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- Gemüseanbau in Gefahr?
Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt zunehmend ein schädigendes Bakterium auf Zuckerrüben, Kartoffeln, Karotten, Rote Beete und andere Pflanzen. Anbauverbände und Wirtschaft sehen die Versorgung mit heimischen Nahrungsmitteln bedroht Foto: Michael F. Schönitzer, Pentastiridius leporinus , CC BY-SA 4.0 Kartoffelknollen sehen aus wie zerdrückte Gummibälle, Karotten sind missgebildet, Rüben enthalten bis zu 40 Prozent weniger Zucker. Die Schilf-Glasflügelzikade, die sich immer weiter nördlich auf Ackerbau- und Gemüseflächen in Deutschland ausbreitet, schädigt inzwischen massiv die Kulturen Parallel zu zahlreichen laufenden Forschungsprojekten reagiert das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat aktuell bereits mit sogenannten Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel. Für einen Zeitraum von 120 Tagen können mehrere regulär zugelassene Produkte in betroffenen Gebieten jetzt auch kontrolliert gegen die Zikade eingesetzt werden. Für drei der Mittel muss ein amtlicher Warndienstaufruf erfolgen. Verwendet werden dürfen sie nur nach einem genau festgelegten Verfahren. Eine Dauerlösung ist dies nicht, sind sich Landwirte und Experten einig. Doch bisher weiß niemand, wie nachhaltig verhindert werden kann, dass Pflanzen nach dem „Besuch“ der Zikade an SBR (Syndrome-Basses-Richesses) oder der von den Folgen ebenso schweren Stolbur erkranken. Begünstigt durch Klimawandel und trockene Sommer Zum ersten Mal festgestellt wurde SBR (Bakterienbefall der Zuckerrübe) 1991 im französischen Burgund. 2007 gab es in Heilbronn den ersten Fall. Seitdem wandert die Schilf-Glasflügelzikade, offenbar begünstigt durch Klimawandel und trockene Sommer, immer weiter nach Norden und überträgt die Krankheit auf regionales Gemüse. Für den Menschen ist der Befall gesundheitlich ungefährlich, doch auf dem Wochenmarkt lässt sich ein so geschädigtes Gemüse kaum absetzen. Das Fatale: Die Zikade sucht sich stets neue Wirte. Das Bakterium wurde in der vergangenen Zeit an immer wieder anderen Gemüsesorten festgestellt. Auch bei einer industriellen Weiterverarbeitung gibt es Probleme. Bei Roter Bete zum Beispiel herrscht nach jüngsten Berichten bereits ein deutlicher Mangel an gesunder Ware. Durch die Krankheit verschlechtert sich der Geschmack, die Lagerfähigkeit wird geringer. Bei der Kartoffel weiß niemand, wie die in Deutschland erzeugten Kartoffeln bei der Herstellung werthaltiger Lebensmittel ersetzt werden könnten. Existenzgefährdungen für Erzeuger und Verarbeiter Dr. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer, sieht viele kleine Erzeuger und Verarbeiter von regionalem Gemüse durch die Schilf-Glasflügelzikade in ihrer Existenz gefährdet. Die Konsequenzen seien bisher kaum überschaubar, da sowohl Zuckerrüben als auch Kartoffeln, Rote Bete und Karotten oftmals in den gleichen Betrieben und auf den gleichen Flächen in der Fruchtfolge wüchsen und oft nur durch Wintergetreide unterbrochen würden. Doch gerade der Weizen dient den Nymphen der Zikade im Boden als Nahrungspflanze. Helfen könnten vegetationsfrei gehaltene Schwarzbrachen. Der lange Flugzeitraum des Insekts, das von Ende Mai bis Anfang September ausschwirrt, erschwert eine Bekämpfung mit Insektiziden. In den Ministerien steht das Thema inzwischen oben auf der Tagesordnung. Auch die Agrarministerkonferenz hat sich schon mit der Zikade befasst. Peter Hauk (CDU), Minister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, hält die wiederholten Notfallzulassungen von Pflanzenschutzmitteln nach EU-Recht für keine gute Lösung. Er plädiert für die reguläre Zulassung der Mittel, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern. Auf viele Wirkstoffe könne man inzwischen leider nicht mehr zurückgreifen. In der gut vernetzten Agrarforschung bemüht man sich länderübergreifend darum, der Rüben- und Kartoffelbranche zu helfen. So arbeiten Wissenschaftler daran, das Ausmaß der Schädigungen genau zu erfassen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln und Sorten zu finden, die weniger anfällig gegenüber den Erregern sind. Die drohenden massiven Ertrags-, Qualitäts- und Lagerverluste sollen verhindert werden.
- Unsere Kolumne zum Wochenende: Erste Hoffnungsschimmer und wütende Proteste
Liebe Leserin, lieber Leser, die Woche vor dem Pfingstfest hinterlässt vielfältige Eindrücke, auf die wir mit Blick auf den ländlichen Raum in diesem Beitrag eingehen. In Wahrnehmungen, aber auch in Zahlen und Daten scheint die Zuversicht der Deutschen wieder zu steigen. Neben der Reise des Kanzlers nach Washington kommt außer der Außen- auch die Innenpolitik auf Touren. Dazu blicken wir unter anderem auf einen ersten Auftritt unseres neuen Landwirtschafts- und Ernährungsministers Alois Rainer. Derweil weiten sich auf Landesebene in Rheinland-Pfalz Proteste zu einer großen Welle aus. Wo früher Grüne demonstrierten, gehen jetzt die Gegner grüner Jagdideologien auf die Straße. Deutschland ist Anfang Juni mit Blick auf Politik und Konjunktur von einem ersten Hoffnungsschimmer geprägt. Die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze sichern und ein dauerhaft höheres Wirtschaftswachstum schaffen sei das vordringliche Ziel der Bundesregierung, sagte Finanzminister Klingbeil bei Vorlage des Kabinettsbeschlusses über den sogenannten Investitions-Booster. Jedenfalls beginnt die neue Regierung, ihre Ankündigungen in formalen Schritten umzusetzen. Merz und Klingbeil wollen bis zur Sommerpause und auch darüber hinaus ihre Füße auf dem Gaspedal halten. Es mehren sich die Stimmen aus der Wirtschaft wie etwa diese: „Langsam ist eine Aufbruchsstimmung zu spüren“ (Gerhard Wiesheu, Vorstandssprecher des Bankhauses Metzler). Was dabei auf den ländlichen Raum entfällt und dort wirksam wird, ist natürlich noch schwer vorher zu sagen. Gleichwohl scheinen sich die Konjunkturprognosen aufzuhellen . Selbst die Baubranche gibt sich für die kommenden Monate wieder optimistisch, wie das Münchner Ifo-Institut feststellte. Die gestiegene Zahl an Baugenehmigungen im ersten Quartal sei ein kleiner Hoffnungsschimmer. Bundesministerin Hubertz (SPD) will schon bald im Parlament vier Änderungen im Baugesetzbuch auf den Weg bringen. Bis 2030 soll es im Planungsverfahren für bestimmte Vorhaben Erleichterungen geben, um das Bauen schneller, günstiger und einfacher werden zu lassen. Ernährung als Thema voller Emotionen Schauen wir dann einmal auf das uns naheliegende Thema Ernährung. Das wird politisch immer wieder auch sehr emotional debattiert. Wenn ein neuer Landwirtschaftsminister bekennender Fleischesser ist und in diesem Fall auch noch den Beruf des Metzgers hat, so steht er natürlich in krassem Gegensatz zu seinem Vorgänger. Der war – ebenso bekennend – Vegetarier. Im Moment verändern sich Tonarten und Umgang nach dem Amtswechsel im Ministerium. Noch bevor Alois Rainer (CSU) als Nachfolger von Cem Özdemir (Grüne) das Agrar- und Ernährungsministerium übernommen hat, gab es scharfe und auch polemische Töne von Organisationen wie BUND und Greenpeace auf erste Äußerungen des neuen Ministers. So wurde ihm bereits vorgehalten, er pflege die „aus der Zeit gefallene Mär von günstigen Fleischpreisen“ . Rainer hat nichts anderes gemacht, als sich bei diesem Thema erst einmal auf eine Preisbildung nach Prinzipien des Marktes – also nach Angebot und Nachfrage – zu beziehen. Seine Worte wie „ Ich bin ein großer Freund der sozialen Marktwirtschaft. Fleischpreise macht nicht der Minister, sondern der Markt“ bringen natürlich die zitierten Umwelt-NGOs auf die Palme. „ Dieser Minister tut der Branche gut“ Wie sich in dieser Zeit die Töne ändern, war letzte Woche beim Außenwirtschaftstag in Berlin zu spüren. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christian von Boetticher, betonte auf der exportorientierten Tagung im Außenministerium, dass es jetzt der Branche einfach guttue, dass Minister Rainer mal vor Publikum sage, dass er gerne Fleisch esse – wie übrigens 88 Prozent der Bevölkerung. Auf der zitierten Veranstaltung vor mehreren hundert Branchenvertretern machte der neue Minister deutlich, dass die neue Regierung entschlossen sei, neue Wege zu gehen. Dazu kündigte er an, die Bürokratie in seinem Ressort Landwirtschaft, Ernährung und Heimat systematisch hinterfragen und abbauen zu wollen. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft gehört zu den exportstärksten Branchen Deutschlands – und zu den verletzlichsten. Lieferkettenkrisen, Zölle, geopolitische Konflikte: Kaum ein Sektor spürt globale Spannungen so unmittelbar, stellt der Verband fest. Rainer versicherte dazu: „Von kleinen Familienbetrieben bis zu den Global Playern – wir stehen hinter Ihnen.