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- SPD für Führerschein-Unterstützung und Eigentumsförderung
In ihrem Wahlprogramm äußern sich die Sozialdemokraten auch ausführlich zum ländlichen Raum. Mit ihren inhaltlichen Aussagen dürften sie eher mit der Union Schnittmengen finden als die Grünen Foto: andibreit Die SPD kündigt in ihrem Wahlprogramm 2025 an, den ländlichen Raum zu stärken. „Die ländlichen Räume in Deutschland sind unterschiedlich dynamisch, wohlhabend und zukunftsfest“, betonen die Sozialdemokraten. „Diese strukturellen Herausforderungen müssen bewältigt werden.“ Sie sehen dies in den Handlungsfeldern Modernisierung, Zusammenleben, Landwirtschaft, Mobilität und Gesundheitsversorgung als notwendig an. Die Partei will zudem das Breitbandinternet ausbauen und Kinos auf dem Land durch langfristige Förderprogramme unterstützen. Damit spricht sie viele zentrale Themen an. Für 17-Jährige schlägt die Partei einen Mobilitätspass mit 500 Euro Guthaben vor, den sie für Führerscheinkosten, Bahntickets oder Fahrräder nutzen können. Zudem will die SPD es Arbeitgebern ermöglichen, steuer- und abgabenfrei einen Führerscheinzuschuss von bis zu 2.000 Euro an Auszubildende und junge Beschäftigte auszuzahlen. Diese beiden Vorschläge sind ungewöhnlich, konkret. Tatsächlich ist der Führerschein für viele junge Menschen im ländlichen Raum teuer geworden, was zu Problemen führt. Eine pauschale Geldspritze für alle Jugendlichen wäre jedoch eine Verteilung nach dem Gießkannen-Prinzip. Leerstand-Strategie für den ländlichen Raum Mit ihrer Beobachtung zum teuren Führerschein stehen die Sozialdemokraten indes nicht allein. Handwerkspräsident Jörg Dittrich forderte im November einen Zuschuss für die Fahrausbildung . Dies sei für Auszubildende auf dem Land hilfreicher als das Deutschlandticket . Die SPD kündigt außerdem an, die Fahrausbildung zu reformieren, um die Kosten spürbar zu senken. Den Sozialdemokraten ist dabei bewusst, dass das Auto für viele Menschen in ländlichen Regionen unverzichtbar ist. Um leerstehende Immobilien in Wohn- oder Gewerberaum umzuwandeln, wollen die Sozialdemokraten mit gezielten Förderprogrammen und Anreizen Kommunen und private Eigentümer motivieren. Dies soll Teil einer umfassenden Leerstand-Strategie für den ländlichen Raum sein. Die SPD möchte das Programm „Jung kauft Alt“ ausbauen, bei dem zinsgünstige Kredite und Zuschüsse zur energetischen Sanierung gezahlt werden sollen. Dies käme nach Ansicht der Sozialdemokraten besonders jungen Familien zugute, die in kleinen Städten und Gemeinden ein Eigenheim suchen. Die SPD will außerdem Einheimischen-Modelle und Konzeptvergaben bei der Vergabe von Bauland stärken, damit ortsansässige Familien und Personen vergünstigtes Bauland kaufen können. Das klingt sinnvoll. Allerdings müssen sich die Sozialdemokraten in der Wohnungspolitik an ihren Taten messen lassen. Im Koalitionsvertrag hatte die bisherige Bundesregierung das Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr formuliert, was sie 2024 klar verfehlt hat. SPD setzt auf Landwirte als Umweltschützer In einigen Punkten bleibt die SPD vage, etwa wenn es zur Gesundheitspolitik heißt, die Versorgungssicherheit solle durch weitere Strukturreformen verbessert werden, insbesondere um die medizinische Versorgung in strukturschwachen Regionen zu sichern. Die Barrieren zwischen Praxen, Krankenhäusern und weiteren Versorgungseinrichtungen sollen aufgehoben werden. Ausführlich widmet sich die SPD der Agrarpolitik. „Für uns ist die Zukunft der Landwirtschaft digital und bürokratiearm“, heißt es griffig. Die Sozialdemokraten erklären, sie seien sicher, dass man auch in der konventionellen Landwirtschaft gut und nachhaltig arbeiten könne: „bodenschonend, tierwohlgerecht, klimaangepasst“. Damit setzt die SPD auf die Landwirte als Umweltschützer. Die Partei will es den Bauern nach eigenem Bekunden erleichtern, das zu tun, und sie will Planungssicherheit schaffen. Mit der neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 will sie diejenigen stärker unterstützen, die die Ressourcen Wasser, Boden und Luft schonen, zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen und Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung durchführen. Den Landwirtinnen und Landwirten will die SPD durch die Reform der Agrarförderung Rückendeckung geben. Ziel sei eine stärkere Honorierung und Vergütung von Leistungen, die den Arbeitskräften in der Landwirtschaft, den ländlichen Regionen und dem Tierschutz zugutekämen. Wie das genau geschehen soll, bleibt unklar. Zu einem zentralen Punkt der Bauernproteste, dem Agrardiesel, nimmt die Partei keine Stellung. Während CDU und CSU die Rückvergütung wieder vollständig einführen wollen, ist davon im SPD-Programm nicht die Rede. Insgesamt klingen die Aussagen im aktuellen Wahlprogramm der Sozialdemokraten zum ländlichen Raum präziser, realitätsnäher und weniger ideologisch als die der Grünen. Dies könnte die Partei bei einer Koalition mit der Union deutlich anschlussfähiger machen.
- Ein Bio-Tief oder nur eine Flaute?
Zu wenige Landwirte steigen um: Bauern können steigende Nachfrage nach Bio-Fleisch und Bio-Milch kaum noch erfüllen Foto: Couleur Die Bio-Bauern in Deutschland können die steigende Nachfrage nach bio-zertifizierten Milch- und Fleischprodukten kaum noch erfüllen. Während der Verbraucher also langsam, aber stetig auf Bio-Produkte setzt (und offensichtlich bereit ist, dafür auch mehr Geld auszugeben), schrecken noch immer viele Landwirte davor zurück, ihren Betrieb auf bio umzustellen. In den vergangenen Jahren seien zu wenige Höfe auf ökologische Erzeugung umgestiegen, sagt Bioland-Präsident Jan Plagge. Am Einzelhandel liegt das nicht mehr. Im Gegenteil: Plagge lobt große Bio-Offensiven wie die von Edeka Südwest als unverzichtbar. Der ökologisch und regional engagierte Einzelhandel ist längst der wichtigste Ort, an dem Kaufverhalten und Konsummuster merklich umgestellt werden. Vorausgesetzt, es gibt faire Preise für alle und faire Wertschöpfungsketten. Immerhin schreiben Discounter und Supermärkte Öko-Erfolgsgeschichte. Längst liegt ihr Bio-Umsatz über zehn Milliarden Euro im Jahr. Ihr Bio-Sortiment-Anteil liegt bei über 60 Prozent. Manche schrauben das Bioland-Schild ab 2024 kauften die Verbraucher in Deutschland für 16 Milliarden Euro Bio-Lebensmittel und Bio-Getränke. Und doch fragen sich manche: Ist der Bio-Boom schon wieder vorbei? Tief oder nur Flaute? Nach Jahren der Expansion haben zuletzt viele Betriebe aufgegeben. Betroffen sind vor allem kleinere, tierhaltende Höfe, die oft ohnehin nur noch Nebenerwerbsbetriebe waren. Manche schrauben das Bioland-Schild an ihrem Stall ab. „Die Ära ist nach zehn Jahren vorbei“, sagt eine Milchbäuerin im Vogelsbergkreis. Sie ist zur konventionellen Landwirtschaft zurückgekehrt – obwohl sie dann elf Cent pro Liter weniger von der Molkerei bekommt als bisher. Denn die Betriebskostenrechnung fängt das locker auf. Das Futter kostet nur noch die Hälfte von dem, was für das Biofutter ausgegeben werden muss. Und beim Rapsschrot kann der Hof die Hälfte der Kosten bei mehr durch Düngemittel erzielten Ertrag einsparen. Hinzu kommt: Anders als die Bio-Ackerbauern sind Bio-Milchbauern beim Verdienst deutlich schlechter gestellt. Obendrein spielt die Politik mit. Was selten auf den Höfen funktioniert. Über die Jahre sind immer mehr Auflagen aus Brüssel und Berlin dazugekommen, die am Ertrag zehren und die Arbeit erschweren. Dennoch: In der Summe sei der ökologische Landbau je nach Standort enorm wettbewerbsfähig, sagt Gerold Rahmann, der Präsident des Thünen-Instituts. Statistisch gesehen fallen die Einnahmen der Bio-Bauern nämlich durch die Öko-Prämie höher aus. Das Jahreseinkommen eines Bio-Bauern liegt im Schnitt bei 80.000 Euro. In fünf Jahren wollte die Ampel-Regierung 30 Prozent der Fläche in Deutschland für den Öko-Landbau ausweisen. Fünf Millionen Hektar. Wie beim Wohnungsmarkt wird das nicht im Ansatz funktionieren. Anfang 2022 wurden von den gut 36.000 Biobauern (gut 14 Prozent aller Betriebe) gerade mal 1,8 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet. Ohnehin erfüllten laut den Öko-Kennzahlen 2024 nur 64 Prozent aller Bio-Flächen die gegenüber der Bio-EU-Verordnung strengeren Richtlinien der Öko-Verbände.
