Goldschakal erobert das Land
- Christoph Boll

- 30. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Die Nachricht kam passend zum „Internationalen Tag der Schakale“ am 19. April. Schleswig-Holstein hat sein erstes territoriales Goldschakalpaar. Damit hat der Beutegreifer den Norden Deutschlands erreicht und ist dort sesshaft
So der scheue Neubürger überhaupt in Anblick kommt, stellt sich oft die Frage, ob es sich um einen großen Fuchs, einen freilaufender Hund oder einen kleinen Wolf handelt. Nichts von alledem ist der scheue Zuwanderer aus Asien mit dem gelblich-grauen Fell, teils mit rötlichem Einschlag, weshalb er oft mit dem Fuchs verwechselt wird. Wie dieser ist der Goldschakal ebenfalls ein anpassungsfähiges Raubtier. Er ernährt sich von kleinen Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien, Insekten, aber auch Aas und Siedlungsabfällen. Es stehen auch Beeren und Früchte auf dem Speiseplan. Der Goldschakal, der zu den mittelgroßen Hunden gehört und zwischen acht und 15 Kilogramm wiegt, kann aber auch größere Beutetiere wie Rehwild reißen.
In der Vergangenheit haben sich nur einzelne Goldschakale für einige Zeit in Schleswig-Holstein aufgehalten. Der erste Einzelnachweis gelang 2017 im Kreis Dithmarschen. Nun aber wurden nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) ein Paar im Kreis Plön identifiziert. Innerhalb von zwei Wochen im Februar konnten insgesamt neun Tonaufnahmen ihres Heulens dokumentiert werden. Die Laute gelten als charakteristisch und unverwechselbar. Sie sind deshalb ein verlässlicher Nachweis für die Tiere, der auch nach europaweit einheitlichen Monitoringstandards anerkannt ist. Es gebe praktisch keine Verwechslungsmöglichkeit, erklärt eine LfU-Sprecherin.
Damit ist das erste Goldschakal-Territorium im nördlichsten Bundesland bestätigt. Zuvor war die Art in Schleswig-Holstein zuletzt durch einen brisanten Auftritt eines Vertreters aufgefallen. Auf Sylt hatte er Dutzende Nutztiere gerissen. Das löste eine heftige Diskussion über einen möglichen Abschuss aus. Von diesem Tier fehlt bislang jedoch jede Spur. Auch von weiteren Goldschakalen in Schleswig-Holstein ist momentan nichts bekannt.
Gleichwohl dürfte die Art sich mit dem Territoriums-Nachweis im Land etabliert haben. Denn sie lebt meist paarweise in einer monogamen Beziehung oder in kleinen Familienverbänden. Experten gehen deshalb davon aus, dass es auch bald Nachwuchs geben könnte. Aus Sicht des Landesjagdverbandes ist das Goldschakalpaar „ein bemerkenswerter faunistischer Nachweis“, sagte Geschäftsführer Marcus Börner. „Jetzt kommt es darauf an, seine Ausbreitung fachlich sauber zu dokumentieren und die Entwicklung aufmerksam zu begleiten.“
Konsequentes Monitoring erforderlich
Für Jagd, Naturschutz und Monitoring ist dieser Nachweis von besonderer Relevanz. Neue Tier-/Wildarten müssen frühzeitig erfasst und fachlich eingeordnet werden, um Entwicklungen belastbar bewerten zu können. Für Goldschakale geschieht dies im Rahmen des Wolfsmonitorings. Hinweise können über eine Wolfshotline oder per E-Mail gemeldet werden. Der LJV sieht in dem Nachweis einen wichtigen Anlass, das Wildtiermonitoring im Land weiter konsequent zu stärken. Nur mit belastbaren Daten lassen sich neue Entwicklungen in der Tierwelt sachgerecht bewerten und einordnen.
Um die Tiere zu schützen, verrät das LfU nicht, wo genau die Goldschakale nachgewiesen wurden. Sie haben vergleichsweise kleine Territorien von etwa zwei bis zehn Quadratkilometern und reagieren empfindlich auf Störungen. Im Zweifel verteidigen sie ihre Reviere auch gegen andere Artgenossen. Für den Menschen sind die Tiere jedoch nicht gefährlich. Sie meiden Begegnungen mit ihm, weshalb sie nur selten bemerkt werden.
Seit Jahren breitet sich der Goldschakal, der in freier Wildbahn bis zu acht und in Gefangenschaft bis zu 14 Jahre alt wird, aus Asien und Südosteuropa kommend in Europa nach Norden und Westen aus. Als begünstigende Faktoren gelten unter anderem milde Winter, Veränderungen in der Kulturlandschaft und klimatische Verschiebungen. Als Lebensraum bevorzugt der Goldschakal offene Landschaften. Er bewohnt die Savanne ebenso wie Halbwüsten und felsige Gegenden, kommt hingegen in dichten Wäldern nicht vor.
In Deutschland wurde die Art erstmals 1997 in Brandenburg nachgewiesen. Bis Januar 2021 gab es dann 80 Einzelnachweise in verschiedenen Bundesländern. Im baden-württembergischen Schwarzwald-Baar-Kreis gab es im Spätherbst 2021 die erste Feststellung einer Reproduktion des Goldschakals in Deutschland. Im Folgejahr wies man im niedersächsischen Landkreis Uelzen mindestens drei Welpen nach.
Gefahr für bestandsgefährdete Arten
Zwar gab es in mehreren Bundesländern Nutztierrisse durch den Goldschakal. Allerdings gilt das Risikopotenzial dafür bislang als eher vergleichbar mit dem des Fuchses als mit dem des Wolfes. Bemühungen, den Neozoen bundesweit ins Jagdrecht aufzunehmen, sind nicht zuletzt aus diesem Grund in der Vergangenheit gescheitert. Einzig in Niedersachsen unterliegt der Goldschakal seit der Novellierung des Landesjagdgesetzes dem Jagdrecht – mit einer ganzjährigen Schonzeit. Aber insbesondere mit Blick auf den Schutz bestandsgefährdeter Arten, z.B. Bodenbrüter, gilt eine großflächige Etablierung des Goldschakals als problematisch. Denn er vergrößert das ohnehin breite Spektrum der Fressfeinde dieser Arten.
Europarechtlich wird er in Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geführt und ist auch nicht in der EU-Unionsliste als invasive Art gelistet. Daher müssen die Mitgliedstaaten der EU sicherstellen, dass die Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands der Art auch dann sichergestellt ist, wenn Exemplare aus der Natur, etwa durch die Jagd, entnommen werden. National ist der Goldschakal nach der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.







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