“ Auch bei Gegenwind. Mit über vier Millionen Beschäftigten und einem Exportanteil von rund 33 Prozent sei die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft einer der leistungsfähigsten Wirtschaftszweige unseres Landes. Politbarometer: Vertrauen steigt wieder Dass der Politikbetrieb damit erstaunlich ruhig, aber entschlossen nach dem Ampel-Aus in die neue Legislaturperiode gestartet ist, schlägt sich auch in ersten Umfragen nieder, wenn man sich etwa die Ergebnisse des Politbarometers in dieser Woche ansieht. Die Union hatte mit Friedrich Merz die Wahl zwar gewonnen, war mit den bescheidenen Prozenten unter 30 eben nicht als Muskelprotz in die Koalitionsverhandlungen gegangen. Das große Thema ist nun zunächst erst einmal die Außen- und Sicherheitspolitik, bei der in erster Linie der Kanzler und sein Verteidigungsminister Punkte machen. So merkt das Forschungsinstitut Infratest Dimap, das das Politbarometer für die ARD erstellt, in dieser Woche an: „Insgesamt konnte der Kanzler in seinem ersten Monat im neuen Amt stärker als alle anderen Kabinettsmitglieder an Vertrauen unter den Wahlberechtigten zulegen“ . Sein Zufriedenheitswert sei von 25 % im April auf aktuelle 39 % gestiegen. Nur Boris Pistorius ist auch im neuen Kabinett der Einzige, der eine Mehrheit von 61 Prozent der Deutschen hinter sich weiß. Auch die aktuelle Sonntagsfrage wird im Wesentlichen auf außen- und sicherheitspolitische Gründe zurückzuführen sein. Jedenfalls ist die Union mit 29 % bei der Frage, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, wieder knapper unter der 30 %-Marke gelandet. Der Abstand zur AfD (unverändert 23 %) ist jedenfalls damit wieder leicht gewachsen. Das dürfte sich nach dem allen Einschätzungen zufolge gut gegangenen Besuch des Kanzlers in Washington verfestigen. Jedenfalls wird es der AfD nicht gefallen, dass sie im Oval Office kein Thema war. Aufreger der Woche: Ein neuer Räuber auf Sylt Auf Themen, die zu den Aufregern dieser Woche gehören, sind wir mehrfach und in dieser Woche in unserem Blog natur+mensch eingegangen. Da ist zum einen auf Sylt das Inseldrama um den Goldschakal. Jedenfalls beschäftigt dieses Tier neben dem Wolf zunehmend Weidetierhalter und hier natürlich Einheimische und Urlauber. Der Goldschakal, der dort in letzten Tagen fast 100 Lämmer und Schafe gerissen hat, löst unter anderem große Sorgen um die Deichsicherheit aus. So warten nach Schilderung unseres Autors Jürgen Muhl die Insel und das Land darauf, dass der behördlich genehmigten Ausnahmeregelung zur „Entnahme“ schnell Taten folgen. Erschütterung der Grundmauern des Jagdrechts Für den zweiten Aufreger sorgt eine noch verbliebene Ampel-Koalition. Das ist die in Rheinland-Pfalz. Dort werden auf Betreiben von Umweltministerin Katrin Eder durch ein nach unserer Auffassung falsch angelegtes neues Landesjagdgesetz „ Grundmauern des Jagdrechts erschüttert“ . So haben wir jedenfalls die Schlagzeile über den Text unseres Autors Christoph Boll in dieser Woche formuliert. Bevor es am 25. Juni in Mainz am Rheinufer zwischen Kaiserstor und Theodor-Heuss-Brücke zu einer Großkundgebung kommt, protestieren jetzt schon die Jäger im Lande – vielfältig, flächendeckend und mit unzähligen kreativen Aktionen. So an diesem Wochenende in Zell, Bad Dürkheim, Landau, Bitburg, Hachenburg, Koblenz, Bad Sobernheim, Bad Ems und vielen weiteren Orten im Lande. Nach Nordrhein-Westfalen vor gut zehn Jahren und Niedersachsen in diesem Jahr steigt damit die Protestwelle gegen grüne Jagdrechtsveränderungen noch einmal auf bisher nicht bekannte Ausmaße. In dem Gesetzentwurf, der von der Umweltministerin durchs Kabinett und ins Parlament gebracht wurde, sollen bisher bewährte Strukturen und Regeln für Wild, Wald und Jagd drastisch verändert – man kann auch sagen „auf den Kopf gestellt werden “. Unter anderem geht es um massive Einschränkungen für Pächter und Jagdgenossenschaften. Die Wildschadenhaftung soll drastisch ausgeweitet werden. Und die Jägerinnen und Jäger haben für sie unerträglich hohe behördliche Abschusspläne zu erwarten. Der Jagddruck insbesondere auf Reh- und Rotwild soll mit Zwangsmaßnahmen erhöht werden. Das Prinzip „Wald und Wild“ , für das wir stehen, soll damit praktisch außer Kraft gesetzt werden. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, bei dem es darum geht, dem Wild seine Chancen zu belassen . Zu dem im zitierten Gesetzentwurf angestrebten erhöhten Jagddruck gehört auch ein technischer Aspekt. Der Einsatz von Nachtsichttechnik gehört längst zum jagdlichen Alltag, ist aber zum Beispiel mit dem Einsatz vom Wärmebildvorsatzgeräten auf der Jagdwaffe umstritten. Wir haben in einem Beitrag in unserem Blog kürzlich gegenseitige Positionen aufgeführt. In Hessen wurde kürzlich eine Bundesratsinitiative zur weiteren Ausweitung der Nachtzieltechnik auf dem Weg gebracht. Dazu haben sich jetzt das „Forum Lebendige Jagdkultur“ und der „Steinfelder Kreis“ kritisch gemeldet. Das sei in Wahrheit ein weiterer Schritt in Richtung einer rein technischen Jagdausübung, die mit waidgerechter Hege wenig zu tun habe. Das Wild werde zunehmend zur Zielscheibe in einem künstlich beleuchteten Raum, der natürliche Rhythmen ignoriere. Das Argument, mit dieser Technik Wildschäden zu reduzieren, sei ein technokratischer Fehlschluss: Denn die Nachtjagd mit Hochleistungsoptik erzeuge Stress, Unruhe und Bewegungsdruck. Die Initiatoren rufen zu einem Einsatz für eine Jagd auf, die sich nicht selbst abschaffe. Und: Man wehre sich gegen den Forst als Befehlshaber. Damit schließt sich der Kreis von Argumenten, die wir schon zum Thema Wald und Wild im Zusammenhang der Gesetzespläne für Rheinland-Pfalz zitiert haben. Bleibt die Erkenntnis nach dieser Wochenbetrachtung: Zum Thema Jagd gibt es vielfältige Positionen. Sie setzen allerdings eins nicht außer Kraft: Die Konfliktlinie verläuft nicht zwischen Natur und Jägern. Sie verläuft zwischen Naturferne und Naturnähe. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Pfingstfest, vielleicht auch voller schöner Naturerlebnisse mit vielfältigen Eindrücken Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination
- Das Insel-Drama um den Goldschakal
Fast 100 Lämmer und Schafe getötet – Behörden haben die Abschussgenehmigung eingeleitet Symbolbild: Вых Пыхманн , Golden jackal , CC BY-SA 3.0 Die große Mehrheit der Sylt-Besucher und auch der einheimischen Insel-Bevölkerung würde den Begriff des Goldschakals wohl eher für einen Anlagetipp an den Börsen halten, als ihn in der Tierwelt zu suchen. Bis vor kurzem. Seit mehreren Wochen treibt das Raubtier, äußerlich von der Größe her zwischen Wolf und Fuchs, sein Unwesen auf den Weideflächen der Ferieninsel. Der inzwischen nachgewiesene Goldschakal hat auf der Insel über 70 Lämmer und Schafe gerissen. Zunächst in der Keitumer Heide unweit des Hindenburgdamms, auf dem in dieser Zeit täglich tausende Urlauber per Autozug an- oder abreisen. Vor wenigen Tagen hat sich das kaum bekannte und auf Sylt nachgewiesene Raubtier Tier auf den Weg an die Nordspitze gemacht und in der Nähe von List an die weitere 20 Lämmer und Schafe getötet. Jetzt sollen die Beutezüge ein Ende haben: Das schleswig-holsteinische Umweltministerium und das Landesamt für Umwelt (LfU) haben eine Abschussgenehmigung für das eigentlich geschützte Tier eingeleitet. Nach Angaben des Landesjagdverbandes kann eine solche Abschussgenehmigung erst nach Anhörung der anerkannten Naturschutzverbände erteilt werden. Sie wurden vor drei Tagen durch das Ministerium informiert und zur schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Auch mit dem Fuchs zu verwechseln Nicht nur die Jäger, davon gibt es um die zehn auf der Insel, begeben sich hauptsächlich in der Nacht auf die Suche. Wie jetzt bekannt wurde, unterbrechen seit Tagen Einheimische und Touristen ihre Nachtruhe, um das Wildtier zu sichten. Goldschakale gelten als scheu und meiden Menschen. Es gibt Videoaufnahmen vom 20. Mai, die einen Schakal in der Nähe von Keitum dokumentieren. Ein Hauseigentümer aus Wenningstedt meldete sich derweil mit einem Foto aus seinem Garten. Überprüfungen des Bildes haben jedoch ergeben, dass es sich in diesem Fall um einen Fuchs gehandelt hat. Alle Jagdausübungsberechtigten auf Sylt, so heißt es in der Abschussgenehmigung, die das Tier sichten, dürfen es töten. Von dieser sogenannten Allgemeinverfügung erhoffe man sich, dass sich die „Anzahl derer erhöhen wird“, die sich an der Suche nach dem Goldschakal beteiligen. Der Landesjagdverband hat darauf verwiesen, dass die Jägerschaft auf der Insel zur „Entnahme“ – wie der Abschuss in der Amtssprache heißt – bereit sei. Aus der Begründung der Ausnahmeregelung des LfU geht hervor, es sei auch in Zukunft damit zu rechnen, dass „das Tier dieses Verhalten weiterhin zeige und entsprechende Schäden in den Schafbeständen der betroffenen Region anrichten wird“. Angesichts der auf Sylt für Goldschakale günstigen Lebensraum-Ausstattung könne nicht davon ausgegangen werden, dass „das Tier die Insel wieder verlässt“. Goldschakale sind seit 2017 in Schleswig-Holstein unterwegs Nach einer Schadensprognose drohen Sylt „erhebliche wirtschaftliche Schäden“. Nach Angaben des Sylter CDU-Landtagsabgeordneten und stellvertretenden nordfriesischen Kreisjägermeisters Manfred Uekermann werden sich Jäger jetzt nachts auf die Suche begeben, um den dämmerungs- und nachtaktiven Goldschakal „ins Gesicht zu bekommen“. Am ehesten erfolgversprechend sei dies in der Nähe von Schafherden, wo der Goldschakal erneut auf Beutefang gehe. Nach einer Veröffentlichung des Landesjagdverbandes im Norden stammen Goldschakale ursprünglich aus Süd- und Südosteuropa. Sie haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend nach Mitteleuropa ausgebreitet. Ursachen hierfür sind unter anderem klimatische Veränderungen und Veränderungen der Kulturlandschaft. In Schleswig-Holstein wurde der erste Nachweis 2017 im Kreis Dithmarschen dokumentiert. Mit den aktuellen Vorfällen auf Sylt steigt die Zahl der bestätigten Nachweise im Land auf zehn. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein fordert bereits seit Jahren, den Goldschakal in das Jagdrecht aufzunehmen – zuletzt in seiner Stellungnahme aus dem Jahr 2023. Die aktuelle Entwicklung bestätigt die Prognose des Verbands: Die Ausbreitung des Goldschakals in Europa verlaufe dynamisch und führe zunehmend zu Konflikten zwischen Mensch und Tier.