- „Süchtig nach niedlichen Dingen“
Ob im Internet oder im Zoo – der Nachwuchs vieler Tierarten hat in unserer Welt das Zeug zum Star. Denn wenn wir Niedliches erblicken, versetzt uns das Gehirn kurzzeitig in einen Rausch Foto: Péronne vd Ham / pixelio.de Kulleraugen, kleine Stupsnase, hohe Stirn, wackelige Bewegungen. Warum wir dies so süß und niedlich finden, hat Konrad Lorenz vor Jahrzehnten untersucht. In einer 1943 erschienen Studie nannte der österreichische Zoologe und spätere Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin verschiedene Attribute, die er unter dem noch heute bekannten Begriff „Kindchenschema“ zusammenfasste. Die genannten Merkmale lösen bei uns fürsorgliches beziehungsweise beschützendes Verhalten aus und verbessern dadurch die Überlebenschancen einer Art. Unser Gehirn reagiert aber nicht nur so, wenn wir Neugeborene oder kleine Kinder sehen. Auch der tapsige Nachwuchs verschiedener Tierarten löst bei vielen von uns einen nicht zu unterdrückenden Reflex aus. Diesen ordnete Lorenz als Ergebnis einer evolutionären Anpassung ein. „Wir sind süchtig nach niedlichen Dingen, weil wir uns gut fühlen, wenn wir sie ansehen“, wird Joshua Paul Dale, Kulturwissenschaftler an der Chuo Universität in Tokyo, in einem kürzlich im Magazin National Geographic erschienenen Bericht zitiert. „Wenn wir etwas als niedlich wahrnehmen, erregt es unsere Aufmerksamkeit sehr schnell – innerhalb von einer Siebtelsekunde –, indem es den Orbitofrontalkortex (das Großhirnrindengebiet des Menschen, das sich direkt über der Augenhöhle vorne im Schädel befindet, Anm. d. Red.) aktiviert, das Genuss- und Belohnungssystem im Gehirn.“ Auf diese schnelle neuronale Aktivität, so Dale, würden langsamere Bewertungsprozesse folgen, die fürsorgliches Verhalten auslösen, Aggressionen abbauen und andere Bereiche des Gehirns aktivieren, die an Spiel und Mitgefühl beteiligt sind. An der Universität in Münster befasst sich der Verhaltensbiologe Prof. Dr. Norbert Sachser schon seit Jahrzehnten auch mit diesem Thema. Gemeinsam mit der Neurowissenschaftlerin Melanie Glocker und US-Wissenschaftlern der Universität Pennsylvania untersuchte Sachser 2009 noch einmal intensiv das Kindchenschema in einer Testreihe. 40 Porträts von Kindern im Alter von sieben bis 13 Monaten wurden mithilfe einer „Morphing Software" mit hohen und weniger hohen Kindchenschema-Werten ausgestattet. Ergebnis: Testpersonen fanden die Gesichter mit den hohen Werten durchweg niedlicher. Zwergflusspferd verzückt die Welt Bei verschiedenen Tierarten funktioniert dies gleichermaßen. Beispiele gibt es zuhauf: Der kleine Eisbär Knut im Berliner Zoo löste 2006 ein internationales Medienecho aus. Zurzeit verzückt das Zwergflusspferd Moo Deng aus Thailand die Welt. Und im neuen Jahr meldet sich garantiert bald wieder ein Zoologischer Garten, der mit einem „Tierbaby“ Besucherscharen anlocken möchte. „Niedlichkeit hat sich im Laufe der Evolution schlicht als so effektiv erwiesen, dass auch andere Tiere die entsprechende Reaktion in uns auslösen“, sagt Dale. Und dies tun wir gewissermaßen instinktiv. Das Verhaltensmuster ist angeboren und in der Regel kaum zu unterdrücken. In einem Gespräch mit der dpa erläuterte Norbert Sachser, dass vier Monate alte Babys bereits auf diese Schlüsselreize reagieren. „Die kann man natürlich noch nicht befragen, aber man kann zum Beispiel verschiedene Fotos zeigen und dann schauen: Wo gucken diese Babys wie lange hin.“ Bilder mit Kindchenschema bekämen mehr Aufmerksamkeit. Hundewelpen, Katzenjunge, Jungvögel, Fohlen oder Küken profitieren davon. Die Niedlichkeit dieses Nachwuchses löst einen tiefsitzenden Instinkt aus. In ihrer Werbung um die Gunst des Publikums oder der Kunden setzen nicht nur Zoologische Gärten oder Futtermittelhersteller bewusst auf das Kindchenschema. Auch Tierschutz- oder Umweltschutzorganisationen nutzen den Schlüsselreiz, um Unterstützer oder Spender zu gewinnen. Für Norbert Sachser ist es zum Beispiel kein Zufall, dass eine der größten internationalen Natur- und Umweltschutzorganisationen, der WWF, mit dem Großen Panda wirbt. Obwohl der Bär nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet hat, ist er weltweit bekannt. Sachser: „Zoos lösen keinen Hype damit aus, wenn sie sagen: Wir haben hier jetzt eine sehr, sehr seltene Giftschlange.“ Und es ist nicht verwunderlich, dass die Nachricht von einer Geburt im Zoo häufig zum Wochenende „verkauft“ wurde. Wenn die Medienmaschinerie einmal läuft, stehen die zahlenden Besucher Schlange.
- Wenn der Traktor zum Ladenhüter wird
Die Angst ist auch auf der Grünen Woche allgegenwärtig: Schwindende Nachfrage made in Germany sowie Handelskriege sorgen dafür, dass hier viele Hersteller von Agrarmaschinen Kurzarbeit anmelden oder sogar Arbeitsplätze streichen Foto: WFranz Ein schwacher Trost bei der schwindenden Nachfrage nach Traktoren, Mähdreschern und anderer Agrarmaschinen: Es trifft nicht nur Deutschland mit seinem traditionell sehr starken Maschinenbau, sondern jetzt im stärkeren Maße auch die USA und Kanada. Zuletzt hatte der Riesen-Konzern John Deere eine sehr schwache Nachfrage nach seinen Traktoren melden müssen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2023/24 brach der Nettogewinn beim Konzern um fast 42 Prozent auf 1,734 Milliarden Dollar ein. Der Konzern hatte im Juni unter anderem Stellenstreichungen in der Produktion angekündigt, diese aber nicht näher beziffert. Gerade die jetzt in der Krise steckenden Farmer und die in Angst lebenden Arbeiter in der Agrarindustrie waren Garanten für den Wahlsieg des Donald Trump gegen seine Großstadt-fixierte Gegnerin Kamala Harris. Diese dürften von Trump jetzt Schutz verlangen. Doch auch in Deutschland läuten angesichts der Probleme im Raum zwischen Emsland und Mecklenburg-Vorpommern, zwischen dem Bodensee und Hessen die industrie- und agrarpolitischen Alarmglocken: So schickte der westfälische Landtechnikhersteller Claas unlängst erneut Mitarbeiter in Kurzarbeit. Betroffen sind rund 1.000 Beschäftigte in der Produktion von Mähdreschern, Feldhäckslern und Groß-Traktoren im Stammwerk in Harsewinkel. „Die schwierige konjunkturelle Lage belastet seit einiger Zeit den gesamten Agrarsektor. Diesem negativen Trend können wir uns nicht entziehen“, teilte die Konzernführung mit. Bereits im September hatte das Unternehmen etwa 600 Mitarbeiter in Harsewinkel für drei Wochen in Kurzarbeit geschickt. Damals war nur die Mähdrescher-Produktion betroffen gewesen. Das 1913 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei selbstfahrenden Feldhäckslern und europäischer Marktführer bei Mähdreschern. Jetzt hofft man, dass die Krise nur temporär ist. Eine Gewissheit hat man dafür nicht. Handelskriege belasten das Geschäft Auch andere Landmaschinenhersteller wie Krone aus dem Emsland melden Probleme beim Absatz ihrer Maschinen. Eine immer stärker werdende Konkurrenz aus Fernost, der Klimawandel, der die Landwirtschaft vor allem in Afrika und Asien schon heute vor ganz neue Herausforderungen stellt, und natürlich die internationalen Spannungen machen der Branche zu schaffen. „Wir haben schon jetzt einen gestörten Welthandel im Bereich des Maschinenbaus in unserem Bereich“, erklärt ein Vertreter des Fachverbandes. Mähdrescher nach Russland? Genau deswegen setzt man bei Claas und Co. trotz aller politischer Spannungen weiter partiell auch auf das Russland-Geschäft, das früher ein großer Bestandteil des Geschäfts war. „Wir können und wollen uns nicht aus einer der weltweit wichtigsten Landwirtschaftsregionen zurückziehen“, sagte Claas-Chef Jan-Hendrik Mohr in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Und ergänzte: „Millionen Menschen in der Welt hungern. Grundsätzlich leisten wir mit unseren Maschinen einen Beitrag zur weltweiten Nahrungsmittelversorgung.“ Erntemaschinen wie Mähdrescher sind von den Sanktionen ausgenommen – anders als Traktoren , die als Hilfsfahrzeuge im Krieg eingesetzt werden können. Sie gelten als sogenannte Dual-Use-Produkte. Sollten in Russland keine Mähdrescher mehr einsatzbereit sein – und die Gefahr besteht angesichts des veralteten Maschinenparks und der Umstellung auf Kriegswirtschaft in Putins Reich –, trifft das weniger die Verbraucher in Russland oder in Westeuropa. Wird weniger Weizen zum Beispiel nach Afrika exportiert, drohen Hungersnöte. Nicht nur wegen fehlender Absatzmärkte für die eigenen Maschinen schaut die kriselnde Landmaschinen-Branche mit großer Sorge auf das ohnehin sehr fragile Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine bzw. dem Westen.
