top of page

Wolfsrisse belasten Weidetierhalter massiv

  • natur+mensch
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) macht Druck: Nach Schafrissen in Südwestfalen drängen die Bauern darauf, dass die neuen Möglichkeiten des Bundesjagdgesetzes endlich zur Anwendung kommen


Beitrag anhören (MP3-Audio)

Sie sorgen sich um die Weidetierhaltung (v. l. n. r.): Bernd Eichert, Julian Quast und Hubertus Beringmeier. (Foto: WLV)
Sie sorgen sich um die Weidetierhaltung (v. l. n. r.): Bernd Eichert, Julian Quast und Hubertus Beringmeier. (Foto: WLV)

Die Weidetierhalter in Südwestfalen sind in großer Sorge. Erst kürzlich hatte es in Scheiderwald/Wenden im Kreis Olpe mehrfach Schafrisse gegeben, sechs tote Schafe auf dem Betrieb von Julian Quast, die Betroffenheit ist enorm. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) forderte nun im Rahmen eines Pressegesprächs vor Ort die unverzügliche Entnahme von Problemwölfen und eine schnelle Umsetzung der mit der Änderung des Bundesjagdgesetzes geschaffenen Möglichkeiten zur Wolfsregulierung. Das kann danach nun regional in den einzelnen Bundesländern jeweils durch landesgesetzliche bzw. behördliche Regelungen umgesetzt werden. In NRW wurde am Mittwoch der WLV mit diesem Pressetermin bei einem Weidetierhalter aktiv. Die höchste Wolfsdichte gibt es bundesweit in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Wie viele Wölfe tatsächlich in Nordrhein-Westfalen leben, war lange unklar. Die Landesregierung in Düsseldorf sprach bisher nur von sechs Wolfsterritorien, eine Gesamtzahl der Tiere nannte sie nicht. Ein neuer Bericht des Landwirtschaftsministeriums an den Landtag schließt diese Lücke nun: Demnach sind es etwa 30 Tiere, die aktuell in NRW leben. Das Landwirtschaftsministerium NRW arbeitet nach eigenen Angaben an einem entsprechenden Umsetzungskonzept. Für die Weidetierhalter in Südwestfalen kann dies nicht schnell genug gehen.


Wolfsrisse sind keine Ausnahme mehr


„Was wir hier erleben, ist längst Alltag für viele Betriebe, insbesondere in den Mittelgebirgsregionen wie hier im Kreis Olpe", unterstreicht Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Die Weidetierhalter bräuchten jetzt wirksamen Schutz und vor allem schnelles Handeln der zuständigen Behörden. Beringmeiers Forderung ist klar: „Wenn Wölfe den Grundschutz überwinden oder dort Schafe reißen, wo ein solcher Schutz nicht zumutbar ist, wie in weiten Teilen der höheren Lagen Südwestfalens, dann müssen diese Wölfe unverzüglich entnommen werden können."


Mit der Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz sind die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, um Problemwölfe deutlich schneller und rechtssicher zu entnehmen. Der WLV begrüßt diese Weichenstellung ausdrücklich, macht aber auch deutlich, dass das Gesetz nun ohne weitere Verzögerung in NRW zur Anwendung gebracht werden müsse.


Schafhalter schildert Hilflosigkeit nach Wolfsriss


Schafhalter Julian Quast aus Scheiderwald/Wenden ist erst vor wenigen Tagen Zeuge von Wolfsrissen auf seinem eigenen Betrieb geworden und schildert eindrücklich: „Sechs tote Schafe, das ist nicht nur ein finanzieller Verlust. Es sind Tiere, für die man Verantwortung trägt. Nach so einem Angriff bleibt ein Gefühl von Hilflosigkeit und permanenter Unsicherheit. Wir brauchen dringend Regelungen, um unsere Tiere wirklich schützen zu können.“


Anders als hier dargestellt gibt es laut Landwirtschaftsministerium in NRW inzwischen sogar 30 Wölfe. Quelle der Grafik: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)
Anders als hier dargestellt gibt es laut Landwirtschaftsministerium in NRW inzwischen sogar 30 Wölfe. Quelle der Grafik: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)

Der WLV weist darauf hin, dass jedes Rissereignis die betroffenen Tierhalter stark belastet. Manche denken über die Aufgabe des Betriebs nach, mit fatalen Folgen für Landschaftspflege, Biodiversität und den ländlichen Raum.


Sofortiges Handeln nach Wolfsrissen gefordert


Der WLV-Wolfsbeauftragte Bernd Eichert, selbst Tierhalter in Wenden, unterstreicht die Dringlichkeit eines beschleunigten Vorgehens: „Nach einem Riss muss sofort gehandelt werden. Die notwendigen Feststellungen müssen unverzüglich getroffen werden, damit schon in der auf das Rissereignis folgenden Nacht ein Abschuss im gesetzlich vorgesehenen Radius möglich ist. Nur so besteht eine realistische Chance, genau den Wolf zu entnehmen, der für den Schaden verantwortlich ist."


Bürokratische und langwierige Verfahrensabläufe seien nicht akzeptabel. „Bereits das Erscheinungsbild eines Rissereignisses muss als ausreichende Grundlage dienen, um dieses einem Wolf zuzuordnen und die Voraussetzungen für eine Entnahme festzustellen“, fordert Eichert. Wölfe kehrten erfahrungsgemäß in den Tagen nach einem Riss an den Ort des Geschehens zurück, diese Zeit müsse genutzt werden.


Konkrete Forderungen des WLV


Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband fordert bei der Umsetzung des Bundesjagdgesetzes insbesondere:

  • unverzügliche Feststellung von Wolfsrissen und unbürokratische Verfahrensabläufe

  • Möglichkeit zur unverzüglichen Entnahme von Problemwölfen nach Rissereignissen

  • zeitnahe Aufstellung der vom Bundesjagdgesetz vorgesehenen verpflichtenden Managementpläne, die Ausweisung unzäunbarer Weidegebiete und eine feste Entnahmequote von 40 Prozent des jährlichen Nachwuchses

Kommentare


bottom of page