- Grundmauern des Jagdrechts werden erschüttert
In Rheinland-Pfalz spitzt sich die Diskussion um ein neues Landesjagdgesetz zu. Sie ist symptomatisch für den Konflikt zwischen ideologiegetriebener Politik und wissensbasierter Revierpraxis Foto: analogicus Bundesweit finden gegenwärtig die Landesjägertage statt. Während die meisten Bundesländer sich jagdpolitisch derzeit in ruhigem Fahrwasser befinden, brodelt es in Rheinland-Pfalz gewaltig. Wie oft, wenn die Grünen an einer Landesregierung beteiligt sind, soll ans Landesjagdgesetz Hand angelegt werden. Und zwar nicht ein wenig, sondern grundlegend. Inzwischen hat der Landesjagdverband (LJV) unter dem Motto „Jetzt geht´s um alles“ zur Demonstration am 25. Juni in der Landeshauptstadt Mainz aufgerufen. Dezentral gibt es vorab und laufend eine Reihe von Protestveranstaltungen in den Regionen auf Kreisebene. Der Streit um die von der grünen Umweltministerin Katrin Eder inszenierte Novellierung dauert schon fast zwei Jahre. Begründet wurde die Änderung mit der Notwendigkeit, die Jagd stärker auf die in Folge des Klimawandels nötige Walderneuerung auszurichten. Mit Beginn des neuen Jagdjahres sollte sie zum 1. April 2025 in Kraft treten. Inzwischen ist das Datum um zwei Jahre verschoben. Denn bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne machten im Oktober 2023 rund 600 Jäger ihrem Unmut Luft. Der LJV lehnt den Gesetzentwurf ab und forderte, er müsse „in die Tonne“. Der Verband hielt der Ministerin eine Fülle von handwerklichen Fehlern mit unabsehbaren Folgen für das Wild, das Jagdwesen und die Grundstückseigentümer vor. Er stützte sich dabei auf Juristen und Fachleute. „ Zündeln am Reviersystem“ Besonders empörte die Jäger die Absicht, den Grundeigentümern im neuen Gesetz das Recht einzuräumen, im von ihnen verpachteten Revier mit jagen zu können, um die Bäume zu schützen. Ein solcher Schritt, hinter dem die Hoffnung auf höhere Abschusszahlen steckt, würde die Grundmauern des bisherigen Jagdrechts erschüttern. Der renommierte Staatsrechtler Prof. Dr. Johannes Dietlein spricht von einem „Zündeln am Reviersystem“. Wer auf mehr Strecke durch kleinteilige Jagdausübung setze, könne nicht mehr die „Rest“-Flächen zum Genossenschaftsprinzip verpflichten. Es käme zu einem Flickenteppich sowie letztlich zum Ende der bewährten jagdrechtlichen Ordnung und einer wildbiologisch angepassten Jagd, so der Wissenschaftler. Eder zeigte sich ob der Schelte zwar gesprächsbereit, betonte aber auch, dass sie von ihrem Vorhaben nicht ablassen werde. Und in Richtung LJV ergänzte sie: „Es wird nicht so sein, dass wir nur auf die lautesten Kritiker eingehen.“ Hintergrund des Starrsinns kann auch sein, dass die Zeit für die Grünen-Politikerin drängt. Denn am 22. März nächsten Jahres ist die nächste Landtagswahl. Und angesichts des derzeitigen Abwärtstrends für ihre Partei und die SPD ist fraglich, ob sich nach dem Urnengang noch eine Mehrheit für ein neues Landesjagdgesetz findet. Verhärtete Fronten Die Fronten blieben deshalb auch verhärtet, als die Ministerin geänderte Gesetzentwürfe vorlegte. Denn beharrlich propagiert sie weiterhin, die geplante Gesetzesnovelle schütze Wald und Wild. Tatsache aber ist, dass die Jäger zahlreiche Kröten schlucken sollen: Da werden Stellungnahmen der Forstämter maßgeblich über Abschusspläne entscheiden und Jagdgenossen, Pächter, Untere Jagdbehörden und Kreisjagdmeister im Kern außen vor sein. Hegegemeinschaften für Dam- und Muffelwild werden aufgelöst, die „Müller-Ente“ zur Hundeausbildung und Totschlagfallen verboten. Zur Baujagd ist für Hund und Frettchen der Nachweis gesonderter Fachkenntnisse erforderlich. In einem offenen Brief an Eder hat Volker Wengenroth, zweiter Vorsitzender des Vereins „Wald MIT Wild Deutschland“ e.V., „mit großer Sorge und deutlicher Kritik“ angemahnt, dass der vorgesehene verstärkte Abschuss von wiederkäuendem Schalenwild wie Reh- und Rotwild „weder tierschutzgerecht noch ökologisch zielführend“ sei. Er appelliert, „bei der Gesetzgebung eine ganzheitliche Perspektive einzunehmen – weg von reiner Nutzorientierung, hin zu einem ökologisch ausgewogenen Wildtier-Management unter Einbeziehung erfahrener Fachleute aus Jagd, Naturschutz und Forst“. Doch gegen die pauschale Behauptung, es gehe beim Gesetzesvorhaben um einen Beitrag zum Klimaschutz, ist schwer zu argumentieren. Das hat Ralf Schmidt, stellvertretender LJV-Landesobmann Natur-, Umwelt und Landschaftsschutz, in einem Rundschreiben verdeutlicht. Die Jäger „müssen die sehr komplexen Zusammenhänge von Jagd, Wildbiologie, Landwirtschaft, Waldbau erklären, Folgenabschätzungen vermitteln und ganz nebenbei unsere (natürlich vorhandenen) Eigeninteressen bekunden. Das weckt den Argwohn und keiner will sich wirklich in diese Komplexität einarbeiten.“ Komplexität ist schwer zu vermitteln Hinzu komme die Unterstützung der Naturschutzverbände, die mit dem Zeitgeist und dem Geldstrom schwimmen, so Schmidt mit Hinweis aus Zuwendungen aus Steuergeldern. „Noch vor wenigen Jahren stellten sich BUND oder NABU gegen die Jagd und forderten deren Abschaffung. Heute können es nicht genug Pflanzenfresser sein, die wir jährlich erlegen.“ Da haben es Naturschutz und Ökologie schwer, sich gegen Nutzerinteressen und Ökonomie durchzusetzen, so die Schlussfolgerung. LJV-Präsident Dieter Mahr bezeichnet die Eder-Pläne als „Riesenfehler“ und hat unverminderten Widerstand angekündigt. Am 25. Juni werden die Jäger in Mainz demonstrieren. Sie sammeln sich ab 9 Uhr am Rheinufer zwischen Kaisertor und Theodor-Heuss-Brücke. Im Protestmarsch geht es ab 11 Uhr zum Ernst-Ludwig-Platz, wo um 13 Uhr die Kundgebung beginnt. Der Verband prüft zudem die Möglichkeiten einer Verfassungsbeschwerde oder eines Volksbegehrens.
