Wildkatzen: Wachstum auf leisen Pranken
- Christoph Boll

- vor 2 Tagen
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Hauskatzen kennt jeder. Ihre wilden Verwandten kaum jemand. Und noch weniger haben je eine Europäische Wildkatze gesehen. Die streng geschützte und zeitweise als ausgestorben geltende Art kommt zunehmend in unseren Revieren vor
Erst vor wenigen Tagen hat die Deutsche Wildtier Stiftung bestätigt, dass die Europäische Wildkatze nach rund 200 Jahren nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgekehrt ist. Sie stützt ihre Aussage auf die Analyse von Haarproben, die in der Nähe des Stettiner Haffs gefunden wurden. Demnach handelt es sich um ein männliches Tier, das sich wahrscheinlich mehrere Wochen in der Gegend aufgehalten hat. „Aus meinem Büro drang ein Jubelschrei, weil das eben der erste Nachweis hier in Vorpommern ist", zitiert der NDR die Wildbiologin Kathrin Mayer.
Für den genetischen Nachweis haben Forscher der Stiftung sogenannte Lockstöcke an 30 Orten platziert. Das sind Kanthölzer mit rauer Oberfläche, an denen die Haare der Tiere hängen bleiben. Damit sich die Wildkatzen an den Lockstäben reiben, werden die Hölzer mit Baldrian besprüht. Der Geruch ähnelt den Sexuallockstoffen von Wildkatzen. An sechs der 30 Lockstöcke wurden Haare entdeckt. Der Vorteil dieser Monitoring-Methode ist, dass die scheuen Wildkatzen nicht gestört werden.
Nachweise bis nördlich der Elbe
Ganz anders verlief Anfang des Jahres der erste gesicherte Wildkatzen-Nachweis in Schleswig-Holstein. Ein Jäger befreite eine Katze, die sich in einem Knotenzaun verfangen hatte. Er rettete dem Tier nicht nur das Leben, sondern die genommene Haarprobe lieferte Gewissheit, dass es sich um den ersten gesicherten Nachweis der Raubkatze nördlich der Elbe handelt. Zuvor hatte es lediglich einzelne Bildnachweise gegeben. Die gelten aber als nicht gesichert, weil es bei den Tieren auch um Mischlinge mit Hauskatzen oder sogar Fälschungen handeln kann. Die zufällige Entdeckung bezeichnete Martin Schmidt, Pressesprecher des Landesumweltministeriums, als Meilenstein und Erfolg für den Naturschutz.
Noch skurriler ist die Nachweis-Geschichte aus dem oberfränkischen Neustadt bei Coburg. Dort wurde vor anderthalb Jahren eine Baby-Katze beim Tierschutzverein abgegeben. Nach einigen Wochen kam der Verdacht auf, dass das Fundtier keine Hauskatze ist, sondern deren wilder Verwandter. Ein Gentest bestätigte dies.
Erfolge des Artenschutzes
Auch im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe in Brandenburg bestätigte ein Beweis die Rückkehr der Wildkatze, die ebenso wie das Populationswachstum auf leisen Pranken erfolgt. In NRW ist ebenfalls von einem Erfolg für den Artenschutz die Rede. Dort soll sich die Zahl der Wildkatzen in 30 Jahren verfünffacht haben, von ehemals gut 200 auf inzwischen mehr als 1000 Exemplare. In Bayern wurden seit 1984 in vier Jahrzehnten rund 600 Tiere angesiedelt, die aus Nachzuchten in Zoos und Tierparks stammen. Das alles führt dazu, dass der Gesamtbestand in Deutschland gegenwärtig auf mehr als 5000 Tiere geschätzt wird. Damit ist die Wildkatze aber immer noch als gefährdete Art eingestuft. Die Schwerpunkte des Vorkommens reichen in der Mitte Deutschlands vom Harz bis zum Oden- und Pfälzerwald. Der Norden, Osten und Süden hingegen sind äußerst dünn besiedelt, wenn überhaupt.
Wer jemals eine Wildkatze zu Gesicht bekommt, muss genau hinschauen, um sie als solche zu erkennen. Ihr deutlichstes Merkmal ist der buschige Schwanz. Er endet in einer breiten, stumpfen Rundung und weist oft drei schwarze Ringe auf. Das Streifenmuster im dichten Fell ist durchaus auffällig, aber auch oft verwaschen.
Gefahr der Verwechslung
Als Lebensraum bevorzugen Wildkatzen strukturreiche Laub- und Laubmischwälder mit Totholzanteilen. Knorrige Eichen mit Baumhöhlen dienen dem überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Räuber tagsüber als Ruheplatz. Umgefallene Bäume, Holzpolter und Reisighaufen bieten einen Lebensraum für Mäuse und einen Unterschlupf für den Nachwuchs der Wildkatzen, der nach zwei Monaten Tragezeit meist im April geboren wird. Ganz überwiegend ernährt sich die Wildkatze von Mäusen. Sie frisst aber auch andere Kleintiere bis zur Hasengröße, Insekten, Amphibien und Vögel. Feinde hat der Einzelgänger nur wenige. Jungkatzen werden unter anderem von Füchsen und Wildschweinen gefressen.
Die größte Gefahr aber ist der Mensch. Häufig werden junge Wildkatzen auf der Suche nach eigenen Streifgebieten von Autos überfahren. Gelegentlich kommt es vor, dass Spaziergänger Jungtiere mit ausgesetzten Hauskatzen verwechseln und sie deshalb mitnehmen. Das Problem ist, dass diese Tiere nur schwer wieder ausgewildert werden können.







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