Sorge vor Ausschreitungen in Großstädten – Gerichte stärken Revierinhaber

Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd

Liebe Leserinnen, liebe Leser! In unserer Wochenkolumne befassen wir uns zunächst mit den für diesen Samstag geplanten Demonstrationen von Jugendlichen für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben. In Frankreich hatte es kürzlich bei ähnlichen Kundgebungen gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Des Weiteren geht es um die Frage, wer die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident antreten sollte. Gute Nachrichten gibt es aus der Wirtschaft. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer ist gestiegen und auch die Zahl der Neugründungen von Unternehmen hat zugenommen. Derweil werden überall im Land Drückjagden veranstaltet, bei denen in erster Linie Wildschweine erlegt werden sollen. Diese Tiere sind vielerorts selbst in Städten und Siedlungen zu einer richtigen Plage geworden und verwüsten selbst Friedhöfe. Den Abschluss bildet ein Blick auf unsere Stiftung natur+mensch, verbunden mit einer Empfehlung für das Verschicken traditioneller Weihnachtspost.
Kanzler und Bundespräsident sind momentan auf getrennten Dienstreisen in Asien unterwegs. Sie werben dort für mehr internationale Zusammenarbeit in Sicherheits-, Klima- und Wirtschaftsfragen. Man darf ihnen dabei viel Erfolg wünschen. Doch der politische Alltag in Deutschland kann sie auch in der Ferne sehr schnell wieder einholen. Bereits an diesem Samstag könnte es kritisch werden. Dann sind in Köln, Frankfurt, Hamburg, Berlin und vielen anderen Städten große Demonstrationen von Jugendlichen nach dem Vorbild von Frankreich geplant. In unserem Nachbarland waren Zehntausende der Generation Z auf die Straße gegangen, um für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben zu demonstrieren. So weit, so gut und legitim. Doch leider hatten Chaoten die Proteste gleichsam gekapert und für Gewalt gegen Sicherheitskräfte, Brandstiftungen und Plünderungen missbraucht.
Warnung vor Instrumentalisierung der Proteste
Ähnliches darf sich keinesfalls in Deutschland wiederholen. Die Gefahr ist durchaus real. So hat das Bundesamt für Verfassungsschutz jetzt vor einer Instrumentalisierung der geplanten Jugendproteste durch linksextremistische Gruppen gewarnt. Es gehöre zur bekannten Vorgehensweise solcher Akteure, legitimen gesellschaftlichen Protest zu radikalisieren, teilte die Behörde mit. Aufrufe zu den Demonstrationen würden in sozialen Medien auch von Teilen der linksextremistischen Szene verbreitet. Und der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), sagte dem „Handelsblatt“: „Die Vernetzung der linksextremistischen Szene ist international und koordiniert.“ Gewaltbereite Linke überquerten auch Ländergrenzen.
Die Bundesschülerinnenkonferenz distanzierte sich bereits von den Protesten und kündigte eigene Aktionen im November an. Zuvor hatte die stellvertretende Generalsekretärin der Organisation, Lilli Berthold, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt, man wolle nicht, dass die Anliegen junger Menschen durch Gewalt in den Hintergrund gerieten. Doch das ist leichter gesagt als getan. Man muss abwarten, wie der Tag verläuft. Gegebenenfalls werden auch unsere hochrangigen Asien-Reisenden zu klaren Reaktionen gezwungen sein …
Andere Berliner Themen können Steinmeier und Merz auf ihrer Tour ebenfalls nicht ganz hinter sich lassen. Da ist etwa die Frage, wen die Union als nächsten Bundespräsidenten vorschlagen soll. CSU-Chef Söder ist hier mit dem Namen Ilse Aigner vorgeprescht und hat Merz stark unter Druck gesetzt. Der Kanzler wirkt bei der Steinmeier-Nachfolge wie ein Getriebener, was seine ohnehin ramponierte Autorität zusätzlich schwächt.
Gute Nachrichten aus der Wirtschaft
Doch es gibt auch gute Nachrichten für den Kanzler und für die Bürger des Landes: Die Konjunktur kommt augenscheinlich wieder etwas mehr in Schwung. So ist der Münchner ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, mit plus 0,3 Punkten zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Der Index hat damit mit 90,2 Punkten den höchsten Stand seit Februar 2023 erreicht. Auch wurden im Jahr 2025 mit 183.000 neuen Firmen so viele Unternehmen gegründet wie seit 15 Jahren nicht mehr. Dies sind laut Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW und der Auskunftei Creditreform 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2010. Besonders stark sei der Aufschwung bei wachstumsorientierten, innovativen Start-ups. Rund 3100 solcher Firmen wurden danach 2025 gegründet, fast ein Fünftel mehr als 2024.
All das wird Merz und die Koalition in ihrer Erwartung bestätigen, auf dem richtigen Kurs zu sein. Gleichwohl: Von einem wirklichen Aufschwung und damit Erfolg der Koalition sollte man bislang nicht reden. Dafür sind die Zahlen noch zu niedrig und die eingeleiteten Reformen noch zu zaghaft, zumal momentan ein riesiger Schuldenberg angehäuft wird – für die Jugendlichen, die jetzt auf die Straße gehen, eine gewaltige Hypothek.
