Der Krieg erhöht den Druck auf die Landwirtschaft
- Wolfgang Kleideiter

- vor 14 Stunden
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Frühjahrsfreude will in der deutschen Landwirtschaft nicht aufkommen. Während die Natur sich von der besten Seite zeigt, wächst die Sorge vor unkalkulierbaren Folgen des Iran-Kriegs. Ackerbauern und Tierhalter sind gleichermaßen alarmiert

Landwirtschaft ist hierzulande kein einfaches Geschäft. Hohe Preise und Kosten, Bürokratie, Strukturwandel und ein Top-Anspruch an die Produkte gehören zum Alltag. Seit dem 26. Februar kommt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine noch der Krieg im Nahen Osten hinzu, der den Druck weiter erhöht. Schon warnt der Deutsche Raiffeisenverband in seiner ersten Ernteschätzung 2026 vor einem Rückgang bei der Getreideerzeugung und massiven Problemen beim Export.
Aktuell trifft es die Bauern wie die gesamte Wirtschaft und die Privathaushalte massiv bei den Energiepreisen. Zwar ist die Agrardieselrückvergütung in diesem Jahr von der schwarz-roten Koalition wieder auf den alten Satz von 21,48 Cent pro Liter angehoben worden, aber der Treibstoff für den Tagesbetrieb muss erst einmal gekauft werden. Welcher Anstieg zu verkraften ist, lässt sich an den Preistafeln der Tankstellen ablesen. Die Entwicklung ist dramatisch. Mit Blick auf die zu erwartenden Kosten für den Maschineneinsatz bei der Getreideernte und -trocknung im Sommer wird manch einem schon heute schwindelig.
Auch die Entwicklung bei den Preisen für Dünger verheißt nichts Gutes. Die Kurven zeigen steil nach oben und sind noch mehr auf Gipfelsturm eingestellt als nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Der Markt, so beschreiben es Analysten, sei „aus den Fugen geraten“. Der schwere Konflikt im Nahen Osten betrifft eine Region, die wesentlich für die Versorgung der Welt mit Gas, Öl und Stickstoffdünger ist.
Steigender Kostendruck zur Frühjahrsbestellung
Beim Harnstoff liegen die Preise an den Märkten und Exporthöfen inzwischen um teils 200 Euro und mehr pro Tonne höher als noch vor wenigen Wochen. Beim Stickstoffdünger sieht es ähnlich aus. Hier rächt es sich, wenn Landwirte im Februar wegen bereits hoher Preise den Einkauf vermieden haben. Jetzt müssen sie für die Frühjahrsbestellung noch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Von einer Beruhigung des Marktes ist kaum auszugehen, da inzwischen immer mehr Produktionsanlagen zerstört wurden. Sicher ist nur, dass nichts mehr sicher ist.
Die langfristigen Folgen des Konflikts sind nur noch mit dem Wort „düster“ zu beschreiben. Sollte die für den Transport so wichtige Meerenge von Hormus weiter vom Iran blockiert werden, droht ein Einbruch bei den Ernteerträgen. Weniger Weizen, weniger Mais, weniger Reis – bei den Vereinten Nationen warnen Ernährungs- und Landwirtschaftsexperten inzwischen vor einer Lebensmittelkrise. Hierzulande gäbe es aufgrund des hohen Selbstversorgungsgrads durch die heimische Landwirtschaft keine Not, aber die Preise würden deutlich anziehen. Und da Mais und Soja auch als Futtermittel eingesetzt werden, würde auch die Fleischproduktion teurer.
Betroffen ist zudem der Export von landwirtschaftlichen Produkten. Auch hier erweist sich die Straße von Hormus als logistische Lebensader. Das Portal „Agrar heute“ brachte es neulich auf den Punkt: „Wo kein Tanker mit Erdöl rauskommt, kommt auch kein Frachter mit Fleisch, Getreide und anderen Gütern rein.“
Konsequenz: Selbst wenn der Krieg morgen beendet würde, die aktuelle Krise wäre es noch lange nicht.






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