- Treffpunkt für Stadt und Land
Die Grüne Woche ist mehr als eine Messe der Landwirtschaft. Bis zum 26. Januar ist sie Treffpunkt für Entscheidungsträger des ländlichen Raumes. Zugleich bewährt sie sich als Begegnungsort für mehr Verständnis zwischen Stadt und Land Foto: © Messe Berlin GmbH Die Begegnung von Stadt und Land findet hier auf der Messe insbesondere am Wochenende statt. Landwirte, Lebensmittelhersteller, Waldbesitzer, Jäger, Maschinenhersteller zeigen und werben dafür, was sie in ihrem Alltag als Naturnutzer tun. Die Besucher werden zusätzlich zu dem, was ausgestellt und präsentiert wird, angezogen von einer Vielfalt von Fach- und Publikumsveranstaltungen. Dazu gehören etwa Kochshows mit jeweils eigenen Produkten vom Lande. Aktionen zum Mitmachen und Stände zum Probieren haben auch an diesem Wochenende Tausende Besucher angelockt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1926 haben mehr als 34 Millionen Menschen die Grüne Woche als weltweit größte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau besucht. Auch in diesem Jahr war sie besonders in den ersten Tagen mit vielen Fachvorträgen und Diskussionen ein zentraler Treffpunkt für den Dialog zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft – national und international. Für Dr. Mario Tobias, den Vorsitzender der Geschäftsführung der Berliner Messe, ist die Grüne Woche ein „Brennglas für drängende Branchenthemen“. Das hat sich bereits zum Auftakt der Messe bestätigt. 1500 Aussteller aus 60 Ländern erwarten bis zum Ende dieser Woche rund 300.000 Besucher. Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, unterstrich in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Städten und ländlichen Räumen: „Städte und Metropolen sind angewiesen auf die Landwirtschaft und einen konstruktiven Dialog. Die Grüne Woche bietet eine hervorragende Plattform, um Brücken zwischen Stadt und Land zu bauen.“ „ Zeit für die Verjüngung in der Landwirtschaft“ Christophe Hansen, Mitglied des Europäischen Parlaments, betonte die Notwendigkeit, die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft zu sichern: „Es ist Zeit für eine Verjüngung in der Landwirtschaft. Gleichzeitig müssen wir den Respekt vor der wirtschaftlichen Leistung der Betriebe wahren. Landwirte sind Unternehmer, die ihre Einnahmen steigern müssen, um nachhaltig zu wirtschaften. Weniger Bürokratie und klare Rahmenbedingungen sind dabei entscheidend.“ Derzeit seien nur knapp zwölf Prozent der Landwirte in der Europäischen Union unter 40 Jahre alt, das Durchschnittsalter liege bei 57 Jahren. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, forderte Planungssicherheit für die Betriebe, insbesondere im Bereich Tierhaltung: „Beim Stallumbau benötigen unsere Landwirte Lösungen, die mindestens 20 Jahre Bestand haben. Nur so können wir eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft gewährleisten.“ Heimische Landwirtinnen und Landwirte sorgten für Ernährungssicherheit: ein Garant für politische und gesellschaftliche Stabilität. Dieser Aufgabe sollen sie im Einklang mit dem Klimaschutz nachkommen, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen. Die Grüne Woche 2025 zeigt erneut die Vielfalt und Innovationskraft der Branche und bietet Besuchern die Gelegenheit, Landwirtschaft hautnah zu erleben und über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen ins Gespräch zu kommen. Sie ist zugleich eine Bühne für aktuelle gesellschaftliche Fragen wie Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltige Landnutzung.
- Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen zum Endspurt im Wahlkampf, zur Grünen Woche und zur Unruhe unter Jägern
Liebe Leserin, lieber Leser, Anfang dieser Woche haben verschiedene Parteiengremien ihre Spitzenkandidaten mit ihren Programmen ins Finale des Bundestagswahlkampfes geschickt. Die Themen auf Plakaten und Schlagzeilen verengen sich auf wenige Schwerpunkte. Die Grüne Woche rückt Themen in den Blickpunkt, die etwa in den „Townhall-Gesprächen“ des Kanzlers kaum eine Rolle spielen. In dieser Woche blicken wir gleichzeitig in die Länder, wo sich unter Jägern wieder Unmut zusammenbraut. Gefühlt werden wir in diesen Tagen und damit fünf Wochen vor der außerplanmäßigen Bundestagswahl von den Zahlen der Demoskopen und Prognostiker und bei Inhalten überwiegend von Wiederholungen von Schlagwörtern erschlagen. Irgendwie ist das ein anderer Wahlkampf als der, an den wir uns in der Vergangenheit mit starken oder auch schwachen Argumenten und Spitzenpolitikern mit all ihren authentischen Eigenarten gewöhnt hatten. Der Wahlkampf ist jetzt einfach anders. Die sozialen Medien nehmen da bei den aktuellen Veränderungen eine Schlüsselrolle ein. Sie sorgen dafür, dass mehr oberflächliche Stimmungen verbreitet werden, um an Stimmen zu kommen. Witzige Bildchen oder Filmchen und Sprüche, animierte Szenen – extrem verkürzte Ausschnitte und Zitate oder die berühmten GIFs, die über die Handys huschen, gehören jetzt dazu. Sie werden millionenfach weitergeleitet, meist ohne zu wissen, wo sie herkommen. Die AfD soll als Quelle ohne Absender besonders gut, kreativ und reichweitenstark sein. Die „alten Volksparteien“ gelten da entsprechend eines gepflegten Klischees als lahm und rückständig. Der Trend, dass in den Aussagen zunehmend nicht mehr alles stimmen muss, wird gerade in Amerika verstärkt. Das erreicht auch uns. Dahinter macht sich eine Definition von Meinungs- und Redefreiheit breit, die suggerieren will, dass es keine rechtlichen Grenzen bei Hass, Lügen, Fakes oder Beleidigungen gibt. Das schwappt in die Politik. Und schon machen wir uns Sorgen um die Festigkeit der Demokratie, wenn der politische Wettbewerb nicht mehr über Argumente, Überzeugungen, authentische Auftritte und nach demokratischen Selbstverständlichkeiten ausgetragen wird. Der coole Kanzler und die Suche in der Union nach der richtigen Tonlage In der Kürze des Wahlkampfes erleben wir einen Kanzler als SPD-Spitzenkandidat, der sich in einem Selbstbildnis darstellt, das so kein Außenstehender malen würde: besonnen, cool, Kriegsängste abräumend und immer die Nerven behaltend. Ist das authentisch? In seinen „Townhall-Gesprächen“ und parallel gegebenen Interviews mit den jeweiligen Lokalzeitungen muss alles ins beschriebene Schema passen. Bei der Konkurrenz werden die Themenfelder Wirtschaft, Arbeit, Sicherheit gesetzt, aber nicht so transportiert, wie sich die Wahlkampfstrategen der Union das durchgehend wünschen. Die Hamburger Vorstandsklausur der CDU hat die „Agenda 2030“ mit dem Leitgedanken auf den Weg gebracht, dass nur durch eine gute Wirtschaftspolitik mit Steuerentlastungen eine gute Sozialpolitik zu entwickeln sei. Am Ende soll ein Wachstum von zwei Prozent stehen. Unsicher ist man aber, wie die Zeitschrift „Cicero“ es gerade formulierte, in „welcher Tonlage“ der Spitzenkandidat seine Botschaften am besten transportieren sollte. Die Partei ist auf der Suche danach, warum sie mit ihrem Kanzlerkandidaten den Deckel von knapp über 30 