- „Wir brauchen Regen, viel Regen“
In den letzten Tagen hat es örtlich – auch mit Unwetterereignissen – geregnet. Insgesamt aber viel zu wenig. Und dabei hat der Sommer noch gar nicht richtig begonnen. Die nächsten Wochen verheißen ebenfalls nichts Gutes Foto: Verena N. / pixelio.de Eigentlich braucht niemand die Statistik oder die offiziellen Berechnungen – ein Blick aus dem Fenster oder ein Spaziergang durch den Wald genügt. In Deutschland hat es in den vergangenen drei Monaten viel zu wenig geregnet. Bundesweit trocknen Felder und Äcker aus, sind die Pegelstände der Flüsse fast allerorten so niedrig, dass die Schifffahrt eingeschränkt wird. Und natürlich leiden die Wälder und Forstregionen erneut unter einer Trockenheit, die neben Schäden an Bäumen, Pflanzen und Tieren auch ein erhebliches wirtschaftliches Problem für die heimische Forstwirtschaft darstellt. Hatte sich die Branche doch gerade von den Dürrejahren 2018 und 2023 ein wenig erholt. Doch – wir schreiben Anfang Juni – schon wieder droht erneut ein fast beispielloser Sommer mit viel zu wenig Niederschlag. Historisch wenig Niederschlag Der Deutsche Wetterdienst meldete vor einer Woche, dass es seit dem Jahre 1881 in Deutschland nur zweimal zwischen Anfang März und Ende Mai weniger regnete als 2025: in den Jahren 1893 und 2011. Im derzeit zu Ende gehenden Frühjahr fielen bundesweit nur rund 96 Liter Regen pro Quadratmeter. Der DWD ordnet dies als extreme Trockenheit ein. Im Jahr 1893 waren demnach 85,3 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden, 2011 waren es 89,5 Liter. Dabei gibt es – naturgemäß – erhebliche Unterschiede. Das bayerische Alpenvorland sowie die Region im südlichen Baden-Württemberg verzeichneten örtlich Regenmengen von knapp 300 Litern, bezogen auf den Quadratmeter. Das genügt dort der Land- und der Forstwirtschaft. Ein ganz anderes Bild dagegen in Teilen Nordrhein-Westfalens und vor allem im Nordosten Deutschlands. „Besonders markant fiel das Niederschlagsdefizit im Nordosten aus, wo vielerorts nur um 40 Liter pro Quadratmeter registriert wurden“, teilt der DWD in seiner Bilanz nüchtern mit. In den Regionen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Teilen Sachsens hatten bereits die letzten Dürresommer für erhebliche Probleme gesorgt. Trockene Böden setzen den Bäumen zu, Mais und Zuckerrüben wachsen fast gar nicht mehr, Waldbrände entstehen. Auch andere landwirtschaftliche Betriebe wie Obst- oder Weinbauern leiden darunter, dass die Böden schon Ende Mai ausgetrocknet sind. Die Erträge sinken, viele Betriebe müssen aufgeben. Auch die Waldbrandgefahr ist in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg schon sehr hoch. Und genau dort lauert noch eine weitere Gefahr in den ausgedürrten Wäldern, Äckern oder Feldern: Auch 80 Jahre nach Kriegsende befinden sich Hunderte Bomben und Munition im Boden – Erbe der schweren Kämpfe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee in dieser Gegend. Auch die NVA und die abgezogenen russischen Truppen haben die Region zwischen Oder und Berlin gern als Truppenübungsplatz genutzt. Entsorgt wurde kaum. Die zurückgelassene Munition erweist sich jetzt vielerorts als tickende Zeitbombe im wahren Sinne des Wortes. Kein Wasser aus der Ems Niedrige Flusspegel und eine gefährliche Wasserknappheit gibt es auch in anderen Regionen. So erließ die Bezirksregierung Münster für zwei Kreise ein Verbot der Wasserentnahme aus der Ems. Begründung: Im mehrjährigen Mittel liegt der Pegel der Ems bei 180 Zentimetern – Mitte der Woche habe er aber nur etwa 118 Zentimeter betragen, davor zum Teil sogar nur 77. „Die Niederschläge der vergangenen Tage können nur für ein kurzfristiges Ansteigen der Pegel sorgen. Wir können aber absehen, dass das nicht ausreichen wird“, so die Sprecherin der Bezirksregierung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Betroffen sind die Kreise Steinfurt und Warendorf – zwei traditionell ländlich geprägte Regionen. Die von der Bezirksregierung Münster erlassene Verfügung betrifft dort jegliche Entnahme von Wasser mittels mechanischer oder elektrischer Pump- und Saugvorrichtungen oder fahrbarer Behältnisse. So will die Behörde Tiere und Pflanzen vor allem in der Vegetationsphase schützen. Ob bald andere Kreise und Städte nicht nur in Nordrhein-Westfalen ähnliche Verbote verhängen müssen, dürfte auch vom Wetter abhängen. Auch die Schmetterlinge leiden Die extreme Trockenheit in diesem Frühjahr macht auch den Schmetterlingen zu schaffen. Sie bräuchten gerade jetzt Feuchtigkeit zum Schlüpfen, sonst dehydrierten sie, erklärte ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums. Schon in den vergangenen Jahren seien die Bestände erheblich zurückgegangen. „Dieses Jahr ist es aber besonders schlimm. Wir brauchen Regen, viel Regen.“
- Zwischen Aufbruch und Widerstand
Koalition bringt erste Gesetze auf den Weg und in Rheinland-Pfalz ist das Reviersystem in Gefahr Liebe Leserin, lieber Leser, in Berlin setzt die neue Regierung Merz erste Duftmarken mit dem Anspruch als Arbeitskoalition. Zu den ersten Maßnahmen, die auf den Weg gebracht werden, gehören Entlastungsbeschlüsse für die Landwirtschaft. Und der Wolf wird mit dem Ziel eines kontrollierten Umgangs ins Bundesjagdgesetz aufgenommen. Anderswo beschäftigen sich Jägerinnen und Jäger sorgenvoll mit ihrer Zukunft. Gegen den Entwurf eines Landesjagdgesetzes, das auf Initiative einer grünen Ministerin auf den Weg gebracht wurde, erhebt sich in Rheinland-Pfalz massiver politischer und gesellschaftlicher Widerstand. Dass Jäger Naturschützer sind, beweist gleichzeitig in NRW eine Initiative auf Kreisebene, auf die wir in dieser Wochenkolumne eingehen. Und dann noch eine Information in eigener Sache: Unsere Blog- und Newsletter beiträge übersteigen im Mai die Grenze von 200.000 monatlichen Nutzern bzw. Lesern. Für uns eine Rekordmarke als weiterer Ansporn! Am Abend vor Himmelfahrt ging der Koalitionsausschuss für die Innenpolitik in die Startlöcher. Bisher hatte Friedrich Merz zusammen mit dem Außen- und dem Verteidigungsminister eher nach Brüssel, Moskau und Washington Zeichen gesetzt. Jetzt folgt der erste Schritt zu dem, was der Kanzler vor zwei Wochen im Parlament angekündigt hat: „ Ich möchte, dass Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, schon im Sommer spüren, hier verändert sich langsam was zum Besseren.“ Söder übersetzte das erst einmal in der Pressekonferenz der Parteivorsitzenden nach dem Koalitionsausschusses in seine Sprache: „Tempo, Tempo, Tempo.“ Tatsächlich schien es am Mittwoch konstruktiv und produktiv zugegangen zu sein. Mancher Beobachter fügte noch an: „Ja gar harmonisch.“ Das wäre ja ein gutes Zeichen zu Beginn der Legislaturperiode. Viele wollen, dass sich sofort was ändert. Machen wir uns nichts vor: Dem Startschuss folgen erst einmal im Detail komplette Gesetzesverfahren bis zur Umsetzung. Das geht dann aus dem Kabinett alles weiter über die Ausschüsse des Bundestages, dann ins Plenum und schließlich in den zustimmungspflichtigen Teilen durch den Bundesrat. In der Wirtschaft soll ein „Investitionsbooster“ mit ersten Maßnahmen aus dem Sondervermögen folgen. Dazu enthält unter anderem das „Sofortprogramm“ ein großes „Rentenpaket“ , eine Erhöhung der Pendlerpauschale, die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie, Korrekturen in der Migrationsgesetzgebung mit Abschaffung der „Turbo-Einbürgerung“ und bestehender Familiennachzugsregelung. Weiter gehören mit Blick auf den ländlichen Raum zum Paket in Stichworten: Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz, Wiedereinführung der Agrardieselvergütung, Abbau „übermäßiger bürokratischer Pflichten in der Landwirtschaft“, Anpassung der Regeln für Saisonarbeitskräfte und Erleichterungen beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. Landesjagdgesetze: Jetzt brodelt es in Rheinland-Pfalz Wechseln wir weiter aktuell auf die Länderebene: Überall im Lande finden gegenwärtig die Landesjägertage statt. Während die meisten Bundesländer sich jagdpolitisch derzeit (teilweise wieder) in eher ruhigem Fahrwasser befinden, brodelt es nach Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern aktuell gerade in Rheinland-Pfalz gewaltig . Wie oft, wenn die Grünen an einer Landesregierung beteiligt sind, soll ans Landesjagdgesetz Hand angelegt werden. Und zwar nicht ein wenig, sondern grundlegend. Für den renommierten Staatsrechtler Prof. Dr. Johannes Dietlein sind mit dem ersten Gesetzentwurf veröffentlichte Überlegungen, Grundeigentümern auf deren Land ein Jagdausübungsrecht unabhängig von der Größe der Fläche einzuräumen, ein „Zündeln am Reviersystem“. Unser Autor Christoph Boll wird in einem Beitrag für unseren Blog in der kommenden Woche auf die hitzige Diskussion eingehen und erläutern, warum der Landesjagdverband für den 25. Juni unter dem Motto „Jetzt geht´s um alles“ zu einer Demonstration in der Landeshauptstadt Mainz aufgerufen hat. Vorher gibt es noch in einer dezentral angelegten Aktionswoche einzelne Demonstrationsveranstaltungen aus der Jägerschaft in kreativen Formen. So etwa Pfingstsonntag mit einem Protestmarsch der Kreisgruppe Bad Kreuznach auf dem Barfußpfad Bad Sobernheim mit der angekündigten klaren Botschaft „Das neue Jagdgesetz gefährdet unsere Jagdkultur, die Artenvielfalt und den ländlichen Raum.“ Preiskämpfe führen zu mehr Gemüse- und Obstimporten Bleiben wir beim ländlichen Raum, der immer wieder durch einzelne Maßnahmen insgesamt zunehmend unter Druck gerät. So ist das schon alarmierend: Die beiden führenden Lebensmittel-Discounter haben in der letzten Woche spektakulär ihren Kampf um Marktanteile in Deutschland über nacheinander angekündigte großflächige Preissenkungen in die Werbung gebracht. Das wird zwangsläufig im vorgelagerten Raum der Erzeugung auf den Feldern, in Gewächshäusern, Ställen und auf den Agrar- und Obstflächen mutmaßlich schwere Folgen haben. Für Hubertus Beringmeier, den Verbandspräsidenten der westfälischen Bauern, kommen die beabsichtigten Preissenkungen zur Unzeit und senden falsche Signale an die Verbraucher. Er erinnert daran, dass die Produktion von hochwertigen, regional und nachhaltig erzeugten Lebensmittel unter den Gesichtspunkten wie Tierwohl, Nachhaltigkeit und Umwelt-, Natur- und Klimaschutz ihren Preis habe. Dem massiven Preisdruck könnten die Erzeuger langfristig nicht standhalten. In dieselbe Richtung stößt der neue Generalsekretär des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, Michael Müller-Ruchholtz. Er warnt zusammen mit seinem Vorgänger Stephan Gersteuer davor, dass durch diese Entwicklung unsere Abhängigkeit von Lebensmittelimporten steigt . Als Grund führen die beiden in einem Gespräch mit den Zeitungen der Verlagsgruppe SHZ in Flensburg die immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft an. So erschwere eine überbordende Bürokratie ebenso wie Anpassungen an den Klimawandel bei uns die regionale Agrarproduktion. Der im Koalitionsvertrag formulierte Wunsch nach einer Steigerung des regionalen Anbaus sei unrealistisch, sagte Müller-Ruchholtz der Zeitungsgruppe. Er fügte an: „Wenn die spanischen Erdbeeren zu einem Bruchteil des Preises der deutschen angeboten werden, scheitert der Wunsch nach mehr Regionalität spätestens an der Ladenkasse.