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„Die dicken Knollen fehlen“

Autorenbild: Frank Polke
Frank Polke
vor 10 Minuten
3 Min. Lesezeit

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate machen auch vor der Deutschen liebsten Knolle nicht halt – das ist die Kartoffel. Sie bereitet vielen Landwirten inzwischen Probleme


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Foto: Dieter Schütz / pixelio.de
Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Die Deutschen lieben ihre Kartoffel. Ob als Beilage für ein Mittagessen, ob als Zutat für den beliebten Salat oder als Grundlage für die Pommes im Schnellrestaurant oder tiefgefroren – Kartoffeln sind eine unverzichtbare Grundlage für das Essen hierzulande. Seit Jahrhunderten gehören sie in Deutschland zum kulinarischen Establishment. Aber natürlich hat die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate bundesweit auch bei der Kartoffel für erhebliche Einbußen bei der Ernte gesorgt. Vor allem im Vergleich zum Vorjahr, als fast eine Rekordernte hierzulande verzeichnet werden konnte, müssen sich die Landwirte und die Verbraucher auf einen schmaleren Ertrag einstellen.


Ob die Kartoffel auch teurer wird, ist noch nicht abzusehen. Festzustehen scheint, dass auch die Pommes durch das mengenmäßigere Angebot kleiner im Tiefkühlbeutel werden.


Einige Bauern steigen auf den klimaresistenten Sojaanbau um


„Natürlich haben die hohen Temperaturen auch bei uns im Osten Deutschlands den Pflanzen zugesetzt“, berichtet die Geschäftsführerin des sächsischen Kartoffelverbandes, Ariane Weiß, in einer Stellungnahme. „Bei Temperaturen über 30 Grad wächst die Kartoffelpflanze natürlich nicht weiter. Die dicken Knollen fehlen“, erklärt Weiß. Schon in den vergangenen Jahren führten Klimaveränderungen, hohe Temperaturen und aufeinanderfolgende Hitzeperioden dazu, dass viele Kartoffelbauern umgestiegen sind und zum Beispiel die klimaresistentere Soja-Pflanze anbauen. Eines steht jedenfalls fest: „Wir werden keine gute Ernte erleben.“ Nicht nur Sachsen leidet. Auch aus anderen – westlichen – Bundesländern werden ähnliche Probleme gemeldet: So rechnen auch die Kartoffelbauern in Bayern mit kleineren Knollen sowie deutlichen Ertrags- und Qualitätseinbußen. Zudem setzten regionaler Hagel und Pflanzenkrankheiten den Pflanzen zu.


Regionale Nachfrage schwächelt


Dazu kommen auch hier der verschärfte Preiskampf im Lebensmittelhandel und die anhaltende Krise in der Gastronomie. „Hier fehlt eindeutig die Nachfrage, vor allem im Direktverkauf und auf regionaler Ebene“, sagt ein Insider. Der Hofverkauf, auf den viele Landwirte verstärkt setzen, könne diese Rückgänge nicht auffangen. Konsequenz: Die Anbaufläche für Kartoffeln wird in vielen Ländern immer kleiner.


Wieder ein Blick nach Sachsen: Wurden in dem östlichen Bundesland im Jahr 2025 noch auf etwa 5.600 Hektar Kartoffeln angebaut, sind es dieses Jahr laut Landesamt für Statistik in Dresden nur noch 4.700 Hektar – ein Minus von mehr als 16 Prozent. Auch die Zeit für die Ernte werde durch die Wetterturbulenzen aber immer knapper: Das Gros der Erdäpfel wird eigentlich ab Mitte August bis Anfang Oktober vom Feld geholt. Dieses Jahr sei das nicht möglich gewesen: Der Boden war aufgrund der Hitzewelle im Juli und August zu stark ausgetrocknet. Deswegen habe sich die Haupternte verzögert – bundesweit.


Weltmärkte unter Druck


Wie sich das geringere Angebot an heimischen Kartoffeln auf die Preise für Verbraucher auswirkt, ist unklar. Auf den Weltmärkten beobachten Analysten aktuell einen Preisverfall der Erzeugerpreise für die deutsche Landwirtschaft. Die Erzeugerpreise für Agrarprodukte sanken um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte. Im Mai und Juni hatte es mit minus 13,9 Prozent die stärksten Rückgänge seit mehr als elf Jahren gegeben. Besonders deutlich fielen im Juli die Preise für Kartoffeln: Sie gaben um 45,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nach. Inwieweit sich das auch auf die Preise für Kunden im Supermarkt auswirkt, ist aber unklar. Bei der Preiskalkulation spielen nämlich noch weitere Punkte wie Transport, Handel und gestiegene Kosten für Mitarbeiter und Energie eine erhebliche Rolle. Und die dürften die Preise nicht weiter sinken lassen – auch wenn die heimischen Landwirte davon allerdings nichts spüren werden.

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