Prozent nicht weiter nach oben durchstoßen kann. Die Frage, wo mehr Potenzial liegt, kann niemand sicher beantworten: links von der Mitte oder doch mehr von dort nach rechts . Oder: wie Wüst es macht oder andererseits Söder. Dabei unternimmt der Bayer nichts, um die Union von den alle Inhalte überlagernden voreiligen Koalitionsdebatten zu befreien. Bleiben wir damit bei unseren Themen und Inhalten, wenn sie schon im Wahlkampf kaum eine Rolle spielen. Die Grüne Woche wird leider überschattet von dem Thema Maul- und Klauenseuche. Da wird alles getan, um sie einzudämmen und die wirtschaftlichen Schäden nicht ins Uferlose gehen zu lassen. Unser Autor Christoph Boll hat sich gestern ausführlich damit befasst. Hoffnung auf einen Politikwechsel mit Neustart Foto: © Messe Berlin GmbH Aktuell aber bietet die Messe gerade in dieser Zeit Anlass, die Zukunftsperspektiven für die Wirtschaft und Naturnutzer in unseren ländlichen Räumen in den politischen Blickpunkt zu rücken . Landwirte und verbundene Interessengruppen nehmen die Gelegenheit in Berlin zum Anlass, an das zu erinnern, wofür sie vor einem Jahr mit ihren Treckern öffentlichkeitswirksam aufgefahren sind – und was daraus geworden ist. Die grünen Nummernschilder sind noch zu sehen, doch der Abbau der Steuerbegünstigung bis Ende dieses Jahres auf 0 ist gültige Beschlusslage. Andere Forderungen wie etwa Bürokratieabbau mit Abschaffung von doppelten Dokumentationspflichten sind bei der alten Koalition verhallt. Bauernpräsident Rukwied setzt nun auf einen Politikwechsel mit einem grundsätzlichen „Neustart“. Dabei wird nicht nur auf eine auch dem Lande zugewandte Regierung gesetzt, sondern auch auf Brüssel. Hoffnung machte der neue EU-Agrarkommissar Christophe Hansen aus Luxemburg ebenfalls auf der Grünen Woche: In der Vergangenheit habe es zu oft polarisierende Diskussionen zwischen Landwirten, Lebensmittelproduzenten und der Zivilgesellschaft gegeben. „Es ist mir ganz wichtig, dass diese Polarisierungen aufhören.“ Für einen grünen Landwirtschaftsminister war das – so hoffen viele auf der Messe – der letzte Auftritt. Auf eine weitere grüne Regierungsbeteiligung hofft hier auf der Messe und vor der Wahl ebenso wie in Bayern kaum jemand. Bundesagrarminister Cem Özdemir, der die Bundespolitik wahrscheinlich nach Baden-Württemberg verlässt, legte einen freundlichen Auftritt mit einem Appell zur Kompromissfähigkeit hin. Das brauche es trotz gegenläufiger Interessen für eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft. Die Angesprochenen selbst haben nach ihren Protesten wenig Kompromissfähigkeit der bisherigen Bundesregierung in Erinnerung. Nicht zu vergessen, was sich gleichzeitig in den Ländern tut Alles blickt auf Berlin und die Bundespolitik. Währenddessen grummelt es in den Ländern mit ihren Zuständigkeiten wie etwa für Forst und Jagd . Daran erinnert aktuell das Forum Natur in Brandenburg. Es hat nicht nur vor der Landtagswahl mit klarer Stimme auf sich und berechtigte Anliegen im ländlichen Raum aufmerksam gemacht. Sondern es erhebt sich jetzt erneut mit klarer Stimme gegenüber der frischen Landesregierung und dem Parlament in Potsdam. Vor der Landespressekonferenz dort haben sich hier die zum Forum Natur zusammengeschlossenen Vertreter von Bauern, Fischern, Jägern, Waldbesitzern bis zu den erneuerbaren Energien mit dem Koalitionsvertrag auseinandergesetzt. Sie erkennen „in der strukturellen und personellen Veränderung des Agrar- und Umweltministeriums großes Potenzial für positive Entwicklungen im ländlichen Raum“ . So formulierte es für das Forum der Vorsitzende Gernot Schmidt. Landnutzung und Naturschutz müssten in Zukunft viel stärker gemeinsam gedacht werden, hieß es dort weiter. Die beteiligten Waldbesitzer merken an: „Wie viel die Landnutzer für den Natur- und Umweltschutz tun, zeigt sich auch in unseren Brandenburger Wäldern.“ Das Forum formulierte dazu ein Zehn-Punkte-Programm, das auch woanders Schule machen könnte. Bleiben wir bei Brandenburg, das gerade nicht nur von der Maul- und Klauenseuche heimgesucht wird. Der Landesjagdverband dort geht noch auf ein anderes Thema ein, das die Jägerinnen und Jäger anhaltend umtreibt. Es geht wieder einmal um den Wolf und bisher bei uns wenig diskutierte Schäden durch ihn: In zwei Landkreisen wurden 2024 ein Teckel und ein Jagdhund beim Einsatz während der Nachsuche in Folge eines Verkehrsunfalls durch Wolfsangriffe verletzt und getötet. Im Jahr zuvor verlor eine Hundeführerin in Dahme-Spreewald ihre Beagle-Hündin mit anschließendem DNA-Wolfs-Nachweis. Mit den Entschädigungen tun sich die zuständigen Behörden dort schwer und verzögern offensichtlich die Regulierung. Hier ist sie übrigens einmal gewünscht! „ Wir können nicht länger hinnehmen, dass diese gravierenden Vorfälle weiterhin als Einzelfälle abgetan werden. Die Wolfspolitik in Brandenburg ist aus dem Rude r gelaufen. Es braucht jetzt endlich praxisnahe Lösungen für das Wolfsproblem“ , so der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg , Dr. Dirk-Henner Wellershoff. In Brandenburg herrsche mit über 1.000 die weltweit höchste Wolfsdichte. Der LJVB fordert die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht, eine deutliche Reduzierung des aktuellen Bestandes, eine Obergrenze für Wölfe und eine dauerhafte Jagdzeit. In einem anderen Land regt sich erneut Widerstand gegen ein geplantes Jagdgesetz. In Niedersachsen ruft die geplante Veränderung die Jägerschaft auf den Plan. Besonders im Fokus steht die von dem grünen Umweltminister angestrebte Einschränkung der Ausbildung von Jagdhunden an lebendem Wild. Sie ist nun einmal die Voraussetzung dafür, tierschutzgerecht jagen zu können. Die Demonstration der Jäger unter dem Motto „Jetzt geht`s ums Ganze – Jagd sichern, Natur bewahren“ beginnt am 30. Januar um 10 Uhr auf dem Schützenplatz in Hannover mit anschließendem Marsch zum Landtag. Tiernachwuchs löst Beschützergefühle aus Wie notwendig und berechtigt die Jagd ist, wissen wir. Gleichwohl lehnen viele die Jagd grundsätzlich ab, weil dabei Tiere getötet werden. Vor allem der tapsige Nachwuchs vieler Tierarten löst bei Menschen Beschützergefühle aus. Unser Autor Wolfgang Kleideiter beschreibt in der nächsten Woche dieses Phänomen in seinem Beitrag „Süchtig nach niedlichen Dingen“. Mit diesen Hinweisen verbleibe ich für dieses Wochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination
- Seuchenausbruch bedroht Fleischwirtschaft
