermaßen, wenn auf der Messe vielfältige Themen von Pflanzenzüchtung über moderne Tierhaltung bis zu digitalen Technologien präsentiert werden.“  Dabei stünden nach ihren Angaben Dialog und Transparenz  im Mittelpunkt. Zum Spendenformular Die deutsche Ernährungsindustrie erinnerte ebenfalls diese Woche daran, dass sie sich traditionell auf der Grünen Woche  zeigt. „Zukunft schmeckt“  heißt das Programm, das die Bundesvereinigung der Branche (BVE) und der Lebensmittelverband Deutschland präsentieren. Vielfalt und Innovationen sollen demnach als zentrale Voraussetzung die Ernährung in einem zunehmend herausfordernden Umfeld auch in Zukunft gewährleisten. Die Branche will offensichtlich mit ihrer starken Präsenz auf der Grünen Woche natürlich auch politische Wirkung entfalten. BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff: „Die deutsche Ernährungswirtschaft braucht politische Stabilität, die Planungssicherheit schafft, Innovation ermöglicht und Überregulierung verhindert.“  Vielfalt sei dabei weit mehr als eine Frage des Geschmacks. Neue Debatten über den Einsatz der Gentechnik zu erwarten Derweil geht es in Brüssel wieder einmal um den transparenten Umgang mit der Gentechnik . Für entsprechende Produkte soll es künftig keine Hinweispflicht mehr auf den Endprodukten geben. Das streben Europaparlament und der Rat der EU-Länder an. Diese Debatte wird künftig auch Kritiker dieser Entwicklung erneut auf dem Plan rufen. Produkte, die aus Pflanzen mit begrenzten genetischen Eingriffen hergestellt werden, sollen demnach keinen Hinweis in den Supermärkten mehr erhalten, lediglich eine verpflichtende Kennzeichnung des Saatgutes . Der Weg dorthin ist gewöhnlich lang: EU-Parlament und Mitgliedsstaaten müssen diese Entwicklung bestätigen. Und wir werden uns im Laufe dieses Verfahrens damit in unserem Blog beschäftigen. Quälgeister oder zu duldende Arten in den Städten Nachdem wir in dieser Woche auf die unterschätzte Gefahr von oft illegal gefütterten Stadttauben in Zeiten der Geflügelpest  eingegangen sind, befassen wir uns in der nächsten Woche im Blog mit einer weiteren städtischen Vogelplage. Sie geht von der zunehmenden Population der Krähen in verschiedenen Arten aus. Ein Problem für Stadt und Land. Unser Autor Jürgen Muhl wird am Beispiel mehrerer Städte schildern, wie schwierig die Lage geworden ist. Das reicht in verschiedenen deutschen Kommunen vom Ideenreichtum für Vergrämungsmaßnahmen bis zum Hissen der „weißen Flagge“ in einer norddeutschen Stadt. Auf der einen Seite nehmen Bürgerbeschwerden zu und auf der anderen Seite steht die Machtlosigkeit gegenüber den geschützten Vögeln, die nun einmal Krach machen und damit lästig werden. Zudem kommen in diesem Zusammenhang wieder das Thema weggeworfener Speisereste und die Folgen bis zum Seuchengeschehen in die Diskussion. Die Wegwerf-Unsitte halb gegessener Portionen ist nun einmal ein Teil des Problems. Prägende Spuren in Beruf und Berufung „Time to Say Goodbye“ auch von unserer Seite. Matthias Kruse ist ein geschätzter Kollege, der mit seinem Schritt in den Ruhestand nach 35 Jahren im Jagdjournalismus prägende Spuren in Beruf und Berufung hinterlassen wird. Ich wünsche, dass Jüngere sie aufnehmen, die vielleicht auch zugleich