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Frauen-Power auf den Höfen unverzichtbar

  • Autorenbild: Wolfgang Kleideiter
    Wolfgang Kleideiter
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Frauen leisten enorm viel in der deutschen Landwirtschaft – doch das Sagen auf den Höfen haben meist Männer. Das von der UN ausgerufene 2026 als „Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ ist Thema auf der Grünen Woche


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Foto: Sora
Foto: Sora

Der Blick in die EU-Statistik spricht Bände. Während in Lettland oder Litauen 45 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geleitet werden, beträgt der Anteil der weiblichen Betriebsleiterinnen in Deutschland 11,3 Prozent (Stand 2023). Er liegt damit deutlich unter dem EU-weiten Durchschnitt von rund 32 Prozent. Die Niederlande bilden mit einem Frauenanteil von sechs Prozent zwar das Schlusslicht, aber Deutschland war vor zehn Jahren mit 8,4 Prozent nicht weit vom Negativ-Wert des Nachbarn entfernt.


Woran liegt es, dass Frauen einerseits eine immer größere Rolle in der grünen Branche spielen und sich stärker zu Wort melden, andererseits bei den Führungspositionen aber zu wenig Berücksichtigung finden? Antworten auf diese Frage gibt ein Positionspapier, das eine Allianz mehrerer Verbände – darunter Landjugend, Landfrauen und Bauernverband – jetzt vorgestellt haben. Kernbotschaft: Die Rahmenbedingungen für Frauen in der Landwirtschaft sind alles andere als optimal. Es gibt an vielen Stellen strukturelle Hürden und altbackene Weichenstellungen bei der Rollenverteilung.


Starke Rolle auf den Höfen, in den Ställen, in der Direktvermarktung


Dabei ist die Mitwirkung talentierter und tüchtiger Frauen unverzichtbar für die Branche, die in einem komplexen Transformationsprozess mit großen Herausforderungen steckt. Bei einem Medienabend des Deutschen Bauernverbandes auf der „Grünen Woche“ setzte Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der landwirtschaftlichen Rentenbank, gleich mehrere Ausrufezeichen. Frauen seien in der Branche kein „Nice to have“, sondern ein „Erfolgsmodell“. Sie arbeiteten auf den Höfen, in den Ställen, in der Direktvermarktung, im Büro, im Management, in neuen Betriebszweigen und in der Agrarwirtschaft. „Ohne ihren täglichen Einsatz würde ein großer Teil der Betriebe schlicht nicht funktionieren“, hob die Chefin der Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum hervor. Ihre kritische Einschätzung lautet: „Frauen tragen Verantwortung im Alltag – aber nicht auf dem Papier. Sie treffen Entscheidungen – aber oft ohne formale Entscheidungsbefugnis. Sie sind unverzichtbar – bleiben aber häufig unsichtbar.“


Andere Blickwinkel, andere Prioritäten


Studien zeigten, dass gemischte Führungsteams vielfältigere Perspektiven einbringen, Risiken differenzierter bewerten und häufiger neue und auch notwendige Wege gehen, betonte Nikola Steinbock. „In der Landwirtschaft kann das bedeuten: neue Produktionszweige, innovative Vermarktungskonzepte, stärkere Diversifizierung oder auch eine andere Herangehensweise an Nachhaltigkeitsfragen. Frauen bringen andere Erfahrungen ein, andere Blickwinkel, andere Prioritäten.“ Genau diese Fähigkeiten benötige die Branche mehr denn je.


Für die Finanzexpertin sind die Hofübergaben und Eigentumsstrukturen ein zentrales Thema. Landwirtschaftliche Betriebe würden weiterhin überwiegend an männliche Nachfolger übergeben. Frauen, die über Jahre oder Jahrzehnte auf dem Hof mitarbeiten, blieben formal häufig außen vor. Ohne Eigentum und ohne offizielle Leitungsfunktion fehlten ihnen nicht nur Mitspracherechte, sondern auch wirtschaftliche Sicherheiten – etwa mit Blick auf Altersvorsorge oder Kreditwürdigkeit. „Klassische Finanzierungsmodelle greifen hier oft zu kurz und benachteiligen Frauen strukturell. Das erschwert Investitionen, Neugründungen oder Hofübernahmen – und bremst unternehmerisches Potenzial aus.“


Neben diesen Ansätzen enthält das Positionspapier viele weitere Punkte – von der Anerkennung der Arbeit und sozialer Absicherung bis hin zur Aus- und Weiterbildung. Punkte, um die sich Politik und Gesellschaft kümmern sollten, um das Ungleichgewicht zu beenden.


Dass man das Problem erkannt hat, zeigt sich im Bauernverband an verschiedenen Stellen. So trifft sich seit 2022 regelmäßig unter Vorsitz von DBV-Vizepräsidentin Susanne Schulze Bockeloh ein Unternehmerinnen-Fachausschuss. Zu den drei Schwerpunktthemen des Kreises gehört neben Agrarpolitik und Netzwerk auch die Stärkung der Frauen in der Landwirtschaft und im Verband. Schulze Bockeloh ist fest davon überzeugt, dass die Landwirtschaft in Zukunft weiblicher wird.

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