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Der Borkenkäfer ist auf dem Rückzug?

  • Autorenbild: Frank Polke
    Frank Polke
  • vor 18 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

In einigen Regionen des Ostens ist der Borkenkäfer auf dem Rückzug. Warum das aber nicht überall ein Grund zur Freude ist


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Foto: MichaelMueller410 / pixelio.de
Foto: MichaelMueller410 / pixelio.de

Es ist ein vorsichtiges Aufatmen nach einer wohl beispiellosen Plage: Die Gefahr des Borkenkäferbefalls vor allem in den Wäldern des Freistaates Thüringen hat sich nach Einschätzung von Forstexperten in Erfurt deutlich entschärft. Mit Stichtag 30. Januar hat die zuständige Landesforstanstalt in Erfurt für den ersten Monat des Jahres eine Menge von 3550 Festmetern befallenem Holz registriert, das bisher nicht eingeschlagen worden sei. Dieser Wert bezieht sich auf die gesamte Wald- und Forstfläche des Landes Thüringen. 3550 Festmeter – das sind lediglich sechs Prozent der Menge des Vorjahresmonats. Dies verstärkt den positiven Trend vor allem in den fichtenreichen Hochlagen des Thüringer Waldes sowie im Ostthüringer Schiefergebirge.


Rückgang hat viele Ursachen


Nach Angaben zahlreicher Experten gibt es für diesen Rückgang viele Gründe: Ein wichtiger ist, dass sich die aktiven Gegenmaßnahmen gegen die schlimme Borkenkäfer-Population durch den Menschen auszuzahlen beginnen. Waldeigentümer und staatliche Stellen schlagen befallenes Holz ein und transportieren es aus den Wäldern ab, bevor sich die Borkenkäfer wieder vermehren könnten. Dies setzt eine fast durchgehende Beobachtung der Verhältnisse im Wald voraus – eine kostenintensive Arbeit.


Ein weiterer Grund für das vorsichtige Aufatmen ist das feuchtere und kühlere Wetter der vergangenen Monate. Dabei spielen die sehr kalten Temperaturen im späten Winter bis zum meteorologischen Beginn des Frühjahrs allerdings keine große positive Rolle. Die Borkenkäfer überstehen Temperaturen von deutlich unter minus 25 Grad weitgehend unbeschadet. Sie ziehen sich in tiefere Bodenschichten zurück. Der Fichtenborkenkäfer bildet außerdem eine Art körpereigenen „Frostschutz“, indem er Zucker und Zuckeralkohole einlagert. Diese Stoffe verhindern die Bildung von Eiskristallen, die für die Tiere tödlich wären.


Weniger Schadholz auch in Sachsen


Etwas weniger Grund zum Aufatmen haben staatliche Stellen und private Waldeigentümer im benachbarten Sachsen. Nach Auswertung feiner Messproben zeigt dort das Borkenkäfermonitoring auf der Grundlage von 89 Standorten für die Schwärmperiode 2024 dagegen immer noch deutlich erhöhte Populationsdichten. Die vom Ministerium in Dresden beobachteten rückläufigen Befallsholzmengen geben aber auch dort Grund zur Hoffnung auf eine mittlerweile absehbare Entspannung der Situation. Grund ist auch hier das aktive Bekämpfungsmanagement und die vergleichsweise gute Witterung, die ein weiteres Ausbreiten der Schädlingspopulation verhindert.


Aber es gibt gerade in Sachsen einen bitteren Grund für den Rückgang der Borkenkäfer. In vielen Regionen des östlichen Bundeslandes hat der Borkenkäfer gerade in den Jahren von 2010 bis 2020 so gewütet, dass es dort einen „fast vollständigen Ausfall der Fichte in den bisherigen Hauptschadgebieten“ gegeben hat. Übersetzt: Die Fichte ist dort überhaupt nicht mehr vorhanden. Positiv dagegen ist, dass in den Regionen, wo doch noch Fichten vorhanden sind, in diesem Bestand aufgrund der günstigen Witterung und der eingeleiteten Schutzmaßnahmen für das Umfeld des Waldes eine Verbesserung eingetreten ist.


Wie geht es jetzt weiter?


Alle Beteiligten hoffen, dass sich der positive Trend nicht nur in Sachsen und Thüringen fortsetzt, sondern auch in anderen waldreichen Regionen wie dem Sauerland und der Eifel. Auch dort gingen die Schäden in die Milliarden, sind ganze Waldflächen geschädigt, kostet die Wiederaufforstung viel Geld. Entscheidend für die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf dürften vor allem die konkreten Wetter- und Brutbedingungen sein. Auch wenn da der Mensch wenig bis keine Einflussmöglichkeiten hat – eine konkrete Aufgabe geben die Behörden allen Beteiligten mit auf den Weg: Waldbesitzer mit Nadelholzbeständen sollten spätestens ab dem ersten Schwarmflug im April oder Mai wachsam sein. Und im Ernstfall schnell reagieren und das befallene Holz aus den Wäldern bergen.

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