Vorsichtiger Grund zum Optimismus
- Jürgen Wermser
- vor 7 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik

Liebe Leserinnen und Leser,
in unserer Wochenkolumne geht es unter anderem um die jüngste Einigung im Koalitionsausschuss, die knappen Kassen von Städten und Gemeinden sowie um Auswirkungen der jüngsten Hitzewelle auf die Natur in Deutschland. Zu diesen gehört erfreulicherweise auch eine deutlich geringere Aktivität von Zecken. Gleichwohl bleiben Vorsicht und Vorsorge geboten. Dies gilt nicht zuletzt für Jäger und deren vierbeinige Begleiter. Denn wer seinen Hund nicht konsequent gegen Zecken schützt, riskiert im schlimmsten Fall dessen Leben. Ein weiteres Thema ist der Umgang mit dem Wolf. Hier hat das niedersächsische Landeskabinett jetzt einen Managementplan beschlossen, den wir vorstellen und bewerten.
Das blamable Ausscheiden der deutschen Nationalelf bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat drastisch vor Augen geführt, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen können. Deutschlands Team gehört schon seit Jahren international nicht mehr zu den besten, sondern ist nur noch Mittelmaß. Eine für Kicker und Fans bittere Erkenntnis. Ähnliches droht der deutschen Wirtschaft, wenn die Zeichen der Zeit nicht erkannt werden. Die schwarz-rote Koalition scheint sich dessen bewusst zu sein. Die jüngste Einigung im Koalitionsausschuss weist in diese Richtung. Doch ob die zahlreichen Einzelmaßnahmen tatsächlich genügen, um den viel zitierten Ruck im Land zu erzeugen, ist ungewiss. Auch fehlt bislang die große, motivierende Botschaft an Bürger, Betriebe und Beschäftigte. Passgenaue Kommunikation gehört leider nicht zu den Stärken dieses Kanzlers und seiner Kabinettskollegen.
Koalition zeigt sich handlungsfähig
Gleichwohl: Die Koalition hat sich in dieser Woche als erstaunlich handlungsfähig erwiesen, was viele Beobachter nicht mehr erwartet hatten. Insofern besteht nach der jüngsten Einigung durchaus vorsichtiger Grund zum Optimismus. Wichtigstes Ziel der Koalition muss die Ankurbelung der Wirtschaft bleiben. Denn die politischen und nicht zuletzt finanziellen Herausforderungen sind groß, nicht nur für den einzelnen Bürger, sondern auch für den Fiskus. Und es kommen immer neue hinzu. So hat jetzt beispielsweise der Städte- und Gemeindebund gefordert, für einen besseren Hitzeschutz der Bevölkerung die Verfassung zu ändern. Die Kommunen möchten die Anpassung an den Klimawandel als sogenannte Gemeinschaftsaufgabe in das Grundgesetz aufnehmen. Dann müssten sich Bund und Länder dauerhaft an der Finanzierung entsprechender Investitionen beteiligen. Wie realistisch die Forderung ist, mag dahingestellt sein. Doch die jüngste Hitzeperiode zeigt, wie wichtig solche und ähnliche Thematiken werden können. Übrigens sind nach dem ARD-Politbarometer dieser Woche neun von zehn Deutschen davon überzeugt, dass die Politik mehr Geld bereitstellen müsse, um die Infrastruktur wie Verkehrswege, Schulen und Krankenhäuser besser auf künftige Hitzephasen vorzubereiten.
Zecken mögen keine Hitze
Das extrem heiße Wetter der vergangenen Tage hat aber auch Vorteile. Einer ist, dass Zecken bei Hitze deutlich weniger aktiv sind. Grundsätzlich sind Vorsicht und Vorsorge im Umgang mit den Spinnentieren geboten. Sie übertragen etliche Krankheiten, von denen einige für Menschen und Hunde durchaus gefährlich sind. Angesichts der vielen von ihr übertragbaren Krankheiten kann man die Zecke als das gefährlichste Tier Deutschlands bezeichnen. Das zumindest legen die Beiträge beim süddeutschen Zeckenkongress 2026 nahe. In einem Blog-Beitrag geht unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche näher darauf ein. Immerhin starben im Jahr 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstiches, davon 15 an Borreliose und neun an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Experten empfehlen daher allen Personen eine Impfung gegen die FSME, die in einem der 180 Risikogebiete in Deutschland leben oder dorthin reisen und Kontakt zu Zecken haben könnten. Und wer seinen Hund nicht konsequent gegen Zecken schütze, riskiere im schlimmsten Fall das Leben des Vierbeiners, hieß es während des Kongresses in Hohenheim.
