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Krise auf dem Kartoffelmarkt: Warum Rekordernten Probleme bringen

  • Christian Urlage
  • vor 1 Stunde
  • 2 Min. Lesezeit

Deutsche Bauern haben im vergangenen Herbst so viel Kartoffeln geerntet wie seit 25 Jahren nicht. Doch die gute Ernte ist kein Grund zum Jubeln, im Gegenteil: Die Nachteile überwiegen


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Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Rund 13,8 Millionen Tonnen Kartoffeln haben deutsche Landwirte im Herbst 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes geerntet, eine ungewöhnlich große Menge. Eine gute Ernte klingt erfreulich, ist es aber leider nicht immer. Der Landwirt Hendrik Staacke aus dem Landkreis Lüneburg verschenkte sogar 700 Tonnen Kartoffeln, ein Drittel seiner Ernte. Er nannte dies „Schadensminimierung“. Sein Familienbetrieb machte mit der Aktion bundesweit Schlagzeilen. Hunderte folgten dem Aufruf und kamen mit Säcken, Kisten und sogar Anhängern, um die Kartoffeln abzuholen. Auch die Lüneburger Tafel und die Einrichtung RaphaelOase, die im Bremer Osten Lebensmittel an Bedürftige verteilt, profitierten davon.


Die Rekordernte im Herbst 2025 war dank guter Wetterbedingungen die größte seit 25 Jahren und führte zu einem Überangebot. Verbraucherinnen und Verbraucher freuen sich über sinkende Preise, doch für die Bauern ist es ungünstig. Denn während ihre Läger noch voll sind, kommen schon Frühkartoffeln aus der neuen Ernte auf den Markt. Zwar lassen sich Kartoffeln lagern, doch die Qualität sinkt mit der Zeit. Viele Abnehmer akzeptieren nur Ware, die einwandfrei aussieht. „Leichte Qualitätsmängel haben meist schon dazu geführt, dass die Ware dann nicht abgenommen wird“, sagte Hendrik Staacke in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“.


Niedersachsen steht beim Anbau an der Spitze vor NRW und Bayern


Ein Grund für die Überproduktion ist neben dem Wetter die vergrößerte Anbaufläche. Sie wuchs 2025 laut Statistik des Bundesagrarministeriums im Vergleich zum Vorjahr um rund sieben Prozent und damit 19.600 Hektar und liegt bei mehr als 300.000 Hektar. Weil die Bauern jahrelang hohe Preise für die Kartoffeln erzielten, erweiterten viele Betriebe ihre Flächen. Nach jüngsten Angaben vom Frühjahr 2026 geht das Statistische Bundesamt jedoch wieder von einem Rückgang aus.


In Deutschland bauten im vergangenen Jahr 25.370 Betriebe Kartoffeln an. Niedersachsen steht derzeit mit 139.900 Hektar und 6,6 Millionen Tonnen an der Spitze, gefolgt von der Anbauregion Nordrhein-Westfalen mit 2,5 Millionen Tonnen und Bayern mit 1,9 Millionen Tonnen. Diese drei Bundesländer umfassen ungefähr drei Viertel der deutschen Kartoffelanbauflächen. Insgesamt werden in Deutschland nach Angaben des Portals www.landwirtschaft.de auf weniger als drei Prozent der gesamten Ackerfläche Kartoffeln angebaut.


Wer feste Abnehmer und Jahresverträge hat, ist gut dran


Der Markt ist gesättigt, nicht allein in Deutschland, dem wichtigsten Kartoffelproduzenten der Europäischen Union. Auch in anderen Ländern und insbesondere in den Niederlanden, wo die Kartoffelproduktion stark industrialisiert ist, gab es gute Ernten. Das verschärft den Preisdruck zusätzlich. Die deutschen Erzeuger nutzen unterschiedliche Absatzwege und beliefern Supermärkte, die Produzenten von Speisestärke und die Hersteller von Pommes frites und Chips. Ein großer Teil der Ernte wird exportiert.


Im Vorteil sind diejenigen Landwirte, die überwiegend Jahresverträge und feste Abnehmer wie die Hersteller von Pommes frites haben, denn das bietet ihnen Planungssicherheit. Wer allerdings vorwiegend auf dem freien Markt seine Kartoffeln verkaufen muss, trägt ein höheres Risiko, wenn der Preis in den Keller geht.


Trotz der verschiedenen Absatzwege fehlten genügend Abnehmer. Daher wurden große Mengen Kartoffeln und damit Nahrungsmittel in Biogasanlagen in Energie umgewandelt. Die Landwirte erleiden dabei finanzielle Verluste. Denn auch die Betreiber von Biogasanlagen verlangen inzwischen Geld, wenn sie die Kartoffeln aufnehmen.

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