Erstmals seit 1988 gibt es in Deutschland wieder einen Fall von Maul- und Klauenseuche (MKS). Bundesweit sind die zuständigen Behörden, Jäger, Landwirte und die Fleischwirtschaft alarmiert Symbolbild: Heinrich Linse / pixelio.de Die im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland vor wenigen Tagen in einem Wasserbüffel-Bestand festgestellte Viruserkrankung MKS ist zwar ein lokales Ereignis, aber mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Die örtlich zuständigen Behörden arbeiten an Bekämpfungs- und Schutzmaßnahmen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat einen Zentralen Krisenstab Tierseuchen einberufen. Sowohl für die Behörden als auch den Bauernverband hat jetzt die Eindämmung „höchste Priorität“, wie Präsident Joachim Rukwied formuliert. Die tückische Seuche liegt aktuell wie ein Schatten über der Grünen Woche , der Leitmesse der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin und damit in unmittelbarer Nachbarschaft des Ausbruchsortes Hönow im Kreis Märkisch-Oderland. Ställe für Rinder, Schafe, Ziegen oder Schweine wurden gar nicht erst installiert. Damit haben die Veranstalter schnell reagiert und verzichten auf die Paarhufer als übliche lebende Messeattraktionen. Der Mensch ist zwar für die MKS wenig empfänglich. Für die genannten Nutztiere allerdings ist sie hochansteckend. Das gilt übrigens auch für Paarhufer als Zoo- und Wildtiere. Das Virus wurde in Brandenburg durch das zuständige Landeslabor nachgewiesen und im Nationalen Referenzlabor für MKS des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bestätigt. Damit verliert Deutschland bei der Weltorganisation für Tiergesundheit automatisch die Anerkennung als „frei von Maul- und Klauenseuche ohne Impfung“. Während noch die epidemiologischen Untersuchungen zur Ermittlung der Einschleppungsursachen für die Seuche laufen, wurden bereits Sperrzonen in Brandenburg und Berlin eingerichtet und Verbringungsbeschränkungen für empfängliche Wiederkäuer und Schweine verhängt. Auswirkung auf die internationalen Handelsbeziehungen Der Seuchenausbruch wirkt sich direkt auf die internationalen Handelsbeziehungen aus. So hat Großbritannien den Import besonders gefährdeter Tierarten aus Deutschland verboten. Das betrifft lebende Tiere und Frischfleischprodukte. Zuvor hatten bereits Südkorea und Mexiko ein Einfuhrverbot für deutsches Schweinefleisch verhängt. Die Niederlande untersagten landesweit den Transport von Kälbern, da dorthin seit Anfang Dezember 2024 mehr als 3.600 Mastkälber aus Brandenburg geliefert worden sind. Ansonsten läuft der Handel innerhalb der EU mit kleinen Einschränkungen weiter. Denn dort gilt der Grundsatz, nur Importe aus betroffenen Regionen zu beschränken. Für das Bundeslandwirtschaftsministerium sind die wirtschaftlichen Schäden bislang nicht abschätzbar. Das Fachmagazin topagrar hingegen zitiert Steffen Reiter, Geschäftsführer des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF), mit der Aussage, „der Umsatzverlust dürfte in die Hunderte Millionen gehen“. „Südkorea oder Japan werden uns vorerst kein Fleisch mehr abnehmen“, glaubt Reiter. Im besten Fall könnte sich Deutschland in drei Monaten wieder für MKS-frei erklären. Bevor der Handel aber wieder floriert, dürfte es weitere Monate dauern. Landwirte erhalten für die MKS-Folgen keine Entschädigungen. Aus Sicht von Bauernpräsident Joachim Rukwied ist deshalb auch „der Schaden für die Tierhalter erheblich, weil Exportmärkte wegfallen werden“. Er hat Bund und Länder aufgefordert, die Seuche umgehend zu bekämpfen. Denn wie gravierend die Folgen der Seuche sein können, hat etwa Großbritannien 2001 nach einem schweren Ausbruch erfahren. Dort mussten damals mehr als sechs Millionen Tiere geschlachtet werden. Das zerstörte die Existenzgrundlage vieler Landwirte. Hohes Risiko indirekter Ansteckungen Die MKS wird durch ein Herpes-Virus ausgelöst und meistens durch direkten Kontakt zwischen erkrankten und empfänglichen Tieren übertragen. Allerdings besteht auch ein hohes Risiko einer indirekten Ansteckung über Gegenstände, Fahrzeuge oder Menschen. Ein Großteil der Tiere überlebt die Seuche geschwächt. Die Gefahr des Ausbruchs in Brandenburg besteht darin, dass Wasserbüffel meist extensiv gehalten werden. Es gibt daher die Möglichkeit, dass sich auf einer Weide Wildschweine oder Rehe infiziert haben. Da die Krankheit nicht unmittelbar tödlich ist, können infizierte Tiere auch über größere Strecken wandern. Einschränkungen für die Jagd Deshalb sind deutschlandweit die Bundesländer alarmiert. Jäger werden gebeten, auf die Teilnahme an Jagden und Veranstaltungen mit Tieren jeglicher Art in Brandenburg zu verzichten. Denn „durch Jagdreisen nach Brandenburg oder Jagdgäste aus Brandenburg besteht eine Gefahr der Einschleppung der Tierseuche“, so das Referat Tierseuchen des Thüringer Sozialministeriums. Es mahnt zudem zur strikten Einhaltung der Hygieneregeln bei der Jagdausübung. In Niedersachsen hat das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) mit Gültigkeit bis zum heutigen Freitag alle Veranstaltungen mit Klauentieren untersagt. Erkrankte Tiere zeigen typische Symptome wie Blasen an Maul, Zunge, Klauen oder Zitzen. Die Wasserbüffelherde, in der die Seuche ausgebrochen war, wurde umgehend gekeult, ebenso ein benachbarter Schweinebestand. Denn in einem Steckbrief des für Tiergesundheit zuständigen Bundesforschungsinstitutes heißt es, dass alle Klauentiere getötet und unschädlich beseitigt werden müssen, wenn in einem Betrieb auch nur ein Tier erkrankt ist. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Institutes ist der Virustyp des Brandenburger Falls hauptsächlich im Nahen Osten und in Asien zu finden. Die Wissenschaftler haben die Herkunft des Erregers auf das Gebiet Türkei-Iran eingegrenzt. Nun wird ein spezifischer Impfstoff produziert. Die Rezeptur dafür gibt es bereits in der MKS-Antigenbank. Innerhalb weniger Tage soll der Impfstoff bereitstehen, sodass eine Immunisierung aller angrenzenden Nutztierbestände anlaufen kann. Eine erste Testreihe konnte das Virus bei keinem Tierbestand im Umkreis von einem Kilometer nachweisen. Es scheint sich somit vorerst um einen isolierten Ausbruch zu handeln.
- Wildnis oder Wirtschaftswald: Stadt und Land gemeinsam
Wälder sind für viele Menschen ein Sehnsuchtsort – besonders für Städter, die in der Natur Ruhe und Ausgleich suchen. Für Landbewohner hingegen sind Wälder häufig Arbeitsplatz, Wirtschaftsgut und kulturelles Erbe Foto: mariohagen Unterschiedliche Perspektiven führen immer wieder zu Konflikten. Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit unserem Wald. Soll er ein unberührter Rückzugsort sein oder eine Ressource, die genutzt werden darf? In Zeiten des Klimawandels und der Artenkrise ist klar: Wälder sind eine gemeinsame Verantwortung. Doch wie können Stadt und Land zusammenarbeiten, um ihre Zukunft zu sichern? Wälder erfüllen viele Funktionen, die weit über das hinausgehen, was auf den ersten Blick sichtbar ist. Sie nehmen Kohlendioxid auf, speichern es und filtern Schadstoffe aus der Luft. Ohne diese „grünen Lungen“ würde sich der Klimawandel noch weiter beschleunigen. Gerade Städter nutzen Wälder zudem als Rückzugsorte für Sport, Spaziergänge und Entspannung. Studien zeigen, dass der Aufenthalt im Wald Stress abbaut und das Immunsystem stärkt. Gleichzeitig sind Wälder Lebensraum für mehr als 70 % aller terrestrischen Tier- und Pflanzenarten. Ihr Schutz ist essenziell, um das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Für viele Landbewohner stellen Wälder jedoch eine wirtschaftliche Grundlage dar: Die Forstwirtschaft schafft Einkommen und Arbeitsplätze, besonders in ländlichen Regionen. Ohne diese Einnahmen könnten viele Waldbesitzer ihre Flächen nicht erhalten. Doch während Städter häufig die ästhetischen und ökologischen Aspekte schätzen, stehen für Landbewohner oft die wirtschaftlichen Realitäten im Vordergrund. „ Wild“ und unangetastet oder wertvolles Gut? Diese unterschiedlichen Sichtweisen auf den Wald führen immer wieder zu Spannungen. Viele Städter wünschen sich Wälder, die „wild“ und unangetastet wirken. Sie fordern weniger Holzfällung und mehr Schutzgebiete. Dabei übersehen sie oft, dass ein ungenutzter Wald nicht automatisch gesund ist. Sturm-, Käfer- und Dürreschäden erfordern gezielte Pflege, die nur durch aktive Bewirtschaftung möglich ist. Für viele Waldbesitzer ist Holz ein wertvolles Gut, dessen Verkauf die Pflege und den Erhalt des Waldes finanziert. Der Druck, ökologisch nachhaltige, aber gleichzeitig rentable Forstwirtschaft zu betreiben, wächst durch die Erwartungen aus der Stadt und findet sich in Gesetzesvorschlägen wie dem Bundeswaldgesetz wieder. Besonders in der Nähe von Städten werden Wälder zudem stark für kostenfreie Freizeitaktivitäten genutzt. Wanderer, Mountainbiker und Hundebesitzer schaden oft unbewusst sensiblen Ökosystemen, die vor allem im Winter Schutz und Ruhe brauchen. Verständnis und Abbau von Vorurteilen durch Bildungsprojekte Anstatt in Gegensätzen zu denken, sollten Stadt und Land die Wälder als gemeinsames Gut betrachten. Ein Ansatzpunkt ist die Vermittlung von Waldwissen. Förster können Städtern in Workshops oder Führungen die komplexen Zusammenhänge des Waldmanagements erklären: Warum braucht ein Wald Pflege? Welche Rolle spielt Totholz? Solche Bildungsprojekte können Verständnis fördern und Vorurteile abbauen. Ebenso können Städter ihren Beitrag leisten, indem sie nachhaltige Holzprodukte kaufen oder ihren Papierverbrauch reduzieren. Regionales Holz ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Wirtschaft und entlastet globale Wälder. Gemeinsame Projekte wie Aufforstungsinitiativen, bei denen Städter und Landbewohner zusammenarbeiten, schaffen ein Bewusstsein für die Verantwortung aller. Auch politische Maßnahmen sollten Waldbesitzern Anreize bieten, nachhaltige Praktiken umzusetzen, und gleichzeitig Naturschutzmaßnahmen finanzieren, anstatt ihnen den politischen Willen Einzelner aufzuoktroyieren. Städte könnten durch Patenschaftsprogramme oder finanzielle Beiträge Verantwortung übernehmen. Statt Wälder als getrennte Themen von Stadt und Land zu betrachten, sollten wir erkennen, dass sie uns alle verbinden. Der Schutz der Wälder ist keine Frage von „Wildnis oder Wirtschaftswald“, sondern eine Frage der Balance. Er erfordert Kompromisse und das Verständnis, dass Wälder vielfältigen Ansprüchen gerecht werden müssen – von Klimaschutz bis Freizeit, von Holzproduktion bis Biodiversität. Wenn Stadt und Land gemeinsam Verantwortung übernehmen, können wir die Wälder als Lebensgrundlage für kommende Generationen bewahren. Denn ob wir in einer Millionenstadt oder in einem kleinen Dorf leben: Ein gesunder Wald ist unser gemeinsames Erbe – und unsere gemeinsame Zukunft. Unser Gastautor Torben Hammer, studierter Forstwissenschaftler, berät private Forstbetriebe hinsichtlich innovativer Waldbewirtschaftungen und Märkte.
- Ziele der Grünen für den ländlichen Raum: Große Lücken
Die Grünen-Bundestagsfraktion beschreibt auf ihrer Website die ländlichen Räume mit treffenden Beobachtungen. Doch in ihren politischen Zielen fehlen entscheidende Punkte, um das Leben von Dorfbewohnern und Kleinstädtern zu verbessern Foto: pasja1000 Ein Lob der ländlichen Räume steht seit einigen Wochen auf der Homepage der Grünen im Bundestag : Sie betonen zu Recht, dass mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland gern auf dem Land lebt. Und dass ländliche Regionen in Deutschland vielfältig sind, von industriell geprägten Gebieten bis zu touristischen Orten. Die Grünen sehen eine große Chance für die ländlichen Räume: „Es ist das Zuhause von vielen Familien, das Handwerk ist stark vertreten und die erneuerbaren Energien kommen von hier.“ Die Grünen-Fraktion nennt Ziele: Sie will das Leben in ländlichen Regionen zukunftsfest und lebenswert gestalten, unter anderem durch bessere Infrastruktur, erneuerbare Energien und nachhaltige Mobilität. Dafür setzen die Abgeordneten auf eine finanzielle Unterstützung für Kommunen und Unternehmen. Land- und Forstwirtschaft kommen nicht vor Die Grünen würdigen die ländlichen Gebiete für Deutschlands Wohlstand, da sie die Hälfte der Wirtschaftsleistung erbringen. Das klingt erst einmal gut und richtig, und wer würde widersprechen? Sinnvoll ist es auch, eine nachhaltige Mobilität, eine gute Gesundheitsversorgung und eine digitale Infrastruktur für die ländlichen Räume anzustreben. Doch bemerkenswert ist, was unter dem Punkt „Das wollen wir anpacken“ steht – und was fehlt. Die grünen Bundestagsabgeordneten erwähnen weder die Land- noch Forstwirte, obwohl ihre Partei im Bund den Landwirtschaftsminister stellt und es rund 250.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland gibt. Auch die zunehmende Zahl der Fernpendler – 3,9 Millionen legen zur Arbeit mehr als 50 Kilometer zurück – kommt nicht vor. Zwar wollen die Grünen den Öffentlichen Personennahverkehr mit Rufbus- und On-Demand-Systemen ausbauen. Doch das hilft denen nicht wirklich, die jeden Tag mit der Bahn, Bus oder Auto viele Kilometer zu ihren Arbeitsplätzen zurücklegen müssen. Was hat das Demokratiefördergesetz mit dem ländlichen Raum zu tun? Bedarfsgerecht ausstatten wollen die Grünen den Kinder- und Jugendplan, um zum Beispiel die Öffnung von Vereins- und Kirchenräumen für Jugendliche nach 17 Uhr zu fördern. Zudem wollen die Grünen für den ländlichen Raum das Demokratiefördergesetz anpacken, um zivilgesellschaftliches Engagement gegen Demokratiefeinde finanziell zu fördern, vor allem Projekte gegen Rechtsextremismus. Ein Entwurf liegt schon länger vor, scheiterte aber in der Ampel-Koalition an Vorbehalten der FDP. Die Liberalen verlangten zu Recht eine Extremismusklausel im Gesetz, um die Förderung linksradikaler Gruppen auszuschließen, was Grünen und Sozialdemokraten missfiel. Fördern wollen die Grünen „gemeinschaftliche Wohnformen für Senior*innen“, damit Menschen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Während man sich fragt, was der Kinder- und Jugendplan, altersgerechte Wohnungen und ein Demokratiefördergesetz explizit mit dem ländlichen Raum zu tun haben, kommen zentrale Fragen für dünn besiedelte Gebiete nicht vor. Zum Beispiel die Schließung von Krankenhäusern und damit verbunden weitere Wege zur nächsten Klinik. So bleibt angesichts der mageren Ziele der Eindruck, dass die Grünen viele Probleme gar nicht kennen, mit denen sich Landbewohnerinnen und -bewohner täglich herumschlagen. Ihre Behauptung, der Gegensatz zwischen Stadt und Land werde oft übertrieben, sehen viele Betroffene wohl anders.
