top of page

Druck auf den Kanzler bleibt hoch

  • Autorenbild: Jürgen Wermser
    Jürgen Wermser
  • 1. Aug.
  • 5 Min. Lesezeit

Unsere Kolumne zu Politik, Themen des ländlichen Raumes und der Jagd



Beitrag anhören (MP3-Audio)

Liebe Leserinnen und Leser!


In unserer Wochenkolumne gehen wir zunächst auf die Personalwechsel in Berlin ein und behandeln dann folgende Themen: die hohen Temperaturen und die Folgen für die Landwirtschaft, den von der Bundesregierung geplanten Pachtdeckel für Windenergieflächen, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sowie der Blauzungenkrankheit, für die auch alle wiederkäuenden Wildarten anfällig sind. Ferner geht es wieder einmal um den richtigen Umgang mit Wölfen, dieses Mal mit Blick auf Brandenburg und Niedersachsen.


Ende gut, alles gut? Oberflächlich betrachtet lief die Wahl von Thorsten Frei zum CDU/ CSU-Fraktionschef ganz nach den Wünschen des Kanzlers. Insofern darf Friedrich Merz zufrieden sein. Aber der Kanzler sollte sich nicht täuschen: Der Druck in der Partei und in der Öffentlichkeit bleibt hoch. Die – noch freundlich formuliert – verstolperten Personalwechsel haben das Ansehen des Regierungschefs weiter beschädigt. So rebellisch ihrer Führung gegenüber hat man Unionspolitiker selten erlebt. Doch Merz hat Glück: Die bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland wirken disziplinierend. Zumindest kurzfristig. Doch wenn es für die CDU dort im September schlechter als erwartet läuft, könnten für den Kanzler und die Koalition insgesamt noch schwerere Zeiten beginnen. Denn in Ländern geht es um viel: von der Bildung bis hin zu Natur- und Artenschutzfragen, inklusive der Regelung für die Jagd. Wenn die CDU bei diesen Kernthemen ihrer Klientel an Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten verliert, könnte viel Bewährtes ins Wanken geraten.


Landwirte zunehmend in Schwierigkeiten


Während es aktuell in der Bundespolitik überraschend heiß hergeht, gilt dies im wörtlichen – sprich wettermäßigen – Sinne auch für den Rest der Republik. Dort sorgen die hohen Temperaturen für vielfältige Herausforderungen, nicht zuletzt in der Landwirtschaft. So rechnet der Deutsche Bauernverband (DBV) in diesem Jahr mit deutlichen Ertragseinbußen bei wichtigen Ackerkulturen. Bei Winterweizen würden in Regionen, in denen die Ernte bereits weit fortgeschritten sei, Ertragsrückgänge von bis zu 15 Prozent gemeldet. Auch beim Raps drohen laut DBV erhebliche Einbußen von bis zu 18 Prozent. Die ausbleibenden Niederschläge würden sich zudem auf Grünland und Futterbauflächen immer deutlicher bemerkbar machen. Damit wachse in vielen Regionen die Sorge um die Versorgung der Tiere im kommenden Winter. Bauernpräsident Joachim Rukwied sieht deshalb klaren Handlungsbedarf: „Hohe Kosten für Diesel und Düngemittel treffen die Betriebe unmittelbar in der laufenden Produktion. Wer Versorgungssicherheit und eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft will, muss die Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig halten“, betonte Rukwied. Deshalb fordere der Deutsche Bauernverband eine Entlastung beim Diesel.


Unzufriedenheit herrscht auch bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW) und den Familienbetrieben Land und Forst. Aktuell geht es hier um den Entwurf zu einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), den das Bundeskabinett in dieser Woche beschlossen hat. In ihm ist ein Pachtdeckel für Windenergieflächen vorgesehen. Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst e.V., kritisiert die geplante Regelung scharf: „Wer Eigentümern vorschreiben will, zu welchen Konditionen sie ihre Flächen zur Verfügung stellen dürfen, greift unmittelbar in die Vertragsfreiheit ein. Damit beschädigt die Bundesregierung das Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen und letztlich auch die Akzeptanz der Energiewende.“


Brandkatastrophe im Süden Europas


Nebenbei gesagt: Wie wichtig eine leistungsfähige und ökonomisch solide Land- und Forstwirtschaft gerade im Zeichen des Klimawandels sein kann, zeigt sich auch angesichts der Brandkatastrophe im Süden Europas. Fachleute beklagen etwa in Spanien, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden und sich dadurch große Mengen brennbares Material ansammeln. Auch die Landflucht ist nach Auffassung von Experten in diesem Zusammenhang ein Problem. Weil viele Menschen in die Städte ziehen und Dörfer leer stehen, werden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast. Die Verbuschung nimmt dadurch zu.


Zurück nach Deutschland und zu den dort aktuellen Herausforderungen für Jäger und Landwirte. Eine davon ist die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Nach dem erneuten Nachweis von ASP in der Uckermark appelliert der Landesjagdverband Brandenburg an alle Bürgerinnen und Bürger, die bestehenden Schutzmaßnahmen konsequent zu unterstützen. Schutzzäune dürften nicht beschädigt werden, Tore und Durchlässe gelte es nach jeder Nutzung wieder zu schließen. Und die Jägerinnen und Jäger werden vom LJV Brandenburg aufgefordert, die verstärkte Bejagung des Schwarzwaldes auch weiterhin konsequent fortzuführen. „Jeder Einzelne kann dazu beitragen, dass die Seuche auf den Schutzkorridor begrenzt bleibt“, betont Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg.