Journalisten und Jäger sind. Mit dem gegenseitigen Verständnis von Passion und Profession ist das bei uns manchmal „so eine Sache“. Der Chefredakteur des Rheinisch-Westfälischen Jägers wirkt an einer Schnittstelle von Einsichten, Überzeugungen und Botschaften. Etwa bei der Vermittlung von Zusammenhängen von Jagd und Natur nach innen und außen. Es muss übrigens die genannte Zeit her sein, als wir uns erstmals begegnet sind – nicht auf einer Jagd, sondern auf seiner Suche nach redaktionellen Konzepten. Das war damals in der Tageszeitung und einer Redaktion, die ich in gleicher Funktion, aber mit Blick auf andere Zielgruppen leitete. Wir sprachen seitdem immer wieder mal über die Unterschiede eines Publikums- und eines Verbandsmediums. Das Wort vom jagdjournalistischen Herzblut beschreibt die DNA, die für den Neu-Ruheständler Matthias seitdem steht. Wie ich ihn kenne, wechselt er nicht ins Nichtstun. Dazu wird gehören, dass wir so im Gespräch bleiben, wie wir das bisher gegenseitig gewinnend gepflegt haben. Mit diesen guten Wünschen auf freundschaftlich-kollegialer Ebene verbinde ich auch für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein gutes und schönes Adventswochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination

  • Die Trophäe ist mehr als ein toter Knochen

    Trophäengeile Schießer. Das ist eine der drastischen, aber sicher nicht seltensten Beschimpfungen von Jägern. Sie verkennt, dass Trophäen nicht Ausdruck von Prahlerei sind, sondern Erinnerungsstücke und Träger wildbiologischer Informationen Foto: privat Der Trophäenbegriff hat heute oft einen negativen Beigeschmack. Zunächst ein Blick in die Geschichte. Der zugrunde liegende altgriechische Begriff tropaion meint schlicht ein Triumphzeichen. Das konnten Waffen und Rüstzeug des besiegten Gegners, Feldzeichen, Wimpel und Fahnen sein. Das Zurschaustellen der abgeschlagenen und auf lange Stangen gespießten Häupter von Feinden war weit verbreitet. Wir kennen den keltischen Kopfkult, die Schrumpfköpfe der südamerikanischen Shuar, den Skalp bei nordamerikanischen Indianern und die abgeschnittene Nase bei den Japanern als Trophäe sowie die Erwähnung feindlicher erbeuteter Vorhäute als Trophäe im Alten Testament der Bibel. Im Sport gibt es die weniger martialischen Zeichen in Form von errungenen Titeln, Urkunden oder Pokalen. Das Ausstellen von Trophäen ist also zunächst einmal nicht protziges Präsentieren, sondern eine Urform menschlichen Verhaltens. Es drückt Stolz aus, der etwas anderes ist als Prahlerei. Die Trophäe ist Zeichen des persönlichen Triumphes und repräsentiert den oder die besiegten Gegner. Das kann auch der innere Schweinehund sein, das Überwinden von Respekt oder sogar Angst vor einer Herausforderung. Auch Jagdtrophäen drücken diesen Erfolg aus. Wobei solche nur von selbst erlegtem Wild gewonnen werden. Das unterstreicht auch der Spruch, dass man sich nicht mit fremden Federn schmückt. Alles andere gilt als nicht waidgerecht Lassen wir die Auslandsjagd außen vor, die meistens der Trophäe gilt, es aber nicht muss, so wird oft der Gegensatz von Fleisch- und Trophäenjagd formuliert. Schon der Heidedichter Hermann Löns kannte ihn. In seinem Buch „Kraut und Lot“ schrieb er 1922 über die Bockjagd: „Na, und wenn einer auch noch so grau war wie ein Milchwagenesel, schad‘t nichts, ist alles einerlei, man jug ja um die Decke nicht, man jug ja um das Geweih! Denn man war kein Fleischmacher, kein Wildbretschütz, man war Waidmann, gerechter Waidmann, sah verächtlich auf den Bratenjäger und kam sich als Wunder wie weiß was vor, trug man im Rucksack ein braves Gehörn heim, an dem so nebenbei 20 oder 24 Pfund Wildbret herumbaumelten.