Ein leidiges Thema für viele Menschen im ländlichen Raum, insbesondere für Weidetierhalter und Jäger, bleibt der behördliche Umgang mit dem Thema Wolf. Niedersachsen gehört zu den Bundesländern, die am stärksten betroffen sind. Dort leben nach jüngsten Angaben der Landesregierung derzeit knapp 60 reproduktive Rudel und rund 600 Wölfe. Die Population nehme nach einer Phase des Wachstums von rund 30 Prozent jährlich aktuell um fünf bis zehn Prozent zu, hieß es dazu.
Wölfe leichter rechtssicher bejagen
Nachdem das niedersächsische Landesjagdgesetz kürzlich geändert wurde, hat das Kabinett in Hannover nun einen revierübergreifenden Managementplan beschlossen. Dieser ermöglicht es laut Landesregierung „auf Schäden, die durch Wölfe verursacht wurden, schnell und rechtssicher mit gezielten Entnahmen der Schaden verursachenden Wölfe zu reagieren. Dabei gilt: Der Wolf ist weiterhin eine geschützte Tierart. Das bedeutet: Die Anzahl der adulten Tiere, die geschossen werden, ist begrenzt, um den günstigen Erhaltungszustand nicht zu gefährden.“ Aktuell geht es hier um maximal 22 Wölfe in der atlantischen und fünf in der kontinentalen Region.
Der Managementplan sieht im Wesentlichen zwei Säulen der Bejagung vor: Zum einen Schnellabschlüsse, wenn ein Riss erfolgt ist. Hier legt das zuständige Landesministerium als oberste Jagdbehörde das betreffende Jagdgebiet fest und stellt sicher, dass die Jagdausübungsberechtigten informiert werden. Das Jagdgebiet „soll Jagdreviere umfassen, die innerhalb eines Radius von mindestens drei und bis zu 20 Kilometern um den festgestellten Schadensort liegen. Der Bejagungszeitraum kann bis zu sechs Wochen nach Schadensfeststellung betragen. Die Jagd endet, sobald ein Wolf, der nicht notwendigerweise auch der Schadstifter gewesen sein muss, erlegt wurde.“
Die zweite Säule des Managementsplans ist die Bejagung in festgelegten Interventionsgebieten. Dort endet die Jagd „mit dem Erreichen der maximalen Anzahl entnehmbarer Wölfe oder – sollte dieser Fall nicht eintreten – mit der Entnahme des betroffenen Rudels oder Wolfspaares. Die Jagd endet spätestens mit Ablauf des Monats Februar. Im Interventionsgebiet können vom 1. November bis Ende Februar des Folgejahres Wölfe und vom 1. Juli bis Ende Februar des Folgejahres Jungwölfe entnommen werden; es gilt der jagdliche Grundsatz jung vor alt.“
Der jetzt beschlossene Managementplan geht in die richtige Richtung. Er klingt zwar etwas sperrig, aber scheint inhaltlich vernünftig zu sein. Entscheidend bleibt jedoch, wie all dies tatsächlich in der jagdlichen Praxis umgesetzt wird. Das wird die eigentliche Nagelprobe sein und dürfte auch in den anderen Bundesländern aufmerksam verfolgt werden.
Ausbildung von Jagdhunden nicht eingeschränkt
Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal auf das vom niedersächsischen Landtag kürzlich beschlossene neue Jagdgesetz zurückkommen. In unserer Wochenkolumne der vergangenen Woche hieß es dazu unter anderem: „Ein wichtiges Ergebnis aus Sicht der Jägerschaft: Eine Einschränkung der Jagdhunde-Ausbildung, wie sie zunächst befürchtet wurde, soll es nicht geben. Die Jagd mit Hunden in künstlich angelegten Tunnelsystemen wird weiter erlaubt sein.“ Doch leider konnte es hier durch eine redaktionelle Panne an anderer Stelle zu einem Missverständnis über die Position der niedersächsischen Jägerschaft kommen. Das bedauern wir. Erfreulicherweise erreichte uns hierzu umgehend eine Leserreaktion des Präsidenten der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, in der dieser bekräftigte: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Gesetzentwurf keine Einschränkung der Jagdhundeausbildung vorsieht. Das war und ist eine der roten Linien unseres Verbandes.“
Übrigens: An diesem Wochenende findet im thüringischen Suhl der Bundesjägertag statt. 400 Delegierte und Gäste aus ganz Deutschland haben sich angesagt, darunter Spitzenpolitiker wie Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Zentrale Themen sind ethische Standards bei der Jagd, der künftige Umgang mit dem Wolf und die Überarbeitung des Waffenrechts. Wir werden all diese Themen in unserem Blog weiter verfolgen …
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche.
Mit besten Grüßen
Ihr Jürgen Wermser
Koordination/Redaktionsleitung



