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- Goldschakal erobert das Land
Die Nachricht kam passend zum „Internationalen Tag der Schakale“ am 19. April. Schleswig-Holstein hat sein erstes territoriales Goldschakalpaar. Damit hat der Beutegreifer den Norden Deutschlands erreicht und ist dort sesshaft © Giles Laurent, gileslaurent.com, License CC BY-SA, 033 Golden jackal in Keoladeo National Park Photo by Giles Laurent, CC BY-SA 4.0 So der scheue Neubürger überhaupt in Anblick kommt, stellt sich oft die Frage, ob es sich um einen großen Fuchs, einen freilaufender Hund oder einen kleinen Wolf handelt. Nichts von alledem ist der scheue Zuwanderer aus Asien mit dem gelblich-grauen Fell, teils mit rötlichem Einschlag, weshalb er oft mit dem Fuchs verwechselt wird. Wie dieser ist der Goldschakal ebenfalls ein anpassungsfähiges Raubtier. Er ernährt sich von kleinen Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien, Insekten, aber auch Aas und Siedlungsabfällen. Es stehen auch Beeren und Früchte auf dem Speiseplan. Der Goldschakal, der zu den mittelgroßen Hunden gehört und zwischen acht und 15 Kilogramm wiegt, kann aber auch größere Beutetiere wie Rehwild reißen. In der Vergangenheit haben sich nur einzelne Goldschakale für einige Zeit in Schleswig-Holstein aufgehalten. Der erste Einzelnachweis gelang 2017 im Kreis Dithmarschen. Nun aber wurden nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) ein Paar im Kreis Plön identifiziert. Innerhalb von zwei Wochen im Februar konnten insgesamt neun Tonaufnahmen ihres Heulens dokumentiert werden. Die Laute gelten als charakteristisch und unverwechselbar. Sie sind deshalb ein verlässlicher Nachweis für die Tiere, der auch nach europaweit einheitlichen Monitoringstandards anerkannt ist. Es gebe praktisch keine Verwechslungsmöglichkeit, erklärt eine LfU-Sprecherin. Damit ist das erste Goldschakal-Territorium im nördlichsten Bundesland bestätigt. Zuvor war die Art in Schleswig-Holstein zuletzt durch einen brisanten Auftritt eines Vertreters aufgefallen. Auf Sylt hatte er Dutzende Nutztiere gerissen. Das löste eine heftige Diskussion über einen möglichen Abschuss aus. Von diesem Tier fehlt bislang jedoch jede Spur. Auch von weiteren Goldschakalen in Schleswig-Holstein ist momentan nichts bekannt. Gleichwohl dürfte die Art sich mit dem Territoriums-Nachweis im Land etabliert haben. Denn sie lebt meist paarweise in einer monogamen Beziehung oder in kleinen Familienverbänden. Experten gehen deshalb davon aus, dass es auch bald Nachwuchs geben könnte. Aus Sicht des Landesjagdverbandes ist das Goldschakalpaar „ein bemerkenswerter faunistischer Nachweis“, sagte Geschäftsführer Marcus Börner. „Jetzt kommt es darauf an, seine Ausbreitung fachlich sauber zu dokumentieren und die Entwicklung aufmerksam zu begleiten.“ Konsequentes Monitoring erforderlich Für Jagd, Naturschutz und Monitoring ist dieser Nachweis von besonderer Relevanz. Neue Tier-/Wildarten müssen frühzeitig erfasst und fachlich eingeordnet werden, um Entwicklungen belastbar bewerten zu können. Für Goldschakale geschieht dies im Rahmen des Wolfsmonitorings. Hinweise können über eine Wolfshotline oder per E-Mail gemeldet werden. Der LJV sieht in dem Nachweis einen wichtigen Anlass, das Wildtiermonitoring im Land weiter konsequent zu stärken. Nur mit belastbaren Daten lassen sich neue Entwicklungen in der Tierwelt sachgerecht bewerten und einordnen. Um die Tiere zu schützen, verrät das LfU nicht, wo genau die Goldschakale nachgewiesen wurden. Sie haben vergleichsweise kleine Territorien von etwa zwei bis zehn Quadratkilometern und reagieren empfindlich auf Störungen. Im Zweifel verteidigen sie ihre Reviere auch gegen andere Artgenossen. Für den Menschen sind die Tiere jedoch nicht gefährlich. Sie meiden Begegnungen mit ihm, weshalb sie nur selten bemerkt werden. Seit Jahren breitet sich der Goldschakal, der in freier Wildbahn bis zu acht und in Gefangenschaft bis zu 14 Jahre alt wird, aus Asien und Südosteuropa kommend in Europa nach Norden und Westen aus. Als begünstigende Faktoren gelten unter anderem milde Winter, Veränderungen in der Kulturlandschaft und klimatische Verschiebungen. Als Lebensraum bevorzugt der Goldschakal offene Landschaften. Er bewohnt die Savanne ebenso wie Halbwüsten und felsige Gegenden, kommt hingegen in dichten Wäldern nicht vor. In Deutschland wurde die Art erstmals 1997 in Brandenburg nachgewiesen. Bis Januar 2021 gab es dann 80 Einzelnachweise in verschiedenen Bundesländern. Im baden-württembergischen Schwarzwald-Baar-Kreis gab es im Spätherbst 2021 die erste Feststellung einer Reproduktion des Goldschakals in Deutschland. Im Folgejahr wies man im niedersächsischen Landkreis Uelzen mindestens drei Welpen nach. Gefahr für bestandsgefährdete Arten Zwar gab es in mehreren Bundesländern Nutztierrisse durch den Goldschakal. Allerdings gilt das Risikopotenzial dafür bislang als eher vergleichbar mit dem des Fuchses als mit dem des Wolfes. Bemühungen, den Neozoen bundesweit ins Jagdrecht aufzunehmen, sind nicht zuletzt aus diesem Grund in der Vergangenheit gescheitert. Einzig in Niedersachsen unterliegt der Goldschakal seit der Novellierung des Landesjagdgesetzes dem Jagdrecht – mit einer ganzjährigen Schonzeit. Aber insbesondere mit Blick auf den Schutz bestandsgefährdeter Arten, z.B. Bodenbrüter, gilt eine großflächige Etablierung des Goldschakals als problematisch. Denn er vergrößert das ohnehin breite Spektrum der Fressfeinde dieser Arten. Europarechtlich wird er in Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geführt und ist auch nicht in der EU-Unionsliste als invasive Art gelistet. Daher müssen die Mitgliedstaaten der EU sicherstellen, dass die Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands der Art auch dann sichergestellt ist, wenn Exemplare aus der Natur, etwa durch die Jagd, entnommen werden. National ist der Goldschakal nach der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.
- Umweltbildung ganz konkret mit Rotary und natur+mensch
„Walderlebnistag“ des Rotary Clubs Hamm-Mark für 200 Grundschüler im Heessener Wald in Kooperation mit dem Landesbetrieb Wald und Holz. NRW- Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen überreichte Waldrucksäcke für 17 Schulen Gemeinschaftliche Übergabe der Waldrucksäcke im Heessener Wald (von links): Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma, Vorsitzender der Stiftung natur+mensch, Fabian Henkel, Klassenlehrer der 1. Klasse der Stephanus-Grundschule Hamm, NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, Försterin Elena Drees-Pieper, Robert Vornholt, Präsident des Rotary Clubs Hamm-Mark, sowie Leon, Anni, Charlotte und Esther. (Foto: Rotary Club Hamm-Mark/Stefan Vieth) Der Rotary Club Hamm-Mark hat einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung von Kindern geleistet: 17 „Waldrucksäcke“ – prall gefüllt mit nützlichen Utensilien zur Erforschung der heimischen Flora und Fauna – wurden jetzt Vertreterinnen und Vertretern von Hammer Schulen überreicht. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen übergab die Rucksäcke und betonte, dass das Lernen im Wald besonders intensiv und nachhaltig sei. Über 200 Schülerinnen und Schüler waren zuvor beim „Walderlebnistag“ dabei, den der Hammer Zivilclub gemeinsam mit Beschäftigten des Landesbetriebs Wald und Holz organisiert hatte. Die Kinder erfuhren unter anderem, welche besonderen Eigenschaften Jagdhunde haben, welche Wildtiere im Wald heimisch sind und sie konnten das Alter eines Baumes bestimmen. „Kinder und Jugendliche sollen die Natur nicht nur aus Büchern kennenlernen, sondern sie direkt erleben und verstehen. Die ‚Walderlebnistage‘ sind dafür eine tolle Gelegenheit, genauso wie die Lernort-Natur-Rucksäcke. Damit können die Kinder den Wald mit allen Sinnen erleben! Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten für ihren Beitrag zur Umweltbildung für Schülerinnen und Schüler“, erklärte Ministerin Silke Gorißen. Sie überreichte gemeinsam mit dem Präsidenten des Rotary-Clubs Hamm-Mark, Robert Vornholt, und dem Vorsitzenden der Stiftung natur+mensch, Georg Graf von Kerssenbrock-Praschma, die „Waldrucksäcke“. Darin enthalten sind unter anderem Becherlupen für Bodenuntersuchungen, ein Stethoskop, um den Wasserstrom im Baum abhören zu können, und sogar ein Fernglas, um die Baumkronen genau zu erkunden. Die Kosten für die Lernort-Natur-Rucksäcke, die von der Jägerstiftung natur+mensch konzipiert und zusammengestellt wurden, hat der Rotary Club Hamm-Mark übernommen. Damit können Lehrkräfte, unterstützt durch Waldpädagoginnen und -pädagogen, ihren Schülerinnen und Schülern qualitativ hochwertige Umweltbildung anbieten und langfristig das Umweltbewusstsein der Kinder und Jugendlichen stärken, erläuterte die Ministerin. „Kinder sollten die heimische Flora und Fauna möglichst früh kennenlernen. Der Waldrucksack ist ein sehr gutes Instrument, um Umweltbildung praktisch zu ermöglichen – ob als Ideengeber für den Unterricht, Motivation zur Beschäftigung mit der Natur oder einfach für die kompetente Beantwortung von Fragen der Schülerinnen und Schüler. Der Rotary Club Hamm-Mark hat seit langem das Thema Bildung im Blickpunkt. Deshalb passen der Walderlebnistag und die Übergabe der Waldrucksäcke ideal in die Aktivitäten unseres Zivilclubs“, erklärte Clubpräsident Robert Vornholt. Der Vorsitzende der Jägerstiftung betonte im „grünen Klassenzimmer“ nahe der „Waldbühne Heessen“, dass es einerseits eine Entfremdung von der Natur, andererseits aber zugleich eine „Vermenschlichung“ gebe, wie er am Beispiel des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals verdeutlichte. Rotary-Club-Präsident Vornholt appellierte zum Abschluss an die Lehrerinnen und Lehrer, den Waldrucksack intensiv zu nutzen, zumal viele heimische Jäger bereit seien, ihre Reviere für den praktischen Einsatz der Unterrichtsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Quelle: Rotary Club Hamm-Mark