“ Fleisch- oder Trophäenjagd Der eine oder andere Waidmann stellt sich selbst die Herausforderung, ein ganz bestimmtes Stück Wild zu erlegen. Deshalb mag er alle mögliche andere Beute pardonieren. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es entwicklungsgeschichtlich keinen Unterschied zwischen schnödem Fleisch- und kultiviertem Trophäenjäger gibt. Die Krallen des erbeuteten Bären wurden in Urzeiten ebenso gerne an einer Schnur als Schmuck um den Hals getragen wie der Braten gegessen. Anders gesagt: An jeder Trophäe hängen nun mal etliche Kilogramm Fleisch. So gesehen ist auch das zur leckeren Mahlzeit zubereitete Wildbret eine Trophäe, die nur eben nach dem Essen verschwunden ist. Anders die Körperteile, die der erfolgreiche Schütze als Erinnerungsstücke an die Erlegung aufbewahrt und als Dekoration, Schmuck oder Gebrauchsgegenstand nutzt. Ein Jäger mag also gerne andere Tiere in dieser Zeit unbeschadet laufen lassen, um ein besonders heimliches oder wegen seiner Trophäe begehrenswertes Stück Wild mit hartem körperlichem Einsatz, zeitlichen Opfern und anderer Entsagung zu verfolgen, tagelang, wochenlang, monatelang, bis er es schließlich überlistet. Einen wesentlichen Beitrag zu einer geregelten Bejagung des Wildbestandes leistet er damit nicht. Denn das Wildvorkommen muss – modern gesprochen – vernünftig bewirtschaftet werden. Es braucht dazu einen zahlen- und altersklassengemäßen Abschuss, der ja auch in der Summe erfolgt. Weiserfunktion für Biotop-Qualität Schon deshalb geht das Vorurteil fehl, Jäger zielten in erster Linie auf die Trophäe. Zu den typischen Jagdtrophäen zählen Zähne von Säugetieren, etwa das Gewaff des Keilers, die Fangzähne des Fuchses und die Grandeln des Rothirsches, aber auch ganze Felle, etwa vom Raubwild, Teile des Fells, die unter anderem in Form von Sau- und Gamsbart als Hutschmuck getragen werden, und einzelne Federn. Niemand wird aber wohl ernsthaft behaupten, einem Jäger gehe es vorrangig ums Erbeuten von Erpellocken und Malerfedern. Die Kritik hat vielmehr fast ausschließlich Geweihe und Hörner, also den Kopfschmuck männlichen Schalenwildes, im Blick. Das aber macht je nach Wildart maximal ein Viertel bis ein Drittel an der Gesamtstrecke aus. Der weit überwiegende Teil, darunter das gesamte Jungwild, liefert keine Trophäe. Gleichwohl haben die manchmal als Knochenaustellung verunglimpften Hegeschauen ihre Berechtigung. Sie schaffen Transparenz und liefern Aufschluss über die Population, die Wilddichte und die Lebensqualität der Bestände. Denn die Trophäen in ihre Gesamtheit haben Weiserfunktion dafür, wie gut das Biotop für die Wildart geeignet ist. Insofern sind Hegeschauen auch eine Plattform für Informationsaustausch und Weiterbildung zu den Themen Äsungsangebot und Gesundheit des Wildbestandes.

