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Was der Borkenkäfer übrig ließ

  • Autorenbild: Frank Polke
    Frank Polke
  • vor 15 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Trend bestätigt sich. Auch 2025 wurde weniger Holz aus heimischen Wäldern geholt. Der Grund dafür ist traurig


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Foto: Thorsten Neuhaus
Foto: Thorsten Neuhaus

Jetzt ist es offiziell: Auch im vergangenen Jahr wurden in deutschen Wäldern wieder weniger Bäume gefällt. Mit 57,3 Millionen Kubikmetern lag der Holzeinschlag um 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt im April mitteilte. Damit bestätigte sich der Trend der vergangenen zwei Jahre. Vor allem private Waldbesitzer konnten damit erneut weniger Ertrag aus ihren Wäldern ziehen. Die Schäden gehen in die Millionen, während die Kosten für die Wiederaufforstung für viele Unternehmen und Forstbetriebe erheblich sind und waren.


Im Jahr 2025 wurden 12,7 Millionen Kubikmeter sogenanntes Schadholz eingeschlagen, ein Jahr zuvor war es nach Angaben der Statistiker mit 27,3 Millionen Kubikmetern noch mehr als doppelt so viel. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren verzeichneten die Statistiker noch einen Holzeinschlag in Höhe von 60,1 Millionen Kubikmetern – das war das höchste Schadholzaufkommen seit Beginn der Zeitreihe aus dem Jahr 1990. Der Anteil des Schadholzes am gesamten Holzeinschlag verringerte sich von knapp drei Vierteln (74,8 Prozent) im Jahr 2020 auf weniger als ein Viertel (22,1 Prozent) 2025.


Vom Borkenkäfer bis heute noch nicht erholt


Seit dem Höchstwert 2021 mit damals 83 Millionen Kubikmetern Holz wird die Menge des verwerteten Holzes für Jahr geringer, trotz steigender Nachfrage und guter Marktpreise. Der Hauptgrund ist der bundesweit fast flächendeckend zu verzeichnende Borkenkäfer-Befall der Wälder. Dieser hatte seit 2028 in fast allen Regionen dafür gesorgt, dass die befallenen Bäume zu wenig Widerstandskraft für Trockenheit oder Wind entwickeln konnten. Ganze Waldregionen wurden kahlgefressen. Viele Regionen wie das Sauerland, der Thüringer Wald und der Harz haben sich von dieser Katastrophe des deutschen Forstes bis heute nicht erholt.


Konsequenz: Seit dieser Zeit können Jahr für Jahr weniger Bäume aus den Wäldern geholt werden. „Der deutlich geringere Holzeinschlag im Vergleich zu den durch Borkenkäferbefall geprägten Jahren 2020 und 2021 – sowohl beim insektenbedingten Schadholz als auch beim Fichtenholz – deutet darauf hin, dass ein Großteil der geschädigten Bäume bereits in den Vorjahren gefällt und dem Wald entnommen wurde“, folgern die Wiesbadener Statistiker. Jetzt sei einfach wenig bis kein Holz mehr vorhanden, das gefällt werden kann.


Stammholz bleibt weiter gefragt


Der Großteil des eingeschlagenen Holzes findet als sogenanntes Stammholz Verwendung in der Säge- und Furnierindustrie, etwa als Paletten- oder Parkettholz. Im Jahr 2025 wurden 32 Millionen Kubikmeter und damit 55,9 Prozent der angefallenen Holzmenge mit dem Verwertungsziel Stammholz eingeschlagen. Etwa 11,8 Millionen Kubikmeter (20,6 Prozent) wurden als Industrieholz zur Verwendung in der Holzwerkstoffindustrie beziehungsweise Papier- und Zellstoffindustrie vorgesehen. Zur Energiegewinnung wurden 10,7 Millionen Kubikmeter (18,7 %) genutzt.


Hoffen auf Wiederaufforstung


Die privaten Waldbesitzer, die durch den Borkenkäferbefall und das Absterben ganzer Waldflächen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe erlitten haben, hoffen jetzt darauf, dass ihre Maßnahmen zur Wiederaufforstung spätestens 2027 erste wirtschaftliche Früchte tragen. „Die Maßnahmen haben Millionen gekostet. Geld, das viele nicht hatten. Deswegen mussten viele verkaufen oder ihren Forstbetrieb aufgeben“, sagt ein Forstexperte aus Brandenburg. Diejenigen, die durchgehalten haben, hoffen auf einen höheren Ertrag ab kommendem Jahr.


Auch die Touristen blieben aus


Auch die regional betroffenen Tourismusregionen hoffen, dass die kahlen Waldregionen vor allem im Sauerland und im Thüringer Wald bald wieder zugewachsen sind. „Wir haben aufgrund der geschädigten Waldgebiete schon deutliche Rückgänge bei den Gästezahlen verzeichnen müssen“, sagte kürzlich ein Tourismusmanager aus dem Erzgebirge bei einer Anhörung im Tourismusausschuss des Bundestages. Jetzt hoffe man darauf, dass die langsam nachwachsenden Baumflächen bald wieder ein schönes Ambiente für Naturliebhaber und Touristen entwickeln. Marktbeobachter glauben fest an eine Chance dieser Regionen – gerade angesichts der weltweit unsicheren Lage, die viele Urlauber von einer Fernreise absehen lässt.


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