- Was der Borkenkäfer übrig ließ
Der Trend bestätigt sich. Auch 2025 wurde weniger Holz aus heimischen Wäldern geholt. Der Grund dafür ist traurig Foto: Thorsten Neuhaus Jetzt ist es offiziell: Auch im vergangenen Jahr wurden in deutschen Wäldern wieder weniger Bäume gefällt. Mit 57,3 Millionen Kubikmetern lag der Holzeinschlag um 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt im April mitteilte. Damit bestätigte sich der Trend der vergangenen zwei Jahre. Vor allem private Waldbesitzer konnten damit erneut weniger Ertrag aus ihren Wäldern ziehen. Die Schäden gehen in die Millionen, während die Kosten für die Wiederaufforstung für viele Unternehmen und Forstbetriebe erheblich sind und waren. Im Jahr 2025 wurden 12,7 Millionen Kubikmeter sogenanntes Schadholz eingeschlagen, ein Jahr zuvor war es nach Angaben der Statistiker mit 27,3 Millionen Kubikmetern noch mehr als doppelt so viel. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren verzeichneten die Statistiker noch einen Holzeinschlag in Höhe von 60,1 Millionen Kubikmetern – das war das höchste Schadholzaufkommen seit Beginn der Zeitreihe aus dem Jahr 1990. Der Anteil des Schadholzes am gesamten Holzeinschlag verringerte sich von knapp drei Vierteln (74,8 Prozent) im Jahr 2020 auf weniger als ein Viertel (22,1 Prozent) 2025. Vom Borkenkäfer bis heute noch nicht erholt Seit dem Höchstwert 2021 mit damals 83 Millionen Kubikmetern Holz wird die Menge des verwerteten Holzes für Jahr geringer, trotz steigender Nachfrage und guter Marktpreise. Der Hauptgrund ist der bundesweit fast flächendeckend zu verzeichnende Borkenkäfer-Befall der Wälder. Dieser hatte seit 2028 in fast allen Regionen dafür gesorgt, dass die befallenen Bäume zu wenig Widerstandskraft für Trockenheit oder Wind entwickeln konnten. Ganze Waldregionen wurden kahlgefressen. Viele Regionen wie das Sauerland, der Thüringer Wald und der Harz haben sich von dieser Katastrophe des deutschen Forstes bis heute nicht erholt. Konsequenz: Seit dieser Zeit können Jahr für Jahr weniger Bäume aus den Wäldern geholt werden. „Der deutlich geringere Holzeinschlag im Vergleich zu den durch Borkenkäferbefall geprägten Jahren 2020 und 2021 – sowohl beim insektenbedingten Schadholz als auch beim Fichtenholz – deutet darauf hin, dass ein Großteil der geschädigten Bäume bereits in den Vorjahren gefällt und dem Wald entnommen wurde“, folgern die Wiesbadener Statistiker. Jetzt sei einfach wenig bis kein Holz mehr vorhanden, das gefällt werden kann. Stammholz bleibt weiter gefragt Der Großteil des eingeschlagenen Holzes findet als sogenanntes Stammholz Verwendung in der Säge- und Furnierindustrie, etwa als Paletten- oder Parkettholz. Im Jahr 2025 wurden 32 Millionen Kubikmeter und damit 55,9 Prozent der angefallenen Holzmenge mit dem Verwertungsziel Stammholz eingeschlagen. Etwa 11,8 Millionen Kubikmeter (20,6 Prozent) wurden als Industrieholz zur Verwendung in der Holzwerkstoffindustrie beziehungsweise Papier- und Zellstoffindustrie vorgesehen. Zur Energiegewinnung wurden 10,7 Millionen Kubikmeter (18,7 %) genutzt. Hoffen auf Wiederaufforstung Die privaten Waldbesitzer, die durch den Borkenkäferbefall und das Absterben ganzer Waldflächen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe erlitten haben, hoffen jetzt darauf, dass ihre Maßnahmen zur Wiederaufforstung spätestens 2027 erste wirtschaftliche Früchte tragen. „Die Maßnahmen haben Millionen gekostet. Geld, das viele nicht hatten. Deswegen mussten viele verkaufen oder ihren Forstbetrieb aufgeben“, sagt ein Forstexperte aus Brandenburg. Diejenigen, die durchgehalten haben, hoffen auf einen höheren Ertrag ab kommendem Jahr. Auch die Touristen blieben aus Auch die regional betroffenen Tourismusregionen hoffen, dass die kahlen Waldregionen vor allem im Sauerland und im Thüringer Wald bald wieder zugewachsen sind. „Wir haben aufgrund der geschädigten Waldgebiete schon deutliche Rückgänge bei den Gästezahlen verzeichnen müssen“, sagte kürzlich ein Tourismusmanager aus dem Erzgebirge bei einer Anhörung im Tourismusausschuss des Bundestages. Jetzt hoffe man darauf, dass die langsam nachwachsenden Baumflächen bald wieder ein schönes Ambiente für Naturliebhaber und Touristen entwickeln. Marktbeobachter glauben fest an eine Chance dieser Regionen – gerade angesichts der weltweit unsicheren Lage, die viele Urlauber von einer Fernreise absehen lässt.
- Warten auf den großen Reformschub
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar befassen wir uns mit der aktuellen Wachstumsprognose für Deutschland und den Reaktionen der schwarz-roten Koalition insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum. Dort sorgen steigende Treibstoffpreise und Engpässe beim Dünger zunehmend für wirtschaftliche Sorgen. Des Weiteren lässt uns das Thema Wolf nicht los. Vielerorts lösen Risse von Weidetieren große Betroffenheit aus, so jüngst auch in Südwestfalen. Derweil wird in den Bundesländern an Regelungen gearbeitet, wie der Wolf künftig geschossen werden darf. Hintergrund ist die kürzlich beschlossene Reform des Bundesjagdgesetzes. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung hat es in dieser Woche noch einmal bestätigt: Unsere Wirtschaft kommt nicht richtig in Gang. Zur Begründung für diese missliche Lage wird von den politisch Verantwortlichen gern auf die aktuellen Unsicherheiten durch den Ukrainekrieg sowie auf die Kämpfe am Persischen Golf inklusive Blockade der Straße von Hormus verwiesen. Natürlich sind das schwerwiegende Belastungen. Doch sie allein erklären nicht die unerfreuliche Situation. Im Gegenteil. Die entscheidenden Ursachen liegen in einer selbstverschuldeten Stagnation auf vielen Ebenen. In einem Satz: Deutschland braucht endlich wieder einen großen Reformschub. Oder wie der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, diese Woche im Deutschlandfunk die Aufgaben treffend zusammenfasste: Bürokratieabbau, Sozialreform wie etwa das Vorhaben von Bundesministerin Warken im Gesundheitsbereich sowie Maßnahmen gegen steigende Energiepreise. Und was macht die schwarz-rote Bundesregierung? Sie stimmt der Analyse prinzipiell zu, kommt aber mit der konkreten Umsetzung aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen der Koalitionäre nicht recht vom Fleck. Man debattiert, taktiert und blockiert viel zu oft und lange. Da muss sich leider niemand wundern, wenn radikale Parteien wie die AfD in den Umfragen Oberwasser gewinnen. Bauern unter hohem Kostendruck Gerade im ländlichen Raum leiden viele Bürger und Betriebe besonders heftig unter den Verwerfungen auf dem Energiemarkt. Pendler, die auf das Auto angewiesen sind, können die stark gestiegenen Preise für Benzin und Diesel nur noch schwer verkraften, der vorgesehene Tankrabatt ist hier allenfalls eine Zwischenlösung. Und insbesondere vielen Bauern treiben die gestiegenen Kosten den Schweiß auf die Stirn. Denn durch die Blockade der Straße von Hormus wird Dünger knapp, den Landwirte dringend für ihre Äcker benötigen. Und auch die Maschinen verbrauchen reichlich Treibstoff. Es gibt zwar noch keine große Streikwelle, wie in den vergangenen Jahren, doch auf den Höfen herrscht Dieselfrust. Hier geht es nicht um irgendwelche Kleinigkeiten, sondern häufig um viele zigtausende Liter, die ein Betrieb pro Jahr zur Bewirtschaftung braucht. Dieser Aspekt kommt in der politischen Diskussion in Berlin leider – wie auch andere Themen des ländlichen Raumes – zumeist nur am Rande vor. Auch beim Thema Wolf droht das öffentliche Interesse etwas nachzulassen, was der tatsächlichen Situation in den betroffenen ländlichen Regionen keineswegs gerecht wird. Wir haben des Öfteren in unserem Blog über die negativen Folgen einer übermäßigen Ausbreitung des geschützten Tieres berichtet. Ein Beispiel, auf das ich Sie gerne noch mal hinweisen möchte, ist unser Beitrag vom vergangenen Donnerstag. Dort geht es um mehrfache Schafrisse in Südwestfalen. Die Betroffenheit darüber sei enorm, heißt es. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) forderte nun im Rahmen eines Pressegesprächs vor Ort, die unverzügliche Entnahme von Problemwölfen und eine schnelle Umsetzung der mit der Änderung des Bundesgesetzes geschaffenen Möglichkeiten zur Wolfsregulierung. Zum Spendenformular Offenkundig besteht weiterhin massiver Handlungsbedarf. Denn die jüngst beschlossene Änderung des Bundesjagdgesetzes ist nur ein erster, wichtiger Schritt. Jetzt müssen die Bundesländer die Regelungen konkret für sich umsetzen. Dabei gibt es durchaus einige Stellschrauben zu Lasten von Jagd und Natur. Denn niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass selbsternannte „Wolfsfreunde“ nach ihrer parlamentarischen Niederlage auf Bundesebene in den Ländern so einfach klein beigeben werden, egal welch schwerwiegende Folgen dies für Weidetierhalter und das Zusammenleben von Menschen und Natur haben könnte. Umso wichtiger ist es, wie die entsprechenden Weichen von den politisch Verantwortlichen in den Bundesländern gestellt werden. Länder müssen die Regelungen umsetzen In Niedersachsen etwa will die dortige Landesregierung bis zum 1. Juli einen rechtssicheren Managementplan vorlegen, in dem geregelt wird, wann die geschützten Raubtiere geschossen werden dürfen. Nach Medieninformationen wird dabei ein Kurswechsel vorbereitet. Künftig sollen nicht mehr nur einzelne Wölfe, sondern auch ganze Rudel ins Visier genommen werden dürfen. Spannend wird es in diesem Zusammenhang besonders in Baden-Württemberg. Dort entscheidet sich in naher Zukunft, wen die CDU als Ressortchef in das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium schickt. Sobald feststeht, wer das Ressort führt, wird unser Autor Wolfgang Molitor ausführlich darüber berichten. Derweil breitet sich in Deutschland neben dem Wolf ein weiterer und neuer Beutegreifer aus: der Goldschakal. 1997 in der Bundesrepublik erstmals nachgewiesen, hatte der Neubürger 20 Jahre später auf seinem Expansionskurs Schleswig-Holstein erreicht. Dort ist nun im Kreis Plön erstmals ein Paar des eigentlich in Südosteuropa und Asien beheimateten Räubers bestätigt worden. Das spricht dafür, dass der Neubürger dort sesshaft geworden ist und sich auch vermehren wird. In einem Blog-Beitrag geht unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche darauf ein, warum der Nachweis für Jagd, Naturschutz und Monitoring von besonderer Bedeutung ist. Es gilt, die neue Tier-/Wildart frühzeitig zu erfassen und fachlich einzuordnen, um Entwicklungen belastbar bewerten zu können. Trotz mehrerer Nutztierrisse gilt das Risikopotenzial der geschützten Art bislang als eher vergleichbar mit dem des Fuchses als mit dem des Wolfes. Aber insbesondere mit Blick auf den Schutz bestandsgefährdeter Arten, z. B. Bodenbrüter, gilt eine großflächige Etablierung des Goldschakals als problematisch. Denn er vergrößert das ohnehin breite Spektrum der Fressfeinde dieser Arten. Kurzum, Sie dürfen sich auf diesen interessanten Blogbeitrag freuen … Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche. Mit besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Koordination/Redaktionsleitung
