Krabbenfischer beklagen „desaströse Lage“
Kaum Bestände in der Nordsee und hohe Kosten: Ein Großteil der Kutter bleibt schon seit Monaten in ihren Häfen

Die schleswig-holsteinische Krabbenfischerei steckt mitten in einer existenzbedrohenden Krise. An der Küste zwischen Elbmündung und dem dänischen Grenzgewässer sind die Bestände ausgegangen. Als Hauptursache nennt der Fischereiverband eine hohe Zahl von Wittlingen, von denen die Krabben gefressen werden. Dadurch sind die Krustentiere „so gut wie verschwunden“, wie es in der Branche heißt. Der Großteil der Krabbenkutter bleibt schon seit mehreren Monaten in den Häfen.
Dazu verschärfen hohe Betriebskosten die Lage. Allein die stark gestiegenen Dieselpreise lassen kaum noch das Auslaufen der Kutter zu. In den Häfen von Büsum, Husum oder Friedrichskoog, allesamt Hochburgen der Krabbenfischerei, wird es eng. Kutter neben Kutter, es gibt kaum noch freie Anlegekapazitäten. Einige wenige Kutter steuern mittlerweile niedersächsische Gewässer an, um überhaupt fischen zu können und die Netze teilweise zu füllen.
Konsumverzicht bei fallenden Preisen
Als nahezu grotesk stellt sich die Preissituation für die Delikatesse dar. Die Marktpreise sind in den Keller gerutscht, weil kaum noch jemand Krabben kauft. Jan Möller, Vorsitzender der Sparte See- und Krabbenfischerei im Fischereiverband Schleswig-Holstein, führt dies auf den allgemeinen Konsumrückgang in der Bevölkerung zurück. „Zu Zeiten, in denen das Geld bei vielen Menschen knapp ist, wird zunehmend auf den Kauf dieser Delikatesse verzichtet, auch bei fallenden Preisen“, sagte Möller den „Husumer Nachrichten“. Im Vergleich: Während das Krabbenbrötchen noch im Sommer 2025 rund 15 Euro kostete, wird es jetzt zu Preisen zwischen 7,20 und 11,50 Euro angeboten. Und doch bleibt der Handel zumeist darauf sitzen.
In dieser verzwickten Situation werden nach Hochrechnung des Verbandes bis Ende 2026 hohe Verluste geschrieben. Den Fischern bleibt allenfalls die Hoffnung, dass die aus der Familie der Dorsche stammenden Wittlinge wieder abziehen und die Krabben in heimische Gewässer zurückkehren. Und doch werden am kommenden Wochenende (17. und 18. Oktober) die „Husumer Krabbentage“ mit Krabbenpul-Meisterschaft und diversen Kochshows gefeiert. Zum großen Volksfest sollen mehrere Tausende von Besuchern kommen. So wie in den Vorjahren. Es muss angesichts der leeren Netze allerdings davon ausgegangen werden, dass die im Angebot stehenden Krabben nicht direkt vor der nordfriesischen Küste gefangen wurden.






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