Unsere Hunde und Kynologen von besonderem Rang (II)
- Christoph Boll

- 15. Okt.
- 4 Min. Lesezeit
Bei den großen Kynologen, nach denen Zuchtverbände von deutschen Jagdhunderassen ihre renommierten Prüfungen benannt haben, geht es heute um weitere Namen, an die wir im zweiten Teil dieses Beitrages für natur+mensch erinnern

Nach dem Verein Deutsch Drahthaar ist der Deutsch-Kurzhaar-Verband im deutschen Vorsteher-Lager der mit den zweitmeisten Startern bei Zuchtauslese-Prüfungen. Mit einer eigenen Namensgebung beginnt der Verband aber bereits beim Derby, das ansonsten gemeinhin Verbandsjugendprüfung (VJP) heißt. Kurzhaar-Freunde erklären das gerne damit, dass die grundlegenden Erkenntnisse der Reinzucht von den Engländern übernommen worden sind. Deshalb habe man die Bezeichnung „Derby“ von der englischen Vollblutzucht bzw. vom Vollblut-Rennsport übernommen. Dort stiftete 1780 Edward Graf Derby das nach ihm benannte berühmte Zuchtrennen in Epsom. Der DK-Verband übernahm einfach die Bezeichnung, auch wenn es keinen direkten kynologischen Zusammenhang gibt.
Die HZP heißt bei jhm Solms, nach Prinz Albrecht zu Solms-Braunsfels (1841-1901). Er formulierte Rassekennzeichen, Kriterien für die Beurteilung der Körperform und einfache Prüfungsregeln. Als wesentlicher Motor der kynologischen Bewegung besuchte er viele Hundeschauen und bereiste in diesem Zusammenhang auch Großbritannien. Die dabei gewonnene Erkenntnis „Durch Leistung zum Typ“ gilt noch heute. Auf die notwendige Empfehlung hin wurde Prinz Albrecht ein Jahr nach dessen Gründung Mitglied im Kennel Club England. Außerdem war er 1876 Mitgründer der Kynologischen Gesellschaft Wien und einige Jahre der Präsident des Deutschen Jagd-Clubs.
Noch mehr als die „Solms“ haben DK-Liebhaber die nach Dr. Paul Kleemann benannte Zuchtausleseprüfung im Blick. Der Namensgeber selbst hat diese Prüfung entwickelt. Sie wird seit 1939 ausgerichtet. Von den Zulassungsvoraussetzungen her gilt die „Kleemann“ als weltweit schwerste und anspruchsvollste Hundeprüfung. Nur etwa die Hälfte der Teilnehmer erreichen den begehrten Titel „KS – Kurzhaarsieger“.
Den gleichen Rang nimmt bei den Führern Großer Münsterländer (GM) das Kürzel „vW“ ein. Hunde, die das 1992 beschlossene Leistungszeichen vor ihrem Namen führen, waren auf der jährlich am zweiten Oktober-Wochenende ausgerichteten internationalen vorm Walde-HZP erfolgreich. Sie haben herausragende Leistungen unter besonderen Bedingungen gezeigt.
Um den Großen Münsterländer verdient gemacht
Benannt ist diese Zuchtauslese-Prüfung nach der Familie vorm Walde, die sich um die Großen Münsterländer sehr verdient gemacht hat. Die Brüder Karl und Johann vorm Walde aus Essen gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes, waren Züchter und Förderer der Rasse. Die Familie vorm Walde stiftete auch den Wanderpokal für den Sieger, den sogenannten „Hüttemann“. Die Skulptur war ein Symbol für die Eisen verarbeitende Industrie des Ruhrgebietes. Sie ging 1960 nach fünfmaligem Gewinn in den endgültigen Besitz des Zwingers vom Westmünsterland.
Das Besondere der Prüfung ist, dass neben der kompletten HZP als Zusatz das Fach „Stöbern ohne Ente" geprüft wird. Es ist eigentlich Bestandteil der Verbandsgebrauchsprüfung (VGP), die oft als Meisterprüfung bezeichnet wird. Die dabei erreichten Punkte werden zum HZP-Ergebnis addiert, wobei die Leistung im vW-Fach mindestens im guten Bereich liegen muss, um den begehrten Namenszusatz vW zu erhalten. Hintergrund ist der spezielle Wert, den der Verband bei der Zucht auf die Eignung zur Wasserarbeit legt, weil dabei der Durchhaltewillen und die Leistungsbereitschaft eines Jagdgebrauchshundes besonders sichtbar sind.
Wie mancher andere Rassezuchtverband hat auch der Weimaraner Klub immer wieder um seine Eigenständigkeit kämpfen müssen. Bereits 1896 waren für die grauen Vorstehhunde Rassenkennzeichen formuliert worden. Trotz der Vereinsgründung ein Jahr später versuchte man, der Rasse die Eigenständigkeit zu nehmen und den Weimaraner zuchtbuchmäßig bei Deutsch Kurzhaar einzuordnen.