- Hof sucht einen Bauern
Wenn der Hof einen Bauern sucht, geht es nicht ums Liebesglück. Dann fehlt in der Familie ein Nachfolger, dann stehen das Lebenswerk und die Existenz von Alt und Jung im Mittelpunkt. Helfen können außerfamiliäre Lösungen Foto: ChatGPT Die EU-Kommission will sich mehr um junge Landwirte kümmern und ihnen beim Aufbau der Existenz helfen. Das ist enorm wichtig, denn rein statistisch überaltert Europas Landwirtschaft zurzeit schneller als andere Branchen. Nach den jüngsten Zahlen liegt das Durchschnittsalter der Landwirte in der Europäischen Union bei 57 Jahren. Sprich: Sehr viele Hofinhaber haben das 60. Lebensjahr längst überschritten. Zwölf Prozent der Bauern in Europa sind unter 40 Jahre alt und fallen in die Kategorie „Junglandwirtin und -landwirt“. In Deutschland sind es laut einer aus dem Jahr 2023 stammenden Erhebung immerhin 16 Prozent. Der Generationswechsel in der Landwirtschaft darf nicht scheitern. Denn die landwirtschaftlichen Betriebe sind wichtig für Ernährungssicherheit, eine mehr und mehr autonome Lebensmittelerzeugung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft des ländlichen Raums. Die EU-Kommission hat sich auch deshalb das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2040 den Anteil von Jung- und neuen Landwirtinnen und Landwirten zu verdoppeln. Damit soll sichergestellt werden, dass der Sektor „innovativ, wettbewerbsfähig und widerstandsfähig“ bleibt. Wenn es gut läuft, bleibt ein Bauernhof über Generationen in Familienhand. Doch es nehmen die Fälle zu, dass das Lebenswerk nicht an die Kinder weitergegeben werden kann. Die Rahmenbedingungen sind anspruchsvoll. Oft ist ein Zuverdienst notwendig. Gerade bei kleineren Betrieben droht im schlimmsten Fall die Hofaufgabe. Ein Ende, das schmerzt. Existenzgründungen in der Landwirtschaft eher die Ausnahme Da empfiehlt es sich, im Vorfeld über den Tellerrand zu blicken und auch eine außerfamiliäre Lösung in Betracht zu ziehen. Denn der von der EU angestrebte hohe Anteil an Junglandwirten kann in der Realität nur erreicht werden, wenn die Höfe selbst auf jeden Fall bestehen bleiben. Existenzgründungen wie in anderen Branchen sind in der Landwirtschaft eher eine Ausnahme. Aktuell werden nur etwa drei Prozent der Familienbetriebe von Personen bewirtschaftet, die den Hof nicht geerbt haben. Fachleute gehen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung von einer Zunahme aus. Die gemeinnützige Stiftung Agrarkultur leben gGmbH im nordhessischen Rotenburg an der Fulda ist eine Initiative, die sich seit vielen Jahren intensiv darum bemüht, Hofabgeber und Hofsucher zusammenzubringen. Einen ersten Eindruck von der Arbeit erhält man beim Blick auf die bereits informative Internetplattform hofsuchtbauer.de. Die Stiftung mit Geschäftsführer und Gründer Christian Vieth an der Spitze bietet bundesweit Beratung und Informationen zur Hofnachfolge an, begleitet Übernahmeprozesse oder sorgt für die Vernetzung mit weiteren Experten. „Jeder gerettete Hof ist uns die Mühe wert“, sagt Vieth. Anfangs sei seine Initiative belächelt worden, inzwischen finde sie aber immer mehr Zuspruch. Der Prozess einer Übergabe kann allerdings sehr lange dauern. Für Vieth ist das nachvollziehbar. „Der Hofnachfolger muss der komplexen Aufgabe, einen Hof zu führen, gewachsen sein. Es werden also keine Lehrlinge gesucht“, erklärte er jüngst in einem Interview. „Der Prozess einer außerfamiliären Übergabe dauert drei bis fünf Jahre, angefangen mit den ersten Gedanken, der Suche, einer Probezeit und schließlich der Gestaltung der Verträge. Und ich kann sagen, dass es in fast allen Fällen, die ich bisher begleiten durfte, gelungen ist.“ Nur eine von 800 Übergaben habe leider nicht funktioniert.
- Wolfsrisse belasten Weidetierhalter massiv
Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) macht Druck: Nach Schafrissen in Südwestfalen drängen die Bauern darauf, dass die neuen Möglichkeiten des Bundesjagdgesetzes endlich zur Anwendung kommen Sie sorgen sich um die Weidetierhaltung (v. l. n. r.): Bernd Eichert, Julian Quast und Hubertus Beringmeier. (Foto: WLV) Die Weidetierhalter in Südwestfalen sind in großer Sorge. Erst kürzlich hatte es in Scheiderwald/Wenden im Kreis Olpe mehrfach Schafrisse gegeben, sechs tote Schafe auf dem Betrieb von Julian Quast, die Betroffenheit ist enorm. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) forderte nun im Rahmen eines Pressegesprächs vor Ort die unverzügliche Entnahme von Problemwölfen und eine schnelle Umsetzung der mit der Änderung des Bundesjagdgesetzes geschaffenen Möglichkeiten zur Wolfsregulierung. Das kann danach nun regional in den einzelnen Bundesländern jeweils durch landesgesetzliche bzw. behördliche Regelungen umgesetzt werden. In NRW wurde am Mittwoch der WLV mit diesem Pressetermin bei einem Weidetierhalter aktiv. Die höchste Wolfsdichte gibt es bundesweit in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Wie viele Wölfe tatsächlich in Nordrhein-Westfalen leben, war lange unklar. Die Landesregierung in Düsseldorf sprach bisher nur von sechs Wolfsterritorien, eine Gesamtzahl der Tiere nannte sie nicht. Ein neuer Bericht des Landwirtschaftsministeriums an den Landtag schließt diese Lücke nun: Demnach sind es etwa 30 Tiere, die aktuell in NRW leben. Das Landwirtschaftsministerium NRW arbeitet nach eigenen Angaben an einem entsprechenden Umsetzungskonzept. Für die Weidetierhalter in Südwestfalen kann dies nicht schnell genug gehen. Wolfsrisse sind keine Ausnahme mehr „Was wir hier erleben, ist längst Alltag für viele Betriebe, insbesondere in den Mittelgebirgsregionen wie hier im Kreis Olpe", unterstreicht Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Die Weidetierhalter bräuchten jetzt wirksamen Schutz und vor allem schnelles Handeln der zuständigen Behörden. Beringmeiers Forderung ist klar: „Wenn Wölfe den Grundschutz überwinden oder dort Schafe reißen, wo ein solcher Schutz nicht zumutbar ist, wie in weiten Teilen der höheren Lagen Südwestfalens, dann müssen diese Wölfe unverzüglich entnommen werden können." Mit der Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz sind die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, um Problemwölfe deutlich schneller und rechtssicher zu entnehmen. Der WLV begrüßt diese Weichenstellung ausdrücklich, macht aber auch deutlich, dass das Gesetz nun ohne weitere Verzögerung in NRW zur Anwendung gebracht werden müsse. Schafhalter schildert Hilflosigkeit nach Wolfsriss Schafhalter Julian Quast aus Scheiderwald/Wenden ist erst vor wenigen Tagen Zeuge von Wolfsrissen auf seinem eigenen Betrieb geworden und schildert eindrücklich: „Sechs tote Schafe, das ist nicht nur ein finanzieller Verlust. Es sind Tiere, für die man Verantwortung trägt. Nach so einem Angriff bleibt ein Gefühl von Hilflosigkeit und permanenter Unsicherheit. Wir brauchen dringend Regelungen, um unsere Tiere wirklich schützen zu können.“ Anders als hier dargestellt gibt es laut Landwirtschaftsministerium in NRW inzwischen sogar 30 Wölfe. Quelle der Grafik: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) Der WLV weist darauf hin, dass jedes Rissereignis die betroffenen Tierhalter stark belastet. Manche denken über die Aufgabe des Betriebs nach, mit fatalen Folgen für Landschaftspflege, Biodiversität und den ländlichen Raum. Sofortiges Handeln nach Wolfsrissen gefordert Der WLV-Wolfsbeauftragte Bernd Eichert, selbst Tierhalter in Wenden, unterstreicht die Dringlichkeit eines beschleunigten Vorgehens: „Nach einem Riss muss sofort gehandelt werden. Die notwendigen Feststellungen müssen unverzüglich getroffen werden, damit schon in der auf das Rissereignis folgenden Nacht ein Abschuss im gesetzlich vorgesehenen Radius möglich ist. Nur so besteht eine realistische Chance, genau den Wolf zu entnehmen, der für den Schaden verantwortlich ist." Bürokratische und langwierige Verfahrensabläufe seien nicht akzeptabel. „Bereits das Erscheinungsbild eines Rissereignisses muss als ausreichende Grundlage dienen, um dieses einem Wolf zuzuordnen und die Voraussetzungen für eine Entnahme festzustellen“, fordert Eichert. Wölfe kehrten erfahrungsgemäß in den Tagen nach einem Riss an den Ort des Geschehens zurück, diese Zeit müsse genutzt werden. Konkrete Forderungen des WLV Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband fordert bei der Umsetzung des Bundesjagdgesetzes insbesondere: unverzügliche Feststellung von Wolfsrissen und unbürokratische Verfahrensabläufe Möglichkeit zur unverzüglichen Entnahme von Problemwölfen nach Rissereignissen zeitnahe Aufstellung der vom Bundesjagdgesetz vorgesehenen verpflichtenden Managementpläne, die Ausweisung unzäunbarer Weidegebiete und eine feste Entnahmequote von 40 Prozent des jährlichen Nachwuchses
