Wälder werden zur Müllkippe
- Frank Polke

- vor 1 Stunde
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Trockenheit und menschliche Unachtsamkeit setzen den schönen Wäldern in Brandenburg zu. Doch die Natur wehrt sich – auch mit menschlicher Hilfe

Es ist das Bundesland mit der höchsten Walddichte in ganz Deutschland. Gerade das macht aber auch die Größe der Aufgabe klar. Laut dem aktuellen Bericht zur Lage der Forstwirtschaft in Brandenburg, der auf Zahlen zwischen 2022 bis 2024 basiert, umfasst das östliche Bundesland rund 1,1 Millionen Hektar Wald. Das sind etwa 38 Prozent der gesamten Landesfläche. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen bedeckt Wald nur 25 Prozent der Fläche des Landes.
AbWaer auch Brandenburg hat mit Klimawandel, menschlicher Rücksichtlosigkeit und fehlenden Finanzressourcen zu kämpfen: Wie das Agrar- und Forstministerium in Potsdam mitteilte, gelten in Brandenburg aktuell lediglich noch 15 Prozent der Bäume als gesund. Bereits 32 Prozent der Bäume sind deutlich geschädigt – Tendenz steigend. Die heißen und vor allem trockenen Jahre seit 2015 haben gerade in den Laub- und Mischwäldern des Landes ihre Spuren hinterlassen. Auch der Wildverbiss setzt vielen noch gesunden Bäumen im gesamten Bundesland stark zu.
Trockene Böden brennen aus
Rückblick: In den Jahren 2018 und 2019 gab es gerade in Brandenburg, das durch sandige Böden geprägt ist, zahlreiche verheerende Waldbrände. Hektarweise verbrannten Wälder, wurden die Böden weiter stark geschädigt, wurden ganze Landstriche Raub der Flammen. In Zahlen: Laut Landesministerium brannten in den Jahren von 2022 bis 2024 Wälder 949 Mal auf insgesamt 2.397 Hektar der Landesfläche.
Dabei ist die Lage in Brandenburg noch gefährlicher als anderenorts: Zwischen Cottbus und Berlin lagert auch im Jahr 2025 noch immer tonnenweise Munition in der Erde, die das Löschen des Feuers zur lebensgefährlichen Aufgabe macht: Granaten, Öl- und Benzinlager und sogar scharfe Bomben sind allesamt Hinterlassenschaften der bewegten Geschichte des Bundeslandes. Gerade zwischen der heutigen polnischen Grenze und Berlin tobten kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs schwere Schlachten zwischen den Deutschen und der vordringenden Roten Armee. Später dienten viele Gebiete der Roten Armee und der NVA als Truppenübungsplätze – mit einer hoch explosiven Hinterlassenschaft, um die sich erst seit der Wende gekümmert wird.
Immer mehr Müll um Wald
Ein weiteres Problem für die Lebensfähigkeit des Waldes ist auch in Brandenburg die illegale Müllentsorgung: Laut Ministeriumsangaben wurden allein im Jahr 2023 knapp 6.000 Kubikmeter Müll im Wald entdeckt und dokumentiert. Das Einsammeln des Mülls schlug im Etat des Landesbetriebs Forst Brandenburg mit 2,1 Millionen Euro zu Buche. Verantwortlich dafür sind nicht nur Privatpersonen, deren achtloses Verhalten die Natur belastet. In zunehmenden Maßen werden auch gewerblich und teilweise gefährliche Abfälle wie Asbest, Dämmstoffe oder Dachpappe illegal in der Natur abgeladen.
Holzvorrat steigt weiter an
Doch es gibt auch positive Nachrichten: Dank umfangreicher Aufforstungsmaßnahmen durch private und staatliche Hände konnte die Waldfläche in den vergangenen zehn Jahren stabil gehalten werden. Der Anteil an Mischwäldern wurde gesteigert. Auch der Holzvorrat wuchs in den letzten zehn Jahren auf 296 Kubikmeter je Hektar, wie es hieß. Das Bundesland kämpft seit Jahren um die Pflege der Natur- und Seenlandschaft, die in Europa wohl einmalig ist und die für das strukturarme Bundesland auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor ist. Denn neben der Gewinnung von Holz und einer hoch attraktiven Jagd-Landschaft ist die Verbindung aus unberührten Wäldern und Seen auch ein Anziehungspunkt für Touristen. Immer mehr Touristen verbinden nicht nur ihren Urlaub in Berlin oder Potsdam mit Ausflügen nach Brandenburg, sondern buchen sogar ganze Ferien zum Beispiel im Spreewald. „Das Land verbindet eine schnelle Erreichbarkeit mit einem unvergesslichen Naturerlebnis“, erklärt ein Tourismusmanager aus Brandenburg stolz. „Dazu kommt noch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Darauf achten immer mehr Menschen.“






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