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Zwischen Weltpolitik, Wildbret und Kälberglück

  • Autorenbild: Jost Springensguth
    Jost Springensguth
  • vor 12 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd



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Liebe Leserin, lieber Leser!


Hinter uns liegt wieder eine Woche mit der Dominanz im Blick auf die schon viel reflektierten globalen und europäischen Themen der Sicherheits- und Außenpolitik. Die innenpolitischen und wirtschaftlichen Auswirkungen von internationalen Verwerfungen haben wir bis in den letzten Winkel unserer Republik vielfach zur Genüge direkt erlebt. Da hoffen wir nun auf Besserung. Das fing in den letzten Monaten bei jeder Fahrt an die Tankstelle an und reicht bis in jede persönliche oder betriebliche Kalkulation. Stichworte: Inflation, steigende Zinsen, düstere Prognosen über Stagnation, Null-Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, Investitionsstaus oder am Ende Arbeitsplatzsorgen. Nun gibt es ein verhaltenes Aufatmen. Jedenfalls sollen sich nach Ersteinschätzungen von Politik und Wirtschaftsforschung die Aussichten für die weitere Konjunktur langsam verbessern. Talsohle erreicht? Mal abwarten. Das gilt auch für die weitere Entwicklung der Düngemittelpreise, wo alle nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran auf Entspannung hoffen. Wenn sich die Weltmarktpreise ausgehend vom Rohöl weiter entspannen sollten, wird nach übereinstimmenden Einschätzungen das Preisniveau im Inland nur zögerlich sinken. So blicken wir in dieser Wochenkolumne nicht nur auf regionale Auswirkungen globaler Entwicklungen. Sondern auch auf naheliegende andere Themen im Zusammenhang mit dem ländlichen Raum und der Jagd. Dazu unternehmen wir kleine Ausflüge nach England und in den Norden Deutschlands.


Selbst der Landwirtschaftsminister hatte diese Woche wie der Bundeskanzler ein großes auswärtiges Programm. Japan und China standen für ihn in Begleitung „einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation“ auf dem Plan, wie das Ministerium berichtet. Japan sei nach China Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in der dortigen Region und ein enger Werte- und Kooperationspartner. China sei als weltgrößter Lebensmittelmarkt von herausragender Bedeutung für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die Reise steht im Zeichen einer aktiven internationalen Agrar- und Ernährungspolitik, die auf offene Märkte, resiliente Lieferketten und verlässliche Partnerschaften setzt. Apropos Lieferketten: Dazu gehört auch das, was an Rohstoffen und Düngemitteln nun wieder durch die Straße von Hormus zu uns gelangt. Am Ende geht es international und national letztlich um das, was wir essen und trinken. Alois Rainer (CSU): „Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Stärke und internationale Zusammenarbeit gehören zusammen.“


Was wir für Essen und Trinken ausgeben


Bei dieser Thematik ist es einmal gut zu wissen, wie sich unser Ernährungsverhalten entwickelt und damit auch verändert. Einen Beitrag leistet die regelmäßige Untersuchung darüber, wie viel und wofür die Menschen Geld ausgeben, wenn es um die Nahrungsmittel geht. Eine sogenannte „Unterstichprobe der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023“ nennt Zahlen. Rund 335 Euro im Monat haben die privaten deutschen Haushalte im Schnitt 2023 für Nahrungsmittel ausgegeben. So wurde es jetzt erst mit Verweis auf die Quelle des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht. Die Werte zeigen aktuelle Trends. So machten die Ausgaben für Fleisch und Wurst, Fisch und Meeresfrüchte mit durchschnittlich 22 % gut ein Fünftel davon aus. Das Landwirtschaftsministerium beziffert den Fleischkonsum in Deutschland auf etwa 60 kg Fleisch pro Person und Jahr. Der Verbrauch von Wildfleisch liegt dabei bei 400 g pro Person. Das ist, wenn ich richtig rechne, unter einem Prozent des durchschnittlichen Fleischkonsums. Dabei ist das das Gesündeste und für viele Schmackhafteste unter dem, was hier direkt aus der Jagd oder über den Handel angeboten wird.


