Im Fischereischein steckt der Wurm
- Wolfgang Molitor
- vor 6 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Immer mehr Interessenten zahlen für Fälschungen viel Geld. Erst im nächsten Jahr soll in Baden-Württemberg die Umstellung auf digitale Daten dem Betrug einen Riegel vorschieben

Wem muss der Wurm schmecken? Dem Fisch oder dem Angler? Nein, eine Frage aus der umfangreichen Angelschein-Prüfung ist das natürlich nicht. Denn die hat es durchaus in sich. 32 Stunden Unterricht müssen absolviert werden, dazu kommen Wissen über Wasserökologie und tierschutzgerechtes Angeln sowie die Kenntnis von Schonzeiten, also wann welche Arten geangelt werden dürfen und wie sie tierschutzgerecht zu töten sind. Kein Wunder, dass die Durchfallrate etwa in Baden-Württemberg bei bis zu zehn Prozent liegt. Was auch daran liegen mag, dass die Prüfung nur auf Deutsch angeboten wird.
Was problematisch ist: Denn immer mehr Fischereischeine werden gefälscht. Reinhard Sosat, der Geschäftsführer des baden-württembergischen Fischereiverbandes, geht mittlerweile von „Fälschungen in großem Stil“ aus. Schließlich werde fast jede Woche ein Betrüger im Land erwischt, deshalb könne man davon ausgehen, dass es viel, viel mehr seien und die Dunkelziffer hoch sei. Erschwerend kommt hinzu, dass die Qualität der Fälschungen laut dem Stuttgarter Landwirtschaftsministerium steigt.
Urkundenfälschung für 300 Euro
Die Kosten für einen Angelschein in Höhe von 250 bis 300 Euro spielen dabei wohl keine große Rolle. Sosat weiß von einem 46-jährigen Fälscher, der zwischen 2018 und 2022 mindestens 46 gefälschte Dokumente an Abnehmer aus Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg geschickt hatte. Für bis zu 300 Euro pro Schein. Der Mann erhielt am Amtsgericht Schwäbisch Hall vor kurzem eine Bewährungsstrafe. Dabei hatte er noch Glück. Denn Urkundenfälschung ist mit einer möglichen Haftstrafe von bis zu fünf Jahren kein Kavaliersdelikt.
Es wird also höchste Zeit, den Fälschern das Handwerk zu legen. Gut, dass analog auch beim Fischen ein Auslaufmodell ist. Im nächsten Jahr wird Baden-Württemberg auf digitale Scheckkartenfischereischeine umstellen. Die sollen fälschungssicher sein, versichert das Regierungspräsidium Karlsruhe. Ob ein Schein echt ist, kann dann über eine zentrale Datenbank durch einen QR-Code erkannt werden. Alte Fischereischeine sollen zudem ausgetauscht werden. Es wird auch Zeit. Schleswig-Holstein macht es bereits vor. Bis es so weit ist, steckt im Fischereischein weiter der Wurm.






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