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Bei Zecken gilt Vorsicht und Vorsorge

  • Autorenbild: Christoph Boll
    Christoph Boll
  • vor 7 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Das extrem heiße Wetter der vergangenen Tage hat auch Vorteile. Einer ist, dass Zecken bei Hitze deutlich weniger aktiv sind. Grundsätzlich sind Vorsicht und Vorsorge im Umgang mit den Spinnentieren geboten. Sie übertragen etliche Krankheiten


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Vollgesogene Zecke im Hundefell (Foto: losch/Wikipedia)
Vollgesogene Zecke im Hundefell (Foto: losch/Wikipedia)

Angesichts der vielen von ihr übertragbaren Krankheiten kann man die Zecke als das gefährlichste Tier Deutschlands bezeichnen. Das zumindest legen die Beiträge beim süddeutschen Zeckenkongress 2026 nahe. Mehr als 60 Wissenschaftler kamen dazu an der Universität Hohenheim zusammen, um über neueste Forschungen über Zecken und die von ihnen übertragenen Krankheiten zu sprechen. Die bekanntesten sind sicher die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Dazu gehören aber auch Tularämie, die sogenannte Hasenpest, und Babesiose, oft Hundemalaria genannt, die für Hunde lebensgefährlich werden kann. An freilebenden Caniden (Hundeartigen) haben Wissenschaftler bis zu mehreren hundert Zecken gefunden.


Seinen Vierbeiner schützen kann man mit chemischen Mitteln, die in Form von Spot-on-Tropfen, Injektionen oder Kautabletten verabreicht werden. Außerdem gibt es entsprechend präparierte Halsbänder. Wer nur auf „biologische“ Mittel wie Kokosöl oder Bierhefe setze, riskiere im schlimmsten Fall das Leben seines Vierbeiners, hieß es während des Kongresses. Außerdem gehört er vielleicht zu jenen, deren Hunde ohne wirksame Prophylaxe in den vergangenen Jahren vermehrt die Braune Hundezecke aus wärmeren Ländern nach Deutschland eingeschleppt haben.


FSME-Infektionsrisiken sind drastisch gestiegen


Für Menschen besonders gefährlich ist die Virusinfektion FSME. Sie wird oft innerhalb einer Stunde nach den Zeckenstich übertragen. Die Folge sind grippeähnliche Beschwerden und in schweren Fällen gefährliche Entzündungen von Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark. Erkrankten ist nur mit einer lindernden Behandlung zu helfen, zum Beispiel mit fiebersenkenden Mitteln. Antibiotika helfen bei FSME nicht, da es sich um Viren und nicht um Bakterien handelt. Das Infektionsrisiko ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen und inzwischen regional bis zum 15-fachen höher als vor 40 Jahren.


Da es keine ursächliche Behandlung gegen das Virus gibt, ist der beste Schutz die Impfung, zu der auch die Experten in Hohenheim dringend rieten. Für einen Langzeitschutz sind drei Impfdosen notwendig. Mit einer Express-Impfung kann kurzfristig innerhalb weniger Wochen ein Basisschutz aufgebaut werden. In Deutschland zählen besonders Regionen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Sachsen und Teilen von Rheinland-Pfalz und Brandenburg zu den 180 FSME-Risikogebieten. Das unabhängige, ehrenamtliche Expertengremium der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung allen Personen, die in Risikogebieten leben oder dorthin reisen und Kontakt zu Zecken haben könnten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) informiert mit einer tagesaktuellen Karte über alle Risikogebiete in Deutschland und Europa.


Borreliose gilt als gut behandelbar


Häufig wird FSME mit der in den meisten Bundesländern meldepflichtigen Borreliose verwechselt. Dabei handelt es sich allerdings um eine bakterielle Infektion. Sie ist erkennbar an der sogenannten Wanderröte, einem roten Kreis um die Einstichstelle, und Gelenkschmerzen. Eine Impfung dagegen gibt es bislang nicht. Die Krankheit gilt jedoch als gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Die Anzahl der Zecken mit Borrelien ist standortabhängig. In einem Forschungsbericht in Hohenheim war von einer Bandbreite zwischen knapp 22 Prozent und fast 50 Prozent die Rede. Tendenziell ist der Wert in Mitteldeutschland am höchsten und im Norden am niedrigsten.


Die Zahl der menschlichen Erkrankungen ist durchaus hoch. Vor Pfingsten meldete das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) für das laufende Jahr bereits 14 FSME-Fälle sowie 515 Borreliose-Erkrankungen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es bayernweit 570 Borreliose- bzw. 21 FSME-Fälle gewesen. Bundesweite Zahlen hat das RKI, das für 2025 insgesamt 693 bestätigte FSME-Fälle registrierte. Diese Zahl folgt auf das Jahr 2024, in dem mit 686 Fällen der zweithöchste Wert seit Beginn der Datenerfassung gemeldet wurde.


Borreliose ist deutlich weiter verbreitet. Jährlich wird die Krankheit in Deutschland schätzungsweise rund 300.000 Mal diagnostiziert. Im Jahr 2024 erfolgten laut Statistischem Bundesamt rund 4.830 Krankenhausbehandlungen aufgrund einer Borreliose. Beide Erkrankungen können tödlich verlaufen. 2024 starben in Deutschland 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstiches, davon 15 an Borreliose und neun an FSME. Gleichwohl liegt etwa die Impfquote in Bayern bei lediglich rund 23 Prozent.


Erkrankungen können tödlich enden


Relevant ist dieses Thema besonders für alle aktiven Natur- und Waldbesucher. Denn wer viel in Wäldern, auf Wiesen oder im eigenen Garten unterwegs ist, sammelt schnell einige der Blutsauger ein, die im hohen Gras oder Unterholz lauern. Auch Hunde- und Katzenbesitzer sollten ein besonderes Augenmerk haben. Denn die Vierbeiner streifen durch das Gebüsch und dienen als Wirte. Sie bringen die Parasiten dann mit ins Haus, wo sie auf den Menschen übergehen können. Besonders gefährdet sind neben Jägern auch alle Berufsgruppen, die ihrer Arbeit im Freien nachgehen, also etwa Forstarbeiter, Landwirte und Gärtner.


Für sie gilt unabhängig von einer Impfung, dass der eigene Körper vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich abgesucht werden sollte. Denn sobald das Thermometer auf über sieben Grad Celsius steigt, erwachen Zecken aus ihrer Winterstarre. Bei mehr als 25 Grad Celsius sinkt ihre Aktivität in der Regel wieder, sodass sie in den Morgen- und Abendstunden besonders aktiv sind. Um nicht auszutrocknen, benötigen Zecken eine hohe Umgebungsfeuchtigkeit. Zu optimalem Zeckenwetter gehört deshalb eine hohe Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent, wie es sie beispielsweise nach Regenschauern gibt.

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