- Die Grüne Woche im Wahlkampf
Die Chance ist da. Die Parteien könnten die Grüne Woche diesmal intensiver als sonst dazu nutzen, um kurz vor einer Bundestagswahl ihre agrarpolitischen Positionen zu erklären Foto: DJV Die Grüne Woche erlebt immer wieder turbulente Jahre: 2021 und 2022 fand die Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau wegen der Corona-Pandemie nur digital statt. Nach einem „normalen“ Messejahr 2023 stand sie 2024 im Zeichen der landesweiten Bauernproteste. Und diesmal rückt das Stelldichein unterm Berliner Funkturm sehr nah an den Tag der vorgezogenen Bundestagswahl heran. Man darf also gespannt darauf sein, welche Schlagzeilen das Messegeschehen in diesem Januar beherrschen werden. Vom 17. bis zum 26. Januar öffnet die Grüne Woche ihre Tore. Im vergangenen Jahr zog sie rund 275.000 Besucher an. Mindestens genauso viele erwarten sicherlich die rund 1500 Aussteller aus 60 Ländern, die ab Freitag vor Ort sind. Ein facettenreiches fachliches Rahmenprogramm bietet parallel die Basis für einen intensiven Austausch. Schon am Mittwoch dürften Bauernpräsident Joachim Rukwied und Christian von Boetticher als Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie in der zentralen Auftaktpressekonferenz inhaltliche Akzente setzen. Zum traditionellen Messerundgang am ersten Tag der Grünen Woche werden Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, erwartet. Am Eröffmungstag wird in Berlin auf der Messe die Erklärung „Nutzung der nachhaltigen Holzenergie“ unterzeichnet. Von Hubert Aiwanger (Bayern) über Silke Gorißen (NRW) bis Peter Hauk (Baden-Württemberg) werden zu diesem Termin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) zahlreiche Landesminister und Spitzenvertreter der Branche kommen. Aktuelle Trends und Themen der Zukunft stehen bei einer Fülle von Kongressen im Mittelpunkt. Laut Veranstalter sind an den zehn Tagen nicht weniger als 300 Fachdiskussionen, Panels und Seminare geplant. Da fällt es selbst ausgefuchsten Messebesuchern schwer, die Übersicht zu behalten. Die Jagd ist wieder dabei Die Vielfalt der Aktivitäten und Leistungen im ländlichen Raum zeigt sich in ihrer Breite mit besonderen Aktivitäten und Veranstaltungsformaten. Neben dem Schwerpunkt der Agrarwirtschaft präsentiert sich auch der Deutsche Jagdverband wieder mit einem großen Stand in der „Grünen Halle“ 27 an gewohnter Stelle. Dort bietet der DJV Wissenswertes rund um die Jagd, den Natur- und Artenschutz sowie Jagdhunde und Greifvögel. In derselben Halle ist auch ein Branchenstand der Deutschen Forstwirtschaft. Einen besonderen Stellenwert hat das hochkarätige Global Forum for Food and Agriculture (GFFA), das zum 17. Mal auf einer Grünen Woche stattfindet. Gastgeber ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Diesmal wird von Mittwoch bis Samstag intensiv über das Thema Bioökonomie und Nachhaltigkeit gesprochen. Es geht um nicht weniger als die Welternährung in einer Zeit starker klimatischer Veränderungen. Den Abschluss des Forums bildet die Berliner Agrarministerkonferenz, zu der rund 70 Ressortchefs erwartet werden. Es ist das weltweit größte Treffen dieser Art. Die Region und der ländliche Raum kommen aber in Berlin nicht zu kurz. Bäuerinnen-Forum, Fachkonferenzen des Deutschen Bauernverbandes, Verleihung des „Regional-Star 2025“ an regionale Konzepte des Lebensmittelhandels, Startup-Days und das 18. Zukunftsforum „Ländliche Entwicklung“ gehören während der Grünen Woche zum Programm. Das Zukunftsforum befasst sich – passend zum bevorstehenden Wahltag – mit dem Generalthema „Teilhabe, Demokratie und Zusammenhalt in ländlichen Regionen“. Dass die Politik dieses Gipfeltreffen der Agrarbranche ungenutzt lassen wird, ist kaum anzunehmen. Die schönen Bilder an einem Messestand, an dem man regionale Köstlichkeiten genießt oder ausprobiert, sind aber nur die eine Seite der Medaille. Der Bauernverband zum Beispiel hat zehn Kernanliegen zur Bundestagswahl formuliert. Die Landwirtschaft erwartet auch auf der Grünen Woche im Austausch ernstgemeinte Antworten. Gleiches gilt für die Kernforderungen zur Wahl aus dem Bereich der Jagdverbände. Schnell reagiert haben die Messeveranstalter auf die ersten Fälle von Maul- und Klauenseuche in Brandenburg. Man geht auf Nummer sicher: Paarhufer wie Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe sind diesmal auf der Grünen Woche nicht zu sehen.
- Mit Hörnerklang gegen Änderung des Jagdgesetzes
Rund zweieinhalb Jahre nach der letzten Änderung des niedersächsischen Jagdrechts plant die grüne Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte erneut eine Novellierung. Für Jäger geht es ans Eingemachte Foto: Kirsten Kasselmann / pixelio.de Die Grünröcke machen deshalb mit Hörnerklang mobil. Der Landesjagdverband (LJN) hat für Freitag, 30. Januar, zu einer Demonstration in Hannover aufgerufen. Das Motto „Jetzt geht´s ums Ganze – Jagd sichern, Natur bewahren!“ verdeutlicht, wie sehr die Jäger inzwischen unter dem Druck einer zunehmend urbanen Gesellschaft stehen, die Jagd nicht mehr als elementaren Bestandteil des ländlichen Raums sieht. Dabei führt das Landesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus seiner Sicht nur Gutes im Schilde. Es möchte mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf nach eigenem Bekunden „insbesondere Tierschutz-Aspekte bei der Jagdausübung in den Vordergrund stellen sowie ökologische, wildbiologische und ethische Kriterien stärker berücksichtigen“. Aus Jägersicht ist das Papier hingegen ein Beleg für eine ideologisch motivierte grüne Verbotspolitik. Allem voran betrifft das die Ausbildung oder Feststellung der Brauchbarkeit von Jagdhunden an lebenden Tieren. So sollen Bauhunde nicht mehr in Schliefenanlagen auf ihren Einsatz unter der Erde vorbereitet werden dürfen, obwohl dabei ausschließlich eigens für diesen Zweck gezüchtete Füchse eingesetzt werden, die nie direkten Kontakt mit den vierbeinigen Jagdhelfern haben. Auch ein Verbot des Übens und Prüfens von Jagdhunden hinter der lebenden Ente ist vorgesehen. Dabei ist die Ente durch eine Papiermanschette, die sich schnell im Wasser auflöst, kurzzeitig flugunfähig und simuliert so krankes Wasserwild. Wiederholt wurde wissenschaftlich belegt, dass diese sogenannte Prof.-Müller-Methode bei sachgemäßer Anwendung absolut tierschutzgerecht ist. Einzig die Einarbeitung von Jagdhunden in Schwarzwildgattern soll weiter möglich sein, wohl nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines nach wie vor drohenden Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Würde sie von den Wildschweinen auf Hausschweinbestände überspringen, könnte das für die landwirtschaftlichen Betriebe Niedersachsens mit rund acht Millionen Hausschweinen katastrophale Folgen haben. Ein Ende haben soll es nach Meinung der rot-grünen Landesregierung auch mit der Möglichkeit, wildernde Hunde und Katzen zu töten, die Jagd von Raubwild an Naturbauten auszuüben oder Totschlagfallen einzusetzen. Stattdessen möchte man die Jäger ans Gängelband nehmen und sie verpflichten, die Standorte von Lebendfallen nach Aufforderung den Behörden mitzuteilen. Darüber hinaus sollen Nutria von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen sowie Abschusspläne für Rehwild und Hegeschauen abgeschafft werden. Gespräche sehr unterschiedlich bewertet Sehr unterschiedlich bewerten beide Seiten die im Vorfeld geführten Gespräche. Das Ministerium spricht von einem Austausch mit der Landesjägerschaft und dem Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer Niedersachsen, um „bei der praxisgerechten Ausgestaltung des Gesetzesentwurfs“ zu helfen. Sie sieht damit ihren Willen zur „partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ belegt. Der Landesjagdverband hingegen bilanziert: „Am Ende von drei Dialogveranstaltungen müssen wir aber mit Ernüchterung feststellen, dass dieser Dialog einseitig war. … Wir haben unsere Ablehnung einer Novelle zwar deutlich formuliert, aber trotzdem in jedem einzelnen Punkt in der Sache diskutiert und argumentiert. Es wird aber nun deutlich, dass man unseren fachlichen Ausführungen und Argumenten kaum Gehör schenken wollte.“ Deutlich sei das während einer öffentlichen Diskussion im Landtag am 16. Dezember geworden. Vom Ministerium seien dabei keine der „in den drei vorangegangenen Dialoggesprächen vorgetragenen Argumente in den zentralen Punkten“ aufgenommen und berücksichtigt worden. Der Landesjägerschaft drängt sich vielmehr der Eindruck auf, „dass es um viel mehr als eine Änderung des Jagdgesetzes geht. Einige Vertreter von Tierrechtsorganisationen verfolgen kein geringeres Ziel als die langfristige Abschaffung der Jagd. Entweder teilt die Ministerin Miriam Staudte dieses Ziel oder sie lässt sich hier instrumentalisieren.“ Enttäuscht worden ist auch die Hoffnung, „dass sich die SPD-Fraktion von diesen rein ideologisch begründeten Verboten klar und unmissverständlich distanziert“. Aus Sicht des LJN überlässt vielmehr die SPD dem grünen Koalitionspartner beim Thema Jagd das Feld unkommentiert. „Wenn die rot-grüne Landesregierung den Gesetzentwurf so beschließt, dann ist das nicht nur ein Schritt zu weniger Natur- und Tierschutz und zum Schaden der Jagd. Das ist Politik gegen den ländlichen Raum – wieder einmal“, lautet das Gesamtfazit. Für den außenstehenden Beobachter drängt sich angesichts dieses bewussten Wegsehens die Frage auf, was eigentlich aus den „Waidgenossen“ geworden ist. Der Zusammenschluss sozialdemokratischer Jäger zu einem niedersächsischen Initiativkreis ist vor gut zehn Jahren angetreten, um die stiefmütterliche Behandlung der Jagd in der SPD-Landtagsfraktion zu beenden. Über diese Bemühungen um sachorientierte und faktenorientierte politische Entscheidungen ist kaum noch etwas zu hören. In der Diskussion über die nun geplante Gesetzesänderung jedenfalls haben die „Waidgenossen“ keine wahrnehmbare Rolle gespielt. Lautstarken Protest wird es aber sicher am 30. Januar ab 10 Uhr auf dem Schützenplatz in Hannover geben. Im Anschluss an die Kundgebung ist ein Marsch mit Jagdhörnern und in orange-farbiger Warnkleidung zum Niedersächsischen Landtag vorgesehen. Die Organisatoren setzen dabei nicht nur auf breite Unterstützung der rund 60.000 niedersächsischen Jäger, sondern auch auf die Solidarität weiterer Interessenvertretungen aus dem ländlichen Raum wie etwa der Landwirte. Vorbild ist sicher die vom benachbarten Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen organisierte Veranstaltung im März 2015 in Düsseldorf. Dazu kamen mehr als 15.000 Menschen, um gegen das vom damaligen NRW-Umweltminister Johannes Remmel geplante „ökologische Jagdgesetz“ zu protestieren.
