Open Data für das Land
- Wolfgang Kleideiter

- vor 36 Minuten
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Hochwertige Daten sind ein Treibstoff. Von ihnen könnten die Menschen auf dem Land stärker als bisher profitieren. „Land.OpenData“ unterstützt wegweisende Projekte. „Govdata.de“ lässt sogar bereits erfasste Jagdbezirke einsehen

Mit 2,6 Millionen Euro stärkt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat in diesem Jahr die digitale Zukunft ländlicher Kommunen. Im Rainer-Ministerium weiß man seit langem, dass ohne die Digitalisierung die ländlichen Räume sonst dauerhaft das Nachsehen haben werden. Gezielt unterstützt werden die sogenannte Interoperabilität und die immer wichtiger werdende öffentliche Nutzung der grundlegenden Daten in kleinen Städten und Gemeinden.
Mit Interoperabilität wird die Fähigkeit verschiedener IT-Systeme, Anwendungen oder Organisationen bezeichnet, nahtlos und sicher miteinander zu kommunizieren, Daten auszutauschen und die Informationen gemeinsam zu nutzen. Dank der Fördermittel aus dem Landwirtschafts- und Heimatministerium kann zum Beispiel der Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in den kommenden Jahren seine Rettungsdienstdaten mit den komplexen Planungs- und Analysesystemen des örtlichen Gesundheitsamtes verknüpfen. Die Gesundheitsversorgung in der Region soll eine faktenbasierte Grundlage erhalten. Mehr wissen, um besser zu entscheiden.
Öffentlich zugängig und unerschöpflich
Daten sind heute eine unerschöpfliche und in zahlreichen Fällen auch öffentlich zugängliche Quelle. Deutschland verfügt mit der Website „Govdata.de“ seit Jahren über ein nationales Metadaten-Portal, in dem man aktuell schon über 148.000 Datensätze verschiedener Behörden des Bundes, der Länder und der Kommunen findet. Und jeden Tag werden neue Dateien und Tabellen bereitgestellt. Wer wissen will, wo die WLAN-Hotspots in Erkrath bei Düsseldorf liegen, wird in diesem Datentopf ebenso fündig wie jemand, der die Jagdbezirke im Kreis Recklinghausen einsehen möchte. Unzählige Behördendaten sind dort gesammelt. Ohne grundlegende technische Kenntnisse und Hintergrundwissen sind sie allerdings kaum verwertbar. Oft handelt es sich um Rohmaterial für Experten aus Verwaltungen, der Politik oder der Wirtschaft. Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland (Stand 2025) bei der Open-Data-Reife auf dem 16. Platz.
Otto Normalverbraucher dürfte mehr darauf schauen, ob ihm Daten im privaten Alltag helfen. Zum Beispiel bei einem Ortswechsel mit der Familie. Was zeichnet den neuen Wohnort aus? Wo befinden sich Schulen, Kindergärten und andere wichtige Einrichtungen? Wie sieht der Immobilienmarkt aus? Es ist in solch einem Fall sinnvoller, verlässliche Daten zu nutzen, als sich auf Meinungen, Empfehlungen oder sein Baugefühl zu verlassen.
Hier setzt auch der Ideenwettbewerb „Land.OpenData“ an. Mit den Fördergeldern soll die digitale Zukunftsfähigkeit ländlicher Kommunen gestärkt werden. Ziel ist es, offene lokale und regionale Verwaltungsdaten überhaupt nutzbar zu machen und damit die digitale Daseinsvorsorge sowie die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu verbessern.
Erste geförderte Projekte
In diesem Jahr werden beim Wettbewerb acht kommunale Projekte aus sieben Bundesländern gefördert. So kann jetzt zum Beispiel die kleine Gemeinde Dörentrup in Nordrhein-Westfalen ein Umsetzungskonzept für den Aufbau einer offenen und strukturierten Datenablage erarbeiten. Bislang sind die Daten zum Gemeindegebiet analog und digital bei unterschiedlichen Fachstellen, Mitarbeitern und Institutionen zu finden. Eine ganzheitliche Übersicht fehlt. Am Ende soll das Datenwissen allen 8000 Menschen in der Gemeinde helfen. Einen ähnlichen Weg beschreitet auch der Wetteraukreis in Hessen. Hier soll das Open-Data-Projekt zeigen, welche Beteiligungsmöglichkeiten für die Bewohner existieren und welche Funktionen nötig sind, um Daten spannend und anschaulich zur Verfügung zu stellen.
Alle acht Förderprojekte haben gemein, dass sie fachlich begleitet werden und bestenfalls Vorbildcharakter für andere Gemeinden und Kreise bekommen. Erkenntnisse und Ergebnisse werden fortlaufend veröffentlicht, um einen Wissenstransfer sicherzustellen. Hier haben Behörden von der Wissenschaft gelernt. Dort gehört es schon seit Jahrzehnten immer mehr zum Alltag, neben den Veröffentlichungen auch grundlegende Forschungsdaten und Rohdaten von Studien zur Verfügung zu stellen – als offene Daten.






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