Derweil hat die nordrhein-westfälische Landesregierung im Landtag ihren strategischen Plan zur Bekämpfung von ASP erläutert. Darin setzt sie auf ein kombiniertes Maßnahmenbündel. Neben dem Bau von Hunderten Kilometern festem Zaun und einer systematischen Suche nach Kadavern sollen künftig nahezu wildschweinfreie Schutzkorridore – sogenannte „weiße Zonen“ – die Infektionskette unterbrechen. Die Kosten der ASP-Bekämpfung sind derweil deutlich gestiegen. So hatte das Land NRW hierfür im Jahr 2025 noch rund 2,9 Millionen Euro bereitgestellt. Für dieses Jahr beträgt das Budget bereits über 32 Millionen Euro.


Sorge bereitet Jägern und Landwirten auch die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit. Nach deren Nachweis in einer Rinderhaltung im Landkreis Göttingen gilt für diverse weitere Landkreise in Niedersachsen eine Sperrzone. Bei zahlreichen Tierarten müssen nun strengere Regeln befolgt werden, um sie aus dem Gebiet zu bringen. Auch alle wiederkäuenden Wildarten sind grundsätzlich anfällig für die Blauzungenkrankheit, insbesondere Rotwild. Jäger sind verpflichtet, einen Verdacht auf Blauzungenkrankheit dem zuständigen Veterinäramt zu melden.


Wölfe nicht länger gefährdet


Doch genug der Krankheiten. Kommen wir wieder einmal auf den Wolf zu sprechen. Nachdem eine Änderung des Bundesjagdgesetzes den Abschuss erleichtert hat, sind nun die Länder am Zug. Beispiel Brandenburg. Dort hat die zuständige SPD-Ministerin Hanka Mittelstädt eine landesweite Abschussquote abgelehnt. Dagegen betont Kai Hamann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands, der jetzt vorgesehene Wolf-Managementplan sei allenfalls ein erster Schritt. Er hoffe, dass die Abschussquote irgendwann doch noch komme. Der Wolf sei in Brandenburg nicht mehr gefährdet. Der Landesjagdverband geht von bis zu 1.500 Wölfen in Brandenburg aus. Langfristig hält Hamann eine Zahl von 300 bis 400 Wölfen für angemessen.


Auch in Niedersachsen wird nun das Wolfsmanagement reformiert. Zwar gibt es von Umweltverbänden Kritik an einem möglichen Abschuss ganzer Rudel. Doch Grünen-Ministerin Miriam Staudte versichert in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Wir brauchen uns um den Bestand keine Sorgen zu machen.“ Grundsätzlich werde man sich auf die Problemwölfe konzentrieren, weil nur eine begrenzte Anzahl von Tieren entnommen werden dürfte. In diesem Jahr sind dies in Niedersachsen laut Staudte insgesamt 27 Wölfe, wobei Jungwölfe und sogenannte Wanderwölfe nicht auf die Zahl der Entnahmen angerechnet werden. Und was geschieht, wenn nicht der sogenannte Problemwolf, sondern ein anderes Tier getroffen wird? Dazu die Ministerin wörtlich und ganz pragmatisch: „Fehlabschüsse hat es vorher auch gegeben. Man hat zwar DNA-Tests gemacht und wusste, welchen man erwischen möchte, aber durch das Zielfernrohr kann man die DNA ja nicht erkennen. Es gab einen logischen Denkfehler in dem Verfahren. Die Wölfe sehen alle gleich aus, und deswegen wurde auch selten der Richtige getroffen. Es werden weiterhin DNA-Proben genommen, um anschließend abgleichen zu können. Aber für die Schnellabschüsse sind sie nicht mehr relevant.“


Über die stille Forstsprache zur Arbeit im Wald


Zum Schluss noch ein Thema, das wir in Kürze in unserem Blog behandeln werden. Es geht um farbige Markierungen an Bäumen. Sie sind Kommunikationsmittel zwischen Förstern und Waldarbeitern und dienen der Bestandspflege und -entwicklung. Damit werden stabile Waldstrukturen geschaffen, wertvolle Holzbestände erzeugt, Lebensräume erhalten und die Wälder widerstandsfähiger gegen Stürme und den Klimawandel gemacht. Dabei geht es um ökologisch wichtige Biotop-Bäume und ökonomisch relevante Z-Bäume, um Exemplare, an die bei der Durchforstung die Säge angesetzt wird, und Polterflächen, auf denen das Holz gesammelt wird. In einem Blog-Beitrag erläutert unser Autor Christoph Boll in der kommenden Woche die stille Forst-Sprache, bei der es weder ein einheitliches System noch eine babylonische Sprachverwirrung gibt. Zugleich weist er auf die Verwechslungsgefahr mit jagdlichen Kennzeichnungen hin.


Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche.


Mit besten Grüßen

Ihr Jürgen Wermser

Koordination/Redaktionsleitung

Kommentare


bottom of page