  • Die unterschätzte Gefahr im Seuchengeschehen

    Die Geflügelpest breitet sich in Deutschland rasant aus. Zehntausende Nutztiere mussten bereits getötet werden, Wildvögel sind massiv betroffen. Was viele nicht auf dem Radar haben: Auch Stadttauben können das Virus übertragen Foto: Rike / pixelio.de Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, warnt aktuell vor einem „drastischen Anstieg von Geflügelpest-Ausbrüchen“. Die Verbreitungskarte zeigt: Längst sind auch Ballungsräume wie Hamburg, Berlin und das Ruhrgebiet betroffen. Damit rückt ein Problem in den Fokus, das Kommunen und Tierseuchenexperten gleichermaßen umtreibt: die Rolle der Stadttauben. Und: Sie werden durch oft illegale Fütterungen zur Brutstätte der Seuche. Tauben als Überträger – die Fakten Das FLI bestätigte nach einer Medienanfrage, dass Tauben zwar „weniger empfänglich als Hühner und Puten“ seien, eine Infektion mit dem H5N1-Virus aber durchaus „auch bei Tauben zu Erkrankungen und Todesfällen führen“ kann. Infizierte Tauben scheiden den Erreger aus und verbreiten kontaminierten Kot – „allerdings nur in sehr geringen Mengen“, wie das FLI einschränkt. Bei unerlaubten Fütterungen in Parks und auf Plätzen – steigt offensichtlich das Übertragungsrisiko. Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Arbeitskreises Jagd, Fischerei, Natur der Union, fordert deshalb gegenüber der Bild ein Umdenken: „Wir sehen an der Verbreitung der Geflügelpest, dass es hier nicht um falsche oder zu geringe Jagd auf Wildvögel geht, sondern dass auch städtische Lebensräume Brutstätte des Virus sein können.“ Er verlangt Notfallpläne für Städte und Gemeinden, um landwirtschaftliche Nutztiere und Wildvögel gleichermaßen zu schützen. Das Füttern von Tauben und Enten in der Stadt möge ein beliebter Freizeitspaß sein, mit Blick auf das Seuchengeschehen sei das aber eine ernste Gefahr. Ordnungswidrigkeiten werden nicht konsequent verfolgt Das Füttern von Tauben ist in den meisten deutschen Kommunen als Ordnungswidrigkeit untersagt. In Köln beispielsweise lautet das Taubenfütterungsverbot nach der Stadtordnung: Das Füttern, Auslegen oder Anbieten von Futter für verwilderte Haustauben oder Wildtauben wird mit 35 bis 1.000 Euro geahndet. Dieses Beispiel gilt für viele Städte. Sie entscheiden zwar oft örtlich über Fütterungsverbote. Konsequente Maßnahmen bleiben in der Praxis aber meist aus. Die rasante Ausbreitung der Geflügelpest zeigt: Notfallpläne für städtische Taubenbestände sind überfällig. Kommunen müssen Fütterungsverbote konsequent durchsetzen und kontrollieren. Die Gefahr ist real – und sie ist längst in unseren Städten angekommen. Quellen: u.a. FLI, Kommunen, Mediendienste

  • Wieder Bauernproteste vor Weihnachten: Diesmal in Brüssel

    Die EU-Kommission verärgert die Landwirte: Sie peitscht das ungeliebte Mercosur-Freihandelsabkommen durch und greift weiter die Eigenständigkeit der Gemeinsamen Agrarpolitik im nächsten EU-Haushalt an Symbolbild: ChatGPT Wenn die Bauern gegen die EU-Politik auf die Straße gehen, wird es laut. Die Hupen ihrer Schlepper sind dann im gesamten Brüsseler Europaviertel zu hören. Dass die Verbände, auch der Deutsche Bauernverband, die Landwirte jetzt mobilisieren, kann niemanden überraschen. Es gibt zwei Steine des Anstoßes: die Pläne für den nächsten EU-Finanzrahmen