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Hof sucht einen Bauern

  • Autorenbild: Wolfgang Kleideiter
    Wolfgang Kleideiter
  • vor 13 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn der Hof einen Bauern sucht, geht es nicht ums Liebesglück. Dann fehlt in der Familie ein Nachfolger, dann stehen das Lebenswerk und die Existenz von Alt und Jung im Mittelpunkt. Helfen können außerfamiliäre Lösungen


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Foto: ChatGPT
Foto: ChatGPT

Die EU-Kommission will sich mehr um junge Landwirte kümmern und ihnen beim Aufbau der Existenz helfen. Das ist enorm wichtig, denn rein statistisch überaltert Europas Landwirtschaft zurzeit schneller als andere Branchen. Nach den jüngsten Zahlen liegt das Durchschnittsalter der Landwirte in der Europäischen Union bei 57 Jahren. Sprich: Sehr viele Hofinhaber haben das 60. Lebensjahr längst überschritten. Zwölf Prozent der Bauern in Europa sind unter 40 Jahre alt und fallen in die Kategorie „Junglandwirtin und -landwirt“. In Deutschland sind es laut einer aus dem Jahr 2023 stammenden Erhebung immerhin 16 Prozent.


Der Generationswechsel in der Landwirtschaft darf nicht scheitern. Denn die landwirtschaftlichen Betriebe sind wichtig für Ernährungssicherheit, eine mehr und mehr autonome Lebensmittelerzeugung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft des ländlichen Raums. Die EU-Kommission hat sich auch deshalb das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2040 den Anteil von Jung- und neuen Landwirtinnen und Landwirten zu verdoppeln. Damit soll sichergestellt werden, dass der Sektor „innovativ, wettbewerbsfähig und widerstandsfähig“ bleibt.


Wenn es gut läuft, bleibt ein Bauernhof über Generationen in Familienhand. Doch es nehmen die Fälle zu, dass das Lebenswerk nicht an die Kinder weitergegeben werden kann. Die Rahmenbedingungen sind anspruchsvoll. Oft ist ein Zuverdienst notwendig. Gerade bei kleineren Betrieben droht im schlimmsten Fall die Hofaufgabe. Ein Ende, das schmerzt.


Existenzgründungen in der Landwirtschaft eher die Ausnahme


Da empfiehlt es sich, im Vorfeld über den Tellerrand zu blicken und auch eine außerfamiliäre Lösung in Betracht zu ziehen. Denn der von der EU angestrebte hohe Anteil an Junglandwirten kann in der Realität nur erreicht werden, wenn die Höfe selbst auf jeden Fall bestehen bleiben.


Existenzgründungen wie in anderen Branchen sind in der Landwirtschaft eher eine Ausnahme. Aktuell werden nur etwa drei Prozent der Familienbetriebe von Personen bewirtschaftet, die den Hof nicht geerbt haben. Fachleute gehen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung von einer Zunahme aus.


Die gemeinnützige Stiftung Agrarkultur leben gGmbH im nordhessischen Rotenburg an der Fulda ist eine Initiative, die sich seit vielen Jahren intensiv darum bemüht, Hofabgeber und Hofsucher zusammenzubringen. Einen ersten Eindruck von der Arbeit erhält man beim Blick auf die bereits informative Internetplattform hofsuchtbauer.de.


Die Stiftung mit Geschäftsführer und Gründer Christian Vieth an der Spitze bietet bundesweit Beratung und Informationen zur Hofnachfolge an, begleitet Übernahmeprozesse oder sorgt für die Vernetzung mit weiteren Experten.


„Jeder gerettete Hof ist uns die Mühe wert“, sagt Vieth. Anfangs sei seine Initiative belächelt worden, inzwischen finde sie aber immer mehr Zuspruch. Der Prozess einer Übergabe kann allerdings sehr lange dauern. Für Vieth ist das nachvollziehbar.


„Der Hofnachfolger muss der komplexen Aufgabe, einen Hof zu führen, gewachsen sein. Es werden also keine Lehrlinge gesucht“, erklärte er jüngst in einem Interview. „Der Prozess einer außerfamiliären Übergabe dauert drei bis fünf Jahre, angefangen mit den ersten Gedanken, der Suche, einer Probezeit und schließlich der Gestaltung der Verträge. Und ich kann sagen, dass es in fast allen Fällen, die ich bisher begleiten durfte, gelungen ist.“ Nur eine von 800 Übergaben habe leider nicht funktioniert.

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