- Frisch aus dem Wald auf den Tisch: „Clean Eating“
Zartes Grün sprießt nun im Frühling überall in der Natur. Manches frische Blatt schmeckt nicht nur den Tieren gut. Auch für uns Menschen ist Etliches, was jetzt der wärmenden Sonne entgegenwächst, sogar höchst bekömmlich Foto: angieconscious / pixelio.de Junge Pflanzen, Kräuter und Gräser aus dem Wald sind für Vögel, Insekten und andere Wildtiere erste und bevorzugte Nahrung nach dem Winter. Vielen ist nicht bewusst, dass eine ganze Reihe Wildpflanzen auch für uns Menschen essbar sind und außergewöhnliche Geschmackserlebnisse bieten. Manchem von dem, was quasi vor der Haustür wächst, wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. So enthalten 50 Gramm Gewöhnliche Vogelmiere, die auch Hühnerdarm oder Hühnerscherbe genannt wird, neben Kalium, Kalzium und Magnesium so viel Vitamin C, dass der Tagesbedarf eines Erwachsenen gedeckt ist. Gegenwärtig ist deshalb die beste Zeit, um heimisches Grün auf kulinarische Weise kennenzulernen oder die Köstlichkeiten neu zu entdecken. Dazu muss man kein Verfechter der zunehmend in Mode kommenden Naturküche sein oder dem Trend zum sogenannten Health Food, was sich wohl am adäquatesten mit „gesunde Nahrung“ übersetzen lässt, anhängen. Es reicht etwas guter Geschmack und der Wille, die heimische Küche zu veredeln. Neben Spitzenköchen frönen deshalb auch immer mehr gesundheitsbewusste Genießer dem „Clean Eating“ mit nährstoffreichen, naturbelassenen Zutaten aus der kulinarischen Schatzkammer des Waldes. Dabei handelt es sich eher um eine Wieder- als um eine Neuentdeckung der puren Aromen. Denn bereits Hildegard von Bingen hat vor etwa acht Jahrhunderten eine gesunde Ernährung auf der Basis von Naturkräutern empfohlen. Zu den bekanntesten Frühjahrswildkräutern gehört sicher der Bärlauch mit seinem intensiven Knoblauchgeruch. Er ist inzwischen derart gefragt, dass auch Supermärkte ihn anbieten. In der Frischetheke der Natur gibt es ihn ab etwa Mitte März kostenlos. Er wächst in Laubwäldern vorrangig auf kalkhaltigen Böden in großen Teppichen. Zugreifen sollte nur derjenige, der ihn sicher vom giftigen Maiglöckchen, das eine ähnliche Blattform hat, unterscheiden kann. Kulinarische Schatzkammer der Natur Wer in dem Punkt unsicher ist, kann auch die Knoblauchrauke ernten, die gerne auf nährstoffreichen schattigen Flächen, etwa an Hecken oder Waldrändern, wächst und ähnliche Aromen bietet. Die Blätter schmecken leicht nach Knoblauch. Die enthaltenen Senföle geben ihnen eine angenehme Schärfe. Beide Pflanzen eignen sich ebenso wie Wald-Sauerklee, Löwenzahn und Giersch für Kräuterbutter und Salate. Foto: Stefan Domesle / pixelio.de Die goldgelben Blüten des nahrhaften und gesunden Löwenzahns, der auch als Pusteblume bekannt ist, ergeben zudem einen aromatischen Sirup, der auch als vegane Honigalternative genossen werden kann. Der würzige Gundermann und Sauerklee sind ebenfalls reich an Vitaminen und eignen sich für Pesto, Salat oder Tee. Die nährstoffreiche Brennnessel eignet sich zudem für Spinat und der süßlich duftende Waldmeister gibt eine herrlich frische Maibowle. Leicht zu finden und zu erkennen ist das Gänseblümchen. Dessen erste Blütenknospen lassen sich zu sogenannten falschen Kapern verarbeiten. Das auch als Tausendschön und Marienblümchen bezeichnete Gewächs mit seinen weißen bis leicht rötlichen Blüten, die ein essbarer Hingucker im Frühlingssalat sind, schmeckt ähnlich wie Feldsalat, allerdings leicht bitter. Selbst Waldmoose lassen sich in der Naturküche nutzen, etwa zum Räuchern von Tomaten. Doch nicht nur am Boden sprießt frisches Frühlingsgrün. Auch die Bäume treiben aus und bieten Genussvolles. Die hellgrünen Triebspitzen der Fichte können ab diesem Monat geerntet und zu einem belebenden Tee verarbeitet werden. Sie enthalten ätherisches Öl, Vitamin C, Zucker und Gerbstoffe. Frische Buchenblätter geben einen hervorragenden Salat. Die „Handstraußregel“ beachten Wer nun zur Ernte in die Natur zieht, sollte wissen, dass er am ehesten an lichten Stellen, Wegrändern und in Mischwäldern fündig wird. Allerdings sollte die direkte Nähe zu Straßen und landwirtschaftlichen Flächen ebenso gemieden werden wie Wildwechsel, eingezäunte Weiden und Flächen unmittelbar an beliebten Wegen für Gassi-Runden mit Hunden. Das stellt sicher, dass die Wildpflanzen möglichst wenig mit Abgasen, Pestiziden oder anderen unerwünschten Stoffen in Berührung gekommen sind. Waldkräuter werden am besten bei trockenem Wetter gepflückt. Sie sollen frisch, sauber sowie unversehrt aussehen. Oberste Regel ist: Es wird nur gepflückt, was man absolut sicher erkennt. In Naturschutzgebieten ist das Pflücken verboten. Auch geschützte Arten sind tabu. Außerdem gilt die „Handstraußregel“ des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie besagt, dass nur kleine Mengen für den Eigenbedarf entnommen werden dürfen. Beim Sammeln ist darauf zu achten, die Blätter nicht mit der Zwiebel oder Wurzel aus der Erde zu ziehen. Sie sollte im Boden bleiben, damit die Pflanze im nächsten Frühling wieder austreiben kann. Elementar zur Waldküche gehört Wildbret. Es bietet Fleisch in bester Qualität, denn im Wald gibt es noch artgerechte Wildlebensräume fern von Eingriffen des Menschen. Rot-, Reh-, Dam- und Schwarzwild ernähren sich fast das ganze Jahr über vorwiegend von frischen Kräutern und Gräsern. Das beeinflusst maßgeblich den milden Geschmack des Wildbrets, das fettarm, eiweiß- und nährstoffreich ist. Es lässt sich mit Waldkräutern hervorragend zubereiten. Wer sich einen speziellen Genuss gönnen möchte, verarbeitet Bärlauch oder Knoblauchrauke zu einem Pesto, mit dem er den Rücken eines frisch erlegten Maibocks überbackt.
- Zwischen Koalitionszwang und Wirtschaftskrise: Regierung sucht Stabilität
Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, ökonomischer Sachverstand deckt sich nicht immer mit dem Blick für das politisch Machbare. Das gilt allemal für die aktuelle Koalition voller ideologischer Gegensätze. Die derzeit wichtigste Klammer zwischen Union und SPD bildet der Erhalt staatlicher Handlungsfähigkeit aus der politischen Mitte heraus. So sind vielleicht die Beschlüsse in der Villa Borsig zu verstehen. Sie fielen am Ende gegen das kritische Unisono der wohl diesmal nicht nach ihrem Rat gefragten Wissenschaftler und Sachverständigen. Was jetzt gilt: Aus der Wirtschaftskrise kommen wir nur, wenn sie nicht von einer andauernden politischen Krise überlagert wird. Wirtschaftsministerin Reiche hat sicher in Teilen Recht, der Kanzler muss den Laden aber zusammenhalten und darf dabei Vizekanzler Klingbeil nun einmal nicht links liegen lassen. Das alles spielt sich in Berlin vor einer außenpolitischen Kulisse voller Unsicherheiten ab. Dabei schöpft Europa nach der Wahl in Ungarn aus mehr eigener Stärke. Brüssel arbeitet daran, dass immer mehr ohne Trump geht. Die Auswirkungen seiner „Friedenspolitik“ werden wir also weiter zu spüren bekommen. Schauen wir noch kurz in die Regionen: Die künftigen Koalitionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind wohl nach allen Irritationen wie erwartet auf dem Weg. Zur Energiesicherung gehört der Netzausbau mit den großen Nord-Süd-Trassen. Auf die Auswirkungen auf unsere Landschaft kommen wir in unserer Wochenkolumne mit dem Blick aufs Wild noch einmal zurück. Und auf das, was die Natur uns sonst noch bietet Gut gemeint kommt nicht immer gut an. Von allen Seiten kam der Ruf nach Entlastungen für möglichst viele Betroffene, die gezwungen sind, zu den drastisch gestiegenen Preisen zu tanken. Viele von uns sind einfach auf das Auto angewiesen – als Pendler, in den Unternehmen oder privat zur Versorgung der Haushalte in strukturschwachen ländlichen Regionen. Das Stöhnen dort ist vielfach berechtigt, wo nun einmal Abhängigkeiten von der Tanksäule bestehen. Im letzten Wochenbrief sind wir bereits darauf eingegangen, wo überall die explodierenden Kraftstoffpreise Existenzängste ausgelöst haben. An den Streit zwischen ordnungspolitischen Grundsätzen und Koalitionsdisziplin vor dem Wochenende in der Villa Borsig erinnern wir uns gut. Und an die Spannungen zwischen Wirtschaftsministerin und Finanzminister (= Vizekanzler und SPD-Co-Chef). Der Kanzler hat die entsprechenden gegensätzlichen Überzeugungen aus der politischen DNA beider nicht auflösen können. Zur Union gehört marktwirtschaftliche Grundsatztreue und zur SPD staatliche Zuwendungsmentalität. Merz hat mehr Koalitionsdisziplin für öffentliche Auftritte und Äußerungen aus dem Kabinett heraus eingefordert. Kritiker haben genüsslich Zitate von Friedrich Merz mit Widersprüchen zwischen seinen Oppositions- und Kanzlerpositionen für die Bundestagsdebatte ausgegraben. Das Verhältnis Union und Wirtschaft erscheint zunehmend belastet Der Kanzler muss und will geschmeidig sein, wenn er den Laden zusammenhalten will. So versucht er, trotz ständig sinkender Zustimmung in den wöchentlich neuen Umfragen auf Reformkurs zu bleiben. Entsprechende Umfragen nimmt er offensichtlich in Kauf. So hat in dieser Woche das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seine Untersuchung zur Stimmung unter rund 1000 Unternehmen veröffentlicht. Danach stellen 43 Prozent der Befragten fest, dass ihre Lage schlechter sei als vor einem Jahr. Zur Vollständigkeit: Nur für 14 Prozent waren positive Signale zu erkennen. Diese Kritik ist auch aus Verbänden des Mittelstandes und der Arbeitgeber zu hören. Die teilweise drastisch artikulierten Äußerungen über die Gesamtlage