sowie Mercosur. Zunächst zu Mercosur: Die Kommission will jetzt das Handelsabkommen Mercosur ratifizieren. Zuvor hatte sie Schutzklauseln für Agrarprodukte konkretisiert. Den Bauernfunktionären reichen sie aber nicht aus. Nun zu den Finanzen: Die Kommission hält eisern daran fest, im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU für die Jahre 2028 bis 2034 (MFR), das ist der Zwei-Billionen-Euro schwere Haushaltsrahmen der Gemeinschaft, der Agrarpolitik erstmals nicht mehr die volle Eigenständigkeit zu gewähren. Vielmehr soll die Agrarpolitik Teil der neuen nationalen und regionalen Pläne (NRP) werden. Das hieße, dass die Finanzen der Agrarpolitik sowie die Architektur der Förderung nicht mehr auf Brüsseler Bühne zwischen den 27 Mitgliedsländern und dem Europaparlament verhandelt würden. Die Europaabgeordneten wären raus. Zwischen den Experten der Kommission und den jeweiligen Regierungen der Mitgliedstaaten würde gesprochen, gerungen und anschließend ein Deal gemacht. Sparprogramm bei den Direktzahlungen für Höfe Unmut herrscht bei den Bauern auch, weil die Kommission bei den Direktzahlungen für die Höfe sparen will. Sie schlägt vor, EU-weit die Flächenprämien bei 100.000 Euro je Betrieb zu deckeln und nach Fläche der einzelnen Höfe zu staffeln. Das hieße, es kämen zugleich eine Kappung sowie eine Degression. Bisher können die Mitgliedstaaten selbst entscheiden. Die Bauern müssen also konkret fürchten, Einkommensunterstützung zu verlieren. Bedenken von Agrarpolitikern aus dem Europäischen Parlament war von der Leyen kürzlich mit drei Konzessionen begegnet. Sie bot an, zehn Prozent der Gelder in den nationalen und regionalen Plänen abzüglich der GAP-Gelder für ländliche Regionen zu reservieren. Das wären 50 Milliarden Euro. Im laufenden MFR sind mit 80 Milliarden Euro aber deutlich mehr Mittel vorgesehen. Zudem versprach sie, Teile der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) eigenständig zu halten, also nicht in den nationalen und regionalen Plänen aufgehen zu lassen. Auch sollen Regionalregierungen, im Fall Deutschlands die Landesregierungen, stärker in die Verhandlungen sowie in die Durchführung der NRPs eingebunden werden. Die Christdemokraten im Europaparlament sind damit zufrieden. Sie zogen die Drohung zurück, dass Parlament könne den MFR-Vorschlag ganz zurückweisen. Das war ein Fehler. Die Kommission kommt mit einigen kosmetischen Änderungen davon, die zudem nur auf dem Papier stehen. Sie kann ihre bedenklichen Pläne weitertreiben. Die Bauern wollen beim regulären Treffen der Staats- und Regierungschefs kurz vor Weihnachten in Brüssel protestieren. Den Unmut bekommt dann auch Kanzler Friedrich Merz zu Ohren. Er ist der richtige Adressat. Er pocht auf das Mercosur-Abkommen. Vor allem aber ist er ein Anhänger der nationalen und regionalen Pläne. Den Kanzler und seinen Finanzminister lockt die Idee, über die nationalen und regionalen Pläne Gelder für die eigene Gestaltung zu bekommen. Merz und Klingbeil dulden keine Störgeräusche. Sie haben Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) angewiesen, nicht gegen die MFR-Pläne der Kommission für die Gemeinsame Agrarpolitik zu protestieren. Bislang hält sich der Landwirtschaftsminister daran. Fragt sich nur, wie lange die deutschen Landwirte ihm das Schweigen durchgehen lassen.

