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  • Wolfgang Kleideiter

Doch nur eine Eintagsfliege?

Der Test am Dorf-Himmel im Odenwald hat technisch funktioniert. Doch alltagstauglich ist das kombinierte Drohnen- und Lastenradsystem zur Belieferung entlegener Orte mit wichtigen Waren nicht. Knackpunkt ist die Rentabilität


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LieferMichel-Drohne im Flug (Foto: © Wingcopter)
LieferMichel-Drohne im Flug (Foto: © Wingcopter)

Unbemannte Drohnen für den Alltagseinsatz gewinnen zweifellos an Bedeutung. Im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid, wo die erst gesperrte und inzwischen gesprengte Rahmedetalbrücke der A 45 den Verkehrsfluss seit inzwischen zweieinhalb Jahren lähmt, fliegt seit kurzem rund 80-mal am Tag eine Drohne bis zu 6,5 Kilogramm schwere Pakete zwischen zwei Unternehmen hin und her. Ein Kilometer Luftlinie ist am Himmel schnell überbrückt, so fix geht es im Dauerstau am Boden nicht voran. Das Luftfahrtbundesamt hat den Linienflug, der nur zwei Minuten dauert, vor Monaten genehmigt.


Im südhessischen Odenwald wurde über einen längeren Zeitraum untersucht, ob man die Bewohner in den Dörfern, in denen es an einem Lebensmittelmarkt oder einer Apotheke mangelt, per Drohne mit Dingen des Alltags versorgen kann. Heute bringt die Drohne Milch, morgen das Medikament. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat das Projekt, das unter dem Namen „DroLEx“ (Drohnen-Lastenrad-Express-Belieferung) startete, mit rund 430.000 Euro gefördert.


Inzwischen ist der Test abgeschlossen. Der „LieferMichel“, so der eingängigere Name, hat seine Arbeit nach mehreren Monaten eingestellt. Der Drohnen-Hersteller Wingcopter, die Wissenschaftler der Frankfurt University of Applied Sciences sowie die beteiligten Unternehmen Rewe, Vodafone und Riese & Müller ziehen momentan Bilanz. Wurde mit „DroLEx“ ein Versorgungssystem aufgebaut, das ländlichen Regionen hilft?

Bei dem Projekt in Hessen konnten Bewohner der Michelstädter Ortsteile Würzberg und Rehbach eine Auswahl an Produkten über eine Website online bestellen. Sogar der Fußballclub SV Darmstadt 98, der jetzt in der Bundesliga scheiterte und absteigen muss, nutzte das System, um im Testgebiet Fanartikel zu verschicken.


Kein Großeinkauf möglich


Das logistisch aufwendige Projekt wurde zum guten Schluss noch einmal um einige Wochen verlängert, um neue Warenfelder zu testen und parallel immer die Akzeptanz bei den Kunden zu ermitteln. Schon vom ersten Tag an war aber klar, dass sich mit den Drohnen, die flott durch die Lüfte schwirren, kein Großeinkauf abwickeln lässt. Bei einer Traglast von rund sechs Kilogramm sind die Grenzen des Konsums schnell erreicht. Und auch die Leistungsfähigkeit der E-Bike-Lastenräder, mit denen die letzten Meter zum Kunden zurückgelegt wurden, ist überschaubar.


Entsprechend berichtete der Hessische Rundfunk jetzt darüber, dass das Fazit, das Hersteller und Wissenschaftler ziehen, ganz unterschiedlich ausfalle. Die Drohnen legten bei rund 150 Test-Bestellungen etwa 2500 Flugkilometer zurück. Der Betrieb im Luftraum habe geklappt, heißt es. Von einem rentablen Regelbetrieb der Lieferdrohnen sei man aber noch weit entfernt. Dafür sei es zum Beispiel erforderlich, dass Piloten bis zu zehn Drohnen gleichzeitig im Auge behalten und auch der Warenfluss rund um Start- und Landeplatz optimiert wird. In der Hochschule freut man sich darüber, dass bei dem Versuch die Möglichkeit eines Regelbetriebs zumindest bestätigt wurde. Die Forschung geht also auf jeden Fall weiter. Und Wingcopter will die bis 2025 erteilte Fluggenehmigung im Odenwald für weitere Tests nutzen.


Ob „LieferMichel“ eine Eintagsfliege war, bleibt abzuwarten. Bisher hatten es die Versuche dieser Art schwer. Erinnert sei hier an die DHL, die die Entwicklung eines eigenen Paketkopters im Sommer 2021 einstellte. Bis dahin hatte der Logistik-Riese mit großem Aufwand versucht, abgelegene Ziele wie die Insel Juist oder eine Alpengemeinde auf dem Luftweg versuchsweise mit Paketen zu versorgen. Der fliegende Postbote blieb bisher ebenso ein Traum wie der fliegende Paketauslieferer, den Amazon entwickelte. Der Versandhändler hat sein Prime-Air-Versuchsprojekt aber noch nicht aufgegeben, sondern experimentiert weiter an verschiedenen Standorten mit Lieferdrohnen.

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