Machen wir es vollständig: Jeweils rund ein Sechstel (17 %) der Ausgaben für Nahrungsmittel wendeten die Haushalte für den Kauf von Getreideprodukten mit Brot an der Spitze und Milcherzeugnissen bis zu den statistisch einbezogenen Eiern auf. Für Gemüse, Kartoffeln und Ähnliches wurden 14 % ausgegeben und für Obst und Nüsse waren es 9 %. Für den Kauf von Zucker und Süßwaren wurden im Schnitt 8 % verwendet. Das soll ja jetzt politisch eingedämmt werden…


Es fehlen noch die Getränke: dafür wendeten die privaten Haushalte durchschnittlich rund 75 Euro im Monat auf. 55 % (gut 40 Euro) dieser Ausgaben entfielen auf alkoholfreie Getränke, 45 % (knapp 35 Euro) auf alkoholische Getränke. Mit 16 % wurde knapp ein Sechstel der Getränkeausgaben für Bier (auch alkoholfrei) aufgewendet. Der Bierkonsum ist natürlich auch ereignisabhängig. Da ist aktuell auf die Fußballweltmeisterschaft zu verweisen. Abschließend sei bemerkt, dass nahezu alle Ernährungsprodukte ihren Ursprung im ländlichen Raum haben.


Wenn die Politik nicht weiter weiß, wird geklagt


Die Bauern mussten Bilanzen darüber führen, wie Nährstoffe in die Umwelt gelangen. Dafür trat 2018 die Stoffstrombilanzverordnung in Kraft. Viele Landwirte kritisierten den hohen bürokratischen Aufwand. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat die Verordnung 2025 wieder abgeschafft. So war es im Koalitionsvertrag vereinbart. Die Grünen klagen jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen, dass der Bundestag nicht gefragt wurde. Unser Autor Christian Urlage wird sich in einem geplanten Beitrag für unseren Blog ausgehend vom Nährstoffbericht in Niedersachsen damit befassen.



Hier noch ein weiterer Hinweis auf einen Blog-Beitrag in der kommenden Woche: Während ein totes Reh im Wald für Spaziergänger und Wanderer meistens nur ein irritierender Anblick ist, so ist es für Forscher ein Fenster in einen Lebensraum, der sonst kaum sichtbar ist. Denn an toter Biomasse zeigt sich der Kreislauf des Lebens wie in Zeitraffer: Was bei einem abgestorbenen Baum Jahrzehnte dauert, geschieht dort in wenigen Wochen. Diesen Ansatz nutzt ein bundesweit in den Nationalparken laufendes Forschungsprojekt zur Bedeutung toter Tiere für das Ökosystem. Unser Autor Christoph Boll wird erste Ergebnisse des über fünf Jahre laufenden Vorhabens mit 15 Projektgebieten von den Alpen über die Mittelgebirge bis zum Wattenmeer vorstellen. Im Zentrum steht dabei die Feststellung, dass Wildtierkadaver wichtige Hotspots der Biodiversität sind.


Noch einmal ein Blick über den Kanal


Ich muss einmal wieder eine Parallele zur Politik für oder gegen den ländlichen Raum und der Jagd mit Blick auf Großbritannien ziehen. Dort trommelt gerade die Kampagnenorganisation „Countryside Alliance“ im Netz parallel zu einem Anhörungsverfahren unter dem Titel „Zukunft der Jagd“. Konkretes Stichwort ist gerade zwar die Schleppjagd, die bei uns nicht so bedeutend ist wie dort. Aber insgesamt geht es auch anderswo immer wieder um die Jagdgesetzgebung. Damit haben auch wir uns besonders auf Landesebene seit über 20 Jahren regelmäßig auseinanderzusetzen. Es geht um Natur- und Landnutzung und im Gesamtzusammenhang ebenso um die Zukunft der Jagd. Hier hat die Jägerstiftung natur+mensch ihre Tradition in ihren Positionen seit den rot-grünen Gesetzesinitiativen – etwa in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und jüngst auch in Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz. In dem Resümee der Kampagne der „Countryside Allianz“ heißt es jetzt: Die enorme Resonanz zeige, dass die Jagdgesetzgebung zwar laut Umfragen ganz unten auf der Prioritätenliste der Wähler stehe, die Jägerschaft im ganzen Land aber dennoch breite Unterstützung finde. Die Angriffe auf die Landwirtschaft und nun auch auf die Jagd hätten die gesamte ländliche Bevölkerung gegen die Regierung aufgebracht. Wegen der Parallelität der gesellschaftlichen Akzeptanz weise ich gelegentlich auf den Newsletter von Tim Bonner, dem Sprecher der Lobbyorganisation für den ländlichen Raum in Großbritannien, hin.


