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  • Ludwig Hintjens

Gibt es auch ein politisches Stadt-Land-Gefälle?

Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung sieht auch Unterschiede bei den politischen Überzeugungen in Deutschland, die bei den Wahlen Folgen haben könnten


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Landschaft
Foto: Oliver Mohr / pixelio.de

Bei den politischen Einstellungen gibt es in Deutschland merkliche Unterschiede zwischen der Stadt und dem Land. Je ländlicher die Region, desto höher sind die Wahlerfolge der Unionsparteien und der AfD. Im Gegenzug schneiden die Grünen in städtischen Gebieten überdurchschnittlich ab. Die SPD hatte in der Vergangenheit mehr Wahlerfolge in den Städten. Allerdings war diese Tendenz bei der letzten Bundestagswahl nicht zu beobachten. Bei der FDP gibt es keine Unterschiede beim Wahlverhalten von Städtern und Landbewohnern.

 

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Stadt, Land, … Unterschiede“ der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, die am Montag veröffentlicht wurde. Dominik Hirndorf hat für die Studie zwei repräsentative Umfragen ausgewertet. Als städtisch gelten die Befragten, wenn sie in kreisfreien Städten oder in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern leben. Am größten sind der Studie zufolge die Sympathien für die Union auf dem „ländlichen Land“ mit weniger als 150 Einwohnern pro Quadratkilometer. Hier hegen 47 Prozent der Einwohner zumindest Sympathien für die Union. Am geringsten sind die Werte der Union in den Großstädten, wo sie nur auf 39 Prozent Sympathie stößt. Die Grünen erzielen in Städten, die mindestens kreisfreie Städte sind, mit 53 Prozent ihren Spitzenwert und im ländlichen Raum mit Sympathiewerten von 30 Prozent ihren niedrigsten Wert.

 

Die Unterschiede bei der Parteienpräferenz zwischen städtischen und ländlichen Bevölkerungsgruppen finden Entsprechungen bei den politischen Einstellungen etwa im Hinblick auf Themen wie Klimaschutz, Sozialstaat, Zuzugsmöglichkeiten und geschlechtergerechte Sprache. So finden tendenziell Menschen, die auf dem Land wohnen, den Einsatz für mehr Wirtschaftswachstum wichtiger als den Kampf gegen den Klimawandel. Auf dem Land haben die Menschen auch eine höhere Präferenz dafür, Steuern und Abgaben zu senken, und halten es nicht für so dringend, den Sozialstaat auszubauen. Auf dem Land sind ebenfalls mehr Menschen dafür, die Zuzugsmöglichkeiten für Ausländer nach Deutschland zu begrenzen, als etwa Menschen mit ähnlichen sozioökonomischen Merkmalen in der Stadt.

 

Der Forscher glaubt an einen Zusammenhang. Wenn etwa auf dem Land die Angst vor den Folgen des Klimawandels weniger stark ausgeprägt ist als bei städtischen Bevölkerungsschichten, dann führe dies zu „leicht verschobenen politischen Präferenzen“. Das heißt, die Partei der Grünen, die wie keine andere sich den Kampf gegen den Klimawandel auf die Fahnen geschrieben hat, erziele auf dem Land weniger Zustimmung als in der Stadt. Die höheren Zustimmungsraten für Unionsparteien und AfD auf dem Land erklärten sich ähnlich: Ausschlag könnten, so der Autor der Studie, die Einstellungen der ländlichen Bevölkerung zu den Themen Zuzug von Ausländern sowie Ausbau des Sozialstaats haben.

 

Städter sind mehr für den Ausbau der europäischen Einigung

 

Auch bei der Haltung zur EU gebe es Unterschiede zwischen Stadt und Land. Grundsätzlich sei die überwiegende Zahl der Deutschen proeuropäisch eingestellt. Doch Städter sind unter dem Strich mehr der Meinung, dass die europäische Einigung ausgebaut werden müsse, als die Menschen auf dem Land.

 

Kleine Unterschiede gibt es demnach sogar bei den Einstellungen zum Ernährungsverhalten. Rund 25 Prozent der Befragten in den Städten bekannten sich in der Umfrage zu „vegetarisch“ oder „vegan“ als wichtiges Essensmerkmal. Dieser Wert lag in der ländlichen Bevölkerung bei 15 Prozent.

 

Die Studie kommt jedoch nicht zu dem Schluss, dass es in Deutschland einen gravierenden Unterschied zwischen den politischen Einstellungen der Städter und der Landbevölkerung gibt. Es gebe vielmehr „leichte Differenzen in den politischen Einstellungen“, die eine Erklärung für das leicht unterschiedliche Abschneiden der Parteien in den Städten und auf dem Land böten.

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