Ethik, Einheit und politische Rückendeckung
- natur+mensch
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Rund 400 Delegierte diskutierten beim Bundesjägertag in Thüringen zwei Tage lang Themen der Jagd. Sie positionierten sich damit gegenüber Gesellschaft und Politik für ihre weitere Zukunft im Rahmen des Deutschen Jagdverbandes

Dort, wo sich Dynastien von Büchsenmachern, Schäftern und Graveuren mit ihren Fertigkeiten in der Kunst der handwerklichen Waffenherstellung einen fast legendären Platz in der Geschichte einer Stadt erarbeitet haben, richtete die Jägerschaft jetzt ihren Blick demonstrativ nach vorn. So war am Wochenende Suhl Mittelpunkt der deutschen Jagdwelt – gleichsam geschichts- und zukunftsträchtig. Auf Einladung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und des Landesjagdverbandes Thüringen kamen rund 400 Delegierte und Gäste zusammen, um unter dem Motto „Kompetenz im Revier – Ethik im Handeln“ über jagdpolitische und ethische Fragen zu diskutieren. Und über Handlungsmuster zu entscheiden. So waren das zwei intensive Tage mit einem breiten Programm. Schwerpunkte bildeten eine zukunftsfähige Formulierung jagdethischer Standards, der weitere Umgang mit dem Wolf unter neuen politischen und rechtlich immer wieder angegriffenen Rahmenbedingungen sowie die angestrebte Überarbeitung des Waffenrechts mit klaren Unterscheidungszielen zwischen Legalität und wachsender Illegalität.
Ethik als Fundament
Zentrales Thema des ersten Tages war der Workshop „Zukunft der Jagd: Ethik als Fundament gesellschaftlicher Akzeptanz“. DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Florian Asche stimmte die über 200 Teilnehmer per Impulsvortrag auf das Thema ein. In der anschließenden Paneldiskussion erörterte er mit Medien- und Medienrechtsexperten Fragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Tiernutzung, zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Jagdpraxis und zur Jungjägerausbildung. Am zweiten Tag verabschiedeten die Delegierten ein Positionspapier zur Jagdethik. Dessen Kernaussage ist klar: Jagd ist untrennbar mit Verantwortung, Waidgerechtigkeit und Selbstbeschränkung verbunden. Moderne Technik könne die Jagd unterstützen, dürfe aber niemals die ethischen Grundsätze verletzen sowie das eigene Urteilsvermögen und die jagdliche Erfahrung ersetzen.
DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke fasste das mit Blick auf die Praxis so zusammen: Haltung beim Erlegen und die Achtung vor dem Tier sollten von Generation zu Generation weitergetragen werden. Jagen sei kein Gefühl von Macht oder ein bloßes Vergnügen. Und das müsse in der Gesellschaft verstanden werden.
Starke politische Rückendeckung
Die öffentliche Kundgebung am ersten Tag zog hochrangige Gäste an. Bundeskanzler Friedrich Merz wandte sich per Videobotschaft an die Teilnehmer und betonte, dass die Bundesregierung ihr Wort gehalten habe, insbesondere mit der Regulierung und Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Sein auch für die Jagd zuständiger Minister für Landwirtschaft und Ernährung, Alois Rainer, Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, würdigten in ihren Reden das Engagement der Jägerinnen und Jäger für Natur- und Artenschutz, Tierseuchenbekämpfung und die Eindämmung invasiver Arten.
Ministerpräsident Voigt sprach sich klar für ein kluges Wolfsmanagement aus, das auch die Interessen der Weidetierhalter schützt, und betonte: Ohne verantwortungsvolle Jagd würde auch der dringend nötige Waldumbau nicht funktionieren. Beim Thema Waffenrecht machte er deutlich, dass der legale Waffenbesitz in Deutschland Tradition sei und Waffenbesitzer um ihre Verantwortung wüssten. Das größere Problem seien illegale Waffen.
Rekorde bei Nachwuchs und Strecke
Zum Bundesjägertag veröffentlichte der DJV aktuelle Zahlen, die bemerkenswert sind: 18.423 Menschen bestanden im Jahr 2025 die staatliche Jägerprüfung, mehr als doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Der Frauenanteil liegt mittlerweile bei 29 Prozent. Auch bei der Bejagung invasiver Arten wurden Rekorde vermeldet: Im Jagdjahr 2024/25 erlegten Jägerinnen und Jäger über 130.000 Nutria. Eine Umfrage der Markt- und Meinungsforschung Civey belegt zudem, dass über drei Viertel der Deutschen die Jagd in heutiger Zeit für notwendig halten.
Zeichen der Wiederannäherung aus Bayern
Für viele unerwartet war der Auftritt von Hubert Stärker, dem neuen Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV). Der BJV ist seit 2009 kein Mitglied des DJV mehr, nachdem er 2009 in Ingolstadt nahezu einstimmig seinen Austritt beschlossen hatte. Stärkers Besuch in Suhl wurde als Signal wiederkehrenden Zusammenhalts gewertet. Der BJV-Präsident vertritt rund 52.000 Jäger und machte deutlich: Um Gewicht zu bekommen, müssten in der gesamten Jägerschaft Geschlossenheit und Glaubwürdigkeit herrschen, da relevante Entscheidungen in der Bundespolitik und der gesamten Gesellschaft getroffen werden.
DJV-Präsident Dammann-Tamke erwiderte, er wolle den Bayern die Hand für eine Zusammenarbeit reichen, in welcher Form auch immer. Die Delegiertenversammlung forderte in einem Entschließungsantrag, die Jagd gemeinsam solidarisch und konstruktiv zu gestalten.
Seit dem Bundesjägertag stehen die Zeichen damit auf noch mehr Geschlossenheit innerhalb der deutschen Jägerschaft.






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