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  • Wolfgang Molitor

Rückgrat für die Energiewende?

Das Regionalranking des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) ordnet den ländlichen Regionen bei der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Doch oft fehlt es an den tauglichen Flächen


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Solarranlagen und Windkraft
Foto: RainerSturm / pixelio.de

Ländliche Räume spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, dass die Energiewende in Deutschland erfolgreich sein wird. Das ist die Botschaft des IW-Regionalrankings. Denn zum einen sind die Wirtschaftsregionen in vielen ländlichen Regionen industriell geprägt. Zum anderen sind dort mehr als drei Viertel der Netto-Nennleistung zur Erzeugung von Solar- und Windenergie installiert. Saubere Energie vor der Haustür.


Natürlich ist auch die Wirtschaft in den ländlichen Räumen in Sachen Energiewende von den weltpolitischen und hausgemachten Herausforderungen betroffen. Ein knappes Drittel der Gesamtbeschäftigung ist dort verortet. Sogar 42 Prozent der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe entfallen auf die ländlichen Gebiete; knapp 36 Prozent der Bruttowertschöpfung wird hier erwirtschaftet. Wie stark der ländliche Raum ökonomisch ist, wird gern vergessen. Er ist eben weit mehr als Land- und Forstwirtschaft oder Landschaftspflege.


Geht es um Sonne und Wind, bescheinigt das IW-Ranking den ländlichen Regionen noch eine andere Stärke. Viele von ihnen verfügten anders als städtische Gebiete über Möglichkeiten, zum Gelingen der Energiewende beizutragen, so das Institut der Deutschen Wirtschaft. Genannt wird da vor allem das Flächenangebot. Weil Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wegen der einzuhaltenden Pufferzonen zu anderen Infrastrukturen meistens viel Fläche benötigen.


Erneuerbare Energie mit Flächenfraß


Dass das alles Fläche und Natur frisst, wird vom IW nicht verschwiegen, aber bagatellisiert. Schließlich könnten EEG-Anlagen dezentralisiert und kleinteilig installiert werden, sodass vorhandene Flächenpotenziale nutzbar seien. Da ist es von besonderem Interesse, wie das Ranking die Schwerpunkte verteilt. Für die Installation von EEG-Anlagen sei neben der naturräumlichen Eignung (stetiger Wind, viele Sonnentage) die Verfügbarkeit geeigneter Flächen bestimmend. Daher seien gerade jene ländlichen Räume im Vorteil, die über viel Freifläche, die keine Landschaftsschutzfläche darstellt, und nur über geringe Bevölkerungsdichte verfügt, „die möglichst konzentriert in städtischen Zentren beheimatet“ ist.


Alles in allem sei das eine Chance für den regionalen Raum, an der Energiewende teilzuhaben, erst recht dann, wenn sich zum einen die Effizienz der klimafreundlichen Energieträger steigern ließe und zum anderen die Installationsmöglichkeiten von neuen Anlagen zunähmen.


Das Fazit des IW wird dennoch nicht in allen ländlichen Regionen auf Zustimmung stoßen. Denn das bedeutet, ausreichend Flächen für unterschiedliche Nutzung vorzuhalten, um das Ziel einer Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zu erreichen. Gemeint sind Flächen, die zum Bau von neuen Solar- und Windkraftanlagen auch für Industrieansiedlungen und Betriebserweiterungen notwendig sind. Denn die Wirklichkeit sieht so aus: Es fehlt auch auf dem Land vielerorts an diesen Flächen. 95,3 Prozent der 127 am IW-Wirtschaftsförderpanel beteiligten Wirtschaftsförderungen geben jedenfalls an, gar nicht über ausreichend vermarktungsreife Industrieflächen zu verfügen. Was zeigt: Einfach wird es nicht, den ländlichen Raum zügig als Energiewende-Rückgrat auszubauen.

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