Aktivitäten unserer Service-Clubs für Jagd und Natur


Zu den traditionellen Projekten unserer Jägerstiftung natur+mensch gehört die Unterstützung der naturpädagogischen Arbeit. Mit Partnern unterstützen wir das erlebnisorientierte Lernen an Grundschulen und Kindergärten. Als Ergänzung zur Initiative „Lernort Natur“ gibt es diesen orangenen Waldrucksack mit einer Materialsammlung, zu der unter anderem ein hochwertiges Fernglas, Becherlupen, Bestimmungshefte und Fellproben zum Anfassen gehören. Damit können pädagogische Exkursionen in die Natur vor- und nachbereitet werden. Viele Rotary Clubs haben die Initiative in den letzten Jahren vor Ort, meist in Zusammenarbeit mit Kreisjägerschaften und Landesforsten, aufgegriffen. So hat gerade zuletzt der Rotary Club Hamm-Mark im Rahmen eines Walderlebnistages 17 dieser Rucksäcke finanziert und übergeben. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorissen war prominenter Gast im Wald bei dieser Veranstaltung mit 200 Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrerinnen sowie Lehrern. Sie empfahl unter anderem: „Kinder und Jugendliche sollen die Natur nicht nur aus Büchern kennen lernen, sondern sie direkt erleben und verstehen. Die Walderlebnistage mit diesem Rucksack bieten dafür eine tolle Gelegenheit. Hier können die Kinder den Wald mit allen Sinnen erleben.“


Jagdveranstaltung im Rahmen der International Rotary Fellowship of Hunters (Foto: privat)
Jagdveranstaltung im Rahmen der International Rotary Fellowship of Hunters (Foto: privat)

Dies ist ein Beispiel dafür, wie Serviceclubs mit aktiven Jägern und Förstern unter ihren Mitgliedern sichtbare Brücken zur Natur schlagen. Die Stiftung natur+mensch bietet so auch nicht nur örtliche Kooperationen an. Als anderes Beispiel nenne ich den RC Herzogtum Lauenburg – Mölln, der auch innerhalb der International Rotary Fellowship of Hunters (www.irfh.eu) initiativ wird. So nahmen 20 Mitglieder dieser internationalen Gemeinschaft die Einladung zu einem „Konferenzansitz“ an, in dem es um Beschaffung von Wildbret für eine große Veranstaltung des Distrikts im Norden ging. Entscheidend war das Gemeinschaftserlebnis neben dem Jagdansitz in vier Revieren, die die Inhaber mit großzügiger Freigabe zur Verfügung gestellt haben.


Nach gemeinsamem Ansitz und Strecke im Rahmen einer „Konferenzjagd“ im Kreis Herzogtum Lauenburg (Foto: privat)
Nach gemeinsamem Ansitz und Strecke im Rahmen einer „Konferenzjagd“ im Kreis Herzogtum Lauenburg (Foto: privat)

Die Präsentation von 14 Rehböcken als Strecke am Vormittag danach bereicherte die Veranstaltung mit gelebter Freundschaft innerhalb einer solchen Service-Organisation. Rotary hat weltweit 1,2 Millionen Mitglieder in rund 34.000 Clubs. Das Motto: Freundschaft wird gefestigt, durch gemeinschaftliche Erlebnisse oder Interessen – hier auch für Jagd und Natur. Vieles spielt sich vor Ort und im Kleinen ab.


Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, am Wochenende bei Ausflügen oder Spaziergängen die Natur erleben, könnte es in einem unserer östlichen Bundesländer in Brandenburg zu einer außergewöhnlichen Begegnung kommen: Immer wieder haben wir von Elchwanderungen dort gehört oder gelesen. Die Tiere sind nicht nur gut unterwegs auf ihren Stelzenläufen, sondern auch gute Schwimmer. Aktuell meldet in dieser Woche der regionale Rundfunk RBB, dass gerade mindestens fünf Elche dort gleichzeitig durch Wälder und Felder streifen. Meist sind das junge Tiere, die aus dem östlichen Polen kommen und durch die Oder über die Grenze geschwommen sind. Es waren bisher überwiegend Einzelexemplare, die dann wieder verschwunden sind, weil es bei uns zu viele Wildunfälle gibt. Im Gegensatz zum Wolf ist diese Tierart bei vielen Naturfreunden willkommen. Und die Zuwanderung wird amtlich ernst genommen: Vom zuständigen Ministerium wird bereits ein Managementplan zum Umgang mit den Elchen erarbeitet. Schließlich will man wissen, wie man sich verhält, wenn eines der Exemplare plötzlich auf der Autobahn oder in der Nähe einer Siedlung auftaucht. Andere hoffen darauf, dass sich ein Pärchen zusammenfindet und für Elchnachwuchs in Deutschland sorgt. So wünschen wir Kälberglück!


Mit diesen Gedanken zu einem Natur-Szenario verabschiede ich mich diesmal ins Wochenende

Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung/Koordination

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