in der Wirtschaft haben dann wohl auch zur Welle der Ablehnung der von der Koalition geplanten steuerfreien 1.000-Euro-Prämie geführt. Insgesamt erscheint das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Union als zunehmend belastet. Das angekündigte Reformtempo soll gleichwohl nun gehalten werden. Jedenfalls hält sich die Kritik an dem, was zur Reform des Gesundheitswesens auf dem Tisch liegt, dagegen erst einmal in Grenzen. So wiederholen wir uns: In der politischen Prioritätenliste rutscht angesichts dieser Debatten mit entsprechenden Schlagzeilen vieles nach unten, was uns eigentlich beschäftigt. Den Sondierungen folgen jetzt Koalitionsverhandlungen in Stuttgart und Mainz Auf Länderebene ist jetzt erst einmal der Bundesrat gefragt, der nach den abschließenden Lesungen im Bundestag dem Entlastungspaket Sprit und der Steuerfreiheit der 1000-Euro-Prämie wohl schnell zustimmen wird. Anfang Mai soll dann alles wirken, was trotz aller Kritik abgesprochen und auf den Weg gebracht wurde. Vorab gab es dann Ende dieser Woche wenigstens ohne staatliche Eingriffe eine leichte Entspannung an den Tanksäulen. Auf den „Übergewinn des Staates“ haben wir bereits hingewiesen. Jetzt liegen erste Berechnungen vor, die ich gerne als Zitat aus einer Meldung des Bayerischen Rundfunks nachschiebe. Der Fiskus könnte danach durch gestiegene Spritpreise je nach Rechnung im Zeitraum eines Jahres 1,9 bis 3,3 Milliarden Euro mehr Mehrwertsteuern einnehmen. Das ergibt sich nach dieser Berechnung so: Der Nettopreis pro Liter wird mit der Energiesteuer und der CO2-Abgabe zusammengerechnet, auf diese Summe werden 19 Prozent MwSt. aufgeschlagen. Zum Spendenformular Und ebenfalls auf Länderebene nehmen die erwarteten Koalitionen in Stuttgart und Mainz erste Konturen an. CDU und Grüne sowie CDU und SPD beginnen nach Sondierungsgesprächen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz formell mit Koalitionsverhandlungen. Mitte Mai könnten die Koalitionen unter Cem Özdemir und Gordon Schnieder stehen . Jedenfalls sollen sie dann nach den vorläufigen Terminplanungen der Landtage zu Ministerpräsidenten gewählt werden. Netzausbau mit Folgewirkungen auf Biotope und Wildtiere Ein ständiges Thema geht von den Umwälzungen mit Auswirkungen auf Strukturen und Landschaftsentwicklung in der Energiepolitik aus. Dabei geht es auf dem Lande vorwiegend um den Netzausbau und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur. Darüber haben wir in unserem Blog schon mehrfach berichtet. Alle wollen die Energiewende. Aber wenn sie mit dem Netzausbau vor der eigenen Haustür konkrete Gestalt annimmt, hakt es oft . Betroffene melden sich immer wieder zu Wort. Die Flächeneingriffe für die Erdkabel sind teilweise so gravierend, dass bereits das Bundesverwaltungsgericht darüber entschieden hat – allerdings zu Lasten der Eigentümer und der Agrarwirtschaft. Jetzt meldete sich der Landesjagdverband Schleswig-Holstein zu Wort. Er unterstützt das Ziel, den Stromnetzausbau planbarer und konfliktärmer zu machen. Anlass zu einer Veröffentlichung zu diesem Thema ist die Stellungnahme der Jägerschaft im Norden mit der Aufforderung an die Netzunternehmen und Genehmigungsbehörden, Naturschutz- und Biodiversitätsbelange systematisch, transparent und fachlich belastbar zu berücksichtigen . „Wer Netzausbau beschleunigen will, muss sensible Räume frühzeitig erkennen und Barrieren für Wildtiere von vornherein mitdenken“ , sagte dort LJV-Geschäftsführer Marcus Börner. Von einer bereits gelegten Trasse im Bereich des Teutoburger Waldes berichtet mir der Eigentümer (und Jäger) betroffener Grundstücke, dass durch die Bauarbeiten alte und lange beobachtete Wildwechsel abrupt unterbrochen wurden. Ausgangspunkt: Der obere Boden der Äcker wurde breitflächig abgetragen. Dadurch entstand dort ein rund vier Kilometer langer und etwa 50 Meter breiter Graben. Von außen betrachtet ist das vielleicht ein Nebeneffekt des Netzausbaus. Der LJV betont, dass gerade bodengebundene Wildtiere empfindlich auf solche Zerschneidungseffekte reagieren würden. Die diesbezügliche fachliche Expertise sollte also von vornherein in solche Planungen einbezogen werden. In Schleswig-Holstein wird auf den dort beschlossenen Wildwegeplan, das Wildtierkataster und vorhandene Daten zu Wildunfällen und Tierfunden sowie bekannte Wanderachsen und Barrierewirkungen verwiesen. Das sind wichtige Ratschläge aus dem Land, von wo aus immer mehr Windkraft bis in den Süden der Republik transportiert werden soll. Waldrucksäcke für 18 Schulen in Hamm Schon mehrfach konnten wir an dieser Stelle und in unserem Blog über die Naturpädagogik-Projekte unserer Stiftung berichten. Studien zeigen: Kinder haben eine abnehmende Beziehung zur Natur; nachhaltige Naturbewirtschaftung ist ihnen oft ein Fremdwort. Das belegen Studien. Die Chance erlebnisorientierten Lernens wird – besonders im städtischen Umfeld – in der Praxis zu selten genutzt. Das nimmt die Jägerstiftung natur+mensch seit über 20 Jahren zum Anlass, die Naturpädagogik an unseren Schulen zu fördern. Das geht nicht ohne Partner. Oft stehen dabei Serviceclubs wie Rotary oder Lions zur Seite. Aktuell hat der Rotary Club Hamm-Mark unter seinem Jahresmotto „Natürlich leben. Heimat, Gemeinschaft, Verantwortung “ den Grundschulen der Stadt die Waldrucksäcke mit Begleitmaterial zum Unterricht und für Exkursionen angeboten. Das für den aktuellen Clubpräsidenten Robert Vornholt überraschende Echo: 18 Schulen in der Stadt haben Interesse gezeigt und bekommen am 27. April in einer großen Aktion jeweils einen Waldrucksack. Dafür bereitet der Club gemeinsam mit dem Landesbetrieb Wald und Holz einen besonderen Rahmen vor: Zur begleitenden Aktion „WaldJugendSpiele" werden etwa 200 Schülerinnen und Schüler erwartet. Sie absolvieren dann einen vorbereiteten Parcours mit verschiedenen Stationen. Sie werden von Försterinnen und Förstern sowie Mitgliedern des Clubs betreut. Mittags überreichen dann die Rotarier in Anwesenheit der NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen dem Vorsitzenden unserer Jägerstiftung natur+mensch, Georg Graf Kerssenbrock, sowie Mitgliedern des Rotary Clubs Hamm-Mark die 18 Waldrucksäcke. Neben didaktischem Material für den Schulunterricht enthält der Themenrucksack auch Hilfsmittel für einen Entdeckungsgang in Wald, Feld und Flur. Das sind zum Beispiel Becherlupen, Augenbinden zur Schärfung des Gehörs und des Tastsinns und – dank des Sponsors – ein hochwertiges Fernglas zur Naturbeobachtung. Gerade für Lehrerinnen und Lehrer bzw. Erzieherinnen und Erzieher, die über weniger Erfahrung im naturkundlichen Unterricht verfügen, bietet dieser Themenrucksack die Chance zu mehr Naturnähe in Teilen ihres Unterrichtes. Einige Jäger (auch aus dem Rotary Club Hamm-Mark) bieten örtlich an, erste Schritte zum erlebnisorientierten Naturkundeunterricht fachlich zu begleiten. Außergewöhnliche Geschmackserlebnisse durch Wildpflanzen Zartes Grün sprießt nun im Frühling überall in der Natur. Manches frische Blatt schmeckt nicht nur den Tieren gut. Auch für den Menschen ist Etliches, was jetzt der wärmenden Sonne entgegenwächst, nicht nur schön anzuschauen, sondern auch höchst bekömmlich. Eine ganze Reihe Wildpflanzen ist für uns Menschen essbar und bietet außergewöhnliche Geschmackserlebnisse. Manchem von dem, was quasi vor der Haustür wächst, wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. Gegenwärtig ist deshalb die beste Zeit, um heimisches Grün aus Wald und Feld auf kulinarische Weise kennenzulernen oder die Köstlichkeiten neu zu entdecken. In der kommenden Woche geht Christoph Boll in einem Blog-Beitrag darauf ein, wie Bärlauch, Hagebutte, Löwenzahn und Co., zu Pesto, Tee oder Salat verarbeitet, ein kulinarischer Genuss werden, der die Frühjahrsmüdigkeit vertreibt. In meinem letzten Wochenbrief habe ich mir erlaubt, einige kritische Bemerkungen zum Schicksal des vermenschlicht Timmy genannten Buckelwals vor der Insel Poel in der Ostsee zu äußern. Daran habe ich nichts zu ändern. Warum lässt man das todkranke Tier nicht in Ruhe? Mit Tierschutz hat das alles nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. Da wartet ein krankes Meerestier offensichtlich auf Erlösung und nicht auf weitere Qualen durch selbst ernannte Retter. Sie schlagen den Rat kompetenter Meeresbiologen in den Wind und lassen Pontons, Bagger und Luftkissen auffahren, um die ohnehin schon geschundene Kreatur in die Nordsee zu transportieren. So wird das aus meiner Sicht wohl kein gutes Wochenende. In diesem Sinne verbleibe ich diesmal mit besten Grüßen unserer Redaktion natur+mensch Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination
- Rebhuhn: Vogel des Jahres ist im Sinkflug