  • Warten auf Wachstum und mehr Wohlstand

    Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem aktuellen Wochenkommentar blicken wir auf die jüngste Beratung des Koalitionsausschusses sowie die aktuelle Debatte über die Wirtschafts-, Sozial- und auch Rentenpolitik der schwarz-roten Koalition. Dabei geht es nicht zuletzt um die Auswirkungen auf den ländlichen Raum. Weitere Themen sind die geplante Reform des Bundesjagdgesetzes mit Blick auf den künftigen Umgang mit Wölfen, die Folgen des Klimawandels auch für den ländlichen Raum – Stichwort sinkendes Grundwasser – sowie sich abzeichnende massive Proteste von Landwirten gegen die künftige EU-Agrarpolitik. Diese Woche hat es für die schwarz-rote Kollektion in sich gehabt. Erst die große Haushaltsdebatte im Bundestag und dann die nächtliche Sitzung des Koalitionsausschusses , die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Können sich die Ergebnisse sehen lassen? Das lässt sich noch nicht abschließend beantworten, weil auch die gestern vom Kanzler verkündete Einigung beim geplanten Rentengesetz die wesentlichen Fragen zur Finanzierbarkeit nur vertagt, aber noch nicht löst. Die grundsätzlichen Bedenken der Jungen in der Unionsfraktion bleiben bestehen, egal ob sie am Ende dem Gesetz noch zähneknirschend zustimmen oder nicht. Für den Kanzler, aber auch die Koalitionsspitzen insgesamt, ist diese mangelnde Geschlossenheit in den eigenen Reihen eine schwere Hypothek. Entscheidend wird sein, dass Deutschland wieder auf einen kräftigen Wachstumspfad kommt. Nur dann sind die großen Staatsaufgaben wie Verteidigung, Soziales sowie Klima- und Umweltschutz dauerhaft zu stemmen. Auch so manche hitzigen Diskussionen im politischen Berlin dürften dann in etwas ruhigere Fahrwasser steuern. Aber leider sieht es danach momentan nicht aus. Der schwarz-roten Koalition ist es immer noch nicht gelungen, mehr Zuversicht oder gar eine generelle Aufbruchstimmung in deutschen Betrieben zu wecken. Im Gegenteil. Die Stimmung in den Chefetagen hat sich laut Ifo-Geschäftsklimaindex wieder eingetrüb t. „Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“ , kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Auf den Verantwortlichen in Berlin lastet damit eine große Verantwortung. Sie nehmen momentan Schulden in kaum vorstellbarer Größenordnung auf, um nicht nur die Landesverteidigung zu sichern, sondern auch die teils marode Infrastruktur zu modernisieren sowie mehr Wachstum zu ermöglichen. Doch was ist, wenn diese Wette auf zukünftige soziale Sicherheit und Wohlstand nicht aufgeht? Dann bleibt vor allem ein gewaltiger Schuldenberg, der den politischen Handlungsspielraum der jüngeren Generation auf Jahrzehnte bedrohlich einzuengen droht … Fortschritte für den ländlichen Raum Bei einigen Themen, die insbesondere den ländlichen Bereich betreffen, kommt die schwarz-rote Koalition jedoch augenscheinlich gut voran. So soll beispielsweise die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückerstattung kommen. Auch wird der Bundeszuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung erhöht, wie unser Autor Frank Polke Anfang der Woche in seinem Beitrag „Bundeshaushalt und ländlicher Raum: Bis in den frühen Morgen“  berichtet hat. Davon profitieren vor allem kleinere Landwirtschaftsbetriebe,  die als Familienunternehmen geführt werden. Auch würden die von der früheren Ampel-Regierung geplanten Kürzungen im Bereich des Ackerbaus und der ökologischen Landwirtschaft zurückgenommen. Für die Zukunft der heimischen Wälder sollen wieder Mittel in Millionenhöhe bereitgestellt werden, um Anpassungen an den Klimawandel wissenschaftlich zu begleiten und die Zukunftsfähigkeit des Waldes zu sichern. Wie wichtig in diesem Zusammenhang nationale Schritte sind, hat das eher enttäuschende Ergebnis der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belem gezeigt. Der internationalen Staatengemeinschaft fällt es offenkundig schwer, sich auf gemeinsame und konkrete Maßnahmen für einen besseren Klimaschutz zu einigen. Dabei wurde das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens bereits 2024 verfehlt. Das hat Konsequenzen für jeden Bürger in Deutschland, aber auch für Industrie, Gewerbe und nicht zuletzt die Landwirtschaft, die