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Kulturkämpfe, Verkehrskonflikte und Krisen im ländlichen Raum

  • natur+mensch
  • vor 13 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Das war das Jahr 2025 im Blog natur+mensch (Teil 4)


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Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Während vielerorts Silvesterraketen vorbereitet werden, blicken wir auf die letzten drei Monate zurück – ein Quartal, das thematisch über die üblichen Jagd- und Wildtierthemen hinausging. Die meistgelesenen Artikel der Monate Oktober bis Dezember zeigen, wie vielfältig die Herausforderungen im ländlichen Raum geworden sind: von Kulturkämpfen um Lebensmittelbezeichnungen über Verkehrspolitik und Wirtschaftskrisen bis hin zu medialer Berichterstattung über den deutschen Wald.


Wurst ohne Fleisch: Ein Etikettenschwindel?


Foto: ChatGPT
Foto: ChatGPT

Anfang Oktober stand im Europaparlament eine Abstimmung an, die weit über technische Produktbezeichnungen hinausging. Ludwig Hintjens berichtete über den Vorstoß der Christdemokraten, Fleischersatzprodukten die Verwendung von Begriffen wie „Wurst“, „Schnitzel“ oder „Burger“ zu verbieten. Hinter der Debatte stehen handfeste kommerzielle Interessen: Fleischersatz boomt, die Supermarktregale sind voll, und alle Produkte machen im Namen und in der Optik Anleihen bei tierischen Artikeln. Landwirte und Metzger haben mit viel Mühe und nach den Regeln des guten Handwerks Burger, Wurst und Schnitzel zu Lebensmitteln gemacht, die hohe Akzeptanz genießen. Sie beklagen, dass die Fleischersatzindustrie sich dreist beim guten Namen dieser Produkte bediene. Der Artikel macht deutlich, dass es auch um einen Kulturkampf geht: Viele Menschen wehren sich dagegen, dass der Verzehr von Fleisch als politisch rückständig gebrandmarkt wird. Dass die Benennungen überhaupt ausgeborgt wurden, können Landwirte und Metzger als Kompliment verstehen – offensichtlich löst selbst der Begriff Schnitzel Assoziationen aus, die die Kaufschwelle senken.


Straßensperren gegen den Stau-Tourismus


Foto: ChatGPT
Foto: ChatGPT

Wolfgang Kleideiter widmete sich im Oktober einem Verkehrsproblem, das vor allem ländliche Regionen in Bayern betrifft. Die Landkreise Rosenheim und Berchtesgadener Land haben Ausweichstrecken für den Autobahnverkehr gesperrt, um Dorfbewohner vor Lärm und Abgas zu schützen. Der Hintergrund: 2024 erreichten Staus auf deutschen Autobahnen eine Gesamtlänge von 859.000 Kilometern – das entspricht einer Hin- und Rückreise zum Mond. Navigationsgeräte und Apps leiten Verkehr über Kreis- und Gemeindestraßen, mit fatalen Folgen. In manchen Regionen geht nichts mehr, Müllfahrzeuge stecken fest, Rettungswagen finden kaum noch durch. Nach österreichischem Vorbild, wo seit 2019 an Sommerwochenenden Abfahrtssperren auf der Inntalautobahn gelten, haben die bayerischen Landkreise temporäre Durchfahrtsverbote eingeführt. Die Polizei kontrolliert mit Stichproben, nur Reisende mit nachweisbarem Ziel in der Region dürfen passieren. Die Maßnahmen stehen rechtlich auf sicheren Füßen – der Bund hat Verständnis dafür, dass Gemeinden ihre Bürger entlasten. Nach ersten Wochen berichten Polizei, Gemeinden und Bürger von spürbaren Verbesserungen. Der ADAC beobachtet die Entwicklung genau und fordert länderübergreifende Lösungen, sieht in den Sperren aber keine dauerhafte Lösung. Für manch anderen staugeplagten Ort könnte dies ein Signal sein.


Kneipensterben bedroht Lebensqualität


Foto: Sora
Foto: Sora

Mitte November rückte Frank Polke die Gastronomiebranche in den Fokus – mit alarmierenden Zahlen. Es war kein gutes Jahr für Kneipen und Restaurants in Deutschland, besonders auf dem Land. Der Umsatz im Gastgewerbe sank im August um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3,5 Prozent. Seit 2019 haben 67.000 Kneipen, Restaurants und Gasthöfe aufgegeben. Die Corona-Pandemie wirkte wie eine Abrissbirne, viele Mitarbeiter kehrten nach der Zwangspause nicht zurück. Auch nach staatlichen Hilfen bleibt der Trend negativ. Die Kosten sind dramatisch gestiegen: Energie kostet 13 Prozent mehr, Löhne 14 Prozent, Grunderzeugnisse für Lebensmittel fast 20 Prozent mehr. Ein seriös kalkuliertes Schnitzel kostet kaum noch unter 30 Euro, eher 40 Euro. Für viele Familien ist das zu viel – sie bleiben zu Hause, teilen sich Essen oder verzichten aufs zweite Bier.


Waldverlust oder Waldzuwachs? Eine Medienkritik


Screenshot: YouTube
Screenshot: YouTube

Ende November sorgte ein Beitrag über mediale Berichterstattung für Aufsehen. Der Forstwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Schulte nahm in einem YouTube-Video Stellung zur weit verbreiteten Meldung „900.000 Hektar Wald verloren". Diese Schlagzeile ging durch alle großen Medien – von der Tagesschau über FAZ und Süddeutsche bis zu Regionalzeitungen, die den dpa-Artikel eins zu eins abdruckten. Schultes Urteil: „Nachgewiesen falsch“. Die Aussagen gehen auf eine Veröffentlichung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zurück, die korrekt von „Kronendachverlusten“ sprach – nicht von verlorenem Wald. Schulte stellt klar: Seit 1949 hat die Waldfläche in Deutschland um etwa 1,5 Millionen Hektar zugenommen. Anstatt große Mengen an bestem, durch Borkenkäfer dem Markt zugeführtem Fichtenholz für eine Holzbauoffensive zu nutzen, wurde es unter Begasung mit einem Klimakiller billig nach China exportiert oder als Totholz liegen gelassen, wo es durch natürliche Zersetzung Millionen Tonnen CO₂ emittiert. Der Artikel verweist auf Schultes YouTube-Kanal „CumTempore“, in dem der emeritierte Lehrstuhlinhaber für Waldökologie der „zunehmend alarmistischen und ideologisierten Berichterstattung" daten- und faktenbasierte Hintergründe gegenüberstellt.


Damit schließen wir unseren Jahresrückblick 2025 ab. Das Jahr hat gezeigt, wie vielfältig und komplex die Herausforderungen im Spannungsfeld von Natur, Mensch und Gesellschaft geworden sind. Vom Schutz bedrohter Arten über jagdpolitische Weichenstellungen bis hin zu wirtschaftlichen und medialen Fragen – der Blog natur+mensch hat versucht, diese Themen sachlich zu beleuchten und zur Diskussion beizutragen. Wir danken Ihnen für Ihre Treue und Ihr Interesse und wünschen Ihnen einen guten Rutsch ins Jahr 2026. Bleiben Sie uns gewogen – wir freuen uns darauf, Sie auch im neuen Jahr mit spannenden Beiträgen zu begleiten.

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