“ Die befürchteten Probleme macht der Generalsekretär des Bauernverbandes unter anderem auch an der Absicht fest, den Mindestlohn auf 15 Euro anzuheben. Spanische Obstbauern zahlten dagegen die dort geltenden Mindestsätze von 8,37 Euro. Das ist eine europäische Schieflage! Dies lenkt auf eigene Wahrnehmungen in meinem unmittelbaren Umfeld hin: Dort haben drei Betriebe für Spargel und Erdbeeren nach jahrzehntelanger Hofladen-Tradition diese Produktion und die eigene Vermarktung eingestellt. Der Blick in die Gemüseregale bestätigt: Da kommt viel aus Spanien, Holland, Marokko oder anderswo. Irgendwie muss das alles zusammenhängen und zu Ungleichgewichten oder nicht erwünschten Entwicklungen im ländlichen Raum führen. Freude an der Natur durch persönliches Erleben Ein großes Anliegen unserer Stiftung ist es, Freude an der Natur durch persönliches Erleben zu wecken. Das geht auch in großstädtischen Bereichen, wie die Schule Natur im Grugapark Essen belegt. Sie feiert gerade ihr 30-jähriges Bestehen. Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen gratulierte: „Die Schule Natur ist ein wunderbarer Ort, an dem Kinder und Jugendliche die Natur entdecken und gleichzeitig viel über den Umweltschutz lernen können. Ob als außerschulischer Lernort für Kitagruppen und Schulklassen oder für den privaten Rahmen mit Fachführungen, Kindergeburtstagen, Ferienprogrammen – für alle ist etwas dabei!" , Auf Initiativen dieser Art weist unsere Stiftung natur+mensch gerne hin. Zu ähnlichen Aktionen gehört auch eine Initiative wie die der Kreisjägerschaft Unna. Sie hat mit einer Crowdfunding-Aktion ein großes Naturschutzprojekt „Unsere Natur“ gestartet. Darüber berichtet in ihrer neuesten Ausgabe die Verbandszeitschrift „Rheinisch-Westfälischer Jäger“ . Das Projekt verbindet Naturschutz mit landwirtschaftlicher Praxis und jagdlichem Sachverstand. Es geht um praktische Maßnahmen gegen den Rückgang typischer Offenlandarten wie Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche, Goldammer, Wiesenschafstelze sowie Niederwildarten wie Fasan und Feldhase. Zentraler Bestandteil des Projekts ist die individuelle und kostenfreie Beratung teilnehmender Landwirte durch die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft . Finanziert wird die Aktion durch viele Einzelspenden, die die Volksbank Unna jeweils bis zu zehn Euro aufstockt. Johannes Laurenz, der Vorsitzende der KJS Unna: „Naturschutz ist mehr als Bäume pflanzen.“ Wir werden demnächst in unserem Blog auf dieses beispielhafte Projekt für den Natur- und Artenschutz eingehen. Auch wir wollen als Stiftung mit unserer Arbeit und Projekten einer fortschreitenden Naturentfremdung der Menschen entgegenwirken. So geht es uns unter anderem darum, natürliche Lebensräume erlebbar zu machen – und zwar ausdrücklich auch durch die Förderung von Bildung und Erziehung. Interessierten Gruppen wird von unserer Stiftung natur+mensch mit diesem Ziel ein Lernort-Natur-Rucksack als naturpädagogische Grundausstattung für den Einsatz in Schulen und Kitas angeboten. So haben zum Beispiel aktuell eine Reihe von Rotary-Clubs in Deutschland das Projekt aufgegriffen und als Partner den Themenrucksack hauptsächlich Grundschulen übergeben. Über 200.000 Nutzer besuchen und lesen natur+mensch in diesem Monat Unsere Initiativen und Projekte begleiten wir mit unserer Öffentlichkeitsarbeit, zu der neben dem Blog dieser Newsletter und die Informationen mit laufend neuen Artikeln und Posts gehören. Die professionellen Beiträge, die Themen wie Natur, Jagd und den ländlichen Raum vernetzt aufgreifen, sowie alle Projekte von natur+mensch werden durch Spenden finanziert. Dass sich das lohnt, belegen unsere aktuellen Reichweiten. In diesem Monat erreichen wir über die E-Mail-Zustellung, die Verbreitung der Artikel über die Onlineseiten und über die verschiedenen Social-Media-Netze erstmals über 200.000 Nutzer. Bis zum letzten Sonntag waren es so schon genau 195.599. Mit allen Aktiven und der Redaktion natur+mensch spüren wir, dass sich die Arbeit lohnt. Wir freuen uns über jede Unterstützung, damit wir noch mehr erreichen können. Und zum Schluss ein Blick nach vorn: In weniger als 250 Tagen startet die JAGD & HUND 2026 in Dortmund – Europas größte Jagdmesse! „Die Planungen laufen auf Hochtouren, renommierte Aussteller haben sich bereits angekündigt, und das Rahmenprogramm verspricht spannende Highlights für Jäger, Sportschützen, Hundefreunde und Naturbegeisterte,“ schreiben die Initiatoren. So können wir allen Gründen zu Protesten auch mit Vorfreude auf unsere Naturerlebnisse mit Blick in den Kalender des nächsten Jahres ins Wochenende gehen. In diesem Sinne verbleibe ich mit herzlichen Grüßen und Waidmannsheil Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination
- Insekten als Tierfutter?
Die Züchtung von Insektenlarven kann eine Chance für landwirtschaftliche Betriebe sein Foto: Wikipedia Die Schwarze Soldatenfliege, lateinisch Hermetia illucens, ist zwischen 14 und 17 Millimeter breit. Sie liebt es warm und feucht und ist fruchtbar und anspruchslos. Landwirtschaftliche Betriebe können die Fliegen ohne besondere Auflagen züchten, abgesehen von der Regelung der Futtermittel, die Küchenabfälle sowie chemische und medizinische Abfälle verbietet. Die Larven ernähren sich von Gemüse- und Obstresten, Reststoffen aus der Lebensmittel- und Getränkeproduktion, Getreideschrot sowie Kaffee- und Brauereiabfällen. Experten behaupten, dass die Insekten im Vergleich zu herkömmlichen Nutztieren viel weniger Wasser, Fläche und Energie benötigen, um die gleiche Menge an Proteinen zu erzeugen. Ihr ökologischer Fußabdruck sei im Vergleich zu anderen Tieren gering. Die Verordnung EU-VO 2017/893 erlaubt seit acht Jahren die Futternutzung der Larven der Schwarzen Soldatenfliege unter kontrollierten Bedingungen. Da Eiweißfuttermittel teurer werden, rücken die hochwertigen Insektenproteine in den Fokus der Wissenschaft und der Tierhalter – zum Beispiel zur Fütterung an Schweine. Ein Ersatz für das Futtermittel Soja Bisher ist Soja ein begehrtes Futtermittel und mehr als zwei Drittel der globalen Erzeugung stammen aus dem Vereinigten Staaten und aus Brasilien, wo für den Anbau Regenwald gerodet wird, was schädlich für das Klima ist. Noch kostet Soja auf dem Weltmarkt weniger als Insektenmehl. Aber in Deutschland gibt es bereits einige Start-ups, die auf die Larven der Schwarzen Soldatenfliege setzen. Dirk Wessendorf in Ahaus im Westmünsterland züchtet die Larven der Schwarzen Soldatenfliege und hat sein Unternehmen nach dem lateinischen Namen des Insekts Illucens getauft. Nach seinen Angaben produziert er in seiner vollautomatisierten Aufzuchtstation etwa 3000 Tonnen lebende Tiere im Jahr, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte. 900 Gäste aus 26 Nationen interessieren sich für die Larvenmast Ein weiteres Unternehmen, das auf die Schwarze Soldatenfliege setzt, leitet Clemens gr. Macke aus der Ortschaft Addrup im Landkreis Cloppenburg. Der Landwirtschaftsmeister saß von 2003 bis 2017 als CDU-Landtagsabgeordneter im niedersächsischen Parlament – jetzt mästet er tonnenweise Insektenlarven. Mit selbstgebauten Aufzuchtkästen und einem Heizlüfter aus dem Baumarkt fing es an. Inzwischen ist das Interesse so groß, dass der Landwirt und ehemalige Agrarpolitiker sogar ein kleines Besucherzentrum eingerichtet hat. Mehr als 900 Gäste aus 26 Nationen kamen im vergangenen Jahr, erklärt gr. Macke, darunter Landwirte, Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) aus dem benachbarten Quakenbrück im Landkreis Osnabrück hat der 65-Jährige vor einigen Jahren angefangen, die Aufzucht der Schwarzen Soldatenfliege zu erforschen und zu erproben. Clemens gr. Macke sieht Chancen für die Welternährung und für eine sinnvolle Verwertung von Lebensmitteln, die sonst weggeworfen würden. Zusammen mit seinem Sohn Julius hat er das Unternehmen Larvae Solutions GmbH gegründet. „Unsere Mission ist es, Insekten als nachhaltige Nährstoffquelle zu etablieren. Hierfür erschließen wir Vermarktungsmöglichkeiten, verknüpfen die Wirtschaft mit der Wissenschaft und teilen unser Wissen mit Interessenten“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Die fünf Tage alten Junglarven, die wie Sägespäne wirken, liefert die Firma FarmInsect aus dem oberbayerischen Bergkirchen, die sie eine Woche später wieder abholt. Die Larven nehmen in dieser Zeit etwa das 250-Fache ihres Gewichts zu – sie werden zu Insektenmehl und -öl weiterverarbeitet. Die FarmInsect GmbH wurde 2020 als Agrartechnologie-Unternehmen gegründet, um regionale Produktionssysteme für Insekten auf den Höfen zu etablieren. Ein Partner von FarmInsect ist die Agravis Raiffeisen AG, die mit der Marke „ Flyvis Farming “ wirbt und eine attraktive Einkommensalternative für landwirtschaftliche Betriebe verspricht. Agravis erstellt für interessierte Landwirte Fütterungs- und Beratungskonzepte für die Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Noch jedoch ist vieles Zukunftsmusik, muss die wirtschaftliche Tragfähigkeit erst auf sicheren Füßen stehen. Langfristige Abnehmer für die Ernte werden benötigt und rechtlich besteht noch Klärungsbedarf. Es ist nötig, weiter zu forschen und zu testen. Doch Pioniere wie Clemens gr. Macke sehen in der Insektenmast ein großes Potenzial – zumindest beim Tierfutter. Als Ernährung für Menschen werden die Larven zumindest in Europa eher weniger nachgefragt.
