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  • Christian Urlage

Bauen in der Krise – kompliziert, zu teuer und zu lange

Kaum jemand will noch bauen. Die Zahl der Genehmigungen ist dramatisch zurückgegangen, die Auftragslage prekär. Die Krise im Wohnungsbau wird auch die Wohngemeinnützigkeit nicht lösen


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Baustelle
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Bauen in Deutschland ist aktuell zu kompliziert, zu teuer und es dauert zu lange. Und weil sich die Baubranche mit diesen Problemen herumschlägt, nannte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Peter Hübner, kürzlich erschreckende Zahlen: Für dieses Jahr droht demnach der Abbau von nicht weniger als 10.000 Stellen und ein sinkender Erlös von vier Prozent.


Nach einer Umfrage des HDB erwartet fast jedes Bauunternehmen, dass der Umsatz einbricht. Kein Wunder, dass die Stimmung düster ist. Kaum jemand will noch bauen. Die Zahl der Genehmigungen ist dramatisch zurückgegangen, die Auftragslage prekär. Und selbst wenn eine Wohnung genehmigt wird, heißt das noch lange nicht, dass sie tatsächlich gebaut wird.


Beim Wohnungsbau steckt die Bundesrepublik daher seit mehreren Jahren in einer tiefen Krise. Mit der Folge, dass wegen der hohen Nachfrage die Mieten steigen. Längst können sich tausende Familien eine Wohnung in den Metropolen nicht mehr leisten, und nicht allein Geringverdiener, sondern auch Menschen mit mittlerem Einkommen müssen ins Umland ausweichen. Zwar können sie die Vorzüge des Landlebens genießen. Doch unfreiwillig werden sie zu Pendlern, manche sogar zu Fernpendlern – mit allen nachteiligen Folgen für die Natur und das Klima.


Steigende Zinsen, teure Baumaterialien und Überregulierung


Die Gründe für den nachlassenden Wohnungsbau sind vielfältig: Steigende Kreditzinsen, weltweite Unsicherheit und höhere Baukosten wegen teurer Materialien zählen dazu. Aber auch ständig neue Vorgaben des Staates, während zugleich die öffentliche Verwaltung bei der dringend erforderlichen Digitalisierung nicht Schritt hält. Ebenso notwendig ist ein Abbau von Bürokratie und Überregulierung hin zu einem verschlankten Bauordnungsrecht. Ländliche Kommunen brauchen ebenso wie Großstädte mehr Möglichkeiten in der Raumplanung.


Als die Ampel-Parteien am 7. Dezember 2021 den Koalitionsvertrag unterzeichneten, kündigten sie noch vollmundig einen „Aufbruch in der Bau-, Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik“ an. Wörtlich hieß es: „Wir werden das Bauen und Wohnen der Zukunft bezahlbar, klimaneutral, nachhaltig, barrierearm, innovativ und mit lebendigen öffentlichen Räumen gestalten. Dabei haben wir die Vielfalt der Rahmenbedingungen und Wohnformen und individuellen Bedürfnisse der Menschen in ländlichen und urbanen Räumen im Blick.“ Als Ziel peilte die Koalition aus SPD, FDP und Grünen den Bau von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr an, davon 100.000 öffentlich geförderte Wohnungen.


Für eine Förderung durch den Bund fehlt das Geld


Schön wäre es. Aber dieses Ziel hat die Ampel klar verfehlt, denn tatsächlich wurden 2023 und im Jahr davor lediglich 295.000 Wohnungen fertiggestellt. In diesem Jahr könnten es nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) weniger als 250.000 Einheiten sein. Und es ist nicht erkennbar, dass der Bund Investitionen in den Wohnungsbau angemessen fördert, etwa durch steuerliche Anreize oder die Aufstockung von Förderprogrammen für Familien. Im Bundeshaushalt fehlt dafür das Geld, wie Bauministerin Klara Geywitz und Finanzminister Christian Lindner einräumen mussten.


Stattdessen hat das Kabinett nun die Wiedereinführung der Wohngemeinnützigkeit beschlossen – ein umstrittener Schritt. Denn die Wohngemeinnützigkeit hat die Regierung von Helmut Kohl 1990 wegen zahlreicher negativer Erfahrungen abgeschafft: Misswirtschaft, Fehlentwicklungen im Städtebau und zu viel Bürokratie sprachen dagegen, ebenso Skandale um die „Neue Heimat“. Und Wohngemeinnützigkeit löst auch nicht das Problem, dass zu wenig Wohnungen errichtet werden, wenn sich später die Miete nicht rentiert.


Daher reagierten viele Beteiligte skeptisch, zum Beispiel der Deutsche Mieterbund: Der Präsident Lukas Siebenkotten erklärte, die Wohngemeinnützigkeit werde „nicht den Durchbruch bringen“. Ähnlich sieht es der Spitzenverband der Deutschen Wohnungswirtschaft GdW, der erklärte, angesichts des riesigen Wohnungsmangels reichten die Pläne bei weitem nicht aus. „Bezahlbarer Wohnraum lässt sich nur dauerhaft sichern, wenn Bund, Länder und Kommunen gemeinsam ihre Hausaufgaben machen“, betonte der Spitzenverband. Dafür braucht es ausreichend bezahlbaren Grund und Boden und ein funktionierendes Fördersystem.

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