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Jagd ist wirtschaftlicher Faktor

  • Autorenbild: Christoph Boll
    Christoph Boll
  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Jagd und Schießsport sind enorme wirtschaftliche Motoren in Europa. Der gesamte Bereich trägt jährlich rund 180 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaftskraft bei und sichert nach einer Studie europaweit mehr als 1,1 Millionen Arbeitsplätze


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Foto: wave111
Foto: wave111

Die sozioökonomische Analyse „The Firearms and Ammunition Sector for Sporting, Hunting, and Civilian Use in Europe“ (Der Feuerwaffen- und Munitionssektor für Sport, Jagd und zivile Nutzung in Europa) der italienischen Universität Urbino „Carlo Bo“ hat ermittelt, dass die Branche rund 0,99 Prozent zum gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt. Die Werte beziehen sich primär auf die Bereiche Waffen, Munition und direkt verwandte Sektoren in 30 Ländern, darunter alle EU-Staaten sowie Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich.


Die Ergebnisse erfassen den eigentlichen Produktionsbereich einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen, Lieferketten und induzierten Effekte. Der Kernbereich der europäischen Feuerwaffen- und Munitionsindustrie für zivile und sportliche Zwecke erwirtschaftet jährlich mit rund 80.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von etwa zwölf Milliarden Euro. Dabei sind auch die Komponentenindustrie und die mit Feuerwaffen zusammenhängenden Sektoren berücksichtigt. Gezeigt hat sich auch, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen nach wie vor eine treibende Kraft im Bereich der zivilen Feuerwaffen sind.


Die Universität Urbino „Carlo Bo“ beschäftigt sich seit Jahren mit dem zivilen Schusswaffensektor. Dabei geht es darum, die Herstellung von Schusswaffen und Munition für den Sport-, Jagd- und persönlichen Verteidigungsgebrauch unter dem Gesichtspunkt des Produktions- und Vertriebssystems zu untersuchen. Auf diese Weise lassen sich sein wirtschaftlicher Wert in Form von Umsatz und Mehrwert messen und die positiven Auswirkungen auf das gesamte System abschätzen.


Prof. Fabio Musso, Leiter der im vergangenen Herbst vorgestellten Studie und einer der fünf Autoren, erläuterte die Zielsetzung und kommentierte die Ergebnisse der aktuellen Analyse: „Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit einer ähnlichen Studie, die zuvor in Italien durchgeführt wurde, haben wir uns entschlossen, ein größeres Projekt durchzuführen, um die sozioökonomischen Auswirkungen der Sektoren Feuerwaffen, zivile Munition und verwandte Bereiche auf europäischer Ebene zu analysieren. Das Ergebnis ist eine einzigartige Studie, die eine eingehende Bewertung des gesamten Sektors und seines Wertes in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung liefert.“


Bahnbrechende Forschungsergebnisse


Die Arbeit zeigt, dass der Sektor nicht nur eine in Europa verwurzelte kulturelle und sportliche Tradition hat. Thierry Jacobs, Präsident des Verbandes der europäischen Hersteller von Sportmunition (Association des Fabricant Européen de Munitions de Sport / AFEMS), sprach von einer bahnbrechenden Forschung, deren Ergebnisse „die europäischen Institutionen anerkennen und berücksichtigen sollten“. Und Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und Vizepräsident des europäischen Jagd-Dachverbandes FACE, betonte den Nachweis des hohen sozioökonomischen Beitrags, „den sieben Millionen Jägerinnen und Jäger in ganz Europa jährlich erbringen“.


Klar ist: Die Jagd ist ein boomendes Geschäft und geht weit über die ermittelte Wirtschaftskraft von 180 Milliarden Euro hinaus, denn sie bezieht sich ausschließlich auf den Verkauf von Waffen und Munition. Darüber hinaus geben die Waidgenossen in Europa gemeinsam mit den Sportschützen 96,3 Milliarden Euro für ihre Leidenschaft aus. Das sichert weitere Arbeitsplätze, nämlich gut 85.000 in der Produktion und etwa 490.000 im Bereich der Dienstleistungen.


Viele Leistungen nicht bezifferbar


Die etwa sieben Millionen Jäger in Europa leisten also einen nennenswerten Beitrag zur Wirtschaftskraft und dies nicht nur im ländlichen Raum, wo das Waidwerk sich im engeren Sinne naturgemäß ereignet. Geld fließt für Ausrüstung von der Bekleidung bis zur Optik, Hundehaltung, Steuern, Pachten, Trophäenpräparation und Wildbret, Wildschadenersatz, jagdlich inspiriertes Kunstgewerbe und im Jagdtourismus bis hin zum Beherbergungsgewerbe.


Hinzu kommen kaum bezifferbare Beträge und die fast immer unberücksichtigten monetären Aspekte, die etwa dadurch entstehen, dass die Jagd zum klimaresilienten Umbau der Wälder beiträgt, Jäger an der Erhaltung von Arten ebenso mitwirken wie an der Wiederherstellung von Lebensräumen und an der Biotopgestaltung. Zudem leistet die Jagd durch die Regulierung von Wildbeständen unverzichtbare volkswirtschaftliche Dienste, indem sie massive Schäden in der Forst- und Landwirtschaft verhindert.

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