- EU will Bauern entlasten, wenn Russlands Importdünger fehlt
Die EU verhängt Strafzölle gegen noch anhaltende Düngerlieferungen aus Russland. Sie sucht gleichzeitig nach Maßnahmen, um die Bauern zu entlasten Foto: Mirko_Fabian Die Importe von russischem Kunstdünger finanzieren die Kriegsmaschine von Wladimir Putin, die er erbarmungslos seit dem Überfall im Februar 2022 gegen die Ukraine einsetzt. Zuletzt sind die Importe von russischem Dünger in die EU kräftig angestiegen. Da die Produktion von Phosphat-, Stickstoff- und Futtermitteldünger aus den Rohstoffen Phosphat, Nitrat und Kaliumerz riesige Mengen von Energie verbraucht, ist Russland als wichtiger Standort der globalen Produktion im Vorteil. Es hat Gas und Kohle im Überfluss. Während die EU sich seit 2022 unabhängiger gemacht hat von russischen Energieimporten, kam der Dünger in den drei Jahren unvermindert zu uns. Hinzu kommt, dass die europäische Produktion wegen der hohen Energiepreise immer weniger konkurrenzfähig geworden ist. Es gibt Hinweise, dass das Putin-Regime die Einnahmeverluste aus dem Gas- und Ölembargo über den Dünger kompensiert hat. Jetzt reagiert die EU. Das Europaparlament hat Strafzölle auf russischen Dünger beschlossen sowie auf Agrarprodukte wie Zucker, Essig, Mehl und Tierfutter aus Russland sowie Belarus. Die Strafzölle auf Dünger betragen 6,5 Prozent zuzüglich eines Festzolls von 40 bis 45 Euro je Tonne für die Jahre 2025 und 2026. Die Zölle beginnen gemäßigt, die Importe sollen nicht abgewürgt werden. Sonst wären die europäischen Bauern die Leidtragenden. Vielmehr ist das Kalkül, dass die EU-Produzenten ihre Chance nutzen und die Kapazitäten hochfahren. Daher sollen die Strafzölle auch bis 2028 sukzessive steigen bis auf 430 Euro die Tonne. Klare Mehrheit gegen fortdauernd Dünger-Abhängigkeit Die Kommission wird die Märkte beobachten. Sollten die Preise durch die Decke gehen, wird sie Maßnahmen ergreifen, um die Bauern zu entlasten. Die Entscheidung ist mit deutlicher Mehrheit getroffen worden. 411 Abgeordnete stimmten dafür, 100 dagegen bei 78 Enthaltungen. Die Strafzölle sind aus zwei Gründen richtig: Zum einen muss der wirtschaftliche Druck auf Putin erhöht werden. Seine finanziellen Kosten für den Krieg gilt es hochzutreiben. Zum anderen muss die Abhängigkeit von russischem Dünger reduziert werden. So abhängig wie Europa, insbesondere Deutschland, von russischer Energie war, so kostspielig und schmerzhaft der Entzug ist, so sehr müssen die Europäer vermeiden, beim Dünger am Tropf des russischen Regimes zu hängen. Es steht mehr auf dem Spiel als die wohlige Temperatur im Winter in den Wohnzimmern. Es geht hier auch um die Ernährungssicherheit von 450 Millionen Verbrauchern in Europa. Allerdings darf sich auch niemand Illusionen machen. Ein hoher Anteil der Produktion von Dünger ist in der Hand von globalisierten Unternehmen mit starkem russischem Fußabdruck. So ist Eurochem weltweit der Produzent mit dem viertgrößten Umsatz. Vor dem Krieg hat Eurochem weltweit einen Umsatz von über zehn Milliarden Dollar gemacht. Der russisch-ukrainische Oligarch Andrei Melnitschenko hat das Unternehmen geschmiedet. Es hat seinen Hauptsitz in der Schweiz. Die Produktionsstätten und das Vertriebsnetz umfassen aber Standorte auf der ganzen Welt, auch in Deutschland, Belgien und Brasilien. Eigene Kohlebergwerke liefern die Energie für die Produktion. Produziert wird nicht nur an russischen Standorten, sondern etwa auch in Belgien. Gegen Melnitschenko wurden zwar Sanktionen verhängt. Doch er soll sein Unternehmen an seine Ehefrau abgetreten haben, die auch den kroatischen und damit einen EU-Pass hat. Es dürfte also sehr schwer werden, den Dünger von Eurochem von Äckern in der EU fernzuhalten. Umso wichtiger ist, wenn zumindest den Produzenten das Wirtschaften schwer gemacht wird, die klar in Russland zu verorten sind.
- Nachtsichttechnik als Fluch und Segen
Nachtsichtgeräte gehören längst zum jagdlichen Alltag. Der Einsatz der modernen Technik bleibt jedoch umstritten. Jagdliche Auffassungen stehen sich unversöhnlich gegenüber Wärmebild-Vorsatzgerät, montiert auf eine Repetierbüchse (Foto: Christoph Boll) Naturforscher, das Militär, die Polizei, Sicherheitsdienste und auch Privatpersonen nutzen Nachtsichtgeräte. Doch nirgendwo sind sie so umstritten wie bei der Jagd. Längst werden mehr Wildschweine in stockfinsterer Nacht erlegt als in den Vollmondphasen. Für die Inhaber von Feldrevieren oder zumindest großen Wiesen und Ackerflächen sind Infrarot- und Wärmebildgeräte ein Segen. Denn vielfach hat der landwirtschaftliche Kulturpflanzenanbau über Jahre stark zugenommen. Das Schwarzwild hat sich enorm vermehrt. Jagd- und Freizeitdruck in den Revieren sind größer geworden. Das Wild hat seinen Lebenszyklus den veränderten Bedingungen angepasst, die Äsungs- und Wechselaktivitäten in die tiefe Nacht verlegt. Auch wenn das nicht überall gleichermaßen gilt, so haben sich doch flächendeckend die Wechselbeziehungen zwischen Landwirtschaft, Wild und Mensch verändert. Enorme Vorteile bietet schon die Möglichkeit, Wild bei Nacht zu beobachten und über weite Entfernung zu erkennen. So lässt sich der Wildbestand im Revier viel besser einschätzen. Beim nächtlichen Ansitz, etwa an der Kirrung, war früher im Zwielicht des Mondes allenfalls die Wildart richtig anzusprechen. Nur Vollmond und sternenklarer Himmel, am besten in Verbindung mit einer guten Schneedecke, boten nahezu optimale Sichtbedingungen. Oft aber war im trüben Zwielicht auch mit einem guten Zielfernrohr kaum auszumachen, wo vorne und hinten des Stückes ist. Es kam vermehrt zu Schüssen mittendrauf oder zu sogenannten Paketschüssen, also zu Schüssen, bei denen mehrere Tiere unerkannt hintereinander standen. Restlichtverstärker und Wärmebildgeräte als Vorteil Heute hingegen erlauben sowohl Restlichtverstärker als auch Wärmebildgeräte, Details zu erkennen und jedes einzelne Stück sicher anzusprechen. Ein Überläuferkeiler ist damit beispielsweise an Gewaff, Widerrist, Pürzel und Quaste klar identifizierbar und von einer Bache zu unterscheiden. Deutlich weniger führende Muttertiere werden erlegt. Im Feld sind zudem Entfernungen deutlich besser einzuschätzen. Unter dem Strich bedeutet das: Waidgerechtes Jagen, für das der saubere und schnellstmöglich tödliche Schuss unerlässlich ist, wird bei Nacht mit moderner Technik erleichtert und in manchen Bereichen überhaupt erst möglich. Auch das nächtliche Finden eines erlegten Stückes, das noch eine Todesflucht gemacht hat, ist leichter. Mit einem leistungsstarken Nachtsichtgerät wird Schweiß am Anschuss sichtbar, dieser dadurch leichter auffindbar. Oft kann der Schweißspur gefolgt werden und das verendete Stück ist selbst durch Bewuchs und bei schlechtem Wetter auch in größerer Entfernung zu sehen. Der Schütze kann also selbst noch in der Nacht das Stück bergen und muss nicht am nächsten Morgen einen Schweißhundführer um die Nachsuche bitten oder mit dem eigenen Vierbeiner ans Werk gehen. Viel wertvolles Wildbret wird gerettet, weil es nicht verhitzt. Aber wie so häufig gibt es auch den unvernünftigen oder sogar unverantwortlichen Umgang mit der modernen Technik. Da gibt es durchaus Jäger, die sie nicht nur nutzen, um auf Sauen oder Raubwild anzulegen. Auch Reh, Hirsch und Muffel ereilt die Kugel zu nachtschlafender Stunde. Befürchtungen vermehrter nichtlegaler Verwendung gehen einher mit der heftigen Kritik von Traditionalisten. Sie befürchten den Niedergang von jagdlichen Sitten und Moral und bringen die Verwendung von Nachtsichttechnik in Verbindung mit militärischen Einsatzgrundsätzen. Da ist dann schnell vom „Teufelszeug“ die Rede. „ Teufelszeug“ und sachliche Kritik Auch wer in seiner Kritik nicht so weit geht und meint, Jagd und Jäger müssen aus den Veränderungen nur das Beste machen, erkennt zumeist, dass der Fortschritt zumindest kritisch reflektiert werden sollte. So meinte der damalige Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg, Dr. Erhard Jauch, mit den Nachtsichtgeräten verbunden sei ein „weiterer Dammbruch“. Das stimme ihn nachdenklich und er ergänzte: „Ich bin kein Technikverächter – aber: Die Grenzen werden immer mehr verschoben.“ Sehr substanzielle Bedenken kommen aus dem Lager der Nachsuchenführer, die vor allzu viel Technikgläubigkeit warnen. Denn selbst ein großer Fleck Lungenschweiß ist im hohen Gras kaum zu detektieren. Und bereits bei etwas höherem Bewuchs, in Gräben oder hinter Wurzeltellern lassen sich allein mit einer Wärmebildkamera selbst größere Wildkörper nicht finden. Kaum auszumachen ist, ob die Profis zu mehr oder weniger Einsätzen gerufen werden. Sehr wohl hat sich das Einsatzspektrum verschoben. Sie registrieren, dass zu oft vermeintlich tote Stücke angegangen werden, die dann doch noch hoch werden. Statt das Wild in Ruhe sterben zu lassen und es am nächsten Tag einzusammeln, komme es zu einer langen Nachsuche. Wobei insgesamt offenbar besonders die langen Totsuchen mit Leber- und Waidwundtreffern weitgehend weggefallen sind. Gerade diese Arbeiten aber sind in regelmäßigen Abständen nötig, damit ein junger Hund und sein Führer zu einem leistungsstarken, erfahrenen Team heranreifen. Dadurch wächst die Gefahr, dass Gespanne mit den vermehrt bleibenden Kontrollsuchen sowie schweren Einsätzen bei Gebrech- und Laufschüssen überfordert sind. Denn sie erfordern den firmen Hund. Nicht wenige Schweißhundeführer stellen fest, dass mit technischer Unterstützung vermehrt Wild angepirscht und vom Zielstock aus beschossen wird. Die Schussabgabe ist dann deutlich schwieriger als von einem Hochsitz mit fester Auflage für das Gewehr. Dadurch habe sich der vermeintliche „Streukreis“ deutlich erweitert und es komme häufiger zu Krell- und Gebrechschüssen sowie sonstigen Randtreffern, so das Fazit. Es geht also darum, die eigene Verantwortung und Grenzen der Schießfertigkeit zu erkennen.