sich zunehmend auf neue Umwelt- und Wetterbedingungen einstellen muss – Stichwort fehlendes Grundwasser. Sorge in Bayern wegen zu niedrigem Grundwasser Nur ein aktuelles Beispiel unter vielen für den Ernst der Lage ist der neue Niedrigwasserbericht des bayerischen Landesamts für Umwelt, der kürzlich erschienen ist. Danach erlebte Bayern nur in den Jahren 2015, 1976, 1972 und 1971 noch trockenere Jahre. Nach Angaben der Münchner Staatsregierung zeigten Ende Oktober 2024 ein Drittel der Messstellen des oberflächennahen Grundwassers niedrige oder sehr niedrige Messwerte. Beim Tiefengrundwasser waren es sogar 44 Prozent. Oder wie es Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber sagt: „Unser Wasser ist wegen des Klimawandels einem dauerhaften Stresstest ausgesetzt.“ Zum Spendenformular Zurück nach Berlin. Dort kommt die Bundesregierung bei dem Ziel voran, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und so seine Bejagung zu erleichtern. Der Referentenentwurf zur entsprechenden Änderung des Bundesjagdgesetzes liegt inzwischen vor. Er muss nun noch vom Kabinett gebilligt werden. Dann kann das eigentliche Gesetzgebungsverfahren im Bundestag beginnen, das gewiss noch von vielen Protesten bestimmter Interessenverbände von Arten-, Tier- und Naturschützern begleitet werden dürfte. Doch für Weidetierhalter und viele andere Bewohner des ländlichen Raums dürften die Signale aus Berlin eine gute, lang herbei gewünschte Nachricht sein. Unser Autor Christoph Boll hat sich in der vergangenen Woche mit dieser Thematik inklusive der Reaktion des Deutschen Jagdverbandes (DJV) in unserem Blog ausführlich auseinandergesetzt . Junger Wolf forderte zum Spielen auf Das Thema drängt, nachdem sich Wölfe immer stärker in Deutschland ausgebreitet haben und noch weiter ausbreiten.  Manche der ansonsten scheuen Tiere verlieren sogar den Respekt vor Menschen . So wurde in dieser Woche von einem Fall bei Großhennersdorf in Ostsachsen berichtet , wo sich ein junger Wolf Menschen auf kurze Distanz näherte, Spaziergängern auf weiten Strecken folgte und zum Spiel aufforderte, indem er kleine Sprünge machte oder Gegenstände ins Maul nahm. Ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen sei bislang nicht beobachtet worden, teilte das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mit. Aber dabei muss es natürlich nicht bleiben, wenn Wölfe lernen, dass von Menschen grundsätzlich keine Gefahr ausgeht. Auch deshalb ist es wichtig, dass diese Tiere unter bestimmten Voraussetzungen gejagt werden dürfen, so wie es jetzt die neue Bundesregierung offenkundig plant. Neue Bauernproteste angekündigt Blicken wir zum Schluss nach Brüssel und auf die Haltung der Landwirte zur künftigen EU-Agrarpolitik. Dort ist das Abwarten mittlerweile vorbei. Die Bauernverbände laufen Sturm gegen die Pläne der Kommission, der Gemeinsamen Agrarpolitik die Eigenständigkeit im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2034 zu nehmen. Die Flächenprämien für die Landwirte sollen auch abgeschmolzen und gedeckelt werden. Außerdem peitscht die Kommission die Ratifizierung des Freihandelsabkommens Mercosur mit mehreren Staaten Südamerikas voran. Mercosur wird gerade von den streitlustigen französischen Landwirten rundheraus abgelehnt. Der europäische Bauernverband Copa-Cogeca hat für das Treffen der Staats- und Regierungschefs am 18. Dezember Demonstrationen angekündigt. Tausende von Bauern aus der ganzen EU werden erwartet. Unser Brüsseler Autor Ludwig Hintjens wird darüber kommende Woche in unserem Blog genauer berichten. Auch können Sie in der kommenden Woche einen Beitrag von Christoph Boll zur Trophäenjagd lesen. Unser Autor kommt darin zu dem Ergebnis, dass die manchmal als Knochenausstellung verunglimpften Hegeschauen ihre Berechtigung haben. Die dort gezeigten Trophäen sind kein Ausdruck von Prahlerei, sondern drücken vielmehr Stolz aus und liefern obendrein Aufschluss über die Population, die Wilddichte und die Lebensqualität der Bestände. Freuen Sie sich auf diese nicht nur jagdlich interessante Lektüre … Ich wünsche Ihnen eine gute und in jeder Hinsicht positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination/ Redaktionsleitung

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