Dass solche Bestrebungen erfolglos blieben, ist besonders ein Verdienst des „Weimaraner-Vaters“ Major a.D. Robert Herber (1867-1946). Als er mit Jahresbeginn 1922 den Vereinsvorsitz übernahm, gab es 21 registrierte Mitglieder. In den 25 Jahren zuvor waren gerade einmal 14 Weimaraner in das Gebrauchshund-Stammbuch eingetragen worden. Die Angst vor dem Aussterben der Rasse ging um.
Hinzu kamen hundeverbandspolitische Bestrebungen, die vielen Rassen letztlich unter den drei Rassen Kurzhaar, Langhaar und Drahthaar zusammenzuführen. Das kulminierte in der Zeit des Nationalsozialismus, in der den Weimaranern die Rasse-Eigenständigkeit abgesprochen wurde und sie als graue Deutsch Kurzhaar betrachtet wurden. Major Herber gelang es aber, die Eigenständigkeit zumindest in Form einer „Fachschaft Weimaraner“ zu bewahren.
Weimaraner vor dem Aussterben bewahrt
Er führte konsequent ein eigenes Weimaraner-Stammbuch und später ein Zuchtbuch, indem ab 1935 auch die langhaarige Rassevariante geführt wird. Herber begründete eine aktive zentrale Zuchtorganisation, -steuerung und -dokumentation, betrieb eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit und förderte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Klubmitglieder durch einen intensiven Briefwechsel mit ihnen. Heute ist unstrittig, dass Major Herber in den 24 Jahren seines Wirkens den Weimaraner vor dem Aussterben bewahrt hat. Seit 1951, fünf Jahre nach seinem Tod, würdigt der Weimaraner Klub mit der Major-Herber-Gedächtnis-HZP.
Erst seit zwei Jahren gibt es bei den Kleinen Münsterländern (KlM) die Lönssuche als internationale Bundesprüfung. Sie erinnert an Edmund Löns, der 1906 öffentlich aufgerufen hatte, ihm Reste der Hannoverschen Bracke anzuzeigen. Seine Brüder Edmund und Rudolf, von denen zumindest ersterer mindestens so viel Verdienste um die Rasse hat wie der bekannte „Heidedichter“, fanden auf den niedersächsischen Bauernhöfen jedoch einen vorstehenden Wachtelhund, den sie „Heidewachtel“ nannten. Unermüdlich suchten sie eine tragfähige Zuchtbasis zusammen. So kam es am 17. März 1912 in Osnabrück zur Gründung des „Vereins für Kleine Münsterländer (Heidewachtel)“.
Ein Problem des Vereins war das Fehlen definierter Rassestandards. Deshalb veröffentliche der Mediziner Dr. med. et phil. Friedrich Jungklaus 1921 im Auftrag des Verbandes ein wissenschaftliches Werk über den Kleinen Münsterländer und dessen Rassemerkmale. In Grundzügen gilt dies noch heute. Der Verband vergibt zu Ehren dieser Leistung die Leistungszeichen JKI (Jungklaussuche International) für besondere Leistungen auf Internationalen Prüfungen des Weltverbandes KlM-I und JKN (Jungklaussuche Bundesprüfung) für besondere Leistungen auf Internationalen Bundesprüfungen (Lönssuchen) des Verbandes für Kleine Münsterländer e.V. Deutschlands.
Nach großen Kynologen benannte Prüfungen gibt es aber nicht nur bei den Vollgebrauchshunden, sondern auch beim Deutsche Jagdterrier-Club mit der regelmäßig ausgerichteten „Dr. Lackner-Gedächtnisprüfung“. Diese Hauptprüfung erinnert an den ehemaligen Präsidenten Dr. Herbert Lackner, der kurz nach dem Ersten Weltkrieg zu jener Gruppe aktiver Jäger stieß, die sich vom Foxterrier-Club trennten, um eine ausschließlich an der jagdlichen Leistung orientiere Zucht aufzubauen. Es sollte ein schwarz-roter Jagdhund für die Arbeit unter der Erde sein.
Ihnen half ein Zufall. Zoodirektor Lutz Heck/Hagenbeck schenkte einem der Aktiven vier schwarz-rote Terrier, die aus reingezüchteten Foxterrierstämmen stammen sollten. Mit diesen Hunden wurde die Zucht des Deutschen Jagdterriers begründet. Nachdem sich Lackner eingeschaltet hatte, erfolgten Einkreuzungen mit ganz alten, rauhaarigen Terriern aus England und einigen Welsh Terriern. Das Zuchtprojekt nahm stetig überzeugendere Formen an, sodass 1926 der Deutsche Jagdterrier-Club e. V. ins Leben gerufen werden konnte.






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