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Heimgekehrt in den Harz

  • Autorenbild: Frank Polke
    Frank Polke
  • vor 48 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

In Deutschland galt der Luchs lange Jahre als vom Aussterben bedroht. Doch gezielte Maßnahmen sorgen zumindest rund um den Harz für ein Anwachsen des Tierbestandes


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Foto: Michael Lorenzet / pixelio.de
Foto: Michael Lorenzet / pixelio.de

Vor 25 Jahren begann das ehrgeizige Projekt. In einem begrenzten Gebiet im Harz sollte der Luchs wieder in dieser Region eine neue natürliche Heimstätte finden. Das Projekt startete im Jahr 2000 – und sollte als ein Modellprojekt gewertet werden. Jetzt zogen die Beteiligten eine erste Bilanz – und die kann sich jedenfalls für den Nationalpark Harz durchaus sehen lassen. „Ich gehe davon aus, dass die innerhalb des Harzes zur Verfügung stehenden Reviere mittlerweile komplett von Luchsen besetzt sind“, sagte der Luchs-Koordinator des Nationalparks Harz, Ole Anders, in Magdeburg zufrieden. In den Jagdrevieren wurde das Projekt Wiederansiedlung zunächst mit Skepsis aufgenommen, ist aber inzwischen weitgehend akzeptiert.


Rückblende: Der Luchs galt in fast allen Teilen Deutschlands über einen Zeitraum von 200 Jahren als ausgestorben. Zu viele Regionen wurden in den vergangenen 200 Jahren dicht besiedelt, Verkehrswege durchschnitten die Lebens- und Wanderrouten für die Tiere. Dazu kommt: Luchse sind mit Blick auf die Eroberung neuer Lebensräume eher zurückhaltend. Weibchen blieben meist in der Nähe ihrer Herkunftsreviere, während männliche Tiere mitunter weite Strecken von mehreren Hundert Kilometern zurücklegten. Und genau diese langen Strecken wurden vor allem in der Nähe von Ballungsräumen wie Nordrhein-Westfalen oder dem Großraum München zur tödlichen Gefahr. Deswegen fiel die Auswahl der Projektmacher auf den Harz, der als dünn besiedelt eher geeignet ist, für die Wiederansiedlung der Luchse als natürlicher Lebensraum zu fungieren.


Der nächste Schritt: Bis zum Jahr 2006 wurden insgesamt 24 Eurasische

Luchse im Oberharz westlich vom Brocken ausgewildert. Ein erster Schritt war gemacht. Durch den großflächigen Einsatz von Fotofallen sei mittlerweile ein Bestand von rund 90 Tieren im gesamten Harz ermittelt worden, erklärte Ole Anders. Ab etwa 2006 wurde das Gebiet erweitert, schon bald konnte auch im Ostharz Luchsnachwuchs nachgewiesen werden. 2013 dann die Botschaft: Europas größte Katzenart ist wieder im gesamten Harz heimisch. Die Untersuchungen des Nationalparks zeigten, dass im Ostharz die Luchspopulation auf gleicher Fläche höher ist als in den Höhenlagen des Westharzes. Das ist möglicherweise unter anderem auf ein unterschiedliches Nahrungsangebot zurückzuführen. Hauptsächlich ernähren sich die Harz-Luchse von Rehen und Rotwild. Damit ist der Luchs ein angesiedelter Konkurrent in der Bejagung.


Doch die Wiederansiedlung des Luchses birgt auch weitere Probleme: Allein in diesem Winter attackierte ein Luchs fünf Schafherden im Südharz. Die traurige Bilanz eines einzelnen Angriffs: 27 Schafe wurden getötet. Zuvor habe es nur selten

vereinzelte Luchsrisse gegeben, sagte Anders. Dass ein einzelner Luchs in

so kurzer Zeit eine so hohe Zahl von Schafen tötet, habe er in seiner

25-jährigen Praxis noch nicht erlebt.


Die Projektverantwortlichen gehen den nächsten Schritt in den Thüringer Wald. Auch die Waldgebiete westlich und südlich des Harzes in Niedersachsen und

Thüringen sind mittlerweile wieder Luchsreviere. Die Experten vom

Nationalpark schätzen dort den Bestand auf aktuell rund 70 Luchse. Demnach

bestehe das gesamte Vorkommen derzeit aus mindestens 160 Individuen in

einem Gebiet von den östlichen Ausläufern des Harzes von Eisleben bis zur

Weser.


Die Projektverantwortlichen im Harz und in Thüringen gehen jetzt den nächsten Schritt: Sie nutzen verstärkt technische Möglichkeiten, um die Bestände in anderen Gebieten zu kontrollieren und von den Erfahrungen anderer Regionen zu profitieren. Beispiel Thüringen: Verschiedene Träger wie der BUND, das Institut ThüringenForst und das Wildkatzendorf Hütschenroda arbeiten unter dem Gemeinschaftsprojekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ zusammen. Dabei geht es nach Angaben des zuständigen Landesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Energie und Forst um ein vernetztes Tiermonitoring, um die optimalen Lebensbedingungen der Tiere nicht nur für den Freistaat zu nutzen, sondern auch die Routen der Luchse besser kennen und schützen zu lernen.

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