Steinfelder Kreis 2026: Wie zukunftsfähig ist die waidgerechte Jagd?
Rund 40 Teilnehmer diskutierten in Kloster Steinfeld über Jagdethik, Wildtiermanagement und die Rolle der Jagd im Naturschutz

Der Steinfelder Kreis ist ein loser Verbund von Vereinen und Einzelpersonen, der sich jährlich zu aktuellen Entwicklungen der waidgerechten Jagd austauscht. Diese Themen werden dabei an Zielen, Rahmenbedingungen, verbreiteter Praxis und vor allem an der Jagdethik gespiegelt. Das jüngste Treffen fand jetzt mit rund 40 Teilnehmern in Kloster Steinfeld in der Eifel statt. In einer abwechslungsreichen Mischung aus Vorträgen und Diskussionen kamen unterschiedliche Aspekte zur Sprache.
Grundsatzfragen statt Routine
Schon die Titel der Vorträge zeigten, dass die Referenten die Diskussion bewusst suchten. Martin Neulinger-Heck, Gründer des Netzwerks Wald mit Wild, stellte seinen Beitrag unter die Überschrift „Wenn das Wild zur Nebensache wird“. Dr. Christine Miller, Vorsitzende von Wildes Bayern e. V., fragte ganz direkt: „Ist die Jagd noch auf dem richtigen Weg?“ Günther von Jagow, Fachanwalt für Jagdrecht, wagte unter dem Titel „Andeutungen für eine zukunftsfähige Jagd“ einen Blick nach vorn. Einen praxisnahen Punkt setzte Florian Krumpen, Fachgebietsleiter Biotop- und Wildtiermanagement im Nationalparkforstamt Eifel, der aus der Region über das Wildtiermanagement im Nationalpark Eifel berichtete.
Naturschutz nur mit Wild, nicht ohne
Als eine Quintessenz wurde vor allem in den Ausführungen von Christine Miller herausgearbeitet, dass bei allen Aktivitäten im derzeitigen Spannungsfeld die Zusammenhänge und insbesondere die Unterschiede zwischen Wildtiermanagement, Jagd und Schädlingsbekämpfung zu bedenken sind. Zeitgemäße Jagd sei demnach eine gleichermaßen sinnvolle wie effiziente Kombination aus Naturschutz und Wildtiermanagement. Naturschutz in den angestrebten natürlichen Biotopen könne es dabei nur mit Wild geben, nicht ohne.
Drei Säulen für eine zukunftsfähige Jagd
In die gleiche Richtung gingen die Überlegungen von Günther von Jagow. Für eine zukunftsfähige Jagd seien drei Säulen ausschlaggebend: Waidgerechtigkeit, Hege und das Reviersystem. Als vierter Punkt komme die Vertretung der Jägerschaft in der Öffentlichkeit und in Gesetzgebungsverfahren hinzu. Genau dies würden auf absehbare Zeit die erfolgsentscheidenden Faktoren für die Jagd in Deutschland sein. Hieran gelte es im Sinne der Jagd und des Wildes intensiv zu arbeiten.
Internationaler Austausch und ein Buch über Ethik und Töten
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch zwei Ergänzungen. Jost Springensguth von der Stiftung natur+mensch informierte ausführlich über ein geplantes Projekt, an dem mehrere Kooperationspartner beteiligt sind, darunter die Stiftung. Je sechs Jägerinnen und Jäger aus Deutschland und Borneo sollen sich gegenseitig besuchen und sich über jagdliche Themen und Traditionen austauschen. Das Projekt soll medial wie künstlerisch begleitet werden. Es geht um am Ende vergleichbare Werte, die unabhängig voneinander über Generationen weitergegeben wurden – und Sinnstiftungen wie Waidgerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Aufgaben der Jagd und mit ihnen verbundene Verpflichtungen gegenüber den jeweiligen Gesellschaften.
Volker Seifert berichtete über ein Buchprojekt zu Ethik, Tod und Töten, an dem er derzeit intensiv arbeitet, und zitierte Passagen aus dem ersten Kapitel. Ein Gedanke darin: In unserer arbeitsteiligen Kulturgesellschaft ist der Tod zur Voraussetzung des Konsums geworden, ohne dass der Konsument ihm begegnen muss.
Impulse, die mehr Gehör verdienen
Eröffnet worden war die Veranstaltung mit einer ausführlichen und tiefgründigen Begrüßung durch Dr. Jörn Weymann (Verein Hirsch-gerechter Jäger). Den Schlusspunkt setzten nicht minder nachdenkenswerte Ausführungen von Wildmeister Dieter Bertram, der das Treffen für das Forum lebendige Jagdkultur e. V. gemeinsam mit Volker Seifert organisiert hatte.
Aus Sicht der Teilnehmer war es erneut eine lohnende Veranstaltung, von der jeder neue Informationen, Anregungen und Kontakte mitnehmen konnte. Zu wünschen wäre, dass diese Impulse künftig deutlich breitere Kreise erreichen und mehr Adressaten in der jagdlichen Szene finden.






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