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  • Michael Lehner

Der Kampf um die Erhaltung der Rauhfußhühner und den Artenschutz

Aktualisiert: 24. Mai

Die erfolgreichsten Auerhahn-Projekte gelingen durch tatkräftigen Einsatz von Jägerinnen und Jägern


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Foto: patrice schoefolt

Manche Umweltschützer interessiert am Auerhahn hauptsächlich die Hoffnung, dass sich mit den seltenen Vögeln Windkraftanlagen verhindern lassen. Wir erlauben uns den Hinweis, dass die Projekte zur aktiven Rettung der Bestände der Rauhfußhühner ohne Jäger kaum vorstellbar wären. Gegen alle Vorurteile, dass es Jägerinnen und Jägern allein ums „Tieretöten“ gehe: Der Abschuss von Birk- und Auerwild ist nämlich streng verboten, obwohl die Jagd wahrlich nicht schuld ist am Aussterben der wunderschönen Waldvögel.


Vom Schwarzwald im Süden bis in die brandenburgische Lausitz gibt es vielversprechende Versuche zur Wiederansiedlung von Ur- und Spielhahn. Mit beträchtlichem Aufwand: Ehrenamtliche machen sich auf den Weg nach Schweden, um die dort noch verbreiteten Vögel einzufangen und in den heimischen Wäldern auszuwildern. Wer die skandinavischen Wälder und die Scheu der Vögel kennt, der weiß: Ein Knochenjob. Genau so aufwändig sind Schutz und Beobachtung der Tiere in ihrer neuen Heimat. Und ja, zu diesem Schutz gehört auch die Bejagung von Beutegreifern. Im Gegensatz zu Rauhfußhühnern gedeihen die Bestände von Fuchs & Co. bekanntermaßen prächtig.


Beginnen wir im Norden: Die vermutlich letzte Auerhenne der Lausitz wurde 1998 in der Rochauer Heide gesichtet. Zu dieser Zeit entstand die Arbeitsgruppe „Auerhuhn“. Neben örtlichen Naturschützern von Anfang an dabei: Jäger, Förster und Privatwaldbesitzer. Im Jahr 2012 machten sie sich auf zu den ersten Schweden-Touren. Und mittlerweile gibt es eine breite Unterstützung von der Europäischen Union über die Stiftung „NaturSchutzFonds Brandenburg“ bis zur Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“.


Weniger bekannt (und weniger unterstützt), aber mitten in Deutschland nicht weniger aktiv: Die Gesellschaft zur Erhaltung der Raufußhühner und des Auerwildes im Sauer-, Sieger- und Wittgensteinerland e.V. (GERA). Wiederansiedlungspläne schmiedeten. Ein Zusammenschluss lokaler „Kampf“gemeinschaften, die bereits in den frühen 1990er Jahren. Die GERA gehört zum Steinfelder Kreis.


Wurzeln und kulturelle Werte der Jagd


Von den Anfängen an dabei: Jäger wie Dr. Heinrich Splittler von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW und Dr. Gunter Sodeikat vom Institut für Wildforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Züchter von Raufußhühnern, Jägerkameradschaften der Bundeswehr und Jagdaufseherverbände. Und es geht nicht nur um Rauhfußhühner, sondern um Jäger-Werte: „Zu den Wurzeln und zu den kulturellen Werten der Jagd zurückführen, um Verantwortung und Hege nach dem Bundesjagdgesetz für bedrohte Wildarten“.

 

Alles ist nur schwer vorstellbar ohne das Lebenswerk des bayerischen Auerhahn-„Papstes“ Hans Aschenbrenner, Tierarzt im oberpfälzischen „Lamer Winkel“. Und schon zu Lebzeiten eine Legende. Sogar beim NABU durfte der Jäger zum erfolgreichen Artenschutz Vorträge halten. Voller Liebe zur Natur und unseren Mitgeschöpfen. Ebenfalls im Süden kämpfen Förster, Jäger und Naturschützer fast verzweifelt um die letzten Hähne im Schwarzwald-Nationalpark. Wir zitieren unkommentiert, was dem NABU-Landesvorsitzenden dazu einfällt: „Trotz aller Willensbekundungen durch die Forstverwaltung wurde in den letzten Jahren für den Erhalt dieser Schwarzwald-Ikone zu wenig getan. 


Womöglich ist es nicht populär, darauf hinzuweisen, dass Natur-Tourismus als wichtige Ursache für den Rückgang der Auerwild-Populationen gilt. Oder dass die großen Vögel bevorzugt in Nadelwäldern leben – auch wegen der dort häufigeren Ameisenhaufen. Ohne Insektenlarven können Auerwild-Küken nun mal nicht gedeihen. Windräder hingegen sind wohl kein Problem: Breit angelegte Untersuchungen in Schweden zeigen, dass die Urhähne zu niedrig fliegen, um in den Gefahrenbereich der Rotoren zu geraten.


Ebenfalls aus Schweden stammt der Nachweis, dass auch in diesem Fall die Jagd nicht schuld ist: Die Jagdzeiten wurden in Schweden angesichts stabiler Bestände sogar verlängert. Und alle Jahre haben die Schweden ein paar hundert Hähne übrig, um deutschen Jägern und Naturfreunden auszuhelfen. Allein 25 Stück Birkwild jährlich zum Beispiel für die Wiederansiedlung auf der Rhön. Nebenbei bemerkt wird dort auch ein erfolgreiches Projekt initiiert von der (Jäger-)Stiftung „Wildland“.

 



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