Die Balz ist weitgehend gelaufen. Bald beginnen die Hennen mit der Eiablage. Es gilt zwar als Charaktervogel unserer offenen Feldflur. Doch das Vorkommen ist in Deutschland trotz aller Hegebemühungen seit langem im stetigen Sinkflug Foto: Marek Szczepanek , Perdix perdix 2 (Marek Szczepanek) , CC BY-SA 4.0 Die Henne beginnt mit dem eigentlichen Brutgeschäft erst, wenn das durchschnittlich zehn bis 20 Eier umfassende Gelege komplett ist. Bis zu zwei Dutzend Eiern, die im Abstand von bis zu zwei Tagen gelegt werden, können es pro Nest werden. Doch die auf den ersten Blick groß erscheinende Zahl kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bundesweit immer weniger Rebhühner gibt. Denn auch wenn sie in weiten Teilen Europas und Asiens Standvögel sind und das gesamte Vorkommen auf bis zu zehn Millionen Exemplare geschätzt wird, leben bei uns nach Schätzung der Deutschen Wildtier Stiftung nur noch etwa 50.000 Brutpaare. In Hessen wird der Bestand auf 5.000 bis 10.000 Brutpaare geschätzt, eine Abnahme des Bestandes um 50 Prozent in 25 Jahren. In Sachsen ging der Bestand in den zehn Jahren von 1995 bis 2005 um annähernd 90 Prozent zurück. Das Rebhuhn steht wegen dieser Entwicklung in Deutschland als „stark gefährdet“ auf der roten Liste. Das war lange Zeit ganz anders. Drei-Felder-Wirtschaft war der ideale Lebensraum Zunächst waren Steppen und Heidegebiete die ursprünglichen Lebensräume des Rebhuhns, das schneearme Lagen unterhalb von 600 Metern bevorzugt. Als der Mensch die Wälder rodete und ganze Landschaften kultivierte, entstanden klein-parzellierte Felder, gesäumt von unkrautreichen Feldrainen, Wegrändern und Altgrasstreifen. Deckung und Schutz vor Witterung und Feinden bot auch der Anbau von Kartoffeln und Rüben, in denen früher noch viele Insekten lebten, die die reinen Bodenbrüter als Eiweißquelle für ihre Jungenaufzucht benötigen. Diese von der Drei-Felder-Wirtschaft geprägte Kulturlandschaft war für das Rebhuhn wie für alle anderen Kulturfolger ein idealer Lebensraum. Noch vor 70 Jahren war ein Acker meistens nur wenige 1.000 Quadratmeter groß und der Anbau von verschiedenen Feldfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Futterklee und Mais wechselte sich in der Landschaft ab mit Brachen. Unter solchen optimalen Bedingungen betrug die Siedlungsdichte bis zu 120 Paare auf 100 Hektar. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature), das weltweit größte Netzwerk für Naturschutz, stuft den weltweiten Bestand auch heute noch als gesichert ein. In Europa aber ist er stark gefährdet. Denn seit den 1970er Jahren sinkt er kontinuierlich, allein von 1980 bis 2016 um 94 Prozent. In manchen Gegenden ist das Rebhuhn längst ausgestorben. Es droht der flächendeckende Absturz. Flurbereinigte Agrarwirtschaft löst intakte Lebensräume ab Die Gründe sind mannigfaltig. Wesentlich ist die Zerstörung intakter Lebensräume durch die Umwandlung der Agrarlandschaft in flurbereinigte und dann intensiv mit Großmaschinen bewirtschaftete Flächen. Da gibt es Regionen, in denen ein einziges Feld mehr als 100 Hektar groß sein kann, also eine Million Quadratmeter, auf denen sich gerade mal noch ein Brutpaar findet. Auf diesen riesigen Feldschlägen ist mittlerweile auch die Vielfalt der angebauten Feldfrüchte sehr gering. Oft wird neben Weizen nur noch Raps und Mais angebaut und die Äcker werden stark mit Pestiziden behandelt, sodass sich immer weniger Insekten finden. Hat das Rebhuhn unter diesen Bedingungen schon kaum eine Überlebenschance, so kommt eine hohe Sterblichkeitsrate in kalten Wintern und nasskalten Frühjahren hinzu. Besonders Jungvögel sterben bei Dauerregen und damit einhergehender Unterkühlung. Hinzu kommen dann noch die Verluste durch Fressfeinde wie Greifvögel, Fuchs und Marder. Altvögel und Gelege werden aber auch Opfer von Raben und Krähen, Igeln, Wildschweinen, Waschbären, Wanderratten und Dachsen. Dass die zeitaufwändige Fallenjagd auf Prädatoren immer weniger ausgeübt wird, tut ein Übriges dazu. Das Rebhuhn kann als Kurzstreckenflieger und Laufvogel ihnen kaum entkommen und vermeidet deshalb Feindkontakt durch Tarnung. Das überwiegend braungraue Gefieder macht ein Rebhuhn auf der Ackerkrume fast unsichtbar. Bei Gefahr drückt es sich flach auf den Boden, um nicht entdeckt zu werden. Erst im letzten Moment fliegt das Rebhuhn auf und versucht, die nächste Deckung zu erreichen. Dabei ist der Flug niedrig über dem Boden und enthält stets längere Gleitphasen. Hegebemühungen der Jägerschaft Als Jagdbeute spielt das Rebhuhn in Deutschland nahezu keine Rolle mehr. Bereits vor zehn Jahren war die Strecke auf rund 2500 Stück gesunken, die dann auch noch überwiegend Fallwild waren. Nur wenn ein Mindestbestand durch Zählung nachgewiesen ist, dürfen die Hühnervögel überhaupt bejagt werden. Forderungen, sie aus dem Jagdrecht zu entlassen, verkennen, dass damit auch die Pflicht zur Hege durch die Jägerschaft entfiele. So aber gab und gibt es immer wieder Anstrengungen von Revierinhabern, etwa im Emsland und der Grafschaft Bentheim, durch Biotopverbesserungen dem Rebhuhn unter die Schwingen zu greifen. Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte der Jägerschaft sind bekannt aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen. Wo Rebhühner noch in nennenswerter Zahl vorkommen, ist es ein besonderes Naturerlebnis, den Revierruf des Männchens im Spätwinter und im Frühjahr zu hören und beide Geschlechter im Prachtkleid der Balz zu sehen. Die Hähne rufen vor allem morgens und abends und sind auch noch nach Einbruch der Dunkelheit zu hören. Die Eiablage erfolgt ab Mitte April und nach einer Brutzeit von etwa 25 Tagen schlüpfen die Küken, die nach zwei Wochen fliegen können und einen guten Monat später selbstständig sind. Im Hochsommer kann man mit etwas Glück beobachten, wie die Nestflüchter den beiden Altvögeln über den Stoppelacker folgen. Jäger nennen eine solche Rebhuhnfamilie eine „Kette“ und sprechen von einem „Volk“, wenn sich im Winter mehrere Familien zusammenschließen. Rebhühner brüten nur einmal im Jahr, wenn das erste Gelege nicht frühzeitig zerstört wurde. Schon eine Zuwachsrate von drei Vögeln pro Brutpaar gilt als überdurchschnittlich. Rechnet man die Winterverluste von bis zu einem Drittel hinzu, wird klar, dass es auch bei jagdlicher Vollschonung einen beständigen Schwund gibt. Allenfalls in außergewöhnlich guten Aufzuchtjahren kommt es zu einer kurzfristige Bestandserholung. Zu ihr beizutragen bemühen sich dann die Jungvögel, die über den Winter im Familienverband bleiben, wenn sie sich im folgenden Frühjahr in der näheren Umgebung ansiedeln, um ihre eigene „Kette“ zu gründen.
- Heimgekehrt in den Harz
In Deutschland galt der Luchs lange Jahre als vom Aussterben bedroht. Doch gezielte Maßnahmen sorgen zumindest rund um den Harz für ein Anwachsen des Tierbestandes Foto: Michael Lorenzet / pixelio.de Vor 25 Jahren begann das ehrgeizige Projekt. In einem begrenzten Gebiet im Harz sollte der Luchs wieder in dieser Region eine neue natürliche Heimstätte finden. Das Projekt startete im Jahr 2000 – und sollte als ein Modellprojekt gewertet werden. Jetzt zogen die Beteiligten eine erste Bilanz – und die kann sich jedenfalls für den Nationalpark Harz durchaus sehen lassen. „Ich gehe davon aus, dass die innerhalb des Harzes zur Verfügung stehenden Reviere mittlerweile komplett von Luchsen besetzt sind“, sagte der Luchs-Koordinator des Nationalparks Harz, Ole Anders, in Magdeburg zufrieden. In den Jagdrevieren wurde das Projekt Wiederansiedlung zunächst mit Skepsis aufgenommen, ist aber inzwischen weitgehend akzeptiert. Rückblende: Der Luchs galt in fast allen Teilen Deutschlands über einen Zeitraum von 200 Jahren als ausgestorben. Zu viele Regionen wurden in den vergangenen 200 Jahren dicht besiedelt, Verkehrswege durchschnitten die Lebens- und Wanderrouten für die Tiere. Dazu kommt: Luchse sind mit Blick auf die Eroberung neuer Lebensräume eher zurückhaltend. Weibchen blieben meist in der Nähe ihrer Herkunftsreviere, während männliche Tiere mitunter weite Strecken von mehreren Hundert Kilometern zurücklegten. Und genau diese langen Strecken wurden vor allem in der Nähe von Ballungsräumen wie Nordrhein-Westfalen oder dem Großraum München zur tödlichen Gefahr. Deswegen fiel die Auswahl der Projektmacher auf den Harz, der als dünn besiedelt eher geeignet ist, für die Wiederansiedlung der Luchse als natürlicher Lebensraum zu fungieren. Der nächste Schritt: Bis zum Jahr 2006 wurden insgesamt 24 Eurasische Luchse im Oberharz westlich vom Brocken ausgewildert. Ein erster Schritt war gemacht. Durch den großflächigen Einsatz von Fotofallen sei mittlerweile ein Bestand von rund 90 Tieren im gesamten Harz ermittelt worden, erklärte Ole Anders. Ab etwa 2006 wurde das Gebiet erweitert, schon bald konnte auch im Ostharz Luchsnachwuchs nachgewiesen werden. 2013 dann die Botschaft: Europas größte Katzenart ist wieder im gesamten Harz heimisch. Die Untersuchungen des Nationalparks zeigten, dass im Ostharz die Luchspopulation auf gleicher Fläche höher ist als in den Höhenlagen des Westharzes. Das ist möglicherweise unter anderem auf ein unterschiedliches Nahrungsangebot zurückzuführen. Hauptsächlich ernähren sich die Harz-Luchse von Rehen und Rotwild. Damit ist der Luchs ein angesiedelter Konkurrent in der Bejagung. Doch die Wiederansiedlung des Luchses birgt auch weitere Probleme: Allein in diesem Winter attackierte ein Luchs fünf Schafherden im Südharz. Die traurige Bilanz eines einzelnen Angriffs: 27 Schafe wurden getötet. Zuvor habe es nur selten vereinzelte Luchsrisse gegeben, sagte Anders. Dass ein einzelner Luchs in so kurzer Zeit eine so hohe Zahl von Schafen tötet, habe er in seiner 25-jährigen Praxis noch nicht erlebt. Die Projektverantwortlichen gehen den nächsten Schritt in den Thüringer Wald. Auch die Waldgebiete westlich und südlich des Harzes in Niedersachsen und Thüringen sind mittlerweile wieder Luchsreviere. Die Experten vom Nationalpark schätzen dort den Bestand auf aktuell rund 70 Luchse. Demnach bestehe das gesamte Vorkommen derzeit aus mindestens 160 Individuen in einem Gebiet von den östlichen Ausläufern des Harzes von Eisleben bis zur Weser. Die Projektverantwortlichen im Harz und in Thüringen gehen jetzt den nächsten Schritt: Sie nutzen verstärkt technische Möglichkeiten, um die Bestände in anderen Gebieten zu kontrollieren und von den Erfahrungen anderer Regionen zu profitieren. Beispiel Thüringen: Verschiedene Träger wie der BUND, das Institut ThüringenForst und das Wildkatzendorf Hütschenroda arbeiten unter dem Gemeinschaftsprojekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ zusammen. Dabei geht es nach Angaben des zuständigen Landesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Energie und Forst um ein vernetztes Tiermonitoring, um die optimalen Lebensbedingungen der Tiere nicht nur für den Freistaat zu nutzen, sondern auch die Routen der Luchse besser kennen und schützen zu lernen.