- Deutschland vor neuer Zeitenwende
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und zurück auf diese Woche Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar befassen wir uns mit den Folgen, die der kurz bevorstehende Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident für Deutschland haben wird, gehen auf den Wahlkampf der Union sowie die dabei sichtbar werdenden Unterschiede zwischen CDU und CSU ein. Des Weiteren beschäftigt uns der Protest der Jäger in Niedersachsen gegen ein neues Jagdgesetz. Zum Abschluss noch ein kurzer Rückblick auf ein Ereignis, das vor einem Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte: die Blockade einer Fähre mit Wirtschaftsminister Robert Habeck an Bord. Von wegen ruhiger politischer Jahresauftakt. In den USA bietet Donald Trump einen Vorgeschmack auf seine kurz bevorstehende Präsidentschaft. Die Äußerungen zur Einverleibung von Kanada und Grönland sowie die geforderte US-Kontrolle über den Panamakanal mögen für europäische und speziell deutsche Ohren abstrus klingen. Doch niemand sollte sich täuschen: Aus Washington weht künftig ein sehr rauer, unberechenbarer Wind in Richtung Europa. Er dürfte die hiesige Politik – egal ob in den Bereichen Landwirtschaft, Handel, Energie oder Sicherheit – stark durcheinanderwirbeln. Auch hier ist der Begriff Zeitenwende keineswegs zu hoch gegriffen. Der Mann aus New York muss leider politisch bitterernst genommen werden. Für jede neue Bundesregierung wird die künftige US-Administration eine gewaltige Herausforderung. Wie man auf diese besser nicht reagieren sollte, hat die gescheiterte Ampelkoalition zumindest in ihrer Endphase drastisch gezeigt. Richtungsstreitigkeiten und persönliche Animositäten schwächten die Handlungsfähigkeit nach innen und auch nach außen. In der Boxersprache würde man stehend k. o. sagen. Mit einer solch desolaten Koalition lässt sich einem Mann wie Trump gewiss nicht Paroli bieten. Für ihn zählen nur handfeste Fakten: Wirtschaftsstärke, militärisches Gewicht und außenpolitische Gestaltungskraft. Der noch amtierende SPD-Kanzler Scholz konnte und kann bei alldem wenig vorweisen. Entsprechend lächelnd und achselzuckend dürfte seine jüngste Kritik an Trumps Grönlandplänen im Lager des künftigen Präsidenten verhallen. Oder anders gesagt: Momentan befinden sich Scholz und damit die Bundesregierung im künftigen Washingtoner Machtzentrum nicht auf Augenhöhe . Umso wichtiger, dass Deutschland möglichst zügig eine neue, handlungsfähige Regierung bekommt. Für inhaltliche Klarheit und Konsens sorgen Momentan sieht es laut Umfragen so aus, als ob dem CDU-Mann Friedrich Merz das Kanzleramt kaum noch zu nehmen ist. Doch gemach, bis zur Entscheidung am 23. Februar kann noch einiges geschehen. Und auch im Falle seiner Wahl wird die Aufgabe für Merz schwierig genug sein, eine sachorientierte Koalition zu bilden und wirkungsvolle Reformen zu starten. Selbst im eigenen Lager, sprich der Union, ziehen momentan nicht alle voll an einem Strang. Wieder einmal ist es der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der dem gemeinsamen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU die politische Beinfreiheit nehmen will. Während Merz vernünftigerweise erklärt, er wolle für ein gutes Ergebnis der Union kämpfen, und keine Koalitionskampagne führen will, ergeht sich Söder in Koalitionsspekulationen, was wiederum auf Kritik in der Schwesterpartei stößt. Für viele Wähler dürfte ein solcher Zwist abschreckend wirken. Die Union wäre daher gut beraten, an dieser Stelle für inhaltliche Klarheit und Konsens zu sorgen. SPD und Grüne haben derweil aus inhaltlich-programmatischen Gründen bei den Wählern einen schweren Stand. Das Scheitern der Ampelkoalition fällt auch auf sie zurück. Hinzu kommen gerade im ländlichen Raum ideologisch motivierte Projekte, die mit der Lebenswirklichkeit der dortigen Menschen wenig zu tun haben. Beispiel Jagd. So legen die Grünen fast überall, wo sie in eine Landesregierung eingetreten sind, Hand ans Jagdrecht. Für die Jäger in Niedersachsen „geht´s ums Ganze“ , nachdem Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte ihren Entwurf für eine Novellierung vorgelegt hat. Einschränkungen, Verbote und Gängeleien gehen so weit, dass der Landesjagdverband für den 30. Januar zu einer Demonstration in Hannover aufgerufen hat. Nach einer Kundgebung marschieren die Teilnehmer mit Jagdhörnern und in orange-farbiger Warnkleidung zum Landtag. Das Ziel ist klar formuliert: „Jagd sichern, Natur bewahren“. Verärgert ist der Landesjagdverband nicht nur über die geplanten inhaltlichen Änderungen des Landesjagdgesetzes. Während das Ministerium die erfolgten Diskussionen als Beleg für seinen Willen zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Betroffenen sieht, spricht die Jägerschaft von einem einseitigen Dialog. In einem Blog-Beitrag wird unser Autor Christoph Boll am Montag außerdem die Enttäuschung der Waidmänner und -frauen über die SPD beleuchten. Sie hat nicht nur unwidersprochen die rein ideologisch begründeten grünen Positionen hingenommen, sondern überlässt ihrem Koalitionspartner beim Thema Jagd seit mindestens zehn Jahren das Feld komplett unkommentiert. Jahrestag des Schlüttsiel-Protestes Zum Abschluss noch ein Rückblick auf ein Ereignis, das vor einem Jahr für großes Aufsehen gesorgt hatte: Am 4. Januar 2024 blockierten Demonstranten eine Fähre am Hafen von Schlüttsiel , weil Wirtschaftsminister Robert Habeck an Bord war. Die durch Habeck berühmt gewordene Fähre „Hilligenlei“ lag am 4. Januar 2025 wieder in Schlüttsiel. Um die 150 Personen aus ganz Schleswig-Holstein versammelten sich an der Mole. Nicht jedoch, um zu demonstrieren, wie sie selbst betonten, sondern um Wurst, Kaffee und Glühpunsch aus den Buden und Imbissanhängern zu genießen. Überwiegend waren es Familien mit Kindern, während die Zahl der Landwirte eher überschaubar blieb. Landwirt Jan Küntzler, Mitorganisator des sogenannten Neujahrstreffens am Jahrestag des umstrittenen Schlüttsiel-Protestes , sagte: „Wir wollen Flagge zeigen.“ Die Veranstalter seien eine lose Verbindung von Handwerkern und Landwirten aus der Region. Man wolle alles noch einmal „aufleben lassen“ und an die Bauernproteste vor einem Jahr erinnern. Diese seien ein voller Erfolg gewesen, sind sich Küntzler und der Mitorganisator Hauke Hinrichsen, Fahrunternehmer aus Ellhöftbeide, einig. Auch der Schlüttsiel-Protest sei ihrer Meinung nach harmlos gewesen. Eingeladen wurde über Facebook, Instagram und WhatsApp. Den Sinn des Gedenktages sieht ein weiterer Teilnehmer auch ein wenig als Wiedergutmachung. „Wir sehen, dass einiges damals schiefgelaufen ist. Wir wollen den Ort wieder dahin rücken, für das er bekannt ist: als kleiner, süßer Fähranleger in Nordfriesland.“ Man wolle weg vom Negativimage des Ortes, heißt es. Ich wünsche Ihnen eine gute, positive Woche und verbleibe mit den besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Redaktionsleitung/Koordination