All dies trifft die Bürger in Stadt und Land in gleicher Weise. Eine scharfe Trennung ist hier ebenso wenig möglich wie bei vielen anderen Themen. Dies gilt selbst für das eigentlich ländlich verortete Thema Wildschweinplage, wie das Beispiel Berlin zeigt. Die Schwarzkittel gehören mittlerweile in Parks und Vorgärten fast schon zum gewohnten Bild und dürfen dort natürlich nicht ohne weiteres geschossen werden. Die Hauptstädter haben dies mehr oder weniger gelassen akzeptiert. Doch nun haben die Tiere in Spandau auf dem größten Friedhof der Stadt Gräber verwüstet. Die trauernden Angehörigen seien entsetzt, berichtet der lokale Tagesspiegel. Dabei hat die Stadtverwaltung den Friedhof mit hohen Zäunen gesichert, er wird regelmäßig kontrolliert und es gibt sogar einen Untergrabeschutz. Durch all das nützt nichts, wenn Aktivisten aus falsch verstandener Tierliebe Löcher in die Zäune schneiden oder die Pforten manipulieren, damit sie sich nicht mehr richtig schließen lassen.
Dorfbewohner haben selbst angepackt
Auch in meiner Heimatregion hatten kürzlich Wildschweine auf einem dörflichen Friedhof für Aufregung gesorgt. Sie hatten sich Zutritt aufs Gelände verschafft und Rasenflächen erheblich verwüstet. Nachdem die Sache publik geworden war, wurden die Dorfbewohner von sich aus aktiv. Statt auf den Neubau eines Zauns zu warten, haben Freiwillige das Gelände mit robusten Baustahlmatten abgesichert. Statt jammern einfach machen – mit dieser hier praktizierten Devise ließen sich wohl viele Herausforderungen in unserem Land schneller und besser bewältigen …
Interessen von Revierinhabern durch Gerichte gestärkt
Doch zurück zum Thema Wild und Jagd. Mit gleich zwei Urteilen haben Gerichte die Interessen von Revierinhabern und den Schutz von Wild gestärkt. Beide Entscheidungen fielen in Bayern, können aber bundesweite Strahlkraft entwickeln. Dabei geht es um die Nachvollziehbarkeit forstlicher Gutachten, auf denen vielfach Abschussvorgaben basieren, und die Tierschutzgerechtigkeit von Saufängen. Unser Autor Christoph Boll zeichnet in der kommenden Woche in einem Blog-Beitrag nach, warum zum einen das Verwaltungsgericht München die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft verurteilte, einem Jäger und Revierinhaber alle Lagekoordinaten der Aufnahmepunkte der letzten drei Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung für die Hegegemeinschaft des Klägers auszuhändigen. Nur die Kenntnis der gewählten Aufnahmepunkte ermögliche eine Nachkontrolle der aus der Analyse gezogenen Schlussfolgerungen, so das Gericht. Ebenfalls weit über Bayern hinaus könnte ein Urteil wirken, das der Verein Wildes Bayern vor dem Verwaltungsgericht Regensburg erstritten hat. Er wandte sich erfolgreich gegen die Genehmigung eines sogenannten mobilen Saufangs vom Typ Pig Brig 2023 bei den Bayerischen Staatsforsten, die die Untere Jagdbehörde des Landratsamts Freyung-Grafenau ausgesprochen hatte.
Erlauben Sie mir zum Schluss noch ein paar Bemerkungen in eigener Sache. Die „Jägerstiftung natur+mensch – gemeinsam Zukunft stiften“ wurde vor über 20 Jahren aus dem Deutschen Jagdverband (DJV) heraus vom damaligen Präsidenten Jochen Borchert gegründet. Sie wirkt dank unserer Mitstreiter und vieler Förderer von Anfang an erfolgreich als Initiative für Umwelt-, Natur-, Tierschutz und Landschaftspflege. Ihre Projekte und professionelle Öffentlichkeitsarbeit, zu der auch dieser wöchentliche Newsletter und der Blog gehören, finanziert die Stiftung bei ehrenamtlicher Organisation und Verwaltung. Miet- und Personalkosten aus der Gründerzeit wurden um 90 Prozent reduziert. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung, zumal wir mit jüngeren Kräften und personeller Verstärkung die Wirksamkeit unserer Projekte weiter verbessern wollen. So arbeitet die engagierte Jägerin und Naturliebhaberin Stephanie Dreßen (Bönen/Kreis Unna) inzwischen als Teil der nächsten Mitmach-Generation in der Geschäftsführung mit, um die Stiftung natur+mensch aktiv in die Zukunft zu führen. Wir freuen uns darauf.
Zu guter Letzt noch eine persönliche Frage: Gehören Sie zu den Menschen, die noch den schönen Brauch von Weihnachtskarten pflegen? Falls ja, sollten Sie gerne mal einen gezielten Blick in den Shop unserer Stiftung werfen. Dort finden Sie Weihnachtskarten, die den Empfänger erfreuen und gleichzeitig einen guten Zweck erfüllen: Unterstützung von Erhalt und Nutzung der Natur, gegen ideologisch getriebene Kampagnen mit einem naturfremden Verständnis von Jagd, Wald oder Tiergerechtigkeit.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und eine gute, für Sie positive Woche
Ihr Jürgen Wermser
Koordination und Redaktionsleitung







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