- Ein erfahrener Pragmatiker aus Friesland regiert jetzt Niedersachsen
Der bisherige Wirtschaftsminister Olaf Lies hat in Hannover den langjährigen Ministerpräsidenten Stephan Weil abgelöst. Lies ist ein Kenner des ländlichen Raumes und setzt vor allem auf Kontinuität Ministerpräsident Olaf Lies (Foto: Niedersächsische Staatskanzlei/Henning Scheffen) Der Wechsel in Hannover verlief reibungslos: Nach zwölf Jahren unter Stephan Weil als Ministerpräsident regiert nun sein Parteifreund Olaf Lies das acht Millionen Einwohner zählende Niedersachsen, Deutschlands zweitgrößtes Flächenland. Im ersten Wahlgang erhielt Lies 80 von 143 Stimmen und damit die volle Unterstützung von SPD und Grünen. Die größte Oppositionspartei CDU wäre chancenlos gewesen und stellte erst gar nicht einen Gegenkandidaten auf. „Selbstbewusst und beliebt, aber auch amtsmüde“, beschrieb das niedersächsische Politikjournal „Rundblick“ vor einigen Wochen den scheidenden Ministerpräsidenten. Behutsam, nachdenklich und umsichtig führte Weil die Landesregierung und strebte nach Harmonie. Daher applaudierten bei seinem Abschied im Landtag auch CDU-Politiker mit Standing Ovations; nur die AfD blieb sitzen. Seinem Nachfolger Lies verschafft Weil jetzt die Chance, sich bis zur Landtagswahl 2027 an der Spitze der rotgrünen Koalition einen Amtsbonus zu erarbeiten. Bis dahin wird der Schönheitsfehler vergessen sein, mit dem der Wechsel verbunden war: Weil hatte bei der Landtagswahl 2022 zugesagt, bis zum Ende der Wahlperiode im Amt zu bleiben und diese Aussage noch im Juli 2024 bekräftigt. Nun begründete der 66-Jährige seinen vorzeitigen Rückzug mit dem Alter, schwindender Energie und Schlafstörungen. Weils einstiger Rivale Lies verfügt über langjährige Erfahrung als Wirtschaftsminister und kämpfte in dieser Funktion unter anderem für den Erhalt der Papenburger Meyer-Werft. Der Elektroingenieur wirkt pragmatisch und zupackend, er geht auf Menschen zu. Lies kommt aus Friesland nahe der Nordseeküste und kennt daher auch die Probleme des ländlichen Raums. Innerparteilich ist er beliebt: Mit einem Ergebnis von 96,4 Prozent der Stimmen wurde er zum Landesvorsitzenden der SPD gewählt. CDU hofft auf einen Machtwechsel in zwei Jahren Der CDU Niedersachsen fällt es schwer, sich gegen den erfahrenen und bekannten Landespolitiker zu profilieren, zumal ihr selbst eine charismatische Führungsfigur fehlt. Nach heutigem Stand dürfte den Christdemokraten in zwei Jahren kein Machtwechsel gelingen. Zu fest sitzen die Sozialdemokraten in ihrem Stammland im Sattel. Spitzenpolitiker aus Niedersachsen hat die SPD reichlich: Von hier stammen, um nur einige zu nennen, auch die Bundesminister Lars Klingbeil und Boris Pistorius, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und die ehemaligen Bundesminister Sigmar Gabriel und Hubertus Heil. Inhaltlich setzt Lies weitgehend auf Kontinuität. Im NDR-Interview nannte der neue Ministerpräsident lediglich die Digitalisierung als Schwerpunkt. Ein Symbol der Erneuerung ist allerdings die überfällige Auflösung des 2017 geschaffenen Europaministeriums. Konkrete neue Ankündigungen blieben in seiner Regierungserklärung weitgehend aus. Die Landesregierung wolle sich weiter um die Regionen kümmern, die vom Arbeitsplatzabbau betroffen sind, bekamen die Abgeordneten zu hören. Und Allgemeinplätze wie „Wir werden uns weiter für Bildung engagieren“ oder, dass die wichtige Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte klare und verlässliche Rahmenbedingungen verdiene. Für ein regional differenziertes Bestandsmanagement des Wolfes Froh zeigte sich der neue Ministerpräsident über die jüngste Entscheidung von EU-Kommission und EU-Parlament bei der FFH-Richtlinie zum Wolf . „Wir werden die neuen Möglichkeiten für ein regional differenziertes Bestandsmanagement des Wolfes konsequent nutzen“, kündigte Lies an. „Darauf werden wir uns jetzt schon gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten, Jägerschaft, Kommunen und Naturschutzverbänden vorbereiten.“ Ziel müsse es sein, den Weidetierhaltern die notwendige Sicherheit zu geben. Zur Gesundheitsversorgung sagte Lies in seiner Regierungserklärung lediglich, sie stehe unter Druck, „insbesondere im ländlichen Raum“. Wichtig sei ihm die Notfall-Versorgung. „Das ist mein Hauptanliegen im Hinblick auf die Neuordnung der Krankenhauslandschaft.“ Man darf gespannt sein, wie er dies umsetzen wird. Scharfe Worte fand die CDU für die Regierungserklärung: „Stillstand unter neuem Namen.“ Tatsächlich muss die rot-grüne Koalition noch einige Hausaufgaben erledigen: bei der Unterrichtsversorgung und den Kitas, bei der wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem in der Autobranche, bei der Infrastruktur und im Wohnungsbau. Gleichzeitig ist die Union gefragt, überzeugende personelle wie inhaltliche Alternativen für Niedersachsen anzubieten.
- Koalition muss schnell Antworten geben
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar befassen wir uns mit der Rückkehr des politischen Alltags in Berlin, den anhaltenden Auseinandersetzungen um ein neues Landesjagdgesetz in Rheinland-Pfalz sowie der Lage der deutschen Imker, insbesondere der Berufsimker, anlässlich des von der UNO ausgerufenen Weltbienentags. Ferner geht es um zwei Themen, die gerade für die Jäger unter uns wichtig sind: die Förderung von Artenvielfalt auch in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft sowie die Diskussion über den jagdlichen Einsatz von Nachtsichtgeräten. In der Bundespolitik kehrt nach den Aufregungen des Wahlkampfs und der Regierungsbildung allmählich der politische Alltag ein. Die Ministerinnen und Minister arbeiten sich ebenso wie der Kanzler in ihre jeweiligen neuen Aufgabenbereiche ein. Die Opposition sucht nach passenden Angriffsflächen gegen die Regierungspolitik. Für die Bürger heißt diese Konstellation am Anfang einer Legislaturperiode: abwarten und den Verantwortlichen in Berlin einen begrenzten Vertrauensvorschuss gewähren, damit am Ende tatsächlich vernünftige Entscheidungen und nicht nur mediale Schnellschüsse herauskommen. Doch so wichtig und notwendig eine solche Zeit des sachlichen Einarbeitens auch ist: Viele Probleme sind derart drängend, dass zumindest vorläufige Antworten der Regierenden unabweisbar sind. Das betrifft neben der Migration, der inneren und äußeren Sicherheit vor allem die Stärkung der Wirtschaft. In dieser Woche hat der zuständige Sachverständigenrat, die sogenannten „Wirtschaftsweisen“, die trüben Aussichten für Deutschland bestätigt. Es droht wieder ein Jahr der Stagnation. Die von Friedrich Merz und seiner Koalition versprochene Aufbruchsstimmung lässt in den Betrieben noch auf sich warten. Kein Wunder, denn die Rahmenbedingungen sind alles andere als einfach: Unsicherheit wegen des Ukrainekrieges und vor allem die unberechenbare Zollpolitik des neuen amerikanischen Präsidenten. Hinzu kommen verkrustete Strukturen in der hiesigen Bürokratie, zu lange Genehmigungsverfahren und andere vom Staat selbst verursachte Hemmnisse. Nicht zuletzt im ländlichen Raum, wo viele Menschen gerne „einfach mal anpacken“ wollen, gelten solche Bedingungen als Gräuel. Statt diesen leistungsbereiten Bürgern weiter Hemmnisse in den Weg zu legen, sollte die neue Regierung zügig umsteuern und – wie versprochen – auf mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung setzen. Kritik und Ärger unter Naturnutzern Nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Länderebene finden sich reichlich Regelungen, mit denen die Menschen gerade im ländlichen Raum hadern. So sorgt etwa der Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes in Rheinland-Pfalz weiterhin für Kritik und Ärger unter Naturnutzern, speziell Jägern. Die von Ministerin Eder geplanten Änderungen führen dazu, dass die ökonomische Nutzung des Waldes auf Kosten der ökologischen Rolle von Wildtieren in den Vordergrund gerückt wird. Der im Entwurf vorgesehene verstärkte Abschuss von wiederkäuendem Schalenwild wie Reh- und Rotwild sei weder tierschutzgerecht noch ökologisch zielführend, heißt es dazu jüngst in einem offenen Brief des zweiten Vorsitzenden von WaldMitWild Deutschland e.V., Volker Wengenroth, an Ministerin Eder. Die Nahrungskette werde durch eine übermäßig erhöhte Jagd auf diese Wildtiere zerstört, was zu erheblichen Schäden im Ökosystem führe: „Reh- und Rotwild erfüllen eine wichtige Funktion in unseren Wäldern und gehören als Teil der natürlichen Artenvielfalt untrennbar zu unseren heimischen Landschaften.“ Wengenroth verweist in diesem Zusammenhang auch auf Artikel 20a des Grundgesetzes, der den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sowie der Tiere als Staatsziel ausdrücklich definiert. Dies umfasse auch lebende Tiere und deren Habitate, die durch ein unausgewogenes Wildtiermanagement massiv gefährdet würden. Einher geht diese Kritik am Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes mit einem konkreten und aus meiner Sicht vernünftigen Vorschlag an Ministerin Eder: „Insbesondere in den Staatswäldern sollte nicht ausschließlich auf Nutzholzaufforstung gesetzt werden. Wir fordern, diese Flächen naturnah und wildgerecht zu gestalten – etwa durch die Wiederaufforstung mit standortangepassten Wildobstbäumen. Diese bieten nicht nur ökologische Vielfalt, sondern stellen auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Wildtiere dar – von Reh- und Rotwild über Hasen bis zu Vögeln und Insekten.“ Apropos Insekten. Deren Bestäubungsleistungen für die Natur und für landwirtschaftliche Flächen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Daran erinnerte in dieser Woche der von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltbienentag. Er wird traditionell am 20. Mai gefeiert und betont die immense Bedeutung der Bienen für Ökosysteme und Ernährungssicherheit. Imker sorgen hierzulande nicht nur für die Produktion von heimischem Honig, sondern mit ihren Bienen auch für die zuverlässige Bestäubung von vielen Obst- und Gemüsesorten in der Landwirtschaft. Dabei ist der Honigmarkt gerade massiv bedroht. Große Mengen an verfälschtem Honig werden hauptsächlich über Importe oft zu Dumpingpreisen auf dem Markt angeboten . Nicht zuletzt für professionelle Imker kann dies zu einem existenziellen Problem werden – mit weitreichenden Folgen. Denn Berufs- und Erwerbsimker machen nach Verbandsangaben zwar nur rund vier Prozent aller deutschen Imker aus, sie produzieren dabei aber 60 Prozent des gesamten heimischen Honigertrags . Werden sie von Markt gedrängt, dann gehen sehr große Mengen an Bienenvölkern und damit Bestäubungsleistung für die Bauern verloren. Mit Insekten viel Geld sparen? Doch es gibt auch Insekten, die eine andere, ganz unmittelbare ökonomische Bedeutung im Agrarbereich bekommen können. Darauf weist unser Autor Christian Urlage in seinem geplanten Beitrag „Insekten als Tierfutter?“ hin, den Sie in der kommenden Woche in unserem Blog lesen können. Konkret geht es um die Schwarze Soldatenfliege. Da Eiweißfuttermittel teurer werden, rücken die hochwertigen Insektenproteine laut Urlage zunehmend in den Fokus der Wissenschaft und der Tierhalter, zum Beispiel zur Fütterung von Schweinen. Das Interesse scheint sehr groß zu sein. So musste ein Unternehmen, das auf die Schwarze Soldatenfliege setzt, sogar schon ein kleines Besucherzentrum einrichten, um im vergangenen Jahr mehr als 900 Gäste aus 26 Nationen zu betreuen, die sich über das Start-Up im Landkreis Cloppenburg informieren wollten. Foto: WFranz Doch zurück zum Thema Jagd. Erfreulich für Jäger, aber nicht nur für sie, sind erste Zwischenergebnisse eines länderübergreifenden Projekts namens Wilde Feldflur aus dem Erfurter Becken, über das der Deutsche Jagdverband jetzt berichtet hat . Hier bestätigt sich, dass die Artenvielfalt auch in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft gefördert werden kann. Möglich machen dies lebensraumverbessernde Maßnahmen für Leitarten wie Feldhase, Feldhamster und Rebhuhn sowie gleichzeitig die Bejagung von räuberischen Arten, insbesondere Fuchs und Waschbär. In dem betreffenden Projektgebiet hat sich die Zahl der Feldhasen innerhalb von drei Jahren verdoppelt, der Bestand an Rebhühnern ist in dieser Zeit um die Hälfte angestiegen. Eine zentrale Forderung an die Politik, die sich schon jetzt aus dem Projekt ableiten lässt, ist das generelle Bekenntnis zur Jagd auf alle Beutegreifer, inklusive Fangjagd. Auch sollten die Ausgleichszahlungen für freiwillige Naturschutzmaßnahmen für Landwirte mindestens kostendeckend sein. Zum Schluss möchte ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, noch auf ein anderes, für Jäger wichtiges Thema hinweisen: die Verwendung von Nachtsichtgeräten. Sie gehören längst zum jagdlichen Alltag. Der Einsatz der modernen Technik bleibt jedoch umstritten. Die Bewertung als Mittel zur Reduzierung von Wildschäden und die Befürchtung des Verfalls jagdlicher Sitten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Was dem einen als neutrales Werkzeug gilt, ist den anderen – zumeist Traditionalisten – „Teufelszeug“. Unser Autor Christoph Boll beleuchtet das Thema in der kommenden Woche in einem Blog-Beitrag. Er zeigt dabei auf, dass es neben den Extrempositionen auch eine sachlich-kritische Auseinandersetzung mit jagdlicher Infrarot- und Wärmebildtechnik aus dem Lager der Schweißhundeführer gibt. Letztlich geht es also nicht um Fluch oder Segen, sondern um einen verantwortungsvollen Umgang mit moderner Technik und die Erkenntnis der eigenen Schießfertigkeit. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und eine gute, für Sie positive Woche. Mit den besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Redaktionsleitung/Koordination
- Das Land braucht mehr Zuversicht
Deutschland mangelt es an Zuversicht. Ein Dauerzustand? Nein, sagen die Wegbereiter einer Initiative, die auf stärkeren Zusammenhalt setzt. Mit dabei ist der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) Foto: phfilipposarci „Wir fahren das Land vor die Wand, wenn wir weiter so machen wie bisher.“ Laut einer Studie, die „Rheingold Salon“, ein renommiertes Kölner Marktforschungsunternehmen, mit den Medienorganisationen „#UseTheNews“ und „Initiative 18“ erstellt hat, stimmen dem Satz aktuell 78 Prozent (!) der Menschen in Deutschland zu. Ein Alarmsignal. Viele Befragte gaben in der bundesweit durchgeführten Untersuchung an, sich vom System und der Politik alleingelassen zu fühlen. Die wirtschaftliche und politische Lage wird von ihnen negativ beurteilt, etablierte Medien werden abgelehnt. Die schlecht eingestufte Gesamtlage und der Vertrauensverlust in die Institutionen der Gemeinschaft führen laut Untersuchung zu einem Rückzug in das persönliche familiäre Umfeld. „Hier richten sich die Menschen möglichst gut ein“, erklären die Studienmacher. Wenn man die Ergebnisse liest, kann man zu dem Schluss kommen, dass unsere Gesellschaft neben einer besseren und erfolgreichen Politik auch dringend ein Coaching benötigt. Denn im Laufe der Jahre scheint bei vielen aus unterschiedlichsten Gründen die innere Überzeugung verloren gegangen, schwierige oder herausfordernde Situationen aus eigener Kraft heraus gut meistern zu können. Fachleute sprechen von einem Mangel an „Selbstwirksamkeit“. Wenn aktuell 50 Prozent glauben, dass sie auf sich allein gestellt sind und nichts bewirken können, muss man sich über die Zuversicht-Krise in Deutschland nicht wundern. Hohe Bereitschaft, sich zu engagieren Bild: UseTheNews gGmbH / Illustration: Mo Büdinger Das jetzt gestartete „Projekt Zuversicht“ kann allerdings darauf aufbauen, dass viele Menschen im Land Gemeinschaft erfahren und 65 Prozent bereit wären, sich in Projekten zu engagieren. „Menschen, die eine Form von sinnstiftender Gemeinschaft gefunden haben, sind glücklich darüber und können Zuversicht entwickeln. Sie berichten von Zusammenhalt im Heimatverein, in der Theatergruppe, im Ehrenamt und vielem mehr“, lautet ein Ergebnis der auch tiefenpsychologisch durchgeführten Untersuchung und Befragung von über 2000 Personen. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV), der bereits vorher mit „Rheingold Salon“ zusammengearbeitet hat, sieht in puncto Zuversicht eine Vorbildfunktion des ländlichen Raums. Hubertus Beringmeier, Präsident des WLV, weist darauf hin, dass es dort bereits viele Projekte und Konzepte gibt, durch die der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt wird. „Hier ist insbesondere das Engagement in Vereinen und Politik und durch gemeinschaftliche Projekte – etwa im Bereich der Bäuerlichen Bürgerwindparks zur Mitgestaltung der Energiewende oder durch kooperative Ansätze im Naturschutz – zu nennen“, so Beringmeier. Oft seien die Bauernfamilien direkt daran beteiligt. Dazu passt ein Ergebnis der Studie: „Gemeinschaft kann am besten vor Ort aufgebaut und gesellschaftliche Spaltung so abgebaut werden.“ Im Laufe des Projekts, das durch Verbände, Unternehmen, Medienhäuser und Vermarkter unterstützt wird, sollen in den kommenden Wochen Konzepte entwickelt werden. Man will Wege aufzeigen, wie es gelingen kann, das von den Menschen „herbeigesehnte Gemeinschafts- und Wirksamkeitsgefühl wieder entstehen zu lassen“. Mitwirken werden daran Nachwuchskräfte und Vertreter und Vertreterinnen aus der Kreativwirtschaft, aus dem Bereich des Journalismus und der Politik. Man darf gespannt sein, zu welchen Ergebnissen die verschiedenen Arbeitsgruppen kommen werden. Wenn dadurch die weit verbreitete Schwarzmalerei gemindert und Engagement geweckt werden könnte, wäre dies schon ein Erfolg. Von heute auf morgen wird es nicht gehen. Der WLV hat mit dem inzwischen bei allen Landesbauernverbänden und beim Deutschen Bauernverband (DBV) angesiedelten Projekt „Zukunfts-Bauer“ 2021 den Anstoß gegeben, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen neue Formen der Kommunikation zu entwickeln, die Wagenburgen zu verlassen und an einem Zukunftsbild für die Landwirtschaft zu arbeiten. Aus dem Projekt ist nach dem Sprint beim Start längst ein Dauerläufer geworden.











