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  • AutorenbildFrank Polke

Spreewald bald ohne Spree

Es könnte trocken werden, im Spreewald, an den Ufern der Elbe und in der Lausitz


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Spreewald
Foto: herbert2512

Ein malerisches Gebiet ist entstanden, im Lausitzer Bergland. „Wo sich der Wald im Wasser spiegelt“ heißt es selbstbewusst auf der Homepage spreewald.de über den Einklang zwischen Natur und Mensch, zwischen Stadt und ländlichem Raum. Seit 1990 ist die Region, die nur 100 Kilometer von Berlin und 100 Kilometer von Dresden entfernt ist und die den meisten Westdeutschen nur durch die feinschmeckenden Spreewald-Gurken bekannt sein dürfte, Biosphärenreservat. 

 

Zahlreiche Schutzprogramme tragen zum Erhalt des einmaligen Tier-, Pflanzen- und Landschaftsbildes bei. So weit, so gut. Aber seit einiger Zeit leidet die malerische Region unter Wasserknappheit. Dabei geht es nicht um die geringen Niederschlagsmengen, die fast allen Regionen in Deutschland zu schaffen machen. Dabei geht es merkwürdigerweise um die Folgen des Ausstiegs aus dem Braunkohletagebau in der Lausitz, der gerade den Spreewald ökologisch zu neuem Leben erweckt hat. 

 

Pumpen stehen bald still

 

Denn für den Kohleabbau wurde Wasser gebraucht, sehr viel Wasser. Und das seit 120 Jahren. Dafür genügte nicht das Sümpfungswasser aus den Gebieten der Braunkohletagebaue, sondern es musste Wasser in die Spree gepumpt werden, „um trocken an die Kohle zu kommen“, wie der MDR berichtete. 

 

Genau dieses Wasser aus dem Braunkohletagebau in der Lausitz wird es bald nicht mehr geben, wenn die letzten Bagger und die letzten Wasserpumpen stillstehen. Drei Viertel des Wassers werden dann fehlen, frühestens 2026, spätestens aber ab 2029, wie die Wissenschaftler des Umweltbundesamtes (UBA) in einer Berechnung ermittelten. Der Spreewald, das einmalige UNESCO-Biosphärenreservat, lebt aber nun einmal naturgemäß vom Wasser der Spree. Auwälder, Wiesen, Teiche sowie der Wassertourismus – all das hätte wohl keine Zukunft mehr. Hier geht es also nicht um grün motivierte – wie beim Umweltbundesamt schon geschehen – Vorzeigeprojekte, sondern um eine Entwicklung, die erst die Natur in der Lausitz und im Spreewald in Mitleidenschaft ziehen könnte, dann auch das Ökosystem der Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt treffen dürfte. Und die mittelfristig auch die Trinkwasserversorgung und Verdünnung der Abwässer des Großraums Berlin/Potsdam gefährden wird. Laut unabhängiger Wissenschaftler benötigt die Spree künftig 60 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Mehr als ein Latte-Macchiato-Problem für die hoch urbanisierten Menschen in Charlottenburg oder am Prenzlauer Berg!

 

Wachsender Wasserbedarf entlang der Elbe

 

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Das fragen sich nicht nur Politiker und Regionalplaner, sondern auch Förster, Tourismusmanager und Naturschützer. Sie alle denken an eine recht unkonventionell klingende Art, Wasser aus der Elbe mittels Rohrleitsystem für die Spree umzuleiten. Noch ist alles in der Denk-Phase, wenig konkret und nichts geplant. Laut MDR soll jetzt eine Untersuchung starten, die das ungewöhnliche Rohrleitungssystem aus der Elbe in die Spree auf Fragen der Realisierung und Machbarkeit hin prüft. Städte und Dörfer zwischen Elbe und Lausitz, dazu viele natürliche Hindernisse. Und auch die Elbe, die seit dem letzten Jahrhunderthochwasser 2013 eher zu wenig als zu viel Wasser mit sich führt und an deren Ufern schützenswerte Ökosysteme wie zum Beispiel der Auwald entstanden sind, kann unmöglich die 60 Millionen Kubikmeter Wasser ersetzen, die der Spree fehlen. Das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe mit der größten zusammenhängenden Hartholzaue Mitteleuropas ist nach übereinstimmenden Medienberichten durch zu wenig Wasser „schon jetzt in seinem Fortbestand gefährdet“.

 

Dazu kommt noch ein steigender Wasserbedarf durch die Ansiedlung neuer High-Tech-Werke in Dresden, Magdeburg und anderen Städten. Auch von Tschechien ist keine Hilfe zu erwarten, da das Land selbst das Wasser benötigt, um Stauseen, Landwirtschaft und Bevölkerung ausreichend mit Wasser zu speisen.

 

Dabei drängt die Zeit. Hitze- und Dürreperioden würden das Problem schnell akut werden lassen. Ob es allerdings gelingt, das Plan- und Fertigstelltempo für ein so grandioses mögliches Rohrleitungssystem schnell oder wenigstens irgendwie durchzuziehen, ist fraglich. Zu viele Beteiligte wollen auch hier mitreden.

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