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Cottbus macht es vor

  • Autorenbild: Wolfgang Kleideiter
    Wolfgang Kleideiter
  • 11. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Cottbus, Neumünster, Tirschenreuth – nicht die großen Player wie Köln, München oder Hamburg, sondern zwei kreisfreie Städte und ein Landkreis punkten in Deutschland bei Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität


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Luftaufnahme von Cottbus (Foto: A.Savin, Wikipedia)
Luftaufnahme von Cottbus (Foto: A.Savin, Wikipedia)

Das knapp 100.000 Einwohner große brandenburgische Oberzentrum Cottbus mausert sich immer mehr zu einem modern aufgestellten Dienstleistungs-, Wissenschafts- und Verwaltungszentrum. Die Stadt führt in puncto Dynamik das Regionalranking 2026 des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) an. Von Staat und Politik unterstützt, hat sich die frühere Braunkohlestadt laut IW-Auswertung in den vergangenen Jahren so stark wie keine andere deutsche Region entwickelt.


Als Treiber des Aufschwungs nach einem tiefgreifenden Strukturwandel gelten unter anderem der Campus Cottbus der Brandenburgischen Technischen Universität und das ICE-Instandsetzungswerk der Deutschen Bahn. Letzteres ist ein Gigant: In die 450 Meter lange Werkshalle können die 374 Meter langen ICE der neuesten Generation komplett einfahren. Rund 1200 Arbeitsplätze entstehen dort. Der Slogan „Die Kohle geht – die Bahn kommt“ hat in Cottbus seine Berechtigung. Und dort, wo zuletzt der Tagebau stattfand, entsteht der 19 Quadratkilometer große Cottbuser Ostsee mit einer 26 Kilometer langen Uferlinie. Schon bald ein touristischer Anziehungspunkt.


Regionen besinnen sich auf ihre vorhandenen Stärken


Ein Patentrezept oder einen Masterplan für die Verbesserung der wirtschaftlichen Dynamik gibt es weiterhin nicht. Auch bei diesem neuesten Ranking zeigt sich, dass sich Regionen bei Veränderungen auf ihre vorhandenen Stärken besinnen sollten. „Keine erfolgreiche Region hat auf einen kompletten Strukturbruch gesetzt – sie alle knüpfen an vorhandene Stärken an und entwickeln sie gezielt weiter“, sagt IW-Regionalexperte Hannon Kempermann.


Auf Rang zwei im Dynamikranking liegt Neumünster. Zwar zählt die Stadt in der Mitte Schleswig-Holsteins nicht zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands und gilt wegen der schwierigen kommunalen Haushaltslage als „Sorgenkind“. Aber sie punktet mit Unternehmensgründungen, einem Bevölkerungszuwachs und einer gestiegenen Lebensqualität. Das beschert ihr einen Platz auf dem Podium.


Klarer ist die Angelegenheit im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz. Dem Kreis an der bayerisch-tschechischen Grenze bescheinigen die Studienautoren die drittgrößte Dynamik in den vergangenen zehn Jahren. Der Kreis weist trotz günstiger Hebesätze bei der Gewerbesteuer das bundesweit höchste gemeindliche Steueraufkommen pro Kopf auf. Starke Einzelunternehmen wie das Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers und eine breite Branchenvielfalt begünstigen die Entwicklung. Schaut man im IW-Ranking auf die Liste der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen überhaupt, liegt Tirschenreuth hinter dem Landkreis München und der Stadt München bundesweit ebenfalls auf Platz 3.


Schlusslichter: Suhl, Duisburg und Gelsenkirchen


In ihrem Regionalranking 2026 analysieren die Forscher die wirtschaftliche Entwicklung der 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland, berücksichtigen dabei aber auch zu einem gewissen Grad weiche Faktoren wie zum Beispiel Ärztedichte, Wanderungsbewegungen oder Straftaten. Insgesamt schneiden die bayerischen Regionen weiterhin am stärksten ab. Der Landkreis München verteidigt seit 2016 ununterbrochen Platz eins. Elf der 20 stärksten Regionen liegen laut IW in Bayern – „dank hoher Steuerkraft, niedriger Arbeitslosigkeit und vieler hochqualifizierter Fachkräfte“. Am unteren Ende der Rangliste finden sich vor allem kreisfreie Städte: Schlusslicht ist das thüringische Suhl, knapp davor liegen die Ruhrgebietsstädte Duisburg und Gelsenkirchen.


Erstmals ist ein Zehnjahresvergleich möglich. Das Ergebnis hat auch die Forscher überrascht: Baden-Württemberg hat unter allen Bundesländern den höchsten Anteil an „Verlierer-Regionen“. Mehr als jeder zweite Kreis verlor seit 2016 mindestens 25 Ränge. „Das spiegelt den Transformationsdruck in der Industrie wider, die in Baden-Württemberg traditionell zu den zentralen Stärken zählte“, heißt es in der Bilanz. „Energiekrise, Stagnation und geopolitische Verwerfungen treffen den industriellen Kern Deutschlands besonders.“


Am besten hat sich Brandenburg entwickelt: 80 Prozent der Kreise zählen laut IW-Studie dort zu den Gewinnern. Insgesamt liegen 47 der 62 erfolgreichsten Regionen Deutschlands in Bayern oder Baden-Württemberg. Frankfurt am Main, der Main-Taunus-Kreis und der Hochtaunuskreis sind als südhessische Vertreter Teil der stärksten Regionen. Düsseldorf ist die stärkste Region aus NRW. Köln kann erstmals in die Top 60 vorstoßen. Besonders das südliche Umland Berlins etabliert sich im vorderen Umfeld. Aber auch die Bundeshauptstadt klettert langsam. In Sachsen-Anhalt und im Saarland schneiden viele Regionen erneut schwach ab. Fast die Hälfte der schwächsten Regionen liegt in Nordrhein-Westfalen oder Thüringen.

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