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Wenn der Landwirt nicht mehr weiter weiß

Wolfgang Molitor
vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit

Baden-Württemberg setzt im Internet auf Hilfsangebote, bevor Winzer und Bauern in Not geraten


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Symbolbild: KI-Foto ChatGPT
Symbolbild: KI-Foto ChatGPT

Da kommt oft eine Menge an Belastung zusammen: Schätzungen zufolge ist jeder vierte bis fünfte Landwirt von starker Überarbeitung oder einem Burnout bedroht. Unbestritten ist: Psychische Belastungen in der grünen Branche nehmen durch Dauerdruck, Bürokratie und mangelnde Anerkennung massiv zu. Dafür gibt es viele Gründe. Tiere und Ländereien kennen keine Wochenenden oder echten Urlaub. Die Arbeit ist oft ein nicht abschaltbarer Lebensstil. Hinzu kommen Existenzängste durch Struktur- und Klimawandel, schwankende Preise, starre Vorgaben sowie eine erdrückende Bürokratie und ausufernde Dokumentationspflichten. Nicht zuletzt aber leiden viele Landwirte und ihre Familien unter mangelnder gesellschaftlicher Wertschätzung. Der Spagat zwischen Forderungen nach billigen Lebensmitteln, dennoch scheinbar unaufhaltsam steigenden Endverbraucherpreisen und Kritik an Produktionsweisen erzeugt Frust – zum Beispiel im Zuge der Diskussion um Tierwohl, Antibiotika- und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Vielen Landwirten fehlt es so an einer positiven Rückmeldung für ihre Arbeit, die wie bei anderen Berufen auch ein wichtiger Aspekt für Arbeitszufriedenheit ist.


Schon vor zehn Jahren hatte die Agrarwissenschaftlerin Vanessa Hoffmann im Rahmen einer Bachelorarbeit Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern agrarsozialer Sicherungssysteme, der Wissenschaft und der landwirtschaftlichen Beratungspraxis durchgeführt. Fazit: Die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Landwirte wurde als die häufigste Ursache für Burnout angeführt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Niedrige Preise und hohe Schuldenlasten führen weiter dazu, dass Betriebe in finanzielle Not geraten. Häufig wird zudem die enge Verflechtung von Beruf und Familie als Ursache genannt. Bei einem intakten familiären Zusammenhalt kann die Familie zwar ein Rückhalt sein, um Krisen im Betrieb abzufedern. Bei familiären Problemen aber führt sie zu einer Doppelbelastung sowie zu körperlichen und seelischen Überlastungsreaktionen.


Wachsende Herausforderungen in den Betrieben


Das Land Baden-Württemberg tut daher gut daran, den Blick nicht nur auf die harten ökonomischen Fakten zu werfen, sondern den einzelnen Landwirt und Winzer (auch diese klimabedingt zunehmend in Existenzängste abdriftende Berufsgruppe wird mitbetreut) als Mensch in den Mittelpunkt zu stellen. Denn die Herausforderungen, die jeden Tag von Seiten der Politik, des Handels, aber auch der Gesellschaft an die rund 37.000 bäuerlichen Betriebe im Land gestellt werden, werden immer größer. Herausforderungen, auf die viele Landwirte wie andere Unternehmer auch alleine keine Antwort mehr finden.


Es ist einen Versuch wert, wenn das Landwirtschaftsministerium deshalb Unterstützer nennt (www.inverantwortung.de), die mit Rat und Tat zur Seite stehen, um Wege aufzuzeigen und gemeinsam Herausforderungen zu lösen. Ein zweiter wichtiger Bereich sind Vertrauenspersonen, die als unabhängige Ansprechpartner bei den Bauern- und Weinbauverbänden angesiedelt sind. Das Angebot lautet: Einfach mal jemanden zum Reden zu finden, der zuhört, weiterhilft, das womöglich richtige Unterstützungsangebot kennt. Dieses Frühwarnsystem soll in der Fläche ein Netzwerk aufbauen, um durch rechtzeitige Hilfe und Hilfsangebote dafür zu sorgen, dass es zu Notsituationen gar nicht erst kommt. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau hat dazu eine Krisenhotline eingerichtet: Telefon 0561 785-10101 (24 Stunden und sieben Tage die Woche).


Das alles ist gut gemeint. Ob das Angebot wirklich auf fruchtbaren Boden fällt, ist noch nicht gewiss. Einen Versuch wert ist es allemal. Es wäre sicher aber mindestens genauso hilfreich, wenn die Politik durch spürbaren Bürokratieabbau und klarere Subventionsregeln sowie kluge Einflussnahme auf Preiskartelle oder eine Eingrenzung der Brüsseler Regelungswut ihren ureigenen Beitrag leisten würde, um den landwirtschaftlichen Betrieben und Winzern sichere und auskömmliche Zukunftsperspektiven zu bieten.

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