- Krieg, Kosten, Koalition: Wie die Krise bis aufs Land durchschlägt
Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd Liebe Leserin, lieber Leser, der Irankrieg und seine Folgen überschatten aktuell auch bei uns die gesamte Politik und treffen die Menschen bis in den letzten Winkel der Republik. Damit sind natürlich besonders die aus Sicht der Wirtschaftsmetropolen manchmal weit weg gefühlten Regionen des ländlichen Raumes gemeint. Wir hören zunehmend Klagen aus der Agrarwirtschaft über die Folgen explodierender Düngerpreise. Ausgehend von gestörten Lieferketten wird der Wirtschaftskreislauf täglich zunehmend gebremst. Nach den explodierten Kraftstoffpreisen wartet nun alles darauf, was beim Bäcker, Fleischer, auf den Wochenmärkten und natürlich bei den großen Lebensmittelketten an den Kassen durchschlägt. Nach den Wahlüberraschungen schauen wir weiter auf die Länder. Die Koalitionsbildung in Mainz scheint schneller zu gelingen, während in Stuttgart noch an der Chemie zwischen den Spitzen von Grünen und CDU gearbeitet wird. Auf den Tagesordnungen aller Landtage wird nach der Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz dieses Thema hoffentlich für die Landesjagdgesetze erscheinen. Damit sind weiter kontrovers geführte Debatten zu erwarten, bevor die Umsetzung für jedes einzelne Bundesland beschlossen ist. Die politische Osterruhe über die Feiertage war trügerisch. Der Druck von außen durch den Irankrieg und die nicht gesicherte Waffenruhe nimmt nicht ab, sondern zu. Trumps Drohgebärden, seine Wechsel zwischen völkerrechtswidrigen Vernichtungsszenarien, Bombenhagel und Signalen seiner Neigung zum Deal sind offensichtlich untauglich. Da ist wohl für den Präsidenten mit seiner angeblichen Sehnsucht, Friedensstifter zu sein, viel schiefgelaufen. Das alles soll an dieser Stelle nicht weiter unser Thema sein. Es wird genug in den Tagesmedien reflektiert und kommentiert. Uns geht es mehr um die Auswirkungen, mit denen wir jetzt als gesamte Gesellschaft in Europa und auch der ganzen Welt zu kämpfen haben. Als erstes trifft es diejenigen, die beruflich und als Pendler mit längeren Distanzen jeden Tag auf die Preistafeln der Tankstellen oder entsprechende Apps blicken. Erst dann wird entschieden, wie voll es heute sein darf. Es gibt zwar neben der neuen Zeitregelung „12 Uhr mittags“ eine Taskforce der Koalition und mehr Eingriffsmöglichkeiten des Kartellamts. Doch bremsen kann das alles den Höhenrausch der Preise mit anstehender Absturzgefahr der Weltwirtschaft nicht. Die Wiedererlangung der freien Fahrt durch die Straße von Hormus wäre das Schlüsselszenario, an das zurzeit kaum zu denken ist. Dort aber erpressen die angeschlagenen Machthaber im Iran nicht nur ihre Angreifer und Nachbarn, sondern die ganze Welt. Auch uns, „obwohl das nicht unser Krieg ist “, wie das unser Verteidigungsminister sagte, und der Kanzler zunehmende Distanz über den Atlantik hinweg zu spüren bekommt. Die Politik überlegt viel, kann aber kaum handeln Die zitierte Taskforce, bei uns als Arbeitsgruppe aus den Koalitionsfraktionen heraus gebildet, gibt sich zwar wortstark, bleibt aber offensichtlich drucklos, wenn es um den Tritt auf die Spritpreisbremse geht. Sie soll „Lösungen gegen steigende Spritpreise finden, ohne die Staatsfinanzen zu sprengen“ . Dass das bisher nicht gelingt, belegen die ständigen TV-Befragungen in heute, Tagesschau oder in den regionalen Nachrichtenformaten. Die so fast täglich verbreitete Stimmung tut der Koalition nicht gut, die um mehr Akzeptanz kämpft. Der CDU-Sprecher und Fraktionsvize, der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller, konnte nach dem ersten Erhöhungsschock für die Taskforce nur feststellen, dass die Mineralölkonzerne in Deutschland bis zu 30 Cent mehr pro Liter als in Frankreich oder Italien nehmen. Das sei nicht akzeptabel. Zum Spendenformular Jetzt tauchen in den Koalitionsspitzen vermehrt grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten darüber auf, wie man den Menschen und der Wirtschaft im Land helfen kann. Im Gespräch, das auf Geheiß des Kanzlers Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil führen, sind erst einmal unterschiedliche Modelle eines indirekten Preisausgleichs zwischen Pendlerpauschale, Haushaltsentlastung durch Abschläge bei der Stromsteuer oder Abschöpfung sogenannter Übergewinne. Der Finanzminister bevorzugt die Übergewinnsteuer – ohne zu bekennen, wie er bereits profitiert: Allein schon durch die mit den Preisen ansteigende Mehrwertsteuer entsteht auch so etwas wie ein staatlicher Übergewinn. Die Auswirkungen auf Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit Diesel ist jetzt der teuerste Treibstoff für Verbrenner . Er wird auf dem Weltmarkt immer knapper. In Deutschland sind wir dabei zu ca. 30 Prozent auf Importe angewiesen, während Benzin fast komplett aus heimischer Produktion kommt. Diesel ist der Hauptkraftstoff in der Land- und Forstwirtschaft. Er wird zum Teil in Raffinerien am Persischen Golf hergestellt. Das bekommen jetzt besonders diejenigen zu spüren, die darauf angewiesen sind oder das „verwandte“ Heizöl als Treibstoff in ihre Tanks füllen müssen. Mit der Weltmarktentwicklung und der hohen Importquote für Diesel erklären jedenfalls die Mineralölkonzerne die vom Benzin entkoppelte Preisentwicklung. Das nehmen die Bauernverbände jetzt zum Anlass, auf die sich zuspitzende wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe hinzuweisen. „Viele Unternehmen – auch außerhalb der Landwirtschaft – haben gar keine Möglichkeiten, ihren Kraftstoffverbrauch weiter zu senken, dahingehende Empfehlungen sind schlichtweg realitätsfern.“ Das erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Er warnt in einer Pressemitteilung aktuell vor Liquiditätsengpässen mit drohender Gefährdung der Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln. Transportwege und Lieferketten müssten jetzt robust und krisenfest ausgerichtet werden. Mehrere Regionalverbände appellieren an die Politik, kurzfristige Entlastungen für Betriebe zu schaffen. Der westfälisch-lippische Bauernpräsident Hubertus Beringmeier etwa verlangt, verlässliche Perspektiven für Energie- und Düngemittelpreise zu entwickeln. Sofortmaßnahmen seien die Aussetzung der CO2-Besteuerung für Kraftstoffe und eine vorübergehende Reduktion der Energiesteuer. Die nächsten Tage werden zeigen, ob diese Rufe erhört werden. Wie stark ist weiter der Einigungswille in der Koalition? In der kommenden Woche werden neben den geschilderten Herausforderungen nach dem Motto „Business as usual“ in der Innenpolitik die laufenden aktuellen Themen in Berlin und den Bundesländern wieder auf den Tisch kommen. Alles das, wovon wir vor Ostern schon gehört haben, muss weiter gehen. Während die AOK-Chefin Carola Reimann die 66 Sparvorschläge der Kommission für das Gesundheitssystem zum Teil positiv aufnimmt, wächst die Zahl der Kritiker. Derweil wird in den anderen 92 gesetzlichen Krankenkassen ausgerechnet, dass die Reduzierung dieser Zahl angeblich kaum nennenswerte Einsparungen im Verwaltungsaufwand bringe. Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die Zurückhaltung und der Einigungswille aus der Koalition anhalten. Die Osterüberraschung aus der FDP Dann gab es noch eine Osterüberraschung aus der FDP. Offensichtlich auf Drängen von Christian Lindner hat sich Wolfgang Kubicki entschlossen, im fortgeschrittenen Alter die Liberalen zu retten. Es bleibt dabei, dass es wohl zu einer Kampfkandidatur kommen wird: Der nahezu halb so alte Henning Höne aus NRW tritt weiter gegen den Altvorderen aus Schleswig-Holstein an. Ob eine so klein geschrumpfte Partei sich noch einen Richtungskampf leisten kann, wird sich dann am Ende beim Parteitag im Mai zeigen – spätestens, wenn danach wieder Sonntagsfragen und im Herbst Wahlen anstehen. Die Aktion Kubicki hat das Zeug, im konservativen Lager Verschiebungen auszulösen. Sollte die Reanimation der FDP gelingen, bleibt die Frage, zu wessen Lasten das geht. Der Union oder der AfD. Wenig Überlebenschancen in der salzärmeren Ostsee Mit unterschiedlich gefühlten Welten haben wir es immer wieder zu tun, wenn es um unsere Natur geht. Das sehen wir etwa am Schicksal des Buckelwa ls , der weiter in der Ostsee leidet. Bei Timmy, so nennen ihn angetrieben von der Boulevard-Presse inzwischen viele Menschen, handelt es sich um einen Wal, der auf Erlösung wartet , für die die Menschen offensichtlich nicht sorgen können. Jedenfalls sehen sich hinzugezogene oder selbst ernannte Experten und ein zuständiger Minister nicht in der Lage zu helfen. Menschliche Ursachen könnten schon zu seinen Abwegen in die Ostsee abseits des mutmaßlich gewohnten Lebensraums Atlantik geführt haben. Das belegt der Rest eines Netzes, das den Wal offensichtlich auch bis zum Ende quält und nicht entfernt werden kann. Man kann ihn nur noch in Ruhe lassen und hoffen, dass sich nicht noch andere seiner geschätzt über 100.000 Artgenossen dorthin verirren, wo ein Wal dieser Art nun einmal wenig Überlebenschancen hat. Das ist in der Ostsee mit dem zu geringen Salzgehalt nun einmal so. Beim Wolf sind nun die Gesetzgeber in den Ländern an der Reihe Eben solche Gefühlswelten bei uns Menschen treffen immer wieder beim Wolf aufeinander. Nachdem der Bundesgesetzgeber endlich seine Aufgabe erfüllt hat, dieses Beutetier ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen , sind jetzt die Länder mit ihren Landesjagdgesetzen an der Reihe. Sie müssen möglichst zeitnah entscheiden, wie konkret mit dem Thema, je nach Bundesland und im Ergebnis wahrscheinlich nach Koalitionsfarben, umgegangen wird. Einen Vorgeschmack haben wir bei dem Wolf erlebt, der sich in die Hamburger Innenstadt verirrt hatte. Nach übereinstimmenden Meldungen hat er wahrscheinlich in Panik eine Frau angegriffen und verletzt. Er wurde von Feuerwehr und Polizei gerettet und erfreut sich jetzt wieder – wo auch immer – der freien Natur. Offensichtlich hat das die (grüne) Umweltsenatorin der Hansestadt so entschieden, wobei das Nachbarland Niedersachsen wahrscheinlich die alte und neue Heimat des Exemplars ist. Ob die digitale Überwachung das richtige Mittel ist, bleibt meiner Meinung nach dahingestellt. In dieser Zeit der Wanderungen mehren sich übrigens Wolfssichtungen auch in den Niederwildrevieren. In den zu erwartenden Landesjagdgesetzen wird der Schutzstatus hoch und der Abschuss wahrscheinlich eine jeweils einzeln zu genehmigende Ausnahme bleiben. Für die meisten ist der Schutz der Art selbstverständlich. Aber in angemessenem Rahmen. Das Thema wird angesichts verharmlosender Positionen neben den faktenbasierten Debatten kontrovers bleiben, bis die Länder das jeweils für sich geregelt haben. Es gibt aber auch gute Nachrichten, wenn es um die Erhaltung einer gefährdeten Raubtierart geht: Im Nationalpark Harz war die mit viel Aufwand betriebene Wiederansiedlung des Luchses sehr erfolgreich. Die örtlichen Behörden gehen davon aus, dass die innerhalb des Harzes zur Verfügung stehenden Reviere mittlerweile komplett von Luchsen besetzt sind. Die Wiederansiedlung der Luchse im Harz hatte im Jahr 2000 begonnen. Zuvor galt die Raubkatze 200 Jahre als ausgestorben. Das Luchsprojekt Harz sei das erste offizielle Wiederansiedlungsprojekt dieser großen Katzenart in Deutschland. Darüber berichtet unser Autor Frank Polke Anfang der kommenden Woche in unserem Blog. Und Christoph Boll geht in seinem Beitrag ebenfalls im Blog natur+mensch auf die Auswahl des Rebhuhns als „Vogel des Jahres“ ein. Die Balz ist weitgehend gelaufen. Bald beginnen die Hennen mit der Eiablage. Doch der Art geht es nicht gut. Das Rebhuhn gilt zwar als Charaktervogel unserer offenen Feldflur. Doch das Vorkommen ist in Deutschland seit langem im stetigen Sinkflug. Nicht zuletzt deshalb ist er für den Deutschen Jagdverband erneut Vogel des Jahres – wie schon 2016 und 1991. Das erinnert daran, wie entscheidend die Brutzeit gerade in den Niederwildrevieren ist. Forderungen, die Rebhühner aus dem Jagdrecht zu entlassen, verkennen, dass damit auch die Pflicht zur Hege durch die Jägerschaft entfiele. Praktisch wird das Rebhuhn fast ausnahmslos geschont. Das ermuntert dazu, den Wochenendgruß von natur+mensch mit dem dringenden Appell zu verbinden, beim Spaziergang auf den Wegen zu bleiben und die Hunde anzuleinen. Jetzt ist Ruhe in den Brutrevieren angesagt. In diesem Sinne wünsche ich erneut ein erholsames und möglichst sonniges Wochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination
- Wolf ist nun im Bundesjagdgesetz
Nach dem Bundestag hat am vergangenen Freitag auch der Bundesrat der Novelle des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes zugestimmt. Damit ist ein Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Wolf vollzogen. Bis zur Bejagung von Isegrim braucht es aber noch etwas Foto: Alexas_Fotos Mit den Beschlüssen hat die schwarz-rote Bundesregierung einen Punkt ihres Koalitionsvertrages umgesetzt. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßten die Zustimmung der Länderkammer, mit der das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen ist. „Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert“, heißt es in einer Erklärung Rainers. „Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag.“ Der Bauernverband fordert eine schnelle Umsetzung der neuen Vorgaben. DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet sprach von einem „guten Tag für die Zukunft der Weidetierhaltung“. Mehrere Umwelt- und Naturschutzorganisationen kritisierten die Entscheidung. Für Dr. Sybille Klenzendorf vom WWF etwa ist „die Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz in dieser Form fachlich falsch, ökologisch riskant und politisch kurz gedacht“. Dem Förderverein der Deutschen Schafhaltung hingegen geht die Neuerung nicht weit genug. Er ist enttäuscht, weil die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, dieser aber unzureichend und zu zögerlich bleibe. „Die Politik erkennt das Problem, scheut aber weiterhin die notwendigen konsequenten Entscheidungen", beanstandet Fördervereinsvorsitzender Wendelin Schmücker. Er forderte eine rechtssichere und unbürokratische Möglichkeit zur Bestandsregulierung von Isegrim sowie „echte Handlungsspielräume für die Bundesländer“. Ziel ist Schutz von Weide- und Haustieren Primäres Ziel der Gesetzesänderung ist ein besserer Schutz von Weide- und Haustieren. Zwar wird die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und Europa in dem Entwurf für die Gesetzesänderung als Erfolg für den Artenschutz gewertet. Doch mit der enorm steigenden Zahl der bundesweit vorkommenden Grauhunde wachse auch die Gefahr für Herden- und Weidetiere. Das könne zu „potenziell existenzbedrohenden“ Belastungen für deren Halterinnen oder Halter führen, so die Begründung. Untermauert wird dies mit Zahlen. Danach sind im Jahr 2024 bundesweit bei etwa 1.100 Übergriffen etwa 4.300 Nutztiere durch Wölfe gerissen oder verletzt worden. Im selben Jahr wurden rund 23,4 Millionen Euro für Herdenschutzmaßnahmen aufgewendet und etwa 780.000 Euro an Ausgleichszahlungen an betroffene Tierhalter gezahlt. Für Schutzmaßnahmen wie den Zaunbau oder die Anschaffung von Herdenschutzhunden soll es auch künftig finanzielle Unterstützung vom Staat geben. Für Biologe Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel ist die Bejagung der Grauhunde auch aus ökologischen Gründen sinnvoll. Er ist überzeugt, es „würde sich bei weiter ungehemmter Fortpflanzungs- und Ausbreitungsdynamik Isegrims und dadurch bedingter Aufgabe der Weidewirtschaft unsere offene Kulturlandschaft durch Verbuschung und Bewaldung erheblich verändern, was mit einer dramatischen Verarmung der Biodiversität einherginge“. Gejagt werden kann Isegrim künftig vom 1. Juli bis zum 31. Oktober. Unabhängig davon sollen auffällig gewordene Wölfe aber auch ganzjährig geschossen werden dürfen. Außerdem können Gebiete definiert werden, in denen die Jagd auf den Wolf erforderlich ist, weil Weidetiere dort schwer vor ihm zu schützen sind – etwa auf Deichen oder Almen. Grundsätzlich gilt, dass vorrangig der Nachwuchs erlegt werden soll und Alttiere aus unauffälligen Rudeln zu schonen sind, um die Sozialstruktur zu bewahren. Mehr Verantwortung für Jäger Für die Jägerschaft wächst damit nicht nur der Handlungsspielraum, sondern auch die Verantwortung. Angesichts der insgesamt äußerst emotional geführten Debatte um den Wolf sieht Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV), insbesondere die Jäger in der Pflicht, sachlich aufzuklären und zwischen den Interessen zu vermitteln. Dabei ist fraglich, ob es zu einer flächendeckenden Jagd nach dem Gießkannenprinzip kommt. Bevor es aber überhaupt so weit ist, sind die Bundesländer gefragt. Sie müssen den neuen Passus im Bundesjagdgesetz nun in Landesrecht umsetzen. Wie schnell das erfolgt, steht in den Sternen. Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat in einem Entschließungsantrag die Bundesregierung aufgefordert, sich bei den Ländern für einen möglichst einheitlichen und zügigen Vollzug der neuen Vorschriften einzusetzen. Die Bundesländer ihrerseits hatten im parlamentarischen Verfahren darauf gedrungen, dass die Regeln möglichst unbürokratisch und praxistauglich sein sollen. Besonders viele Wölfe gibt es in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Debatte um günstigen Erhaltungszustand Ihnen und den anderen Bundesländern gibt § 22d Absatz 2 des neuen Gesetzes vor, was nun zu geschehen hat: „Soweit sich die Tierart Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand (GEZ) befindet, hat die zuständige Behörde einen revierübergreifenden Managementplan aufzustellen, der darauf auszurichten ist, die Vereinbarkeit der Jagd mit der Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands zu gewährleisten.“ Mit der Berufung auf den GEZ sind aus Sicht von Prof. Pfannenstiel sowohl der Gesetzgeber als auch der Deutsche Jagdverband (DJV) unnötig in eine Falle getappt. Denn „mit der irrigen Annahme, deutsche Wölfe stellten jeweils eigene Populationen dar“, habe man „den Gegnern jedweder Wolfsbejagung die Gründe für Klagen vor Verwaltungsgerichten geradezu in den Mund“ gelegt, so der Wissenschaftler in der Deutschen Jagdzeitung (DJZ). Der Europäische Gerichtshof habe im vergangenen Jahr geurteilt, für die Feststellung des GEZ müsse die gesamte Wolfspopulation berücksichtigt werden, also auch Wölfe außerhalb der EU. Selbst wenn der Wolf lokal als gefährdet eingestuft sei, könne er sehr wohl bejagt werden, wenn dieser lokale Bestand zu einer Population im GEZ gehöre. Pfannenstiel folgert: „Für unser Land bedeutet das, Wölfe können selbst in Bundesländern bejagt werden, in denen es bislang nur wenige von ihnen gibt. Denn unser Wolfsbestand stellt keine eigenständige Population dar. Er gehört zu einer Wolfspopulation, die weit über Europa hinausreicht und sich in